Haalstraße 5/7 (Schwäbisch Hall)

Datenbank Bauforschung/Restaurierung

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Evang. Pfarrkirche St. Michael

ID: 151221359379  /  Datum: 26.01.2006
Datenbestand: Bauforschung
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Objektdaten

Straße: Kirchstraße
Hausnummer: 13
Postleitzahl: 72119
Stadt-Teilort: Ammerbuch

Regierungsbezirk: Tübingen
Kreis: Tübingen (Landkreis)
Wohnplatzschlüssel: 8416048003
Flurstücknummer: keine
Historischer Straßenname: keiner
Historische Gebäudenummer: keine
Lage des Wohnplatzes: Lage des Wohnplatzes
Geo-Koordinaten: 48,5547° nördliche Breite, 8,9669° östliche Länge

Kartenansicht (OpenStreetMaps)

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Objektbeziehungen

keine

Umbauzuordnung

keine

Weitere Objekte an diesem Wohnplatz

Wohnhaus, Paulinenstraße 2 (72119 Ammerbuch - Entringen)

Bauphasen

Kurzbeschreibung der Bau-/Objektgeschichte bzw. Baugestaltungs- und Restaurierungsphasen:

Die Pfarrkirche St. Michael setzt sich aus mind. 3 Hauptbauphasen zusammen.


1. Bauphase:
(1411 - 1424)
Errichtung von Chor und nördl. Chorseitturm. Datierung Chordachwerk anhand sekundär verwendeter Hölzer 1411 (mit Vorbehalt). Fertigstellung mit Einbau der hölzernen Bestandteile im Chorseitturm 1424.
Betroffene Gebäudeteile:
Betroffene Gebäudeteile
  • Erdgeschoss
  • Dachgeschoss(e)
  • Ausstattung
Lagedetail:
  • Siedlung
    • Dorf
Bauwerkstyp:
  • Sakralbauten
    • Kirche, allgemein
    • Pfarrkirche
Konstruktionsdetail:
  • Steinbau Mauerwerk
    • Quader
  • Gewölbe
    • Rippengewölbe

2. Bauphase:
(1452 - 1454)
Neubau Kirchenschiff mit Dachwerk: Grundstein 1452 (i), Dachwerk 1453/54 (d)
Betroffene Gebäudeteile:
Betroffene Gebäudeteile
  • Erdgeschoss
  • Dachgeschoss(e)
Lagedetail:
  • Siedlung
    • Dorf
Bauwerkstyp:
  • Sakralbauten
    • Kirche, allgemein
    • Pfarrkirche
Konstruktionsdetail:
  • Dachgerüst Grundsystem
    • Sparrendach, q. geb. mit liegendem Stuhl
  • Dachgerüst, verstärkende Einbauten
    • Hängebund, einfach

3. Bauphase:
(1493 - 1494)
Glockenstuhl im 5.OG des Turms: Fälldaten 1492/93 (d) und 1493/94 (d).
Betroffene Gebäudeteile:
Betroffene Gebäudeteile
  • Obergeschoss(e)
Lagedetail:
  • Siedlung
    • Dorf
Bauwerkstyp:
  • Sakralbauten
    • Kirche, allgemein
    • Pfarrkirche
Konstruktionsdetail:
  • Holzgerüstbau
    • Sprenggerüst

Besitzer

keine Angaben

Fotos

Abbildungsnachweis
Ansicht von Südosten. / Evang. Pfarrkirche St. Michael in 72119 Ammerbuch, Entringen (25.03.2011 - Foto: Tilmann Marstaller)
Abbildungsnachweis
Ansicht von Süden.  / Evang. Pfarrkirche St. Michael in 72119 Ammerbuch, Entringen ( 25.03.2011 - Foto: Tilmann Marstaller)
Abbildungsnachweis
Ansicht Chorseitturm von Nordost.  / Evang. Pfarrkirche St. Michael in 72119 Ammerbuch, Entringen (14.05.2010 - Foto: Tilmann Marstaller)

