Objekt(741): St. Peter und Paul St. Peter und Paul

ID: 121221419197
Datum: 29.01.2008
Datenbestand: BauforschungBauforschung
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Information(741): St. Peter und Paul Objektdaten

Straße: Lindenplatz
Hausnummer: 7
Postleitzahl: 74206
Stadt: Bad Wimpfen - Wimpfen im Tal
Regierungsbezirk: Stuttgart
Kreis: Heilbronn (Landkreis)
Gemeinde: Bad Wimpfen
Wohnplatz: Wimpfen im Tal
Wohnplatzschlüssel: 8125007012
Flurstücknummer: keinekeine
Historischer Straßenname: keinerkeiner
Historische Gebäudenummer: keinekeine
Lage des Wohnplatzes
BW
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Objektverknüpfungen(741): St. Peter und Paul Objektbeziehungen

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Objekt(741): St. Peter und Paul Umbauzuordnung

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Objekt(741): St. Peter und Paul Weitere Objekte an diesem Wohnplatz

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Bauphasen(741): St. Peter und Paul Bauphasen

Kurzbeschreibung der Bau-/Objektgeschichte bzw. Baugestaltungs- und Restaurierungsphasen:

Geschichte
Bereits auf den ersten Blick wird eine Entstehung in zwei zeitlich um mehr als zwei Jahrhunderte getrennten Bauphasen deutlich: an einen vor- bzw. frühromanischen Westbau schließen sich östlich die in hochgotischen Formen errichteten übrigen Teile an. Der im frühen 11. Jahrhundert entstandene Vorgängerbau kann nach den Grabungen 1895 bis 1897 und 1961 als ein sechseckiger Kernbau mit einem zwölfeckigen Umgang rekonstruiert werden. In der Gesamtdisposition als polygonaler Zentralbau mit doppelgeschossigem, gewölbtem Umgang steht der Bau in der zahlreichen Nachfolge der 795 bis 800 errichteten Aachener Pfalzkapelle Karls des Großen. An diese erinnert auch die monumentale Eingangsnische der – wenn auch stark restauriert – erhaltenen Westfassade. Vom Aachener Vorbild weichen jedoch die beiden unvermittelt auf dem Fassadenblock aufsitzenden oktogonalen Türmchen ab. Deren Existenz spricht ebenso für eine Entstehung in spätottonischer oder frühsalischer Zeit wie die Gliederung der Schallarkadengeschosse durch Ecklisenen und Rundbogenfriese. Auch die Würfelkapitelle legen eine Datierung in das zweite Viertel des 11. Jahrhunderts nahe.
Due Baugeschichte des hochgotischen Neubaus ist durch die um 1290/1300 verfasste Chronