Datenbank Bauforschung/Restaurierung

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Bauernhaus

ID: 187601220720  /  Datum: 26.02.2016
Datenbestand: Bauforschung und Restaurierung
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Objektdaten

Straße: Horgener Straße
Hausnummer: 61
Postleitzahl: 78628
Stadt-Teilort: Rottweil

Regierungsbezirk: Freiburg
Kreis: Rottweil (Landkreis)
Gemeinde: Rottweil
Wohnplatz: Hausen ob Rottweil
Wohnplatzschlüssel: 8325049011
Flurstücknummer: keine
Historischer Straßenname: keiner
Historische Gebäudenummer: keine
Lage des Wohnplatzes: Lage des Wohnplatzes
Geo-Koordinaten: 48,1471° nördliche Breite, 8,5867° östliche Länge

Kartenansicht (OpenStreetMaps)

Objektbeziehungen

keine

Umbauzuordnung

keine

Weitere Objekte an diesem Wohnplatz

keine

Bauphasen

Kurzbeschreibung der Bau-/Objektgeschichte bzw. Baugestaltungs- und Restaurierungsphasen:

Das Gebäude vermittelt äußerlich einen einheitlichen Eindruck, doch tatsächlich war der Kernbau sehr viel kleiner und hat erst durch zwei Erweiterungen zu seiner heutigen Größe gefunden. Bauinschriften, die zur Bestimmung der Bauzeit herangezogen hätten werden können, wurden keine gefunden. Deshalb wurden zur Datierung Proben aus dem Kernbau und der zweiten Erweiterung entnommen, während für die erste Erweiterung im Erdgeschoss aufgrund der Stallnutzung keine Proben zu gewinnen waren, und in Obergeschoss und Dach die unsichere Tragfähigkeit der Böden eine gefahrlose Entnahme nicht zuließ. Den Ergebnissen zufolge wurde der Kernbau im Jahr 1732 (d) errichtet und die zweite Erweiterung im Jahr 1804 (d) durchgeführt. Irgendwann im dazwischenliegenden Zeitraum erfolgte die erste Erweiterung.
2016 wurde das Bauernhaus abgetragen.


1. Bauphase:
(1732)
Errichtung des Kernbaus um 1732 (d)
Der Kernbau versteckt sich im heutigen, größeren Baukörper, welcher erst durch Verlängerung nach Osten und Verbreiterung nach Süden in Verbindung mit einer Erhöhung des Dachs entstanden ist. Er umfasste nur vier Querzonen und zwei Längszonen, also jeweils eine Zone weniger als heute. Von den Außenecken fällt nur die nach Nordwesten gerichtete Hauptecke mit dem Kernbau zusammen. Der Kernbau setzte sich ursprünglich ebenfalls aus zwei Geschossen und einem Satteldach zusammen.
Betroffene Gebäudeteile:
Betroffene Gebäudeteile
  • Erdgeschoss
  • Obergeschoss(e)
  • Dachgeschoss(e)

2. Bauphase:
(1750 - 1799)
Erste Erweiterung, 18. Jahrhundert
Verlängerung des Gebäudes am Rückgiebel.
Betroffene Gebäudeteile:
Betroffene Gebäudeteile
  • Anbau

3. Bauphase:
(1804)
Zweite Erweiterung, um 1804 (d)
Verbeiterung des Gebäudes um eine zusätzliche Längszone vor der rückwärtigen Traufseite.
Betroffene Gebäudeteile:
Betroffene Gebäudeteile
  • Anbau

4. Bauphase:
(2016)
Abbruch.
Betroffene Gebäudeteile:
keine

Besitzer

keine Angaben

Zugeordnetes Objekt

keines

Fotos

Abbildungsnachweis
Bauernhaus in 78628 Rottweil, Hausen ob Rottweil (26.02.2016 - Stefan King)
Abbildungsnachweis
Bauernhaus in 78628 Rottweil, Hausen ob Rottweil (26.02.2016 - Stefan King)
Abbildungsnachweis
Bauernhaus in 78628 Rottweil, Hausen ob Rottweil (26.02.2016 - Stefan King)
Abbildungsnachweis
Bauernhaus in 78628 Rottweil, Hausen ob Rottweil (26.02.2016 - Stefan King)
Abbildungsnachweis
Bauernhaus in 78628 Rottweil, Hausen ob Rottweil (26.02.2016 - Stefan King)
Abbildungsnachweis
Bauernhaus in 78628 Rottweil, Hausen ob Rottweil (26.02.2016 - Stefan King)

