Kloster Bebenhausen (ehem. Holz- und Chaisenremise)

Datenbank Bauforschung/Restaurierung

Datenbank Bauforschung/Restaurierung

sog. Leitz-Haus

ID: 102534242420  /  Datum: 07.03.2016
Datenbestand: Bauforschung und Restaurierung
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Objektdaten

Straße: Klosterplatz
Hausnummer: 2
Postleitzahl: 79295
Stadt-Teilort: Sulzburg

Regierungsbezirk: Freiburg
Kreis: Breisgau-Hochschwarzwald (Landkreis)
Wohnplatzschlüssel: 8315111005
Flurstücknummer: keine
Historischer Straßenname: keiner
Historische Gebäudenummer: keine
Lage des Wohnplatzes: Lage des Wohnplatzes

Kartenansicht (OpenStreetMaps)

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Objektbeziehungen

keine

Umbauzuordnung

keine

Bauphasen

Kurzbeschreibung der Bau-/Objektgeschichte bzw. Baugestaltungs- und Restaurierungsphasen:

Nachtrag der bauhistorischen Dokumentation aus dem Jahre 2014.

Für die im Juli 2014 fertiggestellte bauhistorische Dokumentation war für die Baugeschichte des Gebäudes auf Angaben aus der ‚Geschichte der Stadt Sulzburg‘ Bd. II, S. 162f und Bd. III, S. 66- 68 und 189-193 zurückgegriffen worden, wonach es sich um das zwischen 1837 und 1839 geschaffene jüdische Schulhaus handeln solle. Diese Daten fanden sich in den beiden ermittelten Dendro-Daten für die Erbauung 1770 und die Erweiterung um 1864 jedoch nicht wieder. Tatsächlich handelte es sich bei den Angaben zur jüdischen Schule offenbar um einen Irrtum, denn Herr Jost Grosspietsch stieß im Nachhinein auf Schilderungen bei Eduard Martini (E. Martini: Sulzburg, eine Stadt-, Bergwerks- und Waldgeschichte. In: Zeitschrift der Gesellschaft für Beförderung der Geschichts-, Alterthums- und Volkskunde von Freiburg im Breisgau und den angrenzenden Landschaften, 5. Bd., 1. Heft. Freiburg 1880, S. 132f), die genau zur dendrochronologisch ermittelten Errichtungszeit passen.
Der Schulraum der (christlichen) Gemeindeschule befand sich früher im Obergeschoss des südlichen Teils der früheren Klosterbauten, die sich an drei Seiten um einen Innenhof, den früheren Kreuzgang, lagerten. Im Erdgeschoss befanden sich Wirtschaftsräume und Keller, während der Dachraum als herrschaftlicher Fruchtspeicher diente.
Bei einem Umbau in der Zeit um 1749 wurde der Schulraum ins Erdgeschoss verlegt und im Obergeschoss eine Lehrerwohnung eingerichtet.
In dieser Form ging die Schule in einem Brand im August 1769 zugrunde, der die Klosterflügel stark beschädigte. Für den Neubau eines Schulgebäudes wurde das zuvor in herrschaftlichem Besitz befindliche Grundstück des südlichen Klosterflügels der Gemeinde für den Neubau überlassen. Es wurde Bedarf nach einem zweiten Schulsaal für den Lateinunterricht angemeldet.
Vorgesehen wurde ein vollständiger Neubau von Grund auf, für den größere Raumhöhe und eine erhöhte Lage des Erdgeschossniveaus gegenüber den vorherigen eingesunkenen, feuchten Räumlichkeiten verlangt wurden. In der Länge sollte er 64 Fuß messen und zum östlichen Flügel sollte ein Zwischenraum von 9 Fuß bleiben. Zur Ersparnis sollte das Obergeschoss als Holzkonstruktion errichtet werden.
Die genannten Baudaten – Brand 1769 und Fertigstellung 1771 – stimmen perfekt mit dem dendrochronologischen Ergebnis zur Errichtung des Holzwerks im Jahr 1770 überein. Bei der Untersuchung konnten keine integrierten älteren Mauerzüge nachgewiesen werden, passend zur Erwähnung eines Neubaus von Grund auf. Die Traufwände sind im Obergeschoss wie angegeben aus Fachwerk errichtet sind.

