Datenbank Bauforschung/Restaurierung

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Fachwerkhaus

ID: 102939877212  /  Datum: 17.10.2014
Datenbestand: Bauforschung
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Objektdaten

Straße: Ilgengasse
Hausnummer: 17/19
Postleitzahl: 88499
Stadt-Teilort: Riedlingen

Regierungsbezirk: Tübingen
Kreis: Biberach (Landkreis)
Wohnplatzschlüssel: 8426097010
Flurstücknummer: keine
Historischer Straßenname: keiner
Historische Gebäudenummer: keine
Lage des Wohnplatzes: Lage des Wohnplatzes

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Objektbeziehungen

keine

Umbauzuordnung

keine

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Bauphasen

1. Bauphase:
(1487 - 1488)
Errichtung des Gebäudes in den Jahren 1487/88 (d)
Betroffene Gebäudeteile:
Betroffene Gebäudeteile
  • Erdgeschoss
  • Obergeschoss(e)
  • Dachgeschoss(e)
  • Untergeschoss(e)
Lagedetail:
  • Siedlung
    • Stadt
Bauwerkstyp:
  • Wohnbauten
    • Wohnhaus
Konstruktionsdetail:
  • Dachform
    • Satteldach

Besitzer

keine Angaben

Fotos

keine

Zugeordnete Dokumentationen

  • Bauhistorische Kurzuntersuchung

Beschreibung

Umgebung, Lage:
keine Angaben
Lagedetail:
  • Siedlung
    • Stadt
Bauwerkstyp:
  • Wohnbauten
    • Wohnhaus
Baukörper/Objektform (Kurzbeschreibung):
Zweigeschossiger, mittelgroßer Fachwerkbau über gedrungen rechteckigem Grundriss mit Satteldach in Längsrichtung.
Innerer Aufbau/Grundriss/
Zonierung:
Ein mit Backstein gewölbter Keller mit Außenzugang liegt unter Teilen des Wohnbereiches an der Nordostecke des Gebäudes. Das Erdgeschoss besitzt in der nördlichen Hälfte einen Wohnteil mit zwei Wohnräumen an der Giebelseite und einem anschließenden schmalen Flur mit dem traufseitigen Hauseingang. Die Außenwände dieses Bereiches sind zum Großteil in Mauerwerk ausgeführt. Das noch ganz in Fachwerk ausgeführte, nach Norden hin leicht vorkragende Obergeschoss besitzt im Wohnteil an der Nordostecke eine Stube mit Bretterbalkendecke, an der Nordostecke eine kleinere Kammer sowie einen schmalen Treppenflur.
Der die südliche Haushälfte einnehmende Wirtschaftsteil zeigt eine breite zweigeschossige Tenne im Anschluss an den Wohnteil mit großem Tor an der Eingangstraufe und einen eingeschossigen schmalen, am Rückgiebel gelegenen Stall. Auch hier sind nur wenige Wandflächen in Mauerwerk aufgeführt.
Das mäßig hohe, zweigeschossige Satteldach kragt am Nordgiebel in jedem Geschoss, am Südgiebel nur im 1. Dachgeschoss um Balkenstärke vor. Beide Giebel sind durch Fachwerkwände geschlossen. Die Dachkonstruktion wird in der Mittelquerachse von einer stehenden Stuhlkonstruktion, in den beiden äußeren Stuhlachsen von einem liegenden Stuhl mit stehender Mittelsäule unterstützt. Der Dachraum ist durch eine Fachwerkwand in der Mittelachse in zwei Hälften geteilt, von denen die nördliche einen Flur und einen weiteren Wohnraum aufnimmt, während sich die südliche Hälfte zum darunter liegenden Wirtschaftsteil öffnet. Zum Untersuchungszeitpunkt waren die Nord-, Ost- und die halbe Westseite des Gebäudes geschlossen-flächig verputzt, allein die andere Hälfte der Westseite und der südliche Giebel waren unverputzt.
Vorgefundener Zustand (z.B. Schäden, Vorzustand):
keine Angaben
Bestand/Ausstattung:
keine Angaben

Konstruktionen

Konstruktionsdetail:
keine Angaben
Konstruktion/Material:
Die ausgesprochen umfangreiche Altsubstanz in allen Geschossen lässt eine Reihe wichtiger Aussagen zum ursprünglichen Gebäude zu. In dem einer Untersuchung nur oberflächlich zur Verfügung stehenden Wohnteil muss allerdings eine Reihe von Fragen offen bleiben.

