Ottilienkapelle (Eppingen)

Datenbank Bauforschung/Restaurierung

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Wohnstall-Speicherbau

ID: 212470594717  /  Datum: 08.04.2019
Datenbestand: Bauforschung und Restaurierung
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Objektdaten

Straße: Radolfzellerstraße
Hausnummer: 11
Postleitzahl: 78476
Stadt: Allensbach
Regierungsbezirk: Freiburg
Kreis: Konstanz (Landkreis)
Gemeinde: Allensbach
Wohnplatz: Allensbach
Wohnplatzschlüssel: 8335002002
Flurstücknummer: keine
Historischer Straßenname: keiner
Historische Gebäudenummer: keine
Lage des Wohnplatzes: Lage des Wohnplatzes

Kartenansicht (OpenStreetMaps)

Objektbeziehungen

keine

Umbauzuordnung

keine

Weitere Objekte an diesem Wohnplatz

Bauphasen

Kurzbeschreibung der Bau-/Objektgeschichte bzw. Baugestaltungs- und Restaurierungsphasen:

Der Kernbau des Wohn-Stall-Speichergebäudes stammt der dendrochronologischen Untersuchung nach aus dem späten 16. Jahrhundert. Unter Beibehaltung älterer Massivwände wurde das Gebäude um 1772 (d) umfassend erneuert. Im 20./ 21.Jahrhundert erfolgte der Einbau von Wohnungseinheiten.


1. Bauphase:
(1570 - 1599)
Von einem Kernbau, der sowohl nach den baulichen Befunden wie auch nach den dendrochronologischen Datierungen in das späte 16. Jahrhundert zu datieren ist, sind nur noch die massiven Mauerstrukturen des Kellers erhalten. Inwieweit die restlichen Massivwände des Erdgeschosses noch dem 16. Jahrhundert zuzuordnen sind, muss an dieser Stelle offen bleiben.
Betroffene Gebäudeteile:
Betroffene Gebäudeteile
  • Untergeschoss(e)
Lagedetail:
  • Siedlung
    • Dorf
Konstruktionsdetail:
  • Steinbau Mauerwerk
    • allgemein

2. Bauphase:
(1772)
Sicher dagegen ist die Aussage, dass das Gebäude um das Jahr 1772 (d) unter der Beibehaltung von älteren Massivmauern umfassend erneuert wurde und einen aus dieser Zeit überdurchschnittlich hohen Bestand aufweist.
Betroffene Gebäudeteile:
keine

3. Bauphase:
(1900 - 2019)
Einbau von Wohnungseinbauten
Betroffene Gebäudeteile:
keine
Bauwerkstyp:
  • Wohnbauten
    • Wohnhaus

Besitzer

keine Angaben

Zugeordnetes Objekt

keines

Fotos

keine

Zugeordnete Dokumentationen

  • Bauhistorische Kurzdokumentation

Beschreibung

Umgebung, Lage:
Das Wohn-Stall-Speichergebäude steht giebelständig an der Südseite der Radolfzellerstraße, die annähernd parallel zum Bodenseeufer verläuft.
Lagedetail:
  • Siedlung
    • Stadt
Bauwerkstyp:
  • Ländl./ landwirtschaftl. Bauten/ städtische Nebengeb.
    • Wohnstallhaus
Baukörper/Objektform (Kurzbeschreibung):
Bei dem untersuchten Bau handelt es sich um ein in Nord-Süd-Richtung ausgerichtetes Wohn-Stall-Speichergebäude, das von einem gemeinsamen Dach bekrönt wird. Im Erdgeschoss massiv, ist darauf ein einstöckiger Fachwerkbau mit zweigeschossigem Satteldach abgezimmert. Mit dem Wohnteil giebelständig zur nördlich verlaufenden Straße ausgerichtet, steht der zweigeschossige Baukörper weit abgesetzt davon.
Innerer Aufbau/Grundriss/
Zonierung:
keine Angaben
Vorgefundener Zustand (z.B. Schäden, Vorzustand):
keine Angaben
Bestand/Ausstattung:
keine Angaben

Konstruktionen

Konstruktionsdetail:
  • Mischbau
    • Innenwand aus Holz
    • Obergeschoss(e) aus Holz
    • Unterbau aus Stein (gestelzt)
  • Verwendete Materialien
    • Backstein
  • Dachgerüst Grundsystem
    • Sparrendach, q. geb. mit liegendem Stuhl
  • Dachgerüst, verstärkende Einbauten
    • Stehende und geneigte Quer- und Längsbünde
Konstruktion/Material:
Das Dachwerk
Vorbehaltlich des weitgehend verkleideten Zustandes handelt es sich bei dem über dem Fachwerkstock abgezimmerten Dachwerk um ein quer eingebundenes, in die Dachbalken zapfendes Sparrendach.
Unterstützt werden die Sparrenpaare mit hoher Wahrscheinlichkeit durch liegende und stehende, in quer zum First verlaufende Fachwerkwände eingebundene Querbünde. Diese tragen im 1. Dachgeschoss wohl drei in Firstrichtung verlaufende Rähmhölzer. Die beiden äußeren, die gesamte Dachlänge durchziehenden Rähmhölzer wären dann gleichzeitig Bestandteile der geneigten, unter den Dachflächen liegenden Längsbünde, während das innere Rähmholz die Trennwand unterschiedlich breiter Dachkammern bildet.
Weitere Aussagen zur Konstruktion beziehungsweise Nutzung sind infolge des Ausbauzustandes zur Zeit nicht möglich.

