Bandhaus (Schloß Presteneck)

Datenbank Bauforschung/Restaurierung

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Lagerhaus

ID: 155349074618  /  Datum: 11.07.2016
Datenbestand: Bauforschung und Restaurierung
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Objektdaten

Straße: Lindenstraße
Hausnummer: 24
Postleitzahl: 72351
Stadt: Geislingen
Regierungsbezirk: Tübingen
Kreis: Zollernalbkreis (Landkreis)
Gemeinde: Geislingen
Wohnplatz: Geislingen
Wohnplatzschlüssel: 8417022005
Flurstücknummer: keine
Historischer Straßenname: keiner
Historische Gebäudenummer: keine
Lage des Wohnplatzes: Lage des Wohnplatzes

Kartenansicht (OpenStreetMaps)

Objektbeziehungen

keine

Umbauzuordnung

keine

Weitere Objekte an diesem Wohnplatz

Gasthaus "Harmonie", Bachstraße 29 (72351 Geislingen)
Wohnhaus, Lindenstraße 22 (72351 Geislingen)
Wasserschloss Geislingen, Schloßplatz 5 (72351 Geislingen)
ehem. Fruchtkasten, Schlossstraße 4 (72351 Geislingen)
Zehntscheune (72351 Geislingen, Uhlandstraße 3)
Gasthaus Rössle, abgegangen, Vorstadtstraße 11 (72351 Geislingen)

Bauphasen

Kurzbeschreibung der Bau-/Objektgeschichte bzw. Baugestaltungs- und Restaurierungsphasen:

Im Juli 2014 wurde im Auftrag der Stadt Geislingen das Gebäude Lindenstraße 24 dendrochronologische datiert. Insgesamt fünf Proben wurden entnommen und Hans-Jürgen Bleyer, Metzingen, zur Auswertung übergeben. Vier Proben rühren aus dem Dachwerk her und weisen einheitlich eine Fällung der Hölzer im Winterhalbjahr 1819/1820 auf, sodass von der Abzimmerung im Jahr 1820 ausgegangen werden darf. Eine weitere Probe stammt von einem Ständer des Erdgeschosses und erbrachte eine Fällung im Winter 1840/41.

Die um einen Hofraum angeordneten Gebäude gehen auf das sog. Obere Schloss an dieser Stelle zurück. Davon wurden bereits zwei Gebäude untersucht: Das Hauptgebäude auf der Ostseite, Bachstraße 29, die sog. ‚Harmonie‘ (Bauhistorische Dokumentation vom März 2014 durch Götz Echtenacher und den Verfasser) und das den Hofraum nach Süden abschließende Gebäude Lindenstraße 22, heute ein Wohnhaus, ursprünglich aber ein Wirtschaftsgebäude (dendrochronologische Datierung vom April 2011 durch den Verfasser). In einem 1732 gezeichneten Ortsplan (von Alfons Koch zur Verfügung gestellt) ist das Gebäude als „reytstall“ verzeichnet.
Angetroffen wurde das Gebäude zum größten Teil als Werkstatt und Lager eines Fahrradgeschäfts genutzt. Von außen war an der Dachform erkennbar, dass ein einst etwas niedrigerer Baukörper durch Anheben der Traufen erhöht wurde.


1. Bauphase:
(1819 - 1820)
Abzimmerung des Dachwerkes (d)
Betroffene Gebäudeteile:
Betroffene Gebäudeteile
  • Dachgeschoss(e)

Besitzer

keine Angaben

Zugeordnetes Objekt

keines

Fotos

Abbildungsnachweis
Lagerhaus in 72351 Geislingen (11.07.2016 - Stefan King)

Zugeordnete Dokumentationen

  • Bauhistorische Kurzuntersuchung

Beschreibung

Umgebung, Lage:
keine Angaben
Lagedetail:
  • Siedlung
    • Stadt
Bauwerkstyp:
  • Gewerbe- und Industriebauten
    • Werkstattgebäude
  • Ländl./ landwirtschaftl. Bauten/ städtische Nebengeb.
    • Lagergebäude
    • Stallgebäude
Baukörper/Objektform (Kurzbeschreibung):
keine Angaben
Innerer Aufbau/Grundriss/
Zonierung:
keine Angaben
Vorgefundener Zustand (z.B. Schäden, Vorzustand):
keine Angaben
Bestand/Ausstattung:
keine Angaben