Gerüst:
Die gesamte ursprüngliche Holzkonstruktion des Gebäudes war in Eichenholz ausgeführt. Ehemals vermutlich 15 Ständer legten einen zwei-schiffig und vier-zonigen Grundriss fest. Dabei waren die Ständer der drei südlichen Querbünde zwei Geschoss hoch ausgebildet. Der nördliche Giebel hingegen war geschossweise abgebunden. Die Situation im zweiten Querbund von Norden ist momentan unklar. Während die nördliche und die beiden südlichen Zonen zwar unterschiedliche, jedoch ähnliche Breiten aufweisen, ist die zweite Zone von Norden deutlich verschmälert. Möglicherweise (sollte es sich nicht um eine spätere Veränderung handeln) verspringt der westliche Teil des zweiten Querbundes von Norden im OG aus der gegebenen Bundachse nach Norden hin. Sollte die heutige Wandkonstruktion im EG nicht gänzlich auf einen späteren Umbau zurückgehen (Kerben für Stakungslöcher am Geschossriegel anstelle der sonst üblichen runden Löcher lassen dies vermuten), so laufen die Querbünde in Erd- und Obergeschoss hier auf die ganze Länge nicht übereinander. Möglicherweise lag somit auch hier bei den Bundständern ein geschossweiser Abbund vor.
Die Bundständer stehen auf einem noch in Resten erhaltenen Schwellkranz, bei dem die Querschwellen durch die äußeren Längsschwellen zapfenschlossartig durchgezapft sind. Auf die Ständer sind die zum Teil gestoßenen Längsrähme aufgezapft, deren Auskragung am nördlichen Giebel durch (heute überputzte) Knaggen oder Kopfbänder gestützt wird. In den drei nördlichen Zonen ist auf die Längsrähme ein durchlaufendes Dachgebälk aufgekämmt, während sich die südliche Zone zum Dachraum hin öffnet.
Im Bereich des Wohnteiles trägt ein auf Geschosshöhe eingezapfter Riegel eine längs gerichtete Deckenbalkenlage, die an der Nordseite um Balkenstärke auskragt. Die Längsrähme des EGs sind an dieser Auskragung außen mit (heute überputzten) Knaggen oder Kopfbändern unterstützt. Im Bereich des Wirtschaftsteiles wurden keine eindeutigen Hinweise auf eine ursprüngliche Deckenbalkenlage angetroffen, wobei jedoch ein Durchlaufen der Deckenbalkenlage des Wohnteiles auch über die von Norden her dritte Zone nicht ausgeschlossen werden kann.

Gefüge:
Die Aussteifung des Hausgerüstes konnte nur im Wirtschaftsteil nachvollzogen werden. Die Längs- und Querausssteifung erfolgte hier durch übergeschosshohe, bogenförmige Fußbänder und kürzere, ebenfalls leicht gebogene Kopfbänder. Am Mittelständer der südlichen Giebelseite scheint ein Steigband vorhanden gewesen zu sein. Eine paarweise oder eine verdoppelte Anordnung der Aussteifungselemente konnte nicht beobachtet werden. Im Wohnteil war neben der Unterstützung der giebelseitigen Auskragung aufgrund der Befundsituation allein im OG eine heute überputzte, kurze, gerade Strebe oder ein Kopfband zu beobachten.

Wandbildung:
Die Wandbildung an den Außenwänden des über zwei Geschosse durchlaufend abgebundenen Wirtschaftsteil wird durch zwei gleichmäßig auf die Gesamthöhe verteilte, in die Bundständer eingezapfte Riegel und Lehm-Flechtwerk-Ausstakung mit runden Stakungslöchern erreicht. Die Ausstakung ist an der Süd-und Westseite noch vorhanden und kann in den oberen Riegelfeldern der Ostwand nachgewiesen werden. Zu den unteren Riegelfeldern der Ostwand liegen aufgrund späterer Veränderungen keine Hinweise vor.
Im Wohnteil besitzt im EG der östliche Teil des Rähmes der von Norden her zweiten Bundachse eine Reihe von Kerben für eine Lehm-Flechtwerk-Ausstakung. Möglicherweise gehört er deshalb nicht zum Originalbestand. Im OG besitzt die Unterseite des westlichen Rähms des von Norden her zweiten Querbundes runde Stakungslöcher, sodass hier eine originale Lehm- Flechtwerk-Ausstakung vermutet werden kann. In der Nordostecke des OGs haben sich die Reste einer Bohlenstube erhalten. Ihr südwestlicher Eckständer zeigt noch eine Bohlennut. Die Decke ruht auf stark profilierten Sturzbalken. Aufgrund der Befundsituation muss die Gleichzeitigkeit von Hausgerüst und Bohlenstube vorläufig dahingestellt werden.

