Domturm (Rottenburg)

Datenbank Bauforschung/Restaurierung

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Kappellenbau-Wohnhaus-Stallscheuer

ID: 112277593119  /  Datum: 24.02.2016
Datenbestand: Bauforschung und Restaurierung
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Objektdaten

Straße: Pelagiusgasse
Hausnummer: 3
Postleitzahl: 78628
Stadt-Teilort: Rottweil

Regierungsbezirk: Freiburg
Kreis: Rottweil (Landkreis)
Wohnplatzschlüssel: 8325049001
Flurstücknummer: keine
Historischer Straßenname: keiner
Historische Gebäudenummer: keine
Lage des Wohnplatzes: Lage des Wohnplatzes

Kartenansicht (OpenStreetMaps)

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Objektbeziehungen

keine

Umbauzuordnung

keine

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Bauphasen

Kurzbeschreibung der Bau-/Objektgeschichte bzw. Baugestaltungs- und Restaurierungsphasen:

Schon die Lage des Gebäudes unmittelbar neben der Pelagiuskirche und die beiden archaisch wirkenden Rundbogenöffnungen in dessen Ostwand spiegeln die umfangreiche Baugeschichte des Gebäudes wieder. Zeitlich sehr weit zurückreichende Bausubstanz kann vermutet werden, doch ausgerechnet die beiden Rundbogenfenster sind vermutlich Teil der jüngsten Ausstattungsphase der Kapelle im 18. Jahrhundert.
Die Nutzung als Beinhauskapelle lässt sich anhand der Bausubstanz zumindest bis ins ausgehende 14. Jahrhundert gesichert zurückverfolgt, sie hat ihre Wurzeln aber vermutlich weit früher. Wie die Spitzwinkligkeit des Grundrisses zustande gekommen ist ließ sich nicht nachvollziehen. Unter den Spuren mehrerer Ausstattungsphasen konnte anhand, leider nur geringer, Reste ein ausgedehntes Wandbild mit dem Motiv einer figurenreichen Kreuzigung, das fast die gesamte südliche Wandfläche eingenommen hat, nachgewiesen werden.
Ein direkt an den Sakralbau anstoßendes Gebäude in Holzgerüstbauweise lässt durch aufwändige Zierformen an einen Bauherrn in gesellschaftlich hervorgehobener Position oder an eine Institution denken.
Am naheliegendsten ist die Annahme, dass es dem Kaplan der Kapelle als Wohnhaus diente. Nach Aufgabe der Stelle des Kaplans wurde das Wohnhaus wohl an eine Privatperson veräußert, die eine Stallscheuer hinzugefügt hat, sodass beides zusammen die Funktion eines kleinen Bauernhauses erfüllte und sich L-förmig um die nach wie vor als Sakralraum genutzte Beinhauskapelle legt. Durch den Bedeutungsverlust der Aufbewahrung von Gebeinen wurde die sakrale Nutzung schließlich aufgegeben und der Baukörper zur Ausdehnung der landwirtschaftlichen Funktion genutzt.
Der Kapellenbau ist in einem misslichen Zustand, sowohl was die von Rissen durchsetzte Südwand, der reduzierte Zustand des frühen Dachwerks als auch die rudimentär überkommenen Ausstattungsreste belangt. Das Wohnhaus war zwar in solider Bauweise und mit qualitätsvollen Zierformen errichtet worden, doch zahlreiche Umbauten haben von der Originalsubstanz nur ausgesprochen wenig übrig gelassen.
Der jüngste Umbau hat trotz gewisser Verluste dem Ensemble eine Zukunft gesichert. Bei einem der interessantesten Aspekte der Untersuchung, dem offensichtlich sehr hohen Alter von Nord- und Südwand des Kapellenbaus, ließen sich Unsicherheiten nicht ausräumen. Nur unter Vorbehalten kann die Vermutung gewagt werden, es könne sich um aufgehendes Mauerwerk aus römischer Zeit handeln. Ein Nachweis bleibt archäologischen Untersuchungen vorbehalten. Wenn es sich tatsächlich als zutreffend erweisen sollte, wäre dies als eine kleine Sensation zu werten.


