Objekt(7499): Belvedere, ehem. Schießhaus Belvedere, ehem. Schießhaus

ID: 151317099055
Datum: 26.05.2009
Datenbestand: BauforschungBauforschung
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Information(7499): Belvedere, ehem. Schießhaus Objektdaten

Straße: Belvedere
Hausnummer: 4
Postleitzahl: 76646
Stadt: Bruchsal
Regierungsbezirk: Karlsruhe
Kreis: Karlsruhe (Landkreis)
Gemeinde: Bruchsal
Wohnplatz: Bruchsal
Wohnplatzschlüssel: 8215009005
Flurstücknummer: 127
Historischer Straßenname: keinerkeiner
Historische Gebäudenummer: keinekeine
Lage des Wohnplatzes
BW
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Objektverknüpfungen(7499): Belvedere, ehem. Schießhaus Objektbeziehungen

keinekeine
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Objekt(7499): Belvedere, ehem. Schießhaus Umbauzuordnung

keinekeine
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Objekt(7499): Belvedere, ehem. Schießhaus Weitere Objekte an diesem Wohnplatz

BauforschungEhem. Schaffneigebäude des Speyerischen Domkapitels (76646 Bruchsal, Württemberger Straße 56)
BauforschungWerkhalle der ehem. Machinenfabrik Bruchsal AG, Gebäude 5148 (76646 Bruchsal, Werner-von-Siemensstraße 2-6)
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Bauphasen(7499): Belvedere, ehem. Schießhaus Bauphasen

Kurzbeschreibung der Bau-/Objektgeschichte bzw. Baugestaltungs- und Restaurierungsphasen:

Das am nordöstlichen Stadtrand von Bruchsal gelegene Belvedere ist ein bedeutendes Zeugnis der Rokokoarchitektur. Das ehemalige Schießhaus diente zur Jagd und wohl auch zu Vergnügungszwecken für den Speyerer Franz Christoph von Hutten. Es wurde 1756-61 nach Plänen von Leonhard Stahl mit Schießplatz (heute Kastanienplatz) und Einfriedung erbaut. Als direktes Vorbild fungierte das nach Plänen Balthasar Neumanns 1738 erbaute Torwachtgebäude am Eingang des Schlosshofes in Bruchsal. Das Gebäude wies ursprünglich vermutlich eine reichere Fassadengestaltung nach Osten hin auf. Im Inneren wurde es von dem Maler Zick mit Jagdmotiven ausgemalt. Die Bildhauerei und Stukkatur geht auf Joachim Günther zurück.
Dem höfischen Zeitgeist des 18. Jahrhunderts entsprach nicht nur die Jagdleidenschaft, sondern auch die Faszination für die chinesische Kunst. Zu den „Chinoiserien“ gehören die Baldachine oberhalb der beiden Treppentürme.
In Folge der Säkularisation von 1806 sind die Besitztümer des Hochstifts Speyer in den Besitz des Großherzogtums Baden gelangt. Vermutlich zu diesem Zeitpunkt wurde der Fassadenschmuck zum Teil entfernt. Der Außenbereich zwischen der Wasserburg und dem Belvedere wurde in eine Gartenanlage umgestaltet und die Dachterrasse diente den Bruchsaler Bürgern als Aussichtspunkt. Wegen der schönen Aussicht auf die Stadt nannten die Bruchsaler Bürger das Schießhaus „Belvedere“.
Im Jahr 1877 wurde das Belvedere gemeinsam mit der Wasserburg an die Stadt Bruchsal verkauft. Das Belvedere wurde zur Wohnung umgebaut. Die Galeriebögen und zwei der drei Türöffnungen im südlichen Pavillon wurden zugesetzt. Zwei Zwischenwände unterteilten die Galerie in eine von außen begehbare Holzremise, eine Küche mit an der Westfassade vorgesetztem Kamin sowie ein über zwei Gewölbekompartimente reichendes Schlafzimmer. Das zugehörige Wohnzimmer wurde im südlichen Pavillon eingerichtet. Möglicherweise hängte man die Decken ab und vermauerte die Oberlichter. Die Dachterrasse diente zumindest über dem nördlichen Pavillon den Bruchsaler Bürgern als Aussichtspunkt.
In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde das Schießhaus durch die Bruchsaler Schützengesellschaft genutzt.
Um 1902 wurde das Belvedere durch Dr. Fritz Hirsch instand gesetzt. Die Wohnung wurde wieder zurückgebaut, die ursprünglichen Wandöffnungen freigelegt und die beiden mittleren Fenster in der Galerie zu Torbögen erweitert. Es wurden fast alle Fenster ausgetauscht. Vor der Westfassade wurden eine Terrasse und Treppe angebaut.
In den 1950er Jahren folgte das Einlassen eines Betonbodens im südlichen Pavillon, das Zusetzen der Verbindungstür zum Gang sowie der Ersatz der beiden Rundbogenfenster durch neuzeitliche Holzsprossenfenster.