Zugeordnete Dokumentationen

  • Bauhistorische Dokumentation

Beschreibung

Umgebung, Lage:
keine Angaben
Lagedetail:
  • Siedlung
    • Dorf
Bauwerkstyp:
keine Angaben
Baukörper/Objektform (Kurzbeschreibung):
Das Bauernhaus ist mit seiner nördlichen Längsseite traufständig zur Hauptdurchgangsstraße gerichtet. Der Baukörper umfasst zwei Vollgeschosse und ein Satteldach.
Innerer Aufbau/Grundriss/
Zonierung:
Der Kernbau umfasste ursprünglich nur vier Querzonen und zwei Längszonen, also jeweils eine Zone weniger als heute. Die Anordnung der Hauptwohnräume im Obergeschoss unterschied sich von der heutigen, kann jedoch anhand von Anschlüssen, hauptsächlich Zapfenlöchern, nachvollzogen werden. Sie entsprach der für ein Kleinbauernhaus üblichen Weise. In der vorderen Längszone in Ecklage lag die Stube von etwa quadratischer Grundfläche, daneben ein kurzer Flur über die halbe Hausbreite und daran anschließend eine Kammer. Die hintere Längszone teilten sich eine schmale, von der Stube her zugängliche Kammer vorne am Giebel und die Küche, auf die der Flur direkt zuführte. Von der früheren Lage der Küche rührt noch die Rußschwärzung neben der heutigen Treppe ins Dach her. Am kurzen gemeinsamen Wandstück zwischen Stube und Küche fanden auf Küchenseite Herd und Kamin, auf Stubenseite der Ofen Platz, wo sie sich noch heute befinden. Zwei kleine viereckige Aussparungen in den Deckenbalken rühren von den früheren Ofenstängle her und zeigen an, dass der Ofen damals ein kleines Stück weiter nach Westen gerückt stand. Der Hauseingang lag im Erdgeschoss an der heutigen Stelle und die Treppen führten im kurzen Stichflur innerhalb der vorderen Längszone nach oben. Entlang der Rücktraufe verlief ein Laubengang, nachweisbar durch die zwar abgesägten, aber dennoch vorkragenden Deckenbalken. Dorthin führte eine Tür von der Küche, wovon noch ein Zapfenloch für den Sturzriegel zeugt.

Der Grundriss gliedert sich heute in fünf Querzonen und drei Längszonen.
Die Hauptwohnräume liegen im Obergeschoss am Vordergiebel und erstrecken sich über drei Querzonen. Entlang der Rücktraufe verläuft im Obergeschoss ein Laubengang mit einem Abort am östlichen Ende. Im Erdgeschoss waren vermutlich ebenfalls zwei Wohnräume eingerichtet, die zuletzt als Werkstatträume ausgebaut worden sind. Neben diesen liegt dort ein weiterer Raum, der die Funktion eines Kellers erfüllt. Jenseits eines schmalen Flurs füllten zuletzt ein Schopf und vermutlich Kleintierställe die dritte Querzone aus. Daran schließt sich in der vierten Querzone eine hohe, über beide Geschosse reichende Tenne an. Jenseits derselben haben in der fünften Querzone unten der Stall und darüber das zum Dachraum offene Heulager Platz gefunden.
Vorgefundener Zustand (z.B. Schäden, Vorzustand):
Konstruktiv ist das Haus als Holzgerüstbau mit Kantholzfüllungen im Erdgeschoss und Fachwerkfüllungen im Obergeschoss aufgebaut. Nur die erste westliche Querzone besitzt gemauerte Außen- und Innenwände. Weitere Innenwände im Erdgeschoss sowie der Bereich um die Südostecke über die Höhe beider Geschosse wurden in späterer Zeit durch Mauerwerk ersetzt.
Konstruktive Schäden des Traggerüsts konzentrieren sich auf das Erdgeschoss und betreffen dieses in weiten Bereichen. Sie sind teilweise bereits weit fortgeschritten und gefährden die Standsicherheit. Zwar werden sie in naher Zeit nicht zum Einsturz des Gebäudes führen, doch ist jederzeit damit zu rechnen, dass sich durch fortschreitende Senkungen und Verformungen Teile lösen, was dadurch problemtisch ist, als dass das Gebäude direkt an der Straße steht und mit dem Dachtrauf über den Gehweg kragt.
Obergeschoss und Dach sind weitaus weniger betroffen. Insofern ist der Anteil an geschädigter Substanz von der Menge her gar nicht besonders hoch, doch da Obergeschoss und Dach auf dem geschädigten Erdgeschoss stehen, sind sie von dessen Schädigung gleichermaßen betroffen, in ihrer Standsicherheit gefährdet und als hinfällig zu betrachten.
Bestand/Ausstattung:
keine Angaben