Zugeordnete Dokumentationen

  • Bauhistorische Kurzuntersuchung

Beschreibung

Umgebung, Lage:
Liegt in leichter Sporn-Hanglage im historischen Dorfkern, östlich der Durchgangsstraße inmitten des ehemals vollständig ummauerten Kirchhofs.
Lagedetail:
  • Siedlung
    • Dorf
Bauwerkstyp:
  • Sakralbauten
    • Pfarrkirche
Baukörper/Objektform (Kurzbeschreibung):
Chorseitturmkirche; im heutigen Zustand stattliche Saalkirche mit eingezogenem, polygonal geschlossenem Langchor und nördl. Chorseitturm.
Innerer Aufbau/Grundriss/
Zonierung:
Einschiffiges Langhaus mit östlich anschließendem Vorchorjoch des romanischen Vorgängerbaus vor eigentlichem Chor mit polygonalem (5/8-) Chorschluß und nördlichem Chorseitturm.
Vorgefundener Zustand (z.B. Schäden, Vorzustand):
Sanierte Kirche.
Bestand/Ausstattung:
Aufrecht stehender Bau, spätmittelalterlich, mit geringen romanischen Resten. Langhausdachwerk von 1453/54 (d) nahezu vollständig erhalten, Chordachwerk unter Wiederverwendung zahlreicher Althölzer sowie Turmhelm 1908 ersetzt. Chorgewölbe unter Wiederverwendung der alten Schlusssteine als Rabitzgewölbe in alter Form wieder eingebaut. Bemerkenswerte Bauplastik von 1411.

Ehemaliges Chorgestühl, Taufstein

Konstruktionen

Konstruktionsdetail:
  • Dachgerüst Grundsystem
    • Sparrendach, q. geb. mit liegendem Stuhl
  • Gewölbe
    • Rippengewölbe
  • Steinbau Mauerwerk
    • Werkstein
  • Gestaltungselemente
    • Zierglieder im Steinbau
  • Detail (Ausstattung)
    • bemerkenswerte Türen
  • Dachgerüst, verstärkende Einbauten
    • Hängebund, einfach
Konstruktion/Material:
Die bestehende Kirche von 1411-1454
Bauabfolge und Datierung