Das Obergeschoss
Sowohl die Außenwände als auch die Innenwände des Obergeschosses bestehen ausschließlich aus Fachwerk. Während die Traufwände auf ihrer gesamten Länge frei liegen, ist der innere Fachwerkaufbau nur lokal einsichtig. Danach bilden das einsehbare Fachwerk und die zum Dachwerk gehörigen Dachbalken eine zimmerungstechnische Einheit. Dieser Befund erlaubt die Aussage, dass sowohl das Dachwerk als auch die Fachwerkkonstruktion des Obergeschosses einer gemeinsamen Zeitstellung angehören. Danach ist sowohl die noch zu erörternde Raumgliederung als auch deren Nutzung weitgehend in die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts zu datieren, wobei nicht auszuschließen ist, dass bei dem Umbau dieser Zeit ältere Nutzungsstrukturen des 16. Jahrhunderts tradiert wurden.
Eine wichtige Ausgangssituation für die Rekonstruktion des bauzeitlichen Grundrisses bilden die an den Fachwerkwänden aufgenommenen Abbundzeichen und auch die übereinstimmenden Lagen von Ständern, Decken- und Dachbalken. Nur dann, wenn diese drei Hölzer zimmerungstechnisch aufeinander abgestimmt sind, kann die Ausführung einer Querwand angenommen werden.
Darauf aufbauend spiegelt der nördliche Wohnteil mit Stube, Kammer und abschließendem Großraum an der Rücktraufe die bauzeitliche Gliederung wieder. Dies gilt mit hoher Wahrscheinlichkeit auch für die an die Stube angrenzende Küche, das mittige Treppenhaus und die eingezogene Kammer.
Aufbauend auf den Abbundzeichen, nach denen es sich bei der Rückwand um die vierte Längsachse handelt, scheint innerhalb der südlichen Zone eine spätere, wohl noch historische Unterteilung vollzogen worden sein.
Zusammenfassend ist davon auszugehen, dass sich im Obergeschoss die bauzeitliche Gliederung vollständig erhalten hat. Dies trifft zumindest partiell auch auf die Stubenausstattung zu.

Das Erdgeschoss
Ausgehend vom angetroffenen Bestand ist das Erdgeschoss in zwei Bereiche zu unterteilen. Im Süden der eingetiefte Keller, im Norden das ebenerdige, vom Nordgiebel und der Osttraufe erschlossene Erdgeschoss. Nach den einsichtigen Mauerstrukturen ist der Keller als ältester Bestand des untersuchten Gebäudes zu werten. Grob in das 16. Jahrhundert zu datieren, ist beziehungsweise war er in Anlehnung an die beiden Längswände zweifach erschlossen, wobei nicht auszuschließen ist, dass der westliche Zugang auf eine im Gebäude angelegte Durchfahrt abgestimmt war. In diesem Sinne sind dann auch die beiden Kellernischen und die Aufreihung der Fensteröffnungen im Zuge der Westwand zu interpretieren.
Eine besondere Beachtung verdienen die beiden in das südliche Giebelmauerwerk integrierten, in Backstein eingefassten und in das Obergeschoss aufsteigenden Schächte. Möglicherweise als Befüllschächte zu interpretieren, deuten sie für den südlichen Obergeschossbereich die Nutzung einer Lagerebene an. Inwieweit die Schächte nach dem großen Umbau im 18. Jahrhundert noch in Gebrauch waren oder ob sie zu diesem Zeitpunkt aufgegeben wurden, bedürfte einer eingehenden Untersuchung.
Sicher ist, dass die beiden Säulen mit ihren Unterzügen dem barocken Umbau angehören, während es sich bei der zusätzlichen Tragachse dazwischen um eine ehemals geschlossene, den Keller später unterteilenden Trennwand handelt.
Umfassend verändert ist der zweite Erdgeschossbereich. Wie im Keller orientiert sich auch hier die Gliederung der Tragwände an den aus dem Obergeschoss resultierenden Lasten, wobei die Bausubstanz im Gegensatz zum Keller weitgehend erneuert ist. Dass in diesem Bereich zur Bauzeit möglicherweise keine Wände, sondern nur freistehende Säulen angeordnet waren, kann über den Restbestand einer erhaltenen Säule vermutet werden. Unter diesem Aspekt ist es also nicht auszuschließen, dass es sich bei dem nördlichen Erdgeschossbereich um eine ehemals offene, durch freistehende Säulen gegliederte Halle handelte, die erst im Verlauf des 19. Jahrhundert durch die Umnutzung zum Stall aufgegeben wurde.

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