Domturm (Rottenburg)

Datenbank Bauforschung/Restaurierung

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Inselhotel (ehem. Dominikanerkloster/Langhaus der ehemaligen Klosterkirche)

ID: 154502635813  /  Datum: 20.01.2016
Datenbestand: Bauforschung und Restaurierung
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Objektdaten

Straße: Auf der Insel
Hausnummer: 1
Postleitzahl: 78426
Stadt-Teilort: Konstanz

Regierungsbezirk: Freiburg
Kreis: Konstanz (Landkreis)
Gemeinde: Konstanz
Wohnplatz: Konstanz
Wohnplatzschlüssel: 8335043012
Flurstücknummer: keine
Historischer Straßenname: keiner
Historische Gebäudenummer: keine
Lage des Wohnplatzes: Lage des Wohnplatzes

Kartenansicht (OpenStreetMaps)

Objektbeziehungen

keine

Umbauzuordnung

keine

Bauphasen

Kurzbeschreibung der Bau-/Objektgeschichte bzw. Baugestaltungs- und Restaurierungsphasen:

Die Untersuchung war auf das Langhaus der ehemaligen Klosterkirche, heute Vestibül und Festsaal, beschränkt. Seine Westwand weist im Grundriss eine verschwenkte Ausrichtung auf, sodass die Südwand kürzer bemessen ist als die Nordwand, während die Wände an der östlichen Schmalseite des Langhauses orthogonal aufeinandertreffen. Mit der Arkadenstellung wurde auf diese Situation reagiert, indem zum Ausgleich die nördlichen Arkadenbögen zwischen 309 und 313 cm, die südlichen jedoch nur zwischen 300 und 303 cm weit gespannt sind (die Bögen des weiter bemessenen östlichen Jochs überbrücken eine Spanne von 460 cm).

