Ottilienkapelle (Eppingen)

Datenbank Bauforschung/Restaurierung

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Wohnhaus

ID: 208633478914  /  Datum: 10.02.2014
Datenbestand: Bauforschung
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Objektdaten

Straße: Salzgasse
Hausnummer: 20
Postleitzahl: 74206
Stadt-Teilort: Bad Wimpfen

Regierungsbezirk: Stuttgart
Kreis: Heilbronn (Landkreis)
Wohnplatzschlüssel: 8125007002
Flurstücknummer: keine
Historischer Straßenname: keiner
Historische Gebäudenummer: keine
Lage des Wohnplatzes: Lage des Wohnplatzes

Objektbeziehungen

keine

Umbauzuordnung

keine

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Bauphasen

Kurzbeschreibung der Bau-/Objektgeschichte bzw. Baugestaltungs- und Restaurierungsphasen:

Ein eventuell in das 14. Jh. datierender Steinbau wird um 1458 (d) durch einen Fachwerkanbau nach Osten erweitert und in diesem Zusammenhang umstrukturiert.
Nach weiteren Modernisierungen im 16. Jh. wird im Westen der große Winkelbau erbaut. Um 1695/96 (d) errichtet, besitzt er ein massives Erdgeschoss und zwei darauf aufgesetzte Fachwerkstockwerke. Mit seinen Stall- und Wirtschaftsräumen sowie den im Überbau entlang eines Winkelflures aufgereihten Räumen erinnert er an eine Herberge.
In diesem Zusammenhang sind wohl auch die rückwärtigen Nebengebäude zu sehen. Mit ihren massiven Unterbauten fixieren sie das Richtung Süden abfallende Gelände, während sie an der Nordseite den ehemaligen Innenhof verdichten. Mit den steinernen Unterbauten wohl kaum vor das 16. Jh. zu datieren wurden die Fachwerkebenen im späten 18. Jh. abgezimmert.

Spätestens mit Errichtung des Winkelbaus befand sich der gesamte Baukomplex in einer Hand.


1. Bauphase:
(1457 - 1458)
Abzimmerung Dachwerk Steinbau (d).
Betroffene Gebäudeteile:
Betroffene Gebäudeteile
  • Dachgeschoss(e)

2. Bauphase:
(1550 - 1650)
Nach den Sandsteingewänden an der Nordtraufe des Steinbaus ist für das 16./17. Jh. eine weitreichende Umbauphase bzw. Modernisierung zu vermuten (gk).
Betroffene Gebäudeteile:
keine

3. Bauphase:
(1695 - 1696)
Abzimmerung des Dachwerkes und des Fachwerkstockes des Winkelbaus (d).
Betroffene Gebäudeteile:
Betroffene Gebäudeteile
  • Obergeschoss(e)
  • Dachgeschoss(e)

Besitzer

keine Angaben

Fotos

keine

Zugeordnete Dokumentationen

  • Bauhistorische Dokumentation

Beschreibung

Umgebung, Lage:
keine Angaben
Lagedetail:
  • Siedlung
    • Stadt
Bauwerkstyp:
keine Angaben
Baukörper/Objektform (Kurzbeschreibung):
keine Angaben
Innerer Aufbau/Grundriss/
Zonierung:
Im 2. Obergeschoss des Winkelbaus sind aktuell zwei Wohneinheiten angelegt. Die Erschließung dieser Ebene erfolgt über eine interne Treppe im östlichen Flurbereich. Ob es sich hierbei um die alte Treppensituation handelt, ist zu bezweifeln. Prinzipiell ist der 1.Oberstock analog zum 2.Oberstock gegliedert. Ein Winkelflur mit zwei Fensteröffnungen und einer ehemaligen Ladeöffnung am südlichen Giebel erschließt die entlang des Flures aufgereihten Räume. Der 1.Oberstock besitzt kein internes Treppenhaus. Der heutige Zugang erfolgt über den ehemaligen Innenhof und nutzt eine ehemalige Fensteröffnung aus. Das Erdgeschoss gestaltet sich als ehemalige Wirtschaftsebene mit Durchfahrt, westlich gelegenen Stall- und Lagerräumen, einem rückwärtigen Hofbereich mit weiteren diversen Nutzungsbauten und einem östlich der Einfahrt gelegenen Kontorraum.
Vorgefundener Zustand (z.B. Schäden, Vorzustand):
keine Angaben
Bestand/Ausstattung:
keine Angaben

