Haalstraße 5/7 (Schwäbisch Hall)

Datenbank Bauforschung/Restaurierung

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Wohn- und Wirtschaftsgebäude

ID: 140071417718  /  Datum: 25.04.2012
Datenbestand: Bauforschung
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Objektdaten

Straße: Hauptstraße
Hausnummer: 10/12
Postleitzahl: 72660
Stadt: Beuren
Regierungsbezirk: Stuttgart
Kreis: Esslingen (Landkreis)
Gemeinde: Beuren
Wohnplatz: Beuren
Wohnplatzschlüssel: 8116011002
Flurstücknummer: keine
Historischer Straßenname: keiner
Historische Gebäudenummer: keine
Lage des Wohnplatzes: Lage des Wohnplatzes

Kartenansicht (OpenStreetMaps)

Objektbeziehungen

keine

Umbauzuordnung

keine

Weitere Objekte an diesem Wohnplatz

Bauphasen

Kurzbeschreibung der Bau-/Objektgeschichte bzw. Baugestaltungs- und Restaurierungsphasen:

Südteil:
Noch ins 16. Jahrhundert datiert vermutlich der südliche Krüppelwalm, der durch einen Steilgiebel ersetzt wurde. Von letzterem sind die Sparren erhalten sind; dessen Zapfenlöcher sprechen für eine Verriegelung; und er weist Stakungslöcher einer ehemaligen Wandfüllung auf.
Recht früh schon wurde die mittige Längsachse im Dach mit Stielen, Riegeln und einer Flechtwerkfüllung geschlossen, um hier weitere Räumlichkeiten abzuteilen und einzurichten. Die Füllungsfelder weisen ornamentale Ritzungen auf; sie bestehen aus Rand- und Auskreuzungsstrich.
Im Verlauf des 17. oder im frühen 18.Jahrhunderts wurde die südliche Giebelwand durch eine vollständig neue Konstruktion ersetzt; die Traufwände weitgehend erneuert; und die Grundfläche teilweise unterkellert. Die neue Giebelwand wurde der alten unmittelbar vorgesetzt, der mittige Giebelständer gekürzt und auf einen Längsriegel gesetzt. Das Dach wurde von einem neuen Steilgiebel abgeschlossen, der auf ein 60 cm weit auskragendes, von Kopfstreben getragenes Stichgebälk lagert.
Nur wenig später wurde dem Südgiebel eine Erweiterung vorgelagert, die über die Höhe des Unterbaus aufgeständert bzw. im südlich gelegenen Scheunenbau aufgelagert wurde und im Dachgeschoss zwei Räume aufnahm. Das Fachwerk des neuen Giebels weist fast genau dieselbe Gliederung wie das vorausgehende Giebelfachwerk. Noch im 18. oder im frühen 19. Jahrhundert hob man die vordere, östliche Dachfläche für den Einbau einer Fachwerkwand an. Für deren Ausfachung wurden ausschließlich Hohlziegel gebraucht, was vermuten lässt, dass bis zu diesem Zeitpunkt das Dach mit Hohlziegeln eingedeckt war und diese ersetzt wurden. Dabei ist anzumerken, dass der vermutlich bauzeitliche Lattenabstand nicht auf eine Hohlziegeldeckung zurückzuführen ist.
Ein Umbau, der das äußere Erscheinungsbild stark verändert hat, erfolgte im ausgehenden 19. oder zu Beginn des 20. Jahrhunderts durch das Aufsetzten eines breit gelagerten Zwerchhausses, das in die östliche Dachfläche einschneidet. Vermutlich wurde etwa zur selben Zeit ein Abort im EG eingerichtet, wofür der unter der Treppe liegende Bereich des Nordteils dem Südteil zugeschlagen wurde.

