Hauptstrasse 13 (Mosbach)

Datenbank Bauforschung/Restaurierung

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Grüner Turm

ID: 172315793511  /  Datum: 10.02.2026
Datenbestand: Bauforschung
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Objektdaten

Straße: Turmstraße
Hausnummer: 10
Postleitzahl: 71032
Stadt-Teilort: Böblingen

Regierungsbezirk: Stuttgart
Kreis: Böblingen (Landkreis)
Wohnplatzschlüssel: 8115003001
Flurstücknummer: keine
Historischer Straßenname: keiner
Historische Gebäudenummer: keine
Lage des Wohnplatzes: Lage des Wohnplatzes

Kartenansicht (OpenStreetMaps)

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Objektbeziehungen

keine

Umbauzuordnung

keine

Weitere Objekte an diesem Wohnplatz

Wohnhaus, Poststraße 18 (71032 Böblingen)

Bauphasen

Kurzbeschreibung der Bau-/Objektgeschichte bzw. Baugestaltungs- und Restaurierungsphasen:

Der sog. Grüne Turm bildet den nordöstliche Eckturm der im Mittelalter angelegten und in den folgenden Jahrhunderten mehrfach überformten Stadtbefestigung.
Der erste systematische Ausbau der städtischen Befestigungsanlagen in Böblingen erfolgte in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts unter Pfalzgraf Rudolf von Tübingen. Die Befestigung war als Mauerring mit wenigen Toren und Türmen sowie noch ohne vorgelagerte Rondelle angelegt. In ihrer strategisch wichtigen Lage an der nordöstlichen Ecke der ursprünglichen Stadtbefestigung könnte der Grüne Turm bereits zusammen mit dem ersten Ausbau der städtischen Befestigungsanlage entstanden sein.
Seit der Mitte des 15. Jahrhunderts war Böblingen Residenzstadt und Witwensitz der württembergischen Grafenwitwe Mechthild von der Pfalz, deren erneute Hochzeit im Jahr 1452 wohl den Anlass für den fortifikatorischen Ausbau der Stadtbefestigung bedeutete. In diese Zeit ist auch das Kegeldach des Grünes Turmes dendrochronologisch belegbar.
Für das Jahr 1581 sind weitere Veränderungen und teilweise Erneuerungen der Stadtbefestigung belegt, ebenso Instandsetzungsmaßnahmen in der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts. Inwiefern diese auch den Grünen Turm betreffen, ist nicht archivarisch nicht belegt.
Während des Mittelalters sowie zu Zeiten der Bauernkriege und des 30-Jährigen Krieges dürfte der Grüne Turm als Teil der Stadtbefestigung - wie regional- und zeittypisch üblich - primär fortifikatorischen Zwecken gedient haben. Spätestens ab dem 19. Jahrhundert und bis Anfang des 20. Jahrhunderts ist eine Sekundärnutzung als Gefängnis belegt. Nach Kriegsende waren ab 1945 Flüchtlingen und Vertriebene im Turm untergebracht. Von 1958 bis 2015 dienten die Räumlichkeiten es Turms u.a. als Ladenfläche und als Gruppenräume der kirchlichen Jugend. Seit 2015 steht der Turm leer.


1. Bauphase:
(1200 - 1299)
Errichtung der Stadtbefestigung im 13. Jahrhundert
Betroffene Gebäudeteile:
keine
Lagedetail:
  • Befestigungsanlage
    • allgemein
Bauwerkstyp:
  • Befestigungs- und Verteidigungsanlagen
    • Stadtbefestigung, allgemein
    • Turm

2. Bauphase:
(1452)
Fortifikatorische Ausbauphase mit der Errichtung der vorgelagerten Zwingermauer mit fünf nordseitigen Rondellen; Errichtung des Kegeldachs des Grünes Turms (1452 (d)).
Betroffene Gebäudeteile:
Betroffene Gebäudeteile
  • Dachgeschoss(e)

3. Bauphase:
(1780 - 1901)
Zweitnutzung als Gefängnis laut Inschriftentafel am Gebäude (a), nach 1825 Nutzung des Turms als Ausweichszelle nur noch bei Überfüllung des Ortsarrestes. Laut Ortschronik diente das EG bis 1901 noch als "Zelle", während das OG als Wohnung bezeichnet war.
Betroffene Gebäudeteile:
keine

4. Bauphase:
(1945)
Einzug einer zusätzlichen Zwischendecke, um den Turm nach Kriegsende als Wohnraum für Flüchtlinge und Vertriebene zu nutzen.
Betroffene Gebäudeteile:
keine

Besitzer:in

keine Angaben

Fotos

Abbildungsnachweis
Nordwestansicht / Grüner Turm in 71032 Böblingen (2025 - Anna Luib, strebewerk. Architekten GmbH)
Abbildungsnachweis
Ansicht von Westen / Grüner Turm in 71032 Böblingen (2025 - Anna Luib, strebewerk. Architekten GmbH)