Im Laufe des 15. Jahrhundert wurden Chor und Langhaus der ehemaligen Michaelskirche sukzessive durch Neubauten ersetzt. Ihre unterschiedliche Entstehungszeit ist den Bauteilen bereits von außen deutlich anzusehen. Dem schlichten, als Putzbau mit Eckquaderung errichteten Langhaussaal stehen die grauen Sichtquader der älteren Ostteile gegenüber. Bestätigt wird dies durch die Aufnahme der Steinmetzzeichen, die eindeutig zwei unterschiedlichen Bauhütten angehören. Das Fehlen von Strebepfeilern am Langhaus weist zudem auf eine unterschiedliche Deckung der einzelnen Räume hin. Tatsächlich war das Langhaus trotz seiner großen Breite von Beginn an flach gedeckt, während Chor und Turm ein Rippengewölbe erhielten.
Zunächst erfolgte die Errichtung des im Lichten 14,3 m langen und 8,1 m weiten Chorraums und des nördlichen im Grundriss quadratischen Chorseitturmes. Beide Bauteile können stilistisch in das frühe 15. Jahrhundert datiert werden. Ein genauerer zeitlicher Ansatz ergibt sich nun aus der dendrochronologischen Untersuchung der hölzernen Bestandteile. Die Fällung zweier sekundär im Chordachwerk verbauten Tannenholzsparren, die vom ursprünglichen Chordach stammen können, erfolgte im Winter 1410/11 (Datierung mit Vorbehalt). Für das eichene Deckengebälk über dem 2. Obergeschoss des Turmes konnten Sommerfällungen im Jahr 1424 nachgewiesen werden. Die Errichtung von Chor und Turm dürfte sich demnach über einige Jahre erstreckt haben. Vermutlich gab es eine längere Bauunterbrechung: während der Chor vermutlich bereits um 1411 unter Dach gebracht werden konnte, erfolgte der Innenausbau des Turmes und vermutlich auch die Errichtung des ehemaligen, über 32 m hoch aufragenden Turmhelmes erst um 1424.
Erheblich rascher gedieh dagegen der Neubau des im Lichten 20,7 m langen und 12,0 m breiten Langhauses. Vom Baubeginn im Jahre 1452 bis zur Errichtung des Dachstuhles vergingen nach Ausweis des jüngsten Fälldatums eines Bauholzes im Langhausdachwerk (Winter 1453/54) höchstens zwei Jahre, sodass von einer Vollendung des Langhausneubaus um 1454 ausgegangen werden kann.
Die grob geglätteten Sichtquader des Chorseitturmes zeigen, wie auch bei Chor und Langhaus, deutlich die Zangenlöcher der ehemaligen Hebevorrichtung. Zur Errichtung der gotischen Bauteile wurde folglich ein Kran mit Greifzange eingesetzt.
Obwohl Chor und Langhaus von Grund auf neu errichtet wurden, haben sich im aufgehenden Baubestand noch Reste der romanischen Kirche erhalten. An der Südfassade der Kirche zeichnet sich der Überrest des romanischen Chorquadrums noch heute als ein 1,5 m langes Zwischenstück zwischen Chor und Langhaus ab. Im oberen Wandfeld kragt ein merkwürdiger Blendbogen vor, der bei Errichtung des spätgotischen Chores notwendig wurde. Vermutlich errichtete man den Chor zunächst freistehend um die romanische Apsis herum. Um den Schub der südlichen Chorwand nach Westen hin abzufangen, war daher ein zusätzlicher Strebepfeiler notwendig, der heute größtenteils von dem nach Osten über den romanischen Vorchor gezogenen Dachwerk des Langhauses verdeckt ist. Da man die neue Chorwand gegenüber der Außenwand des romanischen Vorchores jedoch nach Süden versetzt errichtet hatte, musste der Strebepfeiler im Bereich des Vorchors durch den erwähnten Blendbogen abgefangen werden. Daraus ergibt sich, dass auch noch ein Stück der östlichen Langhauswand dem romanischen Vorgängerbau angehört.
Ein wichtiger Hinweis auf die Anlage der Dachwerke nach Errichtung der Ostteile findet sich an der Süd- und Westseite des Turms. Hier setzt unmittelbar westlich vor der Chorscheidwand eine Wasserrinne an, die am Turm entlang, nach Norden aus dem Dachraum führte. Sie leitete einst das gegen den Turm abtropfende Regenwasser des Dachwerks über dem romanischen Chorquadrum ab. Die Höhe der Rinne legt den Schluss nahe, dass bei Errichtung der gotischen Ostteile die Firsthöhe des Chorquadrums derjenigen des Langhauses angeglichen wurde. Dadurch ergab sich ein beträchtlicher Höhenunterschied von gotischem Chor- und romanischem Langhausdachwerk, wie er sich heute noch an zahlreichen anderen Kirchen findet, zum Beispiel in Leinfelden-Echterdingen oder Schwieberdingen, am extremsten bei der Kathedrale von Beauvais. Dieser Zustand änderte sich erst bei Errichtung des neuen Langhauses, dessen Firsthöhe den ehemaligen Niveauunterschied beinahe ausglich.

