Wohnhaus
ID:
188619833611
/
Datum:
14.04.2026
Datenbestand: Bauforschung und Restaurierung
Datenbestand: Bauforschung und Restaurierung
Objektdaten
| Straße: | Präsenzgasse |
| Hausnummer: | 5 |
| Postleitzahl: | 78628 |
| Stadt-Teilort: | Rottweil |
|
|
|
| Regierungsbezirk: | Freiburg |
| Kreis: | Rottweil (Landkreis) |
| Wohnplatzschlüssel: | 8325049025 |
| Flurstücknummer: | keine |
| Historischer Straßenname: | keiner |
| Historische Gebäudenummer: | keine |
| Lage des Wohnplatzes: |
|
Kartenansicht (OpenStreetMaps)
Durch Ihre Cookie-Auswahl haben Sie die Kartenansicht deaktiviert, die eigentlich hier angezeigt werden würde. Wenn Sie die Kartenansicht nutzen möchten, passen Sie bitte Ihre Cookie-Einstellungen unter Impressum & Datenschutzerklärung an.
Wohnhaus, Badgasse 19 (78628 Rottweil)
Wohnhaus, Badgasse 1 (78628 Rottweil)
Wohnhaus, Badgasse 3 (78628 Rottweil)
Wohnhaus, Badgasse 5 (78628 Rottweil)
Wohnhaus, Badgasse 9 (78628 Rottweil)
Wohnhaus, ehemalige Deutsche Schule (78628 Rottweil, Engelgasse 2)
Wohn- und Geschäftshaus (78628 Rottweil, Engelgasse 9)
Wohnhaus, Friedrichsplatz 1/3 (78628 Rottweil)
Herrentrinkstube am Rindermarkt und Wirtschaft „Zum Mohren“ (78628 Rottweil, Friedrichsplatz 11/13)
Klosterhof von St. Blasien (78628 Rottweil, Friedrichsplatz 16)
Wohnhaus, Friedrichsplatz 17 (78628 Rottweil)
Wohnhaus, Hochbrücktorstraße 13 (78628 Rottweil)
Wohnhaus, Lorenzgasse 11 (78628 Rottweil)
Wohnhaus, Lorenzgasse 13 (78628 Rottweil)
Wohnhaus, Lorenzgasse 15 (78628 Rottweil)
Friedhofskirche St. Lorenz (78628 Rottweil, Lorenzgasse 17)
Wohn- und Geschäftshaus, Lorenzgasse 3 (78628 Rottweil)
Wohnhaus, Lorenzgasse 7 (78628 Rottweil)
Wohnhaus, Lorenzgasse 9 (78628 Rottweil)
Wohnhaus (78628 Rottweil, Schulgasse 2)
Wohnhaus, Badgasse 1 (78628 Rottweil)
Wohnhaus, Badgasse 3 (78628 Rottweil)
Wohnhaus, Badgasse 5 (78628 Rottweil)
Wohnhaus, Badgasse 9 (78628 Rottweil)
Wohnhaus, ehemalige Deutsche Schule (78628 Rottweil, Engelgasse 2)
Wohn- und Geschäftshaus (78628 Rottweil, Engelgasse 9)
Wohnhaus, Friedrichsplatz 1/3 (78628 Rottweil)
Herrentrinkstube am Rindermarkt und Wirtschaft „Zum Mohren“ (78628 Rottweil, Friedrichsplatz 11/13)
Klosterhof von St. Blasien (78628 Rottweil, Friedrichsplatz 16)
Wohnhaus, Friedrichsplatz 17 (78628 Rottweil)
Wohnhaus, Hochbrücktorstraße 13 (78628 Rottweil)
Wohnhaus, Lorenzgasse 11 (78628 Rottweil)
Wohnhaus, Lorenzgasse 13 (78628 Rottweil)
Wohnhaus, Lorenzgasse 15 (78628 Rottweil)
Friedhofskirche St. Lorenz (78628 Rottweil, Lorenzgasse 17)
Wohn- und Geschäftshaus, Lorenzgasse 3 (78628 Rottweil)
Wohnhaus, Lorenzgasse 7 (78628 Rottweil)
Wohnhaus, Lorenzgasse 9 (78628 Rottweil)
Wohnhaus (78628 Rottweil, Schulgasse 2)
Bauphasen
Kurzbeschreibung der Bau-/Objektgeschichte bzw. Baugestaltungs- und Restaurierungsphasen:
Dem bereits ab 1353 als Lagerbau errichteten Gebäude kam erst zu späterer Zeit eine Wohnnutzung mit Stube und Küche ins 1. Obergeschoss hinzu. Der Südwestraum des 2. Obergeschosses erhielt eine polychrome Wandmalerei. Die Grundfläche des Gebäudes reichte anfangs weiter nach hinten, wurde um 1640 aber um ein Drittel reduziert und in Verbindung damit hatte man auch ein neues Dach in geringerer Größe aufgesetzt. Von der Stube wurden wohl im 18. Jahrhundert Wände und Decke vollständig erneuert. Das Dachwerk hat man beim letzten Umbau 1985 vollständig neu abgezimmert.