1. Bauphase:
(1397 - 1398)
Kapellenbau: Errichtung des Dachwerks, 1397/98 (d)
Betroffene Gebäudeteile:
Betroffene Gebäudeteile
  • Dachgeschoss(e)

2. Bauphase:
(1580 - 1581)
Anbau eines Wohnhauses.
Um 1580/81 d wurde ein dreigeschossiges Wohnhaus südlich dem Kapellenbau angefügt. Ein funktionaler Zusammenhang zur Beinhauskapelle ist zwar wahrscheinlich, konnte aber nicht nachgewiesen werden.
Betroffene Gebäudeteile:
Betroffene Gebäudeteile
  • Erdgeschoss
  • Obergeschoss(e)
  • Dachgeschoss(e)

3. Bauphase:
(1656 - 1657)
Umbau des Wohnhauses
Vermutlich als Folge von Zerstörungen im Dreißigjährigen Krieg wurde das Wohnhaus um 1656/57 (d)
stark umgebaut.
Betroffene Gebäudeteile:
keine

4. Bauphase:
(1660 - 1661)
Kapellenbau: Einbau der Nordwand als Fachwerkkonstruktion, 1660/61 (d)
Betroffene Gebäudeteile:
keine

5. Bauphase:
(1764 - 1765)
Anbau einer Stallscheuer.
Westlich vor den Kapellenbau wurde um 1764/65 (d) eine Stallscheuer angebaut. Spätestens zu dieser Zeit waren an der Westseite keine Tür- oder Fensteröffnungen mehr möglich.
Betroffene Gebäudeteile:
Betroffene Gebäudeteile
  • Anbau

6. Bauphase:
(1772 - 1773)
Kapellenbau: Raumfassung im Kapellenraum, 1772/73 (d)
Betroffene Gebäudeteile:
keine

7. Bauphase:
(1838 - 1839)
Kapellenbau: Umnutzung und Umbau, 1821 und 1838/39 (d)
Nachdem der einstige Kapellenbau 1821(d) von einem der beiden Besitzer von Wohnhaus und Stallscheuer erworben worden war, wurde 1838/39 (d) schließlich dessen Westwand entfernt und mit der Stallscheuer räumlich verbunden. Innengerüst und Balkenlagen im Kapellenbau wurden dabei erneuert und Geschossteilung und Bodenniveaus dem Stallgebäude angepasst. Entsprechend wurde auch die Nutzungen einfach ausgedehnt.
Betroffene Gebäudeteile:
keine

Besitzer

keine Angaben

Weiterer Datenbestand LAD

Die im Landesamt für Denkmalpflege vorhandenen Datenbestände der Restaurierung sind mit dem vorangestellten braunen Kästchen gekennzeichnet. Mit lila Kästchen versehene Objekte verweisen auf vorhandene Datenbestände der Bauforschung.
keines

Fotos

Abbildungsnachweis
Kappellenbau-Wohnhaus-Stallscheuer in 78628 Rottweil, Altstadt (24.02.2016 - Stefan King)
Abbildungsnachweis
Kappellenbau-Wohnhaus-Stallscheuer in 78628 Rottweil, Altstadt (24.02.2016 - Stefan King)
Abbildungsnachweis
Kappellenbau-Wohnhaus-Stallscheuer in 78628 Rottweil, Altstadt (24.02.2016 - Stefan King)
Abbildungsnachweis
Kappellenbau-Wohnhaus-Stallscheuer in 78628 Rottweil, Altstadt (24.02.2016 - Stefan King)
Abbildungsnachweis
Kappellenbau-Wohnhaus-Stallscheuer in 78628 Rottweil, Altstadt (24.02.2016 - Stefan King)