Boden- und Deckenaufbauten:
Die Bohlenstube des Wohnteiles besitzt eine schwach dimensionierte Bretter-Balkendecke. Die Geschossdecke im Stubenbereich zeigt eine Ausstakung, die sonst im Gebäudebereich nicht wieder anzutreffen ist. Alle sonstigen Böden der Geschossdecke scheinen aus einfachen Dielungen auf der Balkenlage bestanden zu haben, ebenso die Decken des Flures im OG, während die Situation im nordwestlichen Eckraum unklar bleibt.

Türen, Tore:
Hinweise auf möglicherweise originale Türöffnungen konnten nur an der Gangwand der Bohlenstube beobachtet werden. Die dortigen kräftigen Türständer mit ihren den Sturzbohlen der Bohlenstube entsprechenden Profilierung besitzen oben einen Gehrungsschnitt für einen einstigen Türsturz mit geringer Durchgangshöhe.

Abbundzeichen:
Abbundzeichen waren am Originalbestand nur vereinzelt anzutreffen. Die Nummerierung geht dabei von der nördlichen Giebelseite aus und ist nicht an der Zahl der Querbünde, sondern an der der Sparrenpaare des Dachbereiches orientiert. Eine Unterscheidung nach Längsbünden war - soweit das geringe Material eine solche Aussage überhaupt zulässt, nicht festzustellen.

Dachkonstruktion:
Die ursprüngliche, ganz in Eiche ausgeführte Dachkonstruktion ist uns im heutigen Bestand weitestgehend vollständig und unverändert erhalten geblieben. Es handelt sich um ein zweigeschossiges Kehlbalkendach mit Sparren, die untereinander, mit dem Kehlbalken und mit dem Dachbalken verblattet sind. Die Dachbalkenlage ist dabei nur in den drei nördlichen Schiffen vollständig ausgebildet. Im südlichen Schiff sind von ihr am Sparrenfuß lediglich kurze Stummel übrig, die mit dem Sparren durch eine angeblattete senkrechte Schubaussteifung zu einem biegesteifen Dreiecksverband verbunden sind, so dass sich die südliche Zone (original) ohne Störung in den Dachraum hinein öffnet. Zudem fehlen in den betreffenden zwei Gebinden die ansonsten vorhandenen Kehlbalken.
Die einzelnen Gebinde werden auf Kehlbalkenebene von drei im südlichen Drittelspunkt gestückelten Längspfetten getragen, die an beiden Giebelseiten um Balkenstärke auskragen. In der Mittelquerachse werden diese Pfetten von drei stehenden Stuhlsäulen unterstützt, die wiederum durch steile Steigbänder in Quer-, und durch verschieden hoch ansetzende, gebogene Kopfbänder in Längsrichtung ausgesteift sind. Eine geschlossene Wandfüllung mit einem verzapften Riegel und Lehm-Flechtwerk-Ausstakung ohne Öffnungen gehört ebenfalls dem Originalbestand an. In den zwei zwischen dieser Mittelachse und den Giebelscheiben gelegenen Bünden des Stuhles ist dagegen jeweils ein liegender Stuhl mit verblatteten Stuhlbändern, sowie einer einzelnen mittigen stehenden Stuhlsäule mit breitem Schalenkopf angeordnet. Die Bundseiten der drei inneren Stuhlbünde wechseln jeweils. In den Giebelscheiben stehen jeweils drei geschosshohe Giebelständer, die in Längsrichtung durch verschieden hoch ansetzende, z.T. sehr lange, stark gebogene Kopfbänder ausgesteift sind. Die Aussteifung in Querrichtung besorgen am südlichen Giebel und vielleicht auch am nördlichen zwei steile Steigbänder an den beiden äußeren Ständern. Auch hier sind originale Lehm-Flechtwerk-Ausstakungen mit eingezapften Riegeln vorhanden.
Ein am zweiten und vorletzten Sparrenpaar angeblatteter Hahnbalken weist auf eine einstige Krüppelwalmausbildung an beiden Giebeln hin. Am nördlichen Ende der mittleren Stuhlpfette sind an der oberen westlichen Kante zwei schräge Blattsassen aufgebracht, für deren Verwendung kein Hinweis vorliegt. Die einzelnen Sparrenpaare sind von Norden nach Süden durchnummeriert, die Zählung der Stuhl- (bzw. Bund-) Achsen ist auf die der Sparrenpaare bezogen. Der nördliche Teil des Dachstuhles ist stark verrußt.

