Kloster Bebenhausen (ehem. Holz- und Chaisenremise)

Datenbank Bauforschung/Restaurierung

Datenbank Bauforschung/Restaurierung

Historischer Einfirsthof

ID: 149169726811  /  Datum: 13.05.2016
Datenbestand: Bauforschung und Restaurierung
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Objektdaten

Straße: Bei der Linde
Hausnummer: 2
Postleitzahl: 72336
Stadt: Balingen
Regierungsbezirk: Tübingen
Kreis: Zollernalbkreis (Landkreis)
Gemeinde: Balingen
Wohnplatz: Ostdorf
Wohnplatzschlüssel: 8417002029
Flurstücknummer: keine
Historischer Straßenname: keiner
Historische Gebäudenummer: keine
Lage des Wohnplatzes: Lage des Wohnplatzes
Geo-Koordinaten: 48,3023° nördliche Breite, 8,8380° östliche Länge

Kartenansicht (OpenStreetMaps)

Objektbeziehungen

keine

Umbauzuordnung

keine

Weitere Objekte an diesem Wohnplatz

ehemaliges Eindach-Bauernhaus (72336 Balingen-Ostdorf, Dorfstraße 19)

Bauphasen

1. Bauphase:
(1680)
Aus der Erbauungszeit um 1680 (d) stammen Kubatur, Dachwerk und die überwiegende Mehrheit der Balken des Fachwerks an den Außenwänden. Einzelne Gefachfüllungen mit Flechtwerk, Stakung und Lehmverstrich sind ebenfalls erhalten, v. a. im weiterhin als Ökonomie genutzten Bereich und den untergeordneten Räumen des Erdgeschosses. Bemerkenswert ist die bauzeitliche Tür in der Nordwand der Tenne, die zimmermannsmäßig aus Holz gefertigt ist und keine Metallbeschläge aufweist. Auch ein Schiebefenster im Barn lässt sich der ersten Bauphase zuschlagen.
Die Kopfstrebe im späteren Stall weist auf ein ehemals existentes, zweites großes Scheunentor hin, sodass die Errichtung als Doppelscheune als gesichert angesehen werden kann. Die Teilung war wohl leicht asymmetrisch, wobei sich auf der Westseite eine etwas größere Scheune befand. Die ursprüngliche Teilung zeigt sich noch im 1. DG anhand der nord-südlich ausgerichteten Fachwerkwand (mit Flechtwerk-Ausfachung).
Der südliche Wandständer mit leeren Zapfenlöchern in Kombination mit den ausgenommenen Zapfenlöchern im Kehlbalken weist nach, dass die Wand über die gesamte Breite durchlief. Im Zuge des späteren Ausbaus wurde der Wandständer aufgedoppelt, sodass die jüngere Wand autark ist.
Betroffene Gebäudeteile:
Betroffene Gebäudeteile
  • Erdgeschoss
  • Obergeschoss(e)
  • Dachgeschoss(e)
  • Untergeschoss(e)
Bauwerkstyp:
  • Ländl./ landwirtschaftl. Bauten/ städtische Nebengeb.
    • Scheune

2. Bauphase:
(1730 - 1753)
Maßgeblich für das äußere Erscheinungsbild ist die Umbauphase von der Scheune zum Einfirsthof in der Mitte des 18. Jahrhunderts. Die Flechtwerk-Ausfachungen wurden durch Bruchsteinmauerwerk ersetzt, z. B. an der Ostwand des Wohnbereichs. Auch die Fensteröffnungen wurden im Zuge des Umbaus eingefügt, wofür an einigen Stellen das Fachwerkgefüge verändert werden musste. Besonders augenfällig ist die Kappung einer Feldstrebe auf der Nordseite des Erdgeschosses. Datierend für die Phase sind die beiden Bauinschriften im ersten Dachgeschoss, die jeweils die Jahreszahl 1753 beinhalten und die Ergebnisse der dendrochronologischen Untersuchung mit Fälldaten der Hölzer um 1730.
In diese Phase datieren die Fachwerkwände des Wohnbereichs, die Bruchstein-Ausfachungen der Außenwände im bestehenden Fachwerk, vermutlich die Kellerräume sowie der Einbau des Stalls mitsamt der Futterluken-Wand. Anstelle der Tenne und des Barns der östlichen Scheune entstand eine Mittelfluranlage mit Stall und untergeordneten Räumen im EG sowie den Wohnräumen im OG. Der Bereich der westlichen Scheune wurde weiterhin als Ökonomie genutzt. Von der Scheunennutzung zeugt der Ladeaufzug mit einem Holzrad, der sich in Resten bis heute am Nordende der Tenne befindet.
Bemerkenswert sind die Teile der wandfesten Ausstattung, die in die erste Phase der Wohnnutzung zurückreichen, wie z. B. die Balkendecke und die älteren Teile des Stubentäfers. Für den Einbau der Decke wurde das Stichgebälk der Südost-Ecke des Dachwerks aufgegeben und durch eine partielle Dachbalkenlage ersetzt. Eine Lehmpackung auf der Balkendecke sorgt für die Wärmedämmung der geheizten Stube.
Auch die ursprüngliche Trennung der Dachbereiche wurde verändert: Der Südteil der Trennwand wurde entfernt. Auf eine Zweitverwendung von Türpfosten, Sturz und Schwelle weist die Veränderung der Aufschlagrichtung der Tür inklusive Eintiefung für die Wendebohle an verschiedenen Stellen hin. Die Treppe vom 1. Ins 2. DG befand sich anfangs an der östlichen Giebelwand, wie der schräg nach oben verlaufende Abdruck der ehemaligen Treppenwange verrät. Ausnehmungen in den Kehlbalken markieren die Lage des Kamins. Letztlich hat der Kamin mit der Treppe später den Platz getauscht.
Betroffene Gebäudeteile:
Betroffene Gebäudeteile
  • Erdgeschoss
  • Obergeschoss(e)
  • Dachgeschoss(e)
  • Ausstattung
Bauwerkstyp:
  • Ländl./ landwirtschaftl. Bauten/ städtische Nebengeb.
    • Eindachhof

