Datenbank Bauforschung/Restaurierung

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Gebäudekomplex

ID: 205656482415  /  Datum: 22.10.2013
Datenbestand: Bauforschung
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Objektdaten

Straße: Schieringerstraße
Hausnummer: 8
Postleitzahl: 74321
Stadt: Bietigheim-Bissingen
Regierungsbezirk: Stuttgart
Kreis: Ludwigsburg (Landkreis)
Gemeinde: Bietigheim-Bissingen
Wohnplatz: Bietigheim
Wohnplatzschlüssel: 8118079001
Flurstücknummer: keine
Historischer Straßenname: keiner
Historische Gebäudenummer: keine
Lage des Wohnplatzes: Lage des Wohnplatzes

Kartenansicht (OpenStreetMaps)

Objektbeziehungen

keine

Umbauzuordnung

keine

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12

Bauphasen

1. Bauphase:
(1536 - 1537)
Errichtung des Hauptbaus (d).
Betroffene Gebäudeteile:
keine

2. Bauphase:
(1558)
Anbau eines zweistöckigen Fachwerkbaus unter Ausnutzung des massiven Kellerhalses an das Haupthaus (d).
Betroffene Gebäudeteile:
Betroffene Gebäudeteile
  • Anbau

3. Bauphase:
(1688)
Anbau eines zweiten Bauteils um 1688 (d).
Betroffene Gebäudeteile:
Betroffene Gebäudeteile
  • Anbau

4. Bauphase:
(1723 - 1724)
Errichtung der Scheune (d).
Betroffene Gebäudeteile:
Betroffene Gebäudeteile
  • Anbau
Bauwerkstyp:
  • Ländl./ landwirtschaftl. Bauten/ städtische Nebengeb.
    • Scheune

Besitzer

keine Angaben

Fotos

Abbildungsnachweis
Westgiebel / Gebäudekomplex in 74321 Bietigheim-Bissingen (28.02.2014 - Lena Becker (München))

Zugeordnete Dokumentationen

  • Bauhistorische Untersuchung

Beschreibung

Umgebung, Lage:
keine Angaben
Lagedetail:
  • Siedlung
    • Stadt
Bauwerkstyp:
  • Wohnbauten
    • Wohnhaus
  • Ländl./ landwirtschaftl. Bauten/ städtische Nebengeb.
    • Scheune
Baukörper/Objektform (Kurzbeschreibung):
Das giebelständige Gebäude erhebt sich über einen längsrechteckigen Grundriss in West-Ost-Richtung. Der dreistöckige Fachwerkbau mit massivem Erdgeschoss ist unverputzt. Der rückwärtige Hofraum wird über eine hohe, nicht zentrale Durchfahrt erreicht.
An den Hofgiebel des Hauptbaus sind insgesamt zwei Anbauten angesetzt, darunter ein zweistöckiger Fachwerkbau, der an den rückwärtigen Giebel des Hauptbaus, unter Ausnutzung des massiven Kellerhalses angebaut wurde. Kernstück dieses Anbaus war ein kleiner Saal im 1. Oberstock. Er war nicht beheizbar. Belichtet wurde dieser Raum durch einen Erker an der Südtraufe und am Ostgiebel. Im 2. Oberstock war der Anbau weit vom Hauptbau zurückgesetzt, sodass sich in diesem Zwischenraum der Zugang zu einem traufseitigen WC und die Möglichkeit zu einer Anlage einer Hinterladeröffnung ergab. Erfassbar ist für den restlichen Grundriss ein Einzelraum, der zusätzlich zu einem Erker in Eckausbildung durch zwei Giebelfenster belichtet wurde. Erhalten hat sich die ursprüngliche Türöffnung. An diesen äußerst repräsentativ gestalteten ersten Anbau wurde ein zweiter Anbau angesetzt. Zu diesem Zeitpunkt verloren die vorgelagerten Räume des ersten Anbaus ihre ursprüngliche Nutzung. Für die neue Stube im 1. Obergeschoss des zweiten Anbaus wurde der ältere Erkerteil am Giebel aufgebrochen und als Durchgang genutzt. Seitlich davon wurde zur Erwärmung der Stube eine Hinterladeröffnung eingebaut. Auch im 2. Oberstock wurde der Erkerteil am Giebel entfernt. Hier wurde ein Zugang zu einem unbeheizten Raum angelegt.
Beide Anbauten sind schmaler als das Hauptgebäude und nehmen auch in ihrer Höhenerstreckung keinen Bezug auf dieses. Quer zu diesem lang gezogenen Gebäudekomplex steht eine Scheune. Die Einfahrt des zweizonigen Wirtschaftsbaus liegt im Süden und nimmt damit Bezug auf die Hofdurchfahrt.
Innerer Aufbau/Grundriss/
Zonierung:
keine Angaben
Vorgefundener Zustand (z.B. Schäden, Vorzustand):
keine Angaben
Bestand/Ausstattung:
keine Angaben