Konstruktionen

Konstruktionsdetail:
  • Mischbau
    • Holzbau mit Gebäudeteil aus Stein
  • Gewölbe
    • Kreuzgratgewölbe
  • Dachgerüst Grundsystem
    • Sparrendach, q. geb. mit liegendem Stuhl
    • Sparrendach, q. geb. mit stehendem Stuhl
  • Dachgerüst, verstärkende Einbauten
    • Kehlbalken, Kreuzbänder, Sparrenstreben etc.
    • Unter-, Überzüge, Pfetten
  • Dachform
    • Pultdach
    • Satteldach
Konstruktion/Material:
Dachwerk Winkelbau
Das tragende Gerüst des um 1695/96 (d) abgezimmerten Dachwerkes bildet eine liegende verzapfte Stuhlkonstruktion. Mit Ausnahme des später erneuerten Ostgiebels ist diese Gerüstvariante neben den Querachsen sowohl als "Grad" wie auch als "Kehlbinder" ausgeführt. Insgesamt eine hochwertige und äußerst anspruchsvolle Dachkonstruktion, die gerade an der Nahtstelle der Abwinkelung schwere Schäden aufweist.
Die liegenden Ständer sind liegenden Schwellen aufgezapft. Sie tragen Pfetten mit liegenden Querschnitten. Darauf sind die Kehlbalken aufgekämmt. Eine zweifache Verriegelung zwischen Schwelle und Pfetten übernimmt zusammen mit den sich überkreuzenden Streben die Längsaussteifung.
Im 2. Dachstock ist bzw. war im nördlichen Hauptdach eine mittig stehende Stuhlkonstruktion ausgeführt.
Das gesamte Dachwerk besteht aus Nadelholz und ist im Osten beginnend abgebunden. Hier beginnt die Zählung der Sparrendreiecke durch die steigende Folge von Ausstichen in den Binderquerachsen.
Soweit ersichtlich, besitzt das Dachwerk keinen internen Aufgang. Die vorhandene Luke liegt unter der Dachschräge. Der zum Zeitpunkt der Dachabzimmerung vorliegende Dachzugang ist an der Nahtstelle zum Ostbau zu suchen. Seitlich davon sind große Wandabschnitte mit Farbfassungen erhalten.
Vollständig abgängig und im 19. Jh. ersetzt, ist die Nordwest-Ecke mit dem gesamten Westgiebel.

