Objekt(11604): Sog. Weberhäusle Sog. Weberhäusle

ID: 204845670510
Datum: 04.05.2017
Datenbestand: Bauforschung und RestaurierungBauforschung und Restaurierung
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Information(11604): Sog. Weberhäusle Objektdaten

Straße: Käppeleshof
Hausnummer: 4
Postleitzahl: 78730
Stadt: Lauterbach
Regierungsbezirk: Freiburg
Kreis: Rottweil (Landkreis)
Gemeinde: Lauterbach
Wohnplatz: Lauterbach
Wohnplatzschlüssel: 8325036025
Flurstücknummer: keinekeine
Historischer Straßenname: keinerkeiner
Historische Gebäudenummer: keinekeine
Lage des Wohnplatzes
BW
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Objektverknüpfungen(11604): Sog. Weberhäusle Objektbeziehungen

keinekeine
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Objekt(11604): Sog. Weberhäusle Umbauzuordnung

keinekeine
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Objekt(11604): Sog. Weberhäusle Weitere Objekte an diesem Wohnplatz

Bauforschung und RestaurierungHofgebäude, Käppeleshof 1 (78730 Lauterbach)
Bauforschung und RestaurierungHofgebäude, Käppeleshof 7 (78730 Lauterbach)
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Bauphasen(11604): Sog. Weberhäusle Bauphasen

Kurzbeschreibung der Bau-/Objektgeschichte bzw. Baugestaltungs- und Restaurierungsphasen:

Das sog. Weberhäusle gehörte ursprünglich einem großen Bauernhof an, dem sog. Käppelehof, welcher sich weiter unten im Tal befand. Die dendrochronologische Datierung ergab ein Datum für die Fällung der Hölzer im Winter 1778/80, was auf eine Errichtung des Gebäudes im Jahr 1780 (d) schließen lässt. Es konnten keine früheren Baustrukturen erkannt werden. Ungereimtheiten im Erdgeschoss sind auf eine wenig ausgereifte Mauertechnik bzw. spätere Veränderungen zurückzuführen.
Das ehem. Wohnstallhaus wurde zwischen 2011-2013 aufwendig saniert und dient heute lediglich zu Wohnzwecken.


1. Bauphase:
(1780)
Errichtung des Gebäudes (d).
Betroffene Gebäudeteile: Betroffene Gebäudeteile
  • Erdgeschoss
  • Obergeschoss(e)
  • Dachgeschoss(e)
Lagedetail:
  • Einzellage
    • allgemein
Bauwerkstyp:
  • Ländl./ landwirtschaftl. Bauten/ städtische Nebengeb.
    • Wohnstallhaus

2. Bauphase:
(2011 - 2014)
Umfangreiche Sanierung des Gebäudes: dabei wurde der Hof weitestgehend entkernt. Lediglich die tragenden Natursteinmauern, die Holzständerstruktur und der Holzdachstuhl blieben erhalten.

Das Dach wurde wie bereits vorhergend als Rietdach ausgeführt. Verfaulte Fachwerkhölzer wurden zum Teil ersetzt, so auch die Schindeln an der Fassade. Der rote Natursteinsockel und Mauer- und Werksteine wurden überarbeitet und ergänzt, die Fenster erneuert.
Die innere Gebäudeaufteilung ist noch überwiegend ablesbar. Wand- und Deckenvertäfelungen wurden restauriert und wieder eingebaut.
Betroffene Gebäudeteile: Betroffene Gebäudeteile
  • Erdgeschoss
  • Obergeschoss(e)
  • Dachgeschoss(e)
  • Ausstattung
Bauwerkstyp:
  • Wohnbauten
    • Wohnhaus
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Besitzer(11604): Sog. Weberhäusle Besitzer

keine Angabenkeine Angaben
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Objekt(11604): Sog. Weberhäusle Zugeordnetes Objekt

keineskeines
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Fotos

Sog. Weberhäusle in 78730 Lauterbach (Stefan King)
Ansicht Vordergiebel / Sog. Weberhäusle in 78730 Lauterbach (Stefan King)

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Zugeordnete Dokumentationen

  • Bauhistorische Untersuchung
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Beschreibung(11604): Sog. Weberhäusle Beschreibung

Umgebung, Lage: Das Gebäude liegt im hochgelegenen Teil eines schmalen Seitentals innerhalb einer ansteigenden Freifläche am Waldrand. Es ist giebelseitig zur talseitigen Straße bzw. zum Hang ausgerichtet.
Lagedetail:
  • Siedlung
    • Randlage
Bauwerkstyp:
  • Wohnbauten
    • Wohnhaus
Baukörper/Objektform (Kurzbeschreibung): Zweigeschossiger Satteldachbau mit massivem Erdgeschoss aus rotem Naturstein, Obergeschoss in Holzgerüstbauweise mit Fassadenschindeln, Giebel über Obergeschoss auskragend; Satteldach mit
Reeteindeckung.
Innerer Aufbau/Grundriss/
Zonierung:
Die heutige Gebäudeerschließung erfolgt im Bereich des Erdgeschosses von der südlichen Giebelseite aus. Das Obergeschoss ist zudem von der westlichen Traufseite aus begehbar. Über eine Hocheinfahrt im rückwärtigen Giebel gelangt man ins Dach.
Vorgefundener Zustand (z.B. Schäden, Vorzustand): Das Gebäude umfasste anfänglich eine kleine, aber vollständige Wohneinheit, die sogar über drei Kammern verfügte. Zusammen mit dem Stall konnte es als ein eigenständiges Bauernhaus funktionieren, um die umgebende Freifläche bewirtschaften zu können. Nach lokaler Überlieferung soll es als Leibgeding zum Käppelehof gehört haben, wobei die Überlieferung nicht notwendigerweise bis zur Bauzeit im 18. Jahrhundert zurückreichen muss.

Für Mauer- und Werksteine kam lokal anstehender Buntsandstein zur Verwendung, für das Holzwerk ausschließlich Nadelholz.
Im Sommer 2010 wurde eine neue Dachdeckung aus Schilf aufgebracht, die eine ältere Deckung ersetzt hat und nach Angaben des Dachdeckers ebenfalls aus Schilf bestand. Bei der umfangreichen Sanierung des Gebäudes 2012-14 wurde der Hof weitestgehend entkernt. Lediglich die tragenden Natursteinmauern, die Holzständerstruktur und der Holzdachstuhl blieben erhalten.
Verfaulte Fachwerkhölzer wurden zum Teil ersetzt, so auch die Schindeln an der Fassade. Der rote Natursteinsockel und Mauer- und Werksteine wurden überarbeitet und ergänzt, die Fenster erneuert.
Die innere Gebäudeaufteilung ist noch überwiegend ablesbar. Wand- und Deckenvertäfelungen wurden restauriert und wieder eingebaut
Bestand/Ausstattung: keine Angabenkeine Angaben
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Konstruktionen(11604): Sog. Weberhäusle Konstruktionen

Konstruktionsdetail:
  • Dachform
    • Satteldach
  • Holzgerüstbau
    • allgemein
  • Steinbau Mauerwerk
    • Werkstein
  • Wandfüllung/-verschalung/-verkleidung
    • Holzschindeln
    • Lambris/Täfer
Konstruktion/Material: Erdgeschoss
Das Erdgeschoss umfasst nur etwa die halbe Grundfläche des Obergeschosses und nach hinten dehnt es sich unregelmäßig weit in den Hang hinein aus. Der Bereich am Vordergiebel diente einst als Stall, wovon sich der Unterbau vermutlich einer Futterkrippe erhalten hat, der in Querrichtung verläuft. Die Tiere standen direkt hinter der Giebelwand auf einem Holzboden, mit dem Kopf gegen den Hang gerichtet und wurden vom schmalen Gang dahinter gefüttert. Von den beiden giebelseitigen Türen diente die linke als allgemeiner Zugang und zum Einbringen von Futter, die rechte als Zugang zum Melken und Ausmisten. An der Rücktraufe ist die Grundfläche in Längsrichtung verkürzt ausgebildet, wofür wohl anstehender Fels der Grund gewesen sein dürfte und von dem in der Ecke ein Stück herausschaut. Nach oben ist der Stallraum mit einer Balken-an-Balken-Decke abgeschlossen, indem die Zwischenräume der abgebundenen Deckenbalken mit kleineren Balken gefüllt sind. Unter den vielen Abstützungen gehört nur der monolithische Sandsteinpfeiler der Bauzeit an. Innerhalb des hangseitigen Abschlusses ist eine Treppe zum Obergeschoss eingelassen.
Entlang der Vordertraufe zieht sich ein gewölbter Kellerraum tief in den Hang hinein. Wie die eigens dafür hochgesetzte Schwelle des Obergeschosses innerhalb der Vordertraufe zeigt, gehört er dem Originalbestand an und ist nicht etwa nachträglich angelegt worden.


