Ottilienkapelle (Eppingen)

Datenbank Bauforschung/Restaurierung

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Spitalstraße 6

ID: 187898015212  /  Datum: 15.02.2016
Datenbestand: Bauforschung und Restaurierung
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Objektdaten

Straße: Spitalstraße
Hausnummer: 6
Postleitzahl: 89537
Stadt-Teilort: Giengen an der Brenz

Regierungsbezirk: Stuttgart
Kreis: Heidenheim (Landkreis)
Wohnplatzschlüssel: 8135016003
Flurstücknummer: 51/2
Historischer Straßenname: keiner
Historische Gebäudenummer: keine
Lage des Wohnplatzes: Lage des Wohnplatzes
Geo-Koordinaten: 48,6196° nördliche Breite, 10,2432° östliche Länge

Kartenansicht (OpenStreetMaps)

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Objektbeziehungen

keine

Umbauzuordnung

keine

Weitere Objekte an diesem Wohnplatz

keine

Bauphasen

Kurzbeschreibung der Bau-/Objektgeschichte bzw. Baugestaltungs- und Restaurierungsphasen:

Im Folgenden ein Auszug aus dem Beitrag „Einige Anmerkungen zum Gebäude Spitalstraße 6 in Giengen von Gerd Schäfer“ veröffentlicht im „Jahrbuch 2004“ der Stadt Giengen:

„(…) Der zweigeschossige Baukörper besteht im Erdgeschoss aus massiven Steinwänden und im Obergeschoss aus Fachwerk. Ursprünglich sah das Objekt aber ganz anders aus.
Aus den vorangegangenen Bauuntersuchungen und mit den bauhistorischen Beobachtungen während der Instandsetzungsarbeiten konnten interessante Wandlungen des Hauskörpers und der Etagengrundrisse beobachtet werden.
Eine Besonderheit ist das Vorhandensein von zwei heizbaren, „schönen Stuben“, von welchen eine zur Bauzeit im 1. Dachgeschoss eingebaut wurde und damit anzeigt, dass das Wohnen im Dachgeschoss bereits im 17. Jahrhundert attraktiv war. Beide Stuben besaßen damals nicht nur dekorativ gestaltete Holzdecken, sondern auch hölzerne Wandvertäfelungen, von welchen leider nur spärliche, aber aussagefähige Reste aufgefunden werden konnten.
Doch der wohl interessanteste Befund ist die Verwendung von Eichen-, Fichten und
Pappel- (!) hölzern in der primären Konstruktion die 1646 (d) errichtet worden ist.
Die weichen und schädlingsanfälligen Pappelhölzer sind eine, in der Bauholzverwendung völlig ungewöhnlich Holzart. (…)
Die auffallend überwiegende Verwendung von Pappelholz zeigt, dass in jenen Jahren das Holz in der Gegend um Giengen sehr knapp geworden war, was wiederum Indiz dafür ist, dass sich die 1634 abgebrannte Stadt bereits während des erst 1648 endlich beendeten Dreißigjährigen Krieges noch in den Kriegsjahren voll im Wiederaufbau befunden haben muss. (…).“

Nach 10- jährigem Leerstand berichtet die Tagespresse über mehrfache Diskussion bzgl. eines Abbruches, einmal wurde gar vom Abbruchbeschluss berichtet. Doch glücklicherweise hat ein Verwandter der ehemaligen Hausbesitzer das Objekt von diesen erworben. Er möchte es wieder nutzen und mit Hilfe der Giengener Stadtsanierung instand setzen. Die Planung sieht den Einbau eines kleinen Handelsgewerbes (Weinhandlung) im Erdgeschoss und von zwei Wohnungen im 1. OG sowie zwei Maisonette-Wohnungen im Dachraum vor. Die dafür vorgesehenen Sanierungsarbeiten erfolgten im Jahr 2003/ 04.


