Kloster Bebenhausen (ehem. Holz- und Chaisenremise)

Datenbank Bauforschung/Restaurierung

Datenbank Bauforschung/Restaurierung

Murr-Wehr

ID: 133038980120  /  Datum: 11.08.2019
Datenbestand: Bauforschung und Restaurierung
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Objektdaten

Straße: keine
Hausnummer: keine
Postleitzahl: 71570
Stadt: Oppenweiler
Regierungsbezirk: Stuttgart
Kreis: Rems-Murr-Kreis (Landkreis)
Gemeinde: Oppenweiler
Wohnplatz: Zell
Wohnplatzschlüssel: 8119053013
Flurstücknummer: keine
Historischer Straßenname: keiner
Historische Gebäudenummer: keine
Lage des Wohnplatzes: Lage des Wohnplatzes

Objektbeziehungen

keine

Umbauzuordnung

keine

Weitere Objekte an diesem Wohnplatz

keine

Bauphasen

Kurzbeschreibung der Bau-/Objektgeschichte bzw. Baugestaltungs- und Restaurierungsphasen:

Ein Murr-Wehr existiert nachweislich seit 1769 als Teilbau einer Mühle. Das heute erhaltene Wehr wurde 1911 erbaut und bis zur Stilllegung in den 1960er-Jahren benutzt. Seit den 1980er-Jahren besitzt es Kulturdenkmaleigenschaft und darf deshalb nicht entfernt werden. Trotzdem sind seit 2012 Teilabbrüche zur ökologischen Durchgängigkeit geplant.


1. Bauphase:
(1602)
Die Erstnennung einer Mühle kann ab 1602 datiert werden, da sich zu dieser Zeit „Müllersleute“ im örtlichen Taufregister nachweisen lassen. In welcher Form bereits in irgendeiner Weise ein Wehr bestand, das für den Betrieb einer Mühle unabdingbar ist, ist nicht nachvollziehbar. Die Kieser‘sche Forstakte um 1685 zeigt am linken Flussufer ein Mühlengebäude mit Mühlrad. Daran angrenzend zeigt sich in der Murr ein Zulauf, möglicherweise schon eine Art Wehr, das das kontrollierte Antreiben des Mühlrades ermöglicht.
Betroffene Gebäudeteile:
keine

2. Bauphase:
(1769 - 1790)
Nachweislich bestand ein Wehr ab der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts: Im Jahr 1769 wird das amtliche Eichzeichen in Form einer Eisenklammer auf einer Höhe von 252,06m ü. NN gesetzt. Eine Neuverurkundung des Eichzeichens wird nach einem Neuaufbau notwendig. Die Eichung findet am 10.07.1815 unter Zeugen statt. Auch die Oberamtsbeschreibung von 1790 nennt ein Wehr, zugehörig zum Mühlenbau: „[…] eine Mahlmühle, wird vermittelst einer Wehre von einem Arm der Murr getrieben, […].
Betroffene Gebäudeteile:
keine

3. Bauphase:
(1885)
Die heutigen Mühlengebäude stammen aus dem 19. Jahrhundert (Anbau datiert 1885 (i)).
Betroffene Gebäudeteile:
keine

4. Bauphase:
(1911)
Der Bau des heutigen Wehres wird am 3. März 1911 durch die Kreisregierung genehmigt. Im Zusammenhang mit der nun mehr abgeschlossenen Murrkorrektion können „Änderungen“ am bestehenden Wehr vorgenommen werden. Es handelt sich bei den „Änderungen“ um den Zubau der alten 3,40m breiten Floßgasse, einer Verbreiterung des 30,60m breiten Wehrs um 4,70m, dem Einbau am anschließenden rechten Ufer von zwei je 4,25m breiten Hochwasserauslassfallen, die Erstellung eines 0,80m breiten Fischpasses, die Erstellung eines 19,55 m langen und 0,70m breiten eisernen Zugangsstegs und die Verlegung des Unterkanals mit Bau von Ufermauern.
Zum Bedienen der Fallen wird eine Wasserwehr benötigt, die im Falle eines Hochwassers das Wehr bediente. Wie die historische Abbildung des Baus zeigt, wurde das Murrwehr maßgeblich neu erbaut.
Betroffene Gebäudeteile:
keine

5. Bauphase:
(1933 - 1936)
Für den Zeitraum zwischen 1911 und 1933 finden sich keine weiteren Unterlagen. Die Akten dokumentieren erstmals wieder einen vernachlässigten Zustand des Wehres in den 1930er Jahren. Auf Aufforderung durch das zuständige Amt werden die Mängel in den Jahren 1933 bis 1936 von den Besitzern behoben. In diesem Zuge erfolgten ein neuer Anstrich und der Ersatz rostiger Teile sowie der Ersatz des Eichzeichens aus der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts bzw. der Neuverurkundung 1815. Die neue Eichklammer wird in Portlandzement gesetzt.
Betroffene Gebäudeteile:
keine

