Grüner Turm
Datenbestand: Bauforschung
Objektdaten
| Straße: | Turmstraße |
| Hausnummer: | 10 |
| Postleitzahl: | 71032 |
| Stadt-Teilort: | Böblingen |
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| Regierungsbezirk: | Stuttgart |
| Kreis: | Böblingen (Landkreis) |
| Wohnplatzschlüssel: | 8115003001 |
| Flurstücknummer: | keine |
| Historischer Straßenname: | keiner |
| Historische Gebäudenummer: | keine |
| Lage des Wohnplatzes: |
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Kartenansicht (OpenStreetMaps)
Bauphasen
Der sog. Grüne Turm bildet den nordöstliche Eckturm der im Mittelalter angelegten und in den folgenden Jahrhunderten mehrfach überformten Stadtbefestigung.
Der erste systematische Ausbau der städtischen Befestigungsanlagen in Böblingen erfolgte in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts unter Pfalzgraf Rudolf von Tübingen. Die Befestigung war als Mauerring mit wenigen Toren und Türmen sowie noch ohne vorgelagerte Rondelle angelegt. In ihrer strategisch wichtigen Lage an der nordöstlichen Ecke der ursprünglichen Stadtbefestigung könnte der Grüne Turm bereits zusammen mit dem ersten Ausbau der städtischen Befestigungsanlage entstanden sein.
Seit der Mitte des 15. Jahrhunderts war Böblingen Residenzstadt und Witwensitz der württembergischen Grafenwitwe Mechthild von der Pfalz, deren erneute Hochzeit im Jahr 1452 wohl den Anlass für den fortifikatorischen Ausbau der Stadtbefestigung bedeutete. In diese Zeit ist auch das Kegeldach des Grünes Turmes dendrochronologisch belegbar.
Für das Jahr 1581 sind weitere Veränderungen und teilweise Erneuerungen der Stadtbefestigung belegt, ebenso Instandsetzungsmaßnahmen in der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts. Inwiefern diese auch den Grünen Turm betreffen, ist nicht archivarisch nicht belegt.
Während des Mittelalters sowie zu Zeiten der Bauernkriege und des 30-Jährigen Krieges dürfte der Grüne Turm als Teil der Stadtbefestigung - wie regional- und zeittypisch üblich - primär fortifikatorischen Zwecken gedient haben. Spätestens ab dem 19. Jahrhundert und bis Anfang des 20. Jahrhunderts ist eine Sekundärnutzung als Gefängnis belegt. Nach Kriegsende waren ab 1945 Flüchtlingen und Vertriebene im Turm untergebracht. Von 1958 bis 2015 dienten die Räumlichkeiten es Turms u.a. als Ladenfläche und als Gruppenräume der kirchlichen Jugend. Seit 2015 steht der Turm leer.
(1200 - 1299)
- Befestigungsanlage
- allgemein
- Befestigungs- und Verteidigungsanlagen
- Stadtbefestigung, allgemein
- Turm
(1452)
- Dachgeschoss(e)
(1780 - 1901)
(1945)
Zugeordnete Dokumentationen
- Bauhistorischer Bericht
Beschreibung
- Siedlung
- Stadt
- Befestigungs- und Verteidigungsanlagen
- Turm
In seiner äußeren Gestaltung zeigt sich der vollständig verputzte Rundturm durch eine abgesetzte Sockelzone und ein nur wenig vorkragendes zweites Obergeschoss horizontal gegliedert. Dagegen weist der Anbau einen Materialwechsel zwischen Natursteinquadern und Putzfläche auf Höhe der Fensterbrüstungen des ersten Obergeschosses auf. Die Fenstergliederung variiert zwischen den Geschossen. Im Erdgeschoss befinden sich drei schlüssellochartige Schießscharten, jeweils mit einfach behauenen Natursteingewänden eingefasst. Die Schießscharten bestehen aus je einem vertikalen Schlitz mit einer mittig gelegenen, kreisrunden Öffnung und einem halbkreisförmigen unteren Abschluss, welcher im Querschnitt nach außen hin steil abfällt.
Zonierung:
Dies ist ein typisches Indiz für eine nachträgliche, fortifikatorisch nicht relevante Gebäudeerweiterung, häufig als Fachwerk ausgeführt.
Die aktuelle Grundrissgliederung zeigt im Bereich des Rundturmes in allen Geschossen eine einräumige Aufteilung, die entsprechend der versetzten Eingangstüren im Erdgeschoss von Westen, im ersten Obergeschoss von Südwesten und im zweiten Obergeschoss von Süden erschlossen wird. Die Grundrissstruktur des Anbaus variiert dagegen entsprechend des ansteigenden Höhenniveaus.
Konstruktionen
- Mischbau
- Obergeschoss(e) aus Holz
- Decken
- Balkendecke
- Steinbau Mauerwerk
- allgemein
- Quader
- Dachform
- Kegeldach/-helm
- Walmdach
- Holzgerüstbau
- allgemein
- Verwendete Materialien
- Sandstein
Das Mauerwerk des Rundturms ist außenseitig vollflächig und gleichmäßig verputzt.
Die Deckenaufbauten im Rundturm und im Anbau bestehen alle aus Holzbalkenlagen mit unterschiedlichen oberseitigen Bodenbelägen und teilweise mit unterseitigen Bekleidungen.
Das Dachtragwerk des Grünen Turms entspricht in seinem Aufbau den beiden separat anzusprechenden Dachabschnitten aus einem Kegeldach über dem Rundturm und einem Walmdach über dem Anbau..
Das Kegeldach besteht aus 16 überwiegend in gleiche Abständen radial angeordneten Sparren, die an den Fußpunkten in die Deckenbalken eingezapft und mit Aufschieblingen verstärkt sind.


