Datenbank Bauforschung/Restaurierung

Datenbank Bauforschung/Restaurierung

Wohnhaus mit Scheune

ID: 137194326619  /  Datum: 19.06.2013
Datenbestand: Bauforschung und Restaurierung
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Objektdaten

Straße: Alleenstraße
Hausnummer: 17
Postleitzahl: 72622
Stadt-Teilort: Nürtingen

Regierungsbezirk: Stuttgart
Kreis: Esslingen (Landkreis)
Wohnplatzschlüssel: 8116049004
Flurstücknummer: keine
Historischer Straßenname: keiner
Historische Gebäudenummer: keine
Lage des Wohnplatzes: Lage des Wohnplatzes

Kartenansicht (OpenStreetMaps)

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Objektbeziehungen

keine

Umbauzuordnung

keine

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Bauphasen

Kurzbeschreibung der Bau-/Objektgeschichte bzw. Baugestaltungs- und Restaurierungsphasen:

Das Wandgefüge zeigt zwei unterschiedliche Ausführungen: Neben verblatteten Hölzern gibt es verzapfte Wandstreben; darüber hinaus weisen viele Hölzer Merkmale einer älteren Verwendung auf.
Diese Aspekte und weitere weisen eine fortschrittliche Abzimmerungstechnik aus und deklarieren das Gebäude als hochmodernen Vertreter einer erst einige Jahrzehnte später üblichen Fachwerkgeneration; es datiert in das dritte Viertel des 15. Jhs. (d)

Das Haupthaus gilt nicht als klassisches Ackerbürgerhaus, weil die Scheune zur Bauzeit kein konstruktiver Bestandteil des Haupthauses war; sie wurde fast ein Jahrhundert später, um 1547 (d), als das Haupthaus errichtet. Jedoch erst mit dem Bau der Scheune ist eine gemeinsame Nutzung durch einen Ackerbürger denkbar.


1. Bauphase:
(1469)
Der Hauptbau stammt aus den Jahren um 1469 (d).
Betroffene Gebäudeteile:
keine
Bauwerkstyp:
  • Ländl./ landwirtschaftl. Bauten/ städtische Nebengeb.
    • Bauernhaus

2. Bauphase:
(1547)
Die Scheune, nur annähernd in traufseitiger Abstimmung zum Haupthaus ausgerichtet, wurde um das Jahr 1547 (d) errichtet. Ob sie einen Vorgängerbau ersetzt, ist nicht bekannt.
Haupthaus und Scheune bilden zusammen nun eine Einheit, die man funktional als Ackerbürgerhaus deklarieren kann.
Betroffene Gebäudeteile:
Betroffene Gebäudeteile
  • Anbau
Bauwerkstyp:
  • Wohnbauten
    • Ackerbürgerhaus
  • Ländl./ landwirtschaftl. Bauten/ städtische Nebengeb.
    • Scheune

3. Bauphase:
(1650 - 1750)
Heute ist innerhalb der nördlichen Zone des Kellers unter dem Hauptbau ein gewölbter Kellerraum vorhanden. Er wurde später eingebaut und datiert wohl in die Zeit des 17./18. Jh. (gk).
Betroffene Gebäudeteile:
Betroffene Gebäudeteile
  • Untergeschoss(e)

4. Bauphase:
(1650 - 1750)
Im 17./18. Jh. errichtete man einen Querbau; ist heute nicht mehr erhalten. (s)
Betroffene Gebäudeteile:
Betroffene Gebäudeteile
  • Anbau

5. Bauphase:
(1850 - 1950)
An den nicht mehr vorhandenen Querbau schließt im 19. Jh. ein massiver Stallausbau an. Offensichtlich vergrößert er den vorderen Stallbereich, welcher im selben Jahrhundert noch vom Haupthaus abgetrennt wird.
Ins 19./20. Jh. datiert nach Abbruch des Querbaus auch der vollständige Lückenschluss zwischen Wohn- und Wirtschaftsbau.
Betroffene Gebäudeteile:
keine
Bauwerkstyp:
  • Ländl./ landwirtschaftl. Bauten/ städtische Nebengeb.
    • Wohnstallhaus

Besitzer

keine Angaben

Weiterer Datenbestand LAD

Die im Landesamt für Denkmalpflege vorhandenen Datenbestände der Restaurierung sind mit dem vorangestellten braunen Kästchen gekennzeichnet. Mit lila Kästchen versehene Objekte verweisen auf vorhandene Datenbestände der Bauforschung.
Alleenstr. 17 (72622 Nürtingen, Alleenstraße 17)

