Hohes Haus (Schwäbisch Hall)

Datenbank Bauforschung/Restaurierung

Datenbank Bauforschung/Restaurierung

Stadtmauer am Seeturm

ID: 171316049116  /  Datum: 24.06.2008
Datenbestand: Bauforschung
Als PDF herunterladen:
Alle Inhalte dieser Seite: /

Objektdaten

Straße: Torgasse, Seeturm
Hausnummer: keine
Postleitzahl: 97996
Stadt: Niederstetten
Regierungsbezirk: Stuttgart
Kreis: Main-Tauber-Kreis (Landkreis)
Gemeinde: Niederstetten
Wohnplatz: Niederstetten
Wohnplatzschlüssel: 8128082016
Flurstücknummer: keine
Historischer Straßenname: keiner
Historische Gebäudenummer: keine
Lage des Wohnplatzes: Lage des Wohnplatzes

Kartenansicht (OpenStreetMaps)

Objektbeziehungen

keine

Umbauzuordnung

keine

Weitere Objekte an diesem Wohnplatz

Heimatmuseum (97996 Niederstetten, Bahnhofstraße 10)
Heimatmuseum (bzw. Nebengebäude) (97996 Niederstetten, Bahnhofstraße 15 (?))
Wohnhaus (Torhaus), Erbsengasse 1 (97996 Niederstetten)

Bauphasen

Kurzbeschreibung der Bau-/Objektgeschichte bzw. Baugestaltungs- und Restaurierungsphasen:

Eine erste Stadtmauer auf dem Torgasse-Seeturm-Areal wurde um 1500 errichtet. In der Mitte des 16. Jahrhunderts entstand der Seeturm als eine eigenständige Bauaktion.
Zur statischen Sicherung wurde im Juli 1997 die heutige Stadtmauer abschnittsweise im Fundamentbereich freigelegt bzw. unterfangen. Dabei wurde eine Pfahlgründung festgestellt, die in Zusammenhang mit dem feuchten Untergrund zu sehen ist. Zwei Pfähle wurden zur dendrochronologischen Untersuchung entnommen. Diese erbrachte jedoch kein Ergebnis, da die entnommenen Pfähle nur 6-7 Wachstumsringe aufweisen und daher mangels Masse nicht datierbar sind. Die Veränderung des Stadtmauerverlaufs wird jedoch um 1600 vermutet.


1. Bauphase:
(1475 - 1525)
Die Dreiphasigkeit der Stadtbefestigung im Bereich des Seeturm-Torgasse-Areals hat sich bestätigt.
Um 1500 wird eine erste, polygonal mehrfach gebrochene Stadtmauer errichtet. Diese steht auf einem Begehungshorizont und geringen Aufplanierungen des Areals. Im Gegensatz zur späteren Veränderungsphase der Stadtmauer besaß diese Mauer keine Pfahlgründung, wie es sich für den wenig stabilen Untergrund anbieten würde. Deshalb eintretende Bauschäden könnten der Grund für die spätere Umbauaktion gewesen sein. (gk)
Betroffene Gebäudeteile:
keine
Bauwerkstyp:
  • Befestigung- und Verteidigungsanlagen
    • Stadtbefestigung, allgemein
    • Stadtmauer

2. Bauphase:
(1550 - 1625)
Um die Mitte des 16. Jahrhunderts entsteht der Seeturm als eigenständige Bauaktion. Dieser ist wesentlich tiefer fundamentiert als die ältere Stadtmauer, was auf Erfahrungen mit dem unsicheren Baugrund zurückzuführen sein dürfte. Laut dem geologischen Gutachten befinden wir uns hier in einer ehemaligen Aue- bzw. Überschwemmungszone der Vorbach.
Um oder etwas nach 1600 wird der Stadtmauerverlauf nochmals verändert. Dieses Mauerstück besitzt eine Pfahlgründung. Diese ist konstruktiv mit Gurtbögen über punktuellen Pfahlgründungen recht aufwendig ausgeführt. (gk)
Betroffene Gebäudeteile:
keine
Bauwerkstyp:
  • Befestigung- und Verteidigungsanlagen
    • Turm

