Objekt(659): Altes Spital "Zum Heiligen Geist" Altes Spital "Zum Heiligen Geist"

ID: 341211419215
Datum: 07.11.2007
Datenbestand: BauforschungBauforschung
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Information(659): Altes Spital "Zum Heiligen Geist" Objektdaten

Straße: Spitalgasse
Hausnummer: 6
Postleitzahl: 89601
Stadt: Schelklingen
Regierungsbezirk: Tübingen
Kreis: Alb-Donau-Kreis (Landkreis)
Gemeinde: Schelklingen
Wohnplatz: Schelklingen
Wohnplatzschlüssel: 8425108011
Flurstücknummer: keinekeine
Historischer Straßenname: keinerkeiner
Historische Gebäudenummer: keinekeine
Lage des Wohnplatzes
BW
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Objektverknüpfungen(659): Altes Spital "Zum Heiligen Geist" Objektbeziehungen

keinekeine
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Objekt(659): Altes Spital "Zum Heiligen Geist" Umbauzuordnung

keinekeine
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Objekt(659): Altes Spital "Zum Heiligen Geist" Weitere Objekte an diesem Wohnplatz

Bauforschung und RestaurierungAltes Rathaus (89601 Schelklingen, Marktstraße 8)
BauforschungBürgerhaus (89601 Schelklingen, Maximilian - Kottmann Platz 9/11)
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Bauphasen(659): Altes Spital "Zum Heiligen Geist" Bauphasen

Kurzbeschreibung der Bau-/Objektgeschichte bzw. Baugestaltungs- und Restaurierungsphasen:

Das Spital zum „Hl. Geist" befindet sich seit dem Jahre 1698 im Besitz der Stadt Schelklingen. Nach einem urkundlichen Nachweis war es vorher rund 140 Jahre lang im Eigentum der Herren von Wernau. Daher und wegen seines burgartigen Spitalbaukörpers trägt das Spital als zusätzliche Bezeichnung auch den Namen „Wernausches Schloss".


1. Bauphase:
(1350)
Entstehung des massiven dreigeschossigen Kernbaus mit Mönch- und Nonnen-Deckung mit Keller. Der Keller wurde als Balkenkeller errichtet und war ursprünglich von innen erschlossen. Wände des Gebäudes und des Kellers wurden massiv mittels Bruch- und Haustein ausgeführt.
Die Holzbauteile waren überwiegend Eiche, wobei Eichenhölzer von 1350 qualifizierte Glättbebeilung aufweisen.
Im späteren Dachwerk wurden alte Hölzer wiederverwendet, die aus der Zeit um 1350 (d) stammen.
Bei einer (Fenster-?) Öffnung wurde als Sturzauflager ein Holz aus einer Winterfällung 1356/57 (d) verwendet.
Betroffene Gebäudeteile: Betroffene Gebäudeteile
  • Erdgeschoss
  • Obergeschoss(e)
  • Dachgeschoss(e)
  • Untergeschoss(e)
Konstruktionsdetail:
  • Steinbau Mauerwerk
    • Bruchstein
    • Werkstein

2. Bauphase:
(1380)
1380 wurde der Kernbau mit einem Fachwerkgeschoss aufgestockt. Der Aufbau ist teilweise mit Brettern verbaut. Die Bretter wurden mit Rahmensäge aufgeschnitten mit wechselnder, seitlicher Fälzung. Das Hohlziegeldach wurde in Form Mönch- und Nonne Deckung gedeckt..
Die zweitverwendeten Sparren von 1350 und die Sparren der Bauphase von 1380 (Deckengebälk und einige Sparren aus Nadelholz mit Breitbeilbearbeitung) weisen eine Lattenvernagelung mit Holzstiften auf. Die ältesten Balken stammen aus der Zeit um 1382 (d).
Für die Dacheindeckung spricht aus dem Befund ein gehobener Anspruch:
1. bedingter Feuerschutz durch Festdeckung
2. erhöhter Nässeschutz durch hochqualifizierte Hohlziegeldachlagen mit Ausmörtelung
3. Teilaussteifung des Dachstuhls durch vermörtelte und in sich verzahnende Dachhaut bei hoher Dachlast.
Die Stube war wahrscheinlich durch eine vermutlich isolierte Bohlenwand ausgestattet.
Eventuell wurde zu dieser Zeit das Tonnengewölbe in den Keller eingebracht und der Treppenhals nach außen verlegt.
Betroffene Gebäudeteile: Betroffene Gebäudeteile
  • Obergeschoss(e)
  • Dachgeschoss(e)
Konstruktionsdetail:
  • Dachform
    • Satteldach
  • Dachgerüst Grundsystem
    • Sparrendach, q. geb. mit stehendem Stuhl
  • Gewölbe
    • Tonnengewölbe
  • Mischbau
    • Obergeschoss(e) aus Holz
    • Unterbau aus Stein (gestelzt)

3. Bauphase:
(1500 - 1599)
Die ersten größeren Umbauten datieren in die erste Hälfte des 16. Jh: 1528 (d) wurde der Fachwerkstock vor allem an der Westtraufe erneuert. Der Südgiebel des Dachwerkes wurde um 1544 (d) als Steilgiebel mit Vorkragungen erneuert. Außerdem wurde im 16. Jh. im Norden das Nachbarhaus errichtet.
Betroffene Gebäudeteile: Betroffene Gebäudeteile
  • Anbau

4. Bauphase:
(1600 - 1900)
17., 18., 19. Jahrhundert (d): weitere Um- und Einbauten, z.B. Türen und Täfer.
Die meisten Ziegelformen stammen aus dieser Zeit.
Keramische Hausratsgegenstände sind im gestampften Lehm über dem Gewölbezwickel zu finden.
Betroffene Gebäudeteile: Betroffene Gebäudeteile
  • Ausstattung
Bauwerkstyp:
  • Bauten für Wohlfahrt und Gesundheit
    • Spital
Konstruktionsdetail:
  • Decken
    • Täferdecke
  • Detail (Ausstattung)
    • Bohlenstube
  • Verwendete Materialien
    • Backstein
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Besitzer(659): Altes Spital "Zum Heiligen Geist" Besitzer

keine Angabenkeine Angaben
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Fotos

Aufnahme von 1985 (www.bildindex.de) / Altes Spital "Zum Heiligen Geist" in 89601 Schelklingen
Altes Spital "Zum Heiligen Geist" in 89601 Schelklingen (http://www.museum-schelklingen.de/gebaeude-und-geschichte, 24.11.2014)

Lageplan 2007 (Vorlage LV-BW) / Altes Spital "Zum Heiligen Geist" in 89601 Schelklingen
Altes Spital "Zum Heiligen Geist" in 89601 Schelklingen (http://de.wikipedia.org/wiki/Spital_zum_Heiligen_Geist_%28Schelklingen%29, letzter Zugriff 24.11.2014)

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Zugeordnete Dokumentationen

  • Dokumentation Keller und sichtbare Gebäudeausstattung
  • Dendrochronologische Datierung
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Beschreibung(659): Altes Spital "Zum Heiligen Geist" Beschreibung

Umgebung, Lage: Das ehemalige Spital liegt südlich der Kirche traufständig in der Spitalgasse.
Lagedetail: keine Angabenkeine Angaben
Bauwerkstyp:
  • Bauten für Wohlfahrt und Gesundheit
    • Spital
  • Wohnbauten
    • Wohnhaus
Baukörper/Objektform (Kurzbeschreibung): Das viergeschossige Gebäude ist teils mit einem Gewölbekeller versehen. Das aufgesetzte zweigeschossige Satteldach mit Spitzboden besaß auf der Südseite (evtl. auch auf der Nordseite) einen Walm.
Innerer Aufbau/Grundriss/
Zonierung:
Der rechteckige Gewölbekeller liegt firstparallel. Das Erdgeschoss ist ebenfalls rechteckig und zweischiffig und zweizonig aufgegliedert.
Vorgefundener Zustand (z.B. Schäden, Vorzustand): Erhalten geblieben sind Türen aus dem 17. und 18. Jahrhundert und Decken- und Wandtäfer sowie der größte Teil der Gebäudekubatur.
Bestand/Ausstattung: keine Angabenkeine Angaben
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Konstruktionen(659): Altes Spital "Zum Heiligen Geist" Konstruktionen

