Domturm (Rottenburg)

Datenbank Bauforschung/Restaurierung

Datenbank Bauforschung/Restaurierung

Oberer Turm, sog. Schochenturm

ID: 186358208212  /  Datum: 04.05.2016
Datenbestand: Bauforschung und Restaurierung
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Objektdaten

Straße: Pfarrgasse
Hausnummer: 13
Postleitzahl: 74354
Stadt-Teilort: Besigheim

Regierungsbezirk: Stuttgart
Kreis: Ludwigsburg (Landkreis)
Wohnplatzschlüssel: 8118007001
Flurstücknummer: keine
Historischer Straßenname: keiner
Historische Gebäudenummer: 91 1/2
Lage des Wohnplatzes: Lage des Wohnplatzes
Geo-Koordinaten: 48,9982° nördliche Breite, 9,1440° östliche Länge

Kartenansicht (OpenStreetMaps)

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Objektbeziehungen

Ist Gebäudeteil von:
1. Gebäudeteil: Pfarrgasse

Besteht aus folgenden Gebäudeteilen:
keine Angabe

Umbauzuordnung

keine

Bauphasen

Kurzbeschreibung der Bau-/Objektgeschichte bzw. Baugestaltungs- und Restaurierungsphasen:

Der Obere Turm (auch Schochenturm genannt), der ehemalige Hochwachtturm mit Wohnung des Turmwächters: Buckelquader Rundturm mit Kegeldach, erbaut ca. 1220, wahrscheinlich um 1235, als Bergfried. Zahlreiche Steinmetzzeichen aus der Zeit der Erbauung erhalten. Eintrag ins Denkmalbuch. Der Obere und der nahezu identische Untere Turm wurden als wehrhafteste Teile der Stadtbefestigung errichtet an den beiden strategisch empfindlichsten (nicht von Flussufern gesäumten) Stellen der Stadt. Die Türme wurden wohl wie vergleichbare französische Bauwerke einst als Wohntürme genutzt (Ausstattung z. B. mit Kamin und Aborterker). Die Türme sind die ältesten Gebäude der Oberen und Unteren Burg. Die beiden jeweiligen Burghäuser (von denen nur noch das Steinhaus beim Oberen Turm erhalten ist) sind etwa ein Jahrhundert später hinzugekommen. (a)

Im Zuge der weit greifenden Entfestigungsmaßnahmen und der zu Beginn des 19. Jahrhunderts vorgenommenen Auslagerung des zeitwährend im Turm ansässigen Gefängnisses ins benachbarte „Steinhaus“, wurde ihm seine letzte der Stadt dienliche Funktion genommen.
Allgemein wurden im Laufe der Jahrhunderte an diesem Turm kaum Veränderungen vorgenommen, und auch Kriegsschäden lagen nicht vor, sodass dieser, gerade in Verbindung auch mit dem Unteren Turm, das Stadtbild bis heute entscheidend prägt und den mittelalterlich-historischen Charakter Besigheims bestimmt.


1. Bauphase:
(1200 - 1235)
Etwaige Errichtung, die in später Staufischer Zeit, zu Beginn des13. Jahrhunderts, erfolgte.
Bauzeit um 1220: Durch Stilvergleiche mit französischen Türmen und mit dem nahezu baugleichen Turm von Reichenberg bei Backnang setzt etwa Cord Meckseper die Bauzeit beiden Besigheimer Türme um 1220 an. Vergleiche der Steinmetzzeichen unterstützen diese Datierung. (a)
Hinzu kommt die dendrochronologische Untersuchung eines Gerüstholzes, Eiche, die die Datierung um 1235 belegte.
Betroffene Gebäudeteile:
keine
Lagedetail:
  • Befestigungsanlage
    • allgemein
  • Burganlage
    • allgemein
Bauwerkstyp:
  • Befestigung- und Verteidigungsanlagen
    • Bergfried
Konstruktionsdetail:
  • Detail (Ausstattung)
    • Abtritt
  • Verwendete Materialien
    • Stein

2. Bauphase:
(1500)
Ab dem 16. Jahrhundert diente das Dachgeschoss als Wohn- und Aufenthaltsstätte des Turmwarts.
Betroffene Gebäudeteile:
keine

3. Bauphase:
(1500 - 1899)
Bis ins 19. Jahrhundert diente der Bau auch als Gefängnis.
Betroffene Gebäudeteile:
keine

4. Bauphase:
(1514)
Nennung eines "Thurnblesers", der in späterer Zeit zugleich Hochwächter ist. (a)
Betroffene Gebäudeteile:
keine