Der Chor von 1411 (d)
Auf den ersten Blick handelt es sich bei dem Chorneubau um einen gewöhnlichen spätgotischen Chor mit 5/8-Schluß. Bei genauerer Betrachtung der Details ergeben sich jedoch einige Besonderheiten. Dazu gehört neben der Großquaderbauweise der 0,8 m starken Wände vor allem das Chorgewölbe, das 1908 unter Wiederverwendung der Schlusssteine zwar in alter Form jedoch in moderner Leichtbauweise (Rabitz) ersetzt wurde. Gegenüber dem westlichen Chorjoch, das ein für damalige Verhältnisse fortschrittliches, mit einer Raute durchschnittenes Kreuzrippengewölbe aufweist, erhielt der polygonale Chorschluss ein Sternrippengewölbe. Der Ansatz der Gewölberippen ist dabei bemerkenswert unregelmäßig ausgeprägt: im Chorhaupt münden die Rippen geradlinig in kräftigen Runddiensten, die bis zum Boden herabgeführt wurden. Am südöstlichen Dienst in einem Löwen-Weinlaubkapitell. Über den beiden Diensten links und rechts des dreibahnigen Ostfensters finden sich am Rippenansatz die Kopfportraits einer Frau und eines Mannes. Im westlichen Chorjoch wachsen die Rippen einheitlich mit Versatz aus den Diensten empor. Wie die mit Birnstabprofil versehenen Gewölberippen gehen auch die kräftigen Runddienste, die eine attische Basis über kanneliertem Sockel aufweisen, auf hochgotische Vorbilder zurück. Ähnliche Basen finden sich in dem um 1298 errichteten Chor der Esslinger Stadtkirche St. Dionysius, treten aber auch noch um 1453 im Chor der Martinskirche in Kirchheim/Teck auf.
Die Betonung des Chorhauptes durch die Bauplastik und dem einzig dreibahnigen Ostfenster findet in der nochmaligen Anhebung des Fußbodenniveaus seine Entsprechung. Die Staffelung des Chorfußbodens ist sowohl im Innern an den Basen der Gewölbedienste wie auch am Außenbau am umlaufenden unteren Wasserschlaggesims ablesbar. Die erkennbare bauliche Inszenierung weist das Chorhaupt als Aufstellungsort des ehemaligen Hochaltares aus, dem höchsten Gut der Kirche in vorreformatorischer Zeit.
Die Architektur des Chores steht kunstgeschichtlich am Übergang von der späten Hoch- zur eigentlichen Spätgotik. Hochgotische Formen weisen neben dem Chorgewölbe vor allem die lanzettbogenförmigen Chorfenster und Teile des Fenstermaßwerks auf. Deutlich wird dies an dem aus drei in ein sphärisches Dreieck einbeschriebenen Vierblättern gebildeten Maßwerk des Ostfensters, das an das Ostfenster des Poltringer Chorbaus aus der zweiten Hälfte des 14. Jahrhundert erinnert. Dagegen belegen der sogenannte Dreischneuß am südlichen Chorhauptfenster und der Zweischneuß am Südostfenster das verstärkte Aufkommen von Fischblasenmotiven im Fenstermaßwerk um 1400. Auch die in schlichten, unbekrönten Giebeln endenden Abdeckplatten der Strebepfeiler gehören formal zum älteren Typus. Sie sind in der Umgebung mehrfach vom 13./ 14. bis zur ersten Hälfte des 15. Jahrhundert belegt, wie zum Beispiel am Chor der Pelagiuskirche in Ehingen-Mauren aus dem späten 14. Jahrhundert. Dort findet sich in der Gestaltung des Ostfenstergewändes mit der ungewöhnlichen Staffelung zweier Hohlkehlen eine bemerkenswerte und zugleich seltene Parallele zum Ostfenster des Entringer Chores.
Die am Chor und Turm erkennbaren Steinmetzzeichen lassen auf Verbindungen zur Bauhütte des Georg von Salem im Kloster Bebenhausen schließen, das seit 1297 das Patronatsrecht der Entringer Michaelskirche innehatte. Dementsprechend ist eines der Entringer Zeichen auch am 1409 errichteten Vierungsturm der Klosterkirche in Bebenhausen nachweisbar, einem einzigartigen Meisterwerk spätgotischer Baukunst. Formal haben die beiden annähernd zeitgleichen Bauwerke zwar wenig gemeinsam. Dennoch belegt die sorgfältige Ausführung der Fenster wie auch der sparsam auftretenden Bauplastik die Anwesenheit fähiger Steinmetze in Entringen.

