Datenbank Bauforschung/Restaurierung

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Neues Schloss Baden-Baden, Dagobertsterasse und Kavaliersbau

ID: 212729333112  /  Datum: 29.07.2026
Datenbestand: Bauforschung und Restaurierung
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Objektdaten

Straße: Schloßstraße
Hausnummer: 22
Postleitzahl: 76530
Stadt-Teilort: Baden-Baden

Regierungsbezirk: Karlsruhe
Kreis: Baden-Baden (Stadtkreis)
Wohnplatzschlüssel: 8211000000
Flurstücknummer: keine
Historischer Straßenname: keiner
Historische Gebäudenummer: keine
Lage des Wohnplatzes: Lage des Wohnplatzes
Geo-Koordinaten: 48,7644° nördliche Breite, 8,2417° östliche Länge

Kartenansicht (OpenStreetMaps)

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Objektbeziehungen

Ist Gebäudeteil von:
1. Gebäudeteil: Neues Schloss, Sachgesamtheit, Schloßstraße 22

Besteht aus folgenden Gebäudeteilen:
keine Angabe

Umbauzuordnung

keine

Weitere Objekte an diesem Wohnplatz

Bauphasen

Kurzbeschreibung der Bau-/Objektgeschichte bzw. Baugestaltungs- und Restaurierungsphasen:

Das Neue Schloss ist als Burg seit dem Ende des 14. Jahrhunderts nachweisbar. Im 16. Jahrhundert unter den Markgrafen Philipp I. und II. prächtig ausgebaut, blieb es bis zur Teilzerstörung im Pfälzischen Erbfolgekrieg 1689 Hauptresidenz der Markgrafschaft.
Die kriegsbeschädigte Anlage wurde ab etwa 1700 vereinfachten Formen wiederaufgebaut. 1706 erfolgte die endgültige Verlegung des Residenzstandortes nach Rastatt. Seit 1805 nutzten die Großherzöge von Baden das Neue Schloss von Baden-Baden als Sommerresidenz; während des 19. Jahrhunderts wurden großzügige Renovierungsarbeiten unternommen, die bis heute die Anlage deutlich prägen. Erst im späten 20. Jahrhundert wurde das Schloss veräußert: 1995 wurden große Teile des Inventars versteigert, bevor das Neue Schloss im Oktober 2003 verkauft wurde.


1. Bauphase:
(1390 - 1399)
erstmals nachweisbar
Betroffene Gebäudeteile:
keine
Lagedetail:
  • Siedlung
    • Stadt
Bauwerkstyp:
  • Befestigungs- und Verteidigungsanlagen
    • Burg, allgemein

2. Bauphase:
(1479 - 1689)
Der gotische Palas: Das Bauwerk 1479-1689:
Reliefs an den Ecken der Hoffassade werden dem spätmittelalterlichen Bildhauer Hans Spryß in den 1480er Jahren zugeschrieben. In diese Zeit fällt auch die Residenzverlegung vom Oberen Schloss Hohenbaden in das Untere, Neue Schloss durch Markgraf Christoph I. Die Verbindung zum mittelalterlichen Wehrgang an der Nordseite der Burg dürfte ebenfalls aus dieser Phase stammen. Hofseitig befand sich ein aufwändig gestalteter Treppenturm, der Zugang erfolgte von Nordosten durch ein weites Spitzbogentor.
Im 16. Jahrhundert wurde die Nordseite der mittelalterlichen Burg überbaut. Der 1577 errichtete Küchenbau orientierte sich am Kavalierbau und überschnitt diesen im Nordosten. Der frühere Wehrgang mündete nun in den Arkadengang des Küchenbaus.
Darstellungen des 17. Jahrhunderts zeigen den Kavalierbau vor seiner Zerstörung als zweigeschossigen Bau mit viergeschossigem Dachstuhl und hofseitigem Treppenturm. Das nicht erhaltene Dachwerk war ein Sparrendach mit vermutlich drei Kehlbalkenebenen. Westlich des Treppenturms bestanden mindestens drei Fensterachsen mit Kreuzstockfenstern. Ein Zwerchhaus mit vermutetem Flaschenzug erleichterte die Einlagerung von Gütern. Mehrere Kamine sind nachweisbar; ihre Züge haben sich teilweise in der Außenmauer erhalten. Rundbogige, später verkleinerte Fensteröffnungen im westlichen Drittel des Kavalierbaus werden vermutlich der Ursprungsanlage zugerechnet.
Betroffene Gebäudeteile:
keine
Lagedetail:
  • Burganlage
    • allgemein
Bauwerkstyp:
  • Befestigungs- und Verteidigungsanlagen
    • Burg, allgemein