Konstruktionen

Konstruktionsdetail:
  • Mischbau
    • Außenwand aus Stein
    • Innenwand aus Holz
    • Obergeschoss(e) aus Holz
    • Unterbau aus Stein (gestelzt)
  • Verwendete Materialien
    • Backstein
  • Dachgerüst Grundsystem
    • Sparrendach, q. geb. mit liegendem Stuhl
  • Detail (Ausstattung)
    • Wand-, Deckenfassung, Gefachmalerei
  • Dachform
    • Satteldach mit Halbwalm-/Zweidrittelwalm
  • Dachgerüst, verstärkende Einbauten
    • Kehlbalken, Kreuzbänder, Sparrenstreben etc.
    • Unter-, Überzüge, Pfetten
  • Wandfüllung/-verschalung/-verkleidung
    • Lambris/Täfer
Konstruktion/Material:
Das Dachwerk ist mit liegenden Stühlen in zwei Geschossen aufgebaut. Schwellen und Rähme sind der Dachneigung angepasst. Die Aussteifungshölzer sind alle verzapft ausgeführt, in Querrichtung als Kopfstreben mit Versatz am unteren Anschluss an die Stuhlstrebe, in Längsrichtung in der Form von Kopf- und Fußstreben. Auch die Druckriegel zwischen den Stuhlstreben sind mit Versatz angeschlossen. Im 1. Dachgeschoss besitzen die Zwischengespärre nur Stichkehlbalken, die von Wechselbalken abgefangen werden. Hingegen besitzt das 2. Dachgeschoss eine durchgehende Kehlbalkenlage. Die nördliche Schmalseite ist mit einem Halbwalm versehen, dessen Walmsparren auf Stichbalken gegründet sind. Die Südostecke bildet den Bezugsachsenschnittpunkt für das Abbundzeichensystem. Das 1. Dachgeschoss weist zwei Stockwerkskerben auf, wonach auch das Erdgeschoss ohne Stockwerkskerbe als Teil des Gesamtgefüges abgezimmert worden war. Die Bundseitenausrichtung der vom Erdgeschoss ins Dachwerk reichenden Querbinderachsen auf die mittige Querzone lässt im Unterbau dort die frühere Erschließung vermuten.
Mit der südlichen Schmalseite stieß das Gebäude ursprünglich ohne eigene Wandachse an einen damals bestehenden Baukörper an, vermutlich an den westlichen Teil des Dachwerks des heutigen Gebäudes Lindenstraße 22, der heute nicht mehr besteht. Später wurde die südliche Binderachse mit einer Wandfüllung geschlossen. Danach ist das Gebäude, an das angebaut wurde, abgebrannt, wovon die brandverkohlte Außenseite der südlichen Binderachse zeugt. Vom Wiederaufbau rührt eine neue Wand aus Holzgerüst und gestellter Backsteinfüllung in geringem Abstand her, während die ältere Füllung weitgehend entfernt wurde.
Im Obergeschoss besteht ein Bundständergerüst mit einer mittigen Längsachse. An den Ständern setzen Kopfstreben in Längs- und Querrichtung an. An wenigen Stellen ist zu erkennen, dass die Außenwände mit zweifacher Verriegelung und Feldstreben aufgebaut und ausgemauert sind. Innenwände sind nicht nachweisbar. Zapfenlöcher in den Binderdachbalken lassen erkennen, dass auch hier Wechselbalken lagen, wonach auch das Obergeschoss nach oben offen war. Die mittige Querzone weist keine Merkmale für eine frühere Erschließung auf.
Das Erdgeschoss besitzt gemauerte Umfassungswände, in denen eine einzige Fensternische an der westlichen Traufseite mit stichbogiger Wölbung auf die Bauzeit zurückgehen dürfte, während alle anderen Wandöffnungen verändert oder später angelegt worden sind. Im Inneren besteht ein Ständergerüst, das im Unterschied zum Obergeschoss in zwei Längsachsen angeordnet ist. Die Ständer sind ungewöhnlich stark dimensioniert und zentralaxial mit schmalen Wangen unter die Unterzüge gestellt. Die aus der Bundseitenausrichtung der Querbinderachsen zu vermutende mittige Erschließungszone lässt sich im Erdgeschoss als solche fassen. Über deren Breite spannten zusätzliche Sattelhölzer unter den Unterzügen und anstelle der heutigen Eingangstür öffnete sich einst ein breites Tor, dessen Wandungen erkennbar sind. In den nördlich und südlich liegenden Bereichen wurden Kopfstreben in Längsrichtung angeordnet, von denen die meisten nur noch anhand von Zapfenlöchern nachweisbar sind.
Auffällig ist die weitaus tragfähigere Ausbildung des Erdgeschosses mit gemauerten Außenwänden und kräftigen Ständern in zwei Längsachsen, während das Obergeschoss eine solche Behandlung nicht erfuhr und sich in den Dachraum öffnete. Letzteres lässt vermuten, dass Obergeschoss und Dach der Lagerung von Heu oder Garben dienten, während die Erdgeschossdecke eine hohe Last zu tragen hatte. Möglicherweise nahm das Erdgeschoss einst Stallungen auf, denen die mittige Querzone als Futtergang gedient haben könnte.
Eine aus einem der Ständer im Erdgeschoss entnommenen Probe führte zu einer um zwei Jahrzehnte jüngeren Datierung, ohne dass erkennbar war, ob damals nur neue Ständer eingebracht worden waren oder ein eingreifender Umbau stattfand. Ohne genauere Nachprüfungen kann die These der erdgeschossigen Stallungen daher nur die Zeit nach dem Umbau betreffen.
Bei der Erhöhung des Gebäudes wurde die Decke des Obergeschosses hochgesetzt, die Wechsel- und Dachfußbalken entfernt, die Sparren der Zwischengespärre gekürzt, die Stuhlschwellen zwischen den Binderachsen herausgesägt und dabei auch die Fußstreben der Längsaussteifung herausgenommen. Im Unterbau wurden neue und größere Fensteröffnungen geschaffen, deren Form eine Entstehung kurz nach der Jahrhundertwende nahelegen. Ein kleiner Flur mit Treppe wurde mit Täfer und ornamentalen Bemalungen ausgestattet, die derselben Zeit zuzuschreiben sind.
An den Hölzern des Dachwerks haben sich über lange Zeit zahlreiche Personen verewigt, vermutlich in den meisten Fällen Auszubildende einer hier eingerichteten Elektrikerwerkstatt (nach Auskunft von Alfons Koch).

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