Stiegenhaus
Datenbestand: Bauforschung
Objektdaten
| Straße: | Dorfstraße |
| Hausnummer: | 14 |
| Postleitzahl: | 72827 |
| Stadt-Teilort: | Wannweil |
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| Regierungsbezirk: | Tübingen |
| Kreis: | Reutlingen (Landkreis) |
| Wohnplatzschlüssel: | 8415080001 |
| Flurstücknummer: | keine |
| Historischer Straßenname: | keiner |
| Historische Gebäudenummer: | keine |
| Lage des Wohnplatzes: |
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Kartenansicht (OpenStreetMaps)
Bauphasen
Das untersuchte Gebäude Dorfstraße 14 stellt mit seinem frühneuzeitlichen Fachwerk einen besonderen baugeschichtlichen Wert dar.
Der unter Putz erhaltene Schaugiebel mit geschwungenen Ständerstreben und Feuerbock im Giebeldreieck und das in weiten Teilen erhaltene Gefüge verdeutlichen in anschaulicher Weise den Übergang vom mittelalterlichen zum neuzeitlichen Fachwerk. Das stockwerksweise abgebundene Fachwerkgerüst war ursprünglich auch im Erdgeschoss zumindest für die Schau- und Hofseite gesichert in Fachwerk ausgeführt. Auch die gut nachvollziehbare, ursprüngliche Raumstruktur mit der vollständig erhaltenen, bauzeitlichen Riemchendecke in der südwestlichen Stube verdienen besondere Beachtung.
Als nachfolgende Veränderung besonders erwähnenswert ist auch die zuerst nur einläufig angelegte, reizvolle Außentreppe mit Podest und Brettbalustern aus dem 18. Jahrhundert, die das Gebäude schon von weitem als regionaltypisches Stiegenhaus hervorhebt. Sozialgeschichtlich hochinteressant ist auch die Tatsache, dass das Gebäude von Anfang an als Doppelwohnhaus diente, wie die Befunde zur ursprünglichen Raumdisposition des Obergeschossen eindeutig belegen.
Diese Wohnform spiegelt die gesellschaftlichen Zusammenhänge wider, die im Herzogtum Württemberg schon im 16. Jahrhundert dazu führten, dass sich mehrere Erben Haus, Hof und Ackerflächen untereinander aufteilten.
Die in Württemberg verbreitete Sitte der Realteilung, die zu immer kleineren und unrentableren Anbauflächen führte, war schließlich infolge der ansteigenden Bevölkerungszahl mitverantwortlich für die Hungersnöte und Auswanderungswellen des 18. und 19. Jahrhunderts.
(1566)
- Erdgeschoss
- Obergeschoss(e)
- Dachgeschoss(e)
- Siedlung
- Dorf
(1850)
Zugeordnete Dokumentationen
- Bauhistorische Kurzdokumentation
Beschreibung
- Siedlung
- Dorf
- Wohnbauten
- Wohn- und Wirtschaftsgebäude
Das sogenannte Stiegenhaus besitzt auf seiner nordwestlichen Traufseite zur Erschließung des Obergeschosses eine zweiarmige, überdachte Außentreppe, die im Brüstungsfeld des Podestes mit reizvollen, barocken Brettbalustern verziert ist.
Im 19. Jahrhundert wurde der rechteckige Baukörper des Hauptgebäudes auf der südöstlichen Giebelseite um einen kleinen, zweigeschossigen Anbau mit Satteldach in gleicher Firstrichtung erweitert. Es wird auf der Südostseite über eine einläufige, überdachte Außentreppe erschlossen, in der im Obergeschoss ein Plumpsklo untergebracht ist.
Zonierung:
Im 19. Jahrhundert wurde der rechteckige Baukörper des Hauptgebäudes auf der südöstlichen Giebelseite um einen kleinen zweigeschossigen Anbau mit Satteldach in gleicher
Firstrichtung erweitert. Es wird auf der Südostseite über eine einläufige, überdachte Außentreppe erschlossen, in der im Obergeschoss ein Plumpsklo untergebracht ist. Das Erdgeschoss ist mit einem Gewölbekeller und einem Kleinviehstall ausgestattet. Im Obergeschoss befindet sich eine dreizonige Wohnung mit einem schmalen Mittelflur, einer südlich gelegenen Stube mit einfachem Brüstungstäfer und einer nördlichen Kammer. Der Dachraum ist nicht ausgebaut.
Konstruktionen
- Dachform
- Satteldach
- Holzgerüstbau
- allgemein
Dach größtenteils erhalten geblieben. So lässt sich von dort ausgehend und zusammen mit dem weitgehend noch nachvollziehbaren Innengerüst des Obergeschosses ein zweischiffig und dreizoniges Achssystem ermitteln, das mit großer Wahrscheinlichkeit auch die Innendisposition des Erdgeschosses bestimmte. Das Fachwerkgerüst ist als reine Stockwerkskonstruktion angelegt. Wie die Dachgeschosse kragte auch das Obergeschoss ursprünglich auf der Schauseite leicht vor.
Als ursprüngliche Wandbildung konnte für die Außen- und Innenwände des Erdgeschosses ein Ständerfachwerk mit einfacher Ausriegelung nachgewiesen werden. Die Aussteifung erfolgte über Wandstreben, die in Wandrähm und Schwelle eingezapft waren. Das Fachwerkgerüst im Obergeschoss setzte sich ursprünglich aus 12 Bundständern zusammen, mit etwa mittig in die Wandfelder gestellten Wandständern. Die Schwellen des Obergeschosses waren dabei als Schwellriegel zwischen die Bundständer gezapft.
Für das Obergeschoss konnte in den Außenfluchten eine zweiriegelige Wandbildung mit Bruchsteinausfachung nachgewiesen werden. Auch die erhaltenen, bauzeitlichen Innenwände sind zweifach ausgeriegelt, die Gefache sind mit Bruchstein gefüllt.
Im Dachgeschoss zeigen die Giebelfelder eine zweifache Ausriegelung mit Bruchsteinausfachung. Die Aussteifung erfolgt im Schaugiebel durch geschwungene Fußstreben, im rückwärtigen Giebel durch Wandstreben. Die inneren Wandachsen sind dagegen nur einfach verriegelt und weisen weitgehend erhaltene Lehmflechtwerkfüllungen auf. Die Stockwerksschwellen sind dabei als Schwellriegel zwischen die mittigen Stuhlständer gezapft. Der Aussteifung dienen in Schwelle und Rähm gezapfte Wandstreben.