Konstruktionen

Konstruktionsdetail:
  • Wandfüllung/-verschalung/-verkleidung
    • Flechtwerk
  • Decken
    • Balken-Bretter-Decke
  • Dachform
    • Satteldach
  • Dachgerüst Grundsystem
    • Sparrendach, q. geb. mit liegendem Stuhl
    • Sparrendach, q. geb. mit stehendem Stuhl
  • Dachgerüst, verstärkende Einbauten
    • Sprengwerk
  • Holzgerüstbau
    • Unterbaugerüst, mehrstöckig
Konstruktion/Material:
Dachwerk (Hauptgebäude):
Das tragende Gerüst des zweistöckigen Dachwerks mit Spitzboden besteht aus liegenden Stühlen in zwei inneren Querachsen und aus stehenden Stühlen an den Giebelseiten.
Im 1. Dachstock sind die liegenden Binder durch die verzapften Streben zwischen den traufseitigen Ständern und der Mittelpfette als Sprengwerk ausgebildet. Innerhalb des 2. Dachstocks besitzen die liegenden Ständer keine Streben. Hier ist zusätzlich zum Kehlbalken ein Spannriegel vorhanden.
Die Sparren sind am Fußpunkt in die Dachbalken gezapft. Die Längsaussteifung erfolgt durch Aussteifungshölzer, die in der Dachschräge verlaufend, zwischen den Stuhlständern und den Pfetten eingebaut sind.
Das Dachwerk kragt am rückwärtigen Giebel stockwerkweise über Stichgebälk aus. Dies war wohl ursprünglich auch am Straßengiebel der Fall. Der heutige Straßengiebel datiert in Anbetracht des überkommenen Fachwerks ins 18.Jh.
Im 1. Dachstock befindet sich am rückwärtigen Giebel eine inzwischen geschlossene Ladeluke. Die Ladewinde ist noch an originaler Stelle vorhanden.
Als nachträgliche Einbauten sind die Bretterabtrennungen, der Taubenschlag, der Schüttboden sowie die beiden Dachkammern anzusprechen.
Die vorhandene Dachkonstruktion stellt zimmermannstechnisch (Sprengwerk) eine absolute Rarität innerhalb der südwestlichen Dachlandschaft dar.

2. Oberstock (Hauptgebäude):
Die Lage der Querbinder aus dem Dach ist auch im 2. Oberstock beibehalten. Durch die vorhandenen Gerüstständer und Wandscheiben ist eine dreizonige und vierschiffige Grundrissgliederung erkennbar. Nach den vorhandenen Befunden lassen sich den einzelnen Räumen folgende Befunde zuordnen:
Innerhalb der vorderen Zone befand sich nach Norden eine verbohlte Stube mit einer Balken-Bretter-Decke. Die ursprüngliche Hinterladeröffnung für den Kachelofen befindet sich innerhalb der verbohlten Trennwand zur mittigen Zone. Der hier angrenzende Raum ist als Küche anzusprechen. Danach schloss sich im Bereich der rückwärtigen Zone eine Kammer ohne nähere Nutzungsbestimmung an.
Vom rückwärtigen Giebel bis zum Straßengiebel durchzieht das mittige Schiff als schmaler Flur den gesamten Hausgrundriss. Dieser Flur, in dem mittig das Treppenhaus mündet, erschließt alle Räume, während eine Verbindung der einzelnen Zimmer untereinander nicht bestand.
An den beiden Giebelenden befindet sich nach Süden orientiert je eine Kammer.
Zu bemerken ist, dass bis auf eine Ausnahme (Stube) alle originalen Türöffnungen erhalten sind, während die älteren Fensteröffnungen und Wandfüllungen in Flechtwerk nur noch in begrenztem Umfang vorhanden sind. Die Nordtraufe ist vollständig verschwunden, die Bohlenumfassungswände der Stube sind in drei Wänden durch jüngere Maßnahmen verändert.
In welchem Maße der südliche Abschnitt des Straßengiebels noch originale Wandfüllungen und Gerüsthölzer aufweist, ist vorerst nicht eindeutig fassbar.

