Datenbank Bauforschung/Restaurierung

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Wohnhaus

ID: 159475542910  /  Datum: 22.08.2018
Datenbestand: Bauforschung und Restaurierung
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Objektdaten

Straße: Burghof
Hausnummer: 1
Postleitzahl: 89584
Stadt: Ehingen
Regierungsbezirk: Tübingen
Kreis: Alb-Donau-Kreis (Landkreis)
Gemeinde: Ehingen (Donau)
Wohnplatz: Ehingen (Donau)
Wohnplatzschlüssel: 8425033012
Flurstücknummer: keine
Historischer Straßenname: keiner
Historische Gebäudenummer: keine
Lage des Wohnplatzes: Lage des Wohnplatzes

Kartenansicht (OpenStreetMaps)

Objektbeziehungen

keine

Umbauzuordnung

keine

Bauphasen

Kurzbeschreibung der Bau-/Objektgeschichte bzw. Baugestaltungs- und Restaurierungsphasen:

Der dreigeschossige Massivbau stammt im Kern aus der Mitte des 16. Jahrhundert. Der Bau wird von stadtgeschichtlicher Seite mit dem Ehinger Burg- bzw. Schlossbezirk in Zusammenhang gebracht. Baumaßnahmen um 1554 würden dann auf den damaligen Pfandherren Konrad von Bemmelberg zurückgehen, wobei eine weitergehende Einordnung auf archivalischer Grundlage bislang nicht möglich ist. Die weitere Geschichte des Gebäudes scheint unbekannt zu sein, bis es 1840 vom Staat erworben und in der Folgezeit als Oberamtsarrest diente. Während sich im Erdgeschoss und im ersten Obergeschoss Wohnungen von Vollzugsbeamten befanden, nahmen das zweite Obergeschoss und das erste Dachgeschoss Gefängniszellen auf. Diese Nutzung ist von 1841 bis 1947 belegt. Bis 1951 waren die Fenster der oberen Geschosse noch vergittert. ln der Folgezeit wurde der Bau als Wohngebäude genutzt und in den oberen Geschossen dementsprechend verändert.


1. Bauphase:
(1554)
Abzimmerung des Dachwerkes (d)
Betroffene Gebäudeteile:
Betroffene Gebäudeteile
  • Dachgeschoss(e)

2. Bauphase:
(1841 - 1947)
Als Oberamtsarrest dienend: im Erdgeschoss und im ersten Obergeschoss Wohnungen von Vollzugsbeamten, im zweiten Obergeschoss und ersten Dachgeschoss Gefängniszellen.
Betroffene Gebäudeteile:
keine
Bauwerkstyp:
  • Öffentliche Bauten/ herrschaftliche Einrichtungen
    • Gefängnis

3. Bauphase:
(1951)
Nach 1951 zu Wohnzwecken verändert
Betroffene Gebäudeteile:
keine
Bauwerkstyp:
  • Wohnbauten
    • Wohnhaus

Besitzer

keine Angaben

Zugeordnetes Objekt

keines

Fotos

Abbildungsnachweis
Wohnhaus, Burghof 1 - Südansicht / Wohnhaus in 89584 Ehingen, Ehingen (Donau) (15.02.2019 - Christin Aghegian-Rampf)
Abbildungsnachweis
Wohnhaus, Burghof 1, Nordostansicht / Wohnhaus in 89584 Ehingen, Ehingen (Donau) (15.02.2019 - Christin Aghegian-Rampf)

Zugeordnete Dokumentationen

  • Bauhistorische Untersuchung

Beschreibung

Umgebung, Lage:
keine Angaben
Lagedetail:
  • Siedlung
    • Stadt
Bauwerkstyp:
  • Wohnbauten
    • Wohnhaus
Baukörper/Objektform (Kurzbeschreibung):
Dreigeschossiger Massivbau über leicht verzogenem, gedrungen-rechteckigem Grundriss mit dreigeschossigem Dachwerk. An der Westseite schmaler Treppenhausvorbau in Formen des 19. Jh. Zuunterst großer, tonnengewölbter Kellerraum.
Innerer Aufbau/Grundriss/
Zonierung:
Erdgeschoss und beide Obergeschosse mit verputzten Fachwerkwänden, kleinräumig unterteilt, jeweils westseitiger Treppenflur und unterschiedlich große Einzelräume entlang Nord-, Ost- und Südseite. lm ersten Dachgeschoss kleinräumig unterteilt, obere Dachgeschosse ohne Ausbau.
Vorgefundener Zustand (z.B. Schäden, Vorzustand):
keine Angaben
Bestand/Ausstattung:
keine Angaben