Die verschwenkte Ausrichtung der Westwand verwundert angesichts der freistehenden Lage des Klosters, die heute keine engen räumlichen Zwänge erkennen lässt. Tatsächlich erweist das Studium historischer Bildquellen, Bauzeichnungen und Lagepläne, dass sich die Situation im Laufe der Zeit stark verändert hat. Der Erläuterung sollen aufgrund einer vergleichenden Zusammenstellung deckungsgleicher Ausschnitte eines 1826/27 datierten Lageplans (Stadtarchiv Konstanz: Z IIa/5) und eines Luftbilds (Google-Earth, 2010) erfolgen. Einst standen die Westwand des Langhauses und des Nordflügels der Klausur unmittelbar am Wasser und eine sie verbindende Mauer begrenzte den Vorplatz. Die gegenüberliegende Uferlinie lag direkt vor den dortigen Gebäuden und die Stadtmauer verlief in vorgeschobener Lage im Wasser. Die Anbindung der Insel erfolgte durch die Inselgasse , wie deren Name verrät, in deren Verlängerung eine erste Brücken zu einer Öffnung in der Stadtmauer führte und eine zweite in einem Vorhof des Klosters mündete. Konzilstraße, Bahnlinie und Fußweg auf Stadtseite, sowie der dem Hotelkomplex westlich vorgelagerte Bereich mit Erschließungsweg und Grüngürtel auf der Inselseite haben den trennenden Wasserarm zu einem schmalen Kanal reduziert und die Wahrnehmbarkeit der Insellage annähernd zunichte gemacht. Bei der Errichtung des Klosters war der Platz zum Bau der Klosterkirche beschränkt, sodass sie in der Länge die ganze Breite der schmalen Insel ausnutzen und sich an ihrer Westseite der leicht schräg dazu verlaufenden Uferlinie anpassen musste.
Das Langhaus hatte ursprünglich einen basilikalen Querschnitt aus Mittelschiff und zwei Seitenschiffen. Im 18. Jahrhundert war ein weiteres Seitenschiff auf der Südseite angefügt und die frühere Außenwand durch eine Säulenarkade ersetzt worden, von denen eine größere Zahl als eingemauerte Halbsäulen in der heutigen Außenwand erhalten ist.
Die Säulen der beiden Arkaden setzen sich aus attischen Basen mit Eckkrallen, monolithen Schäften und achteckigen Kapitellen zusammen. Unter den Kapitellen fallen unterschiedliche Qualitäten in der Ausbildung der Form auf, wovon das westlichste Kapitell der Nordreihe besonders schlecht gelungen ist.
Über den Säulen spannen sich Arkadenbögen, die in eine Bogenzone aus Werkstein mit abschließendem profiliertem Arkadengesims eingebunden sind. Oberhalb schließt die Obergadenwand an, einst mit maßwerkgefüllten Spitzbogenfenstern, von denen sich ein einziges im westlichen Joch erhalten hat und in seiner ursprünglichen Gestalt rekonstruiert worden ist. Die Westseite des Langhauses wird von einem riesenhaften, einst ebenfalls maßwerkgefüllten Spitzbogenfenster dominiert. Östlich saß ein Chorbogen zum Chorbereich, wo heute eine geschlossene Wand den Festsaal abschließt. Die Arkadenbögen sind als gedrückte Spitzbögen ausgebildet, deren Kreismittelpunkte um etwas weniger als ein Viertel vom Kämpferpunkt eingerückt liegen. Das östliche Joch ist erheblich weiter bemessen, möglicherweise um einem Lettner genügend Raum zu bieten. Der zuletzt bestehende und 1874 abgetragene Lettner ist erst später entstanden, seine Datierung aber nicht gesichert (Walz 1989, S. 43). Das östliche Joch wird von Rundbögen überspannt deren Scheitel etwas höher liegen als die der Spitzbögen, sodass gerade noch eine Quaderlage oberhalb durchlaufen kann. Rund- und Spitzbögen basieren indes auf demselben Kreisradius, sodass die Höhenentwicklung der Bogenzone von den weitgespannten Rundbögen bestimmt und die Proportion der Spitzbögen offenbar von den Rundbögen abgeleitet worden ist. Die Bogensteine von Spitz- und Rundbögen weisen folglich dieselbe Geometrie auf.
Das Aufbauschema aus monolithischen Säulen mit Basen und Achteckkapitellen, einer werksteinernen Bogenzone und einem Arkadengesims ist in auffallend ähnlicher Form in der unweit gelegenen Münsterkirche wiederzufinden. Insbesondere fallen Parallelen in der Formgebung bei Kapitellen und Gesimsprofilen auf, in der Dominikanerkirche erstere etwas differenzierter, letztere etwas schlichter gestaltet.
Eine zeitliche Nähe besteht jedoch nicht, denn die Langhausarkaden des Münsters werden ins 11. Jahrhundert datiert, wogegen die Errichtung der Dominikanerkirche zwischen der Übertragung der Insel an den Orden im Jahr 1236 und einem hier stattgefundenen Generalkapitel im Jahr 1276 vermutet werden kann. Für diese Zeitstellung erscheint dieses Aufbauschema recht archaisch und will so gar nicht zu den schmalen, hohen und dicht gereihten Spitzbogenfenstern und dem riesigen fünfbahnigen Westfenster passen, welche alle einfache, nasenlose Maßwerken besaßen. Lediglich die gedrückten Spitzbogen der Arkade muten leidlich zeitgemäß an. Sie machen jedoch den Eindruck, als hätte man diese Form in erster Linie zum Ausgleich der geringeren Spannweite gegenüber dem östlichen Joch gewählt. Die Annahme, dass für die Arkade ganz bewusst altertümliche Stilformen der nahen Bischofskirche kopiert worden sind, drängt sich förmlich auf.
Während die Errichtung von Kloster und Kirche um die Mitte des 13. Jahrhunderts vermutet wird, einschließlich der großen Ostfenster des Chors mit ebenfalls ungenasten Maßwerken (Becksmann 1979, S. 133), wird die dekorative Ausmalung um 1300 bzw. in die ersten Jahrzehnte des 14. Jahrhunderts datiert (Literatur passim). Die Entstehung der andernorts erhaltenen Glasmalereien wird im 1. Viertel des 14. Jahrhunderts (Noack 1969, S. 47) bzw. um 1320 gesucht (Becksmann 1979, S. 134). Beim Umbau 1966 konnten im Chorbereich vielfach Reste einer weißen Fugenmalerei auf grauem Grund beobachtet werden, verbunden mit einer farbigen Rahmung der Fenster (Schulze-Battmann 1966, S. 82f; Walz 1989, S. 42f), für das Langhaus sind jedoch keine solchen Befunde bekannt. Lediglich die Malerei einer sechsteiligen Heiligengruppe an der Stirnwand des nördlichen Seitenschiffs, die vom späteren Lettner verdeckt worden war, konnte um 1280 datiert werden (Schulze-Battmann 1966, S. 77). Fotografien lassen auch im Langhaus in der Bogenzone eine helle Fugenmalerei auf dunklem Grund erkennen [Rettich Nr. 1965- 151/71; Wolf a+b]. Sie wird innerhalb achteckiger Aussparungen in der Innendekoration des 17./18. Jahrhunderts, wo einst wohl Gemälde angebracht waren, sichtbar, sodass es sich um eine ältere Fassung handelt, die möglicherweise noch Teil der frühen Malereifassung war. In den östlichen Ecken des Mittelschiffs unmittelbar vor dem Chorbogen finden sich kurze Vorlagen aus Werkstein, die später mit dem Spitzeisen zurückgearbeitet worden sind. Sie machen innerhalb der bestehenden Architekturordnung keinen Sinn und können daher möglicherweise als Überbleibsel einer Planungsänderung interpretiert werden, wonach das Langhaus in geänderter Form ausgeführt worden wäre.