Obergeschoss
Das Ständergerüst des Obergeschosses steht auf einem Schwellenrost, der mittels Zapfenschlössern zusammengefügt ist. Nur eines der Zapfenschlösser ist neben der Haustür in alter Form erhalten geblieben, während bei allen anderen der vorstehenden Zapfen und im Fall der Eckverbindungen auch das Vorholz des Gegenholzes abgesägt wurden. Um den Gewölbekeller unterbringen zu können, wurde oberhalb desselben die Schwelle höher gelegt, indem sie in den Bundständer einzapft.
Das Ständergerüst bildet zwei Längszonen aus, während die Achsen in Querrichtung zugunsten der Raumeinteilung verspringen. Die traufseitig gelegene Eingangstür öffnet sich in einen Hauptflur, von wo nach rechts die Stube betreten wird. Diese nimmt die Hauptecke zwischen Vordergiebel und -traufe ein. Geradeaus endet der Flur in der Hausmitte und führt dort in eine geräumige Küche, die mit der Stube ein gemeinsames Stück Wand für die Unterbringung der Heizeinrichtung besitzt. Jenseits der Stube und von dieser aus zugänglich, liegt eine Kammer am Vordergiebel, deren bestehender Türdurchgang zur Küche erst später geschaffen wurde. Zur Linken des Flurs befindet sich an der Vordertraufe eine Kammer, hinter der ursprünglich noch innerhalb der vorderen Längszone ein schmaler Stichflur in Längsrichtung abzweigte, der eine weitere Kammer innerhalb der rückwärtigen Längszone erschloss. Direkt am Hang verlief in Querrichtung über die gesamte Breite der Grundfläche ein Durchgang, der an beiden Traufseiten offen war und welcher gegen den Hang von einer Mauer aus gebrochenen und grob zugehauenen Steinen begrenzt war. Er gewährleistete einen Abstand zwischen Holzkonstruktion und Hang, sodass nur die Längsrähme im Mauerwerk auflagen, und konnte als Holzlege u.ä. dienen.
Je nach Funktion des jeweiligen Raums war die Wand- und Deckenbildung beschaffen. Die Stube besaß als ursprünglich einzig beheizbarer Raum rundherum horizontal angeordnete Bohlenfüllungen mit einer auffallenden Stärke von nur 6 cm. Die obersten Bohlen der beiden Querachsen waren zur Aufnahme einer leicht gewölbten Bohlendecke von ebenfalls 6 cm Stärke mit vortretendem Auflager und Nut versehen.
Die mittlere Deckenbohle ist als Schub keilförmig zugeschnitten und schaute durch einen Schlitz in der Stirnbohle in den Flur vor, um von dort zur abschließenden Verspannung eingetrieben werden zu können. An Vordergiebel und -traufe bestand jeweils ein vor die Außenflucht vortretender Fenstererker, wovon sich die zurückgearbeiteten Seitenstiele, der giebelseitige Brustriegel und beide Sturzriegel erhalten haben. Der traufseitige Sturzriegel ist vollständiger, der giebelseitige aber nur in reduzierter Form (inzwischen auch beidseitig gekürzt) vorhanden. Beide besitzen unterseitig eine schmale Nut zur Aufnahme der Fenster in vorgeschobener Lage. Von den beiden Türen zum Flur und zur Kammer haben sich jeweils beide Stiele erhalten, in die die oberste Bohle eingehälst ist. Sie bildet ihrerseits den Sturz der Öffnung und war kiel-, stich-, schulterbogenförmig oder sonst wie ausgeschnitten. Davon hat sich durch spätere Abarbeitungen nichts erhalten, weshalb sie sich auch nicht nachvollziehen lässt. Der erdgeschossige Deckenbalken, der die Schwelle für die Wand zwischen Stube und Flur bildet, ist abgefault und abgesackt, sodass die Füllung und die darin gelagerte Decke in der Ständernut nach unten gerutscht sind.
Zwischen Stube und Küche liegt ein Mauerblock als Feuerwand, der in den Bereich der Kammer ausgedehnt ist. Der daran angesetzte Kachelofen in der Stube war in jüngerer Zeit erneuert und zwischenzeitlich entfernt worden. Die Hinterladeröffnung und der zugesetzte Rauchabzug zur Küche sind älteren Datums. Einige bündig in der Mauer sitzende, dunkelbraune Ofenkacheln dürften auf eine einfache Kunst zurückgehen. Seitlich davon befindet sich zur Stube eine querrechteckige Nische mit Nuten für einen Schieber und eigenem, stark verrußtem Rauchabzug. Sie kann als Lichtnische interpretiert werden, wo ein Kienspan kontrolliert abgebrannt werden konnte, um die Stube des Nächtens in ein schwaches Licht zu tauchen. Der Mauerblock ist im Grundriss leicht schräg ausgerichtet und schließt damit bündig an Bundständer bzw. Türstiel auf unterschiedlichen Seiten der Wandachse an.
Die beiden Außenwände der giebelseitigen Kammer sind unterschiedlich aufgebaut. Am Giebel besteht eine horizontale Bretterbalkenfüllung mit einer integrierten querrechteckigen Fensteröffnung. Sie konnte mit einem innenseitigen Schiebeladen geschlossen werden und liegt auffällig tief, während der oberste Abschnitt der Füllung aus stehenden Brettern zusammengesetzt ist. An der Traufwand sind unten eine Blockfüllung und oben stehende Bretter eingesetzt, wobei unklar ist, ob anstelle der bestehenden Fensteröffnung schon ursprünglich eine kleinere Öffnung bestanden hatte oder ob die Wand hier geschlossen war. Die Wand der Kammer zur Küche hin ist heute teilweise gemauert, teilweise besteht eine jüngere Tür. Der ursprüngliche Wandaufbau konnte bisher nicht nachgeprüft werden, zu vermuten sind ein Teil als gemauerte Feuerwand und ein Teil in Fachwerk.
