Hohes Haus (Schwäbisch Hall)

Datenbank Bauforschung/Restaurierung

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Wohnhaus

ID: 116190532111  /  Datum: 03.05.2018
Datenbestand: Bauforschung
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Objektdaten

Straße: Schmidtengasse
Hausnummer: 4
Postleitzahl: 78315
Stadt-Teilort: Radolfzell

Regierungsbezirk: Freiburg
Kreis: Konstanz (Landkreis)
Wohnplatzschlüssel: 8335063019
Flurstücknummer: keine
Historischer Straßenname: keiner
Historische Gebäudenummer: keine
Lage des Wohnplatzes: Lage des Wohnplatzes

Kartenansicht (OpenStreetMaps)

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Objektbeziehungen

keine

Umbauzuordnung

keine

Weitere Objekte an diesem Wohnplatz

Bauphasen

Kurzbeschreibung der Bau-/Objektgeschichte bzw. Baugestaltungs- und Restaurierungsphasen:

Der älteste Bestand eines Großbaus stammt aus dem 13./ 14.Jahrhundert. Nach der aufgenommenen Befundlage konzentriert sich der älteste Baubestand auf den Gewölbekeller und den darauf abgestimmten, über zwei Geschosshöhen reichenden Massivbau. Um 1600 (g) erfolgte die Erweiterung und Erhöhung des Großbaus. Um 1830 (d) wurde das Gebäude unterteilt und später verändert.


1. Bauphase:
(1200 - 1399)
Der älteste Bestand eines Großbaus aus dem 13./14.Jahrhunderts
Nach der aufgenommenen Befundlage konzentriert sich der älteste Baubestand auf den Gewölbekeller und den darauf abgestimmten, über zwei Geschosshöhen reichenden Massivbau.
Betroffene Gebäudeteile:
Betroffene Gebäudeteile
  • Erdgeschoss
  • Obergeschoss(e)
  • Untergeschoss(e)
Lagedetail:
  • Siedlung
    • Stadt

2. Bauphase:
(1550 - 1599)
Erbauung des nördlichen Nachbargebäudes im 16. Jahrhundert.
Betroffene Gebäudeteile:
Betroffene Gebäudeteile
  • Anbau

3. Bauphase:
(1600)
Erweiterung und Erhöhung des Großbaus um 1600 (g)
Betroffene Gebäudeteile:
Betroffene Gebäudeteile
  • Obergeschoss(e)
  • Anbau

4. Bauphase:
(1830)
Die Unterteilung des Großbaus um 1830 (d) und spätere Veränderungen.
Betroffene Gebäudeteile:
Betroffene Gebäudeteile
  • Dachgeschoss(e)
  • Ausstattung

Besitzer

keine Angaben

Fotos

Abbildungsnachweis
Straßenansicht / Wohnhaus in 78315 Radolfzell, Radolfzell am Bodensee (Burghard Lohrum)

Zugeordnete Dokumentationen

  • Bauhistorische Untersuchung

Beschreibung

Umgebung, Lage:
Im Norden grenzt das Gebäude an einen, sich über die gesamte Gebäudetiefe entwickelnden Fachwerkbau an (Schmidtengasse 6), während das südliche Nachbargebäude (Schmidtengasse 2) teilweise in seinen Außenwänden modern erneuert ist.
Lagedetail:
  • Siedlung
    • Stadt
Bauwerkstyp:
  • Wohnbauten
    • Wohnhaus
Baukörper/Objektform (Kurzbeschreibung):
Mit seiner westlichen Schmalseite die Schmidtengasse begrenzend, war das untersuchte Gebäude ehemals Bestandteil eines größeren Baukörpers. Dieser reichte offenbar bis zur südlich verlaufenden Seestraße und wurde in späteren Zeiten in drei Hauseinheiten unterteilt, wobei es sich bei dem untersuchten Gebäudeteil um den nördlichen Abschluss dieses ehemaligen Großbaus handelt.
Zum Teil unterkellert, besteht der Unterbau des untersuchten Gebäudes aus einem zweigeschossigen Massivbau mit aufgesetztem Fachwerkstock und abschließendem, zur Straße traufständig ausgerichteten Satteldach. Im rückwärtigen Bereich ist das Gebäude modern verlängert.
Innerer Aufbau/Grundriss/
Zonierung:
keine Angaben
Vorgefundener Zustand (z.B. Schäden, Vorzustand):
Der aufgenommene Schadensumfang ist als gering einzuordnen und bezieht sich in der Hauptsache auf das Dachwerk und den rückwärtigen Hausbereich im 2. Obergeschoss.
Während es sich im Dach um partielle Reparaturen einzelner Dachhölzer handelt, ist es im rückwärtigen Hausbereich die Erneuerung und Sicherung der Dachlastabtragung.
Bestand/Ausstattung:
keine Angaben

