Haalstraße 5/7 (Schwäbisch Hall)

Datenbank Bauforschung/Restaurierung

Datenbank Bauforschung/Restaurierung

Vorderhaus

ID: 200613865510  /  Datum: 24.08.2015
Datenbestand: Bauforschung und Restaurierung
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Objektdaten

Straße: Zollernstraße
Hausnummer: 4
Postleitzahl: 78426
Stadt-Teilort: Konstanz

Regierungsbezirk: Freiburg
Kreis: Konstanz (Landkreis)
Gemeinde: Konstanz
Wohnplatz: Konstanz
Wohnplatzschlüssel: 8335043012
Flurstücknummer: keine
Historischer Straßenname: keiner
Historische Gebäudenummer: keine
Lage des Wohnplatzes: Lage des Wohnplatzes

Kartenansicht (OpenStreetMaps)

Objektbeziehungen

keine

Umbauzuordnung

keine

Bauphasen

Kurzbeschreibung der Bau-/Objektgeschichte bzw. Baugestaltungs- und Restaurierungsphasen:

Das in Teilbereichen sanierte Vorderhaus war schon im Jahre 2010 Gegenstand einer bauhistorischen Untersuchung. Durchgeführt durch Frank Löbbecke, Büro Baukern in Freiburg, sind die wichtigsten Baudaten und Entwicklungen in seinem im gleichen Jahr vorgelegten Untersuchungsbericht zusammengetragen. In der Zwischenzeit erfolgten weitere Freilegungen im Ladenlokal des Erdgeschosses. Sie ermöglichten einen erweiterten Einblick in den historischen Bestand und präzisieren die lokale Bauentwicklung durch neue dendrochronologische Daten. Dazu wurden neben der Entnahme einer weiteren Probenserie auch die im Jahre 2010 entnommenen Bohrproben einer überprüfenden Dendro- Auswertung unterzogen.

Das Vorderhaus

Bei dem untersuchten Gebäude handelt es sich um einen dreigeschossigen Massivbau mit abschließendem Satteldach in traufständiger Ausrichtung zur Zollernstraße. Das Gebäude entwickelt sich in West-Ost-Richtung und setzt sich aus zwei, zu unterschiedlichen Zeiten errichteten Gebäudeteilen zusammen. Der eigentliche Kernbau (Ostbau) grenzt unmittelbar an die mit dem Gebäude Zollernstraße 2 gemeinsam erbaute Brandwand an. Den westlichen Abschluss (Westbau) bildet eine spätere Überbauung der hier liegenden Hofzufahrt.

Als Baudatum für den Ostbau wurden bislang die Jahre um 1360 (d) in Erwägung gezogen. Nach der Entnahme von weiteren Bohrproben, verbunden mit einem Abgleich der im Jahre 2010 entnommenen Bohrproben datieren alle aus den Deckenbalken des Kernbaus entnommenen Proben einheitlich in die Jahre um 1342 (d). Der östliche Kernbau wurde somit gleichzeitig mit dem Nachbargebäude Zollernstr. 2 (Dendro: Winter 1342/43) und der gemeinsamen Brandwand erbaut.
Die dendrochronologische Datierung des Westbaus in die Jahre nach 1590 (d) bleibt bestehen.


1. Bauphase:
(1342)
Errichtung des östlichen Kernbaus (d)
Betroffene Gebäudeteile:
Betroffene Gebäudeteile
  • Erdgeschoss
  • Obergeschoss(e)
  • Dachgeschoss(e)

2. Bauphase:
(1590)
Errichtung des Westbaus (d)
Betroffene Gebäudeteile:
keine

Besitzer

keine Angaben

Zugeordnetes Objekt

keines

Fotos

keine

Zugeordnete Dokumentationen

  • Vorderhaus, Bauhistorische Dokumentation Ergänzung März 2015
  • Bauhistorische Untersuchung, „Schwarzacher Hof“ Konstanz, Zollernstraße 4
  • Restauratorische Voruntersuchung
  • Raumbuch Renovierung 2. Obergeschoss und Raumschale, Festsaal

Beschreibung

Umgebung, Lage:
keine Angaben
Lagedetail:
keine Angaben
Bauwerkstyp:
keine Angaben
Baukörper/Objektform (Kurzbeschreibung):
keine Angaben
Innerer Aufbau/Grundriss/
Zonierung:
keine Angaben
Vorgefundener Zustand (z.B. Schäden, Vorzustand):
keine Angaben
Bestand/Ausstattung:
keine Angaben

