Hohes Haus (Schwäbisch Hall)

Datenbank Bauforschung/Restaurierung

Datenbank Bauforschung/Restaurierung

Fachwerkhaus

ID: 106148834715  /  Datum: 13.04.2016
Datenbestand: Bauforschung und Restaurierung
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Objektdaten

Straße: Bei der oberen Kirche
Hausnummer: 7
Postleitzahl: 79346
Stadt-Teilort: Endingen

Regierungsbezirk: Freiburg
Kreis: Emmendingen (Landkreis)
Wohnplatzschlüssel: 8316012003
Flurstücknummer: keine
Historischer Straßenname: keiner
Historische Gebäudenummer: keine
Lage des Wohnplatzes: Lage des Wohnplatzes

Kartenansicht (OpenStreetMaps)

Objektbeziehungen

keine

Umbauzuordnung

keine

Bauphasen

Kurzbeschreibung der Bau-/Objektgeschichte bzw. Baugestaltungs- und Restaurierungsphasen:

Das Haus liegt unmittelbar unterhalb der Lösskuppe, auf der der Hof des Klosters Einsiedeln lokalisiert wird, dem vermutlich ältesten, frühmittelalterlichen Siedlungskern Endingens. Zugehörig zum Hofgut soll auch die St. Martins-Kirche mit umgebendem Friedhof gewesen sein. Ob auch das isoliert nahe der Stadtmauer gelegene Haus in Beziehung zum Kloster Einsiedeln oder den späteren Stadtherren stand, ist unklar.
Ältester Bauteil dürfte der Steinkeller sein, dessen Grundfläche deutlich kleiner ist als die des rezenten Hauses. Er wurde vermutlich von einem Vorgängerbau übernommen (Bauphase I).
1402 (d) wurde das Haus als zweistöckiger Fachwerkbau über dem älteren Keller errichtet (Bauphase II). Der zweigeschossige Steinkeller ragt nun weit über das Außenniveau hinaus, so dass er ein hohes Sockelgeschoss bildet. Die Außenwände des Aufgehenden besaßen durchlaufende Ständer, mit dem Traufrähm und Dachbalken durch Kopfbänder und Streben verbunden. Das Dach wird durch einen doppelten, stehenden Stuhl ausgesteift. Scherbänder ziehen von den Seitenwänden bis zu den Firstständern hinauf (Queraussteifung). Im Westen und Osten war ein Spitzgiebel vorhanden, dessen Aufbau die Konstruktion des Dachwerks spiegelt. Die Hölzer sind verblattet.
Im Erdgeschoss konnte keine originale Raumaufteilung festgestellt werden; möglicherweise war das Geschoss ungeteilt. Im Obergeschoss waren zwei firstparallele Längszonen vorhanden, die vermutlich durch Querwände in jeweils die Räume unterteilt wurden. Auffällig ist das Fehlen einer typischen Stube, Küche oder Kammer. Dies könnte auf eine Sonderfunktion des Hauses im Spätmittelalter verweisen.
Nach Ausweis der gekehlten Sandsteingewände wurden die Außenmauern im Erdgeschoss im 16. Jahrhundert in Stein erneuert (Bauphase III). Das Erdgeschoss wurde damals in mindestens drei Räume aufgeteilt. Im Obergeschoss wurde die mittlere Querzone durch eine zusätzliche Wand unterteilt.
Grundlegend umgebaut wurde das Haus im 18. Jahrhundert (Bauphase IV). Damals brach man das Giebeldreieck im Osten und Westen ab und ersetzte es durch einen Walm. Auch das Innere wurde nun durch den Einbau neuer Wände zu einem regelrechten Wohnhaus umgestaltet. Die Umbauten des 19. und 20. Jahrhunderts, einschließlich der Wiederherstellung des Kriegsschadens, haben diese Struktur modifiziert, aber grundsätzlich beibehalten.
Die isolierte Lage und die ungewöhnliche Raumaufteilung legen für den Fachwerkbau um 1402 eine Sonderfunktion nahe, die bisher archivalisch nicht fassbar ist. Erst im Laufe der Neuzeit wandelt sich dieses Gebäude zu einem „normalen“ Wohnhaus. Lage, Forschungsgeschichte und Erhaltung der originalen und frühneuzeitlichen Bauteile heben dieses Haus deutlich von der übrigen Bebauung in Endingen ab.