Konstruktionen

Konstruktionsdetail:
keine Angaben
Konstruktion/Material:
Kernbau, um 1732 d
Der Wandaufbau mit Fachwerkfüllungen ist aus Zwischenständern, Feldstreben und zweifacher Feldverriegelung mit Bruchsteinausmauerung zusammengesetzt. Zwei Wandfelder in Querrichtung sind aus einem außermittigen Zwischenständer und einer Feldstrebe auf der einen und zwei Feldstreben auf der anderen Seite zusammengesetzt. Der Aufbau einiger Wandfelder ist wegen geschlossener Putzflächen nicht einsehbar. Die Stube besaß ursprünglich eine Täfer- oder Kassettendecke in Kombination mit zwischen die Balken eingesetzten Lehmwickeln zur Wärmedämmung. In ihrem Eckbereich sind für die Bauzeit vortretende Fenstererker oder Fensterbänder zu erwarten. Lediglich bei der giebelseitigen Kammer ist die ursprüngliche Befensterung in Form zweier kleiner Öffnungen zwischen oberem und unterem Feldriegel nachweisbar.
Außer bis auf die mittig angeordnete Tür vom Flur in die Stube waren alle übrigen Türöffnungen bündig an einer Raumecke angeordnet. Im Fall der Kammertür jenseits des Flurs war dies durch die Lage der Treppe erzwungen. Anstelle der Türöffnungen beider Kammern befinden sich dort heute Wandschränke. Das gemeinsame Wandstück zwischen Stube und Küche wurde als gemauerte Feuerwand in ganzer Höhe ausgeführt, die um die Ecke reichte. Wo sich heute ein großer offener Kamin befindet, befand sich ursprünglich ein Kamin ähnlicher Form.
Das Erdgeschoss unterhalb der Wohnräume bestand anfangs aus einem Ständergerüst, doch ist davon kaum etwas erhalten geblieben, um dessen Aufbau noch nachvollziehen und Aussagen zur Raumaufteilung treffen zu können. Lediglich die konstruktive Gliederung in zwei Längszonen und drei Querzonen, in Entsprechung zur Teilung der vorderen Längszone im Obergeschoss, ist nachvollziehbar. Auch die Abbundzeichen, die im Dach zwei Stockwerkskerben umfassen, lassen auf ein Holzgerüst im Erdgeschoss rückschließen.
Im Gebiet um Rottweil liegen die Hauptwohnräume der Bauernhäuser in der Regel im Obergeschoss. Darunter befand sich im Erdgeschoss ein anfangs funktional nicht notwendigerweise spezifizierter Bereich, wo Lagerflächen, Kellerräume, Kleintierställe oder eine kleine Wohneinheit vorgesehen oder nachträglich untergebracht werden konnten. Das dürfte auch auf das untersuchte Gebäude zutreffen.
In der dritten Querzone waren Wohn- und Wirtschaftsteil verzahnt. Im Erdgeschoss lag hier der Stall. An der Vordertraufe lässt sich anhand von Zapfenlöchern noch die ursprüngliche, an die Seite zum Flur gerückte Stalltür nachweisen, die als Zugang zum Melken und Misten diente. Während im Obergeschoss an der Vortraufe eine Kammer lag, war der hintere Teil hier dem Wirtschaftsteil zugeschlagen und diente als (Heu-)Lager. Eine hohe Tenne in der vierten Querzone diente zugleich der Fütterung. Sie lag zwar an der gleichen Stelle wie heute, war aber schmaler, wodurch der Rückgiebel nicht in der Achse der heutigen Futterwand, sondern um 90 cm zurückversetzt stand.
Von der früheren Futterwand zwischen dritter und vierter Querzone sind nur einige Ständer geblieben, die eine Türöffnung unmittelbar im Anschluss an die vordere Traufwand nachweisen und Nuten für die Wandfüllung besitzen. Der mittige Ständer besaß Kopfstreben nach beiden Seiten, wonach die Brüstung nicht geschosshoch gewesen sein kann und vermutlich auf eine Brüstung beschränkt blieb. An der Vordertraufe hatte der Stall eine Fachwerkfüllung, während an der Rücktraufe nur Nuten im Ständer, nicht aber im Rähm vorhanden sind, was auf eine Kantholzfüllung schließen lässt. Hingegen weist der rückwärtige Bereich im Obergeschoss der dritten Querzone eine durchgehende Nut im Rähm auf, vermutlich von einer hölzernen Bretter- oder Balkenbretterfüllung herrührend.
Das Dachwerk wurde mit einem liegenden Stuhl abgezimmert, dessen Sprengstreben direkt in die Dachbalken einzapfen, der im Querbund Kopfstreben mit Druckversatz am unteren Ende besitzt und dessen Längsaussteifung aus geneigten Kopfstreben und einfacher Verriegelung zusammengesetzt ist. Die Verteilung der Querbünde richtete sich nach der Einteilung der vorderen Längszone mit Stube und Flur. In beiden Giebelachsen stehen Ständer mit Kopfstreben in Längsrichtung, am Vordergiebel um einen zusätzlichen Zwischenständer ergänzt, dessen nördliche Flanke genau in der Mitte steht. Vertikal ausgerichtete Bretterschalungen griffen in die Nuten vortretender Giebelsparren und gehen in ihrer Substanz offenbar noch auf die Bauzeit zurück.
Im Dachraum oberhalb der Stube war eine abgetrennte Fruchtkammer eingerichtet, von der wegen späterer Erweiterung nur noch die im Querbund integrierte Wandachse mit Wendebohlentür und altem Türschloss vorhanden ist. Im zweiten Dachgeschoss bestand kein Stuhl, sondern lediglich kurze Kehlbalken waren in die Sparrenpaare in unregelmäßiger Höhenlage gezapft. Der Lattenabstand betrug 29 cm, was eine Einfachdeckung aus Flachziegeln vermuten lässt.

