Johanneskirche
ID:
186015483415
/
Datum:
29.07.2016
Datenbestand: Bauforschung und Restaurierung
Datenbestand: Bauforschung und Restaurierung
Objektdaten
| Straße: | Kirchgasse |
| Hausnummer: | 5 |
| Postleitzahl: | 72827 |
| Stadt-Teilort: | Wannweil |
|
|
|
| Regierungsbezirk: | Tübingen |
| Kreis: | Reutlingen (Landkreis) |
| Wohnplatzschlüssel: | 8415080001 |
| Flurstücknummer: | keine |
| Historischer Straßenname: | keiner |
| Historische Gebäudenummer: | keine |
| Lage des Wohnplatzes: |
|
| Geo-Koordinaten: | 48,5163° nördliche Breite, 9,1509° östliche Länge |
Kartenansicht (OpenStreetMaps)
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Bauphasen
Kurzbeschreibung der Bau-/Objektgeschichte bzw. Baugestaltungs- und Restaurierungsphasen:
Erbauung der Kirche ab ca. 1000, Errichtung eines gotischen Chors 1486-1488, Freskenmalerei zwischen 1600 und 1890, Umbaumaßnahmen 1890-1891, Beseitigung historischer Ausstattungsstücke und Instandsetzungsmaßnahmen im 20. Jahrhundert.
1. Bauphase:
(1000 - 1100)
(1000 - 1100)
Der ersten Bauphase sind die Außenmauern des Turmschafts bis zum Ansatz der Glockenstube, die größten Teile der Westfassade, die das Mittelschiff abschließen, sowie geringe Reste des östlichen Abschlusses desselben, die sich im Zwickel zwischen dem östlich des Mittelschiffs gelegenen Chors und dem chorartigen Abschluss des südlichen Seitenschiffs erhalten habe, zuzuordnen.
Die genannten Bauteile zeichnen sich jeweils durch ein sauber gefügtes Glattquaderwerk aus. Die Proportionen der Quader mittleren bis kleinen Formats sind auffällig unterschiedlich. Es sind sowohl länglich liegende als auch blockhafte Quader vermauert. Dementsprechend variieren die Höhen der einzelnen Quaderschichten stark; sie laufen jedoch in aller Regel ohne Versprünge bzw. Ausklinkungen mehrerer Meter horizontal durch. Nur punktuell, d.h. unmittelbar südlich des Kirchenportals, sind Backsteine in einer einzelnen durchlaufenden Schichten vermauert. Bei einem länglichen Steinformat sind diese nur 5 cm hoch. Nichts deutet darauf hin, dass diese Backsteine ein sekundäre Zutat wären, denn sie fügen sich sauber in den sie umgebenden Verband aus Sandsteinquadern. Die Quader an den Gebäudeecken sind in der Regel größer als die der anschließenden Mauerflächen.
Der wie beschrieben geartete Quaderverband liefert zwar keine Möglichkeit einer näheren wohl aber einen groben Datierungsansatz. Das Mauerwerk ist eindeutig mittelalterlich und kann als qualitätvolles Beispiel eines Glattquaderwerks bezeichnet werden, das allgemein in die salische Zeit bzw. Die Zeit zwischen 1050 und 1150 eingeordnet wird („salisches Kleinquaderwerk“). Dazu passt, dass bei Grabungen, die 1890 im Innern des Erdgeschosses des Turms durchgeführt wurden, im Fundamentbereich sogenanntes Fischgrätmauerwerk bzw. opus spicatum freigelegt wurde, das in besagtem Zeitraum häufig in Kombination mit Kleinquaderwerk zum Einsatz kam. Sowohl regional als auch überregional sind Vergleichsbeispiele dafür bekannt.
Konstruktive Details und Detailformen an der Westfassade, dem Turm und den Resten im Bereich des Übergangs vom Mittelschiff zum Chor scheinen den genannten Datierungsansatz grundsätzlich zu bestätigen.
Dabei handelt es sich insbesondere um die Blendarkatur an der Westfassade des Mittelschiffs. Die drei Bogenfelder dieser Arkatur werden durch halbrunde Pilaster bzw. der Mauerfläche vorgelegte Halbsäulen voneinander getrennt. Diese weisen zwar keine Basen auf werden aber jeweils von einem figürlichen Kapitell abgeschlossen. Auch wenn beide stark verwittert sind, ist gut zu erkennen, dass es sich jeweils um einen nach oben blickenden Wolfs- oder Bärenkopf in Seitenansicht handelt. Beide sind nahezu identisch als Flachrelief gestaltet. Die Unterkiefer beider Köpfe sind einander zugewandt so dass sich ein symmetrisches Gesamtbild ergibt. Das Maul
mit kräftigen spitzen Zähnen an beiden Kiefern ist weit aufgerissen. Aus ihm wachsen die Anfänge der Bögen empor, welche die Blenden jeweils abschließen.
Direkt unterhalb des Scheitels des mittleren Bogens wird die Fassadenmauer von einem Okulus von rund 18 cm Durchmesser durchbrochen. Seine Laibung besteht aus zwei konzentrischen Quaderkreisen, deren innerer um 15 cm hinter die Flucht der Mauerfläche springt. Er setzt sich vollständig aus Kleinquadern aus Stubensandstein zusammen. Dagegen sind im äußeren Quaderring wechselweise Backsteine und Kleinquader aus Stubensandstein vermauert. Der Grat der Verwitterung der Backsteine sowie das intakte Fugenbild des sie umgebenden Mauerwerks belegen, dass es sich bei den Backsteinen nicht um sekundäre Zutaten handelt. Folglich handelt es sich um ein gezielt eingesetztes Gestaltungsmittel, das bereits im Zug der ersten Bauphase realisiert wurde.
An anderen noch erhaltenen Maueröffnungen der ersten Bauphase sind aber keine Backsteine vermauert. Dies gilt insbesondere für den Okulus in der Chornische der Kapelle im Erdgeschoss des Kirchturms. Seine Laibung ist vollständig aus Natursteinquadern gemauert. Dasselbe gilt für die Scheitelbögen über den Lichtscharten, welche die Süd- und die Westwand dieser Kapelle durchbrechen, sowie für den Bogen über der Tür, welche die Kapelle mit dem Innenraum der Kirche verbindet und jenen einer sekundär zugesetzten Tür, welche die Süd-wand des zweiten Obergeschosses des Turms durchbrach.
An den Scheitelbügen der mutmaßlich bauzeitlichen Maueröffnungen in den Obergeschossen des Turms kann aufgrund flächiger Verputzung keine Überprüfung vorgenommen werden, ob dort Backsteine vermauert wurden.
Da das Fugenbild der steinsichtigen Innenwände der Turmkapelle keine Störungen zeigt, kann davon ausgegangen werden, dass das Kreuzgratgewölbe von dem sie überspannt wird, ebenfalls bauzeitlich ist bzw. der ersten Bauphase zuzuordnen ist. Im Gegensatz zu den beiden Gewölbeanfängern in den südlichen Ecken des Raums sind die beiden nördlichen in Form steinsichtiger Konsolen bzw. Gewölbeanfänger ausgebildet. Beide Konsolen sind beschädigt und modern überarbeitet. Vor allem im Fall der östlichen scheint möglich, dass sie ehemals figürlich ausgebildet oder zumindest mit Ornamenten verziert war.
Derartige Verzierungen finden sich in unmittelbarer Nachbarschaft an der bereits erwähnten Chornische im Osten des Raums. Ihre beiden westlichen Ecken werden jeweils auf ganzer Höhe von einem Orthostaten gebildet. Am oberen Ende der Schauseite des nördlichen dieser Steine befindet sich ein stark abgegriffenes ornamentales Relief. Bei oberflächlicher Betrachtung scheint es sich um ein abstraktes, in runden Schwüngen geführtes Flechtwerk zu handeln. Jedoch deutet sich bei intensiver Inaugenscheinnahme an, dass das Relief auch eine figürliche Komponente trägt, denn im Zentrum des Flechtwerks lässt sich ein Tier- bzw. Monsterkopf mit weit aufgerissenem Maul erkennen. Demnach ist ein in sich verknoteter Lindwurm dargestellt, der sich selbst in den Schwanz beißt. Auf selber Höhe existiert auf der Südseite des Steins ein weiteres ornamentales Relief, das zwei übereinander liegende Doppelpfeile zeigt, die mit einem sie umgreifenden, diagonal gestellten Quadrat verflochten sind.
Diesen Reliefs stehen auf gleicher Höhe zwei figürliche Reliefs gegenüber, die an dem südlichen Orthostaten ausgearbeitet sind. Dabei handelt es sich um einen grob gearbeiteten aufrecht schreitenden Vogel und die stark stilisierte Maske eines bärtigen Mannes.
Zwar wurden in den bisher zu der Kirche publizierten Arbeiten verschiedentlich Überlegungen dazu angestellt wie diese Reliefs ikonografisch zu deuten seien und ob sie einen Ansatz für eine nähere Datierung liefern könnten, jedoch lässt sich keine abschließende Deutung aus ihrer Analyse herleiten. Im Hinblick darauf, dass die Kirche dem Heiligen Johannes geweiht ist, kann ledigllich vermutet werden, dass der bärtige Kopf an der Südwestecke der Chornische den Evangelisten selbst und der Vogel auf demselben Stein dessen Symbol den Adler darstellen soll.
Die Deutung der Motive einer reich mit Ornamenten und zwei Schlangen oder Lindwürmern reliefierten langrechteckige Steinplatte, die 1890/91 im Zuge der Umbauarbeiten über der Tür zur Sakristei an der Südseite der Kirche vermauert und übertüncht gefunden wurde und deren Kopie heute an der nördlichen Turmwand angebracht ist, ist ebenfalls strittig. Von der Stilistik her könnte sie zeitgleich zu den Reliefs an der Chornische der Turmkapelle entstanden sein. Im Hinblick auf den Umstand, dass auf dem Plansatz von 1886 das Westportal der Kirche, das 1890/91 wieder geöffnet wurde, nicht dargestellt ist, ist denkbar, dass die Platte ehemals am Westportal als Sturz genutzt wurde, und vermutlich während der Spätgotik bei der Errichtung der Sakristei, die auf dem Plansatz von 1886 auf der Südseite der Kirche dargestellt ist, und der mutmaßlich zeitnah dazu erfolgten Schließung des romanischen Westportals, über den Eingang zur Sakristei versetzt.
Bei einer weiteren großen Steinplatte, die sich in situ auf der Innenseite über dem heutigen Westportal befindet, dürfte es sich um eine Grabplatte handeln, die in Spolienverwendung über dem Portal vermauert wurde. Auf ihr ist ein Bischofsstab im Relief und der Ansatz eines Schriftzugs ausgehauen.
Gesamtform der Kirche
Die umfangreich erhaltenen Fragmente der hochromanischen Kirche lassen in Abgleich mit historischen Text- und Planquellen ein Rekonstruktion des ursprünglichen Gebäudes zu. Offensichtlich handelte es sich um eine einschiffige Kirche, die von einem einfachen Satteldach überfangen war. Am Stoß der Seitenwände des Kirchenschiffs mit den Traufkanten des Dachs war ein schlichtes Gesims in Form einer horizontal durchlaufenden Kehle angebracht. Die Kirche war von Westen her über ein kleines Portal zugänglich. Der Innenraum dürfte von einer hölzernen Flachdecke überspannt gewesen sein, die an den Bunddachbalken des Dachstuhls befestigt war. Im Osten wurde die Kirche von einer halbrunden Apsis abgeschlossen.
Ob und wenn wie viele Fenster die Seitenwände des Kirchenschiffs durchbrachen, kann nicht geklärt werden. Zu vermuten ist, dass wenige kleine Fenster existierten.
In ungewöhnlicher Position erhob sich am westlichen Ende der Südseite des Langhauses der Kirche der im Vergleich zur Größe des Kirchengebäudes massige und große Turm. Wie seine Einwölbung sowie die Nische an seiner Ostseite, die zweifelsohne als Apsis- bzw. Chorersatz zu verstehen ist, zeigen, wurde das Erdgeschoss des Turms als Kapelle genutzt. Diese war vom Kirchenschiff her direkt zugänglich.