Die geläufige Bezeichnung des Gebäudes als Schulhaus rührt von der seit 1839 bezeugten Nutzung als solches her und die Benennung als Leitz-Haus nimmt Bezug auf Ernst Leitz, der die optischen Werke in Wetzlar begründet hat und 1843 hier geboren worden war, wie eine Tafel am Haus berichtet.


1. Bauphase:
(1749)
Der Schulraum der (christlichen) Gemeindeschule befand sich früher im Obergeschoss des südlichen Teils der früheren Klosterbauten, die sich an drei Seiten um einen Innenhof, den früheren Kreuzgang, lagerten. Im Erdgeschoss befanden sich Wirtschaftsräume und Keller, während der Dachraum als herrschaftlicher Fruchtspeicher diente.
Bei einem Umbau in der Zeit um 1749 (a) wurde der Schulraum ins Erdgeschoss verlegt und im Obergeschoss eine Lehrerwohnung eingerichtet.
Betroffene Gebäudeteile:
keine

2. Bauphase:
(1769 - 1771)
Wideraufbau nach vollständiger Zerstörung des Gebäudes durch einen Brand (d und a)
Für den Neubau eines Schulgebäudes wurde das zuvor in herrschaftlichem Besitz befindliche Grundstück des südlichen Klosterflügels der Gemeinde für den Neubau überlassen. Es wurde Bedarf nach einem zweiten Schulsaal für den Lateinunterricht angemeldet.
Betroffene Gebäudeteile:
Betroffene Gebäudeteile
  • Erdgeschoss
  • Obergeschoss(e)
  • Dachgeschoss(e)

3. Bauphase:
(1839)
Die geläufige Bezeichnung des Gebäudes als Schulhaus rührt von der seit 1839 (a) bezeugten Nutzung.
Betroffene Gebäudeteile:
keine

4. Bauphase:
(1843)
Die Benennung als Leitz-Haus nimmt Bezug auf Ernst Leitz, der 1843 (a) hier geboren worden war, wie eine Tafel am Haus berichtet.
Betroffene Gebäudeteile:
keine

5. Bauphase:
(1850 - 1920)
Im Dach finden sich zwei nachträglich eingebaute Kammern, für die ältere Türen eine neue Verwendung gefunden haben. Nach der Bauweise der Wände zu schließen dürften die Kammern im Zeitraum des fortgeschrittenen 19. bis frühen 20. Jahrhundert entstanden sein, könnten daher sowohl der Verlängerung um 1864 als auch dem Einbau zweier Wohnungen 1922/23 zugeschrieben werden.
Betroffene Gebäudeteile:
keine

6. Bauphase:
(1864)
Für eine Verlängerung des Gebäudes um 3 m nach Osten im Jahr 1864 (d) wurde die gemauerte Ostwand in beiden Geschossen abgetragen, die Längswände im Erdgeschoss aus Mauerwerk und im Obergeschoss aus Fachwerk verlängert und entsprechend dem Vorzustand eine neue zweigeschossige Giebelwand mit zwei Fensterachsen hochgemauert.

Fachwerk des Obergeschosses:
Die Kanten der aufgedoppelten Bretter sind sorgfältig gefast, wie man es aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert kennt, sodass das Fachwerk vom Umbau um 1864 (s) herrühren dürfte. Dazu passt auch die Bretterverschalung des Laubengangs mit ornamental gestalteten unteren Enden.
Betroffene Gebäudeteile:
keine

7. Bauphase:
(1922 - 1923)
Einbau zwei neuer Wohnungen in die ehemaligen Schulsäle (a).
Betroffene Gebäudeteile:
keine

Besitzer

keine Angaben

Weiterer Datenbestand LAD

Die im Landesamt für Denkmalpflege vorhandenen Datenbestände der Restaurierung sind mit dem vorangestellten braunen Kästchen gekennzeichnet. Mit lila Kästchen versehene Objekte verweisen auf vorhandene Datenbestände der Bauforschung.
keines

Fotos

Abbildungsnachweis
sog. Leitz-Haus in 79295 Sulzburg (07.03.2016 - Stefan King)
Abbildungsnachweis
sog. Leitz-Haus in 79295 Sulzburg (07.03.2016 - Stefan King)
Abbildungsnachweis
sog. Leitz-Haus in 79295 Sulzburg (07.03.2016 - Stefan King)
Abbildungsnachweis
Bauphasenplan / sog. Leitz-Haus in 79295 Sulzburg (Stefan King)

