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Datenbank Bauforschung/Restaurierung

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Wohnstall-Speicherbau

ID: 184568396218  /  Datum: 29.04.2019
Datenbestand: Bauforschung und Restaurierung
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Objektdaten

Straße: Andreas-Hofer-Straße
Hausnummer: 32
Postleitzahl: 79111
Stadt: Freiburg-St. Georgen
Regierungsbezirk: Freiburg
Kreis: Freiburg im Breisgau (Stadtkreis)
Gemeinde: Freiburg im Breisgau
Wohnplatz: St. Georgen
Wohnplatzschlüssel: 8311000034
Flurstücknummer: keine
Historischer Straßenname: keiner
Historische Gebäudenummer: keine
Lage des Wohnplatzes: Lage des Wohnplatzes

Kartenansicht (OpenStreetMaps)

Objektbeziehungen

keine

Umbauzuordnung

keine

Weitere Objekte an diesem Wohnplatz

Ev. Lukaskirche, Am Mettweg 39 (79111 Freiburg)
Gutleuthaus (79111 Freiburg, Baslerlandstraße 118)
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Bauphasen

Kurzbeschreibung der Bau-/Objektgeschichte bzw. Baugestaltungs- und Restaurierungsphasen:

Von einem Kernbau, der sowohl nach den baulichen Befunden als auch nach den inschriftlichen Datierungen in das späte 16. Jahrhundert zu datieren ist, sind nur noch die massiven Mauerstrukturen erhalten. Inwieweit die am Straßengiebel vorhandene, in das Jahr 1608 datierte Konsole einer wie auch immer gearteten Baumaßnahme zuzuordnen ist, muss an dieser Stelle offen bleiben.
Sicher dagegen ist die Aussage, dass das Gebäude um das Jahr 1651 umfassend erneuert wurde, jedoch erst im 19. Jahrhundert seine heutige Nutzungsstruktur erhielt.


1. Bauphase:
(1590 - 1599)
Kernbau aus dem späten 16. Jahrhundert
Betroffene Gebäudeteile:
keine
Lagedetail:
  • Siedlung
    • Dorf

2. Bauphase:
(1608)
Konsole von 1608 an südlicher Giebelseite
Betroffene Gebäudeteile:
keine
Konstruktionsdetail:
  • Dachgerüst, verstärkende Einbauten
    • Unter-, Überzüge, Pfetten

3. Bauphase:
(1651)
Umfassende Erneuerung des Gebäudes
Betroffene Gebäudeteile:
keine

4. Bauphase:
(1800 - 1899)
Nutzungsänderung
Betroffene Gebäudeteile:
keine

Besitzer

keine Angaben

Zugeordnetes Objekt

keines

Fotos

Abbildungsnachweis
Straßenansicht / Wohnstall-Speicherbau in 79111 Freiburg-St. Georgen (Burghard Lohrum)

Zugeordnete Dokumentationen

  • Bauhistorische Kurzdokumentation

Beschreibung

Umgebung, Lage:
Das Wohnstall-Speicher-Gebäude steht giebelständig an der Nordseite der Andreas-Hofer-Straße.
Lagedetail:
  • Siedlung
    • Dorf
Bauwerkstyp:
  • Ländl./ landwirtschaftl. Bauten/ städtische Nebengeb.
    • Wohnstallhaus
Baukörper/Objektform (Kurzbeschreibung):
Bei dem untersuchten Bau handelt es sich um ein in Nord-Süd-Richtung ausgerichtetes Wohn- Stall- Speichergebäude unter einem gemeinsamem Satteldach. Mit dem Wohnteil giebelständig zur südlich verlaufenden Straße ausgerichtet, erstreckt sich der zweigeschossige Massivbau in den Hof, dessen Breitenausdehnung er mit seiner östlichen Traufwand begrenzt. Westlich des Gebäudes liegt die Hofeinfahrt.
Innerer Aufbau/Grundriss/
Zonierung:
keine Angaben
Vorgefundener Zustand (z.B. Schäden, Vorzustand):
keine Angaben
Bestand/Ausstattung:
keine Angaben