3. Bauphase:
(1900)
Im Zuge der Neuausstattungs- und Modernisierungsphase um 1900 wurde die Kubatur des Gebäudes auf der Nordseite um den Abortanbau erweitert. Die Grundrissdisposition blieb weitgehend gleich, mit der einzigen Ausnahme der Abtrennung der Speisekammer von der Küche mittels einer Gipsdielenwand. Im Inneren der Speisekammer finden sich noch die Reste einer typischen zweifarbigen Farbgestaltung mit Grüntönen im Sockelbereich und weißer Tünche auf den oberen Wandbereichen.
Generell wurden einige Räume mit neuen, zeittypischen Fenstern und Türen ausgestattet respektive die bisherige Täfer-Ausstattung in veränderter Form neu zusammengesetzt. Die historistischen Fünffeldertüren sind handwerklich fein gearbeitet und weisen schräg gefaste Ränder der eingetieften Felder auf. Die symmetrische Teilung der Rahmenfüllungstüren sieht oben zwei stehende, mittig ein liegendes und unten wieder zwei stehende Felder vor. Die Blätter sind mittels Rechteckbändern auf geschmiedeten Stützkloben befestigt und werden durch aufgesetzte Kastenschlösser verschlossen. Zierliche Klinken mit Kugel, geradem Griff und eichelförmigem Abschluss dienen zum Öffnen der Türen. Das Klinkenschild ist rechteckig geformt. Ein olivenförmiger Ziehgriff befindet sich an der Außenseite. Bemerkenswert ist die vmtl. bauzeitliche Bemalung der Tür mit einer violinenhälften-förmigen dunkelbraunen Fläche neben der Klinke.
Eine etwas mit leicht geringerer handwerklicher Qualität hergestellte Kopie dieser Fünffeldertüren findet sich in der zweiten Schlafkammer. Sie unterscheidet sich durch gerade Kanten anstelle der schrägen Fasen als Kassetteneinfassung und Fitschenbändern statt der geschmiedeten Variante. Sie ist wohl wenige Jahre nach den Originaltüren entstanden (~1910).
Die Fenster wurden durch traditionelle Holzsprossenfenster ersetzt, wie sie bereits ab der Mitte des 19. Jh. vorkommen.
In der Regel gliedern sie sich in zwei Drehflügel mit Eckwinkelbändern und geschmiedeten Stützkloben.
Griffoliven und Vorreiber dienen zum Öffnen bzw. Verschließen der Flügel. Ein kippbares Oberlicht wird ebenfalls mit Vorreibern verschlossen. Erhalten sind die Fenster im Hühnerstall, in Werkstatt und zweiter Schlafkammer sowie in der Speisekammer. Zum Fenster zugehörig sind auch die aufwendig gearbeiteten und beidseitig mit einem farbig hervorgehobenen Zierornament versehenen Klappläden.
Hinsichtlich der Wandgestaltungen steht zu vermuten, dass die großfeldrigen, stumpf gestoßenen Täferbretter der Länge nach geteilt und als Boden-Deckel-Schalung wieder an den Wänden angebracht. Diese Wandgestaltung findet sich sowohl in der Stube wie auch im daneben liegenden Schlafzimmer. Die Felderdecke der Stube erhielt in diesem Zuge zusätzliche Profilleisten, die die Querriegel beidseits zieren. Auch der Einbau des Wandschranks als Trennung zwischen Stube und Schlafkammer fällt in diese Periode.
Im Dachbereich wurden Kamin und folglich auch der Treppenlauf verlegt, was auf eine Neuausstattung der Stube mit einem Ofen schließen lässt. Strukturelle Veränderungen finden sich vornehmlich im Fachwerk des Westgiebels, das teilweise ersetzt wurde. Zur Entlastung der Bundständer wurde eine Art Bock-Konstruktion am Westende der Unterzüge eingestellt.
Betroffene Gebäudeteile:
Betroffene Gebäudeteile
  • Erdgeschoss
  • Ausstattung