Sein Obergeschoss dürfte über eine (hölzerne) Treppenanlage oder eine Empore ebenfalls vom Kircheninnenraum her erschlossen gewesen sein. Umso mehr irritiert, dass an der Südseite des dritten Obergeschosses des Turms eine Tür existierte, die noch heute – wenn auch sekundär vermauert – vollständig erhalten ist. Aus historischen Berichten geht hervor, dass noch vor 1890 unterhalb der Tür Balkenlöcher zu sehen waren. Der Sinn und Zweck dieser Tür bleibt offen. Dass es sich um einen Zugang zur Glockenstube des Turms handelte, der vom Terrain südlich der Kirche her über einen hölzerne Aufgang zugänglich war, macht keinen Sinn. Erstens sind keine Vergleiche für ein solches Arrangement bekannt; zweitens dürfte wie beschrieben die Möglichkeit bestanden haben, das erste Geschoss des Turms vom Innern der Kirche her zu betreten und von dort aus in die darüber gelegenen Geschosse und zu den Glocken zu gelangen. Daher erscheint die bereits in älteren Arbeiten geäußerte Vermutung einleuchtend, dass die Tür mittels einer hölzernen Brückenkonstruktion mit den Bauten einer der drei Burgen verbunden war, die für das Gemeindgebiet Wannweil überliefert sind8. Dem entspräche vor allem, dass noch 1824 im Areal unmittelbar südlich der Kirche Burgreste erwähnt werden9. Gleichwohl kann das Alter dieser Burgreste (wenn es sich nicht um Relikte des spätmittelalterlichen Kirchhofs handelte) ohne archäologische Befunde nicht nachvollzogen werden. Es ist also nicht gesichert, dass während der Hochromanik neben der Kirche eine Burg bestand. Jedoch ist der Bezug von Burg und Kirche in gerade im Fall früher Burgen häufig belegt. Demnach ist in Erwägung zu ziehen, dass eine Verbindung zwischen einem turmartigen Burggebäude und dem Kirchturm bestand. Diese hätte von der Herrschaft genutzt worden sein können um getrennt von den anderen – nieder gestellten – Kirchbesuchern den Gottesdienst in der Kirche aufzusuchen. Insbesondere ist denkbar, dass sie über die Brücke in den Turm und durch diesen auf eine Empore gelangte, die über dem Portal am westlichen Ende des Kirchenschiffs auf Höhe des ersten Obergeschosses des Turms installiert gewesen sein könnte. Eventuell könnte die Position des Turms unmittelbar mit der Nachbarschaft zu herrschaftlichen Gebäuden, deren Lage und den dargelegten Funktionszusammenhängen erklärt werden.
Auch wenn die erörterte Interpretation mangels eindeutiger Befunde Hypothese bleiben muss, ist davon ausgehend bei eventuell in Zukunft anstehenden Baumaßnahmen die südlich der Kirche befindliche Grünfläche bis hin zum angrenzenden Rathaus und Gemeindezentrum als archäologisch hochsensibles Areal anzusprechen und als solches zu behandeln.
Oberhalb des dritten Obergeschosses des Turms muss die Glockenstube gelegen haben. Ob es sich dabei um ein hölzernes oder in Stein ausgeführtes Geschoss handelte, kann nicht geklärt werden. Im Hinblick auf Vergleichsbeispiele wäre eine Ausführung in Stein mit Biforien als Schallöffnungen zu erwarten.
Kontext, Vergleiche und Datierungsansätze
Die schlichte Form der Kirche mit halbrunder Apsis passt prinzipiell zum zeitgenössischen, d.h. hochromanischen regionalen Kontext. Dennoch sind mehrere Aspekte ungewöhnlich.
Zunächst sticht die Position des Turms ins Auge, denn Türme lassen sich in der Region an salier-zeitlichen Sakralbauten – wenn überhaupt – in der Regel als Chortürme oder in Dopplung an der Westfassade des betreffenden Kirchengebäudes als Ausprägung einer Art Westwerk nachweisen, so z.B. an der Martinskirche in Neckartailfingen (um 1111, Türme später bis auf die Stümpfe abgetragen). Wie oben dargelegt könnte die Position des Turms aber eventuell in Zusammenhang mit einer ehemals in unmittelbarer Nähe der Kirche existenten herrschaftlichen Bebauung zu sehen sein. Überdies scheint der Wannweiler Turm nicht gänzlich aus dem Rahmen zu fallen, denn zumindest in Orlach (Lkr. Schwäbisch Hall) ist ein Turm erhalten, der ähnlich ein ähnlich positioniert gewesen sein könnte und in dessen Erdgeschoss überdies eine entsprechen-de Turmkapelle nachweisbar ist (wohl erste Hälfte 12. Jahrhundert).
Das Mauerwerk der romanischen Bauteile sowie die konstruktiven Details an Maueröffnungen sind für sich genommen nicht ungewöhnlich. Jedoch unterscheidet es sich in einem wesentlichen Punkt von jenem der Kirchen, die mit der Wannweiler Johanneskirche in Zusammenhang gebracht werden. Dabei handelt es sich um die einerseits um die Belsener Kapelle bei Mössingen und andererseits die Weiler Kapelle bei Owingen. Beide werden häufig als Vergleiche für den romanischen Bau der Johanneskirche genannt und vermutet, dass diese im selben Zeitraum entstanden und eventuell auf dieselbe Bauschule zurückgehen. Wohl aufgrund ihrer stärker abweichenden Gesamtform (drei Schiffe, gerader Chorabschluss, Westtürme) wird die Martinskirche Neckartailfingen dagegen nicht als Vergleich zu Wannweil genannt, obwohl sie ebenfalls nahe dazu gelegen und ebenfalls aus Stubensandsteinquadern errichtet ist.
In allen drei Fällen sind das Format der vermauerten Quader größer und damit zusammenhängend die Schichthöhen regelmäßiger als in Wannweil. Dort scheint sich jeweils bereits das Großquaderwerk anzudeuten, das in spätromanischer Zeit die Regel wird. In diesem Unterschied kann ein Indiz darauf gesehen werden, dass diese Kirchenbauten später als die romanischen Fragmente in Wannweil entstanden sind. Tatsächlich ist die Belsener Kapelle dendrochronologisch auf 1139-40 und die Martinskirche Neckartailfingen auf 1111 datiert (s.o.). Im Fall der Weiler Kapelle kann aufgrund der kräftigen Plastizität der Gestaltungselemente an der westlichen Giebelseite und des Mauerwerks eine Entstehung um 1150 vermutet werden. Im Umkehrschluss wäre zu folgern, dass die Errichtung der romanischen Bausubstanz in Wannweil noch vor 1100 erfolgte. Dazu würde insbesondere passen, dass an der Martinskirche Sindelfingen, die bereits 1083 noch während des Baus geweiht wurde, vergleichbares Mauerwerk findet.
Allgemein wird konstatiert, dass die Architektur und die Detailgestaltung dieser Kirche Bezüge in die Lombardei aufweisen. Dabei wird insbesondere auf den als Campanile frei stehenden Glockenturm, die Form der Mittelschiffstützen und die Gestaltung des Chors verwiesen. Letztgenannter weist drei Apsiden auf deren Außenseiten mittels Blendarkaturen gegliedert werden. Diese stellen das zu Wannweil nächstgelegene Vergleichsbeispiel für hochromanische Blendarkaturen dar. Im Anbetracht dessen wird auch für die Wannweiler Kirche ein Lombardischer Einfluss geltend gemacht. Jedoch kann dieser nicht so konkret wahrscheinlich gemacht werden, wie es in Sindelfingen auch anhand der Biografie des Bauherrn Fall getan werden kann.
Ein weiteres entsprechend datierendes Beispiel für Blendarkaturen an einer Apsis findet sich auf Burg Winzingen an der pfälzischen Bergstraße.
Fest steht, dass weder in der näheren noch der weiteren Umgebung eine vergleichbare Gestaltung einer hochromanischen (West-)Fassade bekannt ist.
Dies gilt auch für die Details, die Innerhalb der Wannweiler Westfassade Akzente setzen – die beiden in Form eines Wolfs- oder Bärenkopfs ausgearbeiteten Kapitelle, die den mittig angeord-neten Okulus rahmen, sowie letztgenannter selbst. Denn die Art und Weise, wie die beiden Kapitelle als Flachrelief gearbeitet sind und die auch die Reliefs in der Turmkapelle und auf dem Reliefstein im Mittelschiff der Kirche auszeichnet, scheint insofern außergewöhn-lich als figürlicher Reliefschmuck an hoch- und spätromanischen Sakralbauten der Region weni-ger zeichnungsartig und ist und eine stärkere Plastizität aufweist (Fries- und Portalreste in Schwärzloch, figürliche Darstellungen am Eulenturm in Hirsau). Überdies sind das Motiv der Tier-köpfe, die gleichsam die darüber gelegenen Blendbögen „ausspeien“ ebenso wie das Relief des in sich verflochtenen Lindwurms an der Nordseite der Chornische der Turmkapelle ohne Vergleich.
Insbesondere letztgenanntes scheint mit den Schlangen- oder Lindwurmdarstellungen auf der heute im Innern der Kirche angebrachten Reliefplatte zu korrespondieren, die eventuell ehemals als Sturz über dem oder einem der Kirchenportale verwendet wurde. Die Stilistik beider Werkstücke erinnert entfernt an frühchristliche Tierstile. Demnach kann unter Vorbehalt eine frühe Entstehung deutlich vor 1100 vermutet werden. Dazu würde auch passen, dass aus Burgund entsprechend flach gearbeitete Kapitelle bekannt sind, die in die Zeit um 1000 datieren.
Da Naturstein in den meisten Gegenden Südwestdeutschlands verfügbar war, bestand während der Romanik kaum Notwendigkeit auf Backstein zurückzugreifen. Dementsprechend waren auch im Neckarraum gebrannte Ziegel als Mauerstein unüblich. Vor diesem Hintergrund könnte der Umstand, dass in Wannweil lediglich der eine Okulus an der Westfassade mittels der wechselweisen Vermauerung von Natur- und Backstein dekorativ gestaltet wurde und Backsteine ansonsten nur punktuell im Mauerwerk unterhalb des Okulus auftreten, als Indiz dafür verstanden werden, dass es sich bei diesen Backsteinen um römische Spolien handelt, die während der ersten Bauphase bei Arbeiten am Fundament gefunden oder aber zum Bauzeitpunkt noch bestehenden römerzeitlichen Ruinen entnommen wurden. Eine Thermoluminiszenzanalyse der Backsteine könnte unter Umständen Klarheit dazu bringen, wann die Backsteine erstellt wurden.
Insgesamt ist zu konstatieren, dass die Fragmente des romanischen Kirchengebäudes von Wannweil durch eine Reihe ungewöhnlicher Detailbefunde auszeichnen, die sie von anderen hochromanischen Sakralbauten der Region abheben. In ihrer Kombination lassen diese Detailbefunde keine nähere Eingrenzung der Zeitstellung der ersten Bauphase zu. Die bisher geltende Einschätzung „um 1100“, der vor allem über den Vergleich zur Sindelfinger Martinskirche gezogen wird, kann demnach nicht grundsätzlich ausgeschlossen werden. Umgekehrt scheint angesichts der auffälligen Besonderheiten aber der mögliche Rahmen ihrer Entstehung weiter gefasst werden zu müssen. Zwar ist in Hinblick auf das qualitätvolle Mauerwerk und die deutliche Ausprägung von Eckverbänden nicht von einer extremen Frühdatierung in die Zeit vor das Jahr 1000 auszugehen, wie sie in frühen Arbeiten veranschlagt wird, jedoch scheint eine Errichtung noch vor der oder zumindest um die Mitte des 11. Jahrhunderts durchaus möglich. Davon ausgehend könnten Überlegungen zur Bauherrschaft und den historischen Hintergrunds der Errichtung der Kirche und des mutmaßlich damit in direkten Bezug stehenden Herrensitzes angestellt werden.
Die genannten Bauteile zeichnen sich jeweils durch ein sauber gefügtes Glattquaderwerk aus. Die Proportionen der Quader mittleren bis kleinen Formats sind auffällig unterschiedlich. Es sind sowohl länglich liegende als auch blockhafte Quader vermauert. Dementsprechend variieren die Höhen der einzelnen Quaderschichten stark; sie laufen jedoch in aller Regel ohne Versprünge bzw. Ausklinkungen mehrerer Meter horizontal durch. Nur punktuell, d.h. unmittelbar südlich des Kirchenportals, sind Backsteine in einer einzelnen durchlaufenden Schichten vermauert. Bei einem länglichen Steinformat sind diese nur 5 cm hoch. Nichts deutet darauf hin, dass diese Backsteine ein sekundäre Zutat wären, denn sie fügen sich sauber in den sie umgebenden Verband aus Sandsteinquadern. Die Quader an den Gebäudeecken sind in der Regel größer als die der anschließenden Mauerflächen.
Der wie beschrieben geartete Quaderverband liefert zwar keine Möglichkeit einer näheren wohl aber einen groben Datierungsansatz. Das Mauerwerk ist eindeutig mittelalterlich und kann als qualitätvolles Beispiel eines Glattquaderwerks bezeichnet werden, das allgemein in die salische Zeit bzw. Die Zeit zwischen 1050 und 1150 eingeordnet wird („salisches Kleinquaderwerk“). Dazu passt, dass bei Grabungen, die 1890 im Innern des Erdgeschosses des Turms durchgeführt wurden, im Fundamentbereich sogenanntes Fischgrätmauerwerk bzw. opus spicatum freigelegt wurde, das in besagtem Zeitraum häufig in Kombination mit Kleinquaderwerk zum Einsatz kam. Sowohl regional als auch überregional sind Vergleichsbeispiele dafür bekannt.
Konstruktive Details und Detailformen an der Westfassade, dem Turm und den Resten im Bereich des Übergangs vom Mittelschiff zum Chor scheinen den genannten Datierungsansatz grundsätzlich zu bestätigen.
Dabei handelt es sich insbesondere um die Blendarkatur an der Westfassade des Mittelschiffs. Die drei Bogenfelder dieser Arkatur werden durch halbrunde Pilaster bzw. der Mauerfläche vorgelegte Halbsäulen voneinander getrennt. Diese weisen zwar keine Basen auf werden aber jeweils von einem figürlichen Kapitell abgeschlossen. Auch wenn beide stark verwittert sind, ist gut zu erkennen, dass es sich jeweils um einen nach oben blickenden Wolfs- oder Bärenkopf in Seitenansicht handelt. Beide sind nahezu identisch als Flachrelief gestaltet. Die Unterkiefer beider Köpfe sind einander zugewandt so dass sich ein symmetrisches Gesamtbild ergibt. Das Maul
mit kräftigen spitzen Zähnen an beiden Kiefern ist weit aufgerissen. Aus ihm wachsen die Anfänge der Bögen empor, welche die Blenden jeweils abschließen.
Direkt unterhalb des Scheitels des mittleren Bogens wird die Fassadenmauer von einem Okulus von rund 18 cm Durchmesser durchbrochen. Seine Laibung besteht aus zwei konzentrischen Quaderkreisen, deren innerer um 15 cm hinter die Flucht der Mauerfläche springt. Er setzt sich vollständig aus Kleinquadern aus Stubensandstein zusammen. Dagegen sind im äußeren Quaderring wechselweise Backsteine und Kleinquader aus Stubensandstein vermauert. Der Grat der Verwitterung der Backsteine sowie das intakte Fugenbild des sie umgebenden Mauerwerks belegen, dass es sich bei den Backsteinen nicht um sekundäre Zutaten handelt. Folglich handelt es sich um ein gezielt eingesetztes Gestaltungsmittel, das bereits im Zug der ersten Bauphase realisiert wurde.
An anderen noch erhaltenen Maueröffnungen der ersten Bauphase sind aber keine Backsteine vermauert. Dies gilt insbesondere für den Okulus in der Chornische der Kapelle im Erdgeschoss des Kirchturms. Seine Laibung ist vollständig aus Natursteinquadern gemauert. Dasselbe gilt für die Scheitelbögen über den Lichtscharten, welche die Süd- und die Westwand dieser Kapelle durchbrechen, sowie für den Bogen über der Tür, welche die Kapelle mit dem Innenraum der Kirche verbindet und jenen einer sekundär zugesetzten Tür, welche die Süd-wand des zweiten Obergeschosses des Turms durchbrach.
An den Scheitelbügen der mutmaßlich bauzeitlichen Maueröffnungen in den Obergeschossen des Turms kann aufgrund flächiger Verputzung keine Überprüfung vorgenommen werden, ob dort Backsteine vermauert wurden.
Da das Fugenbild der steinsichtigen Innenwände der Turmkapelle keine Störungen zeigt, kann davon ausgegangen werden, dass das Kreuzgratgewölbe von dem sie überspannt wird, ebenfalls bauzeitlich ist bzw. der ersten Bauphase zuzuordnen ist. Im Gegensatz zu den beiden Gewölbeanfängern in den südlichen Ecken des Raums sind die beiden nördlichen in Form steinsichtiger Konsolen bzw. Gewölbeanfänger ausgebildet. Beide Konsolen sind beschädigt und modern überarbeitet. Vor allem im Fall der östlichen scheint möglich, dass sie ehemals figürlich ausgebildet oder zumindest mit Ornamenten verziert war.
Derartige Verzierungen finden sich in unmittelbarer Nachbarschaft an der bereits erwähnten Chornische im Osten des Raums. Ihre beiden westlichen Ecken werden jeweils auf ganzer Höhe von einem Orthostaten gebildet. Am oberen Ende der Schauseite des nördlichen dieser Steine befindet sich ein stark abgegriffenes ornamentales Relief. Bei oberflächlicher Betrachtung scheint es sich um ein abstraktes, in runden Schwüngen geführtes Flechtwerk zu handeln. Jedoch deutet sich bei intensiver Inaugenscheinnahme an, dass das Relief auch eine figürliche Komponente trägt, denn im Zentrum des Flechtwerks lässt sich ein Tier- bzw. Monsterkopf mit weit aufgerissenem Maul erkennen. Demnach ist ein in sich verknoteter Lindwurm dargestellt, der sich selbst in den Schwanz beißt. Auf selber Höhe existiert auf der Südseite des Steins ein weiteres ornamentales Relief, das zwei übereinander liegende Doppelpfeile zeigt, die mit einem sie umgreifenden, diagonal gestellten Quadrat verflochten sind.
Diesen Reliefs stehen auf gleicher Höhe zwei figürliche Reliefs gegenüber, die an dem südlichen Orthostaten ausgearbeitet sind. Dabei handelt es sich um einen grob gearbeiteten aufrecht schreitenden Vogel und die stark stilisierte Maske eines bärtigen Mannes.
Zwar wurden in den bisher zu der Kirche publizierten Arbeiten verschiedentlich Überlegungen dazu angestellt wie diese Reliefs ikonografisch zu deuten seien und ob sie einen Ansatz für eine nähere Datierung liefern könnten, jedoch lässt sich keine abschließende Deutung aus ihrer Analyse herleiten. Im Hinblick darauf, dass die Kirche dem Heiligen Johannes geweiht ist, kann ledigllich vermutet werden, dass der bärtige Kopf an der Südwestecke der Chornische den Evangelisten selbst und der Vogel auf demselben Stein dessen Symbol den Adler darstellen soll.
Die Deutung der Motive einer reich mit Ornamenten und zwei Schlangen oder Lindwürmern reliefierten langrechteckige Steinplatte, die 1890/91 im Zuge der Umbauarbeiten über der Tür zur Sakristei an der Südseite der Kirche vermauert und übertüncht gefunden wurde und deren Kopie heute an der nördlichen Turmwand angebracht ist, ist ebenfalls strittig. Von der Stilistik her könnte sie zeitgleich zu den Reliefs an der Chornische der Turmkapelle entstanden sein. Im Hinblick auf den Umstand, dass auf dem Plansatz von 1886 das Westportal der Kirche, das 1890/91 wieder geöffnet wurde, nicht dargestellt ist, ist denkbar, dass die Platte ehemals am Westportal als Sturz genutzt wurde, und vermutlich während der Spätgotik bei der Errichtung der Sakristei, die auf dem Plansatz von 1886 auf der Südseite der Kirche dargestellt ist, und der mutmaßlich zeitnah dazu erfolgten Schließung des romanischen Westportals, über den Eingang zur Sakristei versetzt.
Bei einer weiteren großen Steinplatte, die sich in situ auf der Innenseite über dem heutigen Westportal befindet, dürfte es sich um eine Grabplatte handeln, die in Spolienverwendung über dem Portal vermauert wurde. Auf ihr ist ein Bischofsstab im Relief und der Ansatz eines Schriftzugs ausgehauen.
Gesamtform der Kirche
Die umfangreich erhaltenen Fragmente der hochromanischen Kirche lassen in Abgleich mit historischen Text- und Planquellen ein Rekonstruktion des ursprünglichen Gebäudes zu. Offensichtlich handelte es sich um eine einschiffige Kirche, die von einem einfachen Satteldach überfangen war. Am Stoß der Seitenwände des Kirchenschiffs mit den Traufkanten des Dachs war ein schlichtes Gesims in Form einer horizontal durchlaufenden Kehle angebracht. Die Kirche war von Westen her über ein kleines Portal zugänglich. Der Innenraum dürfte von einer hölzernen Flachdecke überspannt gewesen sein, die an den Bunddachbalken des Dachstuhls befestigt war. Im Osten wurde die Kirche von einer halbrunden Apsis abgeschlossen.
Ob und wenn wie viele Fenster die Seitenwände des Kirchenschiffs durchbrachen, kann nicht geklärt werden. Zu vermuten ist, dass wenige kleine Fenster existierten.
In ungewöhnlicher Position erhob sich am westlichen Ende der Südseite des Langhauses der Kirche der im Vergleich zur Größe des Kirchengebäudes massige und große Turm. Wie seine Einwölbung sowie die Nische an seiner Ostseite, die zweifelsohne als Apsis- bzw. Chorersatz zu verstehen ist, zeigen, wurde das Erdgeschoss des Turms als Kapelle genutzt. Diese war vom Kirchenschiff her direkt zugänglich.
Sein Obergeschoss dürfte über eine (hölzerne) Treppenanlage oder eine Empore ebenfalls vom Kircheninnenraum her erschlossen gewesen sein. Umso mehr irritiert, dass an der Südseite des dritten Obergeschosses des Turms eine Tür existierte, die noch heute – wenn auch sekundär vermauert – vollständig erhalten ist. Aus historischen Berichten geht hervor, dass noch vor 1890 unterhalb der Tür Balkenlöcher zu sehen waren. Der Sinn und Zweck dieser Tür bleibt offen. Dass es sich um einen Zugang zur Glockenstube des Turms handelte, der vom Terrain südlich der Kirche her über einen hölzerne Aufgang zugänglich war, macht keinen Sinn. Erstens sind keine Vergleiche für ein solches Arrangement bekannt; zweitens dürfte wie beschrieben die Möglichkeit bestanden haben, das erste Geschoss des Turms vom Innern der Kirche her zu betreten und von dort aus in die darüber gelegenen Geschosse und zu den Glocken zu gelangen. Daher erscheint die bereits in älteren Arbeiten geäußerte Vermutung einleuchtend, dass die Tür mittels einer hölzernen Brückenkonstruktion mit den Bauten einer der drei Burgen verbunden war, die für das Gemeindgebiet Wannweil überliefert sind8. Dem entspräche vor allem, dass noch 1824 im Areal unmittelbar südlich der Kirche Burgreste erwähnt werden9. Gleichwohl kann das Alter dieser Burgreste (wenn es sich nicht um Relikte des spätmittelalterlichen Kirchhofs handelte) ohne archäologische Befunde nicht nachvollzogen werden. Es ist also nicht gesichert, dass während der Hochromanik neben der Kirche eine Burg bestand. Jedoch ist der Bezug von Burg und Kirche in gerade im Fall früher Burgen häufig belegt. Demnach ist in Erwägung zu ziehen, dass eine Verbindung zwischen einem turmartigen Burggebäude und dem Kirchturm bestand. Diese hätte von der Herrschaft genutzt worden sein können um getrennt von den anderen – nieder gestellten – Kirchbesuchern den Gottesdienst in der Kirche aufzusuchen. Insbesondere ist denkbar, dass sie über die Brücke in den Turm und durch diesen auf eine Empore gelangte, die über dem Portal am westlichen Ende des Kirchenschiffs auf Höhe des ersten Obergeschosses des Turms installiert gewesen sein könnte. Eventuell könnte die Position des Turms unmittelbar mit der Nachbarschaft zu herrschaftlichen Gebäuden, deren Lage und den dargelegten Funktionszusammenhängen erklärt werden.
Auch wenn die erörterte Interpretation mangels eindeutiger Befunde Hypothese bleiben muss, ist davon ausgehend bei eventuell in Zukunft anstehenden Baumaßnahmen die südlich der Kirche befindliche Grünfläche bis hin zum angrenzenden Rathaus und Gemeindezentrum als archäologisch hochsensibles Areal anzusprechen und als solches zu behandeln.
Oberhalb des dritten Obergeschosses des Turms muss die Glockenstube gelegen haben. Ob es sich dabei um ein hölzernes oder in Stein ausgeführtes Geschoss handelte, kann nicht geklärt werden. Im Hinblick auf Vergleichsbeispiele wäre eine Ausführung in Stein mit Biforien als Schallöffnungen zu erwarten.
Kontext, Vergleiche und Datierungsansätze
Die schlichte Form der Kirche mit halbrunder Apsis passt prinzipiell zum zeitgenössischen, d.h. hochromanischen regionalen Kontext. Dennoch sind mehrere Aspekte ungewöhnlich.
Zunächst sticht die Position des Turms ins Auge, denn Türme lassen sich in der Region an salier-zeitlichen Sakralbauten – wenn überhaupt – in der Regel als Chortürme oder in Dopplung an der Westfassade des betreffenden Kirchengebäudes als Ausprägung einer Art Westwerk nachweisen, so z.B. an der Martinskirche in Neckartailfingen (um 1111, Türme später bis auf die Stümpfe abgetragen). Wie oben dargelegt könnte die Position des Turms aber eventuell in Zusammenhang mit einer ehemals in unmittelbarer Nähe der Kirche existenten herrschaftlichen Bebauung zu sehen sein. Überdies scheint der Wannweiler Turm nicht gänzlich aus dem Rahmen zu fallen, denn zumindest in Orlach (Lkr. Schwäbisch Hall) ist ein Turm erhalten, der ähnlich ein ähnlich positioniert gewesen sein könnte und in dessen Erdgeschoss überdies eine entsprechen-de Turmkapelle nachweisbar ist (wohl erste Hälfte 12. Jahrhundert).
Das Mauerwerk der romanischen Bauteile sowie die konstruktiven Details an Maueröffnungen sind für sich genommen nicht ungewöhnlich. Jedoch unterscheidet es sich in einem wesentlichen Punkt von jenem der Kirchen, die mit der Wannweiler Johanneskirche in Zusammenhang gebracht werden. Dabei handelt es sich um die einerseits um die Belsener Kapelle bei Mössingen und andererseits die Weiler Kapelle bei Owingen. Beide werden häufig als Vergleiche für den romanischen Bau der Johanneskirche genannt und vermutet, dass diese im selben Zeitraum entstanden und eventuell auf dieselbe Bauschule zurückgehen. Wohl aufgrund ihrer stärker abweichenden Gesamtform (drei Schiffe, gerader Chorabschluss, Westtürme) wird die Martinskirche Neckartailfingen dagegen nicht als Vergleich zu Wannweil genannt, obwohl sie ebenfalls nahe dazu gelegen und ebenfalls aus Stubensandsteinquadern errichtet ist.
In allen drei Fällen sind das Format der vermauerten Quader größer und damit zusammenhängend die Schichthöhen regelmäßiger als in Wannweil. Dort scheint sich jeweils bereits das Großquaderwerk anzudeuten, das in spätromanischer Zeit die Regel wird. In diesem Unterschied kann ein Indiz darauf gesehen werden, dass diese Kirchenbauten später als die romanischen Fragmente in Wannweil entstanden sind. Tatsächlich ist die Belsener Kapelle dendrochronologisch auf 1139-40 und die Martinskirche Neckartailfingen auf 1111 datiert (s.o.). Im Fall der Weiler Kapelle kann aufgrund der kräftigen Plastizität der Gestaltungselemente an der westlichen Giebelseite und des Mauerwerks eine Entstehung um 1150 vermutet werden. Im Umkehrschluss wäre zu folgern, dass die Errichtung der romanischen Bausubstanz in Wannweil noch vor 1100 erfolgte. Dazu würde insbesondere passen, dass an der Martinskirche Sindelfingen, die bereits 1083 noch während des Baus geweiht wurde, vergleichbares Mauerwerk findet.
Allgemein wird konstatiert, dass die Architektur und die Detailgestaltung dieser Kirche Bezüge in die Lombardei aufweisen. Dabei wird insbesondere auf den als Campanile frei stehenden Glockenturm, die Form der Mittelschiffstützen und die Gestaltung des Chors verwiesen. Letztgenannter weist drei Apsiden auf deren Außenseiten mittels Blendarkaturen gegliedert werden. Diese stellen das zu Wannweil nächstgelegene Vergleichsbeispiel für hochromanische Blendarkaturen dar. Im Anbetracht dessen wird auch für die Wannweiler Kirche ein Lombardischer Einfluss geltend gemacht. Jedoch kann dieser nicht so konkret wahrscheinlich gemacht werden, wie es in Sindelfingen auch anhand der Biografie des Bauherrn Fall getan werden kann.
Ein weiteres entsprechend datierendes Beispiel für Blendarkaturen an einer Apsis findet sich auf Burg Winzingen an der pfälzischen Bergstraße.
Fest steht, dass weder in der näheren noch der weiteren Umgebung eine vergleichbare Gestaltung einer hochromanischen (West-)Fassade bekannt ist.
Dies gilt auch für die Details, die Innerhalb der Wannweiler Westfassade Akzente setzen – die beiden in Form eines Wolfs- oder Bärenkopfs ausgearbeiteten Kapitelle, die den mittig angeord-neten Okulus rahmen, sowie letztgenannter selbst. Denn die Art und Weise, wie die beiden Kapitelle als Flachrelief gearbeitet sind und die auch die Reliefs in der Turmkapelle und auf dem Reliefstein im Mittelschiff der Kirche auszeichnet, scheint insofern außergewöhn-lich als figürlicher Reliefschmuck an hoch- und spätromanischen Sakralbauten der Region weni-ger zeichnungsartig und ist und eine stärkere Plastizität aufweist (Fries- und Portalreste in Schwärzloch, figürliche Darstellungen am Eulenturm in Hirsau). Überdies sind das Motiv der Tier-köpfe, die gleichsam die darüber gelegenen Blendbögen „ausspeien“ ebenso wie das Relief des in sich verflochtenen Lindwurms an der Nordseite der Chornische der Turmkapelle ohne Vergleich.
Insbesondere letztgenanntes scheint mit den Schlangen- oder Lindwurmdarstellungen auf der heute im Innern der Kirche angebrachten Reliefplatte zu korrespondieren, die eventuell ehemals als Sturz über dem oder einem der Kirchenportale verwendet wurde. Die Stilistik beider Werkstücke erinnert entfernt an frühchristliche Tierstile. Demnach kann unter Vorbehalt eine frühe Entstehung deutlich vor 1100 vermutet werden. Dazu würde auch passen, dass aus Burgund entsprechend flach gearbeitete Kapitelle bekannt sind, die in die Zeit um 1000 datieren.
Da Naturstein in den meisten Gegenden Südwestdeutschlands verfügbar war, bestand während der Romanik kaum Notwendigkeit auf Backstein zurückzugreifen. Dementsprechend waren auch im Neckarraum gebrannte Ziegel als Mauerstein unüblich. Vor diesem Hintergrund könnte der Umstand, dass in Wannweil lediglich der eine Okulus an der Westfassade mittels der wechselweisen Vermauerung von Natur- und Backstein dekorativ gestaltet wurde und Backsteine ansonsten nur punktuell im Mauerwerk unterhalb des Okulus auftreten, als Indiz dafür verstanden werden, dass es sich bei diesen Backsteinen um römische Spolien handelt, die während der ersten Bauphase bei Arbeiten am Fundament gefunden oder aber zum Bauzeitpunkt noch bestehenden römerzeitlichen Ruinen entnommen wurden. Eine Thermoluminiszenzanalyse der Backsteine könnte unter Umständen Klarheit dazu bringen, wann die Backsteine erstellt wurden.
Insgesamt ist zu konstatieren, dass die Fragmente des romanischen Kirchengebäudes von Wannweil durch eine Reihe ungewöhnlicher Detailbefunde auszeichnen, die sie von anderen hochromanischen Sakralbauten der Region abheben. In ihrer Kombination lassen diese Detailbefunde keine nähere Eingrenzung der Zeitstellung der ersten Bauphase zu. Die bisher geltende Einschätzung „um 1100“, der vor allem über den Vergleich zur Sindelfinger Martinskirche gezogen wird, kann demnach nicht grundsätzlich ausgeschlossen werden. Umgekehrt scheint angesichts der auffälligen Besonderheiten aber der mögliche Rahmen ihrer Entstehung weiter gefasst werden zu müssen. Zwar ist in Hinblick auf das qualitätvolle Mauerwerk und die deutliche Ausprägung von Eckverbänden nicht von einer extremen Frühdatierung in die Zeit vor das Jahr 1000 auszugehen, wie sie in frühen Arbeiten veranschlagt wird, jedoch scheint eine Errichtung noch vor der oder zumindest um die Mitte des 11. Jahrhunderts durchaus möglich. Davon ausgehend könnten Überlegungen zur Bauherrschaft und den historischen Hintergrunds der Errichtung der Kirche und des mutmaßlich damit in direkten Bezug stehenden Herrensitzes angestellt werden.
Betroffene Gebäudeteile:
keine
2. Bauphase:
(1450)
(1450)
Errichtung eines viereckigen Fachwerkaufsatzes und eines achtseitigen, weit auskragenden und Hohen Turmhelms (bhb).
Betroffene Gebäudeteile:
keine
3. Bauphase:
(1486 - 1488)
(1486 - 1488)
Der 5/8-Chor, der die Kirche nach Osten hin abschließt, weist sich durch seine Maßwerkfenster als spätgotisches Werk aus. Passend dazu ist er mittels einer bis dato nicht beachteten Jahreszahl am Gesims über dem nördlichen Maßwerkfenster auf 1486 datiert. Das neben der Zahl angebrachte Steinmetz- oder Meisterzeichen könnte in Abgleich mit anderen Zeichen in der Region eventuell Klarheit dazu bringen, wer den Chor ausführte.
Im Hinblick auf zahllose Vergleichsbeispiele ist auffällig, dass an seinen Ecken keine Strebepfeiler vorhanden sind. Dies könnte als Indiz dafür verstanden werden, dass das heute existente Netzgewölbe über seinem Innenraum zunächst nicht geplant war und erst sekundär eingezogen wurde. Möglicherweise geschah dies nur wenig später im Jahr 1488 als Im Innern des Chors von Hans Augsteindreher aus Tübingen das heute noch vorhandene inschriftlich datierte Sakramentshäuschen erstellt wurde. Davon Ausgehend ist zu schließen, dass entweder noch 1488 oder kurz darauf das romanische Dachwerk über dem Mittelschiff beseitigt und anschließend ein neues Dach errichtet wurde. Letzteres war höher als sein Vorgänger und wies steiler geneigte Dachflächen auf. Dementsprechend musste der steinerne Giebel an der Westseite der Kirche angepasst werden. Die betreffenden Mauerpartien sind nur schwer von den darunter gelegenen bauzeitlichen Partien zu unterscheiden, da die spätgotische Erhöhung weitgehend aus bauzeitlichen Kleinquadern in Spolienverwendung aufgemauert wurde. Dennoch ist sie anhand einer leicht divergierenden Mauerwerksstruktur, der Verwendung von Hohlziegelbruch-stücken als Auszwickungen in den Fugen sowie anhand einer Fuge zu erkennen, die sich zwischen der Aufmauerung des Giebels und der Nordwestecke des Turms ergab.
Auf einem Plansatz von 1886, der den Zustand der Kirche vor dem Umbau von 1890-91 dokumentiert, ist über dem Kirchenschiff ein zweifach liegender Dachstuhl und über dem Chor ein stehender Stuhl dargestellt. Dabei dürfte es sich noch um die um oder kurz nach 1488 erstellten Konstruktionen handeln. Soweit die Begehung des engen und verwinkelten Dachstuhls eine Aussage zulässt, scheinen beim Neubau der Dachkonstruktion, die im Rahmen des Umbaus der Kirche zwischen 1890-91 erfolgte, einzelne Hölzer davon wiederverwendet worden zu sein.
Aus demselben Plansatz geht hervor, dass im späten 15. Oder im frühen 16. Jahrhundert annähernd mittig in der nördlichen Außenwand des Kirchenschiffs ein großes Maßwerkfenster eingefügt wurde. Dem Fenster gegenüber lehnt sich an der Südseite ein rechteckiger Anbau a, der von einem steilen Schleppdach überfangen war. Wann dieser Anbau entstand, erschließt sich mangels aussagekräftiger Detailformen nicht – offenbar handelte es sich bei ihm um die ehemalige Sakristei.
Ferner ist ersichtlich, dass dem Turm oberhalb des dritten Obergeschosses ein Fachwerkgeschoss aufgesetzt war auf dem wiederum ein hoher, mit seinen unteren Kanten weit vor die Fachwerkwände des Geschosses kragender Turmhelm ansetzte. Dieser Turmaufsatz, der auch auf historischen Fotografien dokumentiert ist, wurde im späten 19. Jahrhundert im Rahmen der umfassenden Neugestaltung der Kirche vollständig beseitigt.
Vergleichbare Turmaufsätze sind mehrfach erhalten. Mit dem Baujahr 1422 ist der von Kusterdingen unweit von Wannweil das früheste dendrochronologisch datierte Exemplar. Der Aufsatz von Plieningen ist auf 1443-44 und der von Bonlanden auf 1462-63 datiert. Davon ausgehend kann vermutet werden, dass der Turmaufsatz von Wannweil während den mittleren Vierteln des 15. Jahrhunderts entstand.
Im Hinblick auf zahllose Vergleichsbeispiele ist auffällig, dass an seinen Ecken keine Strebepfeiler vorhanden sind. Dies könnte als Indiz dafür verstanden werden, dass das heute existente Netzgewölbe über seinem Innenraum zunächst nicht geplant war und erst sekundär eingezogen wurde. Möglicherweise geschah dies nur wenig später im Jahr 1488 als Im Innern des Chors von Hans Augsteindreher aus Tübingen das heute noch vorhandene inschriftlich datierte Sakramentshäuschen erstellt wurde. Davon Ausgehend ist zu schließen, dass entweder noch 1488 oder kurz darauf das romanische Dachwerk über dem Mittelschiff beseitigt und anschließend ein neues Dach errichtet wurde. Letzteres war höher als sein Vorgänger und wies steiler geneigte Dachflächen auf. Dementsprechend musste der steinerne Giebel an der Westseite der Kirche angepasst werden. Die betreffenden Mauerpartien sind nur schwer von den darunter gelegenen bauzeitlichen Partien zu unterscheiden, da die spätgotische Erhöhung weitgehend aus bauzeitlichen Kleinquadern in Spolienverwendung aufgemauert wurde. Dennoch ist sie anhand einer leicht divergierenden Mauerwerksstruktur, der Verwendung von Hohlziegelbruch-stücken als Auszwickungen in den Fugen sowie anhand einer Fuge zu erkennen, die sich zwischen der Aufmauerung des Giebels und der Nordwestecke des Turms ergab.
Auf einem Plansatz von 1886, der den Zustand der Kirche vor dem Umbau von 1890-91 dokumentiert, ist über dem Kirchenschiff ein zweifach liegender Dachstuhl und über dem Chor ein stehender Stuhl dargestellt. Dabei dürfte es sich noch um die um oder kurz nach 1488 erstellten Konstruktionen handeln. Soweit die Begehung des engen und verwinkelten Dachstuhls eine Aussage zulässt, scheinen beim Neubau der Dachkonstruktion, die im Rahmen des Umbaus der Kirche zwischen 1890-91 erfolgte, einzelne Hölzer davon wiederverwendet worden zu sein.
Aus demselben Plansatz geht hervor, dass im späten 15. Oder im frühen 16. Jahrhundert annähernd mittig in der nördlichen Außenwand des Kirchenschiffs ein großes Maßwerkfenster eingefügt wurde. Dem Fenster gegenüber lehnt sich an der Südseite ein rechteckiger Anbau a, der von einem steilen Schleppdach überfangen war. Wann dieser Anbau entstand, erschließt sich mangels aussagekräftiger Detailformen nicht – offenbar handelte es sich bei ihm um die ehemalige Sakristei.
Ferner ist ersichtlich, dass dem Turm oberhalb des dritten Obergeschosses ein Fachwerkgeschoss aufgesetzt war auf dem wiederum ein hoher, mit seinen unteren Kanten weit vor die Fachwerkwände des Geschosses kragender Turmhelm ansetzte. Dieser Turmaufsatz, der auch auf historischen Fotografien dokumentiert ist, wurde im späten 19. Jahrhundert im Rahmen der umfassenden Neugestaltung der Kirche vollständig beseitigt.
Vergleichbare Turmaufsätze sind mehrfach erhalten. Mit dem Baujahr 1422 ist der von Kusterdingen unweit von Wannweil das früheste dendrochronologisch datierte Exemplar. Der Aufsatz von Plieningen ist auf 1443-44 und der von Bonlanden auf 1462-63 datiert. Davon ausgehend kann vermutet werden, dass der Turmaufsatz von Wannweil während den mittleren Vierteln des 15. Jahrhunderts entstand.
Betroffene Gebäudeteile:
keine
4. Bauphase:
(1521)
(1521)
Bauarbeiten an der Kirche; eventuell Erstellung eines großen Maßwerkfensters auf der Nordseite des Langhauses (a).
Betroffene Gebäudeteile:
keine
5. Bauphase:
(1600 - 1890)
(1600 - 1890)
Auf die Wände des Chors der Wannweiler Johanneskirche wurden im späten 17. Jahrhundert Fresken aufgemalt, die 2006 restauriert wurden. Sie sind die einzigen erhaltenen Reste der frühneuzeitlichen bzw. neuzeitlichen Ausstattung der Kirche. Auf dem Plansatz des späten 19. Jahrhunderts ist im Innern der Kirche eine hölzerne Emporenkonstruktion dokumentiert, die der Form ihrer Stützen nach zu urteilen im 17. oder dem 18. Jahrhundert entstanden sein dürfte. Drei rechteckige Fenster, die auf den Plänen abgebildet sind, eines an der Südwand des Kirchenschiffs und zwei an seiner Nordwand, könnten zeitgleich dazu entstanden sein. Soweit er nicht schon im späten 15. Jahrhundert erfolgte, muss In dieser Phase der Verschluss des romanischen Westportals und die Anlage eines Ersatzzugangs auf der Nordseite des Kirchenschiffs erfolgt sein.
Am Stoß der Westwand des nördlichen Seitenschiffs von 1890-91 mit der mittelalterlichen Substanz des Mittelschiffs ist zu erkennen, dass die Außenmauern der Kirche vor dem Umbau von 1890-91 flächig verputzt und hell gestrichen waren.
Am Stoß der Westwand des nördlichen Seitenschiffs von 1890-91 mit der mittelalterlichen Substanz des Mittelschiffs ist zu erkennen, dass die Außenmauern der Kirche vor dem Umbau von 1890-91 flächig verputzt und hell gestrichen waren.
Betroffene Gebäudeteile:
keine
6. Bauphase:
(1882)
(1882)
Umbaumaßnahmen an der Südseite der Kirche (a).
Betroffene Gebäudeteile:
keine
7. Bauphase:
(1887 - 1891)
(1887 - 1891)
Der Umbau dem die Wannweiler Johanneskirche, der zwischen unter der Leitung von Heinrich Dolmetsch 1890 und 1891 erfolgte, ist archivalisch gut dokumentiert und im Baubefund klar nachvollziehbar – allein die historistische Ausstattung im Innern der Kirche wurde in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts weitgehend beseitigt.
Die Maßnahmen bestanden einerseits darin das Dachwerk über dem Kirchenschiff sowie dessen Längswände und den Anbau im Süden zu beseitigen, so dass nur noch der Chor und die Westfassade mit den jeweiligen Anschlüssen des Langhauses stehen blieb. Danach wurden die Außenwände der neuen Seitenschiffe sowie in Achse der ehemaligen Langhauswände die Stützen zwischen den Seitenschiffen und dem Hauptschiff errichtet.
Die betreffende Bausubstanz zeigt im Außenbau durchgehend große sauber gefügte Quader aus Kalktuff. Nur Eckquader und Werkstücke wie Kapitelle, Fenster- und Portalgewände bestehen aus Stubensandstein. Besonders hervorzuheben ist, dass die Südostecke des romanischen Kirchenschiffs erhalten blieb und in den Bau miteinbezogen wurde. Auf der gegenüber liegenden Nordostecke wurde zumindest der Ansatz des romanischen Gesimses mit Originalteilen wiedererstellt. Im Innern wurden die neu angefertigten Stützen, Treppenstufen und andere Werkstücke wiederum in Stubensandstein gehalten.
Andererseits wurde der gotische Turmaufsatz, d.h. das Fachwerkgeschoss und der vormals darauf ansetzende Turmhelm beseitigt und ein neuer, heute noch vorhandener Turmaufsatz erstellt. Dabei wurden die oberen Enden der Ecken des romanischen Turmschafts abgetragen, um die Ansätze der oktogonalen Eckfialen auszuarbeiten. Dabei scheinen neben neu erstellten Stubensandsteinquadern, die vermauert wurden, auch romanische oder spätgotische Quader wiederverwendet worden zu sein. Auf diese Weise wurde auf Höhe des Scheitels der Okuli, die zwischen den Eckfialen auf jeder Seite des Turms eingelassen wurden, ein neuer horizontaler Bauhorizont geschaffen. Für die auf diesem Horizont ansetzenden Mauerpartien wurde wiederum in erster Linie Kalktuff verwendet. Lediglich die pyramidalen Abschlüsse der Fialen und die Schrägen des Gesimses auf dem das Glockengeschoss ansetzt, wurden aus Stubensandstein gearbeitet. Der hohe Turmhelm wurde ebenfalls aus diesem Material erstellt.
Vermutlich wurden im Rahmen der Umbau- und Erweiterungsmaßnahmen die Oberflächen der mittelalterlichen Bauteile komplett überarbeitet. Das bedeutet vor allem, dass der Verputz, der die verbleibenden Außenwände der mittelalterlichen Bauteile bedeckte, größtenteils beseitigt wurde. Die nunmehr steinsichtigen Oberflächen der Westfassade und des Kirchturms dürften anschließend ganzflächig neu verfugt und scharriert worden sein, wobei die Scharrierung senkrecht angelegt wurde. Demzufolge sind kaum noch mittelalterliche Bearbeitungsspuren erhalten geblieben.
Am Turm wurden die Laibungen mehrerer romanischer Lichtscharten erneuert und deren äußere Öffnungen vergrößert. Dabei wurde als Form ein nach allen Seiten hin breit abgefastes Rundbogenfenster gewählt. Dieselbe Form und Größe tritt auch an zwei Fenstern auf, die an der Westfassade wurden in der oberen Hälfte der beiden äußeren Blendbögen der romanischen Blendarkatur neu erstellt wurden.
Gemäß im Pfarrhaus lagernder Akten wurden die Zuganker, die unterhalb des neuen Turmaufsatzes eingefügt wurden, vom Hüttenwerk Wasseralfingen geliefert.
Die Maßnahmen bestanden einerseits darin das Dachwerk über dem Kirchenschiff sowie dessen Längswände und den Anbau im Süden zu beseitigen, so dass nur noch der Chor und die Westfassade mit den jeweiligen Anschlüssen des Langhauses stehen blieb. Danach wurden die Außenwände der neuen Seitenschiffe sowie in Achse der ehemaligen Langhauswände die Stützen zwischen den Seitenschiffen und dem Hauptschiff errichtet.
Die betreffende Bausubstanz zeigt im Außenbau durchgehend große sauber gefügte Quader aus Kalktuff. Nur Eckquader und Werkstücke wie Kapitelle, Fenster- und Portalgewände bestehen aus Stubensandstein. Besonders hervorzuheben ist, dass die Südostecke des romanischen Kirchenschiffs erhalten blieb und in den Bau miteinbezogen wurde. Auf der gegenüber liegenden Nordostecke wurde zumindest der Ansatz des romanischen Gesimses mit Originalteilen wiedererstellt. Im Innern wurden die neu angefertigten Stützen, Treppenstufen und andere Werkstücke wiederum in Stubensandstein gehalten.
Andererseits wurde der gotische Turmaufsatz, d.h. das Fachwerkgeschoss und der vormals darauf ansetzende Turmhelm beseitigt und ein neuer, heute noch vorhandener Turmaufsatz erstellt. Dabei wurden die oberen Enden der Ecken des romanischen Turmschafts abgetragen, um die Ansätze der oktogonalen Eckfialen auszuarbeiten. Dabei scheinen neben neu erstellten Stubensandsteinquadern, die vermauert wurden, auch romanische oder spätgotische Quader wiederverwendet worden zu sein. Auf diese Weise wurde auf Höhe des Scheitels der Okuli, die zwischen den Eckfialen auf jeder Seite des Turms eingelassen wurden, ein neuer horizontaler Bauhorizont geschaffen. Für die auf diesem Horizont ansetzenden Mauerpartien wurde wiederum in erster Linie Kalktuff verwendet. Lediglich die pyramidalen Abschlüsse der Fialen und die Schrägen des Gesimses auf dem das Glockengeschoss ansetzt, wurden aus Stubensandstein gearbeitet. Der hohe Turmhelm wurde ebenfalls aus diesem Material erstellt.
Vermutlich wurden im Rahmen der Umbau- und Erweiterungsmaßnahmen die Oberflächen der mittelalterlichen Bauteile komplett überarbeitet. Das bedeutet vor allem, dass der Verputz, der die verbleibenden Außenwände der mittelalterlichen Bauteile bedeckte, größtenteils beseitigt wurde. Die nunmehr steinsichtigen Oberflächen der Westfassade und des Kirchturms dürften anschließend ganzflächig neu verfugt und scharriert worden sein, wobei die Scharrierung senkrecht angelegt wurde. Demzufolge sind kaum noch mittelalterliche Bearbeitungsspuren erhalten geblieben.
Am Turm wurden die Laibungen mehrerer romanischer Lichtscharten erneuert und deren äußere Öffnungen vergrößert. Dabei wurde als Form ein nach allen Seiten hin breit abgefastes Rundbogenfenster gewählt. Dieselbe Form und Größe tritt auch an zwei Fenstern auf, die an der Westfassade wurden in der oberen Hälfte der beiden äußeren Blendbögen der romanischen Blendarkatur neu erstellt wurden.
Gemäß im Pfarrhaus lagernder Akten wurden die Zuganker, die unterhalb des neuen Turmaufsatzes eingefügt wurden, vom Hüttenwerk Wasseralfingen geliefert.
Betroffene Gebäudeteile:
keine
8. Bauphase:
(1900 - 1999)
(1900 - 1999)
Im 20. Jahrhundert wurden an der Kirche keine tiefgreifenden baulichen Veränderungen mehr vorgenommen.
Am Außenbau wurden mehrfach Instandsetzungsmaßnahmen getätigt. Dabei wurden unter anderem die Westfassade und die Außenwände des Turms neu verfugt. Auch wurden die seitlichen Quader der Fensteröffnungen, die im Rahmen des Umbaus an der Westfassade neu erstellt und am Kirchturm überarbeitet wurden, erneuert.
Am Außenbau wurden mehrfach Instandsetzungsmaßnahmen getätigt. Dabei wurden unter anderem die Westfassade und die Außenwände des Turms neu verfugt. Auch wurden die seitlichen Quader der Fensteröffnungen, die im Rahmen des Umbaus an der Westfassade neu erstellt und am Kirchturm überarbeitet wurden, erneuert.
Betroffene Gebäudeteile:
keine
9. Bauphase:
(1917)
(1917)
Demontage zweier Kirchenglocken (a).
Betroffene Gebäudeteile:
keine
10. Bauphase:
(1944)
(1944)
Demontage dreier weiterer Kirchenglocken (a).
Betroffene Gebäudeteile:
keine
11. Bauphase:
(1946)
(1946)
Ausbesserungen am Dach der Kirche (i).
Betroffene Gebäudeteile:
keine
12. Bauphase:
(1950)
(1950)
Ergänzung des Geläuts mit drei neuen Glocken (a).
Betroffene Gebäudeteile:
keine
13. Bauphase:
(1955)
(1955)
Ab 1955 wurde die historistische Innenausstattung schrittweise beseitigt: Ablaugung der hölzernen Emporen, Reinigung der Steinflächen im Innern der Kirche, Schließung der beiden zuvor die Holztonne über dem Mittelschiff durchbrechenden Lichtschächte (a). Allein die Emporen bleiben erhalten deren Farbfassung aber modifiziert wurde.