Konstruktionen

Konstruktionsdetail:
  • Dachform
    • Satteldach
  • Mischbau
    • Außenwand aus Stein
    • Innenwand aus Holz
  • Dachgerüst, verstärkende Einbauten
    • Kehlbalken, Kreuzbänder, Sparrenstreben etc.
Konstruktion/Material:
Das Dachwerk
Bei dem über dem Massivbau abgezimmerten und gegenüber dem älteren Vorgängerdach in seiner Höhenlage möglicherweise leicht angehobenen Dachwerk handelt es sich um ein quer eingebundenes, in die Dachbalken zapfendes Sparrendach.
Unterstützt werden die Sparrenpaare durch sechs liegende Querbünde. Diese tragen bzw. trugen im 1. Dachgeschoss vier in Firstrichtung verlaufende Rähmhölzer. Die beiden äußeren, die gesamte Dachlänge durchziehenden Rähmhölzer sind gleichzeitig Bestandteile der geneigten, unter den Dachflächen liegenden Längsbünde, während die beiden inneren Rähmhölzer den Abschluss zweier Fachwerkwände bilden. Letztere begrenzen einen Mittelflur, der sich ursprünglich über die drei südlichen Dachzonen erstreckte und im Norden in einen die restliche Dachfläche einnehmenden Dachraum mündete.
Die Aussteifung des Dachwerkes übernehmen in Querrichtung verzapfte Streben und in Längsrichtung sich überkreuzende Kopfstreben. Auch im Zuge der einfach verriegelten Fachwerkwände wurden verzapfte Streben ausgeführt. Zwischen den Querbünden sind über dem Wohnteil Kehlbalken verbaut, während der verbleibende Dachraum keine Kehlbalken besitzt. Dies war nicht immer so. Ursprünglich besaßen alle Sparrenpaare über die gesamte Dachbreite verlaufende Dachbalken und auf den äußeren Rähmhölzern waren über die gesamte Dachlänge Kehlbalken aufgelegt.
Das Dachwerk besteht ausschließlich aus Eichenholz und ist über dem Wohnteil rauchgeschwärzt. Seine Einheitlichkeit ist durch die Abfolge der Sparrendreiecke und der Querbünde belegt. So sind ausgehend vom Südgiebel insgesamt 18, nach dem römischen Zahlensystem gekennzeichnete Sparrendreiecke abgezimmert.
Nach der dendrochronologischen Datierung wurde das Dachwerk im Jahre 1651(d) errichtet.
Innerhalb des Dachraumes waren seitlich des Mittelflures jeweils drei Dachkammern angelegt, wobei die beiden südlichen Dachkammern durch zwei Giebelfenster des 16. Jahrhunderts belichtet werden.
Nicht so eindeutig zeigt sich die Befundlage am Gegengiebel, wo die Putzabdrücke auf eine später unterteilte Dachkammer über die Tiefe von zwei Dachzonen hindeuten.

Das Obergeschoss
Der Wohnteil
Massiv ummauert, bestehen die Innenwände des Obergeschosses weitgehend aus Fachwerk.
Einen lokalen Einblick in den konstruktiven Aufbau erlaubt der Treppenaufgang in das Dachgeschoss. Danach bilden das hier einsehbare Fachwerk und der zum Dachwerk gehörige Dachbalken eine zimmerungstechnische Einheit. Dieser Befund erlaubt die Aussage, dass sowohl das Dachwerk als auch die Innenstruktur des Obergeschosses einer gemeinsamen Zeitstellung angehören. Dies wird auch durch die vertikale Abstimmung der Querwände mit den Tragachsen im Dachwerk unterstrichen.
Danach ist sowohl die angetroffene Raumgliederung als auch deren Nutzung weitgehend in die Mitte des 17. Jahrhunderts zu datieren, wobei nicht auszuschließen ist, dass bei dem Umbau dieser Zeit die älteren Strukturen des 16. Jahrhunderts übernommen wurden. Dies trifft in erster Linie auf die Lage der Stube und ihre veränderten, aber für die Bauzeit nachvollziehbare Belichtungsöffnungen zu.

Der Wirtschaftsteil
Wieweit sich die Obergeschossnutzung nach Norden erstreckte, ist durch spätere Umbauten verunklärt. Doch lassen einzelne Putzflächen am Nordgiebel die Vermutung zu, dass auch im heutigen Wirtschaftsteil verschiedene Kammern oder Lagerräume angeordnet waren.

Das Erdgeschoss
Mit dem in das Jahr 1589 datierten Kellereingang ist nicht nur die älteste inschriftliche Datierung, sondern auch der älteste Massivbestand erfasst. Dazu gehört mit hoher Wahrscheinlichkeit auch die traufseitige Belichtung, wobei das Fehlen einer giebelseitigen Belichtung stutzig macht und auf eventuelle, zwischenzeitlich abgebrochene Anbauten zurückzuführen ist.

Bei den beiden folgenden Zonen handelte es sich im Jahre 1651 um eine große Halle. Erhalten ist das Gebälk, der mächtige Querunterzug und der Rest einer mittigen, mit Sattelholz ausgeführten Holzsäule. Die Funktion dieser Halle ist unbekannt. Sicher ist, dass von ihr aus eine Treppe nach oben führte, da die Gebälkauswechslung zum bauzeitlichen Bestand gehört. Bauzeitlich ist wohl auch der zweiflüglige Eingang, während die vermauerte Öffnung daneben erst in der nächsten Umbauphase angelegt wurde. Unklar bleibt auch die Nutzung des nördlichen Grundrissbereiches. Sicher ist, dass er um 1651 eine vom Bestand abweichende Gliederung besaß. Orientiert man sich an den durch das Dachtragwerk vorgegebenen Achsen, so sind zwei schmale Zonen zu vermuten, wobei die nördliche der beiden Zonen wohl schon im Jahre 1651 eine Einfahrt aufnahm.

Die im angetroffenen Zustand ablesbare Nutzung ist das Ergebnis eines im frühen 19. Jahrhundert erfolgten Umbaus. Dieser hatte zum Ziel, einen landwirtschaftlich genutzten Wirtschaftsteil, bestehend aus zwei Stallzonen, einer Einfahrt und einem bis in den Dachraum reichenden Heulager in den bestehenden Massivbau einzubauen. Dazu wurde nicht nur die massive Traufwand, sondern auch die massive, den Saal begrenzende Innenwand teilweise abgebrochen. Ergänzend dazu wurde die Toreinfahrt angelegt und zur Schaffung des Bergeraumes wurde das Dachgebälk herausgeschnitten. Übrig blieben die kurzen, von den Wechseln getragenen Dachfußbalken.

Im 16. und 17. Jahrhundert wohl ein herrschaftlicher Repräsentativbau, wurde das untersuchte Gebäude im 19. Jahrhundert zum landwirtschaftlich genutzten Bauernhaus.

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