Die historischen Aufnahmen aus der Zeit vor dem Umbau von 1874 lassen noch umfangreiche Reste der zuletzt bestehenden Innendekoration, als die Kirche noch Sakralraum war, erkennen [Wolf a+b]. Am stärksten treten dunkle, von Stuck gerahmte Felder auf der Bogenzone über den Arkadensäulen hervor. Bei den meist achteckigen, teilweise auch runden Umrissen handelt es sich um Fehlstellen, an denen vermutlich Bilder gehangen hatten. Der Stuck tritt dunkel in Erscheinung, wonach er entweder kräftig farbig gefasst oder vergoldet war. Innerhalb der Fehlstellen ist eine frühere Quadermalerei zu erkennen, während das übrige Quaderwerk weiß getüncht war. Stuckaturen gleicher Art sind schemenhaft an der dahinterliegenden nördlichen Seitenschiffwand zu sehen, die einst Bilder von sehr unterschiedlicher Größe gerahmt haben. Den Übergang zur Decke bildete eine Voute. Ebenfalls schemenhaft zeichnen sich Stuckdekorationen derselben Zeit an der flachen Decke ab. Reste von Stuck konnten bei der Untersuchung keine angetroffen werden, lediglich irgendeine der weißen Tüncheschichten, wie sie sich an der Obergadenwand erhalten haben, müsste damit in Verbindung gebracht werden können. Die Formensprache der Stuckaturen verweist ins späte 17. oder frühe 18. Jahrhundert, weshalb sie wohl nicht mit den Säulen in Zusammenhang gebracht werden können, welche einst die südliche Außenwand ersetzt haben, als dort ein zweites Seitenschiff angefügt worden war [Wolf c], und die heute in die Südwand eingemauert sind. Vor 1751 fand eine umfassende Erneuerung von Klosterkirche und Klausur statt (Walz 1989, S. 44). Die Datierung einer „neuen Ausschmückung der Kirche um 1730“ bei Schulze-Battmann ist ohne Quellenangabe und beruht wohl auf einer Schätzung (Schulze-Battmann 1975, S. 181).
1785 wurden die Mönche ausgewiesen und die Klostergebäude der sogenannten Genfer Kolonie, einer Gruppe von Glaubensflüchtlingen aus Genf, überlassen, die hier eine Baumwolldruckerei und -färberei eingerichtete haben. Die Klosterkirche diente als Trockenraum für Stoffe. Im Mittelschiff wurde etwas über der halben Höhe der Obergadenfenster eine von langen Streben gestützte Decke eingezogen, die neue Ebene über eine vom Lettner ausgehende Treppe zugänglich gemacht und die Obergadenfenster mit Lüftungsjalousien geschlossen [Wolf b+c; Auflagerholz der Decke: Walz 1989, Abb. 141]. Ansonsten blieb der Kirchenraum weitgehend unverändert.
Der Umbau zum Hotel 1874/75 war mit umfangreichen Eingriffen in Bausubstanz und Baustruktur verbunden [Abrissarbeiten: Wolf b+c]. Unter anderem entfiel das zweite Seitenschiff bis auf einen Rumpf von drei Jochen. Im Mittelschiff wurde in halber Höhe eine Decke eingebaut, bestehend aus Holzbalkenlagen auf quer durch den Raum gespannten Eisenträgern, jeweils im Wechsel einfach und gedoppelt übereinander verlegt [Rettich Nr. 1964-128/71, 126/4, 130/26]. Oberhalb davon entstanden Hotelzimmer.
Unterhalb fanden im westlichen Teil und im Rumpf des Seitenschiffs Flure, Treppenhaus und Nebenräume Platz, während den östlichen Teil ein großer Saal füllte, abgetrennt vom früheren Chorraum und nur durch eine Tür verbunden. Die Decke des Saals war in der Form eines Kreuzgratgewölbes, im Mittelschiff mit einem zusätzlichen flachen Mittelteil mit gliedernden Balken – hinter denen sich die Eisenträger verborgen haben –, gestaltet [Hofmann/ Motz 1966, S. 39; Schulze-Battmann 1966, Abb. 4; Becksmann 1979, T. XI; Mienhardt 2010; Rettich Nr. 1964-128/69+65+67]. Die Gewölbekappen waren abgehängt und bestanden aus einem Lattengerüst mit Putzauftrag. Die Fresken an der Nordwand konnten durch Abnehmen eines Teils der Wandverkleidung eingesehen werden.
1963 erwarb das Land Baden-Württemberg den Komplex mit dem Ziel, ihn für eine Fortführung der Hotelnutzung umzubauen. Die Einbauten von 1874/75 im früheren Langhaus der Kirche wurden dafür weitgehend entfernt und lediglich die Eisenträger belassen, denen anstatt von Holzbalken fortan eine Betondecke auflag. Auch die Seitenschiffe erhielten Betondecken. Für kurze Zeit fand der Komplex dann zur Unterbringung der neu gegründeten Universität Konstanz Verwendung, wovon das frühere Langhaus als Bibliothek diente. 1970 konnte der Umbau zum Hotel schließlich abgeschlossen werden. Die wider Erwarten im Laufe der Arbeiten aufgefundenen Wandmalereien führten zur Änderung der Planungen, um den Kirchenraum im Rahmen der gebotenen Möglichkeiten wieder erlebbar zu machen. Dafür wurde der Boden ein Stück abgesenkt, um die Säulenbasen wenigstens bis zur Oberkante der Plinthe freizulegen und die Querteilung in einen westlichen und einen östlichen Teil zwar beibehalten, aber durch eine Glaswand bewerkstelligt, um wenigstens optisch die gesamte Länge des Langhauses erfassen zu können. Das westliche Joch des Langhauses wurde zu seiner alten Höhe geöffnet und die hohen spitzbogigen Fensteröffnungen der Westwand in ihrer Grundform rekonstruiert, was Freilegung und Restaurierung der auf der Innenseite der Westwand entdeckten Malereien zusammen mit jenen des ersten Jochs möglich machte, was einen begrenzten Eindruck von früherer Raumhöhe und Malereifassung vermittelt. Das Obergadenfenster war an dieser Stelle nicht durch den Einbau von Zimmerfenstern gestört gewesen, hatte aber sein Maßwerk verloren, doch konnte ein an anderer Stelle erhalten gebliebenes Maßwerk hierher versetzt werden. Zwei der Säulen des 18. Jahrhunderts, die noch innerhalb des Reststücks des zusätzlichen Seitenschiffs standen, wurden damals entfernt und sind heute in Einzelteilen im Außenbereich verteilt. Der Saal erhielt 1970 nach Einbau einer Lüftungsanlage, was mit zahlreichen Durchbrüchen in der Obergadenwand verbunden war, auch jene Faltdecke, deren Abnahme Anlass zur vorliegenden Untersuchung gab (Angaben zu den Vorgängen 1963 bis 1970 vor allem aus Schulze-Battmann 1966, 1969, 1975 passim).


