Objekt(6998): Wohn- und Geschäftshaus, Burgstelle Wohn- und Geschäftshaus, Burgstelle

ID: 401315049154
Datum: 01.07.2008
Datenbestand: BauforschungBauforschung
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Information(6998): Wohn- und Geschäftshaus, Burgstelle Objektdaten

Straße: Uferstraße
Hausnummer: 8
Postleitzahl: 72631
Stadt: Grötzingen
Regierungsbezirk: Stuttgart
Kreis: Esslingen (Landkreis)
Gemeinde: Aichtal
Wohnplatz: Grötzingen
Wohnplatzschlüssel: 8116081003
Flurstücknummer: 167/9
Historischer Straßenname: keinerkeiner
Historische Gebäudenummer: keinekeine
Lage des Wohnplatzes
BW
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Objektverknüpfungen(6998): Wohn- und Geschäftshaus, Burgstelle Objektbeziehungen

keinekeine
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Objekt(6998): Wohn- und Geschäftshaus, Burgstelle Umbauzuordnung

keinekeine
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Objekt(6998): Wohn- und Geschäftshaus, Burgstelle Weitere Objekte an diesem Wohnplatz

BauforschungScheune zu Haupthaus (Hindenburgstraße 15), Hindenburgstraße 15 (72631 Aichtal-Grötzingen)
BauforschungWohnhaus mit Scheune (Ev. Gemeindehaus) (72631 Aichtal Grötzingen, Hindenburgstraße 17)
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Bauphasen(6998): Wohn- und Geschäftshaus, Burgstelle Bauphasen

Kurzbeschreibung der Bau-/Objektgeschichte bzw. Baugestaltungs- und Restaurierungsphasen:

Zur Geschichte:
Frühmittelalter: Siedlung im sog. Altgrötzinger Tal.
1075: Erste Nennung „Gretzingan“
Ab 12. Jh.: Nennung Ortsadel von Grötzingen
Nach 1270: Grötzingen kommt in Besitz Diepolds von Bernhausen. Stadtgründung und Verlegung an den Aichübergang im Verlauf der Straße von Stuttgart nach Metzingen/ Urach. In der Folge wird die Siedlung im Altgrötzinger Tal aufgelassen.
Spätestens jetzt erfolgte der Bau der Burg.
1286: Tod Diepolds und Grablege in der Grötzinger Kirche.
1304: Erste Stadtnennung
1337: Verkauf von Stadt und Burg an die Württemberger. In der Folge offenbar Bedeutungsverlust von Burg und Stadt.
1685: Ansicht im Kieserschen Forstlagerbuch. Die Burg auf einer von der Aich umflossenen Insel ist bereits verschwunden.
1952: Aichbegradigung, Beseitigung des Mühlkanals, Planierung des Burghügels.
Die in der Baugrube angeschnittenen Holzbefunde liegen im Bereich des ehemaligen Burghügels. Bei einem 6m langen, bearbeiteten Balken könnte es sich um das Bauholz zu einem Brückenblock handeln. Der Balken wurde um 1272 verbaut. Das Datum dürfte in Verbindung mit der Stadtgründung nach 1270 stehen. Die Fundschicht datiert in das 14. Jh. Der Befund wird durch die Planierungen des Burghügels abgedeckt. Auf diesem konnte 1952 ein Turmfundament (Wohnturm mit Fachwerkaufsatz?) beobachtet werden. Offenbar war hier eine zweiphasige Burganlage vorhanden, die anfangs möglicherweise nur in Holz, später in Stein ausgeformt war. Der Burghügel ist 1952 vollständig eingeebnet worden.
Aus dem Befund ergeben sich verschiedene Fragestellungen hinsichtlich dem Verhältnis von Burg und Stadt Grötzingen, der Lage und Größe der ehemaligen Vorburg (Wirtschaftshof), der damaligen Wegführung sowie dem Bedeutungsverlust (nach Verkauf 1337) und Abgang der Burg bereits in mittelalterlicher Zeit.