Besitzer

keine Angaben

Zugeordnetes Objekt

keines

Fotos

Abbildungsnachweis
Detail Fachwerk / Historischer Einfirsthof in 72336 Balingen, Ostdorf (24.02.2016 - strebewerk. Architekten GmbH)
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Historischer Einfirsthof in 72336 Balingen, Ostdorf (24.02.2016 - strebewerk. Architekten GmbH)
Abbildungsnachweis
Detail Abbundzeichen Bandstrebe / Historischer Einfirsthof in 72336 Balingen, Ostdorf (24.02.2016 - strebewerk. Architekten GmbH)
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Detail Inschrift / Historischer Einfirsthof in 72336 Balingen, Ostdorf (25.02.2016 - strebewerk. Architekten GmbH)
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Detail Abbundzeichen / Historischer Einfirsthof in 72336 Balingen, Ostdorf (24.02.2016 - strebewerk. Architekten GmbH)
Abbildungsnachweis
Historischer Einfirsthof in 72336 Balingen, Ostdorf (24.02.2016 - strebewerk. Architekten GmbH)
Abbildungsnachweis
Historischer Einfirsthof in 72336 Balingen, Ostdorf (24.02.2016 - strebewerk. Architekten GmbH)
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Historischer Einfirsthof in 72336 Balingen, Ostdorf (24.02.2016 - strebewerk. Architekten GmbH)
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Historischer Einfirsthof in 72336 Balingen, Ostdorf (24.02.2016 - strebewerk. Architekten GmbH)
Abbildungsnachweis
Historischer Einfirsthof in 72336 Balingen, Ostdorf (24.02.2016 - strebewerk. Architekten GmbH)
Abbildungsnachweis
Ansicht Süd / Historischer Einfirsthof in 72336 Balingen, Ostdorf (24.02.2016 - strebewerk. Architekten GmbH)
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Ansicht Ost / Historischer Einfirsthof in 72336 Balingen, Ostdorf (24.02.2016 - strebewerk. Architekten GmbH)
Abbildungsnachweis
Ansicht Ost / Historischer Einfirsthof in 72336 Balingen, Ostdorf (24.02.2016 - strebewerk. Architekten GmbH)
Abbildungsnachweis
Ansicht Nord / Historischer Einfirsthof in 72336 Balingen, Ostdorf (24.02.2016 - strebewerk. Architekten GmbH)
Abbildungsnachweis
Ansicht Nord / Historischer Einfirsthof in 72336 Balingen, Ostdorf (24.02.2016 - strebewerk. Architekten GmbH)
Abbildungsnachweis
Ansicht Süd / Historischer Einfirsthof in 72336 Balingen, Ostdorf (24.02.2016 - strebewerk. Architekten GmbH)
Abbildungsnachweis
Ansicht West / Historischer Einfirsthof in 72336 Balingen, Ostdorf (24.02.2016 - strebewerk. Architekten GmbH)

Zugeordnete Dokumentationen

  • Bauhistorische, restauratorische dendrochronologische Untersuchung, Planerstellung, Bauaufnahme

