Ottilienkapelle (Eppingen)

Datenbank Bauforschung/Restaurierung

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Fachwerkbau

ID: 213332284215  /  Datum: 19.09.2014
Datenbestand: Bauforschung
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Objektdaten

Straße: Einödgasse
Hausnummer: 4
Postleitzahl: 74861
Stadt-Teilort: Neudenau

Regierungsbezirk: Stuttgart
Kreis: Heilbronn (Landkreis)
Wohnplatzschlüssel: 8125068006
Flurstücknummer: keine
Historischer Straßenname: keiner
Historische Gebäudenummer: keine
Lage des Wohnplatzes: Lage des Wohnplatzes

Kartenansicht (OpenStreetMaps)

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Objektbeziehungen

keine

Umbauzuordnung

keine

Weitere Objekte an diesem Wohnplatz

Bauphasen

Kurzbeschreibung der Bau-/Objektgeschichte bzw. Baugestaltungs- und Restaurierungsphasen:

Bei dem untersuchten Gebäude handelt es sich um einen wirtschaftlich genutzten Fachwerkbau aus dem Jahre 1458 (d).
Zu diesem Zeitpunkt wurde es unmittelbar an die Stadtmauer gebaut, wobei das Dachwerk auf der Krone des Wehrganges aufsaß. Von dieser Stadtmauer ist sowohl im Bereich des Gebäudes als auch seitlich des Bauwerkes nichts mehr bzw. keine Altsubstanz mehr vorhanden. Wohl im Laufe des 16. Jh. wird das Gebäude zumindest teilweise zu Wohnzwecken genutzt. Bemalungen der Gefache und eine starke Verrußung des gesamten oberen Holzwerkes sind das sichtbare Ergebnis dieser Umnutzung. Im 18. Jh. erhält das Gebäude einen Keller. In diesem Zusammenhang werden die beiden Dachgiebel erneuert. Spätestens mit dem Neubau des Haupthauses vor der Stadtmauer um das Jahr 1900 (d) fällt die Stadtmauer. Vor 2012 wurde die Scheune abgebrochen.


1. Bauphase:
(1458)
Errichtung des wirtschaftlich genutzten Fachwerkbaus aus dem Jahre 1458 (d).
Zu diesem Zeitpunkt wurde es unmittelbar an die Stadtmauer gebaut, wobei das Dachwerk auf der Krone des Wehrganges aufsaß. Von dieser Stadtmauer ist sowohl im Bereich des Gebäudes, wie auch seitlich des Bauwerkes nichts mehr bzw. keine Altsubstanz mehr vorhanden.
Betroffene Gebäudeteile:
Betroffene Gebäudeteile
  • Erdgeschoss
  • Dachgeschoss(e)
Lagedetail:
  • Siedlung
    • Randlage
Bauwerkstyp:
  • Ländl./ landwirtschaftl. Bauten/ städtische Nebengeb.
    • Lagergebäude

2. Bauphase:
(1500 - 1599)
Nutzung zu Wohnzwecken im Laufe des 16. Jh. Bemalungen der Gefache und eine starke Verrußung des gesamten oberen Holzwerkes sind das sichtbare Ergebnis dieser Umnutzung.
Betroffene Gebäudeteile:
Betroffene Gebäudeteile
  • Ausstattung
Bauwerkstyp:
  • Wohnbauten
    • Wohnhaus

3. Bauphase:
(1700 - 1799)
Erneuerung der Dachgiebel im 18. Jh. und Hinzufügung eines Kellers.
Betroffene Gebäudeteile:
Betroffene Gebäudeteile
  • Dachgeschoss(e)
  • Untergeschoss(e)

4. Bauphase:
(1900)
Spätestens mit dem Neubau des Haupthauses vor der Stadtmauer um das Jahr 1900 (d) fällt die Stadtmauer.
Betroffene Gebäudeteile:
Betroffene Gebäudeteile
  • Erdgeschoss
  • Dachgeschoss(e)

5. Bauphase:
(2012)
Abbruch vor 2012.
Betroffene Gebäudeteile:
keine

Besitzer:in

keine Angaben

Fotos

keine

Zugeordnete Dokumentationen

  • Bauhistorische Kurzanalyse

Beschreibung

Umgebung, Lage:
Im Jahre 1458 (d) wurde das Gebäude auf einem an zwei Seiten bebauten Grundstück errichtet. Bei einem dieser benachbarten Bauten handelt es sich um die ehemalige Stadtmauer. Vor dieser ehemaligen Mauer wurde der Bau traufständig errichtet. Ein zweiter Bau befand sich unmittelbar vor der linken Giebelwand des zu errichtenden Gebäudes. Dieser Bau ist heute nicht mehr vorhanden. An seiner Stelle steht heute ein Scheunenbau des 17./18. Jh.
Lagedetail:
keine Angaben
Bauwerkstyp:
keine Angaben
Baukörper/Objektform (Kurzbeschreibung):
Bei dem untersuchten Gebäude handelte es sich mit hoher Sicherheit um einen Lager- bzw. Speicherbau der erst zu einem späteren Zeitpunkt eine Wohnnutzung erhielt. Auf einem hohen Unterstock sitzt ein weitaus niederer Oberstock auf, der an der Gassentraufe geringfügig auskragt
Innerer Aufbau/Grundriss/
Zonierung:
Die ursprüngliche Erschließung des Gebäudes ist bislang nicht fixierbar. Ob es sich hierbei um eine Einfahrt am rechten Giebel handelte ist ebenso ungewiss, wie eine eventuelle Pforte an der Gassentraufe. Das Gebäude ist drei-zonig und drei-schiffig gegliedert. Seitlich des mittigen Schiffes im Unterstock waren jeweils drei Lagerräume angelegt.
Dem mit einer gassenseitigen Auskragung versehenen Oberstock kann im Prinzip die gleiche Gliederung wie im Unterstock zugeschrieben werden. Während die für einen Lagerbau seltene Auskragung nicht näher beurteilt werden kann, steht die große Breite des rechten Schiffes wohl im Zusammenhang mit einer differenzierten Nutzung.
Die Spuren einer Wohnnutzung sind mit hoher Sicherheit die Folge von jüngeren Umbauten.
Vorgefundener Zustand (z.B. Schäden, Vorzustand):
keine Angaben
Bestand/Ausstattung:
keine Angaben

Konstruktionen

Konstruktionsdetail:
keine Angaben
Konstruktion/Material:
Abzimmerungstechnische Aussagen:
Im Jahre 1458 (d) wurde das Gebäude auf einem an zwei Seiten bebauten Grundstück errichtet. Bei einem dieser benachbarten Bauten handelt es sich um die ehemalige Stadtmauer. Vor dieser ehemaligen Mauer wurde der Bau traufständig errichtet. Ein zweiter Bau befand sich unmittelbar vor der linken Giebelwand des zu errichtenden Gebäudes. Dieser Bau ist heute nicht mehr vorhanden. An seiner Stelle steht heute ein Scheunenbau des 17./18. Jh.
Beide fehlenden, aber aus den Baubefunden sicher belegbaren, Nachbarbauten bildeten einen Winkel, der sich auf den Abbundvorgang, wie auch auf die Abzimmerungstechnik des zu errichtenden Wirtschaftsgebäudes nachhaltig auswirkte.

Abbundvariante:
Beide Nachbarbauwerke (Stadtmauer und Nachbarhaus) erlaubten keine Arbeiten an den Außenwänden. So konnten z.B. die Holznägel für die Holzverbindungen nicht von außen eingeschlagen werden.
Aus diesem Grund wurde die Abbundseite des linken Giebels nach innen verlegt. Das heißt alle Hölzer der Giebelwand liegen innenbündig. Damit konnten auch die Holznägel von innen eingeschlagen werden.
Diese bewusst gewählte Lage der Abbundseite war schon auf dem Zimmerplatz gewählt worden. An dieser Giebelscheibe beginnt daher auch das logisch aufgebaute Markierungssystem der Querachsen. Die steigende Folge der Abbundzeichen besteht aus Punktkerben.

Abzimmerungsvariante:
Im Prinzip wäre es möglich gewesen auch im Bereich der Stadtmauer die Bundseite nach innen zu verlegen. Da jedoch zumindest im oberen Stockwerk die Riegel von Giebel- und Traufwand auf einer Höhe liegen, war dies nicht ratsam. Aus diesem Grund wurde vor der Stadtmauer eine vom übrigen Gerüst abweichende Variante gewählt:
Die Traufwand wurde insgesamt als eine Gerüsteinheit abgezímmert. Sowohl das Gerüst wie auch das Gefüge, bildet von der Gründungsebene bis zur Traufe eine gemeinsam abgezimmerte und auch als Einheit errichtete Teilkonstruktion.
Das heißt die gesamte Traufwand wurde mit der Bundseite nach oben liegend, auf dem Boden zusammengefügt und als Einheit nach oben vor die Stadtmauer geschwenkt.
Danach wurden, am linken Giebel beginnend, die Hölzer der Querachsen eingezapft oder aufgelegt.