Betroffene Gebäudeteile:
keine
14. Bauphase:
(1968)
(1968)
Beseitigung zahlreicher historistischer Ausstattungsstücke, Beseitigung der Westempore und an deren Stelle Einbau einer neuen Orgel, im Chor Aufdeckung von Wandmalereien des 17. Jahrhunderts (a).
Betroffene Gebäudeteile:
keine
15. Bauphase:
(2006)
(2006)
Umfassende Sanierung des Kircheninnenraums, neue Farbfassung der Emporenbrüstungen, archäologische Grabung in der Turmkapelle (a).
Betroffene Gebäudeteile:
keine
16. Bauphase:
(2015 - 2016)
(2015 - 2016)
Sanierung Dachhaut und Fassaden (a)
Betroffene Gebäudeteile:
keine
Zugeordnete Dokumentationen
- Turmsanierung Schadensbericht und Maßnahmenkonzept
- Baubegleitende bauhistorische Untersuchung
Beschreibung
Umgebung, Lage:
Die Johanneskirche befindet sich im historischen Ortskern von Wannweil, der sich im Grund des Echaztals, am östlichen Ufer des Flusses von Nord nach Süd erstreckt. Die Kirche steht inmitten einer Grünfläche, die nach Westen von der Wannweiler Hauptstraße gegrenzt wird. Nach Süden wird sie von dem 1996 errichteten neuen Wannweiler Rathaus abgeschlossen. Östlich von ihr verläuft der östliche Ausläufer der Kirchgasse an dessen nördlichem Ende sich das heutige Pfarrhaus erhebt. Nördlich der Kirche und der Grünfläche verläuft die Kirchgasse selbst an deren östlicher Seite das Gemeindehaus steht. Alten Plänen und Ansichten zufolge entspricht die Ausdehnung dieser Grünfläche annähernd der des noch bis mindestens ins späte 17. Jahrhundert burgartig ummauerten Kirchhofs. An dessen Südwestecke erhob sich ehemals der Gasthof Hirsch. Dieser wurde bei der Neuerrichtung des Rathauses Wannweil 1996 abgerissen.
Lagedetail:
- Siedlung
- Stadt
Bauwerkstyp:
- Sakralbauten
- Kirche, allgemein
Baukörper/Objektform (Kurzbeschreibung):
Die Kirche weist Abmessungen von rund 17 m x 21 m auf und ist dreischiffig. Jedes der Schiffe wird nach Osten hin von einer Art polygonalen Apsis bzw. einem 5/8-Chor abgeschlossen. Dagegen enden das nördliche Seitenschiff und das Mittelschiff im Westen flach. Jedoch springt am westlichen Ende der Außenwand des nördlichen Seitenschiffs ein polygonaler Risalit apsisartig über die Flucht der Mauer nach Norden vor. Am westlichen Ende des südlichen Seitenschiffs erhebt sich wiederum der quadratische Kirchturm dessen östliche Außenwand einheitlich mit dem Westabschluss des Mittelschiffs und des nördlichen Seitenschiffs fluchtet.
Über dem Mittelschiff erstreckt sich ein hohes und spitzes Satteldach, das ununterbrochen, lediglich sich in seiner Neigung ändernd in die Dachflächen über den Seitenschiffen übergeht. Die Dachfläche über dem nördlichen Seitenschiff wird nach Osten durch ein senkrecht dazu stehendes Satteldach begrenzt, das nach Norden einen senkrechten Giebel ausbildet. Diesem steht am östlichen Ende des nördlichen Seitenschiffdachs ein entsprechendes Satteldach gegenüber, das aber entgegen dem Risalit der an ihrem westlichen Ende vor die Flucht der Außenmauer des Seitenschiffs springt, einen polygonalen nördlichen Abschluss aufweist.
Die Außenwände des Turms steigen bis zu einer Höhe von 10,5 m ganzflächig senkrecht auf. Darüber werden durch beidseitig jeder Ecke des Turmschafts positionierte keilförmige, senkrecht verlaufende Rücksprünge polygonale Eckfialen ausgebildet und gleichzeitig der Turmschaft in einen oktogonalen Grundriss überführt. Über einer Gesimsschräge sitzt dann in einer Höhe von 14 m die laternenartige, 4 m hohe Glockenkammer des Turms auf, die wiederum von einem 14 m hohen, vollständig in Stein ausgeführten Turmhelm bekrönt wird.
Über dem Mittelschiff erstreckt sich ein hohes und spitzes Satteldach, das ununterbrochen, lediglich sich in seiner Neigung ändernd in die Dachflächen über den Seitenschiffen übergeht. Die Dachfläche über dem nördlichen Seitenschiff wird nach Osten durch ein senkrecht dazu stehendes Satteldach begrenzt, das nach Norden einen senkrechten Giebel ausbildet. Diesem steht am östlichen Ende des nördlichen Seitenschiffdachs ein entsprechendes Satteldach gegenüber, das aber entgegen dem Risalit der an ihrem westlichen Ende vor die Flucht der Außenmauer des Seitenschiffs springt, einen polygonalen nördlichen Abschluss aufweist.
Die Außenwände des Turms steigen bis zu einer Höhe von 10,5 m ganzflächig senkrecht auf. Darüber werden durch beidseitig jeder Ecke des Turmschafts positionierte keilförmige, senkrecht verlaufende Rücksprünge polygonale Eckfialen ausgebildet und gleichzeitig der Turmschaft in einen oktogonalen Grundriss überführt. Über einer Gesimsschräge sitzt dann in einer Höhe von 14 m die laternenartige, 4 m hohe Glockenkammer des Turms auf, die wiederum von einem 14 m hohen, vollständig in Stein ausgeführten Turmhelm bekrönt wird.
Innerer Aufbau/Grundriss/
Zonierung:
Zonierung:
Grundrissstruktur
Der Innenraum der Wannweiler Johanneskirche ist eine dreischiffige Halle. Man betritt sie von Westen her durch ein zentral in der Westfassade angeordnetes kleines Portal. Der Innenraum wird lediglich durch Stützenreihen gegliedert, welche die hölzernen Emporen tragen. In der Südwestecke des Raums ist der Kirchturm eingestellt. Sein Innenraum ist von Norden her durch eine Tür zu betreten. Die beiden chorartigen Abschlüsse der beiden Seitenschiffe werden durch Querwände vom Hauptraum der Kirche abgetrennt, sind aber jeweils durch Türen mit ihm verbunden. Der nördliche nimmt die Sakristei und der südliche einen Treppenaufgang auf, der auf die südliche Empore führt. An der Nordwestecke des Innenraums der Kirche bildet ein weiter Treppenaufgang, der nach Norden apsisartig vor die Flucht der Außenwand des nördlichen Seitenschiffs springt, ein Pendant dazu. Dieser Aufgang erschließt wiederum in erster Linie die nördliche Empore. Auf einer Plattform, welche die beiden Emporen am westlichen Ende des Mittelschiffs verbindet ist die Kirchenorgel installiert. Unmittelbar südlich von ihr vermittelt eine Türöffnung, welche die Nordwand des ersten Obergeschosses des Kirchturms durchbricht, den Zugang in selbes. Hölzerne Treppen führen von dort aus bis ins dritte Obergeschoss des Turms. Eine hölzerne Leiter vermittelt schließlich den Zugang zur Glockenstube bzw. dem vierten Obergeschoss des Turms.
Der Innenraum der Wannweiler Johanneskirche ist eine dreischiffige Halle. Man betritt sie von Westen her durch ein zentral in der Westfassade angeordnetes kleines Portal. Der Innenraum wird lediglich durch Stützenreihen gegliedert, welche die hölzernen Emporen tragen. In der Südwestecke des Raums ist der Kirchturm eingestellt. Sein Innenraum ist von Norden her durch eine Tür zu betreten. Die beiden chorartigen Abschlüsse der beiden Seitenschiffe werden durch Querwände vom Hauptraum der Kirche abgetrennt, sind aber jeweils durch Türen mit ihm verbunden. Der nördliche nimmt die Sakristei und der südliche einen Treppenaufgang auf, der auf die südliche Empore führt. An der Nordwestecke des Innenraums der Kirche bildet ein weiter Treppenaufgang, der nach Norden apsisartig vor die Flucht der Außenwand des nördlichen Seitenschiffs springt, ein Pendant dazu. Dieser Aufgang erschließt wiederum in erster Linie die nördliche Empore. Auf einer Plattform, welche die beiden Emporen am westlichen Ende des Mittelschiffs verbindet ist die Kirchenorgel installiert. Unmittelbar südlich von ihr vermittelt eine Türöffnung, welche die Nordwand des ersten Obergeschosses des Kirchturms durchbricht, den Zugang in selbes. Hölzerne Treppen führen von dort aus bis ins dritte Obergeschoss des Turms. Eine hölzerne Leiter vermittelt schließlich den Zugang zur Glockenstube bzw. dem vierten Obergeschoss des Turms.
Vorgefundener Zustand (z.B. Schäden, Vorzustand):
Schadensbild Außenfassade des Kirchenturmes
Biogene Ablagerungen
Biogene Ablagerungen auf dem Naturstein sind in Form von Vergrünungen, also Moosen, Flechten und Algen, aber auch als tierische Ablagerungen, in der Regel Vogelkot, anzutreffen. Der Bewuchs wird grundsätzlich durch einen entsprechenden Feuchtehaushalt gefördert, Kotablagerungen durch günstige Ansitzmöglichkeiten für Vögel auf horizontalen Absätzen wie Gesimsen, Sohlbänken, etc.
Die größten Beeinträchtigungen durch Ansiedelung von Mikroorganismen finden sich am steinernen Turmhelm und den Ecktürmchen. Auf dem Dach haben sich bedingt durch die Lage flächig Flechten und Moose angesiedelt.
Wurzelnde Moospolster auf den Fugen des Chordachs führen zur Zermürbung der Mörtel, z. T. sind die Mörtel abgerissen, so dass Regen ungehindert in das Mauerwerk eindringen kann.
Weitere Bewuchszonen finden sich unter Vorsprüngen der Fassadenflächen, Gesimsen und Sohlbänken als auch im gesamten Sockelbereich. Der eigentlich grüne Bewuchs zeichnet sich vorwiegend als schwärzlicher Biofilm auf den Oberflächen ab. Einige Bereiche mit stehendem Wasser oder Gebäudekanten, an denen die Wasserableitung gestört ist, sind mit grünem Belag bedeckt. Vereinzelt finden sich wurzelnde Moospolster auf den Oberkanten von Sockelsteine oder den Steinflächen des Turmhelms. Der Sandstein dient den Mikroorganismen als Nährboden, was, neben ihren hohen Feuchtespeicherkapazitäten, den Steinzerfall begünstigt.
Steinschäden
Der regionale Sandstein ist an etlichen Stellen in unterschiedlichem Grad entfestigt. Die Entfestigung erfolgte teils lagerig, also der petrografischen Schichtung folgend. Ursächlich für diesen Schaden ist die steinimmanente Eigenschaft der Schichtung des Sedimentgesteins, durch Erosion (Wind und Regen) werden die Bindemittel ausgewaschen, auch temperaturbedingte Belastungen können Ursachen von Schäden wie schichtparallelen Rissen sein. Kennzeichnend sind die verloren gegangenen mineralischen Bindungen in einer bereits entstehungsgeschichtlich angelegten geschwächten Schicht des Steins. In der Regel wurden die Steine so verbaut, dass das Lager horizontal ansteht.
Neben der lagerigen Entfestigung ist auch ein oberflächiges Entfestigen festzustellen, das in verschiedenen Intensitäten von leichtem Absanden über Abschuppen bis hin zu Schalen- oder Krustenbildung und Mehrfachschalen vorliegt. Hier ist ein lagerunabhängiges Entfestigen des Steingefüges an der Oberfläche zu beobachten, bei dem der Mineral- und Salztransport aus dem Stein an die Oberfläche und ein Auswaschen der mineralischen Bindungen an der Oberfläche ursächlich ist. Je nach Ablauf des Schadensprozesses sind entweder die Entfestigungen oder Verdichtungen an der Oberfläche dominant. Bei oberflächigen Entfestigungen sind je nach Fortschritt und Intensität des Schadens Absanden, Abschuppen und Mehrfachschalen festzustellen. Bei oberflächigen Verdichtungen wird die Diffusionsfähigkeit des Steins eingeschränkt, anstehende Feuchte entfestigt hier den tiefer liegenden Bereich des Steins, wodurch Krusten und Schalen entstehen.
Im Mauerwerk sind grundsätzlich auch Salzwanderungen (Transport gelöster Salze in Wasser durch den Stein) zu beobachten, diese sind zu unterscheiden in der Art der Ausfällung der Salze.
Effloreszenzen, also Ausfällungen
an der Oberfläche, sind thematisch den oberflächigen Entfestigungen zuzuordnen; Subfloreszenzen, also Ausblühungen unter der Steinoberfläche, sind dem Bereich der oberflächigen Verdichtung und Schalenbildung zuzuordnen.
Die Steine sind vereinzelt auch durch Risse und Brüche geschädigt, die nicht in Verbindung mit der Lagerrichtung des Steins stehen. Die Ausbrüche sind im Gegensatz zu Abwitterungen durch eine klare Bruchkante gekennzeichnet.
Hier sind teils die Volumenvergrößerungen durch Korrosion von Eisen, teils auch Bewegungen im Gebäude ursächlich.
Schmutzkrusten
Dunkle Verschmutzungen der Steinoberflächen mit Tendenz zu Krustenbildung wurde verstärkt an den Untersichten der Gesimse und im Traufbereich des Turmhelms festgestellt. Ebenso haben sich in Nachbarschaft zu klassischen Wasserablaufzonen dunkle Schmutzfahnen gebildet wie sie typischerweise unterhalb von Fensterbänken anzutreffen sind. Diese Steinkrusten erzeugen eine stark verdichtete Oberfläche, was den Feuchtetransport behindert. Typisch für die Schadwirkung sind Aufplatzen, Abheben und auch Schüsselbildung der verkrusteten Schicht und eine zermürbte Steinsubstanz darunter. Diese Zerfallsmechanismen sind an den Untersichten des Traufgesims am Turmhelm anzutreffen.
Absanden/ Abschuppen
Zu einem weiteren nur vereinzelt auftretenden Schadensbild an den Fassaden der Kirche gehört oberflächiges Absanden bis hin zu feinteiligen oberflächenparallelen Abschuppungen, was einen Verlust der ursprünglichen Oberfläche bedeutet. Das Schadensphänomen ist besonders entlang ungeeigneter Fugenmörtel, an Sandsteingewänden, am Eingangsportal der Westseite und den auf Stein gefassten Turmuhren anzutreffen. Hier als Folgeerscheinung teilweise ungeeigneter mehrlagiger Malschichten. Die jüngste Fassung augenscheinlich mit hohem Dispersionsanteil und daraus resultierend stark abdichtender Wirkung.
Dadurch verursacht treten Absanden bis hin zum Abschuppungen und oberflächenparallele Schalen mit wenigen Millimetern Stärke auf.
Das Schadenspotential durch Absanden und Abschuppen ist im Vergleich zu anderen Bauwerken jedoch insgesamt niedrig.
Schalenbildung
Die gesamten Steinoberflächen zeigen insgesamt kaum Schalenbildung. Kleinere und größere Schalen sind gehäuft an den steil abfallenden Fenstersohlbänken festzustellen.
An einigen Stellen der Ecktürmchen, in der Fläche des Turmschafts und im Sockelbereich sind vereinzelt oberflächenparallele Schalen festzustellen, deren Schalenstärke zwischen wenigen Millimetern bis zu 1-2 cm schwanken.
Risse
Lagerhafte wie auch richtungslose feine Risse in den Flächen der Werksteine wurden über die gesamten Fassadenflächen vereinzelt festgestellt.
Neben den am Turmschaft und der westlichen Giebelseite teilweise über mehrere Steinlagen durchgehenden Rissbild, bedingt durch statische Verformungen, findet sich in der Fassadenfläche ein ausgeprägtes Rissbild an den weit über die Lagerfuge hinausgestrichenen Fugenmörteln.
Die Mörtel vieler Fugen sind mehrfach gerissen oder bröckeln heraus, da sie aufgrund ihrer Härte und Sprödigkeit Bewegungen im Mauerwerk nicht abfedern können. In diesem Zustand können sie ihre Aufgabe als Verschleißschicht im Mauerwerk nicht mehr erfüllen, stattdessen fördern sie die Durchfeuchtung des Mauerwerks.
Der jüngere Fugenmörtel, vermtl. aus der Umbaumaßnahme im Jahr 1890/91, am Westgiebel und dem Turmschaft ist häufig mehrfach gerissen oder weißt offene, geschädigte Fugenflanken auf. Hierdurch wird der Wassereintrag ins Mauerwerk gefördert.
Das Fugennetz des Steindachs ist größtenteils stark rückgewittert und schadhaft. Einige Fugen stehen offen, Moose und Pflanzen wachsen durch die erhaltenen Fugenmassen hindurch und drücken sie raus. Regenwasser kann somit ins Mauerwerk eindringen. Gleiches lässt sich hinsichtlich der Einbettungsmörtel der Eisenklammern sagen, welche von Pflanzen und Moosen durchwachsen sind und zerbröckeln.
Mörtelergänzungen
Gleichermaßen geschädigt sind einige der Mörtelantragungen an den Werksteinen des Turmschafts. Einige der Antragungen weisen Risse auf oder stehen schalig ab, bis hin zur potentiellen Gefährdung durch Abgängigkeit.
Die Antragungen um die Windeisen der Fenster sind ungeeignet und müssen erneuert werden.
Ausbrüche/ Fehlstellen
An der Spitze der Kreuzblume am Turmhelm gibt es eine größere Ausbruchstelle. Das fehlende Steinteile wurde ursächlich durch Rostsprengung der korrodierten Verankerung des Kreuzblumenaufsatzes weggedrückt.
Weitere Fehlstellen finden sich vereinzelt in der Steinfläche des Turmschafts und der Ecktürmchen, ursächlich durch abgängige Steinschalen mit gewisser Tiefe.
Eisenteile
Die Eisenklammern am Dach zeigen einen guten Zustand. Oberflächig ist zwar eine leichte Anrostung festzustellen, die jedoch wenig reaktiv ist. Unklar bleibt, wie gut die Klammern noch Zugkräfte aufnehmen können, da sich die Einbettungsmörtel in desolatem Zustand befinden.
Biogene Ablagerungen
Biogene Ablagerungen auf dem Naturstein sind in Form von Vergrünungen, also Moosen, Flechten und Algen, aber auch als tierische Ablagerungen, in der Regel Vogelkot, anzutreffen. Der Bewuchs wird grundsätzlich durch einen entsprechenden Feuchtehaushalt gefördert, Kotablagerungen durch günstige Ansitzmöglichkeiten für Vögel auf horizontalen Absätzen wie Gesimsen, Sohlbänken, etc.
Die größten Beeinträchtigungen durch Ansiedelung von Mikroorganismen finden sich am steinernen Turmhelm und den Ecktürmchen. Auf dem Dach haben sich bedingt durch die Lage flächig Flechten und Moose angesiedelt.
Wurzelnde Moospolster auf den Fugen des Chordachs führen zur Zermürbung der Mörtel, z. T. sind die Mörtel abgerissen, so dass Regen ungehindert in das Mauerwerk eindringen kann.
Weitere Bewuchszonen finden sich unter Vorsprüngen der Fassadenflächen, Gesimsen und Sohlbänken als auch im gesamten Sockelbereich. Der eigentlich grüne Bewuchs zeichnet sich vorwiegend als schwärzlicher Biofilm auf den Oberflächen ab. Einige Bereiche mit stehendem Wasser oder Gebäudekanten, an denen die Wasserableitung gestört ist, sind mit grünem Belag bedeckt. Vereinzelt finden sich wurzelnde Moospolster auf den Oberkanten von Sockelsteine oder den Steinflächen des Turmhelms. Der Sandstein dient den Mikroorganismen als Nährboden, was, neben ihren hohen Feuchtespeicherkapazitäten, den Steinzerfall begünstigt.
Steinschäden
Der regionale Sandstein ist an etlichen Stellen in unterschiedlichem Grad entfestigt. Die Entfestigung erfolgte teils lagerig, also der petrografischen Schichtung folgend. Ursächlich für diesen Schaden ist die steinimmanente Eigenschaft der Schichtung des Sedimentgesteins, durch Erosion (Wind und Regen) werden die Bindemittel ausgewaschen, auch temperaturbedingte Belastungen können Ursachen von Schäden wie schichtparallelen Rissen sein. Kennzeichnend sind die verloren gegangenen mineralischen Bindungen in einer bereits entstehungsgeschichtlich angelegten geschwächten Schicht des Steins. In der Regel wurden die Steine so verbaut, dass das Lager horizontal ansteht.
Neben der lagerigen Entfestigung ist auch ein oberflächiges Entfestigen festzustellen, das in verschiedenen Intensitäten von leichtem Absanden über Abschuppen bis hin zu Schalen- oder Krustenbildung und Mehrfachschalen vorliegt. Hier ist ein lagerunabhängiges Entfestigen des Steingefüges an der Oberfläche zu beobachten, bei dem der Mineral- und Salztransport aus dem Stein an die Oberfläche und ein Auswaschen der mineralischen Bindungen an der Oberfläche ursächlich ist. Je nach Ablauf des Schadensprozesses sind entweder die Entfestigungen oder Verdichtungen an der Oberfläche dominant. Bei oberflächigen Entfestigungen sind je nach Fortschritt und Intensität des Schadens Absanden, Abschuppen und Mehrfachschalen festzustellen. Bei oberflächigen Verdichtungen wird die Diffusionsfähigkeit des Steins eingeschränkt, anstehende Feuchte entfestigt hier den tiefer liegenden Bereich des Steins, wodurch Krusten und Schalen entstehen.
Im Mauerwerk sind grundsätzlich auch Salzwanderungen (Transport gelöster Salze in Wasser durch den Stein) zu beobachten, diese sind zu unterscheiden in der Art der Ausfällung der Salze.
Effloreszenzen, also Ausfällungen
an der Oberfläche, sind thematisch den oberflächigen Entfestigungen zuzuordnen; Subfloreszenzen, also Ausblühungen unter der Steinoberfläche, sind dem Bereich der oberflächigen Verdichtung und Schalenbildung zuzuordnen.
Die Steine sind vereinzelt auch durch Risse und Brüche geschädigt, die nicht in Verbindung mit der Lagerrichtung des Steins stehen. Die Ausbrüche sind im Gegensatz zu Abwitterungen durch eine klare Bruchkante gekennzeichnet.
Hier sind teils die Volumenvergrößerungen durch Korrosion von Eisen, teils auch Bewegungen im Gebäude ursächlich.
Schmutzkrusten
Dunkle Verschmutzungen der Steinoberflächen mit Tendenz zu Krustenbildung wurde verstärkt an den Untersichten der Gesimse und im Traufbereich des Turmhelms festgestellt. Ebenso haben sich in Nachbarschaft zu klassischen Wasserablaufzonen dunkle Schmutzfahnen gebildet wie sie typischerweise unterhalb von Fensterbänken anzutreffen sind. Diese Steinkrusten erzeugen eine stark verdichtete Oberfläche, was den Feuchtetransport behindert. Typisch für die Schadwirkung sind Aufplatzen, Abheben und auch Schüsselbildung der verkrusteten Schicht und eine zermürbte Steinsubstanz darunter. Diese Zerfallsmechanismen sind an den Untersichten des Traufgesims am Turmhelm anzutreffen.
Absanden/ Abschuppen
Zu einem weiteren nur vereinzelt auftretenden Schadensbild an den Fassaden der Kirche gehört oberflächiges Absanden bis hin zu feinteiligen oberflächenparallelen Abschuppungen, was einen Verlust der ursprünglichen Oberfläche bedeutet. Das Schadensphänomen ist besonders entlang ungeeigneter Fugenmörtel, an Sandsteingewänden, am Eingangsportal der Westseite und den auf Stein gefassten Turmuhren anzutreffen. Hier als Folgeerscheinung teilweise ungeeigneter mehrlagiger Malschichten. Die jüngste Fassung augenscheinlich mit hohem Dispersionsanteil und daraus resultierend stark abdichtender Wirkung.
Dadurch verursacht treten Absanden bis hin zum Abschuppungen und oberflächenparallele Schalen mit wenigen Millimetern Stärke auf.
Das Schadenspotential durch Absanden und Abschuppen ist im Vergleich zu anderen Bauwerken jedoch insgesamt niedrig.
Schalenbildung
Die gesamten Steinoberflächen zeigen insgesamt kaum Schalenbildung. Kleinere und größere Schalen sind gehäuft an den steil abfallenden Fenstersohlbänken festzustellen.
An einigen Stellen der Ecktürmchen, in der Fläche des Turmschafts und im Sockelbereich sind vereinzelt oberflächenparallele Schalen festzustellen, deren Schalenstärke zwischen wenigen Millimetern bis zu 1-2 cm schwanken.
Risse
Lagerhafte wie auch richtungslose feine Risse in den Flächen der Werksteine wurden über die gesamten Fassadenflächen vereinzelt festgestellt.
Neben den am Turmschaft und der westlichen Giebelseite teilweise über mehrere Steinlagen durchgehenden Rissbild, bedingt durch statische Verformungen, findet sich in der Fassadenfläche ein ausgeprägtes Rissbild an den weit über die Lagerfuge hinausgestrichenen Fugenmörteln.
Die Mörtel vieler Fugen sind mehrfach gerissen oder bröckeln heraus, da sie aufgrund ihrer Härte und Sprödigkeit Bewegungen im Mauerwerk nicht abfedern können. In diesem Zustand können sie ihre Aufgabe als Verschleißschicht im Mauerwerk nicht mehr erfüllen, stattdessen fördern sie die Durchfeuchtung des Mauerwerks.