1. Bauphase:
(1270 - 1400)
Die Gründung des Städtchen Grötzingen erfolgte nach der bisher bekannten Quellen gegen Ende des 13. Jh., nach 1270 und vor 1304. Das Urdorf im nördlich gelegenen Altgrötzinger Tal wurde in Folge aufgegeben. Die Stadt ist recht planmäßig mit annähernd quadratischem Grundriss angelegt. Südwestlich stand die offenbar gleichzeitig errichtete Burg. Zwischen Burg und Stadt, von letzterer durch den Mühlkanal (1952 beseitigt) getrennt, lag der ehemalige Wirtschaftshof (Kelter, Mühle, Straßennamen: Im Hof und Burgstraße). In den heutigen Parzellengrenzen (siehe auch Katasterpläne des 19. Jahrhunderts) lässt sich noch nördlich der ehemaligen Kelter (1968 abgebrannt) eine auffallende Krümmung beobachten. Möglicherweise endete hier ein älterer Vorburgbereich, der erst später nach Süden hin erweitert wurde. Burg und Kirche liegen offensichtlich in enger Beziehung zueinander und könnten ehemals mit einem Weg direkt verbunden gewesen sein. Weiterhin auffallend ist die nördliche Wegführung der Burgstraße (ehemaliger Stadtausgang?).

Die Burgstelle war bis 1952 als deutliche Geländeerhebung von ca. 40m Durchmesser und ca. 1,2m Höhe vorhanden. Auch der umgebende Graben konnte noch als leichte, ca. 20m breite Mulde nachvollzogen werden. 1952 wurde der Aichlauf begradigt. Er schneidet heute den ehemaligen Burgplatz im Südwesten. In diesem Zusammenhang wurde der Burghügel vollständig eingeebnet. Durch das Landesamt für Denkmalpflege konnte damals der Grundriss eines turmartigen Gebäudes dokumentiert werden. Die ca. 1,5m breiten Mauern des quadratischen, ca. 8 x 8m großen Baukörpers waren nur noch in ihren verfüllten Ausbruchsgruben fassbar. Die Fundamente waren nur wenig in den erhaltenen Burghügel eingetieft. Möglicherweise bestand hier eine Art Wohnturm mit entsprechendem Fachwerkaufsatz. In einer verfüllten Abwassergrube am Turmfuß konnte mittelalterliche Keramik geborgen werden. Diese datiert 13./ 14. Jahrhundert. Leider war damals der Turm von der Lage und höhenmäßig nicht eingemessen worden.
Die 1995 ausgeschachtete Baugrube liegt im Bereich des ehemaligen Burghügels vor der Stadtmauer von Grötzingen. Die Aich war ehemals auch durch den Stadtgraben geführt, so dass sich die Burg in einer geschützten Insellage befand. Dies kann noch auf der Abbildung im Kieserschen Forstlagerbuch um 1685 nachvollzogen werden, obwohl die Burg zu diesem Zeitpunkt bereits abgegangen war. Die Katasterpläne des 19. Jh. zeigen den nun nicht mehr durchflossenen Bacharm noch als Auezone. In der Baugrube konnte nun unter 2,5m starken Aufplanierungen die Schlammzone der Auezone der Aich festgestellt werden. In das schwarzbraune Material waren entsprechende Siedlungsreste als Abfall eingelagert, die nach der Fundkeramik in das 14. Jahrhundert datieren. Ca. 3m unter der heutigen Oberfläche konnten verschiedene, gut erhaltene Hölzer beobachtet werden. Darunter ein ca. 6m langer Balken mit verschiedenen Blattsitzen und Zapfenlöchern. Nach Auskunft der Bauleute lag der Balken auf einem ca. 1,5m langen, wenig in Form gebrachtem Schwellholz, dieses wiederum auf einem senkrecht eingerammten Pfahl. Alle drei Hölzer wurden von der Baufirma geborgen. In den Schachtungen für Punktfundamente konnten weitere offenbar bearbeitete Hölzer beobachtet werden. Diese wurden im Boden belassen. Es muss offen bleiben, ob hier Auflager für Bauteile einer ehemaligen Burg angeschnitten sind. Daneben fanden sich verschiedene Holznägel, die möglicherweise im Zuge des Abbruchs einer entsprechenden Konstruktion in den Boden gelangten. Der geborgene Balken wurde dendrochronologisch untersucht und datiert um 1272. Der Balken dürfte aller Wahrscheinlichkeit nach als Schwellbalken zum Stützblock einer ehemaligen Brücke gehört haben.