Zugeordnete Dokumentationen

  • Bauhistorische Dokumentation und dendrochronologische Datierung, Nachtrag Nov.2014

Beschreibung

Umgebung, Lage:
keine Angaben
Lagedetail:
  • Siedlung
    • Stadt
Bauwerkstyp:
  • Wohnbauten
    • Wohnhaus
  • Anlagen für Bildung, Kunst und Wissenschaft
    • Schule, Kindergarten
Baukörper/Objektform (Kurzbeschreibung):
Das Gebäude erhebt sich auf langgestreckter rechteckiger Grundfläche und setzt sich aus zwei Vollgeschossen und einem Vollwalmdach zusammen. Die Eingangstür befindet sich auf der nördlichen Längsseite zur Kirche gerichtet. Fenster und Türen sind regelmäßig an beiden Längsseiten in acht und an der westlichen Schmalseite in zwei Fensterachsen angeordnet. Nach Süden führt eine Tür in einen ummauerten Garten.
Innerer Aufbau/Grundriss/
Zonierung:
Erd- und Obergeschoss sind in drei Abschnitte gegliedert: Mittig ein geräumiges Treppenhaus und ein Raum südlich davon, westlich und östlich jeweils Wohnräume, heute insgesamt vier Wohnungen. Es gibt nur einen kleinen Kellerraum mit Außen- und Innentreppe. Im Dachraum finden sich zwei Kammern.
Bei der Untersuchung des Gebäudes bestanden noch Unsicherheiten, wonach zwar zwei Säle im Erdgeschoss nachgewiesen werden können, diese sich gemäß den zugrundegelegten Schriftquellen aber erst auf die Einrichtung der jüdischen Schule zurückdatieren ließen. Somit stand in Frage, wie diese Bereiche zur Bauzeit 1770 beschaffen und genutzt waren. Mit den neuen Informationen stellt sich diese Frage nun nicht mehr, da im Erdgeschoss ein Schulsaal und ein kleinerer Raum für den Lateinunterricht zu suchen sind. Im Obergeschoss lagen die Wohnung für den Oberlehrer im westlichen Teil und östlich vermutlich eine kleinere Wohneinheit für einen Unterlehrer.
Vorgefundener Zustand (z.B. Schäden, Vorzustand):
Das Erdgeschoss besitzt gemauerte Umfassungswände und die Innenwände sind teilweise ebenfalls massiv, teilweise aus Fachwerk gebildet. Dagegen bestehen im Obergeschoss nur die beiden Schmalseiten aus Mauerwerk, ansonsten sind alle Wände aus Fachwerk beschaffen. Nur an der nördlichen Längsseite ist im Obergeschoss Fachwerk sichtbar, während die Südseite dort ähnlich dem Erdgeschoss verputzt ist. Die Ecken sind durch Wandvorlagen betont, zwischen denen an beiden Längsseiten Gurtgesimse verlaufen, die Erd- und Obergeschoss trennen.
Da nach Angaben bei Martini das Bodenniveau vormals tiefer lag, passend zum Innenniveau der Kirche, und dann für den Neubau hochgesetzt wurde, wäre zu erwarten, dass sich unter dem Gebäude nicht nur die Grundmauern des vormaligen Klosterflügels finden lassen könnten, sondern auch die untersten Lagen des Aufgehenden und vielleicht auch die Bodenbeläge.
Bestand/Ausstattung:
Auf der Südseite hat sich noch der Türflügel aus der Bauzeit erhalten. Er ist als einfache Brettertür mit Gratleisten aufgebaut, welcher außenseitig Bretter aufgedoppelt sind, angeordnet als Rahmung mit zwei Feldern und rautenförmiger Füllung aus profilierten Brettern.