Die Küche hatte an der Rücktraufe eine Fachwerkwand, die heute nur noch über entsprechende Zapfenlöcher mit mittigem Zwischenständer, Feldstreben und kleiner Fensteröffnung nachvollziehbar ist. Über der Küche öffnete sich anfangs ein weiter Rauchfang (mit verzapftem und vernageltem Wechselholz), der später verkleinert worden ist.
Von der vorderen Kammer haben sich drei Wandachsen mit Füllung erhalten: eine zur Vordertraufe und jeweils eine zu den beiden Flurarmen, die jeweils aus einer Blockfüllung unten und stehenden Brettern oben zusammengesetzt sind. Die Türöffnung zum Flur wird von Türstielen begrenzt, die oben in den Dachbalken gezapft sind und zwischen die ein Sturzbrett eingespannt ist. Von allen übrigen Wandachsen um die beiden Kammern und dem dazwischenliegendem Stichflur sind nur Nuten nachweisbar, die denselben Wandaufbau vermuten lassen.
Innerhalb des Hauptflurs sind mehrere Befunde für vertikale Erschließungs- und Funktionselemente zu finden. Zwei Wechsel begrenzen ein Treppenloch, wo steile Stiegen gleich neben der Haustür direkt vor der Wand zur Stube in den Dachraum führten. Da eher selten begangen, war die Treppe sicherlich mit einer Falltür verschlossen. Eine weitere, vom Erdgeschoss heraufführende Treppe mündete im Bereich vor der Küchentür und muss daher ebenfalls mit einer Falltür geschlossen gewesen sein. Aussparungen lassen im Dachgebälk die Lage zweier weiterer Wechsel für eine Öffnung direkt über der Tür zur vorderen Kammer erkennen. Eine Treppe kann hier nicht gelegen haben. Zu vermuten ist ein Heuabwurf, sicher wiederum mit Falltür. Hier konnte Heu vom Dachraum in den Flur und von dort die Treppe ins Erdgeschoss geworfen werden. Direkt vor der Küchentür finden sich Ausarbeitungen an Dachbalken und Kopfband für eine weitere vertikale Struktur, die jedoch nicht ermittelt werden konnte.
Als Aussteifung kamen angeblattete Kopf- und Fußbänder zum Einsatz, die durchgehend nur die Stärke des Blattes besitzen und damit zwischen Bundseitenflucht und Wandfüllung noch Platz finden konnten. Sie sind unregelmäßig angeordnet. Im Fachwerk der Küche waren gezapfte Feldstreben eingebunden. Die weit vorkragenden Rähme am Vordergiebel sind von Kopfstreben unterstützt, die mit Versatz eingezapft und von der Bundseitenflucht zurückgesetzt sind (sie wurden im Rahmen einer Absprießung inzwischen abgesägt).
Spätere Veränderungen im Wandaufbau erfolgten in der Stube durch innenseitiges Anbringen eines Wandtäfers. Möglicherweise wurden in Verbindung damit auch die Fenstererker neu gefasst, indem unter die Sturzriegel Brettverwahrungen mit Nut in ebenfalls vorgeschobener Lage angebracht wurden.
Bei den Wandfüllungen der giebelseitigen Kammer wurden außen und innen durch Stakungen mit Mauer- und Lehmfüllung die zurückgesetzten Bereiche verfüllt und eine ebene Wandfläche erzeugt. Ähnliches erfolgte möglicherweise außenseitig an der Stubenwand, was zumindest einige Spuren vermuten lassen.
Im 19. Jahrhundert wurde die rückwärtige Kammer hinter der Küche stark vergrößert, indem ihr die Flächen des Stichflurs und des hangseitigen Durchgangs zugeschlagen und die rückwärtige Traufwand durch eine nach außen verschobene, gemauerte Außenwand mit großer Fensteröffnung ersetzt wurde. Die Wandachse zur Küche wurde ebenfalls durch Mauerwerk ersetzt, worin sich Reste einer Heizeinrichtung, vermutlich Kachelofen und Kunst, nach Abschlagen des Putzes fanden. Eine flache Wölbung im Anschluss in der Küche, die ihres labilen Zustands wegen jüngst entfernt worden ist, dürfte damit in Verbindung gestanden haben. Allem Anschein nach wurde hier anstatt einer einfachen Kammer ein hochwertiger Wohnraum geschaffen. Die Erweiterung betraf auch ein kurzes Stück der Küchenwand.
In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde in der ausgeweiteten Kammer eine Hohlblockwand wieder an die Stelle der früheren Querwand gesetzt und der Raum damit wieder verkleinert. Zugleich wurde die Küche an der Rücktraufe abermalig vergrößert. Zur gleichen Zeit wurde der größte Teil der hölzernen Außenwände mit einer Verschindelung versehen. In noch jüngerer Zeit wurde der verbliebene Teil des hangseitigen Durchgangs zu einem Badezimmer ausgebaut und dafür das hangseitige Mauerwerk ersetzt.
Über der Haustür findet sich auf den Rähmbalken eine Inschrift mit schwarzer Farbe:
F 107: No 70
Es handelt sich wohl um eine Hausnummer und/oder Feuerversicherungsnummer.

