Bandhaus (Schloß Presteneck)

Datenbank Bauforschung/Restaurierung

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Rathaus

ID: 173039695714  /  Datum: 20.06.2013
Datenbestand: Bauforschung und Restaurierung
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Objektdaten

Straße: Marktstraße
Hausnummer: 7
Postleitzahl: 72622
Stadt-Teilort: Nürtingen

Regierungsbezirk: Stuttgart
Kreis: Esslingen (Landkreis)
Wohnplatzschlüssel: 8116049004
Flurstücknummer: keine
Historischer Straßenname: keiner
Historische Gebäudenummer: keine
Lage des Wohnplatzes: Lage des Wohnplatzes

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Objektbeziehungen

keine

Umbauzuordnung

keine

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Bauphasen

Kurzbeschreibung der Bau-/Objektgeschichte bzw. Baugestaltungs- und Restaurierungsphasen:

Der Bau wurde 1477 (d) errichtet; ein weitreichender Umbau erfolgte um 1808 (d) bei dem zwischenzeitliche Bauphasen weitgehend ausgeräumt wurden. Archivalische Quellen sind hier die letzten Belege.


1. Bauphase:
(1477)
Die dendrochronologische und die gefügekundliche Untersuchung ergaben, dass das Nürtinger Rathaus im Verlauf des Jahres 1477 abgezimmert wurde. Das tragende Gerüst (mit Deckenbalkenlage) ist vom First bis zum Erdgeschoss noch weitgehend erhalten geblieben. (gk, d)
Betroffene Gebäudeteile:
keine

2. Bauphase:
(1806 - 1808)
Im Verlauf der Jahre 1808 (d) erfolgte eine größere Modernisierungs- und Umbaumaßnahme. Dabei erhielt das Rathaus seine heutige Fassadengliederung. Außerdem wurde das Dachwerk in den beiden östlichen Zonen bis einschließlich der Deckenbalkenlage über dem 2. Oberstock abgetragen und neu aufgerichtet.
Betroffene Gebäudeteile:
keine

Besitzer

keine Angaben

Weiterer Datenbestand LAD

Die im Landesamt für Denkmalpflege vorhandenen Datenbestände der Restaurierung sind mit dem vorangestellten braunen Kästchen gekennzeichnet. Mit lila Kästchen versehene Objekte verweisen auf vorhandene Datenbestände der Bauforschung.
Rathaus (72662 Nürtingen, Marktstraße 7)

Fotos

Abbildungsnachweis
Ansicht Nordostecke / Rathaus in 72622 Nürtingen (Foto Marburg, Foto: Jeiter, Michael; Aufnahme-Nr. C 438.037;; (color); Aufn.-Datum: 1980/1990)

Zugeordnete Dokumentationen

  • Bauhistorische Untersuchung
  • Gefügekundliche Untersuchung

Beschreibung

Umgebung, Lage:
Das "Alte Rathaus" in Nürtingen steht traufständig an der oberen Südseite der Marktstraße, die von hier aus den südlichen Teil des Schlossbergs erschließt. Auf und um den Schlossberg herum befindet sich der historische Stadtkern von Nürtingen. Die Marktstraßße verbreitert sich von der Laurentiuskirche zum Rathaus hin konisch und weist im Bereich des Rathauses ihre größte Breite auf. Von hier aus zweigt rechtwinklig die Apothekergasse ab, die mit der Kirchstraße den nördlichen Teil des Schloßbergs erschließt.
Lagedetail:
  • Siedlung
    • Stadt
Bauwerkstyp:
  • Öffentliche Bauten/ herrschaftliche Einrichtungen
    • Rathaus
Baukörper/Objektform (Kurzbeschreibung):
Dreigeschossiges, verputztes Gebäude mit auskragendem 2. Obergeschoss und Satteldach mit Halbwalm; Mischbauweise von Ständer-, Geschoss- und Stockwerksbau.
Innerer Aufbau/Grundriss/
Zonierung:
Das Erdgeschoss und der 1. Obergeschoss zeigen zwei relativ niedrige Geschosse. Dagegen bildet erst das 2. Obergeschoss (-Stock) mit einer 4,30 m hohen Halle und Ratssaal das repräsentative Stockwerk. Die Erschließung des 2. Oberstocks erfolgte über einen separaten Treppenausgang an der südlichen Traufe. Das Erdgeschoss und der 1. Oberstock dienten ursprünglich zum Handel und als Lager. Der 1., 2. und 3. Dachstock mit stehenden Stühlen bieten sich ebenfalls für eine Nutzung als Lagerfläche an.
Der Bau ist dreischiffig und sechszonig gegliedert.
Vorgefundener Zustand (z.B. Schäden, Vorzustand):
keine Angaben
Bestand/Ausstattung:
keine Angaben