2. Oberstock Winkelbau
Fachwerkstock und Dachwerk bilden eine konstruktive Einheit, so dass die Bauzeit des Dachwerkes auf den Unterbau übertragen werden kann.
Hinsichtlich seiner ursprünglichen Grundrissgliederung sind im heutigen Bestand nur wenige Veränderungen zu vermerken. Geprägt wird der Grundriss durch einen den ganzen Bau durchziehenden Winkelflur. Er verläuft entlang der hofseitigen Hausflucht und lässt so Platz für die davor aufgereihten Räume.
Den Schwerpunkt bilden zwei Großräume an der Nordtraufe. Sie besitzen noch die ursprünglichen Ausmaße ebenso die Außenfassade. Selbst das innere Sichtfachwerk ist in großem Umfang erhalten. Ursprünglich vom Flur erschlossen, waren sie ohne interne Verbindungstür angelegt; eine Heizmöglichkeit wurde nicht erkannt.
Südlich des großen Eckraumes war ursprünglich ein Abtrittgang angelegt. Er wurde später weiter nach Süden verlegt und ist heute zur Vergrößerung des südlich angrenzenden Raumes umgenutzt. Im weiteren Verlauf lassen sich noch zwei Raumeinheiten ablesen, sodass südlich des Abtrittganges insgesamt 3 Räume angelegt waren. Soweit erkennbar, bestand zwischen den einzelnen Zimmern keine Verbindung. Die Erschließung erfolgte allein über den Winkelflur, der im Zuge seiner Außenwand durch drei aus den Ständern gearbeiteten, leicht vorstehenden Fenstererkern belichtet wurde. Heute sind im 2. Obergeschoss zwei Wohneinheiten angelegt. Die Erschließung dieser Ebene erfolgt über eine interne Treppe im östlichen Flurbereich. Ob es sich hierbei um die alte Treppensituation handelt, ist zu bezweifeln.
Zur Bauzeit wurde der Flur wohl über den angrenzenden Ostbau erschlossen. Die heute vorhandene Trennwand ist jünger; sie datiert vermutlich ins 19.Jh. Östlich der Abtrennung weist die Flurwand Reste einer Farbfassung auf.
Der 2. Oberstock kragt mit seinem Südflügel mit leicht verzogenem Vorsprung über dem 1. Oberstock aus. Ansonsten sitzt er dem 1. Oberstock nahezu bündig auf. Eine leichte "Vorkragung" wird allenfalls durch ein profiliertes Saumholz vorgetäuscht. Während dieses Saumholz entlang der Nordtraufe noch vorhanden ist, ist es entlang der beiden Flurwände weitgehend abgängig. Hier zeigt sich die konstruktive Ausbildung: Das profilierte Saumholz ist über die Zapfen des Gebälks befestigt und verdeckt so, als eine Art Vorblendung, die Balkenköpfe und Zwischenfelder.

1. Oberstock Winkelbau
Prinzipiell ist der 1. Oberstock analog zum 2. Oberstock gegliedert. Ein Winkelflur mit zwei Fensteröffnungen und einer ehemaligen Ladeöffnung am südlichen Giebel erschließt die entlang des Flures aufgereithen Räume.
Mit großer Wahrscheinlichkeit sind für ihre Ausmaße die gleichen Dimensionen wie im 2. Oberstock anzunehmen. Danach waren im Nordflügel zwei Großräume und im Westflügel, nach dem Abtrittgang drei kleiner Räume ausgeführt.
Der 1. Oberstock besitzt kein internes Treppenhaus. Der heutige Zugang erfolgt über den ehemaligen Innenhof und nutzt eine ehemalige Fensteröffnung aus.
Der heutige Zugang datiert zwar erst in das 20. Jh., dürfte aber eine ältere Anlage aus dem 19. Jh. ersetzen. Aus dieser Zeit stammt wohl auch die am östlichen Flurende eingestellte Trennwand.
Aussagen zur ursprünglichen Außenfassung sind an der östlichen Flurwand zu erhalten. Hier haben sich im Schutz eines späteren Dachanbaus sowohl die Außenfassung des Winkelbaus wie auch die Innenfassung des Vorgängerdaches erhalten.
Der 1. Oberstock kragt mit seinem Südflügel mit leicht verzogenem Vorsprung über den massiven Unterbau aus. Bei der profilierten Saumschwelle entlang der Nordtraufe handelt es sich um einen Nachbau im Rahmen der letzten Sanierung.
Bemerkenswert ist die Auskragung des Südflügels entlang der Ostrtraufe. Sie überspringt die Hofflucht im Erdgeschoss und sitzt im weiteren Verlauf nach Süden einem eingewölbten Raum auf. Auffällig ist die starke Durchbiegung im Zuge dieser Achse sowie der Nachweis eines ehemaligen Kopfbundes in vertikaler Abstimmung mit der im Fachwerküberbau angelegten, bis in den Dachraum führenden Querachse.
Beide Indizien dienen als Hinweis dafür, dass der südliche Teil des Südflügels zumindest im Bereich des Innenhofes über einem Fachwerkunterstock abgezimmert war.