Konstruktionen

Konstruktionsdetail:
  • Gewölbe
    • Tonnengewölbe
  • Verwendete Materialien
    • Backstein
  • Steinbau Mauerwerk
    • allgemein
Konstruktion/Material:
Die angetroffenen Befunde lassen eine wechselvolle Baugeschichte erkennen. Allem Anschein nach haben sich im Gebäude keine mittelalterlichen Baureste mehr erhalten. Vielmehr dürfte der Bau in seinen ältesten Teilen auf das mittlere 16. Jahrhundert zurückgehen. Darauf weist im Kellergeschoss die teilweise Backsteinverwendung im Nischenbereich hin, die bei einer mittelalterlichen Zeitstellung in dieser Gegend sehr unüblich wäre. Dasselbe gilt für das Außenmauerwerk des Erdgeschosses und der beiden Obergeschosse, in dem die bauzeitlichen Fensteröffnungen und Nischen mit Backstein im Verband mit dem umschließenden Bruchsteinmauerwerk abgemauert sind. Auch dies darf als eindeutiger Beleg für eine nachmittelalterliche Entstehung gewertet werden. Das Dachwerk ist dendrochronologisch in die Zeit um das Jahr 1554 datiert und ist dem Baubefund zufolge mit dem Giebelmauerwerk gleichzeitig. Damit ist es in hohem Maße wahrscheinlich, dass auch das Außenmauerwerk des Hausunterbaues in jene Zeit gehört. Soweit momentan erkennbar, dürfte es sich damit hinsichtlich Außenmauerwerk, Keller und Dachwerk um einen einheitlichen Neubau der Zeit um das Jahr 1554 handeln.
Zur ursprünglichen lnnengliederung von Erdgeschoss und Obergeschossen geben heute nur noch die Reste der ursprünglichen Befensterung Aufschluss. lm Erdgeschoß weisen die zahlreichen Fensternischen mit verputzten und gefasten Laibungen darauf hin, dass sich hier keine große Halle für Wirtschafts- oder Lagerzwecke befand, sondern dass das Geschoss zu Wohn- oder Verwaltungszwecken ausgebaut war. Wenn am südlichen Ende der Ostseite ursprüngliche eine große, sehr breite Fensternische vorhanden war, so dürfte sich in der Südostecke einst eine Stube befunden haben. Die kleineren Fenster an der Nordseite weisen darauf hin, dass sich im nördlichen Teil der Grundfläche Räume von eher untergeordneter Bedeutung befunden haben werden. Diese Differenzierung macht eine kleinteilige Untergliederung der Grundfläche wahrscheinlich, die sich heute aber nicht mehr im Einzelnen nachvollziehen lässt. Den Hauszugang wird man - da entsprechende Öffnungen an Süd-, Ost- und Nordseite nicht vorhanden sind - vermutlich im mittleren oder südlichen Bereich der Westseite suchen dürfen, und es ist denkbar, dass sich von hier aus ein Mittelflur bis zur Ostseite des Gebäudes zog, entlang dessen nord- und südseitig verschiedene Einzelräume gereiht waren. Hinweise auf Art und Lage einer ursprünglichen Treppenanlage sind nicht vorhanden. lm ersten Obergeschoss belegen uns die beiden großen Fensternischen im südlichen und nördlichen Abschnitt der Ostwand, dass sich in der Südostecke der Geschossfläche einst eine große Stube befand. An der spärlicher belichteten Nordseite dürften sich wiederum Räume von untergeordneter Nutzung befunden haben, während wir ansonsten über die weitere Grundrissgliederung nicht genauer informiert sind. Ähnliches gilt auch für das zweite Obergeschoss. Hier weisen die meisten Räume nur recht kleine Fenster auf, ohne dass sich aus der Fensteranordnung weitergehende Schlüsse zur Grundrissgliederung ziehen ließen. Eindeutiger ist die Situation hingegen im Kellerbereich, in der zu jener Zeil der heutige Gewölbekeller von Osten her erschlossen