Beschreibung

Umgebung, Lage:
keine Angaben
Lagedetail:
  • Siedlung
    • Randlage
Bauwerkstyp:
  • Ländl./ landwirtschaftl. Bauten/ städtische Nebengeb.
    • Eindachhof
    • Scheune
Baukörper/Objektform (Kurzbeschreibung):
Das Gebäude präsentiert sich als langgestreckter Baukörper mit steilem Satteldach, der seine westliche Giebelseite der Straße zuwendet. Auf der Ostseite befindet sich ein niedriger Schuppen mit Schleppdach und auf der Nordseite ein angestellter Abortanbau. Die ökonomische Gefachfolge zeichnet sich an der Südseite des Gebäudes ab: westlich befindet sich die Scheune (teils umgebaut zur Garage), mittig der Stall und östlich der Wohnteil.
Innerer Aufbau/Grundriss/
Zonierung:
Das Grundrissgefüge gliedert sich in 6 Ebenen: Erdgeschoss, Obergeschoss, 3 Dachebenen und den Keller. Letzterer befindet sich ausschließlich unter dem Wohnteil. Erd-, Ober- und 1. Dachgeschoss erfahren jeweils eine klar ablesbare Abgrenzung des Ökonomie-Bereichs im Westen vom Wohnteil im Osten, deren Wandflucht zwar auch in den beiden obersten Geschossen auftritt, aber aufgrund ähnlicher Lagernutzung nicht mehr die beiden Bereich abtrennt. Die Bereiche verschränken sich in der Mittelzone geschossweise reziprok: Im EG befand sich hier der Stall, im OG die Schlafräume und im 1. DG sind die Lagerflächen je hälftig beiden Bereichen zugeordnet.
Im Erdgeschoss reihen sich drei Zonen unterschiedlicher Nutzung aneinander. Ganz im Westen befindet sich heute eine Garage im ehem. Barnbereich des Scheunenteils, gefolgt von der Tenne. Im rückwärtigen Bereich auf der Nordseite ist eine kleine, mit einem Estrichboden versehene Lagerfläche vorhanden. Das große Scheunentor zu Tenne ist erhalten und eine kleine Tür ermöglicht den Zugang von Norden. In der Mitte des Hauses liegt der ehem. Stall, der sich über die gesamte Breite des Hauses erstreckt und einen steinernen Schweinestall beinhaltet. Zugänglich ist der Stall von der südlichen Traufseite. Jeweils ein kleines Fenster spendet im Norden und Süden Licht. Parallel und ebenfalls über die gesamte Hausbreite verlaufend liegt der Hausflur mit dem Hauptzugang zum Wohnteil und der Treppe. Belichtet wird der schmale Gang über die Glastür (1960er-Jahre) von Süden und ein kleines Fenster von Norden. Die Ostseite gliedert sich in drei etwa gleich große Räume, die von Norden nach Süden folgenden Nutzungen zugeordnet waren: eine Werkstatt mit angegliedertem Holzschuppen, eine Waschküche und ein Hühnerstall. Jeder Raum weist mindestens ein Fenster auf, wobei hauptsächlich die beiden Holzsprossenfenster aus der Zeit um 1900 im Holzschuppen und dem Hühnerstall erwähnenswert sind.
Im Obergeschoss befand sich in der Westhälfte der Lagerplatz und in der Osthälfte der Wohnbereich. Eine Dielenlage auf Unterzügen sorgt für eine Lagerfläche im Barnbereich der Scheune, die Tenne ist deutlich höher und daher zählt diese Zone zum Luftraum des Erdgeschosses. Der Wohnbereich ist über die Treppe im Mittelflur zugänglich, wovon drei Räume direkt erschlossen werden: Küche, Stube und Schlafraum. Von den ursprünglich vorhandenen Räumen hatte somit einzig die Schlafkammer keine Verbindung zum Flur. Die Wohnräume verteilen sich folgendermaßen auf die Grundfläche: Küche und nachträglich abgetrennte Speisekammer nehmen die Nordost-Ecke ein, die annähernd quadratische Stube die Südost-Ecke.
Die Lage der Stube an der wärmsten Ecke des Hauses gilt als durchaus typisch für historische Bauernhäuser, ist in diesem speziellen Fall wegen der Abkehr von der Straße als eindeutiges Merkmal für die Umnutzung eines ursprünglich als Scheune errichteten Gebäudes zu werten. Bemerkenswert ist das historische Fenster (um 1900) in der Nordwand der Speisekammer. Die Küche wird über ein Fenster auf der Ostseite (1960er-Jahre) belichtet und die Stube erhellen insgesamt fünf über Eck angeordnete Fenster (alle 1960er-Jahre). Westlich der Stube über dem Stall befand sich ein Schlafzimmer, das von der Stube ursprünglich nur durch eine Bretterwand / Täfer abgetrennt war. Um 1900 wurde ein Einbauschrank als Raumtrennung und die historistische Tür eingebaut. Das südseitige Fenster des Schlafraums wurde in den 1960er-Jahren erneuert. Nördlich und somit ebenfalls oberhalb des Stalls angeordnet befindet sich ein zweiter, etwas größerer Schlafraum, der vom Flur zugänglich ist und ein historisches Fenster auf der Nordseite als Lichtquelle nutzt. Als separater Anbau wurde um 1900 der Abort auf der Nordseite angefügt.
Auch im 1. Dachgeschoss setzt sich die Trennung zwischen Wohnteil und Ökonomie fort, wenngleich sich die Bereiche auf den unterschiedlichen Ebenen abwechselnd verschränken und jetzt die Fläche oberhalb des zweiten Schlafzimmers wieder zum Wirtschaftsteil gehört. Die Lagerfläche verteilt sich auf die Dielung oberhalb der Tenne und den Bereich oberhalb des größeren Schlafraums im Norden der Mittelzone. Die Erschließung erfolgt über eine Leiterluke, die vom EG bis ins 3. DG senkrecht durchläuft. Der Raum oberhalb der Küche wird über eine Treppe erschlossen und gehört zum Dachraum des Wohnteils. Er weist einen Kamin in der Südostecke auf. Ein kleines Fenster in der östlichen Giebelwand sorgt für ausreichende Belichtung. Die südliche Hälfte des Wohnteils nimmt der Dachraum über Stube und Schlafzimmer ein, der ebenfalls über ein kleines Fenster in Ostwand verfügt. Die Ausscheidung des Raums in der Südostecke erfolgte im Zuge der Umnutzung zum Ackerbürgerhaus. Beide Wände sind inschriftlich auf die Mitte des 18. Jh. datiert.
Das 2. Dachgeschoss ist nur von einer Trennwand in zwei ungleich große Lagerräume geteilt, wobei die Lage aus dem 1. DG aufgenommen wird. Die Wand befindet sich in der Achse des Sparrenpaars westlich von Querbund 4.
Im 3. Dachgeschoss (Spitzboden) setzt sich die Zweiteilung fort. Das Untergeschoss des historischen Gebäudes besteht aus zwei Räumen unter dem Wohnteil. Der größere, südlich gelegene wird von einer viertelgewendelten Steintreppe aus dem Flur des Wohnteils erschlossen. Nördlich schließt noch ein kleinerer, aber vermutlich älterer Kellerraum an. Bemerkenswert ist im Zusammenhang mit der relativen Chronologie die unterschiedliche Deckenkonstruktion aus einer hölzernen Balkendecke mit beachtlichen Querschnittsdimensionen im nördlichen Raum und der Trägerkonstruktion aus Eisenträger mit Plattenfüllung im Süden. Letztere Konstruktion weist auf einen Neubau oder mindestens eine Neudeckung des Raums um 1900 im Zuge der grundlegenden Neuausstattung hin.