Dachwerk
Das Dachwerk ist als Sparrendach mit recht weiten Sparrenabständen aufgebaut. Der unterstützende Stuhl ist aus zwei konstruktiv unterschiedlich aufgebauten Abschnitten zusammengesetzt. Für den vorderen, talseitigen Abschnitt wurde ein liegender Stuhl mit verzapften Kopfstreben abgezimmert. Der hintere Abschnitt wurde dagegen als stehender Stuhl errichtet, der zugleich eine Fahr ausbildet. Die Stuhlpfetten liegen hier enger zusammen und innerhalb des Dachdreiecks folglich höher. Beide Stuhlabschnitte sind konstruktiv nicht miteinander verbunden. Die Sparren sind an die Dachbalken geblattet und bildeten einst den Dachüberstand. Später wurde die Mehrzahl von ihnen gekürzt und der Überstand mittels Aufschieblingen bewerkstelligt, an der Vordertraufe zugunsten einer ungehinderten Nutzung des Vorplatzes, an der Rücktraufe aufgrund einer Erweiterung.
Die Bundseitenausrichtung der einzelnen Gespärre wechselt mehrmals in Abhängigkeit zur Grundrissgliederung des Obergeschosses.
Der Vordergiebel kragt einen halben Sparrenabstand vor. Das Giebeldreieck wurde im 20. Jahrhundert vollständig erneuert, jedoch genau in alter Lage wie die Zapfenlöcher von Giebelständern noch erkennen lassen. Da für eine nach innen gerichtete kopfzonige Aussteifung keine Anschlüsse vorhanden sind, kann eine nach außen gerichtete zumindest vermutet werden, die in Form von Kopfstreben einst vorkragende Pfetten gestützt hätten. Dies würde einen gestuften Ortgang bedeuten, der aber zumindest bereits schon vor der Erneuerung des Giebeldreiecks nicht mehr bestanden hatte wie der Vergleich mit älteren Postkarten erkennen lässt. Bei der Erneuerung kam ein zusätzliches Ständerpaar hinzu, das die Stuhlpfetten in der Giebelflucht des Obergeschosses stützt. Die Ständer einer Firstachse im Spitzboden sind so platziert, dass sie talseitig einen Steilgiebel und hangseitig einen Halbwalm über der Hocheinfahrt nachweisen. Letzterer ist in Verbindung mit der Neueindeckung jüngst wiederhergestellt worden.
Die Fahr war sowohl Hocheinfahrt als auch Dreschtenne und wird in der dafür üblichen Weise von hohen seitlichen Brüstungswänden begrenzt, die mit einer Blockfüllung unten und stehenden Brettern oben gefüllt sind. Ihr Boden war mit starken Bohlen belegt und mit Randhölzern L-förmigen Querschnitts mit den Brüstungswänden dicht verbunden. Von den beiden Wendebohlenflügeln des Hocheinfahrtstors war einer mit Zwischenauflagerklotz hälftig geteilt.
Das Holzwerk des Dachwerks ist nur partiell im Bereich oberhalb der Küche rußgeschwärzt. Eine Verwahrung zeigt die Form des sich verjüngenden Rauchhuts an.