Objekt(12100): Ehem. sog. Schurhammersche Mühle Ehem. sog. Schurhammersche Mühle

ID: 109340110314
Datum: 18.06.2018
Datenbestand: BauforschungBauforschung
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Information(12100): Ehem. sog. Schurhammersche Mühle Objektdaten

Straße: Talvogteistraße
Hausnummer: 3
Postleitzahl: 79199
Stadt: Kirchzarten
Regierungsbezirk: Freiburg
Kreis: Breisgau-Hochschwarzwald (Landkreis)
Gemeinde: Kirchzarten
Wohnplatz: Kirchzarten
Wohnplatzschlüssel: 8315064015
Flurstücknummer: keinekeine
Historischer Straßenname: keinerkeiner
Historische Gebäudenummer: keinekeine
Lage des Wohnplatzes
BW
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Objektverknüpfungen(12100): Ehem. sog. Schurhammersche Mühle Objektbeziehungen

keinekeine
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Objekt(12100): Ehem. sog. Schurhammersche Mühle Umbauzuordnung

keinekeine
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Objekt(12100): Ehem. sog. Schurhammersche Mühle Weitere Objekte an diesem Wohnplatz

keinekeine
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Bauphasen(12100): Ehem. sog. Schurhammersche Mühle Bauphasen

Kurzbeschreibung der Bau-/Objektgeschichte bzw. Baugestaltungs- und Restaurierungsphasen:

Das untersuchte Gebäude war einst eine Mühle, die sogenannte Schurhammersche Mühle. Über die Namensgebung lässt sich eine Verbindung bis ins 17. Jahrhundert herstellen, wonach in einer 1686 angelegten Liste die Mühle zwei Räder besaß. Ein Lageplan von 1925 zeigt noch den Triebkanal, der unmittelbar am quadratischen Kernbau entlangführte, wo ein Radhaus die Stelle der heutigen modernen, südwestlich zum Bach hin gelegenen Erweiterung einnahm. Heute weicht der Bach im Bogen der Erweiterung aus. Weil die Ausrichtung zum Bachlauf die Stellung des Gebäudes bestimmte, erklärt sich die verschwenkte Lage zur Gasse (Talvogteistraße).
Es erwies sich, dass das Innengerüst nachträglich in ältere Umfassungswände eingestellt wurde. Die Fällung der Hölzer zur Herstellung des Innengerüst konnte mit Hilfe von vier Holzproben, die in Erd- und Obergeschoss entnommen wurden, in das Winterhalbjahr 1698/ 99 datiert werden, wonach die Abzimmerung im Jahr 1699 erfolgt sein dürfte. Die Datierung trifft allerdings nur für das jüngere Innengerüst zu. Für eine Altersbestimmung der Umfassungswände fanden sich keine Hölzer, die eine Auswertung erlaubt hätten. Da eine Mühle an dieser Stelle bereits für das Jahr 1686 Erwähnung findet, müsste es sich folglich auch beim Vorgängerbau um eine Mühle gehandelt haben.
(Quelle: Archiv Kirchzarten)


1. Bauphase:
(1698 - 1699)
Errichtung des Innengerüstes (d)
Betroffene Gebäudeteile: keinekeine
Lagedetail:
  • Siedlung
    • Stadt
Bauwerkstyp:
  • Gewerbe- und Industriebauten
    • Mühle
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Besitzer(12100): Ehem. sog. Schurhammersche Mühle Besitzer

keine Angabenkeine Angaben
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Fotos

Ansicht / Ehem. sog. Schurhammersche Mühle in 79199 Kirchzarten (Stefan King)

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Zugeordnete Dokumentationen

  • Bauhistorische Analyse
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Beschreibung(12100): Ehem. sog. Schurhammersche Mühle Beschreibung