Fassadengliederung und -gestaltung des aktuellen Zustands
Das Haus erzählt mit seinen Ansichten seine Nutzungsgeschichte, denn an den Fassaden sind alle vier Hauptbauphasen ablesbar. Die Fachwerkstruktur mit Fußstreben verortet das primäre Gefüge ins 17. Jahrhundert, die nachträgliche Bruchsteinausfachung, die teils anstelle der Flechtwerkausfachung eingebaut wurde, zeugt vom Umbau im 18. Jahrhundert. In die Ausbauphase um 1900 datiert der Abortanbau und die rezente Phase manifestiert sich in Form den Außenputzes, der 1960er-Jahre-Fenster und der Bretterschalung am Westgiebel.
Die fachwerksichtige nördliche Traufseite trägt die Kennzeichen der verschiedenen Nutzungsbereiche nach außen: im Osten bezeichnen die großen Fenster den Wohnbereich, die massive Ausblockung in der Mitte markiert den Stall und das grobe Fachwerkgefüge mit Brust- und Kopfriegeln sowie Feldstreben kennzeichnet den Scheunenbereich.
Die dunkelbraunen Balken kontrastieren mit dem hellen Gefachputz. Die Fenster des Wohnteils sind eindeutig nachträglich und zu unterschiedlichen Zeiten eingebaut, da sie nicht nur willkürlich, vmtl. nutzungsabhängig, situiert sind, sondern auch sich auch mit älteren Gefügeelementen überschneiden. So wurde beispielsweise für das Werkstatt-Fenster im Erdgeschoss eine Fachwerk-Strebe gekappt, deren unteres Ende noch unter der Fensterbrüstung erkennbar ist. Das grazile Holzfenster selbst stammt aus der Historismusphase um 1900. Im Obergeschoss finden sich zwei gleich große Sprossenfenster, die ebenfalls nachträglich in das Fachwerkgefüge eingebaut wurden. Die Fensteröffnung datiert somit in die Mitte des 18. Jh., die Fenster in die Zeit um 1900. Alle drei Fenster werden von Holzklappläden flankiert.
Im Obergeschoss findet sich noch ein schmaleres Flurfenster neben dem Abortanbau von ~1900. Die Fensteröffnung saß vermutlich zunächst mittig in der Flurwand, musste dann wegen des Aborts verlegt werden. Der Abortanbau selbst ist zwar auch fachwerksichtig, präsentiert jedoch ein anderes Gefüge als die Nordwand. Hier dominieren vertikale Ständer mit einem Riegel und Gefachstreben, im Erdgeschoss gekreuzte Feldstreben.
Im Bereich des Stalls ist die Ausblockung mit massiven Bohlen erkennbar. Ein kleines Fenster unterbricht die Bohlenwand. Die Öffnung ist mit einem Kippflügel aus der Zeit um 1900 gefüllt. Der restliche Ökonomiebereich weist noch eine bauzeitliche Tür und ein bauzeitliches Schiebefenster auf. Im Obergeschoss finden sich keine Öffnungen.
Hinzuweisen ist noch auf die sich abzeichnenden variierenden Bodenhöhen des Obergeschosses im Scheunenteil, die anhand der Balkenköpfe der Deckenbalken ablesbar sind. Im Bereich der Tenne liegen die Balken auf dem Brustriegel des oberen Stockwerks, im Bereich des Barns (Westende) zwischen Rähm des unteren und Schwelle des oberen Stockwerks.
Die östliche Giebelwand wurde flächig verputzt. Der aktuelle grobe Rauputz stammt wohl aus einer der Renovierungen des 19. Jahrhunderts. Der gelbliche Farbton stammt von der Eigenfarbigkeit des Putzes. Farblich hervorgehoben sich die dunkelbraunen hölzernen Fensterumrandungen der drei Obergeschossfenster, die zugleich auch augenfälligstes Merkmal der Fassade sind.
Im Erdgeschoss findet sich eine kleine, fensterlose Öffnung zum ehem. Hühnerstall und ein modernes Fenster der Waschküche. Ein Schuppen verdeckt die Brettertür zur Werkstatt im nördlichen Bereich des Erdgeschosses.