Die Ziernägel, der zentrale Knauf und die innenseitigen Langbänder sind sicherlich ursprünglich. Es darf angenommen werden, dass die Haustür in gleicher Weise beschaffen war. Ein dazu passendes offenes Türschloss hat sich an der Tür im Obergeschoss am Fuß der Treppe zum Dachraum in Wiederverwendung erhalten. Die Trennwand zwischen Treppenhaus und Gewölberaum ist von einer Kassettentür geschlossen, die in dieser Form wohl nicht auf die Bauzeit zurückgeht. Sie besitzt auf der Seite zum Treppenhaus einen zentralen Knauf gleicher Form wie jener der südlichen Außentür. Bauzeitliche Türen könnten sich an den beiden Dachkammern in Wiederverwendung erhalten haben.
Im Obergeschoss finden sich Aussparungen in den Schwellbalken (nur diese sind einsehbar), in die einst breite Türrahmen eingelassen waren. Innerhalb der östlichen Wohneinheit haben sich keine dazu passenden Rahmen erhalten, innerhalb der westlichen konnte dies nicht nachgeprüft werden.
Über der Tür unter der Treppe zum Keller ist ein Oberlicht eingebaut, bei dem es sich um einen Fensterflügel mit früher Verglasung, wohl als Teil eines vierflügeligen Fensters, gehandelt hat. Die frühere Außenseite ist heute zum Inneren des Treppenkastens gerichtet, wo sie gut einsehbar ist, wogegen die heutige zum Treppenhaus gerichtete frühere Innenseite deckend überstrichen ist. Der Rahmen ist aus Eichenholz hergestellt, seine Ecken sind verzapft und vernagelt, die Verglasung ist in eine Nut eingelassen und an einer Schmalseite ist ein Wetterschenkel ausgebildet. Auf der früheren Innenseite trägt der Rahmen noch einen Beschlag des 18. Jahrhunderts. Die Verglasung setzt sich aus Rundscheiben von 15 cm Durchmesser zusammen, die versetzt angeordnet sind, sodass die Zwischenräume mit kleinen Scheibenstücken konkaver Dreiecksform ausgefüllt sind. Die Einzelscheiben sind mit Bleiruten gefasst, und zur Stabilisierung dienen außenseitig auf den Rahmen genagelte Windeisen in einst horizontaler Lage. Für die Scheiben wurde grünliches Waldglas von sehr unterschiedlicher Farbintensität verwendet. Die Öffnung misst 74 auf 48 cm im lichten, womit sie zu den Fensteröffnungen passen würde, die im Erdgeschoss mit etwa 138 auf 105 cm gemessen werden können.
Jedes Fenster hätte dann vier Flügel besessen, zeittypisch mit etwas höheren unteren Flügeln. Demzufolge müsste der erhaltene Flügel unten platziert gewesen sein. Die Treppe ins Obergeschoss verläuft L-förmigen, viertelgewendelt um die Ecke. Die Machart und die Gestaltung mit profilierter Wange und Brettbalustern lassen vermuten, dass die Treppe auf die Bauzeit zurückgeht.
An den Außenseiten konnte an einer Fehlstelle der nordöstlichen Wandvorlage ein älterer Putz mit Rotfassung beobachtet werden. Im Inneren lässt die Wandfläche innerhalb des Treppenkastens zum Dachraum erkennen, dass die Hölzer zum Treppenhaus freigelegen haben, der Gefachputz in ebener Flucht anschloss und die ganze Wandfläche weiß übertüncht war. Die Bereiche, wo die Fußleisten fehlen, lassen ähnliches auch für die Wohnräume vermuten, wobei sich dort aber auch ein dünner flächiger Innenputz findet, der jedoch nicht aus der Bauzeit herrühren muss, aber noch vor die Verlängerung im 19. Jahrhundert datiert. Eine Farbfassung oder Gefachbemalung war nicht zu sehen.