1. Bauphase:
(1646)
1646 (d)

Ursprungsbaujahr
Betroffene Gebäudeteile:
keine
Lagedetail:
  • Siedlung
    • Stadt

2. Bauphase:
(1680)
um 1680/ 1700

Sehr wahrscheinlich ist bereits mit dieser 2. Bauphase das Fachwerk des Erdgeschosses zumindest an der östlichen Hauspartie in Stein ersetzt worden, welches angesichts der „nassen“ Standortlage (starke, permanente Bodenfeuchte durch die Brenznähe und immer wiederkehrende Hochwasser) nicht verwundert.
Betroffene Gebäudeteile:
Betroffene Gebäudeteile
  • Erdgeschoss

3. Bauphase:
(1750)
Im Verlauf des 18. Jh. geschahen mindestens zwei größere Bauaktionen im Haus, die durch erkannte Wandverschiebungen, veränderte Treppeneinbauten und Türenumbauten dokumentiert sind. Der wohl gröbste damalige Eingriff dürfte die Verschiebung der in Längsrichtung verlaufenden Innenwände gewesen sein, die zur Schaffung eines größeren Treppenflures in beiden Etagen völlig neue Raumverhältnisse schufen.
Der Einbau eines, wegen der Grundwasserhöhe nur wenig eingetieften Gewölbekellers im Erdgeschoss und die Schaffung von augenscheinlich handwerklich/ gewerblich genutzten Räumen kennzeichnen diese Ära des Hauses, wie die später wieder abgeschlagenen Stuckdecken, von welchen sich leider nur noch kümmerliche Reste in den Bodenschüttungen fanden.
Betroffene Gebäudeteile:
Betroffene Gebäudeteile
  • Erdgeschoss
  • Obergeschoss(e)
  • Untergeschoss(e)

4. Bauphase:
(1850)
Seit ca. 1850 erfuhr das Gebäude vielfache Veränderungen. Die Gestaltung der heutigen Fassade zur Spitalstraße hin etwa entstand zusammen mit erheblichen Eingriffen im 1. DG, wo an der Ostseite große Wohnkammern hergestellt wurden. Dabei wurden die ersten beiden Achsen des einstmals liegenden Dachstuhls herausgenommen und in senkrecht stehende Stützkonstruktionen umgebaut, welches sich negativ auf die Statik der darunter befindlichen Decke auswirkte. Nur wenige Jahrzehnte später erfuhr der restliche Bereich des 1. DG weitere Zimmereinbauten und Verluste am originären Dachwerk; auch entstanden eine Küche und ein Zugang für einen Abtritt. Der Letztgenannte hing noch bis vor wenigen Jahren als Trockenabort in Form eines Kloerkers an der Westgiebelseite und verschwand erst mit massiven Reparatureingriffen in dieser Hauspartie.
Im letzten Drittel des 19. Jh. erfuhr unser Objekt seinen letzten durchgreifenden Umbau, der mit wenigen Veränderungen bis 2003 den Raum- und Gestaltungscharakter des Hauses beibehalten sollte.
Betroffene Gebäudeteile:
Betroffene Gebäudeteile
  • Erdgeschoss
  • Obergeschoss(e)
  • Dachgeschoss(e)

5. Bauphase:
(2003)
Im Frühjahr 2003 hatte ein junger Unternehmer aus einer Kreisgemeinde das Objekt ohne langes Aufheben erworben und erteilte den Auftrag zur Instandsetzung des Hauses.
Betroffene Gebäudeteile:
keine

Besitzer

keine Angaben

Weiterer Datenbestand LAD

Die im Landesamt für Denkmalpflege vorhandenen Datenbestände der Restaurierung sind mit dem vorangestellten braunen Kästchen gekennzeichnet. Mit lila Kästchen versehene Objekte verweisen auf vorhandene Datenbestände der Bauforschung.
keines

Fotos

Spitalstraße 6 in 89537 Giengen an der Brenz (16.02.2016)
Spitalstraße 6 in 89537 Giengen an der Brenz (27.04.2004)