Zugeordnete Dokumentationen

  • Bauhistorische Dokumentation unddendrochronologische Datierungen

Beschreibung

Umgebung, Lage:
Im Bereich der Siedlungsfläche der einstigen römischen Stadt Arae Flaviae gelegen, steht das Gebäude im Abstand von nur wenigen Metern südlich neben der St. Pelagius-Kirche. Innerhalb des Grundstücks ist es von beiden vorbeiführenden Straßen – der Pelagiusgasse im Süden und der Römerstraße im Osten – weit zurückgesetzt. Das Gebäude setzt sich aus mehreren Baukörpern auf L-förmigem Grundriss zusammen, in dessen Winkelzwickel man von der Pelagiusgasse her gelangt. Hier öffnen sich das Scheunentor und eine Tür in das Untergeschoss des Wohnhauses. Die eigentliche Hauseingangstür führt jedoch auf der Ostseite direkt ins Erdgeschoss, wohin man auf schmalem Weg um das Haus herum gelangt.
Lagedetail:
  • Siedlung
    • Stadt
Bauwerkstyp:
  • Ländl./ landwirtschaftl. Bauten/ städtische Nebengeb.
    • Bauernhaus
    • Lagergebäude
    • Stallscheune
  • Sakralbauten
    • Kapelle, allgemein
  • Sepulkralanlagen
    • Beinhaus
Baukörper/Objektform (Kurzbeschreibung):
Das Gebäude ist funktional in einen Wohn- und Wirtschaftsteil gegliedert, setzt sich aber aus drei Baukörpern zusammen: dem Kapellenbau, welcher auf einen früheren Sakralbau zurückgeht, schließt sich südlich ein Wohnhaus und westlich eine Stallscheuer an. Kapellenbau und Stallscheuer sind räumlich miteinander verbunden. Alle drei Baukörper besitzen Satteldächer mit Steilgiebeln in unterschiedlichen Höhenlagen und abweichender Neigung und Ausrichtung. Alle Baukörper sind außenseitig flächig verputzt. Der Kapellenbau fällt durch zwei große rundbogige Fensteröffnungen in seinem gegen die Römerstraße gerichteten Ostgiebel auf. Seine Grundfläche ist an der Nordostecke auffällig spitzwinklig zugeschnitten.
Um 1580/81 d wurde südlich an den Kapellenbau ein Wohnhaus angefügt, das gegenüber diesem etwas niedriger, zugleich aber etwas länger war und auf beiden Seiten ein kleines Stück überstand. Es war zusammengesetzt aus einem Untergeschoss mit gemauerten Außenwänden, einem Erd- und Obergeschoss in Holzgerüstbauweise, sowie einem Dachwerk, das heute in der ursprünglichen Form nicht mehr besteht.
Um 1764/65 (d) wurde westlich vor den Kapellenbau ein deutlich niedrigeres Wirtschaftsgebäude angefügt. Es stand ein Stück nach Süden versetzt, sodass es mit dem etwas nach Westen überstehenden Wohnhaus in Konflikt geriet, was durch eine diagonal verlaufende, vermittelnde Trennwand gelöst wurde. Das Satteldach hat seinen First west-östlich ausgerichtet.
Innerer Aufbau/Grundriss/
Zonierung:
Die Geschossebenen sind bzw. waren in allen drei Baukörpern unterschiedlich angeordnet. Das Wohnhaus ist in drei Vollgeschosse gegliedert, wobei der leichten Hangsituation geschuldet das untere Geschoss nach Osten hin in den Hang läuft. Im Untergeschoss liegen Neben- und Kellerräume, im Erdgeschoss die Hauptwohnräume und im Obergeschoss Nebenwohnräume. Die Stallscheuer war zuletzt in zwei niedrige Geschosse für Stall und Heulager geteilt, die an eine hohe Tenne an der nördlichen Schmalseite anschlossen.
In entsprechender Weise war der Kapellenbau im unteren Teil ebenfalls in zwei niedrige Geschosse ähnlicher Nutzung geteilt, besaß darüber aber ein weiteres besonders hohes Geschoss, wo sich bei der Stallscheuer bereits der Dachraum befindet. Bei den jüngst vorgenommenen Umbauten wurden in Stallscheuer und Kapellenbau die untere Deckenlage samt Trennwänden vollständig entfernt, sodass ein durchgehend hohes Erdgeschoss entstanden ist, dessen einstmals obere Ebene bei Bedarf im Folgenden als Zwischengeschoss angesprochen wird. Während bei der Stallscheuer nach oben der Dachraum folgt, besitzt der Kapellenbau noch ein Obergeschoss.