Umgebung, Lage: Das Gebäude liegt im Bereich zwischen Kirche und Talvogtei und innerhalb eines Ensembles aus zumeist herrschaftlichen Scheunenbauten.
Lagedetail:
  • Siedlung
    • Stadt
Bauwerkstyp:
  • Wohnbauten
    • Wohnhaus
Baukörper/Objektform (Kurzbeschreibung): Etwas eingezwängt zwischen Gasse und Bachlauf erhebt sich der Kernbau auf annähernd quadratischer Grundfläche mit zwei Vollgeschossen. Das mit einem kurzen Walm versehene Satteldach steht giebelständig zur Gasse.
Innerer Aufbau/Grundriss/
Zonierung:
keine Angabenkeine Angaben
Vorgefundener Zustand (z.B. Schäden, Vorzustand): Auf der Südwestseite zum Bachlauf hin erfuhr es im Erdgeschoss eine starke Erweiterung, über dessen Breite auch im Inneren historische Substanz verloren ging. Das Dachwerk wurde vor wenigen Jahrzehnten vollständig ersetzt, mit der Folge, dass vom Kernbau lediglich die nordöstliche Giebelwand des 1. Dachgeschosses übriggeblieben ist. Ein eingeschossiger Anbau auf der Südostseite war bereits abgetragen worden.
Bestand/Ausstattung: keine Angabenkeine Angaben
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Konstruktionen(12100): Ehem. sog. Schurhammersche Mühle Konstruktionen

Konstruktionsdetail:
  • Mischbau
    • Außenwand aus Stein
    • Innenwand aus Holz
  • Steinbau Mauerwerk
    • Backstein
    • Bruchstein
Konstruktion/Material: Die Baugeschichte des Gebäudes wird durch drei Bauphasen geprägt: Vom ersten Bau, der nicht datiert werden konnte, sind die gemauerten Umfassungswände geblieben, in denen zahlreiche Spuren früherer Öffnungen zu erkennen sind. Im Jahr 1699 wurde das Gebäude vollständig entkernt und in die Umfassungswände ein neues Innengerüst eingebaut. Errichtet wurde es als Mühle und behielt diese Nutzung bis ins 20. Jahrhundert bei. Vor einigen Jahrzehnten erfolgte ein gründlicher Umbau, von dem vor allem der Arbeitsbereich betroffen war, wo das Erdgeschoss stark ausgedehnt wurde.
Obwohl beinahe in allen Bereichen einsehbar und reichlich Baubefunde ausgewertet werden konnten, blieben wesentliche Fragen zur früheren Organisation des 1699 geschaffenen Grundrisses ungelöst, da die Erschließung und spezifische Nutzung verschiedener Räume nicht gesichert nachvollzogen werden konnte. Insofern ließ sich nicht bestimmen, ob das Gebäude eine funktionsfähige Wohneinheit umfasste oder ob der erdgeschossige Stubenraum in der Südecke anfangs lediglich als Kontorraum gedient hatte. Es stellt sich auch die Frage nach dem Standortfaktor des Gebäudes. Als Mühle war seine Lage durch den Bachlauf und dessen Gefälle weitgehend vorbestimmt. Andererseits fällt auf, dass das Gebäude zwischen Kirche und Talvogtei liegt und sich seine Nachbarbebauung dies und jenseits des Bachs aus mehreren Fruchtscheunen zusammensetzt. Somit ist sie Teil einer Gruppe herrschaftlicher Baulichkeiten und könnte sehr wohl Teil davon gewesen sein.
Im überregionalen Zusammenhang mutet die erdgeschossige Lage der Stube befremdlich an, zumal sie gegen den Hangfuß gerichtet ist. Nun setzte sich Kirchzarten einst im Wesentlichen aus kleinen Häusern in Schwarzwälder Bauweise zusammen, wovon sich noch zahlreiche Beispiele entdecken lassen, deren Wohnstube im Erdgeschoss lag. Doch bei der Mühle mit ihren gemauerten Außenwänden handelte es sich nicht um ein Schwarzwaldhaus und der Müller hatte sicher eine gehobene gesellschaftliche Stellung. Insofern gewinnt die geschilderte These, wonach beim Umbau um 1699 keine Wohneinheit vorgesehen war, sondern es sich um ein reines Betriebsgebäude mit Kontorraum handelte, an Wahrscheinlichkeit.