Fotos

keine

Zugeordnete Dokumentationen

  • Bauhistorische Kurzuntersuchung

Beschreibung

Umgebung, Lage:
Das im Winkel von Alleenstraße und Steinachstraße befindliche Grundstück ist im Norden durch den traufständig zur Alleenstraße ausgerichteten Hauptbau (Alleenstraße 17) und im Süden durch den Scheunenbau (Alleenstraße 17a) besetzt. Die Lücke zwischen beiden Gebäuden schließt eine Überdachung.
Lagedetail:
  • Siedlung
    • Stadt
Bauwerkstyp:
  • Wohnbauten
    • Wohn- und Geschäftshaus
Baukörper/Objektform (Kurzbeschreibung):
Der zweigeschossige Fachwerkbau mit Satteldach ist unterkellert. Die Scheune steht in etwa traufseitig zum Haupthaus.
Innerer Aufbau/Grundriss/
Zonierung:
Der Keller des Hauptbaus ist dreizonig und zweischiffig gegliedert. Im Nordwesten wurde über einen zentralen Eichenständer und einen Eichenunterzug ein offener ungeteilter Raum angelegt. Der Raum erstreckt sich über zwei Zonen. Heute ist innerhalb der nördlichen Zone ein gewölbter Kellerraum vorhanden. Das Gewölbe reicht weit über die straßenseitige Traufe des Erdstocks. Der Rest des Grundrisses war bereits zur Bauzeit vom offenen Bereich abgetrennt. Dazu zählt sowohl der mit einem Holzverbau abgetrennte Schmalteil wie auch der über ein gefastes Portal zugängliche Gewöbekeller. Die Gliederung des Unterstocks ist nahezu identisch mit der im Keller aufgezeigten Achsenführung. Ein Mittellängsunterzug gliedert die gesamte Baulänge in zwei Schiffe. Der Oberstock kragt traufseitig an der Alleenstraße und giebelseitig an der Steinachstraße geringfügig aus. Zumindest der Giebelüberstand wurde durch Konsolhölzer unterstützt. Diese "Konsolen" waren aus dem Vollholz der Gerüstständer herausgearbeitet. Die von den unteren Stockwerk bekannte Zonengliederung ist auch im Oberstock eingehalten. Dies trifft im Prinzip auch auf die Breitengliederung zu. Im Gegensatz zum Unterbau sind hier die beiden Schiffe jedoch unterschiedlich breit. Hinsichtlich der ursprünglichen Grundriss- und Nutzungsstruktur besteht kein Zweifel. Über die gesamte Hausbreite war am auskragenden Giebel die Wohnstube angelegt (vgl. Befunde Bretter-Balken-Decke, Restbestand Fenstererker). In funktionaler Abhängigkeit zur Stube wird innerhalb der Erschließungszone die Herdstelle (Küche) mit der Hinterladeröffnung für den angenommenen Stubenofen vermutet. Unsicher ist, ob die Küche vom mittigen Zonenteil abgetrennt war. Nach den vorliegenden Befunden ist dies wohl auszuschließen. Am Gegengiebel ist ein weiterer Großraum belegt. Im Vergleich zur Stube war er nicht beheizt. Im Gegensatz zum Unterstock ist der Umfang alter Wandaufbauten sehr hoch. Die Scheune war giebelseitig, von der Steinachstraße aus, befahrbar. Die Lage der heutigen Zufahrt ist mit der historischen Lage identisch.
Vorgefundener Zustand (z.B. Schäden, Vorzustand):
keine Angaben
Bestand/Ausstattung:
Die historische Bausubstanz des Kellers unter dem Hauptbaus ist nahezu vollständig erhalten; im Unterstock sind neben dem verschalten Deckengebälk ferner drei bauzeitliche Wandabschnitte überkommen. Die Umfassungswände datieren wohl in die Zeit des 19./20. Jh.; sie entstanden vermutlich im Rahmen eines Wohnungseinbaus im Unterstock. Dazu gehört auch der historisch anmutende Rauchfang in der alten Flurzone.