Konstruktionen

Konstruktionsdetail:
  • Wandfüllung/-verschalung/-verkleidung
    • Lehmwickel
  • Mischbau
    • Holzbau mit Gebäudeteil aus Stein
  • Dachgerüst Grundsystem
    • Sparrendach, q. geb. mit stehendem Stuhl
  • Holzgerüstbau
    • Geschossgerüst
    • Unterbaugerüst, mehrstöckig
  • Detail (Ausstattung)
    • bemerkenswerte Türen
  • Dachform
    • Dachreiter
    • Satteldach mit Halbwalm-/Zweidrittelwalm
    • Schleppgaube(n)
    • Zwerchhaus/-häuser
  • Dachgerüst, verstärkende Einbauten
    • Kehlbalken, Kreuzbänder, Sparrenstreben etc.
    • Sprengwerk
    • Unter-, Überzüge, Pfetten
  • Detail (Dach)
    • Dachüberstand
Konstruktion/Material:
Erdgeschoss:
Der Grundriss des mittelalterlichen Gebäudes ist im Erdgeschoss dreischiffig und sechszonig gegliedert. Im nördlichen und im mittleren Schiff lassen sich keine Trennwände nachweisen. Im südlichen Schiff lässt sich in der 3. Zone ein bauzeitlicher Raum nachweisen, dessen Umfassungswände in zweifach verriegeltem Fachwerk ausgeführt waren. Er wurde von innen erschlossen. In der Zone 6 in demselben Schiff lässt sich noch ein weiterer Raum nachweisen. Die Erschließung dieser Räumlichkeiten erfolgte möglicherweise über die südliche Traufwand. Die Bundständer sind in dieser Zone nur kopfzonig ausgesteift. Ein Brüstungsriegel konnte ebenfalls nicht nachgewiesen werden.
Das Erdgeschoss des mittelalterlichen Baus weist somit eine vorwiegend offene Hallennutzung auf. Die Umfassungswände waren durch Fachwerkwände geschlossen. Relativ große Fenster sorgten für ausreichende Belichtung zumindest in den Bereichen.
Durch die gefügekundliche Untersuchung konnten die ursprünglich geschlossenen Wandfelder wieder eindeutig ermittelt werden.
Im Gegensatz dazu lassen sich an der nördlichen Traufwand in den Zonen 2, 3 und 5 keine der sonst üblichen Mittelständer (zwischen den Bundständern) nachweisen. Ebenso gab es keinen Mittelständer in Zone 1 an der südlichen Traufe. In der Westwand des nördlichen Schiffes befindet sich noch eine ursprüngliche Türöffnung. Der Eselsrücken (Türsturz) ist noch erhalten.
In der östlichen Giebelwand desselben Schiffes fehlt ebenfalls der Mittelständer. In diesen genannten Feldern (ohne Mittelständer) muss davon ausgegangen werden, dass sich hier Zugänge oder Ausgänge zum Erdgeschoss bzw. andere Arten der Erschließung befunden haben.
Erdgeschoss und 1. Oberstock zeigen eine zweigeschossige Ständerbauweise. Die Ständer laufen über beide Geschosse. Eingezapfte und ausgesteifte Querriegel dienen als Deckenbalkenauflager. Im Gegensatz dazu ist der 2. Oberstock in Stockwerksbauweise errichtet.
Die Ständer der beiden Mittelstränderreihen stehen auf Steinsockel. Die Bundständer der Außenwände stehen auf einem Steinfundament und sind mit Schwellriegeln ausgesteift. Die Schwellriegel liegen noch auf ursprünglicher Höhe.
Die Fachwerkwände (Umfassungswände) sind im Erdgeschoss zweifach verriegelt und ursprünglich in Stein ausgemauert. Lehm-Flechtwerkfüllungen konnten nicht mehr nachgewiesen werden.
Die Ständer der nördlichen Mittelständerreihe sind bis in den 1. Oberstock gefast; die Ständer der südlichen Mittelständerreihe nicht.
Die Aussteifung erfolgte im gesamten Erdgeschoss mit verblatteten Kopfbändern und eingezapften Knaggen. Im mittleren und südlichen Schiff der Zonen 1 bis 3 liegt noch das bauzeitliche Deckengebälk. Alle Deckenbalken besitzen eine beidseitig nachträglich eingeschlagene Nut für einen Blindboden aus Lehmwickeln. Diese Wickel waren zum Zeitpunkt der Untersuchung noch zwischen der Balkenlage vorhanden.
In Zone 6 lag ebenfalls noch das ursprüngliche Deckengebälk bevor die Umbaumaßnahmen begannen. In den anderen Feldern wurden durch mehrfache Umbauten in den letzten Jahrhunderten die Balkenlage über Erdgeschoss entfernt und wieder eingefügt. Archivalische Quellen belegen, dass zwischenzeitlich Teile des Erdgeschosses als zweigeschossige Halle umgebaut wurden. Diese Halle wurde zu einem späteren Zeitpunkt wieder aufgegeben.

1. Oberstock:
Durch die Ständergeschossbauweise setzt sich die Grundrissgliederung vom Erdgeschoss im 1. Oberstock fort. Er gliedert sich wie im EG dreischiffig und sechzonig. Zwischen den Ständern der nördlichen, innenliegenden Stützenreihe lässt sich eine geschlossene Fachwerkwand übee die gesamte Hauslänge nachweisen.
Eine Querunterteilung des nördlichen Schiffes kann nicht nachgewiesen werden. Erschlossen wurde dieser längliche Raum von der angrenzenden offenen Halle die sich im mittleren und südlichen Schiff anschließt.
Es konnten Reste der ursprünglichen Treppenerschließung an der südwestlichen Traufe gesichert werden. Man kann sicher davon ausgehen, dass auch der 1. Oberstock über diesen Anbau erschlossen wurde.
Die Ständer tragen in Längsrichtung einen gedoppelten Unterzug. In den Querachsen sind die Sturz-Riegel zwischen den Ständern eingezapft. Die Aussteifung erfolgt in Längs-und Querrichtung kopfzonig mit verblatteten und verzapften Bändern und Streben. Die nördlichen Traufständer steifen in Querrichtung mit überkreuzten überblatteten Kopf- und Fußbändern die Fachwerkkonstruktion aus.
Das Deckengebälk über dem 1. Oberstock ist vollständig erhalten. Die Deckenbalken liegen relativ eng nebeneinander. Es gibt keine Öffnung für ein Treppenloch zum 2. Oberstock. Mit Diagonalstichen an den Ecken wird die Auskragung des 2. Oberstocks festgelegt.
Die Umfassungswände sind im 1. Oberstock einfach verriegelt. Zwischen Brüstungs- und Rähmriegel ist in jedem Fall eine Fensteröffnung angelegt.
Vom mittelalterlichen Bau steht noch das tragende Holzgerüst. Die Wandfüllungen, das Riegelwerk und die mittelalterliche Fensteranordnung wurden im Laufe der Zeit entfernt.