Konstruktionen

Konstruktionsdetail:
  • Mischbau
    • Obergeschoss(e) aus Holz
    • Unterbau aus Stein (gestelzt)
  • Dachform
    • Satteldach
Konstruktion/Material:
Der älteste Bestand eines Großbaus aus dem 13./ 14.Jahrhunderts:
Nach der aufgenommenen Befundlage konzentriert sich der älteste Baubestand auf den Gewölbekeller und den darauf abgestimmten, über zwei Geschosshöhen reichenden Massivbau. Orientiert an der im Kellerbereich einsichtigen Mauerstruktur und der Gewölbeeinschalung ist dieser Kernbau in das 13./ 14. Jahrhundert zu datieren. Dessen Abschluss bildete ein zur Straße geneigtes Pultdach, dessen Dachprofil am Südgiebel des nördlich angrenzenden Fachwerkbaus ablesbar ist. Ob der rückwärtige Abschluss des Pultdaches massiv oder in Fachwerk ausgeführt war, muss offenbleiben.
Nicht gesichert ist auch die südliche Ausdehnung des Kernbaus. Orientiert an den südlichen Abschlusswänden des untersuchten Gebäudes und den dort aufgenommenen Befunden, dass sie sowohl im Keller als auch im Überbau einem in Richtung Süden verlaufenden Gebäude eingestellt sind, muss zumindest auch das Haus Nr. 2 dem bauzeitlichen Bestand dieses Großbaus zugerechnet werden.
Bezogen auf seine ursprüngliche Nutzung, wird es sich bei dem in Richtung Süden entwickelnden Großbau wohl um einen Wirtschafts- oder Lagergebäude gehandelt haben.

Erbauung des nördlichen Nachbargebäudes im 16. Jahrhundert:
An den Großbau wird wohl in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhundert der nördliche Fachwerkbau angebaut. Sein vom untersuchten Gebäude einsichtiges Giebelfachwerk wurde bauzeitlich mit Backstein geschlossen, wobei der Wandverschluss außerhalb des südlich angrenzenden Pultdachprofiles verputzt bzw. im Dachgiebel verbrettert wurde. Innerhalb des Pultdachprofils blieb die Backsteinfüllung unverputzt.

Erweiterung und Erhöhung des Großbaus um 1600:
Wohl um 1600 (g) wird der massive Kernbau in die Tiefe verlängert und um eine Etage in Fachwerk erhöht. Parallel dazu erfolgte der Abbruch des Pultdaches und dessen Ersatz durch die Abzimmerung des angetroffenen Dachwerkes. Spätestens zu diesem Zeitpunkt erstreckten sich sowohl das Dach als auch der zugehörige Unterbau bis zur Seestraße.

Diese Aussage stützt sich auf das durch die damaligen Zimmerleute angewandte Markierungssystem, verbunden mit den dabei verwendeten und an den Dachhölzern angebrachten Abbundzeichen.

