Ottilienkapelle (Eppingen)

Datenbank Bauforschung/Restaurierung

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Pfarrkirche St. Antholianus

ID: 162415949010  /  Datum: 08.04.2021
Datenbestand: Bauforschung
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Objektdaten

Straße: Kirchstraße
Hausnummer: 2-8
Postleitzahl: 70794
Stadt-Teilort: Filderstadt

Regierungsbezirk: Stuttgart
Kreis: Esslingen (Landkreis)
Wohnplatzschlüssel: 8116077011
Flurstücknummer: keine
Historischer Straßenname: keiner
Historische Gebäudenummer: keine
Lage des Wohnplatzes: Lage des Wohnplatzes
Geo-Koordinaten: 48,6539° nördliche Breite, 9,1965° östliche Länge

Kartenansicht (OpenStreetMaps)

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Objektbeziehungen

keine

Umbauzuordnung

keine

Weitere Objekte an diesem Wohnplatz

Wohnhaus (70794 Filderstadt, Hohenheimer Straße 1)
Wohnhaus (70794 Filderstadt, Kirchstraße 11)

Bauphasen

Kurzbeschreibung der Bau-/Objektgeschichte bzw. Baugestaltungs- und Restaurierungsphasen:

Bestehende Kirche mit spätgotischem Chor und Sakristei von 1481 (d) und Langhaus von 1522 (d), sowie dem 1786 (a) aufgestockten Dachreiter (im Kern von) von 1522 (d).


1. Bauphase:
(1480 - 1481)
Errichtung des Chores mit Sternrippengewölbe und polygonal abgewalmtem Dachwerk, Sakristei mit Rippengewölbe, sowie Ansatz der Langhausnordwand.
Betroffene Gebäudeteile:
Betroffene Gebäudeteile
  • Erdgeschoss
  • Dachgeschoss(e)
Lagedetail:
  • Siedlung
    • Dorf
Bauwerkstyp:
  • Sakralbauten
    • Pfarrkirche
Konstruktionsdetail:
  • Steinbau Mauerwerk
    • allgemein
  • Dachgerüst Grundsystem
    • Sparrendach, q. geb. mit liegendem Stuhl
  • Gewölbe
    • Rippengewölbe

2. Bauphase:
(1522)
Errichtung Langhaus mit Satteldach und westlichem Giebelreiter.
Giebelreiter in den unteren zwei Ebenen gegen massiv errichtete Westgiebelseite gesetzt und ursprünglich mit einem auf der Westgiebelseite aufsitzenden Glockengeschoss versehen.
Betroffene Gebäudeteile:
Betroffene Gebäudeteile
  • Erdgeschoss
  • Dachgeschoss(e)
Lagedetail:
  • Siedlung
    • Dorf
Bauwerkstyp:
  • Sakralbauten
    • Pfarrkirche
Konstruktionsdetail:
  • Dachform
    • Dachreiter

3. Bauphase:
(1786)
Aufstockung des Giebelreiters von 1522 in Fachwerk mit pyramidenstumpfförmigem Dachwerk. (d)
Betroffene Gebäudeteile:
Betroffene Gebäudeteile
  • Dachgeschoss(e)
Lagedetail:
  • Siedlung
    • Dorf
Bauwerkstyp:
  • Sakralbauten
    • Pfarrkirche
Konstruktionsdetail:
  • Dachform
    • Dachreiter

Besitzer

keine Angaben

Fotos

Abbildungsnachweis
Ansicht von Süden.  / Pfarrkirche St. Antholianus in 70794 Filderstadt, Plattenhardt (26.02.2008 - Foto: Tilmann Marstaller)

Zugeordnete Dokumentationen

  • Bauhistorische Kurzuntersuchung

Beschreibung

Umgebung, Lage:
Das Gebäude liegt zentral im Ort und ist auf einem spornartig zur Uhlbergstraße vorspringenden Plateau errichtet.
Lagedetail:
  • Siedlung
    • Dorf
Bauwerkstyp:
  • Sakralbauten
    • Pfarrkirche
Baukörper/Objektform (Kurzbeschreibung):
Bestehende Kirche mit spätgotischem Chor und Sakristei von 1481 (d) und Langhaus von 1522 (d), sowie dem 1786 (a) aufgestockten Dachreiter (im Kern von) von 1522 (1522 d).
Innerer Aufbau/Grundriss/
Zonierung:
Saalkirche mit ausgeschiedenem gewölbten Polygonalchor im Osten und nördlich an den Chor angeschlossener Sakristei.
Vorgefundener Zustand (z.B. Schäden, Vorzustand):
Pfarrkirche während der Sanierung.
Bestand/Ausstattung:
keine Angaben