Erste Erweiterung, 18. Jahrhundert
Da das Raumprogramm des Wirtschaftsteils doch recht beengt war, erfolgte eine Verlängerung des Gebäudes am Rückgiebel. Die Tenne wurde um 90 cm verbreitert und eine zusätzliche Querzone angefügt. Der Stall wurde nun dorthin verlagert, dessen Außenwände aus Kantholzfüllungen, wie sie heute in der Außenwand sichtbar sind, aufgebaut und mit Kopfbändern ausgesteift sind. Die Stalltür in der Vortraufe bekam einen aus dem Rähm geschnittenen stichbogigen Abschluss. An der Stelle des vormaligen Stalls wurden ein Schopf und Kleintierställe untergebracht.
Das Obergeschoss über dem Stall war zum Dachraum offen und diente als Heulager.
Nur an der Vordertraufe wurden die Dachfußbalken durch einen Wechsel abgefangen, während man an der Rücktraufe darauf verzichtet hat. Die beiden Traufwände besaßen Fachwerkfüllungen identischen Aufbaus, wovon die rückwärtige nur anhand von Zapfenlöchern nachweisbar ist. Es waren jeweils zwei Feldstreben auffälligerweise gleichgerichtet nach Westen geneigt. Der neue Rückgiebel erhielt wiederum eine in einen genuteten Sparren eingreifende vertikale Bretterschalung. Vermutlich wurde damals über der Tenne eine tieferliegende Balkenlage eingebracht, die Dachbalkenlage geöffnet und durch Wechsel abgefangen.
Da die Ständer der ursprünglichen Futterwand zwischen vormaligem Stall und Tenne kaum angegriffen sind, dürfte die Verlagerung des Stalls – und damit die Erweiterung – nicht allzu lange
nach Errichtung des Kernbaus erfolgt sein.