Der Wohnbereich zeichnet sich durch die oben genannten drei Fenster ab, von denen die südlichen zwei zur Stube und das doppelflügelige nördliche zur Küche gehören. Alle Fenster wurden in 1960er-Jahren durch sprossenlose Drehkippflügel ersetzt.
Im ersten Dachgeschoss finden sich zwei kleine, symmetrisch angeordnete Sprossenfenster aus der Zeit um 1900, wobei die Öffnungen wohl älter sind. Im oberen Giebelfeld gab es ehemals ein annähernd mittig situiertes Fensterpaar.
Mit dem Einbau des Räucherofens wurde das nördliche Fenster des Paars zugesetzt und das südliche erneuert und mit einem Klappladen versehen. Das zugesetzte Fenster ist in seinen Umrissen anhand der witterungsbedingten Ablagerungen am Rauputz gut zu erkennen. Im Spitzboden findet sich ebenfalls ein kleines Fenster mit einem Klappladen.
Auch die südliche Traufseite wurde verputzt und ist nicht mehr fachwerksichtig. Der Rauputz kann einer Renovierungsphase des 19. Jahrhunderts zugewiesen werden. Die Verputzung bewirkt eine gelbliche Fläche, die von einem hölzernen Stockwerkgesims gegliedert wird. Ausgenommen von der Verputzung wurde nur die Bohlen ausgeblockte Stallwand im Mittelbereich des Erdgeschosses, die sich als holzsichtiger Blockbau ablesen lässt.
Der westlich angeordnete Wirtschaftsbereich wird von den beiden großen Toren charakterisiert, die jedoch nicht beide der ursprünglichen Nutzung zuzuordnen sind. Das Garagentor im Westen ist deutlich jünger. Die historischen schmiedeeisernen Langbänder wurden in Zweitverwendung auf das Brettertor montiert. Sie waren ursprünglich auf der Innenseite eines Tores angebracht. Das große Scheunentor ist älter. Sein rechter Flügel ist in Ober- und Unterlader unterteilt.
Der Stallbereich im Erdgeschoss erhält durch die markante Blockwand eine herausgehobene Stellung. Ein kleines Fenster mit Kippflügel (~1900) und eine historische Brettertür mit geschmiedeten Langbändern gehören ebenfalls zum Stall. Die Tür ist der äußere Flügel einer Doppeltür und weist daher außenseitig montierte Beschläge auf.
Das Erdgeschoss wird komplettiert von der Hauseingangstür (1960er-Jahre Glastür) und dem historistischen Sprossenfenster des ehem. Hühnerstalls. Bemerkenswert sind die ehemals mit Zierbeschlägen versehenen Klappläden.
Im Sockelbereich schräg unterhalb des Fensters sind noch der Einlass der Hühner mit einem Hebeladen und ein tieferliegendes Kellerfenster erkennbar. Im Obergeschoss befinden sich in der Ökonomie keine Öffnungen, im Wohnbereich vier gleiche Fenster mit Klappläden von Schlafkammer und Stube. Die Anlage der Fensteröffnungen geht mit der Einrichtung der Wohnräume in der Umbauphase des 18. Jahrhunderts einher, die Fenster selbst wurden in den 1960er-Jahren durch einflügelige sprossenlose Fenster ersetzt. Hölzerne Klappläden sind an jedem Fenster angebracht.
Die westliche Giebelwand gliedert sich horizontal in zwei Bereiche. Unten findet sich eine in etwa geschosshohe, verputzte Mauer, darüber eine das gesamte Obergeschoss und das Giebelfeld bedeckende vertikale Bretterschalung. Im Bereich des 2. DG ist ein Stoß der Bretterung mit Zierbögen an den Enden der oberen Schalbretter aufgeführt.
Die Bretterung ist holzsichtig. In der Erdgeschosswand waren ehemals zwei kleine Fenster, die zugesetzt wurden und von außen nicht mehr sichtbar sind. Eine Verblechung schützt die vorspringende Wand an der Oberkante und trennt die Schalung von der Putzfläche. Der gelbliche Farbton von Süd- und Ostseite zeigt sich auch hier.
Vorgefundener Zustand (z.B. Schäden, Vorzustand):
keine Angaben
Bestand/Ausstattung:
keine Angaben