1. Bauphase:
(1236 - 1276)
Die Errichtung der Dominikanerkirche kann zwischen der Übertragung der Insel an den Orden im Jahr 1236 und einem hier stattgefundenen Generalkapitel im Jahr 1276 vermutet werden.
Betroffene Gebäudeteile:
keine

2. Bauphase:
(1300 - 1330)
Die dekorative Ausmalung wird um 1300 bzw. in die ersten Jahrzehnte des 14. Jahrhunderts datiert (Literatur passim)
Betroffene Gebäudeteile:
keine

3. Bauphase:
(1730 - 1751)
Vor 1751 fand eine umfassende Erneuerung von Klosterkirche und Klausur statt (Walz 1989, S. 44). Die Datierung einer „neuen Ausschmückung der Kirche um 1730“ bei Schulze-Battmann ist ohne Quellenangabe und beruht wohl auf einer Schätzung (Schulze-Battmann 1975, S. 181).
Betroffene Gebäudeteile:
keine

4. Bauphase:
(1785)
1785 wurden die Mönche ausgewiesen und die Klostergebäude der sogenannten Genfer Kolonie, einer Gruppe von Glaubensflüchtlingen aus Genf, überlassen, die hier eine Baumwolldruckerei und -färberei eingerichtete haben. Die Klosterkirche diente als Trockenraum für Stoffe.
Betroffene Gebäudeteile:
keine

5. Bauphase:
(1874 - 1875)
Der Umbau zum Hotel 1874/75 war mit umfangreichen Eingriffen in Bausubstanz und Baustruktur verbunden.
Der zuletzt bestehende Lettner wurde 1874 (a) abgetragen.
Betroffene Gebäudeteile:
keine

6. Bauphase:
(1963 - 1970)
1963 erwarb das Land Baden-Württemberg den Komplex mit dem Ziel, ihn für eine Fortführung der Hotelnutzung umzubauen. Die Einbauten von 1874/75 im früheren Langhaus der Kirche wurden dafür weitgehend entfernt und lediglich die Eisenträger belassen, denen anstatt von Holzbalken fortan eine Betondecke auflag.
Betroffene Gebäudeteile:
keine

Besitzer

keine Angaben

Zugeordnetes Objekt

keines

Fotos

Abbildungsnachweis
Inselhotel (ehem. Dominikanerkloster/Langhaus der ehemaligen Klosterkirche) in 78426 Konstanz (25.01.2016 - Stefan King)
Abbildungsnachweis
Inselhotel (ehem. Dominikanerkloster/Langhaus der ehemaligen Klosterkirche) in 78426 Konstanz (25.01.2016 - Stefan King)

Zugeordnete Dokumentationen

  • Beobachtungen zur Baugeschichte im Langhaus der ehemaligen Klosterkirche

Beschreibung

Umgebung, Lage:
Ehemalige Klosteranlage, direkt am Bodensee gelegen.
Lagedetail:
keine Angaben
Bauwerkstyp:
  • Anlagen für Handel und Wirtschaft
    • Hotel
  • Sakralbauten
    • Kloster, allgemein
Baukörper/Objektform (Kurzbeschreibung):
Ehemliges Dominikanerkloster, heute Inselhotel.
Ehemalige Klosterkirche wird heute als Veranstaltungssaal genutzt. Sie besitzt eine eingezogene Zwischendecke, daher sind lediglich die Arkaden, aber keine Gewölbe mehr zu erkennen.
Innerer Aufbau/Grundriss/
Zonierung:
Ehemalige dreischiffige Klosterkirche mit spitzbögigen Arkaden, Gewölbe und Chorabschluss. Der Chor wurde mit einer Wand vom Langhaus getrennt und die Gewölbe abgehängt.
Vorgefundener Zustand (z.B. Schäden, Vorzustand):
keine Angaben
Bestand/Ausstattung:
keine Angaben