Konstruktionsdetail:
  • Dachform
    • Satteldach
  • Dachgerüst Grundsystem
    • Sparrendach, q. geb. mit stehendem Stuhl
  • Decken
    • Täferdecke
  • Detail (Ausstattung)
    • bemerkenswerte Türen
    • Bohlenstube
  • Gewölbe
    • Tonnengewölbe
  • Mischbau
    • Obergeschoss(e) aus Holz
    • Unterbau aus Stein (gestelzt)
  • Steinbau Mauerwerk
    • Bruchstein
    • Werkstein
  • Verwendete Materialien
    • Backstein
Konstruktion/Material: Der älteste sicher erfassbare Baukörper stammt aus den Jahren um 1382 (d).
Der dreigeschossige Massivbau mit aufgesetztem Fachwerkstock und zugehörigem Dachwerk ist an einer älteren Wehrmauer (Stadtmauer) angebaut und kragt mit dem Fachwerkteil allseitig über dem Massivteil aus. Der Grundriss des Gebäudes ist leicht trapezförmig. Im Südosten war ein kleiner Keller angelegt. Ursprünglich besaß er wohl eine Balkendecke. Für das Mauerwerk wurden Bruch- und teilweise Haustein verwendet.
Das Erdgeschoss besaß ehemals keine Trennwände. Wohl zwei profilierte Ständer nahmen über das Quergebälk und einen Längsunterzug die inneren Lasten auf.
Im 1. Obergeschoss ist eine drei-zonige und zwei-schiffige Grundrissgliederung mit insgesamt 6 Kammern nachweisbar. Sie dienten offenbar nicht als Wohnräume.
Bis auf eine offene mittige Zone als Erschließungsachse für das 3. OG, lag im 2. OG eine analoge Raumgliederung und Nutzung vor. Im rückwärtigen, ostwärtigen Schiff war auf der gesamten Gebäudelänge ein Wehrgang angelegt.
Auf der Ebene des Fachwerkstocks war die eigentliche Wohnetage angeordnet. Neben einzelnen Kammern lag hier die verbohlte Stube. Sie saß auf der Stadtmauer.
Das an den Giebelseiten vorkragende Dachwerk mit beidseitigem Krüppelwalm deckte den Baukörper ab.
Die ersten größeren Umbauten datieren in die erste Hälfte des 16. Jh. Zu dieser Zeit (1528 (d)) wurde der Fachwerkstock vor allem an der Westtraufe erneuert. Der Südgiebel des Dachwerkes wurde um 1544 (d) als Steilgiebel mit Vorkragungen erneuert. In diese Zeitspanne fallen wohl auch die Vertäferung der oberen Deckenlagen, die Ausmalung der Wandfelder im Fachwerkstock, die Einwölbung des Kellers sowie die Nutzung des 1. und 2. OG als Wohnräume.
Im 16. Jh. wurde im Norden das Nachbarhaus errichtet. Seine älteste Holzsubstanz (Gebälk über EG und 2. OG) ist noch weitgehend verschalt.
Sicher scheint zu sein, dass um das Jahr 1692 (d) gravierende Umbauten stattfanden. In diese Zeitstellung sind große Teile der Fachwerkfassaden wie der Dachaufbau zu datieren.
Ob in dieser Zeit auch die massive Aufmauerung des Unterbaus erfolgte ist unklar.

Bauteil Nord:
Die ältesten Holzteile des nördlichen Bauteiles stammen aus der zweiten Hälfte des 16. Jh. und gehören zur Decke über dem 2. OG. Ob sie jedoch auch der Erbauungszeit des Gebäudes zuzuordnen sind ist unsicher. So stammen die Hölzer aus der zugehörigen Fassade aus dem 17. Jh. und einige weitere Hölzer konnten nicht datiert werden.
Eine Untersuchung der Gebälklage über dem EG und dem 1. OG war bislang nicht möglich.
Bemerkenswert ist die Ausbildung des Deckengebälks über dem 2. OG. Durch die einstige Schmuckarbeitung des westlichen Deckenbalkens ist in Anlehnung an die Massivwand auch in diesem Bauteil ein Wehrgang belegbar. Nach Osten besitzen die Deckenbalken einen Bretterblindboden in seitlichen Nuten. Dieser Deckenaufbau endet ohne einen Bezug auf einen Bundständer. Dies trifft auch auf die Gerüstgliederung im 3. OG zu.
Nach Osten grenzt ein Deckenaufbau mit aufgelegter Dielung an. Die ostwärtige Begrenzung deckt sich sowohl im 2. OG, wie auch im 3. OG mit einem Bundständer im Nordgiebel.
Den ostwärtigen Abschluss bildet ein Deckenaufbau mit seitlicher Lattung.
Diese Befunde deuten für das 3. OG eine drei-schiffige Grundrissgliederung an, wobei im Osten eine Wohnstube vermutet wird. Die vorhandene Gerüstgliederung im 3. OG nimmt auf diese Grundrissaufteilung keinen Bezug, so dass die oben angesprochene Unstimmigkeit mit den Fälldaten der Bauhölzer, durch eine nachträgliche Umgestaltung der Fassaden und durch eine weitgehende Erneuerung des Überbaus erklärbar wär.
Sollte diese Annahme zutreffen, so hätte sich ursprünglich im 2. OG ein großer, freier Raum ohne Innengliederung befunden, während im 3. OG zwei große Wohnräume an den Traufen durch einen schmalen mittigen Flur erschlossen waren.
Das vorhandene Dachwerk stammt aus den Jahren um 1692 (d).

