Kloster Bebenhausen (ehem. Holz- und Chaisenremise)

Datenbank Bauforschung/Restaurierung

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Farrenstall

ID: 185747802710  /  Datum: 04.10.2016
Datenbestand: Bauforschung und Restaurierung
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Objektdaten

Straße: Hauptstraße
Hausnummer: 35
Postleitzahl: 72147
Stadt-Teilort: Nehren

Regierungsbezirk: Tübingen
Kreis: Tübingen (Landkreis)
Wohnplatzschlüssel: 8416026001
Flurstücknummer: keine
Historischer Straßenname: keiner
Historische Gebäudenummer: keine
Lage des Wohnplatzes: Lage des Wohnplatzes
Geo-Koordinaten: 48,4328° nördliche Breite, 9,0678° östliche Länge

Kartenansicht (OpenStreetMaps)

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Objektbeziehungen

keine

Umbauzuordnung

keine

Weitere Objekte an diesem Wohnplatz

Ev. Veitskirche (72147 Nehren, Hauchlinger Straße 30)
Ev. Veitskirche, Kirchturm, Hauchlinger Straße 30 (72147 Nehren)

Bauphasen

1. Bauphase:
(1726 - 1727)
Der ursprünglichen Erbauungszeit ist im Erdgeschoss die westlichen Traufwand und die Bundständer zuzurechnen.
Die Wand ist mit einer charakteristischen Bruchsteinausfachung und sehr regelhaftem Fachwerkgefüge ausgestattet. Auch das Dachwerk gehört in seiner Grundkonstruktion mit dem zweifachen liegenden Stuhl in die erste Bauphase.
Betroffene Gebäudeteile:
keine

2. Bauphase:
(1773 - 1774)
In einer ersten Reparaturphase wurde die Decke im südöstlichen Bereich durch ein Ständergerüst verstärkt.
Betroffene Gebäudeteile:
keine

3. Bauphase:
(1890)
In der dritten Bauphase wurden die Giebelwände und Teile der östlichen Traufwand erneuert. Das Fachwerkgefüge ist regelhaft, die Ausfachungen sind teils offensichtlich in Zweitverwendung eingebaut. Die Mörtel-Bruchstein-Mischung wirkt sehr heterogen. Zu dem Umbau gehören in der nördlichen Giebelwand auch die nachträglich eingefügte Tür, das Scheunentor und die Ladeluke im Dachgeschoss.
Betroffene Gebäudeteile:
keine

4. Bauphase:
(1904)
Im letzten Schritt wurde der Farrenstall eingebaut, dessen Quadermauerwerk, Fenster und wandfeste Ausstattung bis heute deutlich ablesbar sind. Zu dieser Phase gehört auch die preußische Kappendecke mit den Eisenträgern.
Im Dachgeschoss wurde der Wohnraum eingebaut und die Treppe am Südende eingefügt. Die Detaillierung der Treppe und der Fenster fügen sich nahtlos in die Zeit um 1900.
Betroffene Gebäudeteile:
keine

Besitzer

keine Angaben

Weiterer Datenbestand LAD

Die im Landesamt für Denkmalpflege vorhandenen Datenbestände der Restaurierung sind mit dem vorangestellten braunen Kästchen gekennzeichnet. Mit lila Kästchen versehene Objekte verweisen auf vorhandene Datenbestände der Bauforschung.
keines

Fotos

Abbildungsnachweis
Farrenstall in 72147 Nehren (strebewerk. Architekten GmbH)

Zugeordnete Dokumentationen

  • Bauaufnahme, fotografische Dokumentation, bauhistorischer Bericht, dendrochronologische Datierung und Schadensuntersuchung