Nordteil:
Im Unterschied zum Südteil erfuhren die Konstruktion und Binnengliederung des Nordteils vergleichsweise wenige Veränderungen. Anstattdessen wurden im Laufe der Zeit weite Teile der Wände ebendort in ihrer Substanz erneuert und vermutlich im 17./18. Jahrhundert teilweise unterkellert. Im angetroffenen Zustand ließ sich nur die nachträglich eingebaute Wand in der mittleren Längsachse im Dach als frühe Veränderung erkennen.
Die jüngsten Umbaumaßnahmen sind in einem Baugesuch von 1936 dokumentiert, in dem die Wiederherstellung der Hausteilung festgehalten ist. Offenbar hatte die Teilung des Gebäudes zu diesem Zeitpunkt nicht mehr bestanden und der Nordteil wurde vom Südteil aus mitgenutzt. Zudem war zu einem unbekannten Zeitpunkt dem Haus ein zurückgesetzter, zweigeschossiger Anbau mit Satteldach im Norden vorgesetzt worden, der dann auf sein Erdgeschoss reduziert, mit einem sehr flach geneigten Dach versehen und als Waschküche eingerichtet wurde. Dadurch war eine besser Belichtung des nordwestlichen Erdgeschossraumes und der Dachgeschosse möglich. Im Rahmen dieser Maßnahmen wurde ein Abort im Gang aus dem nördlichen Gebäudeteil herausgetrennt und dem südlichen angeschlossen. Zuvor hatte hier ein großer offener Rauchfang gelegen.
Fenster und Raumtüren sowie die Eingangstür und das einfache Stuckprofil datieren teilweise ins ausgehende 19. Jahrhundert, teilweise ins Jahr 1936. Die Wandfüllungen aus Backstein im EG stammen aus dem19. Jahrhundert, die aus Bimsstein - vornehmlich innerhalb der nördlichen Giebelwand - von 1936.

Scheune:
Die südlich anschließende Scheune wurde um 1706/07 (d) errichtet. Sie als Fachwerkkonstruktion mit Lehmstakungsfüllungen über einem dreizonigen und zweischiffigen Grundraster abgezimmert. Die mittige Zone nimmt eine hohe Tenne mit Tor nach Norden ein. Die westliche Zone lässt den ursprünglichen Zustand im EG erkennen, wo hinter einer Brüstung Heu bzw. Garben bis in den Dachraum hinauf aufgeschichtet werden konnten. In der nördlichen Traufwand dieser Zone öffnen sich zwei bauzeitlich so angelegte, zweiflügliche Tore nebeneinander in gemauerte Kellerhälse, dass sie im selben Gewölbekeller münden. Zugesetzte Kellerfensterschächte und die Überbauung der westlichen Längswand mit der Seitenwand des westlichen Abgangs machen deutlich, dass der Keller früher als das Scheunengebäude entstanden sein dürfte. Beim Neubau der Scheune wurde der Keller neu überbaut, mittig geteilt und gleich mit zwei Zugängen versehen.
Zu einem späteren Zeitpunkt wurde eine mittige Längswand eingebaut und nochmals später eine Zwischendecke über der nördlichen Haushälfte eingezogen.
Die südliche Zone nahm zuletzt einen Stall auf, wodurch die Bausubstanz wurde stark in Mitleidenschaft gezogen wurde. Es konnte infolge nicht festgestellt werden, ob ein Stall schon zur Bauzeit bestand. Im frühen 20. Jahrhundert war er offensichtlich zu schmal und es wurde die Giebelwand im unteren Teil herausgenommen, die eine massive Außenwand in vorgeschobener Lage ersetzt. Diese ist mit einer betonierten Decke versehen und wird von einem schmalen Pultdach abgedeckt.