Der jüngere Fugenmörtel, vermtl. aus der Umbaumaßnahme im Jahr 1890/91, am Westgiebel und dem Turmschaft ist häufig mehrfach gerissen oder weißt offene, geschädigte Fugenflanken auf. Hierdurch wird der Wassereintrag ins Mauerwerk gefördert.
Das Fugennetz des Steindachs ist größtenteils stark rückgewittert und schadhaft. Einige Fugen stehen offen, Moose und Pflanzen wachsen durch die erhaltenen Fugenmassen hindurch und drücken sie raus. Regenwasser kann somit ins Mauerwerk eindringen. Gleiches lässt sich hinsichtlich der Einbettungsmörtel der Eisenklammern sagen, welche von Pflanzen und Moosen durchwachsen sind und zerbröckeln.
Mörtelergänzungen
Gleichermaßen geschädigt sind einige der Mörtelantragungen an den Werksteinen des Turmschafts. Einige der Antragungen weisen Risse auf oder stehen schalig ab, bis hin zur potentiellen Gefährdung durch Abgängigkeit.
Die Antragungen um die Windeisen der Fenster sind ungeeignet und müssen erneuert werden.
Ausbrüche/ Fehlstellen
An der Spitze der Kreuzblume am Turmhelm gibt es eine größere Ausbruchstelle. Das fehlende Steinteile wurde ursächlich durch Rostsprengung der korrodierten Verankerung des Kreuzblumenaufsatzes weggedrückt.
Weitere Fehlstellen finden sich vereinzelt in der Steinfläche des Turmschafts und der Ecktürmchen, ursächlich durch abgängige Steinschalen mit gewisser Tiefe.
Eisenteile
Die Eisenklammern am Dach zeigen einen guten Zustand. Oberflächig ist zwar eine leichte Anrostung festzustellen, die jedoch wenig reaktiv ist. Unklar bleibt, wie gut die Klammern noch Zugkräfte aufnehmen können, da sich die Einbettungsmörtel in desolatem Zustand befinden.
Bestand/Ausstattung:
keine Angaben
Konstruktionen
Konstruktionsdetail:
- Dachform
- Satteldach
- Schleppdach
- Verwendete Materialien
- Beton
- Metall allgemein
- Stein
- Steinbau Mauerwerk
- Backstein
- Quader
- Gewölbe
- Kreuzgratgewölbe
- Dachgerüst Grundsystem
- Balkendach
Konstruktion/Material:
Konstruktion und Fassadengestaltung
Die Mauern der Johanneskirche sind nahezu vollständig aus Naturstein ausgeführt. Dabei lassen sich die mittelalterlichen Bauteile von den im späten 19. Jahrhundert insofern leicht unterscheiden, als die Außenschalen der letzteren größtenteils aus sauber zugerichteten Kalktuffquadern bestehen, die am Albtrauf gebrochen worden sein müssen („Gönninger Kalktuff“). Dagegen sind die hoch- und mittelalterlichen Bauteile, d.h. insbesondere der Chor des Mittelschiffs, sowie dessen Westfassade und der Turmschaft aus dem in der Region üblichen Stubensandstein aufgemauert („Pliezhäuser Sandstein“).
Unabhängig davon, welcher Bauphase der jeweilige Bauteil zuzuschreiben ist und unabhängig davon ob er sich am Außenbau oder im Innern der Kirche befindet, sind Werkstücke, d.h. Konsolen, Gesimse, Maßwerke, Kapitelle etc., aus diesem Material gearbeitet. Backstein wurde vor allem in der Ausbauphase des 19. Jahrhunderts an Scheitelkappen über Maueröffnungen vermauert.
Über dem Mittelschiff spannt sich eine frei tragende, gedrückt spitzbogige Holztonne, die in konstruktivem Verbund mit den Sparren steht, die die Dachhaut tragen. Über den Seitenschiffen sind einfache Schleppdächer angebracht.
Über dem Erdgeschoss im Innern des Turms spannt sich ein aus Naturstein gemauertes Kreuzgratgewölbe. Die drei folgenden Geschosse werden durch einfache Balkendecken voneinander getrennt. Zwischen dem dritten Obergeschoss des Turms und der Glockenstube sowie zwischen der letztgenannten und dem Turmhelm sind dagegen durch Stahlträger verstärkte Betondecken eingezogen.
Der Turmhelm ist einschalig aus Stubensandsteinquadern aufgemauert. Vereinzelt werden die Quaderschichten durch Metallklammern zusammengehalten, welche die jeweilige Lagerfuge zwischen zwei Schichten übergreifen.
Um dem Druck, der durch die Last des Turmabschlusses – inklusive der Glockenkammer – auf den Turmschaft einwirkt, auszugleichen, sind auf Höhe des dritten Obergeschosses vier Zuganker angebracht, die jeweils von einer Ecke des Turms diagonal durch dessen Wände ins Zentrum des Turminnenraums laufen, wo sie von einem starken Stahlring zusammen gehalten werden.
Die Außenfassaden des Turms und die Westfassade des Mittelschiffs, die im Fokus der vorliegenden Untersuchung stehen, sind schlicht gehalten. Erstere steigen ohne Ausbildung eines Sockelabsatzes am Turmfuß bis zum Ansatz des dritten Obergeschosses senkrecht auf. Die Mauern des Erdgeschosses sowie der drei Obergeschosse werden nach Westen und nach Süden hin von rundbogigen Fenstern durchbrochen deren Laibungen nach außen hin breit abgefast sind. Das vierte Obergeschoss weist auf allen vier Seiten ein runden Okulus auf dessen Laibung ebenfalls jeweils breit gefast ist.
Die Westfassade, die noch nahezu gänzlich, der ersten Bauphase entstammt, zeigt eine bemerkenswerte Gestaltung. Während das hohe Giebelfeld sich als homogene Fläche präsentiert, die lediglich von einer kleinen kreuzförmigen Öffnung durchbrochen wird, wird die Fassade darunter mittels dreier Blendbögen gegliedert, deren mittlerer die beiden ihn symmetrisch flankierenden geringfügig an Höhe übertrifft. Die derart gerahmten Blenden reichen nicht bis zum Bodenniveau des Vorfelds der Fassade. Stattdessen setzen sie in einer Höhe von 80 cm über diesem an. Die Lisenen zwischen den Bogenfeldern werden an ihrem oberen Ende von figürlichen Kapitellen abgeschlossen.
Im Scheitel der mittleren Blende ist ein Okulus von rund 50 cm Durchmesser angeordnet. Seine Laibung ist einfach getreppt. Darunter befindet sich der Hauptzugang zur Kirche, der durch einen historistischen Portikus angemessen inszeniert wird.
In den beiden seitlichen Blenden ist auf Höhe der Orgelempore im Innern der Kirche jeweils ein Rundbogenfenster mit breit abgefasten Laibungen angeordnet.
Die Außenwände der Seitenschiffe sowie die der chorartigen östlichen Abschlüsse beider Seitenschiffe werden durch einen umlaufenden Sockelabsatz einerseits und eine regelmäßige Anordnung neogotischer Fenster andererseits gegliedert. Letztere präsentiert sich an den Außenwänden der Seitenschiffe zweigeschossig und bildet so die Unterteilung des Innenraums der Kirche mittels der Emporen ab. Während es sich bei der unteren Fensterreihe um einfache Spitzbogenfenster – einzeln oder als Biforien – handelt, sind beinahe alle Fenster der oberen Rei-he als Maßwerkfenster ausgebildet.
Der spätgotische Chor weist ebenfalls einen Sockelabsatz auf; jedoch wird in seinem Fall das östliche und somit das die Kirche nach Osten hin abschließende Mauersegment nicht von einem Maßwerkfenster durchbrochen. Dies gilt auch für das südliche Segment des Chors. Alle anderen weisen dagegen Maßwerkfenster auf. Auf Höhe der Sohlbank der Fenster wird der Chor von einem einfachen Gesims umlaufen.
Die Mauern der Johanneskirche sind nahezu vollständig aus Naturstein ausgeführt. Dabei lassen sich die mittelalterlichen Bauteile von den im späten 19. Jahrhundert insofern leicht unterscheiden, als die Außenschalen der letzteren größtenteils aus sauber zugerichteten Kalktuffquadern bestehen, die am Albtrauf gebrochen worden sein müssen („Gönninger Kalktuff“). Dagegen sind die hoch- und mittelalterlichen Bauteile, d.h. insbesondere der Chor des Mittelschiffs, sowie dessen Westfassade und der Turmschaft aus dem in der Region üblichen Stubensandstein aufgemauert („Pliezhäuser Sandstein“).
Unabhängig davon, welcher Bauphase der jeweilige Bauteil zuzuschreiben ist und unabhängig davon ob er sich am Außenbau oder im Innern der Kirche befindet, sind Werkstücke, d.h. Konsolen, Gesimse, Maßwerke, Kapitelle etc., aus diesem Material gearbeitet. Backstein wurde vor allem in der Ausbauphase des 19. Jahrhunderts an Scheitelkappen über Maueröffnungen vermauert.
Über dem Mittelschiff spannt sich eine frei tragende, gedrückt spitzbogige Holztonne, die in konstruktivem Verbund mit den Sparren steht, die die Dachhaut tragen. Über den Seitenschiffen sind einfache Schleppdächer angebracht.
Über dem Erdgeschoss im Innern des Turms spannt sich ein aus Naturstein gemauertes Kreuzgratgewölbe. Die drei folgenden Geschosse werden durch einfache Balkendecken voneinander getrennt. Zwischen dem dritten Obergeschoss des Turms und der Glockenstube sowie zwischen der letztgenannten und dem Turmhelm sind dagegen durch Stahlträger verstärkte Betondecken eingezogen.
Der Turmhelm ist einschalig aus Stubensandsteinquadern aufgemauert. Vereinzelt werden die Quaderschichten durch Metallklammern zusammengehalten, welche die jeweilige Lagerfuge zwischen zwei Schichten übergreifen.
Um dem Druck, der durch die Last des Turmabschlusses – inklusive der Glockenkammer – auf den Turmschaft einwirkt, auszugleichen, sind auf Höhe des dritten Obergeschosses vier Zuganker angebracht, die jeweils von einer Ecke des Turms diagonal durch dessen Wände ins Zentrum des Turminnenraums laufen, wo sie von einem starken Stahlring zusammen gehalten werden.
Die Außenfassaden des Turms und die Westfassade des Mittelschiffs, die im Fokus der vorliegenden Untersuchung stehen, sind schlicht gehalten. Erstere steigen ohne Ausbildung eines Sockelabsatzes am Turmfuß bis zum Ansatz des dritten Obergeschosses senkrecht auf. Die Mauern des Erdgeschosses sowie der drei Obergeschosse werden nach Westen und nach Süden hin von rundbogigen Fenstern durchbrochen deren Laibungen nach außen hin breit abgefast sind. Das vierte Obergeschoss weist auf allen vier Seiten ein runden Okulus auf dessen Laibung ebenfalls jeweils breit gefast ist.
Die Westfassade, die noch nahezu gänzlich, der ersten Bauphase entstammt, zeigt eine bemerkenswerte Gestaltung. Während das hohe Giebelfeld sich als homogene Fläche präsentiert, die lediglich von einer kleinen kreuzförmigen Öffnung durchbrochen wird, wird die Fassade darunter mittels dreier Blendbögen gegliedert, deren mittlerer die beiden ihn symmetrisch flankierenden geringfügig an Höhe übertrifft. Die derart gerahmten Blenden reichen nicht bis zum Bodenniveau des Vorfelds der Fassade. Stattdessen setzen sie in einer Höhe von 80 cm über diesem an. Die Lisenen zwischen den Bogenfeldern werden an ihrem oberen Ende von figürlichen Kapitellen abgeschlossen.
Im Scheitel der mittleren Blende ist ein Okulus von rund 50 cm Durchmesser angeordnet. Seine Laibung ist einfach getreppt. Darunter befindet sich der Hauptzugang zur Kirche, der durch einen historistischen Portikus angemessen inszeniert wird.
In den beiden seitlichen Blenden ist auf Höhe der Orgelempore im Innern der Kirche jeweils ein Rundbogenfenster mit breit abgefasten Laibungen angeordnet.
Die Außenwände der Seitenschiffe sowie die der chorartigen östlichen Abschlüsse beider Seitenschiffe werden durch einen umlaufenden Sockelabsatz einerseits und eine regelmäßige Anordnung neogotischer Fenster andererseits gegliedert. Letztere präsentiert sich an den Außenwänden der Seitenschiffe zweigeschossig und bildet so die Unterteilung des Innenraums der Kirche mittels der Emporen ab. Während es sich bei der unteren Fensterreihe um einfache Spitzbogenfenster – einzeln oder als Biforien – handelt, sind beinahe alle Fenster der oberen Rei-he als Maßwerkfenster ausgebildet.
Der spätgotische Chor weist ebenfalls einen Sockelabsatz auf; jedoch wird in seinem Fall das östliche und somit das die Kirche nach Osten hin abschließende Mauersegment nicht von einem Maßwerkfenster durchbrochen. Dies gilt auch für das südliche Segment des Chors. Alle anderen weisen dagegen Maßwerkfenster auf. Auf Höhe der Sohlbank der Fenster wird der Chor von einem einfachen Gesims umlaufen.