Solche Brückenkonstruktionen sind nicht unbekannt. Im englischen Raum sind mehrere mittelalterliche Brücken von Burganlagen archäologisch untersucht worden. Möglicherweise um eine gleichartige Konstruktion wie in Grötzingen könnte es sich bei dem jüngst untersuchten Burgstall von Schwaikheim handeln. Hier wurden in einem Sondageschnitt im Grabenbereich zwei parallele Balken mit angeblatteten Bändern zur Aussteifung in situ festgestellt. Die Hölzer sind auf 1329 (d) datiert.

Es konnte nicht zweifelsfrei festgestellt werden, ob die Hölzer in situ oder sekundär in die Fundschicht eingelagert sind (OK ca. 304,50 ü.NN). Sollte es sich bei dem Balken um einen Brückenblock in situ handeln, wäre eine entsprechende Wegeführung aus der Stadt zu vermuten. Diese läge in Verlängerung der west-ost-gerichteten Burgstraße.
Hier wäre nach der damaligen Bebauungsstruktur zu fragen (Geb. Burgstraße 3 etc.).
Der Befund wird von 2,5m starken Planierungen von braunem Lehm ohne Einschlüsse abgedeckt (OK ca. 307,00). Da die 1995 geschachtete Baugrube innerhalb des Bereichs des ehemaligen Burghügels liegt, muss davon ausgegangen werden, dass es sich hier um die mittelalterlichen Aufplanierungen der Burg handelt. 1952 war der Hügel noch ca. 1m höher erhalten (OK verm. 308,00). Wenig unter diesem Niveau lag die 1952 festgestellte UL des Turmfundaments. Der Turm stand demnach ca. 3m über der Fundschicht mit den Hölzern und Keramik des 14. Jh.. Offensichtlich ist hier eine, möglicherweise noch in Holz errichtete, Burganlage erfasst, die später im Laufe des 14. Jh. mit einer Hügelplanierung überdeckt und jetzt in Stein (Wohnturm) ausgeformt wurde. Die Burg taucht nach dem 14. Jh. nicht mehr in den Quellen auf, ist also offenbar bereits in mittelalterlicher Zeit abgegangen. –(In Zusammenhang mit Verkauf von Burg und Stadt 1337 und dem daraus folgenden Bedeutungsverlustes?) (gk)

Betroffene Gebäudeteile: keinekeine
Bauwerkstyp:
  • Befestigung- und Verteidigungsanlagen
    • Burg, allgemein

2. Bauphase:
(1685)
Ansicht im Kieserschen Forstlagerbuch. Die Burg auf einer von der Aich umflossenen Insel ist iauf der Ansicht von 1685 (a) bereits verschwunden.
Betroffene Gebäudeteile: keinekeine
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Besitzer(6998): Wohn- und Geschäftshaus, Burgstelle Besitzer

keine Angabenkeine Angaben
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Fotos

Gesamtansicht von Westen. Im Hintergrund Fachwerkgiebel in der Flucht der ehemaligen Stadtmauer. / Wohn- und Geschäftshaus, Burgstelle in 72631 Grötzingen

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Zugeordnete Dokumentationen

  • Archäologische Befundaufnahme
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Beschreibung(6998): Wohn- und Geschäftshaus, Burgstelle Beschreibung

Umgebung, Lage: Das Wohn- und Geschäftshaus liegt im Bereich der ehemaligen Burg in Grötzingen. In der Nähe befindet sich der Kelterplatz.
Lagedetail:
  • Burganlage
    • allgemein
  • Siedlung
    • Stadt
Bauwerkstyp:
  • Befestigung- und Verteidigungsanlagen
    • Burg, allgemein
Baukörper/Objektform (Kurzbeschreibung): keine Angabenkeine Angaben
Innerer Aufbau/Grundriss/
Zonierung:
keine Angabenkeine Angaben
Vorgefundener Zustand (z.B. Schäden, Vorzustand): keine Angabenkeine Angaben
Bestand/Ausstattung: keine Angabenkeine Angaben
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Konstruktionen(6998): Wohn- und Geschäftshaus, Burgstelle Konstruktionen

Konstruktionsdetail:
  • Steinbau Mauerwerk
    • allgemein
Konstruktion/Material: keine Angabenkeine Angaben