Konstruktionen

Konstruktionsdetail:
  • Steinbau Mauerwerk
    • Bruchstein
  • Dachform
    • Satteldach
Konstruktion/Material:
Bogenzonen:
Die Fugen innerhalb der Bogenläufe sind alle radial ausgerichtet. Auf jedem Kapitell sitzt ein Anfängerstein, der auf der Oberseite zwei schräge Flächen zur Aufnahme der nach zwei Seiten aufsteigenden Bogenläufe besitzt. Die weiteren Bogensteine haben in der Mehrzahl eine gerade Oberseite in meist tangentialer Ausrichtung, häufig aber auch eine polygonale Form. Sie weisen unterschiedliche Höhen auf, sodass Stufungen entstanden sind. Die Zwickelflächen zwischen den Bogenläufen sind von horizontal verlegten Werksteinen ausgefüllt, die den gestuften Oberseiten der Bogenläufe angepasst wurden. Mit zunehmender Höhe der Bogenläufe treffen Bogensteine und Zwickelfüllungen in einem immer spitzer werdenden und für den Steinschnitt ungünstigeren Winkel zusammen. Die dadurch nicht zu vermeidenden Fehlstellen und entstandene Schäden im Werksteinverband wurden 1966 zusammen mit späteren Eingriffen mittels Zementmörtel geschlossen und in diesen ein regelmäßiges Fugenbild gestrichen. Zwischen den Scheitelsteinen und dem Arkadengesims läuft eine einzige Werksteinlage von gleichbleibender Höhe durch.
Die meisten Bogensteine binden an einem Stück über die Bogenbreite durch und sind nur in wenigen Fällen aus zwei Werkstücken zusammengesetzt. Eine vollständig werksteinerne Bogenzone besteht nur zum Mittelschiff hin, wogegen auf Seiten der Seitenschiffe sich der Werksteinverband auf die Bogensteine beschränkt und die Zwickel mit Putz gefüllt sind.
Innerhalb des Werksteinverbands findet sich regelmäßig in jeder Jochachse eine kleine viereckige Aussparung an immer gleicher Stelle auf etwa halber Höhe des Bogens, die 1966 kaschiert worden sind. Damit sie auf gleicher Höhe zum Liegen kamen, sind sie ohne Rücksicht auf den Fugenverband ausgearbeitet worden, was sie als vermutlich nachträgliche Maßnahme kennzeichnet. Die Aussparungen sind auf Aufnahmen vom Umbau 1874/75 [Wolf a+b] und 1966 [Rettich Nr. 1965-151/71+69] gut zu erkennen. Sie lagen innerhalb großer achteckiger Felder, die von Stuckarbeiten umgeben waren, selber aber das Fugenbild des Werksteinverbands bzw. eine ältere Fugenmalerei erkennen ließen, wonach in den Feldern wohl gerahmte Gemälde o.ä. von achteckiger Form angebracht waren. Zu deren Anbringung liegen die Aussparungen aber zu tief, weshalb sie älteren Datums sein dürften, ohne dass Hinweise auf deren frühere Funktion zu gewinnen waren. Da sie nicht verschlossen worden waren, hatten sie bis zum Zeitpunkt der Stuckierung ihre Funktion möglicherweise noch erfüllt.
Bei näherer Betrachtung des Werksteinverbands im Streiflicht fallen außer besagter Aussparung in fast jedem Joch jeweils zwei weitere kaschierte und etwas höher gelegene Stellen auf, die sich mit besagter zu einem auf der Spitze stehenden Dreieck verbinden lassen würden. Die höhergelegenen Stellen lassen jedoch keine genaue Form erkennen und liegen immer direkt oberhalb der Bogensteine. Möglicherweise handelt es sich gar nicht um weitere Aussparungen, sondern um Fehlstellen, die durch die Konstruktionsweise der Arkadenbögen entstanden sind, denn sie liegen dort, wo die Bogenläufe immer flacher werden und in ungünstiger Weise mit den Quaderlagen zusammentreffen, sodass es sich um zugesetzte kleine Zwickelflächen oder Abbrüche handeln könnte.
Unmittelbar unterhalb des Arkadengesimses ist zu erkennen, wie 1966 die Mauerfläche abgewaschen worden ist, bevor man den neuen Grauanstrich aufbrachte (vgl. Schulze-Battmann 1966, S. 76).