Der Chorseitturm von 1424 (d)
Was den Entringer Turm bis zu seinem Umbau 1908 weit über die Grenzen des Oberamtes hinaus zu etwas Besonderem machte, war neben seiner großen Neigung vor allem sein außergewöhnlich hoher Turmhelm. Die steile Dachkonstruktion gehörte mit über 32 m Höhe zu den höchsten Holzbauwerken Württembergs und ließ den Turm auf die gewaltige Höhe von fast 70 m anwachsen. Am Außenbau durch Wasserschlaggesimse in drei Zonen gegliedert, unterteilt sich das Innere des Turmes bis zum Dachansatz in sechs Ebenen unterschiedlichster Höhe. In dem hohen als Sakristei genutzten Erdgeschoss des Turmes mit seinen 1,6-2,0 m starken Wänden ist das ursprüngliche, hochgebuste Kreuzrippengewölbe erhalten geblieben. Da der Turmaufgang somit vom Erdgeschoss aus versperrt war, wurde am äußeren Zwickel zwischen Turm und Chor eine Wendeltreppe mit steinernem Zeltdach eingefügt. Die Treppe ist über ein schmales Spitzbogenportal mit unverziertem Tympanonfeld vom Chor aus zugänglich und reicht bis zum ersten Obergeschoss. Von dort aus wurde der Aufgang über hölzerne Treppen im Turminnern nach oben weitergeführt. Von den beiden obersten Zwischendecken aus besteht Zugang zu jeweils drei, östlich, nördlich und westlich in die Turmwände eingebauten Nischen, die aufgrund ihrer Ausformung und den zugehörigen Wandschlitzen die einstige Wehrfunktion des Kirchturmes bezeugen. Im obersten Geschoss des Turmes war, wie an den hohen Schallfenstern erkennbar, von Beginn an der Glockenstuhl untergebracht. Während jener 1493/94 (d) durch eine sehenswerte, teils mit Eselsrückenmotiven und stark geschwungenen Streben verzierte Konstruktion ersetzt wurde, behielten die gotischen Schallöffnungen ihr ursprüngliches Maßwerk bei.

Das Langhaus von 1452-54
Wie der Chor, steht auch der 1452 begonnene Langhausneubau noch ganz am Übergang von der Hoch- zur Spätgotik. Die an der Nordwand zwei-, an der Südwand dreibahnigen, lanzettbogenförmigen Fenster mit glattem Schräggewände unterscheiden sich kaum von den Chorfenstern. Lediglich im Fenstermaßwerk kann bei den Fischblasenmotiven ein Trend der Rahmungen von sphärischen Dreiecken hin zu den typisch spätgotischen Kreisformen nachvollzogen werden. In älterer Tradition stehen auch die Birnstabprofile am Stabwerk des Süd- und Westportals.
Die einzelnen Türöffnungen wurden offenbar ihrer Funktion entsprechend unterschiedlich ausgeformt. Das westliche Hauptportal bildet ein klassisch spätgotisches Spitzbogenportal, an dessen Schlussstein sich die Wappenschilder der Stifterfamilien von Hailfingen und Ehingen befinden. Das vermutlich als Friedhofsausgang dienende Nordportal ist - für die Mitte des 15.Jh. in der Region ungewöhnlich - als breites Segmentbogenportal gestaltet. Sein Stabwerk ist als einziges nicht aus Birn-, sondern aus typisch spätgotischen Rundstäben gebildet. Ohne Vergleich war bis zu seiner Veränderung das Südportal, dessen oberer Abschluss als Zweipass ausgebildet war. Möglicherweise deutet die besondere Ausformung auf eine Funktion als Brautportal hin.
Über den Baumeister des Langhauses ist weder aus den Schriftquellen noch aus der Architektur etwas zu erfahren. Der gelegentlich dem Baumeister zugeordnete, in Relief gearbeitete Wappenschild mit Armbrust und einer Sichel oder Hape (?) an der Südwestecke (weit oberhalb der Gründungsinschrift) ist mit den sonst überlieferten Meisterschilden nicht vereinbar. Das Steinmetzzeichen, das am westlichen Langhausfenster erkennbar ist, findet sich in gleicher Form am 1478 begonnen Langhaus der Tübinger Stiftskirche, taucht in gleicher Form aber auch noch an der ab 1500 erweiterten Jakobuskirche in Tübingen, sowie in Kusterdingen (1506 (i)) und Tübingen-Derendingen zu Beginn des 16. Jahrhunderts auf. Eine Übertragung dieser Zeichen auf eine einzige Person ist daher mehr als fraglich.
Das Steinmetzzeichen am Rundfenster des Westgiebels macht deutlich, dass beim Neubau des Langhauses Teile aus der Bauzeit um 1411/24 wiederverwendet wurden. Möglicherweise stammt es vom ehemals hoch über dem romanischen Langhausdachwerk aufragenden Westgiebel des Chores, der 1454 vom Dachwerk des Langhauses verdeckt und vielleicht deshalb teilweise abgetragen wurde.