1. Bauphase:
(1353)
(1353)
1353 (d), Errichtung von Erdgeschoss und Obergeschoss vermutlich als Lagergebäude
Betroffene Gebäudeteile:
- Erdgeschoss
- Obergeschoss(e)
Lagedetail:
- Siedlung
- Stadt
Bauwerkstyp:
- Ländl./ landwirtschaftl. Bauten/ städtische Nebengeb.
- Lagergebäude
Konstruktionsdetail:
- Mischbau
- Steinbau mit Gebäudeteilen aus Holz
2. Bauphase:
(1363)
(1363)
1363 (d) Aufstockung um das 2. Obergeschoss, wohl immer noch als Lagergebäude
Betroffene Gebäudeteile:
- Obergeschoss(e)
Lagedetail:
- Siedlung
- Stadt
Bauwerkstyp:
- Ländl./ landwirtschaftl. Bauten/ städtische Nebengeb.
- Lagergebäude
Konstruktionsdetail:
- Mischbau
- Steinbau mit Gebäudeteilen aus Holz
3. Bauphase:
(1640)
(1640)
Rückwärtige Reduzierung des Gebäudes um etwa ein Drittel, Aufsetzen eines Daches in geringerer Größe
Betroffene Gebäudeteile:
- Erdgeschoss
- Obergeschoss(e)
- Dachgeschoss(e)
Lagedetail:
- Siedlung
- Stadt
Bauwerkstyp:
- Wohnbauten
- Wohnhaus
4. Bauphase:
(1700 - 1799)
(1700 - 1799)
Erneuerung der Stube
Betroffene Gebäudeteile:
- Obergeschoss(e)
Lagedetail:
- Siedlung
- Stadt
Bauwerkstyp:
- Wohnbauten
- Wohnhaus
5. Bauphase:
(1985)
(1985)
Erneuerung des Daches
Betroffene Gebäudeteile:
- Dachgeschoss(e)
Lagedetail:
- Siedlung
- Stadt
Bauwerkstyp:
- Wohnbauten
- Wohnhaus
Zugeordnete Dokumentationen
- Dendrochronologische Datierung
- Bauhistorische Analyse
- Dendrochronologisches Gutachten
Beschreibung
Umgebung, Lage:
Das Wohnhaus steht traufständig in der nördlichen Häuserzeile der Präsenzgasse in der Rottweiler Kernstadt, im sogenannten Lorenzort.
Lagedetail:
- Siedlung
- Stadt
Bauwerkstyp:
- Wohnbauten
- Wohn- und Wirtschaftsgebäude
Baukörper/Objektform (Kurzbeschreibung):
Das Gebäude ist straßenseitig dreigeschossig, wird rückwärtig schmaler und staffelt im 2. Obergeschoss zugunsten einer Terrasse zurück. In der Straßenfassade öffnet sich mittig ein großes Tor und rechtsseitig eine Haustür, über der im Obergeschoss ein holzverschalter Erker vorkragt. Die in Sandstein ausgeführten Fensteröffnungen des 2. Obergeschosses in gotischen Formen sind unter den Rottweiler Bürgerhäusern ohne Vergleich. Ein Kellerraum ist nicht mehr vorhanden.
