Datenbank Bauforschung/Restaurierung

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Wohn- und Geschäftshaus

ID: 106687732914  /  Datum: 15.01.2020
Datenbestand: Bauforschung und Restaurierung
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Objektdaten

Straße: Hauptstraße
Hausnummer: 112
Postleitzahl: 88512
Stadt-Teilort: Mengen

Regierungsbezirk: Tübingen
Kreis: Sigmaringen (Landkreis)
Wohnplatzschlüssel: 8437076013
Flurstücknummer: keine
Historischer Straßenname: keiner
Historische Gebäudenummer: keine
Lage des Wohnplatzes: Lage des Wohnplatzes

Kartenansicht (OpenStreetMaps)

Objektbeziehungen

keine

Umbauzuordnung

keine

Bauphasen

Kurzbeschreibung der Bau-/Objektgeschichte bzw. Baugestaltungs- und Restaurierungsphasen:

Das Dachwerk des Wohn- und Geschäftshauses wurde 1422 (d) abgezimmert.


1. Bauphase:
(1421 - 1422)
Abzimmerung des Dachwerkes (d)
Betroffene Gebäudeteile:
Betroffene Gebäudeteile
  • Dachgeschoss(e)
Lagedetail:
  • Siedlung
    • Stadt

Besitzer

keine Angaben

Weiterer Datenbestand LAD

Die im Landesamt für Denkmalpflege vorhandenen Datenbestände der Restaurierung sind mit dem vorangestellten braunen Kästchen gekennzeichnet. Mit lila Kästchen versehene Objekte verweisen auf vorhandene Datenbestände der Bauforschung.
keines

Fotos

keine

Zugeordnete Dokumentationen

  • Bauhistorische Untersuchung Dachwerk

Beschreibung

Umgebung, Lage:
Das Gebäude befindet sich an der Nordseite der Hauptstraße, in der Ecke der Einmündung der Hofstraße gelegen.
Lagedetail:
  • Siedlung
    • Stadt
Bauwerkstyp:
  • Wohnbauten
    • Wohn- und Geschäftshaus
Baukörper/Objektform (Kurzbeschreibung):
Das Gebäude bildet zusammen mit der Haushälfte Hauptstraße 110 ein großes zweigeschossiges, nachträglich längs geteiltes Giebelhaus. Erdgeschoss mit Läden und Nebenräumen massiv ummauert. Obergeschoss in verputztem Fachwerk, im Gebäudeteil 112 straßenseitig weit auskragend. Zweigeschossiges Satteldach mit Fachwerkgiebeln gegen Norden und Süden, im Haus 112 mit mittelalterlichem Bestand, im Haus 110 später umfangreich erneuert.
Innerer Aufbau/Grundriss/
Zonierung:
keine Angaben
Vorgefundener Zustand (z.B. Schäden, Vorzustand):
keine Angaben
Bestand/Ausstattung:
Inneres des Dachraumes mit einzelnen, teils frühneuzeitlichen Einbauten.

