Datenbank Bauforschung/Restaurierung

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Marienkirche (ev. Stadtkirche St. Maria), Turmhelm

ID: 211210419245  /  Datum: 20.12.2007
Datenbestand: Bauforschung
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Objektdaten

Straße: Weibermarkt
Hausnummer: 1
Postleitzahl: 72764
Stadt-Teilort: Reutlingen
Regierungsbezirk: Tübingen
Kreis: Reutlingen (Landkreis)
Gemeinde: Reutlingen
Wohnplatz: Reutlingen
Wohnplatzschlüssel: 8415061015
Flurstücknummer: keine
Historischer Straßenname: keiner
Historische Gebäudenummer: keine
Lage des Wohnplatzes: Lage des Wohnplatzes

Kartenansicht (OpenStreetMaps)

Objektbeziehungen

Ist Gebäudeteil von:
1. Gebäudeteil: Marienkirche (ev. Stadtkirche St. Maria)

Besteht aus folgenden Gebäudeteilen:
keine Angabe

Umbauzuordnung

keine

Weitere Objekte an diesem Wohnplatz

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Marienkirche (ev. Stadtkirche St. Maria), Apostelfiguren Nordseite (72764 Reutlingen, Weibermarkt 1)
Marienkirche (ev. Stadtkirche St. Maria) (72764 Reutlingen, Weibermarkt 1)

Bauphasen

Kurzbeschreibung der Bau-/Objektgeschichte bzw. Baugestaltungs- und Restaurierungsphasen:

Der Beginn des Bauvorgangs kann grob auf ca. 1310 festgelegt werden. Vollendet wurde der Turm nachweislich 1343. Bauunterbrechungen können nicht ausgeschlossen werden, jedoch sind keine Bauphasen im eigentlichen Sinne zu unterscheiden.
Für den weiteren Verlauf des 14. Und für beinahe das gesamte 15. Jahrhundert können keine weiteren Bauarbeiten am Turmhelm anhand des Baubefunds einwandfrei belegt werden. Es ist lediglich sehr wahrscheinlich, dass der Glockenbaldachin nach dem Blitzeinschlag von 1494 errichtet wurde.
Mehrere Befunde sprechen dafür, dass bei besagtem Blitzeinschlag die Turmspitze nicht zerstört wurde, sondern lediglich ihr Gefüge in einer Weise geschädigt wurde, dass es nicht mehr ausreichend kraftschlüssig war. Folge war ein systematischer Abbau der gesamten Turmhelms bis knapp unterhalb des ersten Umgangs. Anschließend wurden alle Steine wieder neu an Ort und Stelle versetzt.
Alle jüngeren Eingriffe und selbst jener aus dem späten 15. Jahrhundert hatten keineswegs die Veränderung der äußeren Erscheinung des Turms, sondern vielmehr deren Bewahrung zum Ziel. Insofern kann geschlossen damit werden, dass die Stilreinheit des Turms bzw. des Turmhelms der Marienkirche trotz aller Beschädigungen, die er im Lauf der Jahrhunderte erfahren hat, weitgehend unverfälscht bewahrt geblieben ist. Zahlreiche weitere Restaurierungsmaßnahmen bis in die Neuzeit folgten.


1. Bauphase:
(1305 - 1310)
Vollendung des Westbaus (Unterbau des Westturms) um 1310 (s, a)
Betroffene Gebäudeteile:
keine

2. Bauphase:
(1310 - 1325)
Bauunterbrechungen aus politischen Gründen
Betroffene Gebäudeteile:
keine

3. Bauphase:
(1310 - 1343)
Der Beginn des Bauvorgangs am Turm kann auf ca. 1310 festgelegt werden. Vollendet wurde der Turm nachweislich 1343 (Weihedatum der gesamten Kirche (a)).
Betroffene Gebäudeteile:
keine

4. Bauphase:
(1494 - 1496)
Glockenbaldachin nach dem Blitzeinschlag von 1494 (a).
Systematischer Abbau der gesamten Turmhelms bis knapp unterhalb des ersten Umgangs. Anschließend wurden alle Steine wieder neu an Ort und Stelle versetzt.
Betroffene Gebäudeteile:
keine

5. Bauphase:
(1726 - 1728)
Reparaturen am Turm aufgrund des großen Reutlinger Stadtbrandes um 1726 (a)
Betroffene Gebäudeteile:
keine

6. Bauphase:
(1779 - 1795)
Fugensanierung am Turm Ende des 18. Jahrhunderts (a)
Betroffene Gebäudeteile:
keine

7. Bauphase:
(1825 - 1870)
Einrichtung zweier Blitzableiter nach erneutem Blitzschlag um 1825 (a) und 1870 (a)
Betroffene Gebäudeteile:
keine

8. Bauphase:
(1860 - 1899)
vermutlich Austausch einzelner Krabben Ende des 19. Jh. (a)
Betroffene Gebäudeteile:
keine

9. Bauphase:
(1943 - 1980)
starke Schäden durch ein Erbeben 1943 (a) , umfangreiche Sicherungs- und Restaurierungsmaßahmen folgten (1950, 1953-1955 und 1970-1980 (a, gk))
Betroffene Gebäudeteile:
keine

10. Bauphase:
(2006 - 2010)
jüngste Maßnahmen am Turmhelm (Steinerneurung und Konservierung)
Betroffene Gebäudeteile:
keine

Besitzer

keine Angaben

Fotos

Aufriss der Turmfassade (nach Egle/Fiechter, Baustil- und Formenlehre, Bd. 3, S. 69) / Marienkirche (ev. Stadtkirche St. Maria), Turmhelm in 72764 Reutlingen
Turmhelm ab oberem Umgang mit Kreuzblume (Foto: Hermann Schäfer, 2007) / Marienkirche (ev. Stadtkirche St. Maria), Turmhelm in 72764 Reutlingen