1. Bauphase:
(1250 - 1350)
13./14. Jh. Keller des Vorgängerbaus
Betroffene Gebäudeteile:
Betroffene Gebäudeteile
  • Untergeschoss(e)

2. Bauphase:
(1402)
1402(d) Abzimmerung Fachwerk und Dachwerk des Hauses
Betroffene Gebäudeteile:
Betroffene Gebäudeteile
  • Erdgeschoss
  • Obergeschoss(e)
  • Dachgeschoss(e)

3. Bauphase:
(1501 - 1590)
16. Jh. Umbau des Hauses: Außenmauern des Erdgeschosses in Stein ersetzt
Betroffene Gebäudeteile:
keine

4. Bauphase:
(1701 - 1790)
18. Jh. Umbau des Hauses: Abwalmung des Daches
Betroffene Gebäudeteile:
Betroffene Gebäudeteile
  • Dachgeschoss(e)

Besitzer

keine Angaben

Weiterer Datenbestand LAD

Die im Landesamt für Denkmalpflege vorhandenen Datenbestände der Restaurierung sind mit dem vorangestellten braunen Kästchen gekennzeichnet. Mit lila Kästchen versehene Objekte verweisen auf vorhandene Datenbestände der Bauforschung.
keines

Fotos

Abbildungsnachweis
Querschnitt S-N-Querschnitt (Holderer 2010) / Fachwerkhaus in 79346 Endingen (13.04.2016 - Holderer (2010))
Abbildungsnachweis
Ostfassade mit Eintrag des ehemaligen Fachwerkgiebels  / Fachwerkhaus in 79346 Endingen (13.04.2016 - Frank Löbbecke)
Abbildungsnachweis
West- und Südfassade mit Eintrag des ehemaligen Fachwerks / Fachwerkhaus in 79346 Endingen (13.04.2016 - Frank Löbbecke)
Abbildungsnachweis
Westfassade / Fachwerkhaus in 79346 Endingen (13.04.2016 - Frank Löbbecke)

Zugeordnete Dokumentationen

  • Bauhistorische Untersuchung

Beschreibung

Umgebung, Lage:
Das Grundstück Bei der oberen Kirche 7 liegt am westlichen Rand der Endinger Altstadt, am Ende einer Sackgasse. Es grenzt im Westen an die Stadtmauer. Im Norden steigt eine Lösskuppe steil an, auf der der Hof des Klosters Einsiedeln lokalisiert wird. Zugehörig zum Hofgut soll auch die St. Martins-Kirche mit umgebendem Friedhof gewesen sein. Der Einsiedler Hof gilt als ältester, frühmittelalterlicher Siedlungskern Endingens.
Lagedetail:
  • Siedlung
    • Randlage
Bauwerkstyp:
  • Ländl./ landwirtschaftl. Bauten/ städtische Nebengeb.
    • Bauernhaus
Baukörper/Objektform (Kurzbeschreibung):
Das freistehende, zweigeschossige Gebäude weist ein steinernes Hochparterre über einem zweigeschossigen Keller und ein Fachwerk-Obergeschoss auf. Der First des Walmdachs ist Nordost-Südwest orientiert. Die Grundfläche ist annährend quadratisch (Außenmaß EG: 10 x 11,25 m). Zum Hang im Nordwesten ist ein eingeschossiger Anbau mit Pultdach angefügt.
Innerer Aufbau/Grundriss/
Zonierung:
keine Angaben
Vorgefundener Zustand (z.B. Schäden, Vorzustand):
Nach der nun erfolgten Freilegung der Wände und Decken durch großflächiges Abschlagen der Putze und abgehängten Decken ist die Hauskonstruktion erkennbar. Es zeigt sich, dass die Außenwände des Erdgeschosses ursprünglich aus Fachwerk bestanden. Das Haus war ursprünglich ein Geschossbau mit Steinkeller und beidseitigem Spitzgiebel. Einzelne Dachbalken konnte in die Zeit um 1402 (d) datiert werden.
Bestand/Ausstattung:
keine Angaben

Konstruktionen

Konstruktionsdetail:
  • Mischbau
    • Obergeschoss(e) aus Holz
    • Unterbau aus Stein (gestelzt)
  • Dachform
    • Satteldach mit beidseitigem Vollwalm
  • Decken
    • Balkendecke
  • Dachgerüst Grundsystem
    • Sparrendach, q. geb. mit Firstständer
  • Dachgerüst, verstärkende Einbauten
    • abgesprengte Quer- und Längsbünde
Konstruktion/Material:
Die beiden Balkenlagen im Keller liegen in firstparalleler Richtung auf Unterzügen, die von jeweils einer profilierten Stütze mit Sattelholz gestützt werden. Das Erdgeschoss ist heute in Flur, Küche, Bad und Toilette aufgeteilt. Die Deckenbalken laufen Nord-Süd und lagern auf einem mächtigen Unterzug (heute Rähm der südlichen Flurwand). Die als Isoliermaterial eingebrachten Lehmwickel zwischen den Balken wurden nachträglich eingebracht.
Das Kerngerüst des Obergeschosses besteht aus wandhohen Bundständern, die über einen Brustriegel und aufgeblattete Streben ausgesteift werden. Die Streben variieren je Fassadenseite (wandhoch, dreiviertelhoch und Kopfbänder). Die Deckenbalken (zugleich Dachbalken) laufen wieder in Nord-Süd-Richtung und lagern auf einem Unterzug.
Das zweigeschossige Dachwerk ist eine Mischkonstruktion aus Pfetten- und Sparrendach mit zwei auf den Dachbalken/Unterzug stehenden Firstsäulen und einem doppelten stehenden Stuhl im 1. Dachgeschoss. Queraussteifung durch Scherbänder, die an den Bundständern im OG verblattet sind; Längsaussteifung durch Fuß- und Kopfbänder.

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