Ottilienkapelle (Eppingen)

Datenbank Bauforschung/Restaurierung

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Sparkasse "Tempel"

ID: 114550880617  /  Datum: 02.02.2017
Datenbestand: Bauforschung und Restaurierung
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Objektdaten

Straße: Werderstraße
Hausnummer: 44
Postleitzahl: 79379
Stadt-Teilort: Müllheim

Regierungsbezirk: Freiburg
Kreis: Breisgau-Hochschwarzwald (Landkreis)
Gemeinde: Müllheim
Wohnplatz: Müllheim
Wohnplatzschlüssel: 8315074012
Flurstücknummer: keine
Historischer Straßenname: keiner
Historische Gebäudenummer: keine
Lage des Wohnplatzes: Lage des Wohnplatzes

Kartenansicht (OpenStreetMaps)

Objektbeziehungen

keine

Umbauzuordnung

keine

Weitere Objekte an diesem Wohnplatz

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Bauphasen

Kurzbeschreibung der Bau-/Objektgeschichte bzw. Baugestaltungs- und Restaurierungsphasen:

Nachdem die Räume der Bank zunächst alle im Erdgeschoss Platz gefunden hatten, zog der stete Bedarf nach weiteren Räumlichkeiten immer wieder zu eingreifenden Umbauten und Erweiterungen nach Süden und Osten bzw. einem Anschluss an die Villa Kräuter. Daher bildet heute der Altbau von 1912 nur noch das Kernstück eines ausgedehnten Baukomplexes. Von Veränderungen war vor allem das Erdgeschoss betroffen, sodass die Anlage der Kassenhalle als zentralem Raum heute nicht mehr erfahrbar ist. Nur noch Reste der Deckendekoration liegen hinter Abhängungen verborgen.


1. Bauphase:
(1912)
Die Errichtung des Bankgebäudes erfolgte 1912 nach dem Entwurf des Architekten Otto Hertel aus Badenweiler. Die Jahreszahl der Fertigstellung 1912 findet sich auch in der Inschrift des Giebeldreieckes (i).
Betroffene Gebäudeteile:
Betroffene Gebäudeteile
  • Erdgeschoss
  • Obergeschoss(e)
  • Dachgeschoss(e)
Bauwerkstyp:
  • Anlagen für Handel und Wirtschaft
    • Geschäftshaus

2. Bauphase:
(1956)
Die schwere, getriebene Bronzetür des Haupteingangs wurde geschlossen und 1956 durch eine Glastür ersetzt. (a)
Betroffene Gebäudeteile:
Betroffene Gebäudeteile
  • Ausstattung

Besitzer

keine Angaben

Zugeordnetes Objekt

keines

Fotos

Abbildungsnachweis
Sparkasse "Tempel" in 79379 Müllheim (Stefan King)
Abbildungsnachweis
Sparkasse "Tempel" in 79379 Müllheim (Stefan King)
Abbildungsnachweis
Sparkasse "Tempel" in 79379 Müllheim (Stefan King)
Abbildungsnachweis
Sparkasse "Tempel" in 79379 Müllheim (Stefan King)
Abbildungsnachweis
Sparkasse "Tempel" in 79379 Müllheim (Stefan King)