Konstruktionen

Konstruktionsdetail:
keine Angaben
Konstruktion/Material:
Der an der Zollernstraße stehende Ostbau erhebt sich auf Massivwänden unterschiedlichster Zeitstellungen und Stärken. Zu den bauzeitlichen Umfassungswänden gehören neben der erwähnten Brandwand im Osten und der leicht ausgebauchten Rückwand auch die westliche Giebelwand an der ehemaligen Hofeinfahrt, während die deutlich dünnere Straßenwand auf eine spätere Erneuerung zurückzuführen ist.
Näher untersuchbar war der östliche Teil des Ostbaus im Erdgeschoss. Hier war in der rückwärtigen Hälfte für kurze Zeit das um das Jahr 1342 (d) gefällte Gebälk über dem Erdgeschoss einsichtig. Es handelte sich um grob bearbeitete Nadelholzbalken mit nahezu rund belassenen Querschnitten. Von Nord nach Süd gespannt, lagen sie etwa auf halber Gebäudetiefe einem modernen Stahlträger auf, während der weitere Verlauf in Richtung Süden zum Zeitpunkt der Untersuchung durch eine moderne Verkleidung nicht mehr einsehbar war. Von besonderem Interesse ist der östliche Bereich des nördlichen Balkenauflagers:

Im Osten endend handelte es sich um einen 13 cm hohen, nach Westen verlaufenden, einem Eichensturzbalken aufgelegten Nadelholzbalken. An seiner Oberseite mehrfach ausgenommen, wurde er zu einem späteren Zeitpunkt zur Unterfütterung der im Mauerwerk lagernden Deckenbalken eingebaut.
Unterhalb des späteren „Auflagerbalkens“ befand sich zuvor das Auflager einer gleichfalls in Nord- Südrichtung verlaufenden, unter den Rundbalken verbauten Bretter-Balken-Decke. Mit gleichbleibenden Abständen von ca. 24 cm lagerten die Balken im Norden in den Ausnehmungen eines eichenen Sturzbalkens, während zwischen den Balken eingenutete Bretter eingeschoben waren. Am östlichen Ende des Eichenbalkens ist noch der schräg verlaufende Einschnitt des Abschlussbrettes erkennbar. Die ursprüngliche Breitenausdehnung der Bretter-Balken-Decke ist über die Länge des Eichenbalkens nachvollziehbar. Ergänzend dazu wird der räumliche Westabschluss durch eine scharfkantige Putzkante angezeigt. Das offenbar in den Massivbau eingestellte Ständergerüst ist nicht mehr erhalten. Wie weit sich die Decke, bzw. der zugehörige Raum nach Süden ausdehnte, ist unbekannt.
Zu diesem hochwertigen Deckenaufbau gehörte das in Resten erhaltene Belichtungsband in der Hofwand. Es handelte sich um sechs hochrechteckige Fensteröffnungen mit einer lichten Höhe von 1,37 m und einer lichten Breite von 25 cm. Die die Öffnungen einfassenden Sandsteingewände waren bzw. sind umlaufend gekehlt. Die Brüstungshöhe zum heutigen Laufniveau beträgt ca. 1,53 m.
Decke und Belichtungsband definieren für die Erbauungszeit einen hochwertigen Raum im Erdgeschoss, der sich mindestens bis zur tragenden Längsachse in der Gebäudemitte, möglicherweise aber auch bis zur Straße erstreckte. In Anlehnung an die unterschiedlichen Deckenaufbauten blieb er in seinen alten Ausmaßen auch noch nach der Entfernung der Bretter-Balken-Decke erhalten.

Innerhalb der Hofwand ist noch eine weitere, wohl zu einem späteren Zeitpunkt angelegte, mit wiederverwendeten Nischenbalken eingebaute Fensteröffnung erhalten. Es handelt sich um ein vergittertes Doppelfenster mit lichten Höhen von 1,26 m und lichten Breiten von 39 cm. Nur dreiseitig gekehlt, besitzen die Kehlen der seitlichen Gewände einen abgesetzten Auslauf. Im Vergleich zum älteren Belichtungsband misst die Brüstungshöhe nur 78 cm.

Ergebnis


Zeitgleich mit dem Nachbarhaus Zollernstraße 2 um das Jahr 1342 (d) erbaut, befand sich im östlichen Bereich des Kernbaus ein mit einer Bretter- Balken- Decke ausgestatteter Raum, der möglicherweise als „ein kleiner Saal“ die gesamte Gebäudetiefe einnahm.
Inwieweit dieser Raum im Zusammenhang mit einer möglichen Nutzung der Häuser Zollernstraße 2/4 als Beginenhaus der Mentlerinnen zu sehen ist (Löbbecke, 2010), bleibt der weiteren Erforschung des Hauses vorbehalten. Neben dem erdgeschossigen Raum (als Aufenthaltsraum für Bedürftige)? sind das gemeinsame Baudatum, die im Dach vorhandene Verbindungstüre und die große Hofkapelle als ernste Indizien für eine derartige Zuordnung zu sehen.

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