Aussagen zur Stadtmauer:
Seitlich des untersuchten Gebäudes scheint die Stadtmauer erhalten. Bei genauer Betrachtung kann jedoch festgestellt werden, dass der vorhandene Bestand allenfalls die ehemalige Außenflucht widerspiegelt. Das Mauerwerk selbst ist mehrfach erneuert und relativ jung. Ohne Zweifel ist der vorhandene Mauerzug als Ersatz der älteren Stadtmauer anzusehen.
Die vorhandene Stärke der Mauer beträgt ca. 1,60m. Diese Stärke deckt sich mit der Stadtmauerstärke im Bereich des in der Nähe liegenden "Sturmfederschen Hauses".
Hinsichtlich der um 1458 vorhandenen Mauerhöhe und Wehrganglage gibt der untersuchte Bau wertvolle Hinweise. Die vor der Stadtmauer errichtete Traufwand besitzt im unteren Stockwerk keine Wandfüllung. Dies wird neben den fehlenden Stakungslöchern auch durch die fehlenden Riegellagen belegt.
Im Gegensatz dazu sind die Befunde für eine verriegelte Flechtwerkwand im OG zweifelsfrei vorhanden. Im Zusammenhang mit der Ergänzung des ursprünglichen Dachquerschnitts lässt sich neben der ehemaligen Mauerkrone auch die alte Wehrganglage annähernd genau festlegen.

Aussagen zur Grundrissstruktur und Nutzung:
Nach der vorhandenen bzw. rekonstruierbaren Gerüststellung waren sowohl der Unterstock wie auch der Oberstock drei-zonig und drei-schiffig gegliedert.
Der hohe Unterstock war vom weitaus biederen Oberstock durch ein Quergebälk getrennt. Über diesem Quergebälk kragte der Oberstock an der Gassentraufe geringfügig aus.
Hinsichtlich der Zonenbreite fällt auf, dass die rechte Zone die größte lichte Weite besitzt. Für die Schiffsbreiten trifft dies auf das mittige Schiff zu. In diesem Zusammenhang ist folgende Beobachtung anzuführen: Nach den vorliegenden Befunden war die zweite Querachse von links nur im Bereich der beiden äußeren Schiffe verriegelt. Diese Aussage bezieht sich jedoch nur auf die untere Riegellage, sodass sich im Bereich des mittigen Schiffs ein hoher Durchgang bzw. eine hohe Durchfahrt andeutet. Eine seitliche Begrenzung durch Riegel lag nicht vor.
Wird diese Beobachtung auch auf die beiden folgenden Querachsen übertragen, so würde sich für den Unterstock folgende Grundrissstruktur ergeben: Das mittige Schiff war über die gesamte Gebäudelänge zumindest über 3/4 der Unterstockhöhe offen. Seitlich davon waren jeweils drei Räume angelegt. Zum mittigen Schiff waren sie in der Mehrzahl offen, innerhalb den Trennwänden waren sie zweifach verriegelt und mit Flechtwerk geschlossen. Die daraus ableitbare Annahme einer ehemals giebelseitigen Einfahrt ist jedoch nicht eindeutig belegt und bedarf einer intensiveren Baudokumentation und Forschung.
Diese Einschränkung trifft auch auf die Aussage der Funktionsstruktur des Obergeschosses zu: Diese Ebene zeigt vielschichtige Befunde für eine ehemalige Wohnnutzung. Im Rahmen der durchgeführten Kurzuntersuchung war es jedoch nicht möglich, eine eindeutige und sicher belegbare Nutzung festzustellen.
Absolut sicher ist, dass die Querwände einfach verriegelt und bis auf die eine oder andere Öffnung mit Flechtwerk geschlossen waren. Hinweise auf Flechtwerkfüllung liegen auch für einzelne Abschnitte der Innenlängswände vor. Hier sind jedoch keine Riegelfolgen belegbar.
Setzt man voraus, dass die Stakungslöcher im Zuge der Längswände eine Folge nachträglicher Umbauten sind, so kann man für den Oberstock die seitliche Anordnung von jeweils 3 Räumen nachvollziehen. Analog zum Unterstock wären sie zum mittigen Schiff hin offen.
Die Auswertung der zum Teil nachträglichen Wandfüllungen ergibt die Anlage von zwei diagonal versetzten Großräumen. Der davon größere Raum ist innerhalb der rechten Zone zur Gasse orientiert. Neben einer ehemaligen Deckenfüllung durch Lehmwickel zeichnet er sich zusätzlich durch eine aufwendige Innenbemalung am rechten Giebel und durch eine große Fensteröffnung an der Gassentraufe ab. Dem Raum war im rückwärtigen Zonenbereich, in Anlehnung an die Stadtmauer, eine Küche zugeordnet.
Der zweite Großraum nimmt 2/3 der linken Zone ein und ist zur rückwärtigen Traufe orientiert. Zur Nutzung des vorderen Bereiches liegen infolge des weitgehenden Substanzverlustes keine näheren Befunde vor. Spätestens nach der teilweisen Erneuerung der Gassentraufe wurde dieser Raum bis zur rechten Zone aufgeweitet.