2. Oberstock:
Der 2.Oberstock kragt an allen 4 Seiten ca. 30 cm über dem 1. Oberstock aus. Sein Grundriss ist dreischiffig und sechszonig geliedert. In Achse 3 (zwischen Zone 1 und 2) kann zur Bauzeit eine geschlossene Fachwerkwand nachgewiesen werden.
Die beiden Mittelständer in der Achse 3 sind kantig geschlagen. Die heutige Fachwerkwand in dieser Achse stammt vermutlich aus dem 19. Jahrhundert.
Die Mittelständer in den Zonen 3 bis 6 sind an allen vier Ecken gefast.
In Zone 1 und 2 befanden sich zur Bauzeit und für die folgenden Jahrhunderte der Ratssaal. Dies belegt gefügekundlich die Abbundzeichenfolge.
Die Zonen 3 bis 6 dienten als offene Halle. Sie wurde über den Treppenhausanbau an der südlichen Traufe über Zone 3 mit einer repräsentativen Eingangstür (mit Eselsrücken) erschlossen.
Vom mittelalterlichen Bau steht im 2. Oberstock noch das gesamte tragende Fachwerkgerüst mit vollständig erhaltener Deckenbalkenlage (außer in Zone 1 und 2). Die Mittelständer sind mit verzapften Streben kopfzonig ausgesteift. Die Bundständer in den Umfassungswänden steifen das Holzgerüst mit verblatteten Bändern kopfzonig aus.
Durch die gefügekundliche Untersuchung wurde festgestellt, dass zwischen den bauzeitlichen Bund- und Mittelständern das ursprüngliche Riegelwerk durch ein neues Holzwerk ersetzt worden war. Die dendrochronologische Datierung erbrachte für diese Hölzer als Fälldatum 1808 (d). Die heutigen Fenstergrößen nehmen Bezug auf dieses nachträglich eingebrachte Holzfachwerk. Zur selben Zeit wurden die beiden Mittelstützen im Saal entfernt. Eine neue Deckenkonstruktion wurde notwendig. Das heutige Deckengebälk über dem 2. Oberstock in den Zonen 1 und 2 datiert ebenfalls um 1808 (d). Ein Sprengwerk im 1. Dachstock leitet die auftretenden Lasten auf die Achsen 1 und 3 ab.

1. Dachstock/Dachwerk:
Die Grundrißgliederung setzt sich dreischiffig und sechszonig im 1. Dachstock fort. Das mittelalterliche Dachwerk bildet im 1. Dachstock einen offenen Dachraum. Durch die gefügekundliche Untersuchung konnte festgestellt werden, dass das mittelalterliche Dachwerk in den Zonen 1 und 2 abgetragen wurde. Zwei neue Stühle in den beiden äußeren Ständer-Fluchten, eine Fachwerkwand und ein Sprengwerk waren Teil des Wohnungsgrundrisses der in diesen beiden Zonen angelegt wurde. Diese Baumaßnahme datiert 1808 (d).
In den alten Plänen von 1789 sind in diesen beiden Zonen bereits Einbauten nachgewiesen. Außerdem sind auf diesem Grundrissplan von 1789 an der Nord- und Südtraufe je zwei Zwerchgiebel dargestellt. Aus dieser Zeitstellung sind aber am Bau keine Aufschlüsse mehr erhalten geblieben. Beim Abtragen des Dachwerks bis einschließlich der Deckenbalkenlage über dem 2. OG wurde alles abgeräumt.
Zwischen den Zonen 3 und 4 (entspricht Querachse 4) steht heute ein klassizistischer Zwerchgiebel mit der Rathausuhr.
Das mittelalterliche Dachgerüst ist dreistöckig mit Spitzboden aufgerichtet. Es besitzt im 1. Dachstock einen vierfach stehenden Stuhl. Die beiden inneren Ständerreihen besitzen Schwellriegel die in die Ständer eingezapft sind. Sie sind notwendig für die verblatteten Steigbänder die den Dachstuhl in Längsrichtung aussteifen. Die beiden äußeren Stühle werden durch verblattete Kopfbänder in Längsrichtung ausgesteift. Die Queraussteifung erfolgt durch verblattete Steigbänder.
Die durchlaufenden Pfetten werden mit darunterliegenden, in die Stuhlständer eingezapfte Pfettenriegel verstärkt. In den Querachsen wird das Dachwerk durch zusätzliche Spannriegel verstärkt, die zwischen den Stuhlständern einzapfen. Die Kehlbalken überblatten die Sparren. Die Sparren und Stuhlständer zapfen in die Dachbalken ein. Aufschieblinge sind für den Dachüberstand notwendig.

