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Datenbank Bauforschung/Restaurierung

Datenbank Bauforschung/Restaurierung

Weinsberg

ID: 124520582315  /  Datum: 24.07.2020
Datenbestand: Bauforschung
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Objektdaten

Straße: Mönchhausgasse
Hausnummer: 2
Postleitzahl: 74189
Stadt-Teilort: Weinsberg

Regierungsbezirk: Stuttgart
Kreis: Heilbronn (Landkreis)
Wohnplatzschlüssel: 8125102008
Flurstücknummer: keine
Historischer Straßenname: keiner
Historische Gebäudenummer: keine
Lage des Wohnplatzes: Lage des Wohnplatzes
Geo-Koordinaten: 49,1516° nördliche Breite, 9,2838° östliche Länge

Kartenansicht (OpenStreetMaps)

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Objektbeziehungen

keine

Umbauzuordnung

keine

Weitere Objekte an diesem Wohnplatz

Fachwerkbau, ehemaliger Farrenstall (74189 Weinsberg, Kanalstraße 23)
Ehem. Lateinschule (74189 Weinsberg, Kirchstaffel 3)
Stellwerk 1 (74189 Weinsberg, Stadtseestraße 1)
Wohn- und Geschäftshaus (74189 Weinsberg, Unteres Tor 5)

Bauphasen

Kurzbeschreibung der Bau-/Objektgeschichte bzw. Baugestaltungs- und Restaurierungsphasen:

Der ehemalige Schöntaler Pfleghof wurde 1527, nachdem das Vorgängergebäude im Bauernkrieg 1525 zerstört wurde, neu errichtet. Dabei wurden zumindest die Außenwände eines älteren Kellers überbaut. Das heutige Gewölbe des Kellers dürfte auch von 1527 stammen. 1692 ging das Gebäude vom Kloster Schöntal an das Herzogtum Württemberg über. Gut 50 Jahre später wurde das
Gebäude an einen Weinsberger Bürger verkauft.


1. Bauphase:
(1250 - 1455)
Urkundlich wird ein Stadthof des Klosters Schöntal erstmals 1455 erwähnt. Jedoch sind schon seit dem 14. Jahrhundert eine Scheune in der Stadt sowie zahlreiche Lehensverhältnisse und Liegenschaften bekannt. Unter dem heutigen Gebäude Mönchhausgasse 2 befindet sich ein großer Gewölbekeller, welcher gefügekundlich ohne weiteres ins 13./14. Jahrhundert datiert werden kann. Ob es sich hierbei tatsächlich noch um Reste des ehemaligen Schöntaler
Stadthofes handelt oder ob dieser ursprünglich einen anderen Standort hatte, ist bislang nicht bekannt.
Betroffene Gebäudeteile:
Betroffene Gebäudeteile
  • Untergeschoss(e)
Lagedetail:
  • Siedlung
    • Stadt

2. Bauphase:
(1527)
Erbauung des Gebäudes - 1527 (d)
In Folge des Bauernkrieges im Jahr 1525 brannte das gesamte Anwesen ab. Wie die nun durchgeführte dendrochronologische Datierung belegt, wurde das Gebäude kurze Zeit darauf im Jahr 1527 wieder aufgebaut. Der am Gebäude angebracht Wappenstein mit der Datierung 1562 belegt somit wohl nur eine Umbauphase oder Nutzungsänderung.
Betroffene Gebäudeteile:
Betroffene Gebäudeteile
  • Erdgeschoss
  • Obergeschoss(e)
  • Dachgeschoss(e)
Lagedetail:
  • Siedlung
    • Stadt
Bauwerkstyp:
  • Wohnbauten
    • Pfleghof
Konstruktionsdetail:
  • Dachform
    • Mansarddach/-helm

3. Bauphase:
(1632)
Aus dem Jahr 1632 liegt ein Inventar der Weinsberger Güter vor, welches das Gebäude wie folgt beschreibt:
„ain alte behaußung, schewren unnd hoffraiten, zwischen jung Hannß Merkhern unndt Matteß Sigelin, darinen niemand wohnt“.
An Räumlichkeiten verzeichnet das Inventar einen Ern, eine Stube, eine Stubenkammer, eine kleine Stube, eine Küche, eine Kammer unter dem Dach sowie einen Fruchtboden. Unter dem Haus befanden sich ein Frucht- und ein Weinkeller.
Betroffene Gebäudeteile:
Betroffene Gebäudeteile
  • Erdgeschoss
  • Obergeschoss(e)
  • Dachgeschoss(e)
  • Untergeschoss(e)

4. Bauphase:
(1692)
Am 01. Mai 1692 ging der Schöntaler Klosterhof mit Keller, Stall sowie dazugehöriger Scheuer und Kelter im Tausch gegen andere Güter vom Besitz des Klosters Schöntal in das Eigentum des
Herzogtums Württemberg über. Ab 1701 war das Gebäude an den württembergischen Forstknecht Friedrich Wagner vermietet.
Betroffene Gebäudeteile:
keine