Zweite Erweiterung, um 1804 d
Um das Raumangebot abermals auszudehnen, wurde um 1804 ein gründlicher Umbau vorgenommen. Durch eine Verbeiterung um eine zusätzliche Längszone vor der rückwärtigen Traufseite konnte die Grundfläche um etwa die Hälfte ausgeweitet werden. Die umfangreichsten Veränderungen fanden im Bereich der Hauptwohnräume im Obergeschoss statt. Da sich mit dem kurzen Querflur der hinzugekommene rückwärtige Bereich nicht erschließen ließ, wurde er in Verlängerung nach hinten verlagert. Dies geschah auf Kosten des Küchenraums, der jedoch unter Aufgabe der Giebelkammer zum Vordergiebel hin erweitert wurde. Für dessen neue Flurwand wurden Wandstiele mit einem kopfseitigen Blatt an den Dachbalken seitlich angenagelt, sodass sie vor die Bundseite vortritt. Und auch die seltsam freie Stelle in der Achse der früheren rückwärtigen Traufwand hat hierin ihren Grund. Da die Treppen im neuen Flur Platz fanden, war es möglich, den ursprünglichen Stichflur der Stube zuzuschlagen, die dadurch zu ihrem heutigen rechteckigen Grundriss kam. Trotz dieser Verschiebungen konnten Herdstelle, Kamin und Stubenofen an alter Stelle verbleiben. Die Verlagerung der Treppe erlaubte es, die frühere, zur Traufwand bündige Türöffnung in die andere Ecke zu verlegen. Die dadurch übriggebliebene Öffnung sowie die Türöffnung zur früheren Giebelkammer wurden nicht vermauert, sondern zum Einbau von Wandschränken genutzt, jeweils mit kleinem Ober- und Unterschrank und offener Ablage dazwischen. Die zusätzliche Längszone nahm zwei Kammern zu beiden Seiten des Flurs auf. Entlang der Rücktraufe wurde wiederum ein Laubengang vorgesehen, zugänglich vom Flur.
In Verbindung mit dem Umbau wurde ein höheres Bodenniveau geschaffen. Die ersten beiden Querzonen des Kernbaus erhielten hierfür ein neues Gebälk, das um etwa Balkenstärke höher zu liegen kam und auf die früheren Wandschwellen gelegt wurde. Innerhalb der Erweiterung konnte das Deckengebälk gleich zum neuen Niveau passend angeordnet werden. Die verringerte Höhe des Obergeschosses reichte zwar noch gut, aber bei den beiden Längsrähmen musste man den Kopf stark einziehen, weshalb sie in ihrer Höhe stark verringert worden sind, sodass – sogleich oder durch spätere weitere Reduzierung – nur flache Reste geblieben sind und das Rähm in der Achse der früheren Rücktraufe später durch einen Überzug im Dach abgefangen werden musste. Da die traufseitige Kammer von der Niveauerhöhung ausgespart blieb, führen heute zwei Stufen in diese hinab.
Beweggrund für die Hochsetzung war der Wunsch nach Zugewinn an Raumhöhe im Erdgeschoss, um hier Wohnräume einzurichten oder eine Werkstatt unterzubringen. Beide Räume waren vom durchgehenden Flur her erschlossen und derjenige in der nun mittigen Längszone besaß gemäß einer Ausarbeitungen an einem der Deckenbalken einen Rauchabzug, der in dem Küchenkamin mündete, ohne dass gesichert erkennbar wäre, ob er den Rauch einer Kochstelle, einer Esse, eines Backofens, eines Brennofens oder ähnlichem abführte. Während der bei der Erweiterung neu hinzugekommene rückwärtige Eckraum dicke Umfassungsmauern erhielt, um als Keller zu dienen, ersetzte man auch die Außenwände der ersten Zone des Kernbaus durch Mauerwerk. Dieses reicht in der Höhe bis direkt unter die früheren Wandschwellen, die sich dadurch zu Mauerschwellen wandelten und auf ihrer Unterseite die alten Verkämmungssitze tragen. Vom vormaligen vorderen Längsrähm und der Deckenbalkenlage haben sich jeweils nur kurze Reststummel im Mauerwerk neben der Eingangstür erhalten.