Einordnung in den regionalen Fachwerkbestand:
Der regionale Fachwerkbestand des 14.-15. Jh. ist weitgehend unerforscht. Einzelne Fachwerkbauten dieser Zeitstellung sind unter anderem aus Bad Wimpfen, Mosbach, Möckmühl, Niedernhall und Öhringen bekannt. Ein mittelalterliches und untersuchtes Gebäude steht in Neudenau. Es handelt sich um das Haus Keltergasse 12 und stammt aus dem Jahre 1479 (d). Weitere, jedoch bislang nicht untersuchte Gebäude stehen um den Marktplatz.
Allein eine Scheune in Niedernhall weist eine vergleichbare Nutzung auf. Eine fundierte Einordnung in den regionalen Fachwerkbestand ist daher zurzeit nicht möglich.
Trotz dieser Forschungslücke lassen sich einige Gemeinsamkeiten andeuten.

Gerüstkonstruktion:
Im Rahmen dieses Themenbereiches ist voallem auf die Gerüstkonstruktion der rückwärtigen Traufwand einzugehen. Obwohl abzimmerungstechnisch begründbar, weist die gewählte Ausführung gewisse Gemeinsamkeiten zu den bekannten "Säulenauten" aus Dinkelsbühl, Uffenheim und Bad Wingsheim auf. diese hohe Geschoßkonstruktionen sind über Schw.-Hall und Niederhall bis nach Bad Wimpfen erfaßt. Unterstrichen wird dies durch die ausgeprägte Anordnung des kopfzonigen Gefüges.

Gefügekonstruktion
Eine weitaus kleinräumigere Eigenart stellt die Gefügeausbildung des Oberstocks an der Gassentraufe dar.
Dies trifft in erster Linie die fußzonige Anordnung des hoch ansetzenden Fußbodens. derartige Gefügeanordnungen sind an den erwähnten Bauten am Marktplatz vorhanden.
Weit in das 13.Jh. zurück kann die Anordnung von sogenannten Wandaussteifungen verfolgt werden. Hierbei handelt es sich um Gefügehölzer die losgelöst von den Bundständern, zwischen Schwelle und Rähm angeordnet sind. Das älteste Beispiel stammt aus Bad Wimpfen. Jüngere Belege sind aus Möckmühl und dem Haus der Keltergasse bekannt.

Nutzungsstruktur:
In Anbetracht der offenen Fragen hinsichtlich der ursprünglichen Nutzung, sowie des äußerst dürftigen Bestandes an Vergleichsbauten verbietet sich eine regionale Vergleichsbetrachtung von selbst. Hervorzuheben sind jedoch zwei Gesichtspunkte:
Mit seiner drei-schiffigen und drei-zonigen Gliederung weicht die gewählte Grundrisslösung von dem allgemein bei Scheunen bekannten Standardgrundriss mit zwei Schiffen und drei bzw. mehr Zonen ab. Dies gilt auch für den vertikalen Aufbau. Mit seiner traufseitigen Auskragung an der Gassentraufe passt der Bau ganz und gar nicht zu den von Scheunen bekannten Gerüstkonstruktionen. Ob die Begründung hierfür in einer multifunktionalen Nutzung zu sehen ist, muss vorerst unbeantwortet bleiben.

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