Wohnhaus:
Durch zahlreiche Umbauten wurde die ursprüngliche Bausubstanz stark dezimiert und die anfängliche Raumaufteilung starken Veränderungen unterworfen. Es war ursprünglich anders herum ausgerichtet als heute, indem sein First in west-östlicher Richtung parallel zum Kapellenbau lag und die Giebelseiten nach Westen und Osten wiesen und auf der Ostseite ein kleines Stück kürzer.
Das Untergeschoss nahmen westlich einen Bereich mit Deckengebälk und östlich einen geräumigen Gewölbekeller mit Außenzugang von Süden ein.
Im Erdgeschoss waren Wohnräume untergebracht, deren Raumverteilung ursprünglich etwas anders ausgelegt war, als zuletzt angetroffen.
Bei einem in Nord-Süd-Richtung gespannten Deckengebälk gliederte sich die Grundfläche in drei Querzonen (bezogen auf die gedrehte Firstrichtung!), von denen die westliche am breitesten und die mittige am schmalsten dimensioniert waren und in zwei Längszonen mit der breiteren nach Süden. Im sich daraus ergebenden größten Grundrissfeld in der Südwestecke kam die Stube zu liegen, wo sie sich auch heute noch findet. Nur dieser Raum war schon zur Bauzeit mit einem Blindboden im Deckengebälk ausgestattet. Innerhalb derselben Querzone schloss nördlich die Küche an, die offensichtlich mit einer raumgreifenden Kaminanlage ausgestattet war, derentwegen später hier das Gebälk erneuert werden musste und in der Dachbalkenlage ebenfalls eine große Fehlstelle besteht. Auch sind hier die stärksten Verrußungen festzustellen. Eine Kammer nahm die Südostecke ein. Zwischen ihr und der Stube lag ein schmaler Flur, der innerhalb der Mittellängsachse abgeschlossen war. Im verbleibenden Bereich über zwei Grundrissfelder der nördlichen Längszone konnten keine Beobachtungen gemacht werden, weil die Wandverkleidungen bestehen blieben, doch aus der Anlage des Grundrisses und der Anordnung der Türöffnungen kann vermutet werden, dass es sich um den Hauptflur gehandelt haben dürfte, so wie heute noch, von wo aus die Wohnräume erschlossen wurden. Hätte in der Nordostecke eine weitere Kammer gelegen, wäre der Flur gänzlich ohne Lichteinfall gewesen.
Wo die Haupteingangstür ursprünglich gelegen hatte ließ sich nicht ermitteln. Heute mündet die eigentliche Haustür von Osten her direkt ins Erdgeschoss, während der meistgenutzte und kürzere Weg von Westen her durch das Untergeschoss und über eine Innentreppe ins Erdgeschoss führt. Prinzipiell können auch für die Bauzeit beide Möglichkeiten in Betracht kommen, denn demjenigen von Westen ins Untergeschoss wäre insofern der Vorzug zu geben, als üblicherweise die Stube stets zur Zugangsseite hin ausgerichtet war, während andererseits die Ostseite mit der profilierten Auskragung offensichtlich nicht nur die Funktion einer einfachen Rückseite wahrnahm und sie deshalb ebenfalls Haupteingangsseite gewesen sein könnte. Allein anhand der Grundrissgliederung könnte man auch eine Eingangstür am Südende des Gangs vermuten, was jedoch angesichts des dort nachweisbaren Brustriegels und der Ausrichtung des Falzes an der gegenüberliegenden Gangtür innerhalb der Mittellängswand ausgeschlossen werden kann. Aus Mangel an Baubefunden musste diese Frage offen bleiben.
Etwa im Zentrum des Obergeschosses fand sich ein einstmals freistehender Ständer, der nach allen vier Seiten frei aufsteigende Kopfstreben besaß. Demzufolge war die gesamte Geschossfläche offen und ungegliedert, ohne dass Hinweise für die damalige Nutzung gewonnen werden konnten.