Ob das Erdgeschoss bei der Errichtung des Kernbaus schon so niedrig dimensioniert worden war, oder ob es durch Erhöhung von Außen- und Innenniveau an Raumhöhe verloren hat, ließ sich nicht feststellen. Auffällig ist, dass der erdgeschossige Flur nach hinten ansteigt, das Bodenniveau auf der Rückseite in Flurachse etwa 80 cm über dem der Straße vorne und auch über der Schwelle der Rücktraufe liegt.
Die Verbreiterung der Grundfläche führte zwangsläufig zu einer Erhöhung des Satteldachs, die nicht etwa mittels einer flachen Abschleppung, sondern mittels einer regelrechten Erhöhung zu einem wiederum symmetrischen Satteldach erreicht wurde. Konstruktiv wurde die Verbreiterung durch eine zusätzliche liegende Stuhlachse ähnlichen Aufbaus bewältigt. In den Querbünden achtete man darauf, dass die Kehlbalken in gerader Verlängerung lagen, wogegen die Kehlbalken der Zwischengespärre einfach neben den alten Kehlbalken dem früheren rückwärtigen Stuhlrähm aufgelegt wurden, ungeachtet ihrer dadurch schiefen Lage im Grundriss. Die Sprengstreben der früheren rückwärtigen Stuhlachse erfuhren unterschiedliche Behandlung: Der erste blieb an alter Stelle stehen, verlor aber seine Kopfstrebe, der zweite entfiel ersatzlos und der dritte wurde vertikal gestellt und so zu einem Stuhlständer verwandelt, an dem man alle vier Kanten mit einer Fase versah und deren gekehlte Ausläufe mit roter Farbe hervorhob. Die Fruchtkammer im Dach war schon zuvor auf die ganze Breite der ersten Querzone ausgedehnt worden und vergrößerte sich durch die Verbreiterung des Hauses abermals.
Das zweite Dachgeschoss war im Kernbau als einfacher Spitzboden ausgebildet, doch die Verbreiterung machte hier nun ebenfalls einen Stuhl notwendig. Für seine drei Querachsen wurden
dicht neben den Querbünden zusätzliche durchlaufende Balken in die Kehlbalkenlage eingezogen, auf denen die Ständer Platz fanden. Während die neuen rückwärtigen Sparren über die gesamte Dachhöhe verlaufen, wurden bei der vorderen Dachfläche die alten, nun aber zu kurzen Sparren belassen. Über dem ersten Dachgeschoss verlegte man eine längslaufende Schwelle, schob sie mit Aussparungen in die Sparrenlage und setzte die neuen Sparren mittels Querzapfung darauf. Über den Stuhlständern kamen somit keine Kehlbalken zu liegen und es wurde auf eine Queraussteifung verzichtet. Auffällig ist die asymmetrische Lage des Firstes. In beiden Giebeln blieben die alten Sparren und die Bretterschalung bestehen. Am Vordergiebel wurde in die erweiterte Giebelfläche eine horizontal ausgerichtete Bretterschalung eingesetzt und das gesamte Giebeldreieck verschindelt. Der Versprung zwischen dem alten Sparren und der zurückgesetzten alten Schalung führte zu einem gut erkennbaren Knick im Schindelmantel.
Am Rückgiebel genügte eine einfache Bretterschalung in vertikaler Anordnung, die hier über den alten Sparren greift und daher ebenfalls deutlich sichtbar ist.