Beschreibung

Umgebung, Lage:
Der Ort Nehren wird 1088 erstmals anlässlich der Übergabe der Besitztümer des Hermann von Meringen an das Kloster St. Georgen sichtbar. In dem nur wenig später datierenden Gütertausch des Hesso von First wird das Dorf Nero erwähnt und spätestens ab 1191 ist der Ortsname Neeren verbrieft. Mehrfache Herrschaftswechsel und die 1504 vollzogene Vereinigung mit dem Dorf Hauchlingen charakterisieren die Dorfgeschichte. Im 17. Jh. forderten Kriege und Krankheiten etliche Opfer, sodass die Dorfbevölkerung 1622 und 1645 von fast 500 auf 202 Einwohner dezimiert wurde. 1800 zählte das Dorf 1056 Einwohner und war demnach in nur einem guten Jahrhundert massiv gewachsen.
Der ehem. Farrenstall befindet sich an der Hauptstraße im Mittelbereich des Straßendorfs Nehren. Das Gebäudeensemble befindet sich in unmittelbarer Nähe einer Straßenkreuzung. Die traufständige Scheune besetzt die Straßenflucht zur Hauptstraße.
Lagedetail:
keine Angaben
Bauwerkstyp:
keine Angaben
Baukörper/Objektform (Kurzbeschreibung):
Kubatur des aktuellen Zustands
Das historische Scheunengebäude präsentiert sich als kompakter Baukörper auf gedrungen rechteckiger Grundfläche mit steilem Satteldach, das traufständig zur Straße orientiert ist. Die ziegelgedeckte Dachfläche wird nicht von Gauben oder Fenstern gestört.
Innerer Aufbau/Grundriss/
Zonierung:
Grundrissstruktur des aktuellen Zustands
Im Inneren der historischen Scheune finden sich im Erdgeschoss vier Bereiche: Das große Scheunentor auf der Nordseite und die danebenliegende Tür führen in den höheren Bereich der Tenne (0.01). Ein Fenster von Osten belichtet den Bereich. Südlich der Tenne befindet sich der Stalleinbau (0.02), der sich durch die Außenwand aus Tuffstein / Breccie auszeichnet und über zwei Doppelfenster Ostlicht sowie mit zwei einfachen Fenstern Südlicht erhält. Im Zentrum des Südteils liegt die Treppe (0.03), die ein Fenster nach Süden hat. Die Holztreppe ist stilistisch einer Bauzeit um die Jahrhundertwende zum 20. Jh. zuzuweisen. Der westliche Bereich unter der niedrigeren Zwischendecke des Barns (0.04) zieht sich über Dreiviertel der gesamten Gebäudelänge. Bemerkenswert ist die trichterförmige Fütterungsschütte, die vom oberen Bereich des Barns direkt zum Stall führt und sich in Raum 0.04 als schräges Volumen abzeichnet. Von innen ist kein Fenster sichtbar, lediglich ein Klappladen nach Westen.
Der nördliche Bereich weist keine Zwischendecke auf und wird, hinsichtlich des Raumgefüges, dem Eingangsbereich bzw. der Tenne (0.01) zugeschlagen.
Das Obergeschoss ist ähnlich gegliedert: Raum 1.01 nimmt die Nordostecke ein (höheres Bodenniveau oberhalb der Tenne), der abgetrennte Kontor- bzw. Wohnraum (1.02) liegt in der Südostecke. Ersterer weist eine Ladeluke mit Klappladen in der nördlichen Giebelwand auf, letzteren belichtet ein Doppelfenster in der südlichen Giebelwand.
Die Fenster mit Eckwinkelbändern, schmiedeeisernen Stützkloben und Vorreiber-Verschlüssen lassen sich stilistisch auf die Zeit um 1900 datieren. Bemerkenswert ist das Heizsystem mit der Bodenöffnung für die Abwärmenutzung aus dem darunterliegenden Stall. Die Öffnung lässt sich mit einem Schieber verschließen. Im Zentrum des Südteils liegt auch im Obergeschoss die Treppe (1.03). Der westliche Bereich des Barns (1.04) liegt niedriger als der Bereich über der Tenne bzw. oberhalb des Stalls. Die Schüttöffnung zum Stall ist das dominierende Element. Eine Treppe führt in das Erdgeschoss und auf das obere Niveau.
Der Dachraum darüber ist offen.

