Datenbank Bauforschung/Restaurierung

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Stadtmauer westl. der Kronengasse

ID: 191621831718  /  Datum: 09.02.2017
Datenbestand: Bauforschung und Restaurierung
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Objektdaten

Straße: Kronengasse
Hausnummer: keine
Postleitzahl: 78050
Stadt-Teilort: Villingen

Regierungsbezirk: Freiburg
Kreis: Schwarzwald-Baar-Kreis (Landkreis)
Wohnplatzschlüssel: 8326074020
Flurstücknummer: keine
Historischer Straßenname: keiner
Historische Gebäudenummer: keine
Lage des Wohnplatzes: Lage des Wohnplatzes

Kartenansicht (OpenStreetMaps)

Objektbeziehungen

keine

Umbauzuordnung

keine

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12345

Bauphasen

Kurzbeschreibung der Bau-/Objektgeschichte bzw. Baugestaltungs- und Restaurierungsphasen:

Die wenigen vorhandenen Schriftquellen zur Stadtgeschichte Villingens bis 1300 enthalten keine gesicherten Aussagen zum Alter der Stadtmauer. Von der früheren Stadtbefestigung ist heute größtenteils die ehemals innere, ringförmige Stadtmauer erhalten geblieben, deren Entstehung im ausgehenden 12.Jahrhundert bzw. beginnenden 13.Jahrhundert anzunehmen ist. Die ringförmige Anlage erreichte eine Länge von ca. 1899 m, eine Höhe von etwa 10 m und eine Dicke von 1,7 m. Um die Mitte des 13. Jahrhunderts kamen noch Tortürme hinzu, von denen heute noch drei (Oberes Tor, Riettor und Bickentor) erhalten sind. Gegen Ende des 14. Jahrhundert wurde der Stadtmauerring durch weitere Tortürme verstärkt (Kaiserturm um 1372, Romäusturm 1390/91, Elisabethentürmchen und „Türmle“ um 1400).
Ab der Mitte des 15. Jahrhunderts kam ein zweiter, äußerer Mauerring mit dahinterliegendem Wehrgang („Fülle“) hinzu, dem ein 15m breiter Graben vorgelagert war. Die äußere Mauer war niedriger als die innere Mauer, da sie der Positionierung von Kanonen diente, und mehrere Meter breit. Ihre innere und äußere Stützmauer waren mit Füllmaterial der Gräben gefestigt. In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts wurden vier halbkreisförmige Rondelle als Geschützstellungen an die äußere Mauer angebaut und durch weitere vier Pulverrondelle an der inneren Stadtmauer während des Schweizer Krieges im Jahr 1499 ergänzt. Während des dreißigjährigen Krieges erlitt die Befestigung nur wenige Schäden, die zwischen 1660-70 beseitigt wurden. Die Mauerzüge wurden in diesem Zuge zudem verstärkt. Zwischen 1678–84 wurde südlich des Romäusturmes eine Schanze, das so genannte „Bügeleisen“, und 1713 im Franziskaner Garten eine Geschützrampe errichtet. Nach der Eroberung der Stadt durch die Franzosen während des Österreichischen Erbfolgekrieges im Jahr 1744 legt man ab 1789 Gärten in den Gräben an. Ab dem frühen 19. Jahrhundert begann auf Wunsch der Bürger der teilweise Abriss der Mauer. 1813 begann der Abriss der Äußeren Mauer im Bereich des „Bügeleisens“. 1828 war diese schon zur Hälfte abgetragen. In den folgenden Jahrzehnten setzte sich der Abbau weiter fort. Erst in der Mitte des 19.Jahrhunderts setzte mit der Neubewertung des Mittelalters und dem Bewusstsein für die eigene Identität ein Umdenken ein, welches ab dem späten 19. Jahrhundert die Reparatur und Ausbesserung der verbliebenen Mauerreste zur Folge hatte. Im 20. Jahrhundert ersetzte man größere Mauerabschnitte durch neue Gebäude.


1. Bauphase:
(1150 - 1225)
Der westliche Mauerabschnitt im Bereich der Kronengasse geht mit der Erbauung der inneren Ringmauer im ausgehenden 12./ beginnenden 13. Jahrhundert einher.
Betroffene Gebäudeteile:
keine
Lagedetail:
  • Siedlung
    • Stadt
Bauwerkstyp:
  • Befestigung- und Verteidigungsanlagen
    • Stadtbefestigung, allgemein

2. Bauphase:
(1250 - 1650)
Unterfangung der Mauer vor der Aufstockung, d.h. im Spätmittelalter oder in der Frühen Neuzeit.
Betroffene Gebäudeteile:
keine