3. Bauphase:
(1709 - 1733)
Die Jahreszahl „1709“ über dem Haupteingang bezeichnet die Fertigstellung des wiederaufgebauten Kavalierbaus nach der Zerstörung im Pfälzischen Erbfolgekrieg 1689. Im Giebeldreieck findet sich das Allianzwappen der Bauherrn: Der Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden (1655-1707, auch für die Errichtung des Rastatter Schlosses bekannt) und seine Ehefrau Franziska Sibylla Augusta von Sachsen-Lauenburg (1675-1733).
Im Erdgeschoss sind bis auf die Fenstergliederung heute nunmehr Fragmente der barocken Bauphase sicher greifbar (Lambris im unteren Wandviertel in zwei Räumen der Räume im Südosten, Ohrungen von Türrahmungen, Fenster). Mithilfe der dendrochronologischen Untersuchung konnte die Stube beim gotischen Gebäudeeingang im Osten auf 1732/33 (d) datiert werden. Vermutlich überliefert der älteste Grundrissplan des Kavalierbaus 1807 die Raumaufteilung der barocken Bauphase mit dem Küchenraum im Südwesten.
Im Dachgeschoss ist die einzigartige Dachkonstruktion aus dem Jahr 1709 (d) erhalten. Um das mit 22,5 m Breite relativ tiefe Gebäude zu überdachen, wurde eine unübliche Lösung gewählt. Statt das Gebäude mit einem hohen Dachstuhl analog zum Vorgängerbau zu versehen, entschied man sich für zwei parallele Sparrendächer, womöglich um die Kosten zu begrenzen. Hierfür machte man sich die massive Mittelwand als inneres Auflager und als Grabenrinne zunutze. Sehr auffällig ist die Ausbildung der kurzen Seiten mit Verbindungsdächern, sodass die Entwässerung des Grabens durch das und unterhalb des westlichen Dachabschnittes erfolgen musste.
Betroffene Gebäudeteile:
keine

4. Bauphase:
(1817 - 1825)
Historismus I (1817-1825):
Ab Beginn des 19. Jahrhunderts wurden umfassende Umbaupläne für den Kavalierbau entwickelt, der zunächst vor allem wirtschaftlich genutzt wurde und sich offenbar in schlechtem baulichem Zustand befand. 1801 wurde vorgeschlagen, das Gebäude mit mäßigem Aufwand zu einer Küche mit Wohnhaus umzubauen und im westlichen Erdgeschoss eine Hausmeisterwohnung einzurichten; zugleich sollte der schadhafte Dachstuhl ersetzt werden. Planungen von 1807 bis 1810 sahen größere Eingriffe vor, darunter Veränderungen der Raumhöhen, ein neues Walmdach sowie Umbauten für die Hausmeisterwohnung, von denen jedoch nicht alle ausgeführt wurden. Ein Gutachten von 1817 belegt weiterhin die überwiegend wirtschaftliche Nutzung des Kavalierbaus: Im Hauptkeller konnten über 100 Fuder Wein gelagert werden, die Speicher im Dach- und Zwischengeschoss fassten 1200 Malter, während sich im Erdgeschoss neben der Hausmeisterwohnung Stallstuben und eine Kammer für den Stalloffizianten befanden. Zugleich wurde die Wiederherstellung des ehemaligen Rittersaals als repräsentativer Erinnerungsort an die Vorfahren des Hauses vorgeschlagen. Dieser Plan wurde bald umgesetzt: 1824/25 entstanden der neue Rittersaal mit Kassettendecke sowie anstelle der Stallstuben ein Appartement mit „Cavalierzimmern“; die frühere Kammer des Stalloffizianten wurde zum Dienerzimmer. Auch Reparaturen am Dach wurden vermutlich in dieser Zeit vorgenommen. 1847 wurde die frühere Hausmeisterwohnung schließlich als Schlossverwalterwohnung bezeichnet.
Betroffene Gebäudeteile:
keine

5. Bauphase:
(1865 - 1873)
Historismus II (1865-1873):
1865 wurden die Toiletten im Nordosten des Erdgeschosses umgebaut und zwei Toilettenkabinen eingerichtet. Spätestens 1867 wurde auch der Erker im Südosten abgerissen. Der genaue Zeitpunkt des Einbaus des Pfettendachs über dem Dachgraben ist unklar; Hinweise aus Reparaturen und Inschriften sprechen jedoch für eine Entstehung im späteren 19. Jahrhundert, möglicherweise um 1873. In den 1870er Jahren wurden zudem die Räume im Südwesten neu gefasst.

Eine Besonderheit des Kavalierbaus ist die große Zahl historischer Oberlichter. Die älteren, verbretterten und vergitterten Oberlichter entstanden frühestens um 1865 und spätestens vor den 1920er Jahren. Ende des 19. Jahrhunderts wurde außerdem der Treppenaufstieg vom Zwischengeschoss ins Dachgeschoss verlegt und es wurden neue Kamine eingerichtet.
Betroffene Gebäudeteile:
keine

6. Bauphase:
(1900 - 1999)
Die Umbauten des 20. Jahrhunderts:
Die Umbauten des 20. Jh. lassen sich durch die wenigen verfügbaren Planunterlagen im Detail auffällig schlecht nachvollziehen.
Aus Aufnahmen um etwa 1910-1920 ist bekannt, dass der Bereich zwischen Kavalierbau und Archivturm überdacht war – womöglich als Wagenremise oder Lager. Die scheunenartige Konstruktion wurde vor 1962 abgerissen (Bildaufnahme).
Im Erdgeschoss wurde die Nordfassade mit zahlreichen neuen Fensteröffnungen versehen, um u.a. mehr Licht in den Rittersaal zu bringen. Ein Tresor wurde am Ende des Gangs im Südosten eingebaut und hierfür die Außen- und mittige Mauer teils abgebaut. Nahezu alle Räume erfuhren eine neue, sehr kleinteilige Gliederung. Vermutlich aus bauklimatischen Gründen (Heizung!) wurden in den meisten Räumen Abhangdecken eingebaut.
Im Zwischengeschoss Nordwest ergänzte man zur Unterstützung der Deckenbalken ein Sprengwerk. Der Treppenaufstieg vom Zwischengeschoss ins Dach wurde erneut verlegt.
Im Westen errichtete oder erneuerte man drei Oberlichten, nun nicht mehr als Bretter-sondern Spanplattenkonstruktion. Diese Oberlichten sind analog zu den älteren Pendants mit waagerecht eingebauten Fenstern verschlossen. Sie verfügen über einen Öffnungsmechanismus, der im Erdgeschoss teilweise erhalten ist (Schiebegriff zum Lüften).
1904 wurde das Zwerchhaus ausgebaut, es ist über einen neu eingebauten Kaminschlot heizbar.

Betroffene Gebäudeteile:
keine

Besitzer:in

keine Angaben

Fotos

Abbildungsnachweis
Ansicht Kavalierbau / Neues Schloss Baden-Baden, Dagobertsterasse und Kavaliersbau in 76530 Baden-Baden,  keine genauere Zuordnung (25.10.2022 - KB-BM)
Abbildungsnachweis
Blick auf den Kavaliersbau von Südosten / Neues Schloss Baden-Baden, Dagobertsterasse und Kavaliersbau in 76530 Baden-Baden,  keine genauere Zuordnung (20.07.2022 - KB-BM)

Zugeordnete Dokumentationen

  • Gutachten zur Baugeschichte des Kavaleriebaus
  • Bauhistorisches Gutachten der Dagobertsterrasse