Konstruktionen

Konstruktionsdetail:
  • Gewölbe
    • Rippengewölbe
  • Dachgerüst Grundsystem
    • Balkendach mit Rofen und liegendem Stuhl
  • Dachform
    • Dachreiter
  • Steinbau Mauerwerk
    • allgemein
Konstruktion/Material:
Errichtung von Chor, Sakristei und Nordseite 1480/81 d

Um etwa 1478/79 wurde der Chor oder Chorturm der spätromanischen Kirche abgebrochen und an dessen Stelle der bestehende spätgotische Polygonalchor mitsamt der nördlich am Chor anschließenden Sakristei erbaut. Die Zusammengehörigkeit der einzelnen Bauteile belegen die neu erfassten Steinmetzzeichen.
Der durch vier spitzbogige Maßwerkfenster beleuchtete Chor kam 1481 (1480/81 d) unter Dach, sodass er anschließend mit dem erhaltenen Sternrippengewölbe eingewölbt werden konnte. Zeitgleich erhielt auch die Sakristei ihr Netzrippengewölbe. Als Baumeister ist durch einen Wappenschild im Chorgewölbe der Steinmetz mit dem Zeichen Nr. 1a /1b, belegt. Wie in vielen anderen Kirchen hat der Baumeister auch selbst Hand angelegt, wie sein teils spiegelbildlich angelegtes „Gesellenzeichen“ in der Sakristei, am Chorbogen und an zwei Chorfenstern beweist.
Anders als bislang interpretiert, muss aufgrund der abweichenden Fensterformen dem auffällig kleineren östlichen Nordportals, vor allem aber wegen des Steinmetzzeichens Nr. 3 am figürlich gestalteten Sturz des östlichen Zwillingsfensters auch der östliche Teil der Langhausnordseite der Bauphase um 1480/81 zugeordnet werden. So spricht vieles dafür, dass man bei Errichtung der neuen Ostteile auch die Nordseite des Vorgängerlanghauses abgebrochen und die neue Nordwand an die Westseite des alten Kirchenschiffs angebunden hat. Trifft diese Überlegung zu, würde dies die eigenartig stark abknickende Flucht von Chor und Langhaus auf einfache Weise erklären und man müsste nicht symbolische Deutungen bemühen, wie man sie für entsprechende Bauten mit auffälliger Richtungsabweichung von Chor und Langhaus wie beispielsweise bei der hochgotischen Kathedrale im bretonischen Quimper herangezogen hat.

Das Sternrippengewölbe des Chors ruht auf Runddiensten, deren halbkegelförmige, dem Durchmesser der Dienste angepasste Konsolen die Runddienste optisch schräg aus den Chorwänden emporwachsen lassen. Die Gewölberippen sind in ihrer doppelten Kehlung recht aufwändig gestaltet, was in leichtem Wiederspruch zur schlichten Gestaltung der nichtfigürlichen Schlusssteine steht. Diese zeigen nach unten flache, monochrom bemalte Flächen, die in beiden Fällen erhabene, vierpassförmige Rahmungen erhielten. Im Falle des Hauptschlusssteins finden sich zudem rechtwinklige Zwickel, welche die Innfläche als Schnittmenge von Vierpass und Quadrat erscheinen lässt. An den östlichen Rippenkreuzungen finden sich ferner vier Wappenschilde, die abwechselnd blau und rot bemalt sind. Nur der kleinste, in der Mittelachse befindliche Wappenschild gibt Auskunft über seine Bedeutung, denn hier findet sich das erhaben gestaltete und sich auch durch schwarzen Anstrich von dem roten Grund des Schildes abhebende Steinmetzzeichen des Baumeisters. Als Meisterzeichen taucht das Steinmetzzeichen auch am Sakristeigewölbe in der „Alten Kirche“ zu Stuttgart-Hedelfingen auf, deren größerer, vierpassförmig gerahmter, ansonsten aber flach gehaltener Schlussstein eine formale Parallele zum westlichen Schlussstein im Chorgewölbe der Antholianuskirche darstellt.
Als einfaches „Gesellenzeichen“ taucht der Plattenhardter und Hedelfinger Gewölbebaumeister am Langhaus der Pfarrkirche in Frickenhausen auf. Dessen Dachwerk ist dendrochronologisch auf 1482 (1481/82 d) datiert – nur ein Jahr nach Fertigstellung des Chordachwerks der Antholianuskirche. Demnach waren das Langhaus der Frickenhäuser Kirche und die Ostteile der Antholianuskirche zur selben Zeit im Bau und wurden von derselben Bauhütte ausgeführt, was u.a. auch an den hier wie dort nachgewiesenen, zweibahnigen Rechteckfenstern Ausdruck findet. Neben dem Zeichen des Plattenhardter Meisters ist in Frickenhausen ein weiteres Steinmetzzeichen belegt, dessen Träger an beiden Baustellen tätig war. Von seiner Hand stammt in Plattenhardt das kuriose Männlein, das sich – der Schwerkraft trotzend – kopfüber mit seinen Armen am Sturz des zweibahnigen Fensters der Langhausnordseite abzustützen scheint.