war, sowie im Dachbereich, in dem uns Hinweise auf einen ursprünglichen Ausbau fehlen. Die Ausführung des Gebäudes als Massivbau, das Fehlen von Wirtschafts-, Lager- oder Gewerberäumen im Erdgeschoss und das Vorhandensein der sehr großen Stube im ersten Obergeschoss machen eine Zuordnung des Gebäudes zum herrschaftlichen Bauwesen wahrscheinlich. Den nur wenigen Farb- und Putzschichten zufolge scheint der ursprüngliche Bau keine intensive Nutzung und zunächst kaum größere Veränderungen oder Renovierungen erfahren zu haben. Am Baubestand lässt sich an einzelnen Stellen eine Zwischenphase nachweisen, in der einzelne Fensteröffnungen vermauert oder verändert wurden, ohne dass wir jedoch über Zeitstellung und Umfang der Maßnahmen näher informiert wären. Die zweite wichtige Bauphase des Gebäudes datiert dann in das 19. Jahrhundert und fällt offensichtlich mit dem Umbau zum Oberamtsgefängnis kurz nach 1840 zusammen. Die Fälldaten des Deckengebälkes im Hausunterbau verweisen darauf, dass die diesbezüglichen Umbauten im Jahr 1848, allenfalls unmittelbar danach, ausgeführt wurden. Damals wurde das gesamte Innere von Erdgeschoss und Obergeschossen erneuert, wobei die älteren Innenwände und Decken komplett entfernt wurden. In allen Geschossen wurden dann neue Deckenbalkenlagen und neue Innenwände eingezogen. lm Erdgeschoss und im ersten Obergeschoss entstanden die heute noch weitgehend unverändert erhaltenen Wohn- und Verwaltungsräume, während das zweite Obergeschoss mit Zellen ausgebaut wurde. Diese reihten sich entlang eines Mittelflures, der von der Ost- bis zur Westseite durchlief. Ebenfalls neu entstand die heutige Treppenanlage mit dem westseitigen Vorbau, in dem die Treppenpodeste ihren Platz fanden. Der Keller wurde nun durch eine Innentreppe vom Eingangsflur aus erschlossen, während das erste Dachgeschoss ebenfalls mit Zellen und Nebenräumen ausgebaut wurde. Hier lagen entlang der östlichen Giebelseite zunächst drei Zellen, auf die der schmale Querflur und westseitig Treppenflur und zwei Nebenräume folgten. Lediglich der obere Teil des Dachraumes blieb von größeren Veränderungen verschont. Soweit erkennbar, wurde das Gebäude damals auch komplett neu befenstert und vollflächig neu verputzt.
Eine letzte größere Umbauphase wird dann mit der Aufgabe der Gefängnisnutzung im 20. Jahrhundert greifbar. Damals wurden das zweite Obergeschoss und das erste Dachgeschoss für Wohnzwecke umgebaut. lm zweiten Obergeschoss wurde der einst durchgehende Mittelflur zugunsten eines großen südöstlichen Eckraumes aufgegeben, während im ersten Dachgeschoss eine Zellentrennwand entfernt wurde, um hinter der östlichen Giebelscheibe auch einen größeren Raum zu gewinnen. Ebenfalls in jene Zeit fallen einzelne punktuelle Veränderungen wie die Erneuerung der Treppenanlage im Erdgeschossbereich sowie die Erneuerung von Türen und Fenstern in großen Teilen des Gebäudes. Eingriffe in die Substanz des 16. Jahrhunderts scheinen damals nicht stattgefunden zu haben, so dass sich die Reste der Ursprungszeit des Gebäudes damals nicht weiter verringert haben.
Insgesamt ist uns damit im Gebäude Burghof 1 in Ehingen ein Steinbau des 16. Jahrhundert in Kelleranlage, Außenmauerwerk und Dachwerk mit einem im mittleren 19. Jahrhundert vollständig erneuerten Innenausbau und einer im 19. und 20. Jahrhundert gewachsenen Außenerscheinung
überliefert.

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