Zusammenfassung, Raumgliederung, Raumnutzung:
Bei dem untersuchten Gebäude scheint es sich um das Wohnhaus eines Ackerbürgers zu handeln. Die südliche Gebäudehälfte ist klar als Wirtschaftsteil mit einer Tenne in der giebelseitigen Zone gekennzeichnet, in der nördlich anschließenden Zone könnte einst zumindest teilweise ein Stall Platz gefunden haben. Das Tennentor dürfte sich an der Ostseite befunden haben. Im Wohnteil könnten im EG zwei Räume und ein schmaler Treppenflur gelegen haben. Im OG finden wir in der Nordostecke eine Bohlenstube, an die gegen Süden ein schmaler Flur anschließt. Die Kammer in der Nordwestecke des Geschosses ist evtl. schon von Anfang an weniger tief als die Stube, sodass die anschließende Gangzone in ihrem westlichen Teil verbreitert ist. Allem Anschein nach hat hier (zumindest in der zweiten Bauphase) die Küche ihren Platz gefunden, von der aus ein Kachelofen in der Südwestecke der Stube zu beheizen gewesen sein scheint.
Während im Bereich des Wohnteiles eine Aussage zum Restbestand des ursprünglichen Gebäudes aufgrund der Befundsituation kaum möglich ist, kann für den restlichen Bereich festgestellt werden, dass die ursprüngliche Substanz in außergewöhnlich umfangreichem Maße erhalten geblieben ist.

Spätere Veränderungen:
Die späteren Veränderungen sollen im Folgenden nur summarisch dargestellt werden. Vor allem im Bereich des Wohnteiles sind sie ohnehin kaum gesichert nachzuvollziehen. So dürfte dort die von Norden her zweite Bundachse im EG zumindest mit einem neuen Geschossriegel und evtl. auch einer neuen Wandbildung versehen worden sein, während die Außenwände hier massiv ersetzt wurden.
Einen wichtigen Einbau können wir im Dachraum beobachten. Im nördlichen der inneren Stuhlbünde wurde nun neben den alten mittleren (stehenden) Stuhlständern ein eigener Türstock aufgestellt und die Stuhlachse auf der ganzen Länge nachträglich mit einer Lehm-Flechtwerk-Ausstakung mit einfacher Ausriegelung geschlossen. Der so entstandene Flurbereich erhielt eine Treppe vom OG aus. Gleichzeitig legte man für den Abzug des Rauches des im Westen des Flurgefaches des OGs gelegenen Küchenraumes einen neuen Rauchfang an. Dieser nahm an der Westseite des Flures des Dachraumes dessen ganze Breite (zwei Sparrenabstände) ein. Ein schräg nach außen führender Hut aus Lehm-Flechtwerk mit einem Mittelriegel stieg vom Dachboden aus leicht schräg auf und lehnte sich oben gegen die heute stark verkohlte westliche Stuhlpfette, wo sich einst westlich derselben eine Öffnung in der Dachhaut befunden haben muss. Im heutigen Bestand sind noch die Ansätze des Hutes und seiner Riegel zu erkennen.
Im Tennenbereich wurde in jüngerer Zeit das Tennengefache mit dem Stallgefache vertauscht. Im Zuge dieser Maßnahme wurde das Dachgebälk über dem ehemaligen Stallgefache durch einen Ankerbalken nahe der Außenwand abgefangen, während das ehemalige Stallgefache einen neuen Zwischenboden erhielt.
Am nördlichen Giebel wurde die ursprüngliche Krüppelwalmausbildung entfernt und im zweiten Dachgeschoss ein neuer Dreiecksgiebel aufgesetzt, sodass das Dach heute als vollständiges Satteldach erscheint. Veränderungen an den Fenstern des Wohnteiles und den anderen Außenöffnungen sowie eine Reihe im Einzelnen nicht mehr nachvollziehbarer kleinerer Veränderungen im Wohnteil haben dann den heutigen Zustand hergestellt.

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