Konstruktionen

Konstruktionsdetail:
  • Holzgerüstbau
    • Geschossgerüst
  • Steinbau Mauerwerk
    • Backstein
    • Bruchstein
  • Verwendete Materialien
    • Holz
    • Stein
Konstruktion/Material:
Fachwerk, Wand- und Deckenkonstruktion
Die ursprüngliche Konstruktion dürfte ein zweigeschossiger Stockwerkbau mit vier Eckständern und sechs Bundständern gewesen sein. Auf den Bundständern lagen auf Höhe der Obergeschossdecke verkämmte Unterzüge in Firstrichtung und Deckenbalken in Querrichtung. Die Deckenbalken endeten an massiven Wandständern in den Querbundachsen, die die Dimensionen der Eckständer aufweisen. Die Bundständer waren mit je drei eingezapften Kopfstreben (2 quer, 1 längs Richtung Barn), die Wandständer mit jeweils einer Kopfstrebe kraftschlüssig mit der Balkenlage verbunden. So wurden zwei parallele Tennen in der Mitte und zwei Barnbereiche jeweils außen erzeugt.
Im Scheunenbereich zeugen noch die Reste von vier Bundständern und zwei sichtbaren Wandständern sowie die Balkenlage von dieser Konstruktion. Im Wohnbereich sind noch die Eckständer an der östlichen Giebelwand vorhanden.
Dort wurden die Bundständer durch Wände an leicht verschobener Stelle ersetzt. Die Unterzüge sind in mehreren Räumen des Obergeschosses noch erkennbar.
Die Fachwerkwände bestehen aus einer stark dimensionierten Schwelle, eingezapten Ständern und einem ebenfalls massiven Rähmbalken. In die Wandständer eingezapft und mit Holznägeln gesichert sind Brust- und Kopfriegel, die von Feldstreben überblattet werden. Untergeordnete Ständer sind zwischen die horizontalen Balken eingestellt. Türöffnungen wurden von zwei Ständern flankiert, die großen Scheunentore auf der Südseite erhielten Kopfstreben zur Verstärkung des Sturzes. Die Ausfachungen der Erbauungszeit um 1680 bestanden aus Flechtwerk mit Lehmverstrich. Alle Wände waren fachwerksichtig. Im Scheunenteil ist das Fachwerkgefüge an Süd- und Nordwand weitgehend erhalten. Einzelne Hölzer wurden entfernt oder ausgetauscht. Die bauzeitliche Tür auf der Nordseite der Tenne zeigt die originale Bauweise mit zwei Ständern, Sturz, Schwelle und Brettertür mit Wendebohle auf. Die Bretter sind mit Einschüben aus Holz ohne Verwendung von metallenen Beschlägen verbunden. Das westliche Scheunentor ist relativ gut erhalten. Schmiedeeiserne Langbänder auf Stützkloben tragen die insgesamt drei Flügel. Vom östlichen Scheunentor zeugt nur noch eine Kopfstrebe im Stall.
Im Zuge der Umnutzung zur Mitte des 18. Jahrhunderts wurden die Fachwerkbalken belassen. Nur im Warmbereich des Wohnteils wurden bei den Außenwänden die Flechtwerk-Ausfachungen durch Bruchstein-Ausfachungen ersetzt. Gut zu erkennen ist dieser Umbau an der östlichen Giebelwand und im Obergeschoss der südlichen Außenwand. Alle neu errichteten Wände wurden als Fachwerkwände mit Bruchstein-Ausfachung erbaut. So auch die beiden inschriftlich datierten Wände im Dachgeschoss.
Ablesbar ist die relative Chronologie der bestehenden Fachwerkwände auch anhand der Differenzen ihres Gefüges, da sich gerade im Übergang vom frühen 18. Jh. zur Mitte des 18. Jh. eine maßgebliche Entwicklung hinsichtlich der Streben vollzieht. Während bis zur 1. Hälfte des 18. Jh. zumeist Fußstreben verwendet wurden, die diagonal von Ständer zu Ständer reichten, traten ab der 2. Hälfte des 18. Jh. Gefachstreben auf, die nicht mehr an den vertikalen Hölzern direkt ansetzen sondern an der Riegeln bzw. Schwellen und merklich steiler geneigt sind. Auch die Gefachstreben spannen nur über einen Teilbereich der Wandhöhe. In den Außenwänden finden sich hauptsächlich Feldstreben, die die gesamte Geschosshöhe überspannen.
Im Erdgeschoss wurde im Stallbereich eine Bohlenausblockung anstelle des wenig schützenden Flechtwerks eingelegt.