Fassadengliederung und -gestaltung des aktuellen Zustands
Die nördliche Giebelwand ist vollflächig verputzt und hell gestrichen. Im unteren Bereich nimmt das zweiflügelige Scheunentor mit eingebauter Tür fast den gesamt freistehenden Ostteil ein. Hervorzuheben sind die historischen schmiedeeisernen Langbänder auf den vertikal verbretterten Flügeln. Rechts daneben befindet sich eine Tür, über dem Tor eine schmale Ladeluke mit Bretterladen. Im Giebeldreieck unmittelbar am First zeigt sich ein Eulenloch mit Bretterladen.
Die östliche Traufseite zeigt sich heterogen. Im unteren Bereich springt die Natursteinwand des Sockels hervor.
Sie ist verputzt und grau gestrichen. Der nördliche Teil der aufgehenden Wand ist als Fachwerkkonstruktion errichtet und vollflächig verputzt und mit einem hellen Anstrich versehen. Hier befindet sich ein Doppelfenster mit segmentbogigem Sturz und auskragender Sohlbank. Die Flügel sind durch Holz-Sprossen in insgesamt 6 Lichter geteilt. Der südliche Fassadenbereich zeigt sich als Quadermauerwerk aus Tuffstein / Breccie mit typischer poriger Oberfläche und manifestiert den Farrenstall auch auf der Außenseite des Gebäudes. Zwei segmentbogige Doppelfenster mit Metall-Sprossen (12 Lichter) und Lüftungselement finden sich in diesem Bereich. Ganz oben läuft ein verputzter Streifen über die gesamte Gebäudelänge durch. Als Abschluss findet sich ein Kastengesims entlang der Traufe.
Auf der südlichen Giebelfassade zieht sich die Natursteinwand des Stalls um die Ecke. Zwei einzelne Segmentbogenfenster, gleich den östlichen mit der Zwölfteilung durch Metall-Sprossen, belichten den Stall. Die restliche Fassade ist flächig verputzt und hell gestrichen. Im Erdgeschoss ist ein zentrales Fenster für die Treppe, im Obergeschoss ein Doppelfenster und ein Treppenfenster angeordnet. Alle genannten Fenster sind als Galgenfenster mit Drehflügeln aus Holz ausgebildet. Eine Sprossenteilung findet sich nicht.
Die westliche Traufseite ist als Putzfassade mit einem einzigen kleinen Fenster im zentralen Erdgeschossbereich ausgebildet. Ein Kastengesims schließt die Wandfläche nach oben hin ab.
Vorgefundener Zustand (z.B. Schäden, Vorzustand):
keine Angaben
Bestand/Ausstattung:
keine Angaben

Konstruktionen

Konstruktionsdetail:
keine Angaben
Konstruktion/Material:
Traufgerüst
Der Ursprungsbau von 1727 (d)
Das Traufgerüst stellt heute ein Konglomerat aus Bauteilen unterschiedlichster Bauphasen dar. Die 1727 (d) und 1890 (d) errichteten Teile sind in Holzgerüstbauweise mit massiv ausgefachten Fachwerkwänden ausgeführt, während die Bestandteile des 1904 (a) eingebauten Farrenstalls durchweg aus massivem Quadermauerwerk aus Tuffstein bzw. Breccie bestehen.
Der Grundriss des Traufgerüsts von 1727 (d) ist in drei Längs- und vier Querzonen gegliedert. Die östliche Längszone ist dabei auffallend breiter angelegt, wie die beiden westlichen. Damit reagiert bereits der Grundriss des Gebäudes auf die bauliche Sonderstellung als ein an der Schmalseite erschlossener Scheunenbau, dessen westlicher Teil der Schmalseite offenbar schon zur Bauzeit von einem Gebäude verstellt war und eine Erschließung über die Mittellängszone daher nicht in Frage kam.
Der westliche Außenbund besitzt als letzter bauzeitlicher Außenbund noch sein dreifach verriegeltes, wandhohes Ständergerüst, das durch wandhohe Feldstreben in alternierender Ansteigrichtung ausgesteift ist. Streben und Riegel sind miteinander verschränkt abgezimmert, sodass die Riegel von Bund- zu Feldständer durchlaufen. Die unterste Riegelkette ist so tief angesetzt, dass sie auf den ersten Blick wie ein Schwellriegelverband erscheint - wären nicht die Bund- und Feldständer auf einer unmittelbar darunter verlaufenden Schwelle aufgezapft. Die Schwelle selbst ist auf einer auffällig hohen Schwellmauer verlegt.
Anhand der drei Bundständer des westlichen Längsbundes ist der Aufbau der inneren Längsbünde gut ablesbar und gibt eine Abfolge von ehemaligen Freistützen zu erkennen, die auf Steinsockeln gegründet sind. Die erhaltenen Bundständer sind innerhalb der beiden westlichen Längszonen längs und quer durch Riegel miteinander verbunden. Die auf halber Ständerhöhe eingezapften Längsriegel dienten in den drei südlichen Querzonen zugleich als Geschossriegel für eine sicher bauzeitliche Deckenbalkenlage. Die spärliche Aussteifung erfolgte in die Längs- und Querbünden durch Kopfstreben an den Bundständern der Außenwände. Die als Tenne dienende östliche Längszone ist zwar stark umgebaut, dürfte aber einen Traufhohen Raum ohne versperrende Aussteifungshölzer beinhaltet haben.
Die Ausfachung der Außenwände besteht aus Bruchsteinmauerwerk.