5. Bauphase:
(1540)
Erste Erwähnung der "Hochwacht" (mit Hochwächterswohnung), die wohl schon früher bestand. (a)
Ab etwa 1540 diente das Dachgeschoss als Wohnung des Turmwarts.
Betroffene Gebäudeteile:
keine

6. Bauphase:
(1581)
Im Jahr 1581 wurde das Obere Tor, befindlich im Südwesten des Turmes, geöffnet.
Betroffene Gebäudeteile:
keine
Konstruktionsdetail:
  • Detail (Ausstattung)
    • Abtritt

7. Bauphase:
(1650 - 1656)
Die im 30jährigen Krieg zerstörte Wächterswohnung (die "Hauptwacht"). Die Baulast trägt die Herrschaft. (a)
Betroffene Gebäudeteile:
keine

8. Bauphase:
(1656)
Im Jahr 1656 wurde das bis heute erhaltene Dachwerk letztmalig, nach Kriegszerstörung, erneuert.
Betroffene Gebäudeteile:
keine
Konstruktionsdetail:
  • Detail (Ausstattung)
    • Abtritt
  • Steinbau Mauerwerk
    • Bruchstein
    • Werkstein

9. Bauphase:
(1784)
Beschreibung im Feuerversicherungskataster: "Neccar Seite. Oben in der Stadt. Ob der Kirch. Nr. 91 1/2 Der Obere Thurn mit der Thurnwächters Wohnung, befindet sich nicht in der Assecuration (Versicherung)". Besitzer ist die "Herzogliche Oberamtey". (a)
Betroffene Gebäudeteile:
keine

10. Bauphase:
(1800 - 1825)
Im Zuge der weit greifenden Entfestigungsmaßnahmen und der zu Beginn des 19. Jahrhunderts vorgenommenen Auslagerung des zeitwährend im Turm ansässigen Gefängnisses ins benachbarte „Steinhaus“, wurde ihm seine letzte der Stadt dienliche Funktion genommen.
Betroffene Gebäudeteile:
keine

11. Bauphase:
(1853)
Der Obere Turm wird neu katastriert: "Nr. 91 1/2 Der obere Wachturm, oben in der Stadt, zwischen der Kirche und dem Steinhaus". (a)
Betroffene Gebäudeteile:
keine

12. Bauphase:
(1861)
Neubeschreibung im Güterbuch: "Nr. 91 1/2 Der Hochwachtturm (1 a 3 qm), Stiege (2 qm), Schweinestall an der Mauer (2 qm), in der obern Stadt, mit der Wohnung des Hochwächters und mehreren ob einander befindlichen gewölbten Räumen, massiv von Stein ... Hinzu das Glöcklein steuerfrei". (a)
Betroffene Gebäudeteile:
keine

Besitzer

1. Besitzer:
(1220 - 1784)
Herrschaft Baden
Bemerkung Familie:
Bemerkung Besitz:
besitzt
Beschreibung:
Neubau Schochenturm
Beruf / Amt / Titel:
keiner
Betroffene Gebäudeteile:
keine

2. Besitzer:
(1784 - 1830)
Herrschaft Württemberg
Bemerkung Familie:
Bemerkung Besitz:
besitzt
Beschreibung:
Schochenturm
Beruf / Amt / Titel:
keiner
Betroffene Gebäudeteile:
keine

3. Besitzer:
(1830)
Besigheim, Stadt
Bemerkung Familie:
Bemerkung Besitz:
übernimmt
Beschreibung:
Schochenturm
Beruf / Amt / Titel:
keiner
Betroffene Gebäudeteile:
keine

Weiterer Datenbestand LAD

Die im Landesamt für Denkmalpflege vorhandenen Datenbestände der Restaurierung sind mit dem vorangestellten braunen Kästchen gekennzeichnet. Mit lila Kästchen versehene Objekte verweisen auf vorhandene Datenbestände der Bauforschung.
keines