Stall: Anzunehmen ist, dass der Stall im Zuge des Umbaus zum Ackerbürgerhaus eingebaut wurde. Die Fachwerktrennwand zwischen den beiden Tennen wurde demnach vermutlich zeitglich mit der Ausblockung der Außenwände zu einer Wand mit Futterluken (6 Schiebeläden) umgebaut. Die heute stark ins Auge fallende Schrägstellung der Wand ist wohl nicht intendiert gewesen, sondern entstand durch die deutlich wahrnehmbare Setzung von Norden und ist als Deformation zu verstehen. Im unteren Bereich der Wand finden sich Rötel-Zeichen, die auf einen Einbau im 18. Jh. hinweisen. Heute sind die Gefachfelder am Nordende der Wand ausgenommen und fungieren als Durchgang. Dass dieser Durchschlupf nicht ursprünglich (17. Jh.) ist, verraten die (leeren) Zapfenlöcher am nördlichen Pfosten. Am südlichen Pfosten, der mit dem Einbau der Futterluken im 18. Jh. eingebaut wurde, findet sich kein Zapfenloch. Zwischen Stall und Hausflur im Erdgeschoss wurde eine Wand aus Haustein eingebaut, die die beiden Bereiche voneinander abgrenzt.
Auf der Innenseite der wichtigen Wohnräume wurde bereits zu deren Erbauungszeit ein Täfer angebracht. Die Wände von Stube und Schlafkammer waren innenseitig nie verputzt. Der historische Täfer bestand wohl aus sehr breiten Tafeln, deren Stöße stubenseitig mit reich profilierten Zierleisten verdeckt waren. Reste hiervon finden sich noch im südlichen Bereich der Trennwand zwischen Stube und Schlafkammer.
In der Neuausstattungsphase um 1900 wurden einzelne Wände mit Fischgrätmuster aus Backstein ausgefacht und die Felder des Fachwerks des nachträglich angestellten Abortanbaus wurden mit Backsteinmauerwerk gefüllt.
Ebenfalls mit massivem Mauerwerk gefüllt ist die neue Fachwerkwand zwischen Tenne und Garage. Im Zuge deren Einbaus wurden die unteren Bereiche des westlichen Bundständerpaars entfernt. Die Reste der Bundständer stehen auf der Fachwerkwand. Hier finden sich Abbundzeichen aus Bleistiftstrichen.
In den Wohnräumen wurden die breiten Täfertafeln in schmalere Bretter geteilt und neu versetzt. Beim heute sichtbaren Täfer handelt es sich somit wohl um zweitverwendete Bretter.
Die Verbretterung des Westgiebels ist eine regionaltypische Form des Witterungsschutzes von Ökonomiegebäuden. Sie wurde wohl mindestens einmal ersetzt und besteht derzeit aus modernen vertikal angebrachten Schalbrettern mit Nut-und-Feder-Verbindung.
Als Deckenkonstruktionen dienen auf die Unterzüge aufgelegte oder aufgekämmte Deckenbalken in Querrichtung, die mit oberseitigen Dielungen bzw. im Wohnbereich zusätzlichen Einschubbrettern mit Dämmlage zwischen den Balken versehen sind.

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