5. Bauphase:
(1708)
Sanierung des Gebäudes - 1708 (a)
Nach dem Stadtbrand von 1707 zog der württembergische Kellereibeamte Wohlfahrt in das Haus ein. Das Haus wurde dabei aufwendig renoviert: Das Dach wurde komplett umgedeckt, die
Stuben und Kammern wurden vom Maurer ausgebessert, die Wände gestrichen. Die Wohnstube erhielt neue Fenster.
Betroffene Gebäudeteile:
Betroffene Gebäudeteile
  • Erdgeschoss
  • Obergeschoss(e)
  • Dachgeschoss(e)

6. Bauphase:
(1743)
Übergang an Privat - 1743 (a)
Nachdem das Gebäude allmählich baufällig geworden war, wurde es 1743 an den Weinsberger Bürger und Bäcker Johann Friedrich Ziegler verkauft.
Betroffene Gebäudeteile:
keine
Lagedetail:
  • Siedlung
    • Stadt

7. Bauphase:
(1928 - 1931)
Ausbau des Dachgeschosses - 1928-1931 (a)
1928 wurde zunächst der westliche Bereich des 1. Dachgeschosses erweitert bzw. aufgestockt. Drei Jahre später wurde auch die östliche Seite mit einem Dachstubenanbau vergrößert.
Betroffene Gebäudeteile:
Betroffene Gebäudeteile
  • Dachgeschoss(e)

Besitzer

keine Angaben

Fotos

Abbildungsnachweis
Ansicht des Gebäudes von Südosten (2010) / Weinsberg in  74189 Weinsberg (11.07.2010 - Markus Numberger, Esslingen am Neckar)
Abbildungsnachweis
Wappenstein von 1562 (2010) / Weinsberg in  74189 Weinsberg (23.07.2010 - Markus Numberger, Esslingen am Neckar)

Zugeordnete Dokumentationen

  • Gefügekundliche und dendrochronologische Kurzuntersuchung

Beschreibung

Umgebung, Lage:
Der ehemalige Schöntaler Pfleghof steht am westlichen Ortsrand der historischen Altstadt von Weinsberg. Ursprünglich bildete die heutige Mönchhausgasse die Hauptachse durch die Stadt und führte vom westlichen Stadteingang zum Marktplatz. Nördlich des Gebäudes verlief die Stadtmauer, von welcher noch heute Reste in der angrenzenden Nachbarbebauung zu erkennen sind.
Lagedetail:
  • Einzellage
    • allgemein
Bauwerkstyp:
  • Wohnbauten
    • Pfleghof
Baukörper/Objektform (Kurzbeschreibung):
Bei dem Gebäude handelt es sich um ein zweigeschossiges, verputztes Wohnhaus, wobei sich das Erdgeschoss lediglich über das südliche Drittel des Gebäudes erstreckt und nur den Hausflur und ein Zimmer aufnimmt. Vom Hausflur führt eine Treppe direkt ins Obergeschoss. Der Grund für diese Stockwerkssituation dürfte zum einen in der leichten Hanglage des Grundstückes und zum anderen am hoch sitzenden Gewölbekeller zu finden sein. Die Außenwände des Erdgeschosses sind massiv aus Sandsteinen gemauert. Das Obergeschoss wurde in Fachwerkbauweise errichtet, wobei die östliche Traufwand ebenfalls massiv erbaut wurde. Nach oben schließt das Gebäude mit zwei Dachgeschossebene unter
einem Satteldach ab, welches an der östlichen Traufseite mit einem Mansarddach versehen wurde. Am südlichen Giebel ist ein Stockwerksvorstoß des 2. Dachgeschosses vorhanden.
Innerer Aufbau/Grundriss/
Zonierung:
Das Wohnhaus besitzt einen großen Gewölbekeller, der die gesamte Hausfläche einnimmt und durch ein rundbogiges Kellertor an der südlichen Giebelseite erschlossen wird. Das Erdgeschoss nimmt lediglich den Hausflur und ein Zimmer in der südöstlichen Gebäudeecke auf. Im Obergeschoss ist die historische Grundrissgliederung mit drei
Quer- und drei Längszonen noch teilweise ablesbar. Das Obergeschoss nimmt zur Gasse hin zwei Wohnräume auf. Im rückwärtigen, nördlichen Bereich befinden sich Sanitär- und Abstellräume. Das 1. Dachgeschoss zeigt im wesentlichen dieselbe Gliederung wie das Obergeschoss. Hier befinden sich weitere Wohnräume und eine Küche. Das 2. Dachgeschoss ist unausgebaut und dient zu Lagerzwecken.
Vorgefundener Zustand (z.B. Schäden, Vorzustand):
keine Angaben
Bestand/Ausstattung:
Das heutige Gebäude besitzt nach wie vor die bauzeitliche Primärkonstruktion des Jahres 1527 und den eindrucksvollen Gewölbekeller eines Vorgängergebäudes. Allerdings ist die bauzeitliche Grundrissgliederung nur noch schwer am Bestand ablesbar. Zudem wurde durch die Veränderungen am Dachtragwerk (östlich: Mansarddach des 18. Jahrhunderts, westlich: Aufstockung 1928) die bauzeitliche Struktur und Substanz des Gebäudes weiter
dezimiert. Hinzu kommt die Tatsache, dass sich am Gebäude keine älteren Ausstattungselemente (weder der Erbauungszeit noch der barocken Umbauphasen) finden lassen. Nur der Wappenstein an der Außenfassade und die profilierte Holzstütze im Obergeschoss stehen noch als singuläre Zeugnisse einer ehemals sicherlich hochwertigen
Ausstattung.