Arkadengesimse:
Die Arkadengesimse zu beiden Seiten des Mittelschiffs liefen ursprünglich über die gesamte Länge des Langhauses ununterbrochen durch und trennten den Werksteinverband der Bogenzone unterhalb von der verputzten Obergadenwand oberhalb. Das Gesimsprofil wird von einem Wulst dominiert über dem ein vertikaler Streifen verläuft und unterhalb dessen ein schräg vorstehender Versatz und eine schmale Kehle sich entlangziehen. Es läuft stumpf gegen die Chorbogenwand, wo das gleiche Profil sich in den sehr viel tiefer sitzenden Kämpfersteinen des Chorbogens wiederholt [Rettich Nr. 1965-160/2+4 + 8 neben 159/2]. In einem kurzen Teilstück konnte eine Farbfassung festgestellt werden.
Beim Umbau 1874/75 sind Eisenträger über die Breite des Mittelschiffs gespannt worden, jeweils im Wechsel einfach und gedoppelt verlegt. Die unteren gedoppelten Träger schneiden in die Gesimse ein und haben zu entsprechenden Verlusten geführt. Im westlichen Raumabschnitt des Mittelschiffs sind die Gesimse beider Seiten vollständig abgemeißelt worden, mit Ausnahme ganz kurzer Teilstücke, wo heute die Trennwand zum höheren ersten Joch anstößt. Nach Aufnahmen der Fotodokumentationen wurde diese Situation beim Umbau 1966 so angetroffen und dürfte daher 1874/75 geschaffen worden sein, als man wegen einer Querwand besagte kurze Teilstücke beließ [Rettich Nr. 1965-152/13 + daneben, 151/69 + daneben, 151/71, 152/6, 156/58+72, 157/24].
Im östlichen Raumabschnitt weisen die Gesimse im östlichen und im westlichen Joch wüste, ausgreifende Ausarbeitungen auf, die westlichen besitzen jeweils eine kleine viereckige Aussparung in der Mitte. Auf Aufnahmen vom Umbau 1966 ist zu erkennen, dass die Gewölbescheitel von 1875 hier höher gereicht haben, wo dann das Gesims im Wege stand. Beim östlichen Joch lag der Grund in den weiter gespannten Arkadenbögen, die das Gewölbe weiter hinaufreichen ließen. Beim westlichen Joch war es offenbar notwendig, um eine Verbindung mit Querkappen entlang der Trennwand, die an der Stelle der heutigen Trennwand verlief, herstellen zu können [Rettich Nr. 1965-135/1+3 und Vorzustände].
Beim Umbau 1966 brachte man zunächst eine abgehängte flache Decke unterhalb des Gesimses an, weil dieses durch die Eisenträger zerschnitten war (Schulze-Battmann 1966, S. 76), 1970 dann die bestehende Faltdecke. Alles oberhalb davon liegende und nicht mehr Sichtbare war offensichtlich der Zerstörung anheimgegeben und die Installateure nahmen keinerlei Rücksicht auf die historische Substanz, als sie knapp unterhalb der Decke zahllose Mauerdurchbrüche in geringem Abstand zueinander machten, um das Durchfahren technischer Installationen zu ermöglichen. Davon waren vor allem die Arkadengesimse, teilweise aber auch das darüberliegende Mauerwerk betroffen. Durchbrüche und Stahlträger haben die Arkadengesimse in viele kurze, oft zudem beschädigte Teilstücke zersplittert und davon schlussendlich substantiell nur etwa die Hälfte übrig gelassen. Zugleich ist etwa ein Drittel des Mauerverlaufs perforiert worden, was nicht nur aus konservatorischer Sicht ein Unding ist, sondern auch unter statischen Gesichtspunkten bedenklich erscheint.
Beim neuerlichen Austausch der Installationen wurde nur noch ein Teil der Durchbrüche für die neuen Lüftungskanäle genutzt, doch die neuen Kanäle haben einen höheren Querschnitt, wofür die Ausbrüche in den Werksteinverband der Bogenzone hinein ausgedehnt wurden.

Obergadenwände:
Oberhalb des Arkadengesimses setzt zu beiden Seiten des Mittelschiffs die aus Bruchsteinmauerwerk beschaffene und flächig verputzte Obergadenwand an. Sie zieht hinter der anstoßenden, konstruktiven Decke nach oben. An vielen Stellen ist unter späteren Schichten ein weißer Putz erkennbar, der mehrfach einen schwarzen Strich in etwa 30 cm Abstand vom Gesims und weitere 5 cm höher, Teile einer Rankenmalerei erkennen lässt. Sie liegt in ihrer früheren Form im westlichen Joch in restaurierter bzw. rekonstruierter Form frei, war zur Zeit der Untersuchung aber unter einer Schutzabdeckung [vgl. Rettich 1965-144/36+60+80 + neben 152/8]. Die Rankenmalerei bestand aus einem breiten schwarzen Band innerhalb dessen sich eine Weinranke wellenförmig schlängelte und in jedem Bogen ein Weinblatt legt, welches die Ranke jeweils leicht überschnitt. Die Blätter nahmen innerhalb eines breiten weißen Randes eine grüne Füllung auf. Ober- und unterhalb des Bandes verlief parallel jeweils ein schwarzer Begleitstrich. Die Ranken beider Obergadenwände wuchsen auf die Westwand zu.
Ganz offensichtlich waren die Malereien freskal aufgetragen worden, was sich auch daran zeigt, dass ihre Farbe an keiner Stelle abblättert (vgl. Schulze-Battmann 1966, S. 83). Im Streiflicht sind Vorritzungen gut sichtbar, die in den noch feuchten Putz gestrichen worden waren. An der Nordwand verläuft entlang der Unterkante ein roter Strich, bei dem es sich möglicherweise um eine mit der Schlagschnur und Rötel aufgebrachte Hilfslinie handelt. Die Umrisse der Blätter wurden in Schwarz in das Band gezeichnet, dann die verbleibenden Flächen des Bandes außerhalb der Blätter schwarz ausgefüllt und schließlich die grüne Blattfüllung aufgetragen.
Die reiche Innenraumfassung wird um 1300 oder im frühen 14. Jahrhundert gesucht. Eine darunterliegende ältere Putz- oder Farbschicht konnte nicht beobachtet werden. Über der Malerei liegt ein ganzes Schichtenpaket aus späteren, meist weißen, Anstrichen.
Konsolen in den Seitenschiffen:
Im Südseitenschiff finden sich Konsolen, die in ihrer Höhenlage knapp unterhalb der Bogenscheitel und im Anschlussbereich der Faltdecke liegen und im Grundriss jeweils zwischen Bogenscheitel und Jochachse platziert sind. Ihre Verteilung ist zwar lückenhaft, lässt aber eine einst kontinuierliche Folge vermuten. Sie waren in wechselnd längeren und kürzeren Abständen angeordnet, bedingt durch die Arkadenbögen, die ein engeres Zusammenrücken nicht zuließen.
Die Konsolen beschreiben eine Viertelkreisform, wurden als Hakenkonsole ausgebildet und ihre Oberfläche ist sorgfältig gepickt. Die Auflagerfläche liegt genau auf Höhe der Spitzbogenscheitel der
Arkadenbögen. Bei den meisten Konsolen ist der vorstehende Haken abgebrochen und von einer Konsole ist nur ein Stumpf im Putz ausgespart. Die Pickung weicht zwar von den geflächten Werksteinen von Arkadenbögen und Bogenzone ab, doch findet sich dieselbe Steinbearbeitung an den Säulenbasen wieder. Wären die Konsolen erst nach Auflösung des Klosters eingebracht worden, müsste man eine Bearbeitung mit Stockhammer, Scharriereisen oder Krönel erwarten dürfen.
Auf Aufnahmen während des Umbaus 1966 ist zu erkennen, dass der Wandputz damals genau auf Höhe der Auflagerfläche der Konsolen endete, während sich oberhalb das Mauerwerk unverputzt zeigt und zudem die Zahl der Konsolen noch höher war [Rettich Nr. 1965-137/66+70; KDM S. 39u 197/40]. Auch im Nordseitenschiff endete der Wandputz auf gleicher Höhe und Fehlstellen zeigen an, dass sich auch hier Konsolen in gleicher Lage befunden haben [Rettich 1965-136/10+18+70+72]. An der Nordwand des Nordseitenschiffs reichten die Reste eines früheren Wandputzes bis zur gleichen Höhe [Rettich 1965- 136/68+72], wogegen die Südwand des Südseitenschiffs im 18. Jahrhundert durch eine Säulenreihe ersetzt worden war, deren Zwischenräume erst beim Umbau 1874/75 zu einer neuen Außenwand geschlossen wurden, sodass hier kein älterer Putz mehr vorhanden war [Rettich 1965-137/72]. Fotografien vor und während dem Umbau 1874/75 lassen die Streichbalken und im nördlichen Seitenschiff noch eine Stuckdecke erkennen [Wolf a+c]. Aus dem Gesamtkontext erschließt es sich, dass die Konsolen auf die Bauzeit zurückgehen dürften und die Seitenschiffsdecken trugen.
Eine weitere, sehr viel höher liegende Reihe von Hakenkonsolen ist auf einer Aufnahme von 1874/75 zu erkennen [Wolf c]. Sie dienten dort als Auflager für einen Streichbalken, der die Dachsparren des Seitenschiffdachs aufnahm. Anders als bei der unteren Konsolenreihe übten die Arkadenbögen hier keinen Einfluss aus und erlaubten regelmäßige Abstände.
Weitere Konsolen finden sich in regelmäßigen Abständen knapp unterhalb der konstruktiven Decke in beiden Seitenschiffen. Es handelt sich um Bruchsteine oder grob zugerichtete Steine unterschiedlicher Größe und Form, denen lediglich eine glatte Oberseite in gleicher Höhenlage gemeinsam ist. Da sie hinter den Installationen kaum einsehbar waren und die Wandflächen bis zu deren Unterseite einen flächigen Putz von 1966 tragen, konnte vor Ort nur beobachtet werden, dass seitlich unverputztes, teilweise wenig sorgfältig ausgeführtes Mauerwerk direkt anschließt. Aufnahmen der Fotodokumentation lassen aber erkennen, dass diese Konsolen nachträglich eingesetzt worden sind, denn das sie unmittelbar umgebende Mauerwerk hebt sich in Färbung und Struktur deutlich ab [Rettich 1965-136/10+70+72, 137/70]. Auf der Fotografie vom begonnenen Umbau 1874/75 sind diese Konsolen nicht zu sehen [Wolf c]. Folglich wurden diese Konsolen beim Umbau 1874/75 als Auflager für die damals neu geschaffenen Decken in den Seitenschiffen eingebaut.