Konstruktionen

Konstruktionsdetail:
  • Mischbau
    • Obergeschoss(e) aus Holz
    • Unterbau aus Stein (gestelzt)
  • Dachgerüst Grundsystem
    • Sparrendach, q. geb. mit liegendem Stuhl
  • Dachgerüst, verstärkende Einbauten
    • Kehlbalken, Kreuzbänder, Sparrenstreben etc.
  • Gewölbe
    • Tonnengewölbe
Konstruktion/Material:
Kernbau, 1770 (d)

Erdgeschoss:
Im Erdgeschoss bestehen alle vier Umfassungswände aus Mauerwerk, wovon die westliche Schmalseite eine Stärke von 75 cm, die übrigen von nur etwa 60 cm aufweisen. Die verstärkte Schmalseite ist damit zu erklären, dass das Mauerwerk hier bis ins Obergeschoss reicht, wogegen das Mauerwerk der Längsseiten in der Höhe auf das Erdgeschoss beschränkt ist und die Ostwand aus späterer Zeit herrührt. Tür- und Fensteröffnungen sind von Werksteingewänden gerahmt. Vor der Verlängerung lagen die Türen auf Nord- und Südseite in der Mittelachse. Im Zentrum liegen nördlich das zentrale Treppenhaus auf etwa quadratischer Grundfläche und südlich zwei gewölbte Räume, die einst zusammen einen einzigen Raum gebildet haben. Sie umfassen zwei Fensterachsen der Längswände, wovon in der westlichen die Türen nach Norden und Süden liegen, sodass durch die seitliche Lage der Eingangstür die Treppe Platz finden konnte. Während der westliche Abschnitt drei Fensterachsen umfasst, verblieben für den östlichen nur zwei.
Die beiden Türöffnungen der Längsseiten waren ursprünglich gleich beschaffen, wovon die südliche zum Garten kaum Veränderungen erfahren hat. Das Werksteingewände ist um die Türöffnung gefast und umfasst zusätzlich ein schmales Oberlicht mit halbkreisförmigen Ausweitungen an beiden Schmalseiten. Das Türblatt dürfte noch auf die Bauzeit zurückgehen. Die Hauseingangstür auf der Nordseite besitzt heute kein Oberlicht, doch Steinschnitt, abrupt endende Fasen und die Ausflickungen der Ausweitungen verraten, dass sie in ihrer Form einst der südlichen Tür genau entsprochen hat und erst später durch Herausbrechen des Türsturzes erhöht wurde. Als einziger Unterschied ist die nördliche Hauseingangstür etwas breiter als die südliche Gartentür – was auffälligerweise auch für das nördliche Treppenhausfenster gilt. Die Türöffnung in der Zwischenwand ist etwas niedriger und ohne Oberlicht, das Gewände weist aber eine entsprechende Fasung auf. Der gewölbte Raum ist allseitig mit gemauerten Wänden umgeben und mit Kreuzgratgewölben abgeschlossen, welche auf Wandvorlagen ruhen. Im Raum westlich des Gewölberaums ist ein Teil des Wandputzes abgeschlagen, was Einblick in die Mauerstruktur erlaubt. Zu erkennen ist, dass die südliche Umfassungswand und die westliche Wand des Gewölberaums miteinander verzahnt in einem Guss gemauert worden sind. In das Bruchsteinmauerwerk sind Ziegel- und Backsteinstücke in großer Zahl eingestreut, was eine frühe Datierung des Mauerwerks in spät- oder gar frühmittelalterliche Zeit nicht erlaubt.
Die von Putz befreite Wandfläche lässt Spuren einer mehrfach veränderten Heizanlage erkennen, wonach hier ein Kachelofen stand, der durch eine Feuerungsöffnung vom gewölbten Raum her beschickt worden war. An der betreffenden Stelle innerhalb des Gewölberaums steht heute ein Kamin, doch an der gegenüberliegenden Ostwand findet sich eine größere Putzflickung und oberhalb davon sind Reste bzw. Aufschlüsse einer Rußkruste zu beobachten. Offensichtlich diente der Gewölberaum als Heizkammer zur Beschickung von Öfen nach Westen und Osten. Der zugehörige Rauchabzug müsste an der Stelle des bestehenden Kamins dem Gewölbe aufgesessen haben, denn ansonsten sind zumindest keine Störungen in den Gewölbeflächen erkennbar und im Dachwerk ist auch nur hier ein Austritt denkbar. Wozu die niedrige gewölbte Nische in der Wand zum Treppenhaus gedient hat, konnte nicht ermittelt werden. Denkbar wäre, dass von dort ein kleiner Backofen beschickt wurde, der ins Treppenhaus hinein ragte, ohne dass dafür Anhaltspunkte erkannt werden konnten. Für den westlichen Abschnitt kann nachgewiesen werden, dass es sich einst um einen einzigen großen Saal gehandelt hat. Der Unterzug weist schmale Fasen auf, die ungeachtet der bestehenden Innenwände nur vor der westlichen Außenwand und der Wand zum Treppenhaus auslaufen.
Die Fensterbrüstungen sind alle geschlossen. Die Zugangstür müsste an der Stelle der heutigen Wohnungstür gelegen haben. Da die archivalischen Quellen eine Nutzung als Schulhaus erstmals für die 1830er Jahre nachweisen, darf die Annahme eines Saals für die Bauzeit jedoch nicht als gesichert gelten. Für eine zeitlich vor den Saal zurückreichende Raumeinteilung konnten bislang keine Hinweise gewonnen werden. Für die Ermittlung der ursprünglichen Gliederung des östlichen Abschnitts wären vermutlich mehrere oder umfassendere Freilegungen notwendig gewesen, denn die spätere Verlängerung des Gebäudes brachte hier größere Veränderungen mit sich. Es könnte ein schmalerer Saal bestanden haben oder der Abschnitt war in zwei Räume geteilt. Unter der Treppe sind die Umrisse einer Türöffnung zu finden, wonach entweder der vermeintliche Saal seine Tür ein Stück nach Norden gerückt hatte – möglicherweise aufgrund des vermuteten Backofens –, oder es gab separate Türen für beide vermuteten Räume. Sofern tatsächlich eine Heizmöglichkeit nach Osten bestand, wurde entweder der Saal beheizt oder es lag hier eine Stube und somit eine Wohneinheit, die den Gewölberaum als Küche genutzt haben müsste.