1. Bauphase:
(1757 - 1761)
Erbaut von Johannn Georg Stahl im Auftrag des Fürstbischofs Franz Christoph von Hutten als Schießhaus (a).
Betroffene Gebäudeteile: keinekeine
Bauwerkstyp:
  • Freiflächen- bzw. Gartenelemente
    • Jagdanlage
    • Terrasse/ Terrassierung

2. Bauphase:
(1806 - 1877)
Übernahme des Hochstifts Speyer durch Großherzogtum Baden, Nutzung durch Schützenvereine und als Aussichtspunkt (a).
Betroffene Gebäudeteile: keinekeine
Bauwerkstyp:
  • Freiflächen- bzw. Gartenelemente
    • Jagdanlage
    • Terrasse/ Terrassierung

3. Bauphase:
(1877 - 1902)
Verkauf an die Stadt Bruchsal, Umbau zur Wohnung, Terrasse weiterhin öffentlich als Aussichtspunkt genutzt (a).
Betroffene Gebäudeteile: keinekeine
Bauwerkstyp:
  • Freiflächen- bzw. Gartenelemente
    • Terrasse/ Terrassierung
  • Wohnbauten
    • Wohnhaus

4. Bauphase:
(1902)
Rückbau der Wohnung und Umgestaltung der Westfassade durch Dr. Fritz Hirsch (a).
Betroffene Gebäudeteile: keinekeine
Bauwerkstyp:
  • Freiflächen- bzw. Gartenelemente
    • Jagdanlage
    • Terrasse/ Terrassierung

5. Bauphase:
(1950 - 1959)
In den 1950er Jahren folgte das Einlassen eines Betonbodens im südlichen Pavillon, das Zusetzen der Verbindungstür zum Gang sowie der Ersatz der beiden Rundbogenfenster durch neuzeitliche Holzsprossenfenster. (a)
Betroffene Gebäudeteile: keinekeine
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Besitzer(7499): Belvedere, ehem. Schießhaus Besitzer

keine Angabenkeine Angaben
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Fotos

Belvedere, ehem. Schießhaus, Ansicht von Westen,
Urheber: Lempl, Sabine / Belvedere, ehem. Schießhaus in 76646 Bruchsal
Belvedere, ehem. Schießhaus, Ansicht von Osten,
Urheber: Fischer (Ingenieurbüro für Photogrammetrie) / Belvedere, ehem. Schießhaus in 76646 Bruchsal

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Zugeordnete Dokumentationen

  • Bauhistorische Untersuchung
  • Gutachten Holzausstattungen
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Beschreibung(7499): Belvedere, ehem. Schießhaus Beschreibung

Umgebung, Lage: Das ehemalige Schießhaus befindet sich am nordöstlichen Stadtrand von Bruchsal und ist Teil der Bebauung am westlichen Hang des Steinsberges. In unmittelbarer Nähe steht das ehem. Wasserreservoir mit dazugehörigem Lusthaus.
Lagedetail:
  • Schlossanlage
    • allgemein
Bauwerkstyp:
  • Freiflächen- bzw. Gartenelemente
    • Jagdanlage
Baukörper/Objektform (Kurzbeschreibung): Das Gebäude ist langgestreckt und eingeschossig.
Innerer Aufbau/Grundriss/
Zonierung:
Die Galerie ist durch vier zweizonige Achsen gegliedert. An die langgestreckte offene Halle schließen sich im Norden und Süden achsensymmetrische Pavillone mit nach Westen vorgesetzten Treppentürmen an. Jeweils an den Ecken zwischen dem Turm und der westlichen Fassade zur Mitte hin befindet sich ein kleiner, fast quadratischer Anbau. Die Treppentürme führen auf eine Terrasse, die sich über den gesamten Baukörper erstreckt. Von der Terrasse führt eine Treppe zu den Plattformen oberhalb der Flankentürme.
Vorgefundener Zustand (z.B. Schäden, Vorzustand): Ein Oberlicht des nördlichen Pavillons weist noch eine der ursprünglich mit Fensterlaibung und Horizontalgesims verkröpften Agraffen auf.
Ferner blieben zwei bauzeitliche Oberlichter am nördlichen Pavillon und zwei an den Treppenhäusern erhalten. Die restlichen Fenster wurden vermutlich um 1902 ersetzt. Bei den Türen sind sowohl zwei am nördlichen Pavillon, die Tür am rechten Flügel zur Galerie wie auch die mittlere Tür am linken Flügel zum Schießplatz als bauzeitlich zu sehen. Die anderen Außentüren sind entweder in größeren Bereichen repariert oder als Nachbauten der Jahrhundertwende einzustufen. Die Innentüren zum Treppenhaus sind bauzeitlich. Der Steinboden gehört nicht zum bauzeitlichen Bestand. Erhalten haben sich insgesamt vier unterschiedlich gemusterte Böden.
Die Innendekoration in Form von Malereien ist heute verloren.
Bestand/Ausstattung: Die kleeblattförmigen Oberlichter befinden sich über den Durchgängen, Fenstern und Türen an der Galerie und den Pavillons. Der Turmbereich ist mit Korbbögen ausgestattet. Die Pavilloninnenräume werden von Pilastern geschmückt und sind überwölbt. Die Türme sind mit steinernen Wendeltreppen ausgestattet und mit einer Blechschirmkonstruktion, die sich stilistisch in die zeitgenössische Chinamode einpassen, überdacht. Die Gewölbestützen in den Treppentürmen sind stuckiert. Die Treppenläufe werden seitlich von schmiedeeisernen Geländern nach Rokoko-Manier begleitet. Die bekrönenden Baldachine weisen vier eiserne Stützen in Form von Palmwedeln, die in Amphoren fußen, auf. Diese tragen das als Sonnenschirm fungierendes Dach. Zum obersten Abschluss wurde eine Wetterfahne angebracht. Die Balustrade der Dachterrasse besteht aus einem steinernen Postament sowie einem gusseisernen Geländer.
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Konstruktionen(7499): Belvedere, ehem. Schießhaus Konstruktionen

Konstruktionsdetail:
  • Detail (Ausstattung)
    • bemerkenswerte Fenster
  • Verwendete Materialien
    • Stein
    • Ziegel
Konstruktion/Material: Die aufwändigere Gliederung der Ostfassade kennzeichnete sie als Schauseite. Einfache Pilaster unterteilen die schmalen Vertikalen der Eckpavillons. Die Doppelpilaster unterteilen die vergleichsweise breiten Achsen der Mittelhalle. Der obere Abschluss erfolgt durch ein leicht vorkragendes und stark profiliertes Gesims. Über diesem steht die Balustrade der Terrasse, zwischen deren Pfosten ein gusseisernes Geländer angebracht wurde.
Die Mittelhalle wird von einem vierjochigen Gewölbe überzogen.
In den Pavilloninnenräumen ist der Wandbereich mit einer regelmäßigen Reihung von Fenster-, Tür- und Blendnischen gegliedert. Die Pilaster mit profilierten Kapitellen gliedern die Wände und leiten zum Gewölbe über. Im Gewölbe sind Stichkappen eingezogen.
Hier wie in der Mittelhalle sorgen die über den Türen und Fenstern liegenden kleeblattförmigen Oberlichter zusätzlich für Belichtung der Räume.
Die beiden Türme sind mit Wendeltreppen versehen. Über die Wendeltreppe gelangt man auf die Dachterrasse, die mit Bodenplatten aus Stein belegt ist. Die Wendeltreppe endet in einer steinernen verzierten Säule, welche die Wölbung der pavillonartigen Turmaufsätze trägt, die zum Unterschied zu dem verputzten Unterbau in sauberer Quadertechnik errichtet sind. Eine angebaute einläufige Steintreppe leitet zu der Plattform der luftigen Pavillons. Die Treppe ist seitlich von schmiedeeisernen Geländer in Rokokoform eingefasst. Vier eiserne Stützen halten den überdeckenden Metallschirm, über dem eine Wetterfahne angebracht ist. Bei dem Bau des Schießhauses kamen sowohl Ziegel als auch Sandstein zur Verwendung.