Zugeordnete Dokumentationen

  • Bauhistorische Untersuchung

Beschreibung

Umgebung, Lage:
Die Sparkasse befindet sich inmitten der Stadt Müllheim an der Werderstraße, die den Stadtkern horizontal durchläuft.
Lagedetail:
  • Siedlung
    • Stadt
Bauwerkstyp:
  • Anlagen für Handel und Wirtschaft
    • Geschäftshaus
Baukörper/Objektform (Kurzbeschreibung):
Der Architekt wählte für das Sparkassengebäude die Form eines griechisch-antiken Antentempels, mit einer Vorhalle (Pronaos) zwischen vorgezogenen Seitenwänden (Anten) und zwei dazwischenliegenden Säulen. Kombiniert wurde dieser Bautyp mit der ionischen Ordnung für Säulen und Gebälk. Diese Anordnung erinnert an antike Schatzhäuser, wie sie in Olympia und Delphi der Aufbewahrung wertvoller Votivgaben dienten, auch wenn dort die dorische Ordnung zur Anwendung gekommen war. Hinter den Säulen der Vorhalle erstreckt sich ein zweigeschossiges Walmdachgebäude, dessen Hauptfront im Obergeschoss längs von einer Loggia durchzogen ist.
Innerer Aufbau/Grundriss/
Zonierung:
Das Erdgeschoss nahm die Bankräume auf, das Obergeschoss eine geräumige Wohnung. Dem Raumprogramm mit Herrenzimmer und Salon nach zu urteilen, galt sie dem Vorsteher der Bank. Im Dachgeschoss befand sich eine „Dienerwohnung“.
Vorgefundener Zustand (z.B. Schäden, Vorzustand):
Das Gebäude weist einen kuriosen Aufbau auf. Eine neoklassizistische Tempelfront nach modifizierten Vorbildern der griechischen Antike wurde mit einer breiteren Rücklage kombiniert. Dahinter sucht sich ein Verwaltungsgebäude in einem zeitüblichen, einfachen Formenkanon zu verbergen. Auch im Inneren war die antike Formensprache anscheinend auf den kurzen, durch die Rücklage führenden Flur beschränkt. Das Äußere des Gebäudes und die Kelleranlage haben ihre ursprüngliche Form und Architekturdetails weitgehend bewahren können. Die Außenwandflächen von Vorhalle und Rücklage liegen unter einer jüngeren Zementplattenverkleidung, was zumindest vermuten lässt, dass sie in keinem guten Zustand sind.
Die schwere, getriebene Bronzetür des Haupteingangs wurde 1956 durch eine Glastür ersetzt.
Bestand/Ausstattung:
keine Angaben

Konstruktionen

Konstruktionsdetail:
  • Dachform
    • Satteldach
    • Satteldach mit beidseitigem Vollwalm
  • Steinbau Mauerwerk
    • allgemein
Konstruktion/Material:
Der um etwa 1910 aufkommende Neoklassizismus strebte, im Unterschied zur Antike, nicht Harmonie und Ausgewogenheit der Bauglieder an, sondern neigte zu Kantigkeit und Monumentalität. Der Architekt erlaubte sich für sein Bankgebäude eine eigenwillige Interpretationen der antiken Vorbilder. So verkürzte er die Säulenschäfte gegenüber der klassischen Ordnung um etwa ein Drittel ihrer Länge und setzte sie auf hohe Postamente. Den mit zwei leichten Vorkragungen (Fascien) gestuften Architrav mit abschließendem Ornamentfries ionischer Ordnung schrumpfte er in ungewöhnlicher Weise zu Klötzen, die als Abstandshalter zwischen den Kapitellen und der nun sehr niedrigen Gebälkzone wirken. Stattdessen ist der Zahnfries, der auch die Giebelschrägen ziert, auffallend voluminöser ausgeprägt. Durch eine steile Neigung des Giebeldreiecks entstand ein großflächiges Giebelfeld mit monumentaler Wirkung, nicht zuletzt auch durch den Verzicht auf Giebelaufsätze. Die Füllung bildet lediglich eine Inschrift in leicht erhabenen Lettern.
Die Decke der offenen Vorhalle ist in antiker Manier als Kassettendecke mit stark eingetieften Feldern gestaltet, deren Ränder mit verschiedenartigen Friesen verziert sind. Eine Zwischenebene bildet eine Loggia für das Obergeschoss. Die Stärke der Deckenplatte wurde möglichst gering gehalten, damit sie gestalterisch in den Hintergrund treten sollte. Die unterseitigen Kassetten sind weniger ausgeprägt und spärlicher dekoriert als die der oberen Decke.
Im Unterschied zu antiken Schatzhäusern, Kleintempeln etc. sind die Seitenwände hier nicht in einer Flucht nach vorne gezogen, dagegen gibt es in Verlängerung der Vorhallenrückwand seitliche Ausladungen, die nach Vorbild römischer bzw. klassizistischer Architektur eine Rücklage bilden, die eine Umdeutung der Tempelfront zu einem Portikus bewirkt. Der Zahnfries wechselt am Anschluss an die Rücklage zu einem fortlaufenden Traufgesims gleichen Profilquerschnitts. Da die Rücklage nur eine gewisse Tiefe besitzt, bildet sie zusammen mit der Tempelfront einen breiten Fassadenblock.
Antiken Bauten entsprechend war der Haupteingang mit einer schweren, getriebenen Bronzetür geschlossen. Sie wurde 1956 durch eine Glastür ersetzt (Akten LAD).
Beim Rundgang durch das Gebäude fielen eingelagerte Türflügel dieser Art nicht auf. Der sich an die Rücklage nach hinten anschließende Teil des Gebäudes ist etwas eingezogen und dabei breiter als die Tempelfront. Er besitzt glatt verputzte Wandflächen, was historischen Aufnahmen nach zu urteilen dem ursprünglichen Zustand entspricht. Die hinteren Eckbereiche sind durch flache, pilasterartige Aufhöhungen gestalterisch hervorgehoben und deuten eine Art Eckpavillon an. Den oberen Abschluss der Wandflächen bildet ein Traufgesims in verkröpft eingezogener Fortsetzung des Fassadenblocks. Darüber folgt ein Vollwalmdach mit Aufbauten. In Bauzeichnungen von 1973 sind die Eckbereiche an den Längsseiten mit Dreiecksgiebeln mit Okulus überhöht und durch ein Querdach verbunden. Da sie weder auf historischen Aufnahmen noch in den Eingabeplänen auftreten, ist anzunehmen, dass sie Teil einer Vorplanung waren und, obwohl nicht ausgeführt, durch wiederholtes Kopieren von Vorentwurfszeichnungen weitergetragen worden sind.
Ganz im Unterschied zur Tempelfront weist der hintere Gebäudeteil keinerlei griechischantike Stilformen auf. Hinter der symbolhaft aussagekräftigen Tempelfront bzw. dem Fassadenblock schließt sich ein Verwaltungsgebäude in zeitüblichen Formen und dabei auffällig anspruchsloser, uninspirierter Gestaltung an. Etwas schmaler als die Rücklage verbirgt er sich gewissermaßen hinter dem Fassadenblock. Durch die Schaffung dieses Gegensatzes wurden Zwänge vermieden, wie sie eine durchgehende Formgebung nach Vorbild der Antike mit sich gebracht hätte, sodass sich Verteilung und Größe der Fenster nach der Raumnutzung richten konnten. Zudem wurden durch die reduzierte Gestaltungsweise am hinteren Teil Kosten gespart.
An den Längsseiten sind die Fensterformate uneinheitlich. Die seitlichen Ausladungen besitzen ein Doppelfenster an der West- und ein Drillingsfenster an der Ostseite, während der hintere Gebäudeteil zwischen Einfachfenstern, schmalen und breiten Doppelfenstern variiert, was den dahinterliegenden Raumfunktionen geschuldet ist. Im Erdgeschoss bestand zu Anfang zudem ein nischenartiger Einzug über einer nach unten führenden Treppe. In den Bauzeichnungen finden sich Fensteröffnungen in den Seitenflanken der Vorhalle im Obergeschoss und statt des Drillingsfensters ist nur ein Doppelfenster dargestellt, was sich beides auf historischen Aufnahmen nicht wiederfinden lässt, sodass auch hier eine Übernahme aus Vorentwurfszeichnungen zu vermuten ist.

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