Steinmetzzeichen:
Auf den Werksteinen sind zahlreiche Steinmetzzeichen zu finden. Dieselben Zeichen wiederholen sich vielfach. Es handelt sich um einfach geformte Zeichen, teilweise in Form geometrischer Symbolzeichen, teilweise in Form der Großbuchstaben H, T und V. Steinmetzzeichen finden sich auf allen Bogensteinen, wo sie allermeistens auf der Seite zum Mittelschiff und nur manchmal zum Seitenschiff hin liegen, auf wenigen Quadersteinen der Bogenzone, auf dem senkrechten oberen Abschnitt des Profils einiger Gesimsstücke sowie an einigen Arkadenkapitellen. An Hakenkonsolen und Säulenschäften wurden keine Zeichen gefunden. In den Bogenläufen folgt die Ausrichtung der Zeichen der Krümmung, d.h. die meisten davon sind radial, bei den unteren Bogensteinen ist ein Teil tangential, einige wenige sind auch vertikal ausgerichtet. Vergleichbare Zeichen treten auf den Arkadensäulchen des Kreuzgangs auf [Rettich 1965-134/64+65+68].
Einige Zeichen, insbesondere T und V, finden sich in allen Größen, darunter in besonders winziger Form und in auffallender Größe, als seien sie für eine Fernwirkung gedacht gewesen, ohne dass ein Schema für Bemessung und Verteilung deutlich wird. Auch die Serifen sind bei gleichen Zeichen unterschiedlich ausgeprägt. Ein Zeichen in Form eines liegenden Strichs mit gespaltenen Enden, ist ausgesprochen tief in den Stein eingehauen. Dieser liegende Strich und eines einem nach oben weisenden Pfeil ähnliches Zeichen sind nur innerhalb der westlichen beiden Joche zu finden. Da im Kirchenbau zumeist mit dem Chor begonnen worden ist und Mauervorlagen am Chorbogen möglicherweise auf eine Planänderung nach Errichtung des Chors deuten, könnten jene Zeichen dem jüngsten Bauabschnitt angehören.
Die Steinmetzzeichen vollständig zu pausen war weder zeitlich, noch wegen der eingeschränkten Zugänglichkeit der höherliegenden Bereiche und der laufenden Arbeiten möglich. Stattdessen wurden
jeweils eine besonders große und besonders kleine Version gepaust und auf einem Blatt zusammengestellt. Es handelt sich in der Mehrzahl um Zeichen der Bogensteine, die aber in der Pause vertikal ausgerichtet sind. Da die Zeichen sich gar so oft wiederholen, wurde darauf verzichtet die Stellen gesondert zu markieren.