Erdgeschoss Winkelbau
Mit Ausnahme der zuvor vermuteten Holzteile im Bereich des Südflügels ist das Erdgeschoss des Winkelbaus weitgehend massiv gestaltet.
Über ein Einfahrtsportal und eine balkengedeckte Durchfahrt ist der vom Winkelbau umrahmte Innenhof zu befahren.
Westlich der Durchfahrt ist ein tief gestreckter Raum mit zwei Kreuzgewölben angelegt. Er überschneidet die Breite des Ostflügels beträchtlich. Ein zweiter, mit einem Kreuzgewölbe versehener Raum befindet sich östlich der Durchfahrt. Er ist weitaus kürzer und lässt somit Platz für die Erschließung der östlich liegenden Baustrukturen.
Auffällig ist die rückwärtige Verbreiterung der Durchfahrt. Mit hoher Wahrscheinlichkeit handelt es sich hierbei um eine spätere Aufweitung in Zusammenhang mit der Abfangung der rückwärtigen Traufe des Ostflügels. Sie ersetzt eventuell ein ehemaliges Holzportal.
Zusammenfassend gestaltet sich das Erdgeschoss als ehemalige Wirtschaftsebene mit Durchfahrt, westlich gelegenen Stall- und Lagerräumen, einem rückwärtigen Hofbereich mit weiteren diversen Nutzungsbauten und einem östlich der Einfahrt gelegenen Kontorraum. Dabei ist nicht auszuschließen, dass einzelne Massivbauteile einer älteren Vorgängerbebauung des 16. Jh. zuzuordnen sind.

Dachwerk Steinbau
Konstruktiv gesehen besteht das Dachwerk aus zwei getrennten Konstruktionsteilen. Die Nahtstelle beider Dachwerkabschnitte liegt etwas außerhalb der Mitte nach Osten versetzt und ist durch die gemeinsame Stoßstelle aller Längshölzer leicht erkennbar.
Nach der dendrochronologischen Auswertung der Bohrkerne datieren beide Konstruktionsabschnitte in Zeit um 1457/58 (d).
Ehemals ohne Giebelauskragung abgezimmert, besteht der östliche Abschnitt aus insgesamt sechs Sparrendreiecken. Sie bestehen aus zwei in die Dachbalken gezapften Saprren und zwei mit den Sparren verblatteten Kehlbalken. Die Sparrenpaare wurden im 1. Dachstock durch ein dreifach stehendes Stuhlgerüst unterstützt. Die Stuhlständer sind jedoch nur noch innerhalb des sanierten Ostgiebels erhalten. An der Südtraufe lässt sich zwischen dem 2. und dem 4. Sparrenpaar die ehemalige Anlage eines Ladegiebels mit zugehöriger, an der mittigen Pfette befestigten Ladewinde belegen.
Westlich dieses Abschnittes sind bzw. waren sieben Sparrendreiecke abgezimmert. Auch sie wurden im 1. Dachstock durch ein dreifach stehendes Stuhlgerüst unterstützt. Anders als der östliche Abschnitt gliederten die Stuhlachsen den Dachabschnitt in zwei Zonen. Innerhalb der Trennachse ist die Stuhlkonstruktion zum Teil erhalten. Innerhalb dieser Achse zeigt sich eine am Kehlbalken vorhandene und nach oben ausgerichtete Balttsasse, die fußzonige Aussteifung eines ehemals im Dachspitzt ausgeführten mittig stehenden Stuhlgerüstes an.
Im Vergleich zum östlichen Dachabschnitt besteht bei der Gebindezeichnung eine gewisse Unklarheit bei der Zeichenabfolge.
Beide Dachwerkabschnitte bestehen aus Eichenholz und sind rauchschwarz.
Das gesamte Dachwerk ist seit spätestens nach der Errichtung des Winkelbaus um 1695/96(d) über dessen Flur zugänglich.