1. Bauphase:
(1411 - 1412)
Abzimmerung des Kernbaus als Ständergerüst. (d)
Betroffene Gebäudeteile:
keine
Bauwerkstyp:
  • Wohnbauten
    • Wohnhaus
Konstruktionsdetail:
  • Holzgerüstbau
    • Hochfirstständergerüst

2. Bauphase:
(1706 - 1707)
Errichtung der Scheune. (d)
Betroffene Gebäudeteile:
Betroffene Gebäudeteile
  • Anbau

3. Bauphase:
(1880 - 1920)
Aufsetzen eines Zwerchhauses Ende des 19./Anfang des 20. Jhs. (a, gk)
Betroffene Gebäudeteile:
keine

4. Bauphase:
(1936)
Erneute Teilung des Gebäudes. (a)
Betroffene Gebäudeteile:
keine

Besitzer

keine Angaben

Fotos

Abbildungsnachweis
Ansicht (1994) / Wohn- und Wirtschaftsgebäude in 72660 Beuren (17.05.1994 - Aufnahme-Nr. rhvog049 [Bildindex Foto Marburg])

Zugeordnete Dokumentationen

  • Bauhistorische Untersuchung

Beschreibung

Umgebung, Lage:
keine Angaben
Lagedetail:
  • Siedlung
    • Stadt
Bauwerkstyp:
  • Wohnbauten
    • Wohnhaus
  • Ländl./ landwirtschaftl. Bauten/ städtische Nebengeb.
    • Scheune
Baukörper/Objektform (Kurzbeschreibung):
Das eingeschossige Gebäude erhebt sich über einem niedrigen Kellersockel; es steht traufständig zur Stocknachstraße. Es ist in etwa hälftig in zwei Einheiten geteilt; die Haustüren befinden sich nebeneinander an der Traufseite. Südlich steht, etwas abseits, ein zum Bestand zählendes Scheunen- und Stallgebäude.
Innerer Aufbau/Grundriss/
Zonierung:
Den Kernbau des Gebäudes verkörpert ein Ständergerüst; er ist in drei Zonen und zwei Schiffe geteilt. Vermutlich wurde das Gebäude im 16. Jahrhundert hälftig geteilt und auf diese Weise die zwei eigenständigen Wohneinheiten geschaffen, wie sie noch heute bestehen. Zu diesem Anlass wurde eine zusätzliche, bis zum First geschlossene Querwand mittig in die mittlere Zone eingestellt, wodurch sich jede Hälfte aus einer Wohnzone und einer sehr schmalen Flurzone zusammensetzt. Auf die frühere Raumteilung und Nutzung des Gebäudes verweist nur weniges: Die Bretterbalkendecke im nordöstlichen Feld deutet eine Nutzung als Stube an, was mit der Ausbildung der nördlichen Zone als der breitesten korrespondiert. Dagegen ist die mittige Zone am schmalsten gehalten und hat die Bundseiten zugekehrt. Sie dürfte einerseits der Erschließung gedient haben, andererseits ist hier der ungewöhnlich starken Russablagerungen und der bis zum First reichenden Wandfüllungen wegen die einseitige Lage der Küche zu vermuten.
Vorgefundener Zustand (z.B. Schäden, Vorzustand):
keine Angaben
Bestand/Ausstattung:
keine Angaben