Das mittelalterliche Dachwerk kennzeichnen Abbundzeichen. Die Bundachsen der Stuhlständer sind mit der Strichnummernfolge I bis IIIIIII gezählt, beginnend mit I am Ostgiebel. Die Achse I und II fehlt heute. Die Achsen III, IIII, IIIII und IIIIII sind vorhanden. Die Querachse IIIIIII fehlt ebenfalls (erneuerter Westgiebel). Die Sparren zählen zwischen den Bundachsen durch.

Der 2. Dachstock besitzt einen dreifach stehenden Stuhl dessen Stuhlständer in das Kehlgebälk des 1. Dachstocks einzapfen. Die Queraussteifung erfolgte über verblattete Steigbänder. Für die Längsaussteifung dienen verblattete Kopfbänder. Das Kehlgebälk überblattet die Sparren.
Im 3. Dachstock steht ein zweifach stehender Stuhl. Er wird ebenfalls mit Steigbändern in Querrichtung und mit Kopfbändern in Längsrichtung ausgesteift. Im Spitzboden überblatten die Sparren miteinander.
Das Dach des "Alten Rathauses" besitzt an beiden Giebeln einen Krüppelwalm (Halbwalm) der im 2. Dachstock ansetzt.
Durch die gefügekundliche Untersuchung konnte festgestellt werden, dass beide Giebeldreiecke ursprünglich als stockwerksweise auskragende Steilgiebel ausgeführt waren. Die Ausformung des Spitzbodenabschlusses kann jedoch nicht mehr nachgewiesen werden. Drei Möglichkeiten stehen dafür zur Auswahl. Wahrscheinlich war der Spitzboden auch als Steilgiebel ausgebildet worden. Es könnte sich an dieser Stelle aber auch ein Walm oder Schopfwalm befunden haben.
Der heutige Walm (beginnend im 2. Dachstock) wurde 1808 (d) gestaltet. Als Walmsparren wurden größtenteils jene mittelalterlichen Sparren wiederverwendet, die in Zone 1 und 2 beim Abtragen des Dachwerkes herausgenommen wurden. Die heutige Sparrenlage stammt von 1808 (d) und besteht aus Nadelholz.
Die Pfetten des mittelalterlichen Dachstuhls wurden in Zone 6 abgesägt und durch einen stehenden Stuhl unterstützt, der die heutigen Walmsparren trägt. Diese Stützkonstruktion unter den beiden Walmen ist zeitgleich hergestellt worden.
Der 2. und 3. Dachstock in Zone 1 und 2 besitzt stehende Stühle mit kurzen verzapften Kopfstreben. Die gesamte Dachkonstruktion wurde hier in Nadelholz ausgeführt (Fichte und Tanne). Wohingegen die mittelalterliche Holzkonstruktion fast vollständig in Eiche ausgeführt wurde.
In den Zonen1 und 2 wurde der mittelalterliche Dachstuhl 1808 bis einschließlich der Deckenbalkenlage über dem 2. Oberstock abgetragen. Nachdem der Saal im 2. Oberstock stützenfrei wurde, musste eine neue Deckenkonstruktion hergestellt werden. Über ein Sprengwerk wurde die neue Deckenbalkenlage nach oben gehängt. Das neue Deckengebälk wurde durch diagonal eingelassene Balkenabschnitte ausgesteift. Für das Stichgebälk im Ostgiebel wurde Eiche verwendet.