Umfassungswände
Die Umfassungswände bestehen im Wesentlichen aus Wackenmauerwerk mit Bruchsteinen. Befunde mehrerer früherer Wandöffnungen, die sich an der Innenseite abzeichnen, umfassen auch Backsteine, aus denen in den meisten Fällen die Wölbung der Innennische ausgeführt worden ist, manchmal auch Teile der seitlichen Wandungen. Soweit messbar, haben diese Backsteine die Maße 28x 12,5x 5,3 cm. Die Mauerflächen laufen teilweise noch mit altem Putz und Versottungen hinter den heute anstoßenden Wänden durch, und auch Befunde mehrerer früherer Wandöffnungen, die sich an der Innenseite abzeichnen, liegen in mehreren Fällen hinter Wandanschlüssen.
Im Erdgeschoss fanden sich nur wenige Befunde älterer Wandnischen. Innerhalb der nordwestlichen Traufwand ist eine stichbogige Wölbung aus Backsteinen von etwa 150 cm Weite zu erkennen, jedoch keine vertikalen Fugen der zugehörigen Wandungen. Westlich davon geht neben der Eingangstür ein leichter Versatz der innenliegenden Wandflucht auf die Wandung einer Öffnung zurück, bei der nicht gesichert zu erkennen war, ob sie auf die Bauzeit der Umfassungswände zurückgeht oder erst später geschaffen wurde. Da die westliche Gegenseite nicht mehr vorhanden ist, ist die Breite der Öffnung unbekannt. In der nordöstlichen Giebelwand setzt im nördlichen Eckraum im Eckbereich zum mittleren Raum ein steiler, aus Backsteinen gesetzter Bogen an und setzt sich hinter dem Wandanschluss nach Südosten fort. Zwar wurde das Mauerwerk des mittleren Raums in ganzer Breite ersetzt, doch sind einige Backsteine im Deckenbereich noch an Ort und Stelle verblieben.
Da sie auch den Bogenscheitel in 73 cm Entfernung von der Raumecke umfassen, kann eine Höhe des Bogenfelds von etwa 145 cm gemessen und in symmetrischer Ergänzung auf eine frühere Breite der Nische von rund 340 cm geschlossen werden, wonach es sich annähend um einen Rundbogen gehandelt hatte. Die Breite der Öffnung könnte auf eine Toröffnung schließen lassen, doch da einerseits eine zugehörige vertikale Fuge für eine Wandung nicht zu beobachten ist und andererseits innenliegende Wandnischen verschließbarer Toröffnungen in aller Regel stichbogig gewölbt oder mit einem flachen Sturz gedeckt wurden, ist derzeit unklar, wie der Befund zu interpretieren ist.
Eine weitere Wölbung ist nur vom Obergeschoss her nachweisbar, wo innerhalb der südöstlichen Traufwand ein aus Backstein gemauerter flacher Stichbogen oberhalb des Bodenniveaus sichtbar ist, sodass der Scheitel der wenigstens 150 cm breiten Öffnung etwa auf Höhe der bestehenden Dielung gelegen hat. Im Erdgeschoss befindet sich in diesem Bereich die Eingangstür, bei deren Anlage zumindest eine Wandung abgetragen wurde, während von der anderen noch Reste im Mauerwerk stecken könnten. In ihrer Lage würde die östliche Wandung der Öffnung recht genau einer Wandung in der nordwestlichen Außenwand gegenüberliegen.
Im Obergeschoss ließen sich dicht an der Ostecke nach beiden Seiten mit Backsteinen stichbogig gewölbte Nischen und vertikale Wandungen nachweisen. Sie nehmen etwa Bezug auf das heutige Bodenniveau. Die Anordnung lässt darauf schließen, dass hier wie heute noch die Hauptecke lag und dahinter im Obergeschoss eine gehobene Raumnutzung lag. Aus der Beobachtung, dass zwischen den beiden bestehenden Fenstern der Südostwand das Mauerwerk ersetzt worden ist, könnte man folgern, dass die Öffnung sehr breit angelegt war oder dass es noch weitere Öffnungen gegeben hat. Eine vergleichbare stichbogige Wölbung samt vertikaler Wandung ließ sich in gleicher Höhenlage innerhalb der Südostwand nahe der Südecke nachweisen. Etwa mittig in der Südostwand im Bereich des Anschlusses der bestehenden Trennwand hat sich ein halber Backsteinbogen erhalten, der recht steil verläuft und fast einem Rundbogen gleichkommt. Verglichen mit der Ausformung der im Dachraum nachweisbaren Öffnungen könnte vermutet werden, dass es sich um eine Türöffnung gehandelt hat. Eine ebenfalls auf das heutige Bodenniveau bezogene vermauerte Öffnung liegt innerhalb der Südwestwand unweit der Südecke, die im Unterschied mit einem dünnen Sturzholz versehen ist. Von der Entnahme einer Probe zur Altersbestimmung wurde abgesehen, da keinerlei Versottungen zu erkennen sind und es sich überdies um widerverwendetes Material handeln dürfte.
Nahe der Nordecke liegt innerhalb der Nordostwand eine zugesetzte Öffnung. Sie besitzt keine Wölbung, sondern es lässt sich eine eckige Zusetzung erkennen, die ein Sturzbalken hinterlassen hat, der im Zuge der Vermauerung herausgenommen worden war. Das zugehörige Bodenniveau müsste etwa einen halben Meter tiefer gelegen haben als heute.
Innerhalb der Nordwand sind hinter den beiden heutigen Wandanschlüssen jeweils die Reste eines Stichbogens aus Backsteinen zu erkennen, die jedoch beide keine zugehörigen vertikalen Wandungen aufweisen. Beide Bögen liegen in ähnlich tiefer Lage wie die zugesetzte Öffnung in der Nordostwand.
Das frühe Mauerwerk reicht bis ins 1. Dachgeschoss, wo sich zwei weitere vermauerte Wandnischen mit stichbogiger Wölbung aus Backsteinen eng nebeneinander abzeichnen: nördlich eine hochliegende Fensteröffnung mit flachem Stichbogen und südlich eine deutlich tiefer liegende Wölbung mit steilerem Bogenverlauf, die zu einer Ladeöffnung gehört haben dürfte. In den schräglaufenden Mauerkronen des älteren Mauerwerks zu beiden Seiten zeichnen sich frühere Dachschrägen ab, die etwa auf den früheren Traufpunkt zulaufen, wogegen die heutigen Dachflächen mittels Kniestock aufgehöht sind.
Die unterschiedlichen Höhenlagen der beschriebenen Wandöffnungen werfen die Frage nach den früheren Bodenniveaus auf. Auf der Innenseite der nordöstlichen Giebelwand ist etwa auf Höhe der heutigen Gebälklage über dem Obergeschoss der Mörtelabdruck eines direkt dem zurückspringenden Mauerwerk anliegenden bzw. leicht eingemauerten Deckenbalkens zu erkennen, der in gleicher Richtung wie das heutige Gebälk spannte. Diese Höhenlage passt zu den vermauerten Öffnungen im Dachgeschoss. Die Höhenlage früherer Öffnungen des Obergeschosses im südlichen Teil der Nordost- und innerhalb der Südostwand lassen ebenfalls ein dem Heutigen entsprechendes Bodenniveau erwarten, wogegen die Befunde im nordwestlichen Bereich Bezug auf ein tieferliegendes Bodenniveau nehmen, was bedeuten müsste, dass das Obergeschoss in zwei Bereiche unterschiedlicher Niveaus geteilt war. Der im Erdgeschoss festgestellte, weitgespannte Bogen reicht so weit nach oben, dass er bis direkt an das höhere der beiden Niveaus heranreichte oder es sogar überragte.
Es konnten keine Anhaltspunkte zu einer Datierung der Umfassungswände gewonnen werden. Gestaltungselemente in Form von möglicherweise noch vorhandenen Fenster- oder Türgewänden waren auf der Innenseite nicht zugänglich. Einziger Anhaltspunkt könnte die Mauertechnik sein, die wackenreiches Mauerwerk mit Nischenwölbungen aus Backstein verbindet, doch deckt diese Bauweise einen langen Zeitraum ab, nach Untersuchungen des Verfassers vom 14. bis zum 17. Jahrhundert in nur unwesentlich voneinander abweichender Form (Zarten, Turmhaus, Kurzanalyse vom Juli/ Dezember 2015: 1343/ 44 dendrodatiert; Freiburg-Lehen, Bundschuhstraße 41, sog. „Lehener Schloss“, Kurzdokumentation vom Oktober/ November 2006: 14./ 15. Jahrhundert; Waldkirch, Rathaus, Erdgeschoss, Dokumentation vom Mai 2015: 1653 dendrodatiert). Als anschauliches Beispiel können auch die Schießscharten in der Umfassungsmauer der Talvogtei dienen, die Anfang des 13. Jahrhunderts datiert werden (H.M. Schärf: Die Kirchzartener Talvogtei. Lindenberg 2000, S. 63).

Innengerüst
Nach dendrochronologischer Datierung wurde im Jahr 1699 ein neues Innengerüst zwischen die älteren Umfassungswände eingebracht, bestehend aus den Deckenbalkenlagen über Erd- und Obergeschoss sowie den Innenwänden teilweise aus Mauerwerk, teilweise aus Fachwerk. Eine Ursache konnte nicht erkannt werden – zumindest sind keine Brandschäden festzustellen.