2. Oberstock Steinbau
Beginnend am Winkelbau, bestehen die beiden Langseiten aus massiven Traufwänden. Sie sind stark verformt und neigen sich wie der gesamte Ostbau nach Süden.
Etwas nach der Hälfte enden die Massivwände auf annähernd gleicher Höhe. Danach sind Fachwerkwände abgezimmert, welche mit dem Ostgiebel eine konstruktive Einheit bilden.
Innerhalb des Westabschnittes ist in vertikaler Abstimmung mit der Stuhlachse im Dach eine Innenquerwand erhalten. Sie begrenzt mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Flur- bzw. Erschließungs- und Treppenzone.
Ebenfalls mittelalterlichen Ursprungs ist die östliche der beiden folgenden Innenwände. Sie ist heute nur noch im Süden erhalten. Die verbleibende und nur im Norden ausgeführte Wand ist das Ergebnis einer späteren Veränderung. Heute trägt sich auf dieser Achse die westliche Unterstützung der im Dach vorhandenen Pfettenstöße ab. Hinsichtlich der Längswände sind keine näheren Aussagen zur Bauzeit möglich. Das sie jedoch keine Verformungen und Neigungen zeigen, wird der östliche Bestand als junger Ersatz gedeutet.
Auch hinsichtlich der ursprünglichen Nutzung sind keine gesicherten Aussagen möglich. Die zum Teil als Wohnraum genutzten Zimmer stehen bis auf den Nord-Ost-Raum leer.

1. Oberstock Steinbau
Analog zum 2. Oberstock bestehen auch hier die westlichen Außenwandabschnitte aus massiven Mauern. Auch enden sie auf gleicher Höhe wie im oberen Stockwerk um dann als Fachwerkwände fortgesetzt zu werden.
Dieser Fachwerkteil besitzt als Deckenabschluss ein firstparalleles Gebälk, über das der 2. Oberstock am Ostgiebel auskragt.
Unklar ist die Gebälkausrichtung über dem massiven Bauteilabschnitt. Doch lassen die Unterzüge auch hier eine firstparallele Verlegerichtung vermuten.
Ungeachtet dieser Erörterung lässt sich mit Ausnahme der östlichen Querwand keine der Innenwände ins Mittelalter datieren.
Offensichtlich zur nachträglichen Unterstützung des Deckengebälks eingezogen bzw. mittig in eine frühneuzeitliche Fensteröffnung einbindend, sind die vorhandenen Inneneinbauten wohl erst in das 18./19. Jh. zu datieren.
Hinsichtlich der mittelalterlichen Gliederung ist für den östlichen Fachwerkabschnitt, unter Auswertung der Fachwerkfassaden, ein großer, die gesamte Gebäudebreite einnehmender Raum zu vermuten. Für den verbleibenden Grundrissbereich sind ohne weitere, gesicherte Befunde keine Aussagen möglich.
Nach den Sandsteingewänden an der Nordtraufe ist für das 16./17. Jh. eine weitreichende Umbauphase bzw. Modernisierung zu vermuten.
Ob die Aussparungen an der südlichen Traufe im Kern auf aufgeweitete Fensteröffnungen zurück gehen, ist zur Zeit unklar.
Spätestens an dieser Stelle stellt sich die Frage nach der baulichen Entwicklung des gesamten Ostbaus. Ungeachtet der im Dach gewonnenen Dendro-Daten sprechen viele Indizien für zwei Bauphasen. Danach wäre für die Ausgangssituation ein steinernes Kerngebäude zu vermuten. Dieser Kernbau der nach den vorhandenen Mauerstrukturen im 2. OG eventuell ins 14. Jh. datiert werden kann, wäre dann im 15. Jh. durch den Fachwerkbau nach Osten erweitert und dabei zum Teil überformt worden. Als gewichtige Indizien sind in diesem Zusammenhang die konstruktive Trennung des Dachwerkes, die bauliche Abgrenzung von Fachwerkbau und Massivbau mit eventueller Differenzierung innerhalb (versetzte und zum Teil anders fluchtende Längswände) und außerhalb (Knickpunkt innerhalb der Firstlinie) des Gebäudes zu nennen.