Innerer Aufbau/Grundriss/
Zonierung:
Zonierung:
Im 2. Obergeschoss ist die Raumeinteilung am besten nachvollziehbar. Die Nuten an Unterzug und Deckenbalken lassen auf eine kreuzförmige Anlage von Innenwänden schließen. Im 1. Obergeschoss gab es wohl zwei straßenseitige und drei rückwärtige Räume. Im Erdgschoss ist der mittige Unterzug ohne Nut geblieben, demzufolge eine dreizonige Gliederung angelegt war. Die Dreizonigkeit würde zur bestehenden mittigen Toröffnung passen, doch fanden dort keine Freilegungen statt und es war nicht zu ermitteln, ob möglicherweise bereits zur Bauzeit ein Tor an dieser Stelle gelegen hatte.
Vorgefundener Zustand (z.B. Schäden, Vorzustand):
Die Decken fallen merklich nach Osten hin ab, d.h. sie sind nicht in Schieflage geraten, sondern das Gebäude hat sich nach Osten gesenkt. Da die Senkung gleichmäßig erfolgt ist, könnte eine Bewegung des Untergrunds in Richtung des Neckartals als Ursache vermutet werden.
Bestand/Ausstattung:
Im 2. Obergeschoss befinden sich zwei Fensteröfffnungen, deren werksteinerne Fenstergewände einen spitzbogigen Aufsatz mit Blendmaßwerkfüllung tragen. Die Werksteingewände sind bei der letzten Sanierung um 1985 neu hergestellt worden und leiten sich in ihrer Form aus Überresten mittelalterlicher Fenster her, wie sie damals aufgedeckt worden waren. Allerdings waren diese Reste nicht aus Werkstein, sondern aus Stuckmörtel beschaffen.
Die Spitzbogenfenster lassen eine hochwertige Nutzung im Inneren erwarten, so wie W. Hecht einen „pallasartigen Raum“ innerhalb eines „stadtburgartigen“ Gebäudes vermutet hat (Literatur: Hecht 1997). Doch tatsächlich öffneten sie sich in einfache Kammerräume und ihr Erscheinungsbild ist weniger wehrhaft als vielmehr prachtvoll. Sollte es sich anfangs um einen Lagerbau gehandelt haben, setzt dies nicht selbstredend eine schlichte Bau- und Gestaltungsweise voraus. Auch das Gebäude Lorenzgasse 8 (1369 ebenfalls als Lagergebäude erbaut) war in adeligem Besitz und hatte daher ein repräsentatives Äußeres (Bauhistorische Untersuchung vom September 2002). Ähnliches könnte auch beim untersuchten Gebäude der Fall gewesen sein, sodass die ausgefallene Fenstergestaltung nicht die dahinterliegende Funktion nach außen spiegeln, sondern als Würdezeichen für die Besitzer auftreten sollten.
Die Spitzbogenfenster lassen eine hochwertige Nutzung im Inneren erwarten, so wie W. Hecht einen „pallasartigen Raum“ innerhalb eines „stadtburgartigen“ Gebäudes vermutet hat (Literatur: Hecht 1997). Doch tatsächlich öffneten sie sich in einfache Kammerräume und ihr Erscheinungsbild ist weniger wehrhaft als vielmehr prachtvoll. Sollte es sich anfangs um einen Lagerbau gehandelt haben, setzt dies nicht selbstredend eine schlichte Bau- und Gestaltungsweise voraus. Auch das Gebäude Lorenzgasse 8 (1369 ebenfalls als Lagergebäude erbaut) war in adeligem Besitz und hatte daher ein repräsentatives Äußeres (Bauhistorische Untersuchung vom September 2002). Ähnliches könnte auch beim untersuchten Gebäude der Fall gewesen sein, sodass die ausgefallene Fenstergestaltung nicht die dahinterliegende Funktion nach außen spiegeln, sondern als Würdezeichen für die Besitzer auftreten sollten.
Konstruktionen
Konstruktionsdetail:
- Mischbau
- Steinbau mit Gebäudeteilen aus Holz
Konstruktion/Material:
Die Umfassungswände sind nur im Erdgeschoss an allen vier Seiten gemauert, in beiden Obergeschossen besteht die rückwärtige Außenwand hingegen aus Fachwerk, das aus nachmittelalterlicher Zeit herrührt.
Vom hölzernen Innengerüst haben sich die Deckenlagen aller drei Geschosse und das Traggerüst der beiden Obergeschosse in bemerkenswertem Umfang erhalten. In den Obergeschossen verläuft innerhalb der heutigen Grundfläche mittig ein Unterzug, der mit den Enden im Mauerwerk der Scheidwände lagert. Der Unterzug wird von jeweils zwei stark bemessenen Ständern getragen, die die Drittelspunkte besetzen. Bei den Balkenlagen über Erd- und 1. Obergeschoss hat man die Abstände ungleich bemessen, damit jeweils ein Balken axial über beiden Ständern zu liegen kam, was mit der Raumteilung zu tun hat. Im 2. Obergeschoss trifft dies nur für den westlichen Ständer zu. Zum Einbau von Innenwänden wurden in allen drei Geschossen in die Unterseite von Unterzügen und einzelnen Deckenbalken Nuten eingelassen, die über den Ständern durchlaufen. Im 1. Obergeschoss weist auch der westliche Ständer Nuten auf, nicht aber im 2. Obergeschoss. Zum unteren Wandanschluss dienen oberseitig genutete Schwellbalken, die auf der Dielung verlegt sind und stumpf gegen die Ständer laufen. Im 2. Obergeschoss hat man eine Wand an einer Stelle eingezogen, wo keine Nut vorbereitet war, sodass ein zierliches Rähmholz von 8 auf 10 cm an der Unterseite des Deckenbalkens diese Aufgabe übernehmen musste.
Überdies haben sich im 2. Obergeschoss die Türstiele mehrerer Türöffnungen bewahrt. Unterhalb des Unterzugs gab es zwei Türen direkt nebeneinander, die zwei Türstiele hinterlassen haben. In einer der Querwände befindet sich unmittelbar vor der Rückwand eine weitere Türöffnung.
Das Innengerüst ist in beiden Obergeschossen fast genau gleich aufgebaut und erscheint einheitlich. Die dendrochronologischen Ergebnisse haben jedoch deutlich gemacht, dass es aus zwei Bauphasen mit einem Jahrzehnt Abstand herrührt.
Bei der Renovierung kamen lediglich die beiden Blendbögen mit Blendmaßwerkfüllung aus Stuckmörtel ans Tageslicht. Die unterhalb zu suchenden Fensteröffnungen waren schon früher durch Holzleibungen ersetzt worden, wofür - Fotografien nach zu urteilen - die seitlichen Wandungen abgeschlagen worden sind (eines der beiden Bruchstücke zeigt an seiner Unterkante grobe Meisselspuren). Dem spärlichen Fotomaterial ist zu entnehmen, dass der Stuckmörtel an der Außenwandfläche ansetzt und in die Wandflucht hinein mittels einer breiten Hohlkehle einen gedrückten Spitzbogen bildet, an den sich innen ein weiterer Versatz in die Tiefe anschließt, um auf der Ebene eines dem Spitzbogen einbeschriebenen Rundbogens zu gelangen. In diesen ist eine noch etwas tiefer in der Wand gelegene, runde Dreipass- oder Kleeblattblende einbeschrieben und verschmolzen, deren Profil sich aus unterschiedlich stark geneigten Schrägen, die einen Grat bilden und beidseitig einem weiteren Versatz in die Tiefe, zusammensetzt. Dieses Profil ist einer glatten Fläche aufgesetzt.