3. Bauphase:
(1500 - 1699)
Nachträglich wurde in die Mauerscheibe eine große, fensterartige Rechteckscharte auf halber Wandlänge eingefügt, die ein schräg stehendes Sandsteingewände in flach gedeckter Nische zeigt. Sie ist wohl dem 16. oder dem 17. Jahrhundert zuzurechnen.
Betroffene Gebäudeteile:
keine

4. Bauphase:
(1650)
Erhöhung der Mauer wohl nach 1650.
Betroffene Gebäudeteile:
keine

5. Bauphase:
(1800 - 1899)
Vermutlich auf Reparaturarbeiten des 19. Jahrhunderts geht ein auf der Maueraußenseite noch teils großflächig anzutreffender rötlich/brauner Oberputz zurück. Im 19. Jahrhundert wurde auch am östlichen Mauerende die Kronengasse durch den Mauerzug durchgebrochen.
Betroffene Gebäudeteile:
keine

6. Bauphase:
(2008 - 2010)
Erneuerung der Mauerkrone in den Jahren 2008-10: die Mauerkrone wurde neu abgemauert und mit einer flach geneigten Ziegelabdeckung versehen. In diese Zeit fällt die flächige Verputzung der Mauerinnenseite, an der auch der dortige Wehrgangabsatz auf halber Wandhöhe mit einer modernen Ziegelabdeckung versehen wurde.
Betroffene Gebäudeteile:
keine

Besitzer

keine Angaben

Weiterer Datenbestand LAD

Die im Landesamt für Denkmalpflege vorhandenen Datenbestände der Restaurierung sind mit dem vorangestellten braunen Kästchen gekennzeichnet. Mit lila Kästchen versehene Objekte verweisen auf vorhandene Datenbestände der Bauforschung.
keines

Fotos

Abbildungsnachweis
Stadtmauer westl. der Kronengasse in 78050 Villingen (Stefan Uhl)

Zugeordnete Dokumentationen

  • Bauhistorische Befundung, Schadensanalyse

Beschreibung

Umgebung, Lage:
Der untersuchte Mauerabschnitt der Villinger Stadtmauer befindet sich im Bereich westlich des Durchbruchs der Kronengasse im Norden der Altstadt.
Lagedetail:
  • Siedlung
    • Stadt
Bauwerkstyp:
  • Befestigung- und Verteidigungsanlagen
    • Stadtmauer
Baukörper/Objektform (Kurzbeschreibung):
Etwa 60 m langer und gut 8m hoher Mauerzug unmittelbar westlich des Durchbruches der Kronengasse. Geradliniger Verlauf, lediglich im westlichsten Abschnitt rundlicher Übergang zur gerundeten Nordwestecke des Stadtmauerverlaufes. Insgesamt ohne größere Vor- und Rücksprünge. Im Kernbestand Abschnitt der hochmittelalterlichen Stadtmauer mit hochgehenden, jüngeren Erhöhungen. Den oberer Abschluss bildet ein modernes flaches, ziegelgedecktes Pultdach.
Innerer Aufbau/Grundriss/
Zonierung:
keine Angaben
Vorgefundener Zustand (z.B. Schäden, Vorzustand):
Außenseite mit umfangreichen Resten von Altputz. Die rückwärtige Mauerseite ist durch die Anschlussbebauung (Feuerwehr und Schule) im unteren Bereich verbaut. Der obere Teil der Mauerinnenseite wurde modern verputzt. Oberer Abschluss durch modernes flaches, ziegelgedecktes Pultdach.
Bestand/Ausstattung:
keine Angaben