Konstruktionen

Konstruktionsdetail:
  • Decken
    • Balkendecke
  • Dachgerüst Grundsystem
    • Sparrendach, q. geb. mit stehendem Stuhl
  • Dachform
    • Mansarddach/-helm
  • Gewölbe
    • Tonnengewölbe
  • Wandfüllung/-verschalung/-verkleidung
    • Flechtwerk
Konstruktion/Material:
Unter dem Gebäude befindet sich ein großer Gewölbekeller, welcher in seinen Umfassungswänden zahlreiche sandsteinerne Großquader zeigt, wie sie für spätmittelalterliche Bauten typisch sind. Eine Erbauung der Kellerwände im 13./14. Jahrhundert erscheint wahrscheinlich. Das heutige Tonnengewölbe sowie der Kellerhals mit Treppenzugang dürften jedoch erst später (16. Jahrhundert) eingebracht worden sein. Über dem Keller erhebt sich eine massiv gemauerte Erdgeschosszone. Hier findet sich an der
südlichen Giebelseite ein Wappenstein mit dem Wappen des Klosters Schöntal und des Abtes Sebastian sowie die Jahreszahl 1562.
Die Wände des Obergeschosses wurden weitestgehend als Fachwerkkonstruktion errichtet.
Lediglich die östliche Traufwand (Brandmauer?) wurde massiv gemauert.
Auffallend ist, dass die beiden südlichen Zimmer (Stube und Stubenkammer) mehrere Stufen über dem übrigen Obergeschossniveau liegen. Hier scheint es auch abgehängte Deckenbereiche zu geben.
Im westlichen, zum Zeitpunkt der Untersuchung bewohnten Gebäudeteil, befindet sich eine in der Mittellängsachse des Obergeschosses stehende, profilierte Holzstütze.
Das 1. Dachgeschoss wurde auf der östlichen Traufseite nachträglich mit einem Mansarddach versehen, wodurch an der Traufseite mehr Wohnraum geschaffen wurde. Wohl im Zusammenhang mit diesen, ins 18. Jahrhundert zu datierenden Baumaßnahmen, wurde auch das 1. Dachgeschoss zu Wohnzwecken ausgebaut. Bemerkenswert ist die Tatsache, dass sich im 1. Dachgeschoss noch große Wandbereiche mit Lehm-Flechtwerk-Ausfachung
finden, welche mit einem noch verhältnismäßig gut erhaltenen Lehmputz überzogen sind, welcher heute unter einem Kalkputz liegt.
Das Dachtragwerk des einseitig mit einem Mansarddach versehenen Satteldaches wurde im 2. Dachgeschoss mit einer zweifach stehenden Stuhlkonstruktion errichtet. Die Stuhlständer besitzen beidseitig Kopfbänder, welche das Dachtragwerk in Längsrichtung aussteifen.
Auffallend ist hierbei, dass ein Kopfband sowohl am Stuhlständer wie auch an der Pfette verzapft ist. Das andere Kopfband allerdings nur an der Pfette verzapft und an den Stuhlständer angeblattet ist. In Querrichtung wurde das Dachtragwerk ursprünglich durch
angeblattete Steigbänder ausgesteift, welche heute aber allesamt nicht mehr existent sind.
Das bauzeitliche Dachtragwerkdes 16. Jahrhunderts besteht aus rußgeschwärztem Nadelholz.
Von dieser ältesten Bauphase haben sich allerdings nur die drei Stuhlständer mit den jeweiligen Kopfbändern und den Pfetten erhalten. An den Stuhlständern zeigen sich Abbundzeichen in Form von römischen Zahlzeichen, die für eine ehemalige Sparrenzählung
sprechen. Nachträglich, möglicherweise mit der Hinzufügung des Mansarddaches im 18. Jahrhundert, wurde das Dach verändert und dabei neue Kehlbalken und Sparren eingebracht. Die heutigen Sparren stammen jedoch von einer jüngeren Bauphase des
20. Jahrhunderts.

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