Umbau 1890 (d)
1890 (d) wurde nachweislich der dendrochronologischen Untersuchung die nördliche Giebelwand vollständig neu errichtet. Aufgrund der Ausformung des Fachwerks ist davon auszugehen, dass in diesem Zusammenhang auch die südliche Giebelseite sowie der nördliche Teil der östlichen Traufwand ausgewechselt wurden. Gefügetechnisch unterscheiden sich die Bauteile von 1890 von der Ursprungskonstruktion in der Ausformung der Riegelketten, die nun nicht mehr mit den Streben verschränkt sind, sondern die Riegel in sämtliche vertikal und schräg verlaufenden Hölzer gezapft wurden.
Die Gefachfüllungen von 1890 bestehen wie beim Ursprungsgefüge aus Bruchsteinmauerwerk.

Einbau des Farrenstalls mit darüber liegender Kammer 1904 (a)
Während die Fachwerkkonstruktion der 1904 neu hinzugefügten Teile technisch jener von 1890 ähnelt, sind die neuen Wände leicht an der Ausfachung mit Leichtbeton-Steinen zu unterscheiden.
Die Wände des Farrenstalls sind als massive Quadermauern aus Tuffstein bzw. Breccie ausgeführt. In dieser Form zeigt sich auch das Sockelmauerwerk im südlichen Teil der östlichen Traufseite.

Decken und Böden
Im Erdgeschoss wechselt das Material zwischen Stampfboden (Barn), Natursteinplatten (Tenne) und Pflastersteinen bzw. Estrich im Stall. Barn und Tenne werden von eine Balkendecke mit aufliegender Dielung überspannt, die sich im Osten auf einem höheren Niveau befindet als im Westen. Der Stall zeichnet sich durch eine Preußische Kappendecke mit verputzten Ziegelkappen zwischen Eisenträgern aus.
Im Obergeschoss dient die Dielung der Erdgeschossdecke als Bodenbelag. Der Dachstuhl darüber ist offen angelegt.

Dachgerüst
Die Dachkonstruktion ist als Sparrendach konzipiert, das sich aus insgesamt 18 Gespärren zusammensetzt. Dabei stehen den 13 offenen Gespärre nur fünf geschlossene Bundgespärre gegenüber. Die Sparren der offenen Gespärre sind am Fußpunkt Stichbalken aufgezapft, die wiederum in zwischen die Bunddachbalken gezapfte Wechselbalken einzapfen. Die Länge der Stichbalken der Ost- und Westseite unterscheiden sich beträchtlich, da die östlichen Stichbalken das Gebälk über der Tenne bilden, während die Stichbalken über der westlichen Barnzone kurz gehalten wurden, damit man das Heu oder Stroh von der in den beiden westlichen Längszonen auf halber Geschosshöhe eingezogenen Decke aus bis in den Dachraum ungehindert aufschichten konnte.
Die Gespärre werden im ersten Dachgeschoss durch eine Kombination aus zweifach liegendem und einfach in der Firstachse stehenden Stuhl in den inneren Querbünden und einem dreifach stehenden Stuhl in den Giebelbünden unterstützt und ausgesteift. Im zweiten Dachgeschoss wurde auf den stehenden Längsbund verzichtet, so dass sich hier eine Kombination aus zweifach liegendem Stuhl in den inneren Querbünden und zweifach stehendem Stuhl in den Dachgiebeln vorfindet.
Die Stuhlstreben sind durch Druckriegel miteinander verbunden, d.h. die Stuhlständer des mittelachsig stehenden Stuhles sind unter die Druckriegel gezapft. Die Queraussteifung der Stuhlstreben erfolgt durch Kopfstreben.
Bei den Stuhlständern der inneren Querbünde wurde auf eine Queraussteifung verzichtet. Sie erhielten (wie die Stuhlständer der Giebelseiten) eine Längsaussteifung aus einfachen Kopfstreben – interessanterweise aber nur in südlicher Ausrichtung.
Der Stuhlstrebenlängsverband besteht im 1. DG bei allen Stuhlstreben aus Fußstrebenpaaren. Sie sind wie die Stuhlstreben den Stuhlschwellen aufgezapft und überschränken die Mittelriegel, die zwischen die Stuhlstreben gezapft sind. Da im 2. DG keine Stuhlschwellen angelegt wurden, erfolgt die Längsaussteifung der Stuhlstreben hier nur mittels Kopfstreben.
Die Dachbalken laufen nur auf der Ostseite bis zu einem Mittelunterzug durch, auf der Westseite findet sich ein Wechsel mit Stichgebälk, da das Deckenniveau deutlich nach unten verlegt wurde. Zwischen Druckriegel und Kehlbalken des ersten liegenden Stuhls ist ein Mittelunterzug eingekämmt, der im oberen liegenden Stuhl fehlt.

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