Konstruktionen

Konstruktionsdetail:
  • Dachgerüst Grundsystem
    • Sparrendach, q. geb. mit stehendem Stuhl
  • Mischbau
    • Obergeschoss(e) aus Holz
    • Unterbau aus Stein (gestelzt)
Konstruktion/Material:
Das mittelalterliche Dachwerk
Über der Haushälfte Hauptstraße 112 hat sich die Hälfte eines mittelalterlichen Satteldaches in hohem Maße erhalten. Es handelt sich um eine zur Gänze in Eichenholz abgezimmerte Dachkonstruktion. Konstruktiv gesehen ist das Dachwerk als Sparrendach mit stehendem Stuhl im 1. Dachgeschoss ausgebildet.
Die Sparren des mittelalterlichen Dachwerks sind relativ kräftig dimensioniert. Am Fußpunkt überplatten sie den ebenfalls recht kräftigen Dachbalken. Es ist diese eine Ausbildung, die für frühmittelalterliche Dachkonstruktionen charakteristisch ist. Der einstige Firstpunkt ist nicht mehr einsichtig. Vermutlich waren die Sparren hier miteinander verblattet. Das mittelalterliche Gespärre ist bis auf eine Fehlstelle im Mittelbereich der Dachfläche noch fast vollständig erhalten geblieben. Ähnlich umfangreich dürfte auch die Dachbalkenlage über dem Obergeschoss erhalten sein.
Etwa auf halber Höhe ist in die Bindergespärre ein Kehlgebäck eingeblattet. Die vorhandenen oder noch anhand der Blattsassen an den Sparren ablesbaren Kehlbalken belegen 3 innenliegende Querbinderachsen. In zweien von ihnen ist der Kehlbalken noch erhalten, in der 3. fehlt er. In der mittleren und in der nördlichen inneren Querbundachse ist darüber hinaus im 2. Dachgeschoss noch ein 2., teils auf der Gegenseite angeplatteter Kehlbalken vorhanden. In der südlichen Querbundachse war hingegen kein 2. Kehlbalken ausgebildet.
Die untere Kehlbalkenlage wird durch einen seitlichen stehenden Stuhl unterstützt. Dieser besitzt eine nur mäßig starke Pfette, die bis auf eine längere Fehlstelle im Mittelbereich heute noch vorhanden ist. In den Querbundachsen stehen bzw. standen stehende Stuhlständer. Jener im südlichen inneren Stuhlquerbund ist noch erhalten und besitzt ein von Westen nach Osten steigendes, stark gebogenes Steigband zur Queraussteifung. Blattsassen an Ständer und Pfette belegen zudem ein nach Süden steigendes, tief ansetzendes Kopfband zur Längsaussteifung. Der Stuhlständer im mittleren inneren Stuhlquerbund ist heute abgängig. Der Ständer im nördlichen inneren Stuhlquerbund ist hingegen wieder erhalten geblieben. Eine Blattsasse an der Südseite weist auf ein einstiges, von West nach Ost steigendes Steigband zur Queraussteifung hin, Blattsassen an Ständer und Pfette belegen ein nach Süden steigendes, wiederum sehr tief angesetztes Kopfband zur Längsaussteifung. Der Stuhlständer in der südlichen Giebelscheibe ist ebenfalls noch erhalten geblieben. Er besitzt ein tief ansetzendes, nach Norden steigendes Kopfband zur Längsaussteifung. Der Stuhlständer in der nördlichen Giebelscheibe ist abgängig, eine Blattsasse an der Pfette belegt jedoch ein einstiges Kopfband zur Längsaussteifung.
In der südlichen (vorderen) Giebelscheibe steht von der mittelalterlichen Konstruktion noch der Stuhlständer. In der Abseite treffen wir auf einen eichenen Sparren, eine zweifache, mit dem Sparren verblattete Verriegelung sowie eine 2/3 hohe Strebe oder ein Steigband (von außen nicht einsehbar und daher von innen nicht genau zu unterscheiden). Je nachdem könnte es sich um ein mittelalterliches oder (eher) um ein frühneuzeitliches Wandfeld handeln. Der restliche Bereich des Giebels scheint nachträglich erneuert zu sein. Das 1. innenliegende Gespärre zeigt jedoch knapp unter dem First eine Blattsasse für einen Hahnenbalken, der eine einstige Krüppelwalmausbildung belegt. Dieses Gespärre besitzt zudem über dem 1. Dachgeschoss einen eingeplanten Kehlbalken.
In der nördlichen (hinteren) Giebelscheibe ist noch der mittelalterliche Sparren mitsamt einem Kehlbalken (gleich Riegel) im 2. Dachgeschoss vorhanden. Da sich hier am nächst inneren Gespärre keine Blattsasse für einen Hahnenbalken befindet, ist davon auszugehen, dass der Rückgiebel schon von Anfang an als Steilgiebel ausgebildet war.
Die mittelalterliche Dachkonstruktion zeigt keine Hinweise auf ursprüngliche feste Einbauten. Aufgrund des Fehlens einer geschlossenen Kehlbalkenlage über dem 1. Dachgeschoss dürfte der Dachraum bis zum First hin offen gewesen sein. Die mittelalterlichen Bauhölzer sind teilweise stark verrußt. Abbundzeichen ließen sich nur am Kopfband des Stuhlständers im nördlichen Giebel sowie an den Sparrenfüßen erkennen. Die Zählung erfolgt hier mit römischen Ziffern in unsystematischer Folge mit Gruppenbildung.

Frühneuzeitliche Veränderungen
Der Dachraum des mittelalterlichen Dachwerks wurde frühneuzeitlich (16./ Anfang 17. Jahrhundert) unterteilt. Zum einen wurde die mittelalterliche Kehlbalkenlage durch lose eingelegte Kehlbalken in den Leergespärren ergänzt. Zum anderen wurde der ursprünglich das ganze Haus überdeckende Dachraum durch eine Mittellängswand unter dem First zweigeteilt. Diese Trennwand ist heute noch vollständig erhalten. Sie besitzt eine eigene Schwelle, bis zum First durchlaufende Ständer sowie eine jeweils einfache Verriegelung und eine geschlossene Lehmflechtwerkausfachung. Der südliche Endständer ist ein Stück von der Außenflucht zurückgesetzt, da die Ständerstellung offenbar auf den damals noch vorhandenen Krüppelwalm der Südseite bezogen war. In der so abgetrennten westlichen Dachhälfte wurde im Süden wenig später durch leichte Fachwerkwände ein kleiner Raum heraus getrennt. Seine Querwand im südlichen inneren Stuhlquerbund ist im östlichen Teil noch erhalten. Sie besitzt eine zweifache Verriegelung, eine Ausfachung mit hochkant stehenden Backsteinen sowie eine Türöffnung mit südseitig gelegenem Falz für den Türanschlag. Die einstige Fortsetzung der Wandscheibe nach Westen hin ist über nachträgliche Zapfenlöcher an der Westseite des Stuhlständers sowie am Sparren erkennbar. Die Dachschräge südlich dieser Trennwand war vermutlich damals verbrettert worden, wobei sich hier noch ein zweitverwendetes mittelalterliches Brett mit Keilspundung erhalten hat. Auch die frühneuzeitlichen Holzteile und Aussparungen sind teils stark verrußt.

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