Konstruktionen

Konstruktionsdetail:
  • Holzgerüstbau
    • Unterbaugerüst
  • Wandfüllung/-verschalung/-verkleidung
    • Flechtwerk
  • Dachgerüst Grundsystem
    • Sparrendach, q. geb. mit liegendem Stuhl
Konstruktion/Material:
Die Wohnstube des Hauptbaus besaß keinen verbohlten Wandaufbau. Wie am restlichen Haus waren die Wände zweifach verriegelt und mit einer Flechtwerkfüllung geschlossen. Für die Stubenausstattung ist daher ein Holztäfer zu vermuten.
Soweit erkennbar, zeigt das Wandgefüge zwei unterschiedliche Ausführungen. So sind z.B. neben verblatteten Hölzern gleichzeitig verzapfte Wandstreben verbaut. Neben dieser "Unstimmigkeit" weisen viele Hölzer Merkmale einer älteren Verwendung auf. Diese häufen sich an der rückwärtigen Traufe. Trotz dieser "Wiedersprüche" besteht kein Zweifel, dass das Gebäude um 1469 (d) als hochmoderner Vertreter einer erst einige Jahrzehnte später üblichen Fachwerkgeneration abgezimmert wurde.
Diese fortschrittliche Abzimmerungstechnik ist auch im Dachwerk nachvollziehbar, das eine liegende verblattete Stuhlkonstruktion aufweist, deren Kopfbänder nur bis zu den Stuhlständern und nicht, wie ansonsten üblich, bis zu den Sparren reichen. Entwicklungsgeschichtlich liegt diese Konstruktionsvariante vor der Ausführung von liegenden und verzapften Bindern und wird erst gegen Ende des 15. Jh. allgemeiner üblich.
Im Dach ist aber auch die aus dem Unterbau bekannte "Diskrepanz" erkennbar. So besitzen z.B. die Pfetten Zapfenlöcher und Blattsassen für ein ehemals als stehende Stuhlkonstruktion konzipiertes Dachgerüst. Die Lage der Zapfenlöcher deutet an, dass für die mittige Zone eine breitere Ausführung vorgesehen war. Kurz vor der Ausführung erfolgte eine Planänderung zugunsten des heutigen Bestandes.
Analog zum Oberstock ist auch hier ein hoher Anteil der historischen Altsubstanz erhalten. Diese bezieht sich neben dem Dachgerüst hauptsächlich auf den Stubengiebel. Am Gegengiebel sind größere Lücken vorhanden. Die Sparren zur Scheune fehlen alle.
Das Dachwerk ist rauchgeschwärzt und war ursprünglich nicht geteilt.
Der Stubengiebel war als Steilgiebel ausgeführt. Bemerkenswert war die Ausführung des Gegengiebels, wo die Sparren über die Kehlbalken hinausreichen und mit einem darüber angeordneten Kehlbalken eine Art Walmbock für einen stark reduzierten Krüppelwalm bilden.

Die Scheune war giebelseitig von der Steinachstraße aus befahrbar. Die Lage der heutigen Zufahrt ist mit der historischen Lage identisch.
Vom tragenden Gerüst ist im unteren Bereich nur noch lückenhafter Bestand erhalten.
Relevante Bausubstanz ist für den oberen Bereich des Scheunenunterbaus belegt. Hierzu zählt die vordere und die rückwärtige Schmalseite. Alte, die ursprüngliche Gliederung nachvollziehbare Gerüstständer sind in der Regel nur bis zur Stalloberkante erhalten.
Nahezu vollständig ist das Dachwerk erhalten. Erkennbar ist eine mit dem Unterbau identische Grundrissgliederung in drei Zonen. In gestalterischer Anlehnung an das Haupthaus ist auch hier eine liegende, verblattete Stuhlkonstruktion aufgeschlagen. Bemerkenswerte Fehlstellen betreffen das Gespärre zum Haupthaus hin.
Farbbefunde am straßenseitigen Giebel belegen einen teilweisen Dachausbau. Diese im Scheunendach nachvollziehbare Abtrennung belegt einen Querbau zwischen Scheune und Haupthaus. Die am Giebel erkennbare Farbfassung ist auch für die Außenwand im Oberstock des Hauptgebäudes belegt. Der wohl im 17./18. Jh. errichtete Querbau ist heute nicht mehr erhalten. Bezogen auf seine Lage und seine Ausmalung diente der obere Raum mit hoher Wahrscheinlichkeit als Schlafraum. Dieser Raum war im Wohnhaus nicht vorhanden. Geschlafen wurde bis dahin in der Stube. Im Unterbau des Querbaus werden Kammern und eventuell ein Stall vermutet. Die Breite des Querbaus bezog sich auf die straßenseitige Zonenbreite der Scheune. Die Begrenzung ist durch den Abschluss der massiven Scheunentraufe erkennbar.
An diesen Querbau schließt im 19. Jh. ein massiver Stallausbau an. Offensichtlich vergrößert er den vorderen Stallbereich, welcher im selben Jahrhundert noch vom Hauptbau abgetrennt werden wird. In das 19./20. Jh. fällt nach Abbruch des Querbaus auch der vollständige Lückenschluss zwischen Wohn- und Wirtschaftsbau.

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