Zugeordnete Dokumentationen

  • Ergebnisse der baubegleitenden bauhistorischen Untersuchungen am Turmhelm

Beschreibung

Umgebung, Lage:
Oberer Abschluss des Westturms
Lagedetail:
  • Siedlung
    • Stadt
Bauwerkstyp:
  • Sakralbauten
    • Kirche, allgemein
Baukörper/Objektform (Kurzbeschreibung):
Von den Schrägen der Halbgiebel des Westbaus angeleitet, wächst der massige Turm im Zentrum der Fassade kraftvoll empor. Über der hohen, doppelgeschossigen Halle im Erdgeschoss des Turms liegen drei ehemals durch hölzerne Decken voneinander getrennte, vergleichsweise niedrige Geschosse. Das mittlere davon ist außen durch Gesimse gegenüber den darüber und darunter liegenden Fassadenteilen abgegrenzt und vermittelt so den Übergang vom Portalbereich der Fassade zum Turm. Darüber liegt die hohe Glockenkammer. Im Westen, Süden und Norden werden ihre Wände von Paaren hoher Schallfenster durchbrochen. Auf halber Höhe der Schallfenster wird das Viereck des Turms mittels breiter Anschrägungen ins Achteck überführt. Dieses setzt auf Höhe der Scheitel der Schallfenster an, wobei es jedoch zunächst nicht schräg ansteigt, sondern ca. 1,5 m hoch mit senkrechten Wangen ausgebildet ist, die von einem Umlauf mit Maßwerkbrüstung bekrönt werden. Erst darüber setzt der eigentliche Turmhelm an.
Innerer Aufbau/Grundriss/
Zonierung:
Der quadratische Turmgrundriss wird auf halber Höhe der Schallfenster mittels breiter Anschrägungen ins Achteck überführt.
Vorgefundener Zustand (z.B. Schäden, Vorzustand):
Der Turmhelm wurde durch zahlreiche Erdbeben und Blitzschläge in Mitleidenschaft gezogen. Der jeweiligen Zerstörung folgten umfangreiche Restaurierungsmaßnahmen, die sich fast ausnahmslos noch am Bauteil nachvollziehen lassen. Letzte Sicherungsmaßnahmen 2009.
Bestand/Ausstattung:
vergoldete Engelsplastik auf der Turmspitze (vermutlich bauzeitlich)
Glockenbaldachin mit 2 Glocken

Konstruktionen

Konstruktionsdetail:
  • Steinbau Mauerwerk
    • Betonbau
    • sonstige Kunststeine
    • Werkstein
  • Dachform
    • Turmhelm
  • Gestaltungselemente
    • Zierglieder im Steinbau
Konstruktion/Material:
Der Helm ist bis zur Spitze einschalig aus großen Stubensandsteinwerkstücken ausgeführt. Sie sind in annähernd gleichmäßig hohen Schichten versetzt (Schichthöhe 40-50 cm). Die Dicke der Helmwände beträgt bis zum oberen Umlauf ca. 35 cm, darüber ursprünglich wohl um die 16 cm. Die Fugen wurden mit Fugenschiefer belegt und waren mit Kalkmörtel verfugt. Im Innern des Helms existieren keine Hinweise auf Aussteifungen oder Querverbindungen aus der Erbauungszeit. Alle Spann- und Ringanker sind Zutaten der jüngeren Vergangenheit.
Der Zusammenhalt der Bausteine des Turms wird durch Eisenklammern verstärkt, die sich anhand ihrer Anordnung im Gefüge und Verteilung am Helm in mehrere Gruppen unterscheiden lassen. Am stärksten vertreten sind in den Lagerfugen zwischen den Blockschichten eingelassene Klammern, die jeweils die Stoßfugen zweier Blöcke überfassen. Daneben treten im oberen Bereich des Turmhelms Klammern auf, welche die Lagerfugen zwischen den Schichten vertikal überfassen.
Die Klammern in den Lagerfugen sind nicht untereinander verbunden; sie bilden somit auch kein festes Gefüge bzw. keinen Ring, der Vertikal einwirkende Belastungsspitzen ausgleichen könnte. Dennoch ist ihre Funktion insofern im Sinne eines Ringankers zu verstehen, als dass sie dem Verrutschen einzelner Blöcke aus dem Gefüge oder gar deren Ausbrechen aufgrund spezifischer Krafteinwirkungen entgegenwirken.
Die vertikalen Klammern treten, wie bereits erwähnt, lediglich im Bereich der Turmspitze auf. Sie sind zweifelsohne als Maßnahme gegen horizontal einwirkenden Windlasten bzw. einem Abknicken der bei entsprechender Krafteinwirkung in besonderem Maße gefährdeten Turmspitze (z.B. bei Erdbeben) zu interpretieren.
Sowohl das Gesims, welches den oberen Umlauf trägt, als auch die den Turmhelm bekrönende Kreuzblume bestehen aus armiertem Beton. Umlauf, Kreuzblume und die Betonverfüllung der Spitze im Innern des Helms bilden eine konstruktive Einheit. Die Erneuerung der Kreuzblume und des Umlaufs sowie der Ausguss des Innern der Helmspitze erfolgte 1950. Der erneuerte Umlauf bildet eine feste Einheit und wirkt als Ringanker. Die ebenfalls in den 1950er Jahren eingebauten Spindel im Innern des Turms ist mittels Spannankern mit dem Turmhelm verbunden und stärkt so dessen Zusammenhalt.

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