Konstruktionen

Konstruktionsdetail:
keine Angaben
Konstruktion/Material:
Bei den Ständern der mittleren Längsachse handelt es sich um Firstsänder, die die Firstpfette tragen. Weil das Dach an beiden Schmalseiten als Krüppelwalm ausgebildet war, verlaufen lediglich die beiden innenliegenden Bundständer in voller Höhe - beide sind mit ca. 30 x 30 cm auffallend stark dimensioniert. Entsprechend reichten die beiden mittigen Giebleständer nur bis ins 1. Dachgeschoss. Im Dach sind zwei seitliche Längsachsen als stehender Stuhl ausgebildet und über die Höhe des Spitzbodens sind zusätzliche Ständer unter den Walmanfallspunkt platziert. Sowohl die Sparren der Binderquerachse als auch die dazwischenliegenden Rofen waren am First miteinander verzapft. Zur Aufnahme der Walmrofen waren Hahnenbalken vorgesehen. Die verblatteten Aussteifungshölzer waren teiweise geschossübergreifend angeordnet. Die Abbundzeichen setzten sich aus einer vom Südgiebel her aufsteigenden Folge viereckiger Kerben für die Querachse und einer sich daran orientierenden Zahl von schwach geritzten Strichen an den Längsachsen zusammen. Das ursprüngliche Gerüst hat sich hautsächlich im Dachbereich erhalten, wo heute im Wesentlichen nur zwei Stuhlständer, darunter einer der beiden Walmständer, und einige Aussteifungshölzer sowie diverse Zwischenrofen fehlen. In den Unterbau reicht jedoch nur noch der nördliche der Firsttsänder und von den übrigen Bundständern konnten nur der nordwestliche Eckständer und der daran anschließende Traufständer nachgewiesen werden. Alle diese Ständer weisen Merkamle dafür auf, dass das Gerüst einst deutlich unter dem heutigen Erdgeschossniveau gründete, wobei zwei der erhaltenen Ständer bis in den Bereich des Kellers hinunterreichen. Dabei ließ sich aber bei keinem das ursprüngliche untere Ende nachweisen, obgleich die darin eingelassenen Blattsassen so nah am heutigen unteren Ende liegen, dass diese anfangs wohl noch weiter nach unten reichten. Auf der Oberseite eines wiederverwendeten Sparrens sind die Holznagellöcher der vermutlich bauzeitlichen Lattung zu finden, die teils sehr unregelmäßige Abstände zueinander aufweisen; der Regelabständ beträgt zwischen 16 bis 19 cm.
Im Dachraum ließen sich für beide Giebelwände und beide inneliegenden Querachsen Flechtwerkwände nachweisen, wovon sich Reste innerhalb der Zwickel neben den seitlichen Stuhlständern erhalten haben. Dort spannen die Stakungshölzer der Dachbalken bis an die Sparren bzw. bis zum Kehlbalken. Auf halber Höhe des Erdgeschosses ließen sich an einem der Firstständer Zapfenlöcher nachweisen, die vermutlich mit einer gegliederten Wandfüllung in Zusammenhang stehen. Für das nordöstliche Feld der Grundfläche ließ sich eine in Querrichtung gespannte Bretterbalkendecke nachweisen (bisher nur vom Dachraum einsehbar), deren Zugehörigkeit zum ursprünglichen Gerüst bisher lediglich vermutet werden kann; sie liegt nämlich lose auf dem Traufrähm. Oberhalb davon ist ein zusätzliches Längsholz auf kurzen Stielen verlegt, die mit den Steigbändern vernagelt und in die Flechtwerkfüllung eingebunden sind. Seine Aufgabe konnte bisher nicht ausgemacht werden, doch dürfte es mit einer Modifizierung des Grundgerüstes für weitergehende Nutzungen in Zusammenhang stehen - also in Verbindung mit der Bretterbalkendecke -, wobei es sich um eine Zutat oder um ein Relikt älterer Abzimmerungsweisen handeln könnte. Weitere genutete Balken von einer Bretterbalkendecke sind als Zwischendecke über dem 1. DG verlegt. Unklar ist die Höhenlage des früheren Bodenniveaus, das deutlich unter dem heutigen Erdgeschossniveau gelegen haben muss. Es müsste von einer sehr hohen Geschosshöhe ausgegangen werden. Auffällig ist jedoch, dass, trotz der Teilung, die Höhenlage des Erdgeschossbodens genau übereinstimmt. Dies könnte entweder auf eine Einbringung noch vor der Teilung des Gebäudes oder auf eine Ausbildung im ursprünglichen Gerüst zurückgeführt werden. Letzteres würde allerdings bedeuten, dass das Gebäude zweigeschossig ausgebildet gewesen war und das umgebene Bodenniveau demnach deutlich angehoben.

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