Hohes Haus (Schwäbisch Hall)

Datenbank Bauforschung/Restaurierung

Datenbank Bauforschung/Restaurierung

Scheune

ID: 210753281620  /  Datum: 18.04.2020
Datenbestand: Bauforschung und Restaurierung
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Objektdaten

Straße: Conrad-Weiser-Straße
Hausnummer: 6/1
Postleitzahl: 71083
Stadt-Teilort: Herrenberg - Affstätt

Regierungsbezirk: Stuttgart
Kreis: Böblingen (Landkreis)
Wohnplatzschlüssel: 8115021001
Flurstücknummer: keine
Historischer Straßenname: keiner
Historische Gebäudenummer: keine
Lage des Wohnplatzes: Lage des Wohnplatzes

Kartenansicht (OpenStreetMaps)

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Objektbeziehungen

keine

Umbauzuordnung

keine

Weitere Objekte an diesem Wohnplatz

keine

Bauphasen

Kurzbeschreibung der Bau-/Objektgeschichte bzw. Baugestaltungs- und Restaurierungsphasen:

Im Keller der Scheune finden sich Reste einer Vorgängerbebauung, für die eine spätmittelalterliche Datierung denkbar scheint. Der Keller wurde später nach Norden verlängert und erhielt damit verbunden eine vollständige Neueinwölbung. Die Mauerwerksfaktur aus grob gearbeiteten Sandsteinhausteinen mit Ausspickungen ist typisch für Mauerwerke des späten 15. bis 18. Jahrhunderts.
In Ermangelung einer genaueren Datierung wird die ältere Bauphase in Anlehnung an die im Fachwerk wiederverwendeten Hölzer in den Plänen als spätmittelalterlich bezeichnet, die Jüngere als Bauphase des 16.- 18. Jahrhundert.

1829 erfolgte ein vollständiger Neubau der Scheune. Für den Neuabbund des Fachwerkgefüges wurden zahlreiche Hölzer in Zweitverwendung verbaut, die zum Teil aus dem Spätmittelalter bzw. aus dem 16. Jahrhundert stammen.
Der Keller wurde mit dem Neubau eingekürzt, indem neue Schildwände auf der Nord- und Südseite unter das vorhandene Gewölbe gesetzt wurden. Mit der nördlichen Schildmauer wurde ein neuer Kellertreppenhals aufgebaut

Im späteren Verlauf des 19. Jahrhunderts erfolgte der Einbau von Deckenbalkenlagen über dem EG und dem OG als Ergänzung der bisherigen Konstruktion mit Stichgebälk und Wechselbalken. In die Südwand der Tenne wurde ein größeres zweiflügliges Tor an Stelle einer kleinen bauzeitlichen Tür eingefügt.
Die Deckenbalkenlage über der Remise in der östlichen Querzone wurde 30 cm tiefer gelegt.
Schließlich ist noch der Einbau einer Treppe vom EG ins 2. DG zu erwähnen.

Im 20. Jahrhundert fanden mehrere Umbauten statt. An der Südseite der Scheuer wurde ein abgestrebtes Vordach eingebaut. Im Zuge der zunehmenden Mechanisierung der Landwirtschaft in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde schließlich im EG ein Teil der Bundwand zwischen Tenne und Bern herausgebrochen und damit für landwirtschaftliche Fahrzeuge zugänglich gemacht.

2020 erfolgte der Abbruch der Scheune.


1. Bauphase:
(1350 - 1500)
Vorgängerbebauung, in Resten im Keller vorhanden
Betroffene Gebäudeteile:
Betroffene Gebäudeteile
  • Untergeschoss(e)
Konstruktionsdetail:
  • Decken
    • Balkendecke

2. Bauphase:
(1490 - 1799)
Erweiterung des Kellers nach Norden
Betroffene Gebäudeteile:
Betroffene Gebäudeteile
  • Untergeschoss(e)
Konstruktionsdetail:
  • Gewölbe
    • Tonnengewölbe
  • Steinbau Mauerwerk
    • Werkstein

3. Bauphase:
(1829)
Neubau der Scheune; für den Neuabbund des Fachwerkgefüges wurden zahlreiche Hölzer in Zweitverwendung verbaut. Die Hölzer sind teils spätmittelalterlich, mit gebohrten Stakenlöchern für Lehmflechtwerkausfachungen und Blattsassen, teils sind es Hölzer mit gezapften Fachwerkverbindungen und Nuten für eingeschleifte Flechtwerkstaken, wie sie seit dem 16. Jahrhundert üblich sind. Die beobachteten Hölzer lassen keine Rückschlüsse auf die vormalige Konstruktion ihrer Herkunftshäuser zu.
Einkürzung des Kellers durch neue Schildwände auf der Nord- und Südseite unter vorhandenem Gewölbe, Aufbau Kellertreppenhals mit nördlichen Schildmauer.
Betroffene Gebäudeteile:
Betroffene Gebäudeteile
  • Erdgeschoss
  • Obergeschoss(e)
  • Dachgeschoss(e)
  • Untergeschoss(e)
  • Ausstattung
Konstruktionsdetail:
  • Holzgerüstbau
    • allgemein
  • Wandfüllung/-verschalung/-verkleidung
    • Flechtwerk

4. Bauphase:
(1875 - 1899)
Einbau von Deckenbalkenlagen über dem EG und dem OG als Ergänzung der bisherigen Konstruktion mit Stichgebälk und Wechselbalken.
Betroffene Gebäudeteile:
Betroffene Gebäudeteile
  • Erdgeschoss
  • Obergeschoss(e)
Konstruktionsdetail:
  • Decken
    • Balkendecke

5. Bauphase:
(1900 - 1999)
Umbauten: abgestrebtes Vordach an der Südseite, in der 2. Hälfte des 20. Jh. Ausbruch ein Teil der Bundwand zwischen Tenne und Bern im EG.
Betroffene Gebäudeteile:
Betroffene Gebäudeteile
  • Erdgeschoss
  • Anbau
Konstruktionsdetail:
  • Detail (Dach)
    • Vordach

6. Bauphase:
(2020)
Abbruch
Betroffene Gebäudeteile:
keine

Besitzer

keine Angaben

Weiterer Datenbestand LAD

Die im Landesamt für Denkmalpflege vorhandenen Datenbestände der Restaurierung sind mit dem vorangestellten braunen Kästchen gekennzeichnet. Mit lila Kästchen versehene Objekte verweisen auf vorhandene Datenbestände der Bauforschung.
keines

Fotos

Abbildungsnachweis
Affstätt, Conrad-Weiser-Straße 6/1
Nordansicht / Scheune in 71083 Herrenberg - Affstätt (14.04.2020 - Michael Hermann)
Abbildungsnachweis
Affstätt, Conrad-Weiser-Straße 6/1
Torsturz. / Scheune in 71083 Herrenberg - Affstätt (14.04.2020 - Michael Hermann)

