Objekt(7959): Criminalturm Criminalturm

ID: 221321148915
Datum: 19.01.2010
Datenbestand: BauforschungBauforschung
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Information(7959): Criminalturm Objektdaten

Straße: Zeppelinstraße
Hausnummer: 3
Postleitzahl: 75378
Stadt: Bad Liebenzell
Regierungsbezirk: Karlsruhe
Kreis: Calw (Landkreis)
Gemeinde: Bad Liebenzell
Wohnplatz: Bad Liebenzell
Wohnplatzschlüssel: 8235008001
Flurstücknummer: 27
Historischer Straßenname: keinerkeiner
Historische Gebäudenummer: keinekeine
Lage des Wohnplatzes
BW
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Objektverknüpfungen(7959): Criminalturm Objektbeziehungen

keinekeine
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Objekt(7959): Criminalturm Umbauzuordnung

keinekeine
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Objekt(7959): Criminalturm Weitere Objekte an diesem Wohnplatz

BauforschungWohnhaus, Burgstraße 4 (78378 Bad Liebenzell)
BauforschungWohnhaus, ehem. Erholungsheim (75378 Bad Liebenzell, Schillerallee 8)
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Bauphasen(7959): Criminalturm Bauphasen

Kurzbeschreibung der Bau-/Objektgeschichte bzw. Baugestaltungs- und Restaurierungsphasen:

Der Turm ist Teil der ehemaligen Stadtbefestigung und wurde im 14. Jahrhundert errichtet. Ursprünglich war er nur über eine Treppe an der Maueraußenseite des Wehrgangs zu erreichen. Das Erdgeschoss war einräumig (Verließ) und das Obergeschoss in einen tonnengewölbten Raum und einen Vorraum gegliedert. Der Zugang ins Erdgeschoss war ursprünglich nur über eine Bodenöffnung im ehemaligen Vorraum (heute östliche Gefängniszelle) möglich. Die Wehranlage und der Criminalturm hatten vermutlich Ende des 15. Jahrhunderts mit Niederlassung einer gewerblichen Siedlung außerhalb der Stadtmauer ihre fortifikatorische Funktion verloren. Der Turm wurde im 17. Jahrhundert als Gefängnis genutzt. Der Fachwerkgiebel und Dachstuhl des Criminalturms sind wohl nach dem großen Stadtbrand des Jahres 1785 neu entstanden. Die Kreuzbüge (Kreuzbänder) der Fachwerkgiebel zeugen vom Eingriff im 18. Jahrhundert. Das Criminalgefängnis wurde 1826 vom Kriminalamt Hirsau an die Stadtgemeinde Liebenzell verkauft. 1826 wurde das Gefängnis renoviert und als Ortsgefängnis eingerichtet. Im Obergeschoss entstand eine weitere Gefängniszelle durch die Errichtung einer Zwischenwand. Die Öffnung, die zum Verließ führte, wurde durch eine Platte verschlossen, die kleine Fensteröffnung vergrößert und der Vorraum ausgetäfert. Neben dem neuen Kamin wurde auch ein Loch für das Ofenrohr ausgebrochen, das Dach umgedeckt, der Boden mit Brettern belegt und eine Tür eingesetzt. 1826 wurde der Turm erstmals durch eine steinerne Treppe vom Stadtinneren her zugänglich gemacht.
Der heutige Zugang zum Dachstuhl über eine Luke im westlichem Turmgiebel entspricht nicht der ursprünglichen Situation. Nachweislich wurden Fachwerkhölzer entfernt (Riegel) und verkürzt (Streben). In der südwestlichen Ecke des Gefängnisvorraums (OG) ist der Austausch einer ehemaligen Treppenöffnung ins Dachgeschoss nachweisbar. 1945 wurde das Erdgeschoss des Turmes als Spritzenhaus genutzt, weswegen an der Südseite ein neuer Zugang geschaffen wurde. Vermutlich zeitgleich wurde die Fensteröffnung im ostwärtigen Wandbereich durchgebrochen, das heute wieder verschlossen ist. 1992 folgte die Konservierung und Sanierung des Criminalturms, der nicht auf seinen historischen Zustand zurückgeführt, sondern weitestgehend im Ist-Zustand erhalten blieb.