Der Langhausneubau mit Giebelreiter 1522 d

Für die anwachsende Gemeinde erwies sich das nur leicht erweiterte Kirchenschiff schon bald als zu klein. So wurde nach Aussage der dendrochronologischen Untersuchung das übriggebliebene romanische Langhaus im Jahr 1522 durch einen immer noch einschiffigen Saal von 17 m Länge und 6 m Breite ersetzt. Wie Wilfried Pfefferkorn 1985 feststellte, war das Mauerwerk des Kirchenschiffs „ringsum in einem Zug errichtet worden, d.h. spätere Veränderungen müssen sich auf Türen und Fenster beschränkt haben. Eine Erweiterung hat nie stattgefunden, die heutige Größe war von Anfang an gegeben.“ Die einzige Ausnahme bilden wie erwähnt die östlichen Teile der Nordseite.
Bemerkenswert ist der Zeitpunkt der Erweiterung, da nur drei Jahre zuvor der eigentliche Orts- und wohl auch Patronatsherr der Kirche, Herzog Ulrich aus dem Lande vertrieben wor-den war. Der Neubau erfolgte somit unter österreichischer Regentschaft, just in dem Jahr, als Württemberg in die Obhut des Bruders des frisch gekürten Kaisers Karl V., Erzherzog Ferdinand von Österreich übergeben worden war. Die Habsburger Herrschaft scheint nach 1520 mehrfach im Land als Stifter oder Mitstifter von Kirchenum- oder gar -neubauten aufzutreten, wie offenbar beim Einbau des großartigen Langhausgewölbes in Weilheim an der Teck, das im selben Jahr fertiggestellt war, wie das Schiffsdachwerk der Antholianuskirche.
Der Langhausneubau in Plattenhardt ist betont schlicht gehalten und fällt baulich nur durch seine Rechteckfenster aus dem Rahmen der üblicherweise zu erwartenden Bauformen. Die „modern“ anmutenden Fensteröffnung sind im Süden durchgängig zweibahnig gestaltet, während die zum Neubau 1522 gehörigen Fenster im westlichen Teil der Nordseite keinen Mittelsteg aufweisen. Lediglich die beiden neuen Türöffnungen an der Nord- und Südseite zeigen die in der Umgebung damals noch übliche spätgotische Ausformung als Spitzbogenportale. Auch hier ist die bereits an den Fenstern sichtbare Aufwertung der Südseite zu erkennen, da das Südportal mit zusätzlichen Stäben reicher gestaltet ist, als das einfach gekehlte Nordportal. Auf ein Westportal wurde beim Neubau verzichtet.
Eine Merkwürdigkeit des Langhausneubaus stellt ein weiterer leichter Knick etwa auf halber Schiffslänge dar. Er ist am massiven Baukörper kaum wahrnehmbar, scheint aber auf Probleme beim Neubau hinzuweisen. Denn die darüber aufgerichtete Dachkonstruktion zeigt just an dieser Stelle eine konstruktive Fuge und knickt ebenfalls leicht ab. „Verdächtig“ sind auch die Abbundzeichen, mit denen, die Bauhölzer beim Abbinden auf dem Zimmerplatz bezeichnet wurden. Die Zählung beginnt am ersten Bund vor dem Westgiebel, endet aber just an der Baufuge, um am östlichen Dachteil wieder mit „1“ zu beginnen. Dies bedeutet, dass die beiden Dachteile separat abgezimmert worden sein müssen. Als auffällig erwies sich auch das verwendete Bauholz, da der Eichenholzanteil im westlichen Dachteil deutlich höher ist als im Osten des Langhauses.
Die zur Überprüfung dieses Baubefundes durchgeführte dendrochronologische Nachuntersuchung ergab jedoch, dass beide Konstruktionsteile aus zeitgleich gefällten Hölzern bestehen. Dem Datierungsbefund entspricht auch die gleichartige Konzeption der Dachgerüste.
So deuten der Knick und die Baufuge im Dachwerk schlicht auf einen Messfehler hin. Denn aufgrund der Befunde erscheint plausibel, dass der Neubau des Langhauses an der Westgie-belseite begonnen wurde und erst dann, als der Bau schon zu weit gediehen war, der ange-nommene Messfehler bemerkt und durch den Knick ausgeglichen werden musste.
Die bauliche Gestalt des Kirchenraumes mitsamt Dachwerk ist seit dem 1865 erfolgten Einbau einer hölzernen Tonne durch Christian v. Leins und der Renovation der Kirche 1965 stark verändert. Zum Glück ließ Leins vor dem Umbau den alten Baubestand wenigstens einigermaßen sorgfältig dokumentieren, sodass zusammen mit den erhaltenen Baubefun-den eine weitgehende Rekonstruktion des interessanten Dachwerks von 1522 (1522 d) mög-lich erschien. Diese Aufgabe übernahmen Michael Loth und Benedikt Zeller, zwei Studenten der Universität Stuttgart, welche das Dachgerüst über dem Langhaus im Zuge einer Seminararbeit weiter untersucht und zeichnerisch dokumentiert haben.
Demnach war der Kirchensaal nach oben flach mit einer Balkendecke geschlossen. Das den Raum überspannende Dachwerk ist als dreigeschossiges Sparrendach konzipiert. Die Gespärre werden durch eine auf die beiden unteren Ebenen verteilte, jeweils zweifach liegende Stuhlkonstruktion verstärkt und sind mit einem in der Firstachse angelegten, quer abgesprengten Hängewerk kombiniert. Das Hängesprengwerk der tragenden Querbünde setzte sich zusammen aus einem kräftig dimensionierten Längsunterzug unter dem Dachgebälk, der an einem langen, bis in das dritte Dachgeschoss reichenden Zugholzpaar aufgehängt wurde. Dabei nahmen die Zughölzer den Unterzug in die Zange und wurden laut der Dokumentation Leins mit sechs Metallbolzen fest miteinander verbunden. Die Aufhängung der Zughölzer erfolgte einerseits mit Hilfe von Blattverbindungen mit den Druckriegeln der liegenden Stühle und den Kehlbalken der Bundgespärre. Die Blattverbindungen wurden allesamt mit kräftigen Holznägeln gesichert. Zudem erhielten die Zughölzer eine Absprengung mit langen Sprengblattstreben, die an die Stuhlstreben im ersten Dachgeschoss angeblattet sind, am Kopfende aber in die Zughölzer gezapft waren.
Das ursprüngliche Langhaus besaß folglich eine flache Decke, die spätestens um 1620 (1622 i?) farbig gefasst wurde. Da die Dachbalken, welche die Decke bilden, ebenfalls farbig gefasst wurden, waren sie von unten her sichtbar. Bei der Renovierung 1965 wurde die Spitztonne des 19. Jahrhunderts durch Einzug einer Deckenbalkenlage kaschiert und der Raumeindruck der Zeit um 1620 wieder hergestellt.