Der Anschluss an die Fensteröffnungen darunter ist unklar. Die Fensteröffnung oder Öffnungen eines Fensters könnten entweder innerhalb des rahmenden Spitzbogens oder innerhalb des einbeschriebenen Rundbogens gesessen haben, denn nur letzterer macht einen Übergang in die Vertikale möglich, während der Spitzbogen so gedrückt ist, dass zwangsläufig ein Knick am Übergang entstehen muss. Bei einer Öffnung innerhalb des einbeschriebenen Rundbogens hätte die Fensteröffnung an der Blendfläche ansetzen können, doch müsste bei dieser Lösung der Abschluss des rahmenden Spitzbogens und damit die Ausbildung seitlich der Fensteröffnung offen bleiben. Bei der gewählten Lösung für die Rekonstruktion in Stein wurde auf die andere Möglichkeit zurückgegriffen, mit der Breite des Spitzbogens als Maß für ein Doppelfenster. In diesem Fall musste ein Abschluss für die Maßwerkprofile geschaffen werden, was mittels eines horizontalen Profils geschah, das auf Höhe der Ebene der Außenrahmung ansetzt. Gestalterisch ist somit der gesamte Blendbogen ausgegrenzt und wirkt wie aufgesetzt, da auch die Ansätze des einbeschriebenen Rundbogens und des mittigen Fensterpfostens nicht zusammenpassen und ein Knick am Bogenansatz entsteht. Eine weitere ähnliche Lösung wäre die Rekonstruktion eines tiefer ansetzenden horizontalen Profils auf der Ebene des Rundbogens, womit Blendfeld und Öffnung bzw. Öffnungen innerhalb des rahmenden Spitzbogens zusammengefasst wären. Für eine Dreiergruppe von Fensteröffnungen, die die Ansätze von Fensterpfosten und Rundbogen zusammenbringen könnte, ist zu wenig Platz vorhanden. Keine dieser Lösungen scheint befriedigend zu sein, doch mangels Vergleichsbeispielen in Rottweil und anderen Städten sind hier keine gesicherten Aussagen zu treffen (üblicherweise gehen bei vergleichbaren Lösungen Spitzbogen und eingeschriebener Rundbogen am Ansatz in die Vertikale ineinander über ohne einen Knick auszubilden). Im Inneren ist an einer Stelle die Innenkante der Fensternische noch zugänglich. Der Stuckmörtel scheint hier aus der Nische heraus noch wenige Zentimeter um die Ecke zu biegen und geht dann in den weicheren Wandputz über.
Die Herstellung ist an den erhaltenen Bruchstücken gut ablesbar. Auf ein sehr grob im Mauerwerk aus Bruchsteinen und Kalkmörtel freigelassenes Loch wurde der Stuckmörtel unregelmäßig und dick in zumindest zwei Arbeitsgängen aufgetragen, was eine Schichtentrennung auf Höhe der Ebene des eingeschriebenen Rundbogens nachweist. Das Material ist mit Hohlräumen durchsetzt und an einzelnen Stellen sind Fließformen des noch feuchten Materials in Hohlräume hinein zu erkennen. Das Maßwerk wurde frei ausgeformt, was sich an starken Unregelmäßigkeiten innerhalb der Formen und zwischen den beiden Blenden ablesen lässt, d. h. es wurden keine vorgeformten Teile versetzt oder Schablonen benutzt. Hier kommt der Wiederspruch zum Tragen, der eine Rekonstruktion in Stein dann auch nahelegen musste. Maßwerkformen kommen aus dem Steinmetzhandwerk und der Möglichkeit, am Stein mit Lineal und Zirkel die Form exakt vorzuzeichnen und auszuhauen, während mit Stuckmörtel die Formen frei aufgetragen werden müssen und ein exaktes Arbeiten nicht oder nur sehr umständlich möglich ist.