Stallscheuer:
Der Grundriss war in zwei Querzonen geteilt. Die etwas schmalere westliche Querzone wurde von einer hohen Tenne eingenommen, die sich mit einem großen Tor nach Süden öffnete. Die östliche Querzone war in zwei niedrige Geschosse geteilt, wovon im unteren Geschoss ein Stall untergebracht war, der zur Tenne hin eine Futterwand besaß. Das Zwischengeschoss und der Dachraum dienten der Lagerung von Heu und sonstigen Gütern und Geräten der Landwirtschaft. Das Zwischengeschoss war zur Tenne hin offen. Der Heuaufzug von der Tenne zum Dachraum wurde erst nachträglich angelegt.
Vorgefundener Zustand (z.B. Schäden, Vorzustand):
keine Angaben
Bestand/Ausstattung:
keine Angaben

Konstruktionen

Konstruktionsdetail:
  • Mischbau
    • Obergeschoss(e) aus Holz
    • Unterbau aus Stein (gestelzt)
  • Dachgerüst Grundsystem
    • Sparrendach, q. geb. mit Firstständer
    • Sparrendach, q. geb. mit stehendem Stuhl
  • Dachgerüst, verstärkende Einbauten
    • abgesprengte Quer- und Längsbünde
    • Stehende und geneigte Quer- und Längsbünde
Konstruktion/Material:
Kapellenbau:
Das Dachwerk mit einem stehenden Stuhl wurde um 1397/98 (d) abgezimmert. In drei Querbinderachsen, an den beiden Enden und in der Mitte sind Stuhlständer in drei Längsachsen angeordnet, deren mittlere als Dachfirstständer ein Firsträhm tragen. Die Sparren der Querbinderachsen sind unten verzapft, am First verblattet und auf halber Höhe durch einen aufgeblatteten Kehlbalken miteinander verbunden. Die Aussteifung des Stuhls erfolgt in Querrichtung durch einfache Steigbänder an den Nebenständern und in Längsrichtung durch Kopfbänder in allen Achsen. Zwischen den Querbinderachsen liegen jeweils zwei Rofenpaare. Die Rofen zapfen unten ebenfalls in Dachbalken, sind auf die Stuhlrähme aufgenagelt und liegen am First nebeneinander. Die Dachbalken waren offensichtlich frei über die gesamte Breite des Kapellenbaus gespannt, sodass den Steigbändern neben der aussteifenden auch eine abstrebende Wirkung zukam. Das Dachgebälk ist zwar leicht fächerförmig verlegt, jedoch nicht in dem Maße, dass die östliche Querbinderachse parallel zur Ostwand hätte verlaufen können. Wie bei einem Sakralbau nicht anders zu erwarten, weist das Holzwerk keinerlei Rußschwärzung auf. Der ursprüngliche Lattenabstand ist anhand abgebrochener Holznägel zwischen 36 und 37 cm nachvollziehbar, was dem üblicherweise an mittelalterlichen Dachwerken Rottweils festzustellenden Maß entspricht. Sie kann von einer Hohlziegeldeckung oder von einer Flachziegeldeckung aus den in Rottweil üblich gewesenen großformatigen Biberschwanzziegeln herrühren.
Die Abbundzeichensystematik ist aus Zähl- und Symbolzeichen aufgebaut. Die östliche Querbinderachse ist mit einem kurzen Strich markiert, die mittlere mit drei Punktkerben und die westliche mit sechs Punktkerben. Dies lässt eine Zählung vermuten, die die Rofenpaare einbindet und mit dem ersten Rofenpaar beginnt, während die östliche Querbundachse mit dem Strich ein eigenes Zeichen trägt. Zählrichtung und Anbringungsort der Zeichen folgend, müsste der Buszugsachsenschnittpunkt an der Südostecke zu suchen. Die Längsachsen sind hingegen mit Symbolzeichen markiert, von denen jedem Bundständerplatz eines zugeordnet war. Eine zusammengehörige Folge aus Symbolzeichen könnte im Fall der Firstachse bestanden haben, während die übrigen keine Bezüge untereinander erkennen lassen.
Nach Osten wird der Dachraum von einem gemauerten Giebeldreieck abgeschlossen, das eine erheblich geringere Stärke besitzt als die Außenmauern des Unterbaus. Darin liegen zwei kleine Schlitzfenster mit Backsteinverwahrung. Ein Giebeldreieck in dieser Form muss der zurückversetzten Lage der östlichen Binderquerachse wegen bereits zum ursprünglichen Bestand gehört und ebenfalls eine geringere Mauerstärke besessen haben, denn der östliche Dachbalken hat einst der Mauerkrone des Unterbaus teilweise aufgelegen. Der flächig aufgetragene Putz auf der Innenseite lässt jedoch nicht erkennen, ob das Giebeldreieck und seine beiden Fensterschlitze zusammen mit dem Dachwerk entstanden oder später erneuert worden sind.
Es konnte nicht geklärt werden, ob das Dachwerk gemeinsam mit der Errichtung des Kapellenbaus aufgerichtet wurde und damit den gesamten Baukörper datieren kann oder ob es als Ersatz für ein älteres Dachwerk diente. Auch Gründe, die zum Aufrichten eines neuen Dachwerks geführt haben könnten, ließen sich nicht erkennen.