Ein Dachgiebelreiter von 1522 und 1786 als Glockenturm

Zur Bauzeit des Langhausdachwerks gehören auch noch die beiden unteren Etagen des westlichen Giebelreiters, der seit 1522 als Glockenturm fungiert. Das damals hochmodern mit verzapft ausgeführten Streben (Fußstreben und Feldstreben) ausgesteifte Holzgerüst des Turmes besteht ebenso wie das übrige Langhausdachwerk sowohl aus lokal eingeschlagenen Eichenhölzern, als auch aus geflößten Nadelhölzern, welche die ältesten Belege im Ort darstellen. Der ursprüngliche Turmabschluss, bei dem es sich nach Aussage der Ortsansicht von Andreas Kieser um 1680/87 um ein fachwerksichtiges Glockengeschoss mit einem darüber aufgeschlagenen, quer zum Langhaus orientierten Satteldach mit Steilgiebeln handelte, ist nicht mehr vorhanden. Bereits 1768 befand der Dekan bei der Visitation: „An diesem Ort ist Kirchenthurm, Dach, Kirchhofmauer und Uhr sehr elend und schadhaft, wozu [der überbelegte Kirchhof] noch kommt“. Im selben Jahr wurde der Kirchturm und das Kirchendach repariert sowie die Kirchhofmauer erneuert und eine neue Kirchenuhr eingebaut. Schließlich mussten 1786 das alte Glockengeschoss und Dachwerk von 1522 abgetragen werden. Anschließend errichtete man auf den noch tragfähigen unteren Stockwerken aus zahlreichen wiederverwendeten Hölzern, frisch gefällten Eichen sowie (vor allem im Dachwerk) aus geflößten Nadelhölzern den heute bestehenden, um ein Stockwerk höheren Turmabschluss. Als besonderes Kennzeichen erhielt der Turm nun eine Dachpyramide, die mit grün glasierten Dachziegeln gedeckt wurde.

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