Das Langhausdachwerk von 1453/54 (d)
Von großer baugeschichtlicher Bedeutung erweist sich das nahezu vollständig erhaltene dreigeschossige Dachwerk, das den 12 m weiten Saalraum frei überspannt. Eine derart große Spannweite erforderte nicht nur große zimmermannstechnische Kenntnis, sondern auch der baulichen Dimension angepasstes Baumaterial.
Technisch gesehen handelt es sich um ein Sparrendach mit insgesamt sechs Zonen. Die Abzimmerungstechnik ist rein mittelalterlich, alle schräg verlaufenden Aussteifungshölzer sowie die Kehlbalken sind an beiden Enden verblattet ausgeführt.
Die inneren fünf der insgesamt sieben tragenden Querachsen zeigen eine Kombination aus liegenden Stühlen und axialem Hänge-Sprengwerk. Bei den beiden äußeren Gebinden ist der liegende mit einem einfach stehenden Stuhl kombiniert. Sogenannte liegende, der Dachneigung angepasste Stuhlkonstruktionen dienen einerseits der Unterstützung des Kehlgebälks, auf dem die Fußbodendielen der oberen Dachgeschosse aufliegen. Andererseits tragen sie dazu bei, die Dachlast besser auf die Außenwände abzuleiten. Das Hänge-Sprengwerk hingegen, das sich aus firsthohen Hängesäulen und langen abstützenden Streben zusammensetzt, verhindert eine Durchbiegung des weitgespannten Dachgebälks. Dazu wurde über dem Dachgebälk in der Mittellängsachse ein Balken (Überzug) verlegt, der durch Eisenstifte und Eisenklammern fest mit den Dachbalken verbunden ist. Der Überzug wiederum ist an den Hängesäulen aufgehängt, deren Tragkräfte über das Sprengwerk auf die liegenden Stühle der beiden unteren Dachebenen und damit ebenfalls auf die Außenwände des Langhauses abgeleitet werden. Die Qualität dieser Holzkonstruktion ist alleine schon an ihrer nahezu verformungsfreien Erhaltung erkennbar.
Entsprechende oder ähnliche Dachwerke finden sich regelhaft bei Bauten mit großer Innenraumbreite wie zum Beispiel beim Langhaus der etwa zeitgleichen Sülchenkirche St. Martin in Rottenburg oder bei der Kreuzkirche in Nürtingen von 1454/55 (d). Was diese Dachwerke darüber hinaus kennzeichnet, ist die Art und Verwendung des Baumaterials. Während sämtliche Aussteifungshölzer aufgrund ihrer hohen Belastung aus Eiche gefertigt wurden, bestehen alle langen Hölzer wie Dachbalken, Sparren, Kehlbalken und Hängesäulen vollständig aus Nadelholz. Angesichts der erforderlichen Länge der möglichst geradwüchsigen Hölzer für Sparren und Dachbalken von etwa 14 Meter, wie eben beim Entringer Beispiel, war die Nutzung der sonst üblichen und lokal vorhandenen Eichen kaum möglich. Für Entringen bedeutete dies einen gewaltigen Beschaffungs- und damit Kostenaufwand. Denn Nadelhölzer waren in der näheren Umgebung, vor allem im angrenzenden Schönbuch zu dieser Zeit offenbar Mangelware. Man war daher auf den kostenintensiven Transport über Land angewiesen. Billiges Floßholz, wie es zum Beispiel bei der Kreuzkirche in Nürtingen verwendet wurde, kam mangels einer Anbindung Entringens an ein floßbares Gewässer nicht in Frage.

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