Erdgeschoss Steinbau
Infolge der Nutzung des Erdgeschosses als Gaststube mit diversen Nebenzimmern sind die baulich relevanten Befunde unter den Wand- und Deckenverkleidungen verborgen. Auch die Außenbefunde sind nur mit Vorsicht zu bewerten. So wurden zum Beispiel alle überwölbten Fensteröffnungen bei der letzten Sanierung stark überformt. Das heißt die Gewände bestehen in der Regel aus einer Putzimitation, sodass gesicherte Aussagen zur baulichen Einordnung erst durch eine restauratorische Untersuchung möglich sind.
Des Weiteren sind die Fenster und die vermauerte Türöffnung kaum einer gemeinsamen Bauphase zuzuordnen. Unterstrichen wird diese Aussage durch die Einordnung des giebelseitigen Portals als ehemaliger Kellerzugang.
Alles in allem gestaltet sich das Erdgeschoss als Konglomerat unterschiedlichster Ausbaustufen die im vorliegenden Ausbauzustand nicht differenziert nachvollziehbar sind.

Kelleranlage, Stein- und Winkelbau
Die vorhandene Kelleranlage gliedert sich in einen östlichen und westlichen Kellerabschnitt. Beide Kellerbereiche setzen sich wiederum aus unterschiedlichen Bauphasen zusammen.
Im Osten ist dies durch die beiden verschiedenen Höhenlagen der Gewölbeansätze erkennbar. Zugänglich über einen ehemals breit angelegten Kellerabgang am Ostgiebel ist über zwei Drittel der Kellerlänge ein hoch ansetzendes Kellergewölbe ausgeführt. Es überlagert eventuell eine ältere mit dem Westabschluss noch zum Teil vorhandene, mit niedrigerem Gewölbeanstz ausgebildete Kelleranlage.
Daran schließt der zweite und größere Kellerabschnitt an. Zumindest an der südlichen Nahtstelle kann eine bauzeitliche Einheit zwischen den benachbarten Kellerabschnitten abgeleitet werden. Der große Gewölbekeller wurde durch drei Kellerschächte belüftet und belichtet. Der südliche Schacht mündete ursprünglich im Hof und ist heute als interner Kellerzugang umgenutzt.
Die eigentliche Erschließung erfolgte im Südwesten. Hier ist ein nach Süden verlaufender Kellerzugang später verlängert worden. Ein Vorgang der in erster Linie mit der Errichtung des Winkelbaus in Verbindung zu bringen ist.
Bemerkenswert ist auch hier der in den ehemaligen Hofraum führende Kellerschacht (verschütteter Keller?).

Rückwärtige Nebengebäude
Im Süden wird der Baukomplex durch zwei in das abfallende Gelände eingelassene Nebengebäude begrenzt.
Bedingt durch den Geländeversprung entwickeln sie sich über massiven Unterbauten, welche in ihren untersten Ebenen als Kellerräume genutzt werden. Erst darüber beziehen sich ihre Nutzungsebenen auf das Erdgeschoßniveau der beiden Hauptgebäude.
Den Abschluss bilden Fachwerkebenen mit den zugehörigen Dachwerken.
Während es sich bei dem östlichen Nebengebäude um einen zweistöckigen Fachwerkaufsatz mit zum Teil großräumiger und ehemals aufwendig belichteter Nutzungsstruktur handelt, ist das westlich angrenzende Nebengebäude vorrangig als Wirtschaftsgebäude zu beurteilen. Sein vorhandenes Dachwerk ist nicht ursprünglich, da sich über die angetroffenen Farbbefunde ein Vorgängerdach in der Form eines nach Süden geneigten Pultdaches rekonstruieren lässt.
Was das Baualter der Nebengebäude angeht, so ist nach den aufgenommenen Befunden eine spätmittelalterliche Zeitstellung auszuschließen.

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