Keller:
Das Untergeschoss umfasst nur einen kleinen Kellerraum direkt im Anschluss an die nördliche Längsseite und in der Breite des östlichen Bereichs im Zustand vor der Verlängerung des Gebäudes. Er ist von außen mittels einer Außentreppe, die heute unter einem schweren Metalldeckel liegt, und von dort durch eine breite, rundbogige und gefaste Türöffnung erschlossen. Von innen ist der Kellerraum über eine schmale, viertelgewendelte Treppe, die in einem Treppenkasten unter der Haupttreppe liegt, zugänglich. Da es diesen Treppenkasten früher nicht gegeben hat, da hier eine Tür in den östlichen Abschnitt führte, die Treppe aber auf die Bauzeit zurückgehen dürfte, lag sie einst wohl unter einer Falltür.
Der Kellerraum besitzt ein Tonnengewölbe, dessen Scheitel parallel zur nördlichen Längsseite gerichtet ist, mit Stichkappen für Zugang und ein kleines, gefälztes Fenster, das sich zur Außentreppe öffnet. Der Raum ist nicht besonders groß und war offenbar am Bedarf zur Vorratshaltung der Bewohner, die selbst keine Landwirtschaft betrieben haben, ausgerichtet.
Die Ecken des Raums sind alle miteinander verzahnt gemauert, sodass sich der Keller und seine Zugänge als bauliche Einheit darstellen. Er beinhaltet nach Lage der Dinge keine Mauerzüge älterer Klosterbaulichkeiten, wie dies im Vorfeld der Untersuchung erhofft worden war.

Obergeschoss:
Im Obergeschoss bestand dieselbe Gliederung in drei Abschnitte. Das Treppenhaus hatte dieselbe Größe wie im Erdgeschoss, doch ist heute etwas weniger als die Hälfte seiner Grundfläche der westlichen Wohneinheit zugeschlagen und die Treppe ist eingehaust. Im Unterschied zum Erdgeschoss bestehen die Wände des Raums südlich des Treppenhauses nur teilweise aus Mauerwerk und im Übrigen aus Fachwerk. Die gesamte westliche Wand samt einem kurzen, um die Ecke reichenden Stück, sowie die südliche Hälfte der östlichen Wand bestehen aus Mauerwerk. Hier dürfte es sich um Feuerwände in Bereichen erhöhter Feuergefahr handeln, demzufolge Feuerstelle und Rauchabzug an der westlichen Wand gelegen haben müssten und Öfen nach Westen und Osten befeuert werden konnten. Davon ließ sich in der östlichen Feuerwand ein Feuerungsloch mit begleitenden Rußspuren nachweisen.
Der westliche Abschnitt teilt sich in einen großen Raum südlich, der als Stube angesprochen werden kann und zwei kleinere Räume von unterschiedlicher Größe nördlich davon, beide von der Stube her erschlossen. Ob davon der kleinere östliche Raum einst eine zweite Tür zum Treppenhaus besaß, die heutige Zugangstür, ließ sich nicht überprüfen. In Plänen von 1922 ist eine solche nicht verzeichnet. Einigen Abbundzeichen zufolge, die im östlichen Bereich sichtbar sind, geht diese Raumteilung auf die Bauzeit zurück. Die nachträgliche Verlängerung nach Osten zeichnet sich im stumpfen Ende aller vier Schwellen der außen- und innenliegenden Längswände und den dort die Wände abschließenden Ständern ab. An der Südwand ließ sich ein älterer Wandputz beobachten, der bis zur östlichen Kante des Endständers zieht und dort eine Putzkante hatte. Demzufolge befand sich auch die Abschlusswand östlich der Endständer, wonach es sich nur um eine gemauerte Außenwand gehandelt haben kann, entsprechend der westlichen Schmalseite bzw. der späteren Ostwand. Die Rähme der Innenwände reichen weiter als die Schwellen in den Bereich dieser Ostwand hinein, weil sie dort auflagen.
Ursprünglich lagen hier zwei Räume zu beiden Seiten eines Mittelflurs, deren heute gegenüberliegende Türen noch an alter Stelle liegen, wovon der südliche über eine Feuerungsöffnung vom westlich gelegenen Raum her beheizbar war. Das Vorhandensein eines Mittelflurs legt die Existenz eines Laubengangs nahe, was sich auch anhand von Befunden im Dachwerk nachvollziehen lässt. Unklar ist, ob die Räume zur großen Wohneinheit des westlichen Abschnitts gehörten oder eine separate kleine Wohneinheit bildeten.
Die Hölzer des Fachwerks aus Ständern, Feldstreben und zweifacher Verriegelung sind solide dimensioniert. Die Ausrichtung der Feldstreben scheint keinem festen Schema zu folgen. Möglicherweise hat man darauf nicht geachtet, weil das Holzwerk nicht sichtbar sein sollte. Die Gefache sind ausgemauert.