Grundsätzliches zum Markierungssystem
Vor dem Aufrichten des Daches an seinem dafür vorgesehenen Bauplatz wurde dessen Holzkonstruktion abgebunden. Dies geschah in aller Regel auf dem Zimmerplatz, wobei parallel zum Abbund auch die Markierung der Bauhölzer durch Abbundzeichen erfolgte. Mit deren Hilfe war es dann möglich, in relativ kurzer Zeit die Dachkonstruktion aufzuschlagen. Das im vorliegenden Fall angewandte Markierungssystem unterliegt einem Aufbau, der kurz erläutert werden soll.
Danach unterliegt das Traggerüst jeder einzelnen Dachebene einer zweidimensionalen Grundorientierung. Diese erfolgt quer zum First über die Aufreihung von Querachsen, denen längs zum First die Längsachsen zugeordnet sind. Darauf aufbauend, erhalten die Hölzer der Querachsen (-wände) dreiecksförmige Ausstiche und die der Längsachsen (-wände) lange Schrägkerben, sog. Ruten. In der Praxis am Hauptgiebel (z.B. Stubengiebel) beginnend, werden die Querachsen mit 1,2,3 usw. Ausstichen markiert, während die Längsachsen, beginnend an der Haupttraufe (Erschließungstraufe) 1,2,3 usw. Ruten erhalten.

Die in den jeweiligen Achsen verbauten Hölzer werden durch die steigende Folge von Strichkerben gekennzeichnet, wobei eine dieser Strichkerben zur Anbringung der Ruten bzw. Ausstiche herangezogen wird. In den Querachsen beginnt die Folge der Strichkerben an der 1. Längsachse (eine Rute). In den Längsachsen beginnt die Folge der Strichkerben an der 1. Querachse (ein Ausstich). Angebracht sind die Zeichen auf der Bundseite. Das ist die Ebene, an der die Seiten der unterschiedlich dicken Bauhölzer eine einheitliche Ebene ausbilden.

Auswertung des Markierungssystems:
Nachvollziehbar ist das beschriebene System im 1. Dachgeschoss, wo im vorliegenden Fall die steigenden Folgen der Strichkerben an den Kopfstreben im Zuge der beiden Längsachsen aufgenommen wurden. So verläuft die mit einer Rute gezeichnete Längsachse an der Straßenseite, während die rückwärtige Längsachse zwei Ruten besitzt. In beiden Längsachsen sind die Ruten mit Strichkerben kombiniert, deren steigenden Folgen dem römischen Zahlenaufbau unterliegen. Dieser endet in beiden Längsachsen mit der Zahl XIII, so dass über die gesamte Länge des damaligen Abbundes die Ausführung von dreizehn Kopfstreben rekonstruiert werden kann.
Ähnlich verhält es sich bei den Markierungen der Querachsen. So besitzt der mittige Ständer des 2. Dachgeschosses in der südlichen Querachse 6 Ausstiche, was für die bauzeitliche Dachkonstruktion unter der Berücksichtigung der nördlichen Giebelquerachse die Anzahl von sieben Querbünden ergibt.
Kann somit die Ausdehnung des um eine Nutzungsebene erhöhten Gebäudes bis zur südlichen Seestraße zumindest für die Umbauphase um 1600 als gesichert angesehen werden, so ist eine derartige Übertragung auch auf den Kernbau zwar nicht bewiesen, aber im Zusammenhang mit den eingestellten Abschlusswänden doch sehr wahrscheinlich.
Damit relativiert sich die aus dem erhaltenen Bestand gewonnene Nutzungszuordnung in der Weise, dass die möglichen Wohnräume außerhalb des untersuchten Bereiches gelegen haben könnten.

Die Unterteilung des Großbaus um 1830 (d) und spätere Veränderungen:
Mit der Umnutzung des straßenseitigen Raumes im 1. Obergeschoss zur Stube wird wohl die Unterteilung des Großbaus in drei besitzrechtlich eigenständige Bauteile verbunden sein.
Zu dem bescheidenen Rest dieser Umbauphase gehören dann wohl auch die angetroffene Fassadengliederung und die Trennwände zu Haus Nr. 2. Gleichzeitig entstanden mit dem Ausbruch der inneren Mauerschale auch die Fluranlage und die Anlage des Treppenhauses, über das, nach einem weiteren Mauerdurchbruch, der Keller zugänglich gemacht wurde.

Die größten Veränderungen beziehen sich auf den rückwärtigen Bereich, der wohl nicht zuletzt infolge großer Bauschäden im frühen 20.Jahrhundert erneuert und vergrößert wurde.

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