1. Bauphase:
(1301 - 1388)
Der Turm ist Teil der ehemaligen Stadtbefestigung und wurde im 14. Jahrhundert errichtet. (a)
Betroffene Gebäudeteile: keinekeine
Bauwerkstyp:
  • Befestigung- und Verteidigungsanlagen
    • Turm
Konstruktionsdetail:
  • Steinbau Mauerwerk
    • allgemein

2. Bauphase:
(1601 - 1826)
Der Turm wurde im 17. Jahrhundert als Gefängnis genutzt. (a)
Betroffene Gebäudeteile: keinekeine
Bauwerkstyp:
  • Öffentliche Bauten/ herrschaftliche Einrichtungen
    • Verlies

3. Bauphase:
(1785)
Der Fachwerkgiebel und der Dachstuhl des Criminalturms sind wohl nach dem großen Stadtbrand des Jahres 1785 neu entstanden. (a)(gk)
Betroffene Gebäudeteile: keinekeine
Konstruktionsdetail:
  • Mischbau
    • Steinbau mit Gebäudeteilen aus Holz

4. Bauphase:
(1826 - 1970)
1826 wurde das Gefängnis renoviert und als Ortsgefängnis eingerichtet. Das Gefängnis wurde auch erstmals durch eine steinerne Treppe vom Stadtinneren her zugänglich gemacht. (a)
Betroffene Gebäudeteile: keinekeine
Bauwerkstyp:
  • Öffentliche Bauten/ herrschaftliche Einrichtungen
    • Gefängnis

5. Bauphase:
(1945 - 1970)
1945 wurde das Erdgeschoss des Turmes als Spritzenhaus genutzt. (a)
Betroffene Gebäudeteile: keinekeine
Bauwerkstyp:
  • Öffentliche Bauten/ herrschaftliche Einrichtungen
    • Feuerwehrgebäude
    • Gefängnis

6. Bauphase:
(1992)
1992 folgte die Konservierung und Sanierung des Criminalturms. (a)
Betroffene Gebäudeteile: keinekeine
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Besitzer(7959): Criminalturm Besitzer

keine Angabenkeine Angaben
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Fotos

Criminalturm, Ansicht von Südosten,
Urheber: Kumlehn, Inge (Restauratorin) / Criminalturm in 75378 Bad Liebenzell
Criminalturm, Grundriss EG und OG von 1887, (StA Liebenzell 923.2-3)
Urheber: Stadtarchiv Bad Liebenzell / Criminalturm in 75378 Bad Liebenzell

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Zugeordnete Dokumentationen

  • Bestandsaufnahme und Restauratorische Unteruchung
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Beschreibung(7959): Criminalturm Beschreibung

Umgebung, Lage: Der Turm befindet sich im Alstadtkern von Bad Liebenzell.
Lagedetail:
  • Siedlung
    • Stadt
Bauwerkstyp:
  • Befestigung- und Verteidigungsanlagen
    • Turm
Baukörper/Objektform (Kurzbeschreibung): Es handelt sich um einen zweigeschossigen Turm, dessen Westseite rückseitig an die Stadtmauer anschließt. Die Höhe der Stadmauer beträgt ca. 5 m. Die Mauerstärke des Turmes beträgt im Erdgeschoss 1,50 m und im Obergeschoss 1 ,0 m.
Innerer Aufbau/Grundriss/
Zonierung:
Der Turm wurde über quadratischen Grundriss errichtet. Im Erdgeschoss ist er einräumig. An der Südseite des Erdgeschosses befindet sich eine Toröffnung. Das Obergeschoss gliedert sich in einen Vorraum und zwei Gefängniszellen, das über eine Steintreppe an der Westseite erschlossen wird. Der Dachstuhl wird mit der Leiter über eine Luke im westlichem Turmgiebel erreicht.
Vorgefundener Zustand (z.B. Schäden, Vorzustand): Die bis auf die Höhe des Dachgeschosses des Criminalturms reichende Stadtmauer ist nur noch an der Nordseite des Turms feststellbar. Im Bereich des Criminalturms, vor dem Zugang zum Gefängnisbereich, ist noch ein Mauerabschnitt des Wehrgangs erhalten.
Im Obergeschoss wurden die ursprünglichen Fensteröffnungen verkleinert und mit schmiedeeisernen Fenstergittern versehen.
Bestand/Ausstattung: Eine Schießscharte mit roter Sandsteinfassung befindet sich an der Ostseite des Erdgeschosses unterhalb des Gewölbescheitels. Im Obergeschoss befinden sich zwei Fensteröffnungen mit roten Sandsteingewänden und Zierausfachung in spätgotischem Stil.
Die Steintreppe besteht aus sechs gelben Sandsteinstufen, die beiden obersten wurden durch Betonauftrag ausgebessert.
In den Zellen befinden sich gußeiserne Hinterladeröfen aus dem 19. Jahrhundert.
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Konstruktionen(7959): Criminalturm Konstruktionen

Konstruktionsdetail:
  • Dachform
    • Satteldach
  • Dachgerüst, verstärkende Einbauten
    • Sprengbund
  • Decken
    • Lehmwickeldecke
  • Detail (Ausstattung)
    • bemerkenswerte Fenster
    • bemerkenswerte Feuerstätten
    • bemerkenswerte Treppen
    • bemerkenswerte Türen
    • besondere Bodenbeläge
  • Gewölbe
    • Tonnengewölbe
  • Mischbau
    • Steinbau mit Gebäudeteilen aus Holz
Konstruktion/Material: Die Turmrückwand (EG und OG) bildet die Stadtmauer, die aus zweischaligem Bruchsteinmauerwerk mit großflächigen Bindersteinen besteht. Diese sind im Abstand von ca. 1,0 m eingesetzt und reichen über den Mauerquerschnitt hinaus. Die Mauerkrone wird durch niedrige Formsteine abgedeckt. Nach Süden endet die Mauer in einer Linie mit der Turmdecke.
Der verputzte Massivbau ist bis zur Traufe aus teilweise sehr großen roten Sandsteinquadern gemauert und mit kleineren Bruchsteinen oder schmalen Backsteinen im Mörtelbett ausgefugt. Die Eckquaderung ist in Lang-Kurzwerk ausgeführt. Der Fachwerkgiebel (Zierfachwerk aus Kreuzbügen) ist über einem Schwellbalken auf der Mauerkrone errichtet und mit einem Satteldach versehen. Das Dach ist mit Biberschwanzziegeln eingedeckt.
Das Erdgeschoss ist tonnengewölbt. Bei dem Boden im Erdgeschoss handelt es sich um Lehmboden mit Sandsteinaufschüttung aus jüngster Zeit. Das Abwasserrohr vor der Ostwand gabelt sich in zwei Toilettenabflüsse aus den Gefängniszellen des Obergeschosses. Der Abfluss mündet in eine ausbetonierte Sickergrube. An der Südseite befindet sich eine Toröffnung und an der Ostseite eine Schießscharte.
Die Innenwände im Obergeschoss bestehen aus Bruchsteinmauerwerk. Bei der Decke handelt es sich um eine Balkendecke mit Lehmwickelfüllung. An der Ost- und Nordwand des Vorraumes befinden sich Öffnungen (Eisentürchen) zur Befeuerung der Hinterladenöfen in den Gefängniszellen. Die Ofenrohre aus der Zelle münden in einem offenen Rauchfang vor der Nordwand. Der Boden im Vorraum besteht aus roten Sandsteinplatten im südlichen und flachen Backsteinen im nördlichen Raumbereich. Die nördliche Zelle ist ein tonnengewölbter Raum mit mit schräger Einschnitt der Türöffnung an der Südwand. Das Türgewände besteht aus rotem Sandstein, das Türblatt aus breiten Bohlen in einfacher Bauweise (aufgenagelte Frieshölzer). Die Ostwand ist mit Bohlen verkleidet, diese sind mit Eisenbändern in den Längswänden verankert.
Der Boden der nördlichen Zelle besteht aus breiten Dielen, die stellenweise durch schmale Dielen ausgebessert wurden.
Die östliche Zelle überzieht eine Holzbalkendecke mit Lehmwickelfüllung. Der Bodenbelag besteht ebenfalls aus breiten Dielen, die stellenweise durch Schmalere ausgebessert wurden. An der Westwand befindet sich die Türöffnung. Der hölzerne Türpfosten ist auf eine rote Sandsteinschwelle gestellt (Eisenbänder zur Verankerung im Stein). Bei der Tür handelt es sich um ein aufgedoppeltes Türblatt aus breiten Bohlen in einfacher Bauweise (aufgenagelte Frieshölzer). An der Ostwand befindet sich eine quadratische Fensteröffnung in einer flachen Nische. Bei dem Fenster handelt es sich um ein Kippfenster aus dem 19. Jahrhundert mit Sprossen. Im Brüstungsbereich wurde die Abzeichnung eines regelmäßigen Steinquaderverbandes und einer Sandsteinplatte als Sohlbank eingesetzt.
Der Dachstuhl wurde als liegender Stuhl in Sprengwerkkonstruktion in Nord- Südrichtung ausgeführt. Die Streben sind in die Mittelpfetten verzapft, die auf Balken zur Aussteifung aufgekämmt wurden. Zwischen den Fußpunkten der Sparren befindet sich Bruchsteinmauerwerk mit Kalksandmörtelbestich. Die östliche und westliche Giebelwand ist in Fachwerkbauweise mit Kalk-Mörtelbestich errichtet.