Die sehr grobe und unregelmäßige Steinsetzung, die sich auf der Rückseite der Bruchstücke abdrückt, lässt auch den nachträglichen Ausbruch der Öffnungen nicht unwahrscheinlich erscheinen. Eines der Bruchstücke zeigt entlang der Unterkante den Abdruck eines Holzes, vermutlich des Sturzes der Öffnung selbst. Eine ultramarinblaue Tünche als letzte mehrere Anstriche ist in Resten auf den Bruchstücken erhalten
Vom hölzernen Innengerüst haben sich die Deckenlagen aller drei Geschosse und das Traggerüst der beiden Obergeschosse in bemerkenswertem Umfang erhalten. In den Obergeschossen verläuft innerhalb der heutigen Grundfläche mittig ein Unterzug, der mit den Enden im Mauerwerk der Scheidwände lagert. Der Unterzug wird von jeweils zwei stark bemessenen Ständern getragen, die die Drittelspunkte besetzen. Bei den Balkenlagen über Erd- und 1. Obergeschoss hat man die Abstände ungleich bemessen, damit jeweils ein Balken axial über beiden Ständern zu liegen kam, was mit der Raumteilung zu tun hat. Im 2. Obergeschoss trifft dies nur für den westlichen Ständer zu. Zum Einbau von Innenwänden wurden in allen drei Geschossen in die Unterseite von Unterzügen und einzelnen Deckenbalken Nuten eingelassen, die über den Ständern durchlaufen. Im 1. Obergeschoss weist auch der westliche Ständer Nuten auf, nicht aber im 2. Obergeschoss. Zum unteren Wandanschluss dienen oberseitig genutete Schwellbalken, die auf der Dielung verlegt sind und stumpf gegen die Ständer laufen. Im 2. Obergeschoss hat man eine Wand an einer Stelle eingezogen, wo keine Nut vorbereitet war, sodass ein zierliches Rähmholz von 8 auf 10 cm an der Unterseite des Deckenbalkens diese Aufgabe übernehmen musste.
Überdies haben sich im 2. Obergeschoss die Türstiele mehrerer Türöffnungen bewahrt. Unterhalb des Unterzugs gab es zwei Türen direkt nebeneinander, die zwei Türstiele hinterlassen haben. In einer der Querwände befindet sich unmittelbar vor der Rückwand eine weitere Türöffnung.
Das Innengerüst ist in beiden Obergeschossen fast genau gleich aufgebaut und erscheint einheitlich. Die dendrochronologischen Ergebnisse haben jedoch deutlich gemacht, dass es aus zwei Bauphasen mit einem Jahrzehnt Abstand herrührt.
Bei der Renovierung kamen lediglich die beiden Blendbögen mit Blendmaßwerkfüllung aus Stuckmörtel ans Tageslicht. Die unterhalb zu suchenden Fensteröffnungen waren schon früher durch Holzleibungen ersetzt worden, wofür - Fotografien nach zu urteilen - die seitlichen Wandungen abgeschlagen worden sind (eines der beiden Bruchstücke zeigt an seiner Unterkante grobe Meisselspuren). Dem spärlichen Fotomaterial ist zu entnehmen, dass der Stuckmörtel an der Außenwandfläche ansetzt und in die Wandflucht hinein mittels einer breiten Hohlkehle einen gedrückten Spitzbogen bildet, an den sich innen ein weiterer Versatz in die Tiefe anschließt, um auf der Ebene eines dem Spitzbogen einbeschriebenen Rundbogens zu gelangen. In diesen ist eine noch etwas tiefer in der Wand gelegene, runde Dreipass- oder Kleeblattblende einbeschrieben und verschmolzen, deren Profil sich aus unterschiedlich stark geneigten Schrägen, die einen Grat bilden und beidseitig einem weiteren Versatz in die Tiefe, zusammensetzt. Dieses Profil ist einer glatten Fläche aufgesetzt.