1. Oberstock (Hauptgebäude):
Durch die Stellung der tragenden Gerüstständer ist auch im 1. Oberstock die vertikale Lastabtragung in den Querachsen beibehalten. Im Vergleich zum 2. Oberstock variiert die Grundrissgliederung in zwei Punkten: Der mittige Flur reicht lediglich über die zwei rückwärtigen Zonen. Innerhalb der vorderen Zone wurde der Flur zugunsten einer breiteren Stube aufgegeben. Die Stube, ehemals verbohlt und mit einer Balken-Bretter-Decke versehen, ist dadurch vom Treppenhaus zugänglich. Der im Süden anschließende Kammerraum war ursprünglich nur von der Stube begehbar, sodass er wohl als Schlafraum diente.
Am rückwärtigen Giebel ist ein schmaler Zugang zum WC abgetrennt. Dieses kragte an der nördlichen Traufe geringfügig über.
Zu bemerken ist, dass die Küche annähernd über zwei Zonen reichte. Eine Trennwand, wie sie im 2. Oberstock erhalten ist, war nicht vorhanden. Auch hier sind, wie im 2. Oberstock, bis auf eine Ausnahme alle originalen Türöffnungen erhalten.

Unterstock:
Die vom Dach bis zum 1. Oberstock vorhandene Abstimmung der Querbinderlage ist im Unterstock nur noch ansatzweise eingehalten. So ist die rückwärtige Zone um ein Balkenfeld schmäler. Versetzt ist auch die südliche Längswand unter den beiden inneren Längsunterzügen um der vorhandenen Toreinfahrt eine größere Breite zu geben.
Dem originalen Bestand ist die Fachwerkwand parallel zur Durchfahrt zuzuordnen, während die in einem Abstand von ca. 1,20 m vorhandene Wand nur noch in geringem Umfang originale Holzteile aufweist. In ihrer ursprünglichen Lage befindet sich noch die zum 1. Oberstock ansteigende Blockstufentreppe.
Um jüngere Bauteile handelt es sich beim Straßengiebel. Er ist in seiner heutigen Erscheinung das Ergebnis einer massiven Abfangung des ehemals überstehenden 1. Oberstocks. Dies geschah wohl im Jahre 1746. Weitere Eingriffe erfolgten durch den modernen Ladeneinbau.
Ob die südliche Massivwand ebenfalls eine Baumaßnahme des 18. Jh. ist, kann erst eine Untersuchung des Deckengebälks klären.

Keller:
Der älteste Teil befindet sich wohl an der Straßenseite. Er hat ungefähr eine Länge von 4,20 m. Ihm schließt sich ein weiterer Keller an. Beide Keller unterscheiden sich in ihrer Breite und in ihrer Gewölbekrümmung.
Der gesamte Keller ist durch einen nach Osten verlaufenden Kellerhals zugänglich, dessen ursprünglicher Eingang weit außerhalb des Hauptgrundrisses lag. Der heutige Stichzugang ist eine nachträgliche Veränderung infolge des zweiten Gebäudebaus im Osten.
In Verbindung mit den Befunden am Dach (Ladeluke) lassen sich folgende Bauphasen ableiten:
Im Zusammenhang mit der Errichtung des Hauptbaus wurde der vorhandene Kellerhals nach Osten verlängert. Obwohl der weit nach Osten reichende Kellerhals in einem bestimmten Widerspruch zu einer Nutzung der Ladeluke steht, muss das gleichzeitige Vorhandensein von Kellerhals und Ladeluke angenommen werden. Dies vor allem, weil durch die vorhandenen Fensteröffnungen eine größere Überbauung des Kellerhalses im WC-Bereich des 1. Oberstocks nicht anzunehmen ist.
Eine Veränderung des Kellerzugangs war auch nach der Errichtung des ersten Anbaus über dem Kellerhals nicht notwendig, dies erfolgte wohl erst nach der Angliederung des zweiten Anbaus.

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