Weitere Veränderungen
Der große offene Kamin befindet sich an der Stelle, wo schon der Kernbau seinen Kamin hatte. In seiner Substanz wurde er jedoch später erneuert, bestehend aus hochkant gestellten Backsteinen und somit einer Wandstärke von nur 7 cm. Über der Küche sitzt er an zwei Seiten auf einer Innenwand und an einer dritten auf einem Deckenbalken, während die vierte, zur Rücktraufe gerichtete Seite von einem ganz flachen Stichbogen aus Backstein, der von Deckenbalken zu Innenwand spannt, getragen wird. Auf Höhe des Kehlgebälks lagert der Kamin zusätzlich auf einem Rahmen aus Balken und besitzt im 2. Dachgeschoss eine schmale Räuchereinrichtung.
Unter dem Kamin steht ein großer Gusseiserner Herd. Der Bodenbelag der Küche ist aus Backsteinen gefügt. Der Kachelofen der Stube dürfte auf das frühe 20. Jahrhundert zurückgehen. Die hintere Eckkammer, die auf die zweite Erweiterung zurückgeht, wurde nachträglich zu einer Stube ausgebaut, indem man die Wände vertäfelte, die Decke entlang Balken und Blindboden mit Brettern verkleidete, einen Kachelofen einbaute und dafür einen Teil der Trennwand zur Küche als gemauerte Feuerwand ausbildete. Das Türblatt wurde in ungewöhnlicher Weise anders herum angeschlagen, damit die aufgedoppelte Kassettierung raumseitig und die – hässlicheren – Gratleisten flurseitig zu liegen kamen. Der Kachelofen ging später verloren, doch die vermauerte Hinterladeröffnung ist noch sichtbar. Wie die abgeschrägten Unterkanten der Deckenbalken in der Küche und eine große Ausflickung im Bodenbelag des Dachraums zeigen, war hier offenbar eine Wölbung vorhanden, die den Rauch des Ofens aufnahm und dem früheren Kamin an der Stelle des heutigen zuleitete. In der dritten Querzone finden sich im Obergeschoss innerhalb der mittigen Längszone die Reste einer längslaufenden Zwischenwand, die nach ihrer Machart zu schließen im späten 19. oder frühen 20. Jahrhundert eingebaut wurde. Sie trennte offenbar die beiden traufseitigen Kammern, die spätestens zu dieser Zeit beide in die mittige Zone hinein ausgedehnt waren. Es wäre naheliegend, dass diese Ausdehnung bereits im Rahmen der zweiten Erweiterung um 1804 vorgenommen wurde, sodass die neu geschaffene Wand möglicherweise lediglich eine einfache Bretterwand in ihrer Substanz ersetzt hat.
Die Futterwand zwischen Stall und Tenne wurde durch eine Backsteinmauer ersetzt und die Außenwand des Stalls erfuhr im weiteren Bereich um die Südostecke über beide Vollgeschosse Ersatz durch Hohlblocksteine. Unklar ist, ob beides zur gleichen Zeit entstand oder die Futterwand möglicherweise älter als sie Außenwand ist. Die Wände zu beiden Seiten des erdgeschossigen Flurs sind ebenfalls aus Backsteinen beschaffen. Die frühere Wohneinheit im Erdgeschoss wurde schon seit langer Zeit nicht mehr als solche genutzt. Der mittlere Raum diente als Kartoffelkeller, dessen Bodenniveau sich der anhaftenden Erde wegen stark erhöht hatte.
Ab 1972 wurde mit ersten Sanierungsarbeiten begonnen, doch da es dann nicht zu einem Verkauf des Gebäudes kam, wurden sie nicht weiter fortgeführt. Die Stube erfuhr eine gänzliche neue Gestaltung, indem statt Putzdecke und Lehmwickeln neue Blindbodenbretter in dafür neu geschaffene Nuten eingeschoben und die Stoßstellen mit profilierten Deckleisten versehen wurden, sowie für die Außenecke ein zusätzlicher, den anderen beiden nachempfundener Wandschrank hergestellt wurde. Der Kachelofen musste neu aufgesetzt werden. Die vordere Kammer erhielt an zwei Seiten eine neue Vertäfelung und eine Bretterbalkenfüllung in ursprünglicher Lage im Längsbund. Die entsprechende Kammer in der rückwärtigen Längszone wurde ebenfalls auf die alte Grundfläche reduziert und neu vertäfelt, ein zugehöriger Wandschrank aber in die mittlere Längszone vorgeschoben. Der verbliebene Raum in der mittigen Längszone verlor dadurch seine Belichtung und benötigte einen eigenen Zugang, wofür ein Teil der Fachwerkfüllung der Flurwand herausgesägt wurde. Er war zur Einrichtung eines Badezimmers vorgesehen. Stattdessen erfüllte der Abort am Ende des Laubengangs nach wie vor seinen Dienst. In Stube, Kammern und Flur erhielten Wandflächen und Gefachfelder neuen Putz. Die hintere Eckstube bekam als Kinderzimmer einen gelben Anstrich mit grünen Fenstern. Über dem Erdgeschoss wurden einige Deckenbalken neu eingezogen. Um in den beiden giebelseitigen Räumen des Erdgeschosses eine Druckwerkstatt einrichten zu können, wurde die aus Bruchsteinen gemauerte Trennwand aufgrund starker Deformationen erneuert, die Tür des hinteren der beiden Räume zum Flur vermauert und beide Räume mit Holzwollezementplatten ausgekleidet.

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