3. Bauphase:
(1600 - 1699)
Zu dem im Untersuchungsbericht zum ersten Untersuchungsabschnitt angesprochenen Töpferbetrieb des 17. Jahrhunderts, der über seinen keramischen Abfall in der näheren Umgebung vermutet werden darf, konnten keine weiterführenden Funde gemacht werden.
Ein Fundkomplex mit viel Keramik aus dem Bereich des Seeturms aus dem 17. Jh. gibt Hinweise auf die Nähe einer Töpferei. Die Lage der vermuteten Töpferei wird östlich des untersuchten Areals gegen, bzw. an der Hauptstraße angenommen. Die Existenz einer Töpferei im hier untersuchten Gebiet, das vor Errichtung der Stadtmauer als Überschwemmungszone der Vorbach ausgewiesen ist, kann ausgeschlossen werden.
Die Keramikfunde lassen eine zukünftige genaue Lokalisierung dieses Töpfereibetriebes als sehr wichtig erscheinen. Aktuelle Befunde aus Schwäbisch Hall zeigen, dass hier eine hochmittelalterliche Töpferei ursprünglich außerhalb der Stadtmauern produziert hat und erst später im Laufe des 14. Jahrhunderts in den sich erweiternden Stadtmauerring miteinbezogen worden war. Die Ausübung des Töpfereihandwerks kann hier anhand des Fundmaterials vom 13. bis in 16. / 17. Jahrhundert verfolgt werden. Stadtgeschichtlich bemerkenswert ist, dass sich die Töpferei in Besitz einer dem Haller Stadtadel angehörenden Familie befunden hat. Nicht zuletzt dokumentieren gerade diese Besitzerverhältnisse Begründungszusammenhänge für städtebauliche Entwicklungen im Mittelalter und zeigen Bezüge zwischen wirtschaftshistorischen Zuständen, politischen Ereignissen und städtebaulichen Konsequenzen auf.
Möglicherweise hat sich ein solcher Prozess in Niederstetten ähnlich abgespielt. Hier wäre ein Töpfereibetrieb an der nach Süden führenden Straße, außerhalb des Stadtgebiets des 14. Jahrhunderts zu vermuten, der schon viel früher produziert hat, als das bisher bekannte Fundmaterial vermuten lässt. Die Töpferei könnte dann erst im Laufe des 16. Jahrhunderts mit Erweiterung des Stadtgürtels in die eigentliche Stadtfläche integriert worden sein. (gk)
Betroffene Gebäudeteile:
keine
Bauwerkstyp:
  • Gewerbe- und Industriebauten
    • Hafnerei/Töpferei

Besitzer

keine Angaben

Fotos

Stadtmauer am Seeturm, von Norden. / Stadtmauer am Seeturm in 97996 Niederstetten
Seeturm, Nordseite, mit Resten der Verzahnung der älteren Stadtmauer. / Stadtmauer am Seeturm in 97996 Niederstetten

Zugeordnete Dokumentationen

  • Archäologische und baugeschichtliche Befundaufnahme

Beschreibung

Umgebung, Lage:
Die Stadtmauer befindet sich in dem Torgasse-Seeturm-Areal, in der Nähe zur Alten Turnhalle.
Lagedetail:
  • Siedlung
    • Stadt
Bauwerkstyp:
  • Befestigung- und Verteidigungsanlagen
    • Stadtbefestigung, allgemein
    • Stadtmauer
    • Turm
Baukörper/Objektform (Kurzbeschreibung):
keine Angaben
Innerer Aufbau/Grundriss/
Zonierung:
keine Angaben
Vorgefundener Zustand (z.B. Schäden, Vorzustand):
Mittelalterliche Bausubstanz ist umfangreich erhalten.
Bestand/Ausstattung:
keine Angaben

Konstruktionen

Konstruktionsdetail:
  • Steinbau Mauerwerk
    • allgemein
Konstruktion/Material:
Das Gründungssystem der heutigen Stadtmauer ist folgendermaßen: Einzelne Pfahlgründungen aus mehreren angespitzten Hölzern denen größere Steine als Punktfragmente aufgelegt wurden. Von Punktfundament zu Punktfundament wurde nun ein Gurtbogen erstellt, auf dem das Streifenfundament der Stadtmauer errichtet worden ist.
Im Zuge der Baumaßnahmen war auch auf der Außenseite der Stadtmauer das Niveau abgegraben worden und die Mauer daher im Fundamentbereich einsehbar:
Anschluss Seeturm - Stadtmauer: Im Norden des Seeturms auf der Außenseite deutlich sichtbare Baufuge vom Dagegensetzen dieses Stadtmauerstücks gegen den Turm.
Die heutige Stadtmauer besteht aus groblagig versetzten Kalkbruch- oder Kalkhausteinen, im Höhenabstand von 1m bis 80 cm waagrechte Ausgleichslagerfugen (abschnittweiser Bauablauf).
Die Stadtmauer besitzt auf der Außenseite einen Versatz im Fundamentbereich. Ungefähr in der Mitte des heute erhaltenen Mauerteils verspringt dieser Versatz um ca. 80 cm. Dies dürfte die Knickstelle des älteren Mauerverlaufs markieren. Die aufgehenden Teile der Stadtmauer mit den Schießscharten stammen ausschließlich aus der jüngeren Phase.
Der in Sondage 1 beobachtete Durchlass durch das Mauerwerk kann auch außen beobachtet werden. Er liegt direkt über dem Fundamentversatz.
Befund zur älteren Stadtmauer: ca. 1,40 m stark, zweischaliges Mauerwerk mit Füllmauerwerk. Zwischen alter und neuer Stadtmauer eine Auffüllschicht aus homogenem, hellbraunem Lehm; keine weiteren Befunde vorhanden.

Quick-Response-Code

qrCode