Wohnhaus:
Der Umstand, dass das ursprüngliche Gebälk über dem Obergeschoss in nord-südlicher Richtung verlegt ist, erweist für die Dachkonstruktion einen anfangs west-östlichen Firstverlauf, womit es anders herum ausgerichtet war als heute. Da die später aufgelegte Deckenlage Einsicht in die Knotenpunkte verhinderte, konnten keine Hinweise zum Aufbau der ursprünglichen Dachkonstruktion und zur genauen Dachform gewonnen werden. Bei der an sich naheliegenden Annahme eines Satteldachs wäre zusammen mit dem Satteldach des Kapellenbaus eine ungünstige Grabendachsituation entstanden. Andererseits wäre eine Abschleppung vom Dach des Kapellenbaus, selbst wenn sie am First angesetzt hätte, zu flach gewesen. Ein dazwischenliegendes Querdach wäre wohl die beste Lösung gewesen, ließ sich aber nicht nachweisen.
Von den bauzeitlichen Innenwänden des Erdgeschosses waren nur noch Teilstücke erhalten, sodass Lage und Aufbau der übrigen Wandachsen nur durch deren verbliebene Anschlüsse nachvollzogen werden konnten. Deren Fachwerkfüllung war aus Zwischenständern, Feldstreben und einer zweifachen Verriegelung aufgebaut. An der zugesetzten, deswegen von späteren Veränderungen verschonten Türöffnung vom Flur in die Kirche findet sich gangseitig eine umlaufende Fase mit Gehrungsversatz am Sturzriegel und raumseitig ein umlaufender Türfalz.
Nur an wenigen Stellen war erkennbar, dass das Gebäude mit einem reichen Zierfachwerk abgezimmert worden war. Im Erdgeschoss zeigten sich innerhalb der südlichen Außenwand die Reste eines durch den Einbau einer Tür stark dezimierten geschosshohen Andreaskreuzes (vom Innenraum her einsehbar).
Dieselbe Wandachse ließ zudem ein geschweiftes, genastes Andreaskreuz als Füllung zwischen Fuß- und Brustriegel erkennen, das interessanterweise nicht in voller Wandstärke eingebunden, sondern nur als Zierform von geringer Stärke beschaffen war (vom vorgelagerten Anbau aus einsehbar). Eine kurze, nur bis zum Brustriegel aufsteigende Fußstrebe innerhalb der Ostwand im Erdgeschoss könnte auf der Außenseite ebenfalls entsprechend mit Krümmung und Nasen beschnitzt gewesen sein (unterhalb des Podestes der Treppe zum Obergeschoss einsehbar). Auf der Ostseite wurde eine Auskragung mittels eines überstehenden Schwellbalkens hergestellt, der eine eingearbeitete Profilierung mit ausgeprägtem Wulst besitzt (vom vorgelagerten Anbau aus erhöhter Lage erschwert einsehbar). Wie die Auskragung konstruktiv gelöst worden war, konnte wegen sehr eingeschränkter Zugänglichkeit nicht ermitteln werden, doch war vermutlich lediglich der äußere Deckenbalken entsprechend profiliert. Auffallend ist dessen starke Bewitterung.

Stallscheuer:
Die Außenwände waren der Geschossteilung entsprechend in der unteren Hälfte aus Mauerwerk, in der oberen aus Fachwerk errichtet. Das Satteldach wurde von einem stehenden Stuhl getragen und nach Westen von einem Steilgiebel mit Fachwerkfüllung abgeschlossen.

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