Zugeordnete Dokumentationen

  • Dendrochronologische Untersuchung

Beschreibung

Umgebung, Lage:
Das heute den Platz prägende Gebäude (seit Abbruch des Nachbargebäudes No. 4) bildet die städtebauliche Eckkante zwischen Spitalstraße und Lederstrasse.
Lagedetail:
  • Siedlung
    • Stadt
Bauwerkstyp:
  • Wohnbauten
    • Wohnhaus
Baukörper/Objektform (Kurzbeschreibung):
Das giebelständig zur Spitalstraße ausgerichtete, zweistöckige Gebäude erhebt sich auf einem 12 x 13 m großen Grundriss. Es ist mit einem Satteldach auf ehemals liegenden Stuhlwerken ausgestattet. Das Gebäude besteht im EG aus massiven Wänden. Im Ober- und den Dachgeschossen bestehen alle alten Wände aus verputztem Fachwerk mit Steinausfachungen.
Innerer Aufbau/Grundriss/
Zonierung:
Die jeweiligen Geschossdecken bestehen aus Holzbalken Q 20/ 22 bzw 18/ 20 (kleinster bekannter Querschnitt) mit Fehlböden, die mit Sand und Schüttgut gefüllt sind bzw. aus bis zu 15 cm dicken, oben überschütteten Lehmwickeldecken. Alle Deckenunterseiten sind glatt verputzt. Die gemessenen Putzstärken betragen z. T. bis zu 35 mm.

Die Fußbodenflächen im EG bestehen aus Natursteinplatten. In den oberen Etagen bestehen die Fußbodenoberflächen aus 22 mm starken Holzriemenböden bzw. in ehemaligen Nassbereichen aus Solnhofner Platten oder Zementestrich mit Fliesenbelägen.
Vorgefundener Zustand (z.B. Schäden, Vorzustand):
In den letzten 50 Jahren hat das Objekt mehr und mehr unter Flickerei und Stückwerk gelitten. Nahezu keine Hauspartie blieb dabei verschont. Nach Aussagen der Nachbarn wohnten zeitweise bis zu sechs Parteien im Haus, welche die Räume und die Grundrisszuschnitte immer wieder auf ihre Bedürfnisse änderten, was bei Betrachtung der vorgefundenen Verhältnisse lebhaft nachvollzogen werden kann.

Das abgewohnte Gebäude wurde letztlich um 1985 noch mit jeder Menge Problembaustoffen, Gipskartonschalen und „Saunabrettchen“ für seine letzte Funktion sehr provisorisch aufgepeppt.

Für das gesamte Dachwerk im 2. DG ist eine eingehende Instandsetzung und die Wiederherstellung durchgängiger, statischer Verhältnisse erforderlich. Die hier vorhandenen Wände bestehen aus Gips- und Spanplatten und entstammen der letzten Ausbauphase des Hauses.

Die Altfenster an der gesamten Ostwand (alle Etagen, samt Architravengestaltungen) und an der Südwand (östliche Partie, beide Geschosse) können restauratorisch instand gesetzt werden. Somit können an diesen Fenstern (alle um 1875-1900) alle Zargen, Bekleidungen, Beschläge und Verschlussmechaniken und weitere Details erhalten werden. Die anderen Fenster im Haus entstammen jüngeren Phasen. Sie stammen zum Teil nicht aus dem Haus, sondern wurden als „zufallspassende“ Konstruktionen hier eingesetzt oder sie sind wegen Totalzerstörung nicht mehr zu retten.
Bestand/Ausstattung:
keine Angaben

Konstruktionen

Konstruktionsdetail:
  • Decken
    • Balkendecke
  • Dachform
    • Satteldach
  • Dachgerüst Grundsystem
    • Sparrendach, q. geb. mit stehendem Stuhl
Konstruktion/Material:
Einige Partien, vor allem die südlichen Erdgeschoss-Außenwände lassen die Vermutung zu, dass hier ältere Wände aus Zeiten vor dem Stadtbrand 1634 beim Neuaufbau wiederverwendet worden sein können.

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