Bauteil Süd:
Den ältesten Bauteil des untersuchten Komplexes bildet der südliche Baukörper, der leicht trapezförmige Grundriss misst mit der westlichen Langseite ca. 14,00m und in der Breite ca. 11,10m.
Die Mauerstärke der beiden Schmalseiten beträgt ca. 1,25m, während die Langseiten unterschiedliche Mauerbreiten besitzen. Im Osten sind diese ca. 1,95m und im Westen verringert sich die Mauerstärke von 1,25m im Süden auf 1,00m im Norden.
Allem Anschein nach, handelt es sich bei dieser Verjüngung um einen nachträglichen Eingriff, da die ehemalige Innenflucht der Längswand im Sockelbereich noch erhalten ist.
Das aufgehende Mauerwerk des 1. OG besitzt annähernd die gleiche Mauerstärke wie im EG. Lediglich die Westwand ist im EG etwa 30cm stärker als im 1. OG. Punktuell ist erkennbar, dass es sich hierbei um eine Vormauerung handelt. Auch im 1. OG verjüngt sich die Westwand von Süd nach Nord.
Im 2. OG messen alle vier Außenwände ca. 30cm. Dies bedeutet für die ostwärtige Längswand einen Mauerrücksprung von ca. 75cm.
Bemerkenswert ist der Befund, dass sich die breite Ostwand in allen drei Geschossen weiter nach Norden, in den nördlichen Bauteil, fortsetzt. Im EG ist sie dabei im Norden etwas schmäler als im Süden. Auf Höhe des 1. OG läuft sie in gleicher Stärke durch, während sie sich im 2. OG etwas verjüngt.
Das Gebälk über dem EG besteht in der Regel aus Eichenholz. Es ist zum Teil stark krummwüchsig und dabei nur schwach entrindet. Neben den Eichenhölzern sich auch gebeilte Nadelholzbalken verbaut.
Alle Balken sind über die Schmalseite verlegt, reichen aber nicht über die gesamte Gebäudebreite. Das Gebälk ist über zwei in Längsrichtung verlaufende Unterzüge gestoßen. Diese Längsachse ist etwas außermittig angeordnet und nimmt damit Bezug auf die Lastabtragung aus dem Überbau.
Die ältesten Balken stammen aus der Zeit um 1382 (d). Im südwestlichen Hausbereich wurden Hölzer aus der 1. Hälfte des 15. Jh. verbaut. Sie, wie die Nadelhölzer, stammen aus jüngeren Umbauphasen. Die gravierendsten Umbauten erfolgten um 1540 (d). Aus dieser Zeit stammt unter anderem die Verstärkung der Unterzugachse.
Gesicherte Aussagen zu alten Öffnungen sind kaum möglich. Hinweise auf eine alte (Fenster-?) Öffnung sind durch einen gefasten Sturzbalken in der Süd-West-Ecke gegeben. Hier ist die Mauerstärke noch weitgehend erhalten und als Sturzauflager (altes Mauerholz?) ist ein Holz aus einer Winterfällung 1356/57 (d) verwendet. Hinsichtlich des Türgewändes am Südgiebel ist keine gesicherte Zeitzuordnung möglich.
Auch über den 1. OG ist ein Quergebälk, bestehend aus Eichen- und Nadelholz verlegt. Im Gegensatz zum EG durchlaufen nahezu alle Balken die gesamte Hausbreite. Im Hausinnern wird das Gebälk durch einen Längsunterzug unterstützt. der Unterzug selbst wird in den Drittelspunkten von 2 Eichenständern getragen. Diese sind durch nachträgliche Abbeilungen stark im Querschnitt reduziert. Zum Teil sind senkrecht verlaufende Nuten vorhanden bzw. noch schwach erkennbar. Die Eichenbalken über diesen Ständern besitzen im westlichen Schiff an der Unterseite Stakungslöcher.
Die erhaltenen Befund und vorliegenden Fälldaten lassen für diese Etage folgende Bemerkungen zu: Für die Zeit um 1382 (d) war diese Etage zwei-schiffig und drei-zonig gegliedert. Die durch die gesamte Hausbreite verlaufenden Querwände wie auch die Längswand begrenzten 6 Räume. Für den Wandaufbau ist eine Folge aus Ständern und seitlich eingenutetem Brett (Stabbauwand) anzunehmen. Die Räume dienten nicht als Wohnräume.
Die angesprochene Raumgliederung ist noch heute im westlichen Schiff durch die unterschiedliche, jedoch zum Teil jüngere, Deckenausbildung nachvollziehbar.
Diese Grundrissgliederung ist auch im 2. OG erkennbar. Im Gegensatz zur unteren Etage blieb hier jedoch die mittige Zone offen. Dazu ist hier ein gedoppelter Unterzug verlegt.
Von besonderer Bedeutung ist die zum Teil erhaltene Verkleidung des Deckengebälks. Obwohl wohl erst im 16. Jh. eingebaut, fixiert sie einen schmalen Gang entlang der Ostwand. Er verläuft auf dem starken Mauerrücksprung und ist ohne Zweifel als eine Art Lauf- und Wehrgang anzusprechen.
Das Quergebälk besteht in der Regel aus Nadelholz. Es ist quer verlegt und kragt an den Traufen aus. Die Auskragung an den Giebelseiten erfolgt über lange Stichbalken. An der Süd-Ost-Ecke ist eine Reparatur der Konstruktion belegt. Hier sind Eichenhölzer verbaut. Der Auskragungsüberstand über dem massiven Unterbau variiert so, dass die Außenfluchten der Stirnhölzer nun einen nahezu rechteckigen Grundriss ergeben.
Bis auf die fehlenden Wandfüllungen ist die ursprüngliche Holzkonstruktion aus den Jahren um 1382 (d) fast vollständig erhalten. Die vorhandene Ausstattung belegt eine wohnliche Nutzung dieser Ebene ab dem 16. Jh.
Auf dem massiven Unterbau ist ein Fachwerkstock aufgesetzt. Mit seiner ältesten Konstruktion zeigt er eine analoge Grundrissgliederung wie das 2. OG.
Wie die verschiedenen Befunde belegen, handelt es sich hier um die eigentliche Wohnetage. Im Süd-Osten befand sich die verbohlte Stube. Eine Fixierung der Küche und Kammer ist durch die nachträglichen Umbauten zurzeit nicht möglich. Neben der ehemals offenen Flurzone befanden sich zwei weitere Kammern.
Ein gravierender Umbau erfolgte in den Jahren um 1528 (d). Zu diesem Zeitpunkt wurde die gesamte Westtraufe erneuert. Daneben erfolgten auch Eingriffe in die Grundrissstruktur und eine Modernisierung der Stube. Hier vor allem die Wandaufbauten und eine neue Decke.
Auf diesem Stockwerk ist das noch heute erhaltene Dachwerk aufgeschlagen. Abgezimmert wurde ein Sparrendach mit zweifacher Kehlbalkenlage und einem dreifach stehendem Stuhl im 1. DG.
An beiden Schmalseiten kragte das Dachwerk auf den Längshölzern des Unterbaus und einem Stichgebälk aus. Die Längsaussteifung erfolgte durch die drei Stuhlpfetten und den zu den Giebelstuhlständern geneigten Kopfbändern. Im Dachinnern wurden die Pfetten durch einzelne Ständer, ohne Aussteifungshölzer, unterstützt. An beiden Giebelseiten war ehemals ein Krüppelwalm angelegt. Dachflächen sind mit einer Doppeldeckung aus handgestrichenen Biberschwanzziegeln versehen.
Im Dachwerk von 1382 (d) fällt die hohe Zahl von älteren wiederverwendeten Hölzern auf. Es handelt sich hierbei um ehemalige Sparren, die in gleicher Funktion oder als Kehlbalken verbaut sind. Soweit dendrochronologische Daten vorliegen, stammen diese Hölzer aus der Zeit um 1350 (d).
Aus dieser Zeitstellung wurden auch im Unterbau mehrere Bauhölzer registriert. Keines dieser Hölzer ermöglicht die gesicherte Aussage, dass es sich hierbei um wiederverwendete Hölzer eines an dieser Stelle errichteten Vorgängergebäudes handelt. Es ist vielmehr davon auszugehen, dass der beschriebene Baukörper (mit Ausnahme der Ostwand) einheitlich der Zeit um 1382 (d) zuzuordnen ist.
Um das Jahr 1544 (d) wird der Südgiebel modernisiert. Dabei wurde ein neues Dachgerüst mit einer verzapften Längsaussteifung eingebaut.
Der Gewölbekeller mit dem Tonnengewölbe wird über einen nachträglich eingebauten Treppenabgang im Westen erschlossen. Die südliche Kellerwand setzt sich im Erdgeschoss fort. Der Treppenabgang ist mit einem Backsteingewölbe überwölbt.