Konstruktionen

Konstruktionsdetail:
  • Steinbau Mauerwerk
    • Bruchstein
  • Verwendete Materialien
    • Ziegel
Konstruktion/Material:
Über die ganze Länge des untersuchten Mauerabschnittes zieht sich ein bis zu 3m hoher Mauersockel aus großformatigem, blockhaftem Bruchsteinmauerwerk, das sich deutlich vom hochmittelalterlichen Kernbestand der Villinger Stadtmauer abhebt. Dieser Mauersockel ist meist leicht geböscht, d.h. seine Maueraußenfront weicht nach oben hin leicht zurück. Nach oben hin schließt er mit einer meist relativ ebenen Lagerfuge an das höhergehende Mauerwerk an, das dem mittelalterlichen Kernbestand der Mauer zugerechnet werden muss. Im Osten bricht der Mauersockel mit dem Durchbruch der Kronengasse ab, während er an seinem westlichen Ende erst langsam, dann schnell an Höhe verliert und sich schließlich in der großen nordwestlichen Rundung der Stadtmauer verläuft. Aller Wahrscheinlichkeit nach handelt es sich bei diesem Mauersockel um eine nachträgliche Unterfangung der mittelalterlichen Stadtmauer, mit Hilfe derer die Neigung nach außen hin aufgehalten werden sollte. Da die Mauerteile oberhalb des mittelalterlichen Mauerwerks nicht nach außen geneigt sind, ist davon auszugehen, dass diese Unterfangung schon vor der Aufstockung, d.h. im Spätmittelalter oder in der Frühen Neuzeit, erfolgt ist. Der Mauersockel ist vereinzelt von jüngeren Ausbrüchen durchbrochen. Ansonsten bleibt er aber über die gesamte Länge hinweg ohne Details.
Oberhalb des Mauersockels bis auf etwa zwei Drittel der Mauerhöhe erstreckt sich ein homogenes mittelformatiges Bruchsteinmauerwerk, das dem mittelalterlichen Kernbestand der Mauer zugerechnet werden muss. Es verjüngt sich leicht nach oben hin. Auffallend ist, dass sich dieses Mauerband vor allem im westlichen Abschnitt des untersuchten Mauerabschnittes spürbar nach außen geneigt hat. Hier muss es nach der Errichtung der Mauer zu einer Neigung nach außen, in Richtung des Grabens gekommen sein, der dann durch den jüngeren Mauersockel unterhalb des mittelalterlichen Mauerwerkes begegnet worden ist. Knapp unterhalb der oberen Kante des mittelalterlichen Mauerstreifens ist auf der Mauerinnenseite ein schmaler Wehrgangabsatz ausgespart. Am östlichen Ende endet das mittelalterliche Mauerwerk mit dem Durchbruch der Kronengasse. Am westlichen Ende scheint das mittelalterliche Mauerwerk gegen die nordwestliche Rundung der Stadtmauer hin stark und weit hinab ausgebrochen zu sein und verliert hier deutlich an Höhe. Auch das mittelalterliche Mauerwerk ist über die ganze Länge hinweg, von einzelnen jüngeren Ausbrüchen oder Ausmauerungen abgesehen, weitestgehend detaillos.
Im oberen Mauerabschnitt, oberhalb des rückseitigen Wehrgangabsatzes, ist die Mauerscheibe deutlich dünner als unterhalb des Wehrgangabsatzes. Das Mauerwerk ist hier auch kleinerformatig und in seinem Verband deutlich unregelmäßiger. Dies lässt vermuten, dass es sich hierbei um eine nachträgliche Erhöhung des mittelalterlichen Mauerzuges handelt. Etwa 1,2 m unter der heutigen Mauerkrone zieht sich der Mauerscheibe eine waagerechte Schichtfuge entlang, die die einstige obere Kante einer ersten Erhöhungsphase markiert. In diese Mauerkante waren in regelmäßigen Abständen Schartenlücken von 80-110 cm Breite eingelassen, die der Mauer einen zinnenartigen oberen Abschluss gaben. Im Zuge einer zweiten Erhöhung wurde die Mauer dann auf die heutige Höhe erhöht. Die vorhandenen Schartenlücken wurden dabei vermauert, oberhalb von ihnen wurde jedoch in der Mauererhöhung jeweils wieder eine neue Schartenlücke angelegt. In einem dritten Schritt schließlich wurden die Schartenlücken vermauert, wobei in einzelnen Vermauerungen kleine Schlitzscharten mit hochrechteckigen Sandsteingewänden zu liegen kamen. Ebenfalls erst nachträglich in die Mauerscheibe eingefügt wurde eine große, fensterartige Rechteckscharte auf halber Wandlänge, die ein schräg stehendes Sandsteingewände in flach gedeckter Nische zeigt und wohl dem 16. oder dem 17. Jahrhundert zuzurechnen ist. Vermutlich auf Reparaturarbeiten des 19. Jahrhunderts geht ein auf der Maueraußenseite noch teils großflächig anzutreffender rötlich/brauner Oberputz zurück, der auf gleichfalls noch flächig erhaltenen, helleren Kalkputzen älterer Verputzphasen aufliegt. Im 19. Jahrhundert wurde auch am östlichen Mauerende die Kronengasse durch den Mauerzug durchgebrochen. Die so entstandene östliche Stirnseite des Mauerzuges wurde mit Sandstein glatt abgemauert. Als jüngste Renovierungsphase gilt st die Erneuerung der Mauerkrone in den Jahren 2008-10, als die Mauerkrone neu abgemauert und mit einer flach geneigten Ziegelabdeckung versehen wurde. Ebenfalls modern ist die flächige Verputzung der Mauerinnenseite, an der auch der dortige Wehrgangabsatz auf halber Wandhöhe mit einer modernen Ziegelabdeckung versehen wurde.

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