Steinhebetechnik:
An den Werksteinen sind keine Zangenlöcher vorhanden. Stattdessen könnten Innenzangenlöcher in die Oberseite der Steine eingetieft sein, doch leider war von keinem Werkstein – etwa in den Durchbrüchen – die Oberseite gut genug sichtbar, einsehbar bzw. erreichbar, um dies nachprüfen zu können.
An der zweiten südlichen Arkadensäule von Westen liegen sich am monolithen Säulenschaft ein Stück unterhalb des Kapitells zwei kastenförmige, aus dem vollen Stein herausgearbeitete und nur grob zugerichtete Bossen auf zwei Seiten genau gegenüber. Eine gedachte Achse durch die beiden Bossen liegt verschwenkt zur Arkadenflucht. Der Verdacht, dass es sich um ein stehen gelassenes Bossenpaar handeln könnte, das zum Heben und Aufrichten der Säulenschäfte diente, bestätigt sich dadurch, dass an der Mehrzahl der Säulen bei genauer Betrachtung aus der Nähe oder im Streiflicht Abarbeitungsspuren solcher Bossen in der Form flacher Buckel, leicht abweichender Oberflächenstrukturen oder sichtbarer Ränder beobachtet werden können. Nach Osten hin nimmt die Sorgfalt der Abarbeitung stetig zu. Größe und Abstand zum Kapitell sind bei beiden Bossen einer Säule zwar etwa gleich, variieren jedoch von Säule zu Säule.
Alle Bossenpaare waren zur Arkade verschwenkt ausgerichtet, möglicherweise weil die Hebevorrichtung zur Aufstellung der Säulen zu groß war, um sie schräg im Mittelschiff aufstellen zu können. Warum die beiden Bossen an einer der Säulen nach ihrer Aufstellung nicht abgearbeitet worden sind, konnte nicht geklärt werden (Im Münster finden sich an den Arkadensäulen ebenfalls Spuren solcher Bossen, wenn auch weit weniger gut erkennbar, die dort jedoch mit der Arkadenflucht gleichgerichtet sind). Befunde einer früheren Schwalbennestorgel im Bereich zwischen dem zweiten und dritten Arkadenbogen der südlichen Obergadenwand waren erkennbar. Innerhalb des Werksteinverbands der Bogenzone sind drei große Aussparungen kaschiert worden. Sie liegen etwa auf Höhe der Bogenscheitel nebeneinander, wovon der mittlere in der Jochachse liegt und die beiden äußeren symmetrisch dazu platziert sind. Innerhalb der obersten Quaderlage ist eine weitere Fehlstelle östlich der Jochachse zu finden. Sie war Teil eines Durchgangs von 56 cm Breite, der sich innerhalb des darüberliegenden Mauerwerks weiterverfolgen lässt. Der Durchgang führte durch die Obergadenmauer, wies außen und innen nur Putzkanten auf, besaß also kein Gewände o.ä. zum Anschlag einer Tür und ist nachträglich in den Mauerverband eingebrochen worden. Der in diesem Zusammenhang neu aufgebrachte Wandputz schließt direkt an eine Abbruchkante des Wandputzes mit der Rankenmalerei an, welcher – soweit zu erkennen – zuvor noch nicht überstrichen worden war. Östlich des Durchgangs war das Arkadengesims über eine Breite von 16 cm abgearbeitet worden. Dem entspricht eine weitere Fehlstelle gleicher Breite im Gesims, die symmetrisch zur Jochachse auf deren westlicher Seite liegt. Die jeweils äußere Seite der beiden Aussparungen liegt im Abstand von genau 3 m.
Unmittelbar östlich der westlichen Aussparung ragt nur knapp oberhalb des Gesimses ein Eichenholz aus der Obergadenmauer etwa 19 cm ins Mittelschiff hinein, wo es wüst abgesägt worden ist. Es ist zu einem trapezförmigen Querschnitt mit schiefer Oberseite reduziert. Eingebettet ist es in einen vermauerten Ausbruch, der wie beim beschriebenen Durchgang gegen die abbrechende Putzschicht mit der Rankenmalerei stößt, wo ein ganzes späteres Schichtenpakt über die Stoßstelle zieht. Das Holz steckt tief im Mauerwerk und verläuft nicht orthogonal in die Wandflucht, sondern mit einem Winkel von ca. 60° nach Osten verschwenkt. Da der Verdacht auf Wiederverwendung bestand, wurde auf eine dendrochronologische Altersbestimmung verzichtet.
Eine Aufnahme vom Umbau 1874/75 lässt auf der Seite des Seitenschiffs den Durchgang innerhalb einer ausgedehnten Mauerplombe deutlich erkennen [Wolf c]. Die Stelle, wo der Eichenbalken liegen müsste, ist verdeckt. Auf der Seite zum Mittelschiff ist sowohl auf Aufnahmen jener Zeit [Wolf b] als auch des Umbaus 1966 weder vom Durchgang noch vom Eichenbalken etwas zu sehen. Doch vom Seitenschiff her lässt eine Fotografie von 1966 den Durchgang, die Mauerplombe und eine hölzerne Schwelle im Durchgang erkennen [KDM S. 39u 197/40]. Den Eichenbalken sieht man aber ebenfalls nicht [Rettich 1965-135/1, 137/70].
Der Durchgang und die genau zur Jochachse symmetrisch angeordneten Aussparungen in Bogenzone und Gesims legen die Interpretation als Spuren des Korbs einer Schwalbennestorgel von 3 m Breite nahe, der vom Dachraum des Seitenschiffs aus zugänglich war. Die Beobachtung, dass die Wandmalereien beim Bau der Orgel vermutlich noch nicht überstrichen worden waren, lässt an eine frühe Datierung denken. Ob die Malerei damals möglicherweise sogar noch der neuen Situation angepasst wurde, ließ sich nicht überprüfen, weil die äußeren Anschlüsse nach beiden Seiten gestört sind und die erhaltenen Anschlüsse innerhalb des Orgelkorbs lagen, wo man sicherlich ohnehin keinen Aufwand hierfür getrieben hätte.
Im Zeitraum, als die Orgel bestand, wurde die Wandfläche zumindest innerhalb des Korbs mehrfach übertüncht, soweit zu sehen meist in weißer Farbe. Als die Orgel abgebaut wurde, hat man die verbliebenen Störungen möglichst gut kaschiert. Der Durchgang wurde auf der Mittelschiffseite mit Backsteinen bündig vermauert und überputzt. Die Fehlstellen im Gesims hat man mit Backsteinen, Ziegeln und Putz sehr sorgfältig nachmodelliert. In der Zeit danach erhielt die Wand wiederum mehrfach einen neuen Anstrich. Die sorgfältige Kaschierung und die nachfolgenden Anstriche machen deutlich, dass das Gebäude nach Abbau der Orgel noch längere Zeit als Kirche genutzt war.
Die beschriebene sorgfältige Kaschierung, der vorstehende, wüst abgesägte Eichenbalken, der tief im historischem Mauerwerk eingebettet liegt sowie das Fehlen desselben auf den Aufnahmen 1874/75 und 1966 passen nicht zusammen. Die einzige schlüssige Erklärung dafür dürfte sein, dass der Eisenbalken auf beiden Seiten bündig abgesägt war, dann aber 1966 im Weg war, als für die neu zu betonierende Decke im Seitenschiff ein Auflager in Form eines tiefen Wandschlitzes ausgebrochen werden musste. Anstatt ihn innerhalb des Mauerwerks irgendwie umständlich zurückzuarbeiten, war es sehr viel einfach, ihn mit einigen kräftigen Hieben mit dem Schlegel ein Stück durch die Wand zu dreschen. Die verschwenkte Ausrichtung zur Obergadenwand wurde dadurch nicht verändert.
Ein seltsamer Befund stand ganz am Anfang der Beobachtungen und führte zunächst zur Verwirrung, ließ sich dann aber durch die Interpretation des gesamten Befundkomplexes um die Schwalbennestorgel schlüssig einordnen. Es handelt sich um eine profilierte Spolie, die knapp oberhalb des Gesimses als Teil des Obergadenmauerwerks direkt neben einem der Eisenträger eingemauert ist. Augenscheinlich handelt es sich um ein Teilstück des Arkadengesimses, das um 90° gedreht tief im Bruchsteinmauerwerk eingebettet ist. Auffälligstes Merkmal ist die etwas schrill anmutende Farbgebung des Profils: Wulst und anschließender schmaler Versatz in Hellrot, der Rest in Zitronengelb. Die Farbe liegt flächig frei und von späteren Anstrichen sind keine Spuren erkennbar. Im Bereich des früheren Orgelkorbs haben sich wegen späterer Eingriffe nur zwei ganz kurze Teilstücke des Arkadengesimses erhalten, eines direkt unterhalb der Spolie, das andere unter dem vorkragenden Eichenbalken, die beide unter späteren Anstrichen dieselbe Farbgebung erkennen lassen. Bei flüchtiger Betrachtung schien es so, als läge die Spolie noch unter der Rankenmalerei, tatsächlich aber verläuft eine Stoßstelle im Wandputz direkt daneben, doch zahlreiche spätere Tüncheschichten ziehen darüber hinweg. Demzufolge dürfte die Spolie in Verbindung mit der Schaffung des Durchgangs hier vermauert worden sein, sodass ihr früherer Platz nur an der Stelle
des Durchgangs, die bis in den Werksteinverband hinunterreichte, gesucht werden kann, denn alle anderen Fehlstellen gehen auf spätere Veränderungen zurück.
Die Farbfassung in Hellrot und Zitronengelb ist auf den Bereich zwischen den beiden kaschierten Aussparungen im Gesims, also auf die Breite des Orgelkorbs beschränkt. Außerhalb war nichts dergleichen zu beobachten. Da auch die beim Durchbruch verlagerte Spolie die Farben trägt, war diese Fassung schon vor Schaffung der Orgel vorhanden. Dass sie dennoch auf die Breite des späteren Orgelkorbs beschränkt und sonst nirgendwo zu finden ist, kann wohl nur durch Abwaschen der Farbe vor einem späteren Neuanstrich, als die Orgel schon hier hing, erklärt werden. Möglicherweise hat man befürchtet, die bunten Farben könnten durchschlagen – wie bei den beiden später übertünchten farbigen Teilstücken auch geschehen –, der Neuanstrich könnte darauf nicht halten oder man wollte das Gesims damals wieder steinsichtig haben.
Der ganze Bereich um den als Orgelstandort interpretierten Befundkomplex wurde bei späteren Umbauten stark in Mitleidenschaft gezogen, jedoch nicht mehr oder weniger als die Obergadenwände insgesamt. Das Einziehen der Eisenträger 1874/75 war mit Ausbrüchen in Mauerwerk und Gesims verbunden.
Östlich des Durchgangs reichte ein solcher Ausbruch bis direkt an den Durchgang heran, sodass deren Wandung verloren ging und hier die alte Öffnung nur noch anhand der Stoßlinie zwischen der Zusetzung des Durchgangs und der Ausmauerung des Ausbruchs abgelesen werden kann. Die zahlreichen Durchbrüche von 1970 haben vom rot-gelb gefassten Gesims nur minimale Teilstücke übrig gelassen und den Eichenbalken an einer Flanke freigelegt. Damals wurde auch der Werksteinverband der Bogenzone abgewaschen, Fehlstellen und Störungen mittels Zementputz mit angeglichener Oberflächengestaltung kaschiert und flächig neu gestrichen.
Ein kleines Stück östlich der Befunde zur Orgel, fast genau über dem Scheitel des zweiten Arkadenbogens, liegen ein großer und ein kleiner dunkelroter Farbtropfen auf dem Wulst des Gesimsprofils. Der große Tropfen liegt an der exponiertesten Stelle des Profils, der kleine etwas tiefer, weshalb die Tropfen nicht vertikal von oben heruntergefallen sein können. In der weißen Tünche, auf der sie liegen, hat sich ein gelber Hof ausgebildet, sodass sie beim ersten Hinschauen wie ein gemaltes Ornament erscheinen. Naheliegend wäre, dass sie vom Schutzanstrich der Eisenträger herrühren, was nicht überprüft werden konnte, da diese jüngst mit Gipskartonplatten vollständig verkleidet worden sind. Kleinteiligere rote Farbspritzer finden sich auch an anderen Stellen, wo sie sich anhand ihrer Lage innerhalb von Putzfehlstellen oder Mauerausbrüchen als recht jung erweisen.
Errichtung und Abbau der Orgel lassen sich nicht in die nur ausgesprochen lückenhaft überlieferte Baugeschichte des Kirchengebäudes einhängen. Als die Errichtung der Orgel in der Dominikanerkirche erfolgte, lagen die Wandmalereien noch offen, die jedoch noch im 16. Jahrhundert durch Monumentalinschriften ergänzt worden sind (Walz 1989, S. 44). In der Zeit des Weggangs der Mönche während der Reformationszeit 1527-1549 könnte die Orgel Schaden genommen haben und danach abgebaut worden sein.
Auf eine vergleichbare Situation im Münster sei noch hingewiesen, wo sich eine Schwalbennestorgel am nördlichen Obergaden befand. Der Zugang erfolgte vom Dachraum des Seitenschiffs durch einen nachträglich ins Mauerwerk gebrochenen Durchgang. Er besitzt zum Mittelschiff hin ein Gewände mit der darin eingehauenen Jahreszahl 1491. Zwei neu eingesetzte Steine im Arkadengesims markieren die frühere Breite des Orgelkorbs.

Dachwerk:
Das Dachwerk über der ehemaligen Kirche wurde bei sich bietender Gelegenheit besichtigt. Da das erste Dachgeschoss mit Personalzimmern ausgebaut ist, ist nur im Spitzbodenbereich die Konstruktion einsehbar. Alle sichtbaren Gefügehölzer sind aus Nadelholz gefertigt. Erkennbar sind Verkämmungssitze an den Binderkehlbalken für Längsrähme, die von einem stehenden oder abgesprengten (liegenden) Stuhl getragen werden oder wurden. Seiner konstruktiven Merkmale wegen dürfte das Dachwerk im 18. oder 19. Jahrhundert entstanden sein und könnte auch auf den Umbau 1874/75 zurückzuführen sein. Bei der Durchsicht der Fotodokumentationen fielen Aufnahmen einer verblatteten Dachkonstruktion über dem Nordflügel des Klostergevierts auf [Rettich 1965-177/59+67], der allem Anschein nach nicht abgetragen wurde und deshalb möglicherweise erhalten geblieben ist (vor Ort bisher nicht überprüft).

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