Dachwerk:
Das Dachwerk ist als Sparrendach mit liegendem Stuhl abgezimmert. Stuhlstreben sind auch diagonal unter den Graten der Vollwalme und in deren Mitte in der Mittellängsachse angeordnet. Die Aussteifung der Dachflächen erfolgt in weiten Teilen durch Kopf- und Fußstreben von den Stuhlstreben zu Schwellen bzw. Rähmen, lediglich am östlichen Walm durch Feldstreben zwischen Schwelle und Rähm, die bauzeitliche Abbundzeichen tragen. Der Bezugsachsenschnittpunkt für die Abbundzeichensystematik liegt an der Südwestecke.
Bei der Verlängerung versetzte man den östlichen Walm einfach nach Osten, sodass im Wesentlichen die Hölzer aus der Bauzeit noch alle vorhanden sind. Dieser Vorgang lässt sich noch gut anhand der Abbundzeichen nachvollziehen. Vom früheren Ansatz des Walmgerüstes ist ein überlanges Zapfenloch an der Stelle, wo die drei Druckriegel des Stuhls längs und diagonal zusammentrafen, mit entsprechend drei ausgebrochenen Zapfennägeln geblieben. Die Aussteifung durch Feldstreben geht offenbar auf den Vorzustand zurück. Die nach Osten auskragenden Stichbalken über der Laube mit ihren langen Aufschieblingen gehen offensichtlich ebenfalls auf die Bauzeit zurück, was bedeutet, dass schon vor dem Umbau ein vorgelagerter Laubengang bestanden hatte.
Die Lage der Querachsen war asymmetrisch und erzeugte zwei Querzonen unterschiedlicher Breite mit fünf Zwischengespärren in der östlichen und nur zweien in der westlichen. Die Begründung für diese Anordnung liegt wohl darin, dass die beiden Querachsen am Walmansatz durch die Geometrie der Dachform in ihrer Lage bestimmt waren und sich im Unterbau nicht wiederfinden, wogegen man bei der frei platzierbaren Querachse dazwischen offenbar auf die Trennwand zwischen Treppenhaus und westlichem Abschnitt Bezug nahm. Der Mittellängsunterzug wurde offenbar erst nachträglich eingezogen und endet ein Stück vor dem zu erwartenden Anschluss, wo er mit einem Eisenband hochgehängt ist. Es gibt allerdings kein zugehöriges Zapfenloch, sodass das Holz offenbar zu kurz bemessen war.
Das Traufprofil der südlichen rückwärtigen Längsseite ist aus massivem Holz geschnitten. Nach üblicher Zimmerungsart dürfte dieses Traufprofil auf Zapfen gesteckt sein, die an den Stirnseiten der Dachbalken vorstehen, ohne dass dies nachgeprüft werden konnte. In dieser Form war die Traufe sicherlich auch auf Nord- und Westseite beschaffen, möglicherweise auch an der Ostseite.

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