Fotos

Abbildungsnachweis
Ansicht von Norden / Oberer Turm, sog. Schochenturm in 74354 Besigheim (2007 - Denkmalpflegerischer Werteplan, Gesamtanlage Besigheim, Regierungspräsidium Stuttgart)
Abbildungsnachweis
Ansicht von Süden / Oberer Turm, sog. Schochenturm in 74354 Besigheim (2007 - Denkmalpflegerischer Werteplan, Gesamtanlage Besigheim, Regierungspräsidium Stuttgart)
Abbildungsnachweis
Ansicht von Süden - rechts das Torwächterhaus - Pfarrgasse 15 / Oberer Turm, sog. Schochenturm in 74354 Besigheim (M. Haußmann)
Abbildungsnachweis
Historische Aufnahme. Ansicht von Süden. Im Vordergrund ein abgegangenes Gebäude im Ochsengraben. / Oberer Turm, sog. Schochenturm in 74354 Besigheim (Stadtarchiv Besigheim)

Zugeordnete Dokumentationen

  • Schriftliche Aufarbeitung vorhandener und Einarbeitung neuer, bauhistorischer Erkenntnisse für den genannten Bereich im Rahmen der Erstellung eines aktuellen Geländeschnittes im Juli 2008
  • Besigheimer Häuserbuch
  • Besigheimer Geschichtsblätter
  • Oberrheinische Studien

Beschreibung

Umgebung, Lage:
Zusammen mit dem Besigheimer Steinhaus befindet sich der als Schochenturm bekannte Obere Turm auf der höchsten Stelle des Bergsporns. Das Ensemble bildete das am südlichsten Ende der historischen Altstadt gelegene Befestigungswerk, dessen Erbauung noch in staufische Zeit, sprich gegen Ende des 12. Jahrhunderts und mit dem Beginn des folgenden, datiert wird. Als Wehrhaus konzipiert war es somit Teil der oberen Burg, das als herrschaftliches Wohnhaus eine Art Palas darstellte.
Lagedetail:
  • Burganlage
    • allgemein
  • Siedlung
    • Stadt
Bauwerkstyp:
  • Befestigung- und Verteidigungsanlagen
    • Bergfried
    • Element der Befestigungsarchitektur
  • Öffentliche Bauten/ herrschaftliche Einrichtungen
    • Gefängnis
    • Verlies
Baukörper/Objektform (Kurzbeschreibung):
Buckelquader-Rundturm, mit Schiessscharten, außen liegender Treppenaufgang in Holz, Erker, unter Kegeldach Wohngeschoss, um 1220/30 errichtet.

Der Kern und gleichzeitig älteste Teil der Oberen Burg war gemäß der zeitlichen Zuordnung zahlreicher Steinmetzzeichen um 1220/30 errichtet worden. 1540 ist die „Hochwacht“ mit Hochwächterswohnung erwähnt, doch schon ursprünglich dürfte der Turm eine Wohnfunktion gehabt haben. Zwischen 1650 und 1657 wurden Kriegsschäden am Turm repariert. Später wohnte der Turmwächter in der Wohnung unter dem Dach.

Zusammen mit dem fast baugleichen und etwa gleich alten Turm der Unteren Burg am nördlichen Ende der Altstadt (siehe Hauptstraße 32) gilt der hochmittelalterliche „Schochenturm“ als Wahrzeichen Besigheims und bezeugt die Herrschaftsgeschichte der Stadt. Aufgrund seines hohen Baualters und seiner Bauart hat er einen herausragenden Wert.

Bergfried mit Turmwartswohnung im Dachgeschoss und heute steinernen Aufgang gegenüber des Steinhauses, der fortgeführt wird durch einen hölzernen bis zu einem Türerker in ca. 11 m Höhe.
Innerer Aufbau/Grundriss/
Zonierung:
Per Definitionem runder Grundriss.
Vorgefundener Zustand (z.B. Schäden, Vorzustand):
Der am südöstlichen Ende der historischen Altstadt befindliche Obere Turm, nach einem Wächter benannte Schochenturm, vergegenwärtigt bis heute, benachbart zum monumentalen Steinhaus, zusammen mit dem im Nordwesten der historischen Altstadt befindlichen Waldhornturm die einstige Wehrhaftigkeit Besigheims.
Bestand/Ausstattung:
Turmwartswohnung unter dem Ringpultdach.

Konstruktionen

Konstruktionsdetail:
  • Steinbau Mauerwerk
    • Bruchstein
    • Werkstein
  • Verwendete Materialien
    • Stein
Konstruktion/Material:
Der Turm wurde im bossierten und mit Randschlag versehenen Buckelquadermauerwerk aus geblichen Sandstein, vereinzelt auch weißem Kalkstein ausgeführt.

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