Zugeordnete Dokumentationen

  • Bauaufnahme
  • Fotodokumentation

Beschreibung

Umgebung, Lage:
Die Scheune steht zurückgesetzt an der Südseite der Conrad-Weiser-Straße. Die traufständig zur Straße stehende Scheune bildete offenbar zusammen mit dem giebelständig an der Straße stehenden Wohnhaus Conrad-Weiser-Straße 8 eine Hofstelle, das Wohnhaus ist mit dem Monogramm IGF 1820 versehen, wurde also ebenfalls Johann Gebhardt Felder erbaut. Die Urkarte von 1830 (Bild rechts) zeigt auf der Hofstelle noch ein weiteres größeres Gebäude, bei dem es sich vermutlich um das ursprüngliche Wohnhaus des Hofs gehandelt hat. An die Scheune sind westlich zwei weitere Scheunen mit geringem Abstand angebaut. Auch auf der Ostseite war eine inschriftlich auf 1876 datierte Scheune angebaut, die aber bereits in den 1990er Jahren abgebrochen wurde.
Lagedetail:
  • Siedlung
    • Dorf
Bauwerkstyp:
  • Ländl./ landwirtschaftl. Bauten/ städtische Nebengeb.
    • Scheune
Baukörper/Objektform (Kurzbeschreibung):
Die untersuchte Scheune ist ein zweistöckiger Riegelbau mit dreistöckigem Satteldach. Auffälliges Merkmal ist das weit auskragende bauzeitliche Vordach auf der Nordseite. Auch auf der Südseite befindet sich ein abgestrebtes Vordach, das jedoch nachträglich im 20. Jahrhundert angebracht wurde. Bauzeitlich kragt dagegen auch hier die Deckenbalkenlage über dem Erdgeschoss 50 cm aus. Wahrscheinlich war hier ein Klebdach ausgebildet. Der naheliegende Gedanke, dass es sich hier um den Dachüberstand einer ursprünglichen Dachbalkenlage handelt und das Obergeschoss eine nachträgliche Aufstockung sein könnte, hat sich nicht bestätigt, da sich auf der Oberseite der überstehenden Deckenbalken keine Zapflöcher für Sparren und Aufschieblinge befinden. Zudem sprechen auch die einheitlichen und konsistenten Abbundzeichen im ganzen Gebäude gegen diese Überlegung.
Innerer Aufbau/Grundriss/
Zonierung:
Die innere Gliederung der Scheune ist in drei Querzonen und drei Längszonen unterteilt, im 1. DG aber nur noch zwei Längszonen. Die mittlere Querzone nimmt die Tenne ein, die westliche Querzone ist der Barn und in der östlichen Querzone befindet sich ein Remisenfach. Die westliche Querzone ist zudem mit einer Gewölbetonne unterkellert, wobei der Kellertreppenhals vor der Nordfassade vorsteht. Vom Kellertreppenhals zweigt eine bauzeitliche schmale Kellertreppe ab, die in die Tenne führt.
In der Tenne wurde nachträglich ein zweites Heuaufzugsloch eingebaut, was auf eine zeitweilige Teilung der Scheune hindeutet. Das 2. DG wurde im späten 19. Jahrhundert von der übrigen Scheune separiert und mit einem durchgehenden festen Bodenbelag versehen. Die Erschließung des 2. DG erfolgte seither über eine Außentreppe entlang der Nordfassade ins OG und von dort über eine lange Innentreppe entlang des Westgiebels ins 2. DG.
Vorgefundener Zustand (z.B. Schäden, Vorzustand):
Der Gebäudeunterhalt war zuletzt sehr vernachlässigt. Dies führte zu zahlreichen Fehlstellen in der Dachdeckung und in der Folge zu Feuchteschäden im Innern. Dabei wurden aber überwiegend nur die Bodenbeläge zerstört. Feuchteschäden am Fachwerk sind nur punktuell in geringem Umfang zu beobachten. Hervorzuheben ist die weitestgehend vollständig erhaltene Bausubstanz der Neubauphase 1829.
2020 erfolgte der Abbruch der Scheune.
Bestand/Ausstattung:
An historischer Ausstattung ist insbesondere das farbig gefasste Wendebohlentor und der Torsturz mit aufgemalter Bauinschrift zu erwähnen, ferner die beiden Heulochleitern.

Konstruktionen

Konstruktionsdetail:
  • Detail (Dach)
    • Vordach
  • Dachform
    • Satteldach
  • Holzgerüstbau
    • allgemein
  • Steinbau Mauerwerk
    • Werkstein
  • Gewölbe
    • Tonnengewölbe
Konstruktion/Material:
Von der Vorgängerbebauung zweier Bauphasen sind im Keller die beiden Sargwände einer älteren Bauphase zu sehen, die etwa 0,9 bzw. 1,3 m vor der Kellernordwand mit einer Abbruchkante enden. Das Mauerwerk aus hammerrechten Sandsteinquadern ist weitgehend ohne Ausspickungen gefertigt. Eine spätmittelalterliche Datierung scheint denkbar, lässt sich aber nicht nachweisen.
An die Abbruchkante der älteren Bauphase schließt der weitere Verlauf der Sargwände mit einer stumpfen Baunaht an. Die Baunaht setzt sich jedoch nicht im Gewölbe fort. Dies zeigt, dass die jüngere Baunaht eine Verlängerung des Kellers nach Norden und damit verbunden eine vollständige Neueinwölbung des Kellers umfasst. Die Mauerwerksfaktur ist annähernd lagig aus grob gearbeiteten Sandsteinhausteinen mit Ausspickungen in den Fugen. Solche Mauerwerke finden sich ab dem späten 15. bis ins 18. Jahrhundert.

Für den Neuabbund des Fachwerkgefüges 1829 (i) wurden zahlreiche Hölzer in Zweitverwendung verbaut. Die Hölzer sind teils spätmittelalterlich, mit gebohrten Stakenlöchern für Lehmflechtwerkausfachungen und Blattsassen, teils sind es Hölzer mit gezapften Fachwerkverbindungen und Nuten für eingeschleifte Flechtwerkstaken, wie sie seit dem 16. Jahrhundert üblich sind. Die beobachteten Hölzer lassen keine Rückschlüsse auf die vormalige Konstruktion ihrer Herkunftshäuser zu.
Der Keller wurde mit dem Neubau 1829 eingekürzt, indem neue Schildwände auf der Nord- und Südseite unter das vorhandene Gewölbe gesetzt wurden.

Über dem EG und dem OG zeigen sich seit dem späten 19. Jh. die Deckenbalkenlagen als Ergänzung der bisherigen Konstruktion mit Stichgebälk und Wechselbalken.

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