6. Bauphase:
(1955)
Noch bis in die 1950er Jahre wurde das Wehr im Zusammenhang mit dem Mühlenbetrieb genutzt. Ein Lageplan von 1955 zeigt, neben dem geplanten Turbinenumbau, auch das vorhandene Ziehwehr und den von der Murr abgetrennten Seitenarm mit Streichwehr, der den Mühlgang antrieb. Heute ist der Bereich des Seitenkanals verlandet und das Wehr besitzt nur noch eine Gesamtlänge über drei Pfeiler.
Betroffene Gebäudeteile:
keine

7. Bauphase:
(1962)
Im Jahr 1960 wird der Mühlenbetrieb endgültig stillgelegt. Eine Zustandsbeschreibung aus dem Jahr 1962 dokumentiert das Wehr als stark verrostet und teilweise zerstört. Auch die Fischtreppe sei bereits zu dieser Zeit nicht mehr funktionsfähig gewesen.
Betroffene Gebäudeteile:
keine

8. Bauphase:
(1963 - 1970)
Im Jahr 1963 wird das Wasserrecht endgültig gelöscht und die Stilllegung der Mühle schriftlich festgehalten. Zeitgleich beginnt eine lange schriftliche Korrespondenz über die Frage wie mit dem dahinterliegendem Wehr verfahren wird und ob die Schütze dauerhaft geöffnet bleiben können.8 Auch die Frage des Unterhalts und ein damit verbundener Abbau, Teilabbau oder eine Ertüchtigung der Wehranlage ist strittig. Seit 1970 ruhte das Verfahren.
Betroffene Gebäudeteile:
keine

9. Bauphase:
(1985 - 1992)
Die Wasserrechtsakte bestätigt im Jahr 1985 das Erlöschen des Triebwerksrechts. Es wird festgehalten, dass ein vollständiger Abbau des Wehres nicht notwendig wird. Dieselbe Akte enthält eine denkmalpflegerische Stellungnahme von 1986, die die Kulturdenkmaleigenschaft des Mühlengebäudes mit zugehörigem Streichwehr und dahinterliegendem Ziehwehr bestätigt. Eine Entfernung der Wehre ist aus denkmalpflegerischer Sicht nicht möglich. Im heutigen Bestand ist das Streichwehr und das daran anschließende Rückhaltebecken bzw. der Zulauf zum Mühlrad nicht mehr vorhanden. Der Bereich ist verlandet.
Im Jahr 1988 wird schriftlich festgehalten, dass der Bereich unterhalb des Wehres einen naturnahen und daher erhaltenswerten Gewässerabschnitt darstellt. Dieser Aktenvermerk vom 21.03.1988 unterstützt die denkmalfachliche Untersagung des geplanten Wehrabbaus.
Im Jahr 1989 hält das Wasserwirtschaftsamt schriftlich fest, dass das Wehr in seiner Form erhalten bleiben kann, da ein geplanter Umbau nicht weiter verfolgt wird. Die festen Wehrteile können bestehen bleiben. Lose Teile wie die Verschlusstafeln, stählerne Verbindungsteile und der Eisengittersteg (zwischen linkem Murrufer und dem Fallenwehr) stellen jedoch ein Gefahrenpotenzial dar. Auf Grund der Baufälligkeit dieser Teile wird ein Teilabbruch gefordert. Die Abnahme der losen Teile stellt für das Landesamt für Denkmalpflege „keine erhebliche Beeinträchtigung“ dar. Lediglich der Wasserzulauf zur Mühle muss erhalten bleiben. Das Antwortschreiben des Amts für Umweltschutzes vom 27.09.1989 dokumentiert die Verlandung des ehemaligen Wasserzulaufs zur Mühle und der Umgebungsflächen. Eine Rückführung sei nicht möglich.
Bis 1992 werden alle losen Teile durch die Eigentümer der Mühle entfernt. Die Abnahme vom 01.06.1992 wird in der Wasserrechtsakte schriftlich festgehalten. Der Zustand des Wehres von 1992 ist bis heute unverändert.
Betroffene Gebäudeteile:
keine

10. Bauphase:
(2012)
Seit 2012 sind die Planungen zum Umbau für die ökologische Durchgängigkeit in den Akten vermerkt. Ein Teilabbruch der rechten Wehrpfeilers sowie des mittleren Wehrpfeilers sind geplant.
Betroffene Gebäudeteile:
keine