Fassaden:
Hinsichtlich der mittelalterlichen Fassadengestaltung lassen sich nur bedingt gesicherte Aussagen machen. Sie beziehen sich im wesentlichen auf die Bereiche, die während der Sanierung 1988-1991 freigelegt wurden. Der überwiegende Teil der Außenansicht bleibt weiterhin verputzt. Die Innenputze entfernte man dagegen teilweise, wodurch wichtige Erkenntnisse über den Bestand des mittelalterlichen Fachwerkgerüstes im Bereich der Fassaden gewonnen werden konnten.
Bis auf die beiden Giebeldreiecke sind noch fast alle Bund- und Mittelständer, Rähme und Schwellen, sowie das Deckengebälk erhalten geblieben. Über dieses Holzwerk ließe sich einmal zu einem späteren Zeitpunkt die ursprüngliche Fassadengliederung nachvollziehen. Diese Befunde sind noch im Bereich der Außenwände erhalten geblieben. Beim Umbau von 1808 (d) erhielt das Gebäude sein heutiges äußeres Erscheinungsbild. Das Holzwerk dieser Modernisierungsmaßnahme wurde nicht als Sichtfachwerk ausgeführt.
Zwischen den mittelalterlichen Bund- und Mittelständern wurden aus verhältnismäßig dünnen, maschinell gesägten Balkenquerschnitten ein Ständer- und Riegelwerk abgezimmert, welches Bezug auf die vorhandenen Fensteröffnungen nimmt.
Im 2. Oberstock wurde der Westgiebel 1808 vollständig erneuert. Hier blieben nur noch die beiden bauzeitliche Eckständer stehen.
Der West- und Ostgiebel im 1. Dachstock wurden ebenfalls 1808 (d) komplett erneuert. Hier befindet sich kein mittelalterliches Holz mehr. Die Fensterteilung stammt auch hier aus dieser Zeitstellung.
Der Wandaufbau der Außenwände in den beiden östlichen Zonen 1 und 2 war weder von außen noch von innen zugänglich. Die beiden Ratssäle sind innen mit einem Holztäfer verkleidet. Einen beschränkten Einblick in den Fachwerkaufbau einer Außenwand bot sich am nördlichen Schiff im Erdgeschoss am Westgiebel. Hier fehlt der übliche Mittelständer. Stattdessen stecken an dieser Stelle noch die Rudimente einer bauzeitlichen Tür. Sehr gut erhalten ist noch der gotische Türsturz. Der Eckständer wird mit sich überkreuzenden verblatteten Kopf- und Fußstreben ausgesteift. Die übrigen Bund- und Mittelständer steifen sich mit verblatteten Kopf- und Fußbändern aus. Die zweigeschossige Ständerbauweise wirkt mit seinen großen Balkenquerschnitten recht massig und wuchtig.
Den größten Einblick in einen Teilbereich der mittelalterlichen Außenfassade bot sich an er südlichen Traufe in den Zonen 3 bis 6. Hier wurde während der laufenden Baumaßnahmen nach und nach die gesamte Traufwand freigelegt. Dabei wurde deutlich, dass die Felder in den Zonen 4 und 5 bereits in den 1930er Jahren ausgeräumt wurden. Hier ist nur noch eine begrenzte Aussage über die ursprüngliche Fassadengliederung möglich.
Deutlich erkennbar wird bei der zweigeschossigen Ständerbauweise im Erdgeschoss und dem 1. Oberstock die Art der Gründung: Die Bundständer stehen auf einem Steinfundament. Die Schwellriegel zapfen in die Bundständer ein. Die Mittelständer stehen auf der Schwelle. Das Ständerwerk steift sich mit Kopf- und Fußbändern aus. Knaggen an den Bundständern nehmen die Auskragung des 2. Oberstocks auf.
Die Bundständer der Südtraufe in Zone 5 und 6 sind nur kopfzonig ausgesteift. Ein Brüstungsriegel kann in der Erdgeschosszone nicht nachgewiesen werden. Dies wird als Hinweis für eine mögliche Erschließung des dahinterliegenden Raumes und der Halle gewertet.
Im Bereich des Deckengebälks über Erdgeschoss liegen zwei Riegel mit einem Abstand von 20 cm übereinander. Dazwischen liegen die Deckenbalken. Beide Geschosse belichten relativ große Fenster.
Im 2. Oberstock befindet sich in der Traufwand von Zone 3 eine breite Eingangstür mit gotischem Türsturz. Sie erschließt die Halle in diesem Stockwerk. Aufschluss über die ursprüngliche Fensterteilung birgt Zone 6.
Die letzte umfassende Sanierung am Rathaus erfolgte Ende der 1930er Jahre.

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