Beschreibung

Umgebung, Lage:
Auf etwa 215 m ü NHN nördlich der Gemeinde gelegen, erhebt sich das Neue Schloss auf einem Hangsporn im Norden des Stadtkerns von Baden-Baden. Die unregelmäßige, etwa vierflügelige Anlage umschließt einen 4900 m² großen Innenhof (etwa 70 x 70 m), in dessen Zentrum sich der freistehende Kavalierbau befindet. Das in West-Ost-Richtung orientierte, im Umgriff etwa 22 x 39 m große Bauwerk ist lediglich im Nordosten über eine brückenartige Passage mit dem Küchenbau verbunden.
Lagedetail:
  • Burganlage
    • allgemein
Bauwerkstyp:
  • Residenz- und Hofhaltungsbauten
    • Schloss
Baukörper/Objektform (Kurzbeschreibung):
Das Gelände des Schlosshofs fällt nach Westen hin, sodass die Traufhöhe des Kavalierbaus im Osten nur ca. 6,5 m beträgt, dagegen 9,5 m im Westen. Die maximale Firsthöhe (W) liegt somit bei ca. 16,0 m. Der Traufbau verfügt über zwei Vollgeschosse (Keller- und Erdgeschoss), wobei zwischen EG und DG bereichsweise ein Halbgeschoss (Zwischengeschoss genannt) abgetrennt ist. Die Südfassade ist als repräsentative Hoffassade ausgebildet und gliedert sich in drei Fensterachsen beiderseits eines mittigen Haupteingangs. Der Haupteingang ist mit Zwerchhaus und Wappen betont und über eine Freitreppe erschlossen. Die Westfassade verfügt über vier regelmäßige Fensterachsen; die Ost- und Nordfassade zeigen eine unregelmäßigere Struktur. Im Inneren gliedert sich der Kavalierbau in zwei parallele, etwa gleich große Längszonen – diese Unterteilung zieht sich vom Keller bis ins Dach durch.
Innerer Aufbau/Grundriss/
Zonierung:
Das größtenteils noch spätmittelalterliche Kellergeschoss besteht aus zwei imposanten Tonnengewölben in West-Ost-Richtung mit einer Scheitelhöhe von etwa 5,2 m. Der Zugang erfolgt von Nordwesten und Osten.
Das Erdgeschoss ist, wie auch das KG, durch eine massive Mauer in West-Ost-Richtung geteilt und in drei Querzonen gegliedert. Im kleinteiligen Westen befinden sich Besprechungs- und Büroräume. In der Mitte liegen das „Vestibül“ des Haupteingangs im Süden und der Rittersaal im Norden, beide mit historischen Kassettendecken. Im Osten befinden sich der Zugangsbereich des Rittersaals sowie das ehemalige Cavaliersappartement, das heute als Gästezimmer dient.
Die Gesamthöhe des Erdgeschosses beträgt in den Sälen bis zum Anschluss DG etwa 5,0 m. In den meisten Bereichen wurden die Raumhöhen durch ein Zwischengeschoss auf etwa 3,0 bis 3,70 m reduziert. Im Nordwesten erfolgt die Unterteilung durch eine Holzbalkendecke mit Streichbalken und Konsolen. Das Halbgeschoss ist über eine Treppe erschlossen und ermöglicht den Zugang zum Dachgeschoss. Zwei Rundfenster belichten den westlichen Raum; ein Sprengwerk unterstützt die Deckenbalken.
Im Nordosten befindet sich eine ehemalige Stube mit hölzerner Balkendecke. Die übrigen Räume besitzen abgehängte Decken aus dem späten 20. Jh. Im Zwischengeschoss sind vielfach historistische Fassungen der ehemals geschosshohen Räume erhalten. Im ehemaligen Appartement im Südosten finden sich einfache, farbig gefasste Kassettendecken, im Westen überwiegend verputzte Decken.
Das Dachwerk erscheint außen als monumentales Mansarddach, besteht konstruktiv jedoch aus zwei parallelen barocken Kehlbalkendächern von 1709, verbindenden Dachabschnitten im Westen und Osten sowie einem im 19. Jahrhundert über dem ursprünglich offenen zentralen Entwässerungsgraben ergänzten flachen Pfettendach. Die barocken Sparrendächer mit liegendem Stuhl und Hängewerk weisen eine Neigung von etwa 44° auf und sind in den Eck- und Walmbereichen durch komplexe Dachbeschneidungen geprägt. Zahlreiche Fußpunkte und Zerrbalken wurden bereits erneuert oder verstärkt. Im Dachraum haben sich Teile historischer Decken, zahlreiche Oberlichtschächte und Abbundzeichen erhalten. Die äußeren Dachflächen sind mit Biberschwanzziegeln, das zentrale Rofendach mit Blech gedeckt.
Vorgefundener Zustand (z.B. Schäden, Vorzustand):
Das Dachwerk über dem Kavalierbau befindet sich in einem sehr schlechten Zustand. Neben erheblichen Substanzschäden gibt es gravierende Verformungen, einhergehend mit ausgedrehten Knotenpunkten, klaffenden Verbindungen und leicht bis stark verfaulte Balkenabschnitte. Die Mauerlatten sind insgesamt stark schadhaft. Eine Großzahl der Dachfußpunkte ist stark geschädigt, verstärkt an den Längsseiten. Zahlreiche Zerrbalken sind unterbrochen und teils mit ungeeigneten Wechselkonstruktionen oder unzureichenden Reparaturbalken bis zu den Fußpunkten ergänzt. (Stand 2024)
Bestand/Ausstattung:
keine Angaben

Konstruktionen

Konstruktionsdetail:
  • Steinbau Mauerwerk
    • Bruchstein
Konstruktion/Material:
keine Angaben

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