Der Anschluss an die Fensteröffnungen darunter ist unklar. Die Fensteröffnung oder Öffnungen eines Fensters könnten entweder innerhalb des rahmenden Spitzbogens oder innerhalb des einbeschriebenen Rundbogens gesessen haben, denn nur letzterer macht einen Übergang in die Vertikale möglich, während der Spitzbogen so gedrückt ist, dass zwangsläufig ein Knick am Übergang entstehen muss. Bei einer Öffnung innerhalb des einbeschriebenen Rundbogens hätte die Fensteröffnung an der Blendfläche ansetzen können, doch müsste bei dieser Lösung der Abschluss des rahmenden Spitzbogens und damit die Ausbildung seitlich der Fensteröffnung offen bleiben. Bei der gewählten Lösung für die Rekonstruktion in Stein wurde auf die andere Möglichkeit zurückgegriffen, mit der Breite des Spitzbogens als Maß für ein Doppelfenster. In diesem Fall musste ein Abschluss für die Maßwerkprofile geschaffen werden, was mittels eines horizontalen Profils geschah, das auf Höhe der Ebene der Außenrahmung ansetzt. Gestalterisch ist somit der gesamte Blendbogen ausgegrenzt und wirkt wie aufgesetzt, da auch die Ansätze des einbeschriebenen Rundbogens und des mittigen Fensterpfostens nicht zusammenpassen und ein Knick am Bogenansatz entsteht. Eine weitere ähnliche Lösung wäre die Rekonstruktion eines tiefer ansetzenden horizontalen Profils auf der Ebene des Rundbogens, womit Blendfeld und Öffnung bzw. Öffnungen innerhalb des rahmenden Spitzbogens zusammengefasst wären. Für eine Dreiergruppe von Fensteröffnungen, die die Ansätze von Fensterpfosten und Rundbogen zusammenbringen könnte, ist zu wenig Platz vorhanden. Keine dieser Lösungen scheint befriedigend zu sein, doch mangels Vergleichsbeispielen in Rottweil und anderen Städten sind hier keine gesicherten Aussagen zu treffen (üblicherweise gehen bei vergleichbaren Lösungen Spitzbogen und eingeschriebener Rundbogen am Ansatz in die Vertikale ineinander über ohne einen Knick auszubilden). Im Inneren ist an einer Stelle die Innenkante der Fensternische noch zugänglich. Der Stuckmörtel scheint hier aus der Nische heraus noch wenige Zentimeter um die Ecke zu biegen und geht dann in den weicheren Wandputz über.
Die Herstellung ist an den erhaltenen Bruchstücken gut ablesbar. Auf ein sehr grob im Mauerwerk aus Bruchsteinen und Kalkmörtel freigelassenes Loch wurde der Stuckmörtel unregelmäßig und dick in zumindest zwei Arbeitsgängen aufgetragen, was eine Schichtentrennung auf Höhe der Ebene des eingeschriebenen Rundbogens nachweist. Das Material ist mit Hohlräumen durchsetzt und an einzelnen Stellen sind Fließformen des noch feuchten Materials in Hohlräume hinein zu erkennen. Das Maßwerk wurde frei ausgeformt, was sich an starken Unregelmäßigkeiten innerhalb der Formen und zwischen den beiden Blenden ablesen lässt, d. h. es wurden keine vorgeformten Teile versetzt oder Schablonen benutzt. Hier kommt der Wiederspruch zum Tragen, der eine Rekonstruktion in Stein dann auch nahelegen musste. Maßwerkformen kommen aus dem Steinmetzhandwerk und der Möglichkeit, am Stein mit Lineal und Zirkel die Form exakt vorzuzeichnen und auszuhauen, während mit Stuckmörtel die Formen frei aufgetragen werden müssen und ein exaktes Arbeiten nicht oder nur sehr umständlich möglich ist.
Die sehr grobe und unregelmäßige Steinsetzung, die sich auf der Rückseite der Bruchstücke abdrückt, lässt auch den nachträglichen Ausbruch der Öffnungen nicht unwahrscheinlich erscheinen. Eines der Bruchstücke zeigt entlang der Unterkante den Abdruck eines Holzes, vermutlich des Sturzes der Öffnung selbst. Eine ultramarinblaue Tünche als letzte mehrere Anstriche ist in Resten auf den Bruchstücken erhalten