Besitzer

keine Angaben

Zugeordnetes Objekt

keines

Fotos

Murr-Wehr in 71570 Oppenweiler, Zell
Murr-Wehr in 71570 Oppenweiler, Zell
Murr-Wehr in 71570 Oppenweiler, Zell

Zugeordnete Dokumentationen

  • Bauhistorische Dokumentation des Bestandes

Beschreibung

Umgebung, Lage:
Die Murr ist ein östlicher Zufluss des Neckars, deren Quelle in Murrhardt entspringt und sich über Oppenweiler-Zell bis nach Marbach am Neckar zieht, wo der 51 km lange Flusslauf im Neckar mündet. Seit der Murrkorrektion, deren Arbeiten bis 19111 andauerten, verläuft der Flusslauf heute in gleichmäßiger Breite mittig durch Oppenweiler-Zell und teilt den Ort in zwei Gebiete, die mit einer Brücke verbunden sind (vgl. Abb. 1.01 / 2.01). Das östliche Stadtgebiet hat sich dem leicht gebogenene Flusslauf in seiner Bebauung angepasst. Direkt am Wasser im Norden steht das ehemalige Mühlengebäude, dessen Funktion bereits aufgegeben wurde. Das zu dokumentierende Murrwehr steht in nördlicher Richtung circa 20m flussaufwärts, oberhalb des Mühlengebäudes.
Lagedetail:
  • Siedlung
    • Stadt
Bauwerkstyp:
  • Bauten für Transport und Verkehr
    • Schleusen
Baukörper/Objektform (Kurzbeschreibung):
Der heutige Baubestand des Wehres ist in seiner Form und Ausstattung stark dezimiert. Ursprünglich handelte es sich um eine Eisenkonstruktion mit Laufsteg und zwei Ziehschützen, die auf drei polygonale Wehrpfeiler aus Beton aufgelagert war.
Bis heute haben sich lediglich die drei Wehrpfeiler, die Fischtreppe am rechten Murrufer sowie die unterhalb des Wasserspiegels befindliche Staustufe erhalten. Die Eisenkonstruktion wurde fast vollständig bis 1992 abgebaut. Einzelne Teile aus Eisen sind noch an den Pfeilern vorhanden.
Innerer Aufbau/Grundriss/
Zonierung:
Die Betonpfeiler 1 und 2 sind in ihrem Aufbau identisch. Sie stehen auf polygonalem Grundriss. Im Aufriss ergibt sich eine Art dreigeteilte Pfeilergliederung bestehend aus einem eckigem nach oben hin gerade abschließenden Betonbereich, der als Auflager des Eisenstegs diente. Die beiden äußeren, polygonal spitz zulaufenden Bereiche der Pfeiler sind nach oben hin ebenfalls spitz zulaufend ausgebildet. Sie bilden eine Art „Dach“ auf beiden Seiten, damit Niederschlag direkt abtropfen konnte. Der Zustand des Betons variiert und ist durch die Witterungen unterschiedlich stark abgearbeitet.
Beide Pfeiler besitzen an den nördlichen, entgegen des Wasserstrom stehenden Spitzen eine Stoßkante aus Metall. Die Kante diente vermutlich zusätzlich zur Verhinderung eines Betonabtrages durch den stetigen Wasserfluss.
An Pfeiler 1 befindet sich auf der östlichen Pfeilerseite das Eichzeichen von 1936 und ein Rest des ehemaligen Auflagers aus Stahl.
Zwischen den drei Pfeilern 1, 2 und 3 sind vertikale Metallschienen angebracht, in denen die zwei ehemaligen Schütze liefen. Auch diese Reste der ehemaligen Eisenkonstruktion blieben erhalten.
Pfeiler 3 variiert in seinem Aufbau, da durch ihn die Fischtreppe am westlichen Murrufer geführt ist. Er erhielt eine Aussparung, die mit einem Bogen aus Backstein übermauert wurde. Durch einen starken Bewuchs in diesem Bereich konnte der Pfeiler nicht weiter eingesehen werden.
Die Fischtreppe, ehemals bestehend aus mehreren Kammern wird vom Unterwasser ansteigend, durch Pfeiler 3 ins Oberwasser geführt. Die Fischtreppe besteht wie die Pfeiler aus Beton, der durch die Witterung unterschiedlich stark geschädigt ist.
Vorgefundener Zustand (z.B. Schäden, Vorzustand):
keine Angaben
Bestand/Ausstattung:
keine Angaben

Konstruktionen

Konstruktionsdetail:
  • Verwendete Materialien
    • Beton
    • Eisen
Konstruktion/Material:
keine Angaben

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