Zugeordnete Dokumentationen

  • Bauhistorischer Bericht

Beschreibung

Umgebung, Lage:
Der grüne Turm befindet sich an der nordöstlichen Ecke der ursprünglichen Stadtbefestigung Böblingens und markiert damit heute den Übergang vom Altstadtkern zu den Stadterweiterungen des 19. und 20. Jahrhunderts.
Lagedetail:
  • Siedlung
    • Stadt
Bauwerkstyp:
  • Befestigungs- und Verteidigungsanlagen
    • Turm
Baukörper/Objektform (Kurzbeschreibung):
Der Grüne Turm setzt sich aus zwei Baukörpern zusammen, dem massiven Rundturm und einem südwestseitig vorspringenden, rechteckigen Anbau. Die Dachflächen nehmen die Kubatur auf und zeigen eine Verschneidung von Kegeldach und Walmdach mit steigendem Firstverlauf. Bedingt durch das nach Süden hin ansteigende Geländeniveau und die dort befindliche Treppenanlage ist der Anbau teilweise in den Hang hineingebaut. Die Erschließung aller Geschosse erfolgt separat von außen, die Zugangstüren zu den einzelnen Geschossen befinden sich alle im Anbau, allerdings versetzt zueinander.

In seiner äußeren Gestaltung zeigt sich der vollständig verputzte Rundturm durch eine abgesetzte Sockelzone und ein nur wenig vorkragendes zweites Obergeschoss horizontal gegliedert. Dagegen weist der Anbau einen Materialwechsel zwischen Natursteinquadern und Putzfläche auf Höhe der Fensterbrüstungen des ersten Obergeschosses auf. Die Fenstergliederung variiert zwischen den Geschossen. Im Erdgeschoss befinden sich drei schlüssellochartige Schießscharten, jeweils mit einfach behauenen Natursteingewänden eingefasst. Die Schießscharten bestehen aus je einem vertikalen Schlitz mit einer mittig gelegenen, kreisrunden Öffnung und einem halbkreisförmigen unteren Abschluss, welcher im Querschnitt nach außen hin steil abfällt.
Innerer Aufbau/Grundriss/
Zonierung:
Die über alle Geschosse vergleichbare Grundrissstruktur entspricht einem Dreiviertelkreis mit unregelmäßig polygonalem Anbau an der Südwestseite. Dabei ist die Wandstärke des Rundturmes deutlich größer als die des Anbaus: Im Erdgeschoss messen die gerundeten Außenwände im Durchschnitt 1,20 Meter, im ersten Obergeschoss 1,10 Meter und im zweiten Obergeschoss rund 0,8 Meter. Der lediglich im ersten und zweiten Obergeschoss ausgebaute Anbau weist dagegen Wandstärken von 20 bis 30 Zentimetern auf.
Dies ist ein typisches Indiz für eine nachträgliche, fortifikatorisch nicht relevante Gebäudeerweiterung, häufig als Fachwerk ausgeführt.
Die aktuelle Grundrissgliederung zeigt im Bereich des Rundturmes in allen Geschossen eine einräumige Aufteilung, die entsprechend der versetzten Eingangstüren im Erdgeschoss von Westen, im ersten Obergeschoss von Südwesten und im zweiten Obergeschoss von Süden erschlossen wird. Die Grundrissstruktur des Anbaus variiert dagegen entsprechend des ansteigenden Höhenniveaus.
Vorgefundener Zustand (z.B. Schäden, Vorzustand):
keine Angaben
Bestand/Ausstattung:
keine Angaben

Konstruktionen

Konstruktionsdetail:
  • Mischbau
    • Obergeschoss(e) aus Holz
  • Decken
    • Balkendecke
  • Steinbau Mauerwerk
    • allgemein
    • Quader
  • Dachform
    • Kegeldach/-helm
    • Walmdach
  • Holzgerüstbau
    • allgemein
  • Verwendete Materialien
    • Sandstein
Konstruktion/Material:
Die Wandaufbauten im Rundturm unterscheiden sich von denen des südwestseitig vorspringenden, rechteckigen Anbaus. Während der Rundturm durchgehend aufgemauert ist, besteht der Anbau nur im Erdgeschoss aus Mauerwerk, die beiden Obergeschosse sind in Fachwerkbauweise ergänzt. Das erdgeschossige, steinsichtige Mauerwerk am Anbau besteht aus großformatigen Sandsteinblöcken in unterschiedlichen Farbvarietäten und variierenden Oberflächenbearbeitungsspuren.
Das Mauerwerk des Rundturms ist außenseitig vollflächig und gleichmäßig verputzt.
Die Deckenaufbauten im Rundturm und im Anbau bestehen alle aus Holzbalkenlagen mit unterschiedlichen oberseitigen Bodenbelägen und teilweise mit unterseitigen Bekleidungen.
Das Dachtragwerk des Grünen Turms entspricht in seinem Aufbau den beiden separat anzusprechenden Dachabschnitten aus einem Kegeldach über dem Rundturm und einem Walmdach über dem Anbau..
Das Kegeldach besteht aus 16 überwiegend in gleiche Abständen radial angeordneten Sparren, die an den Fußpunkten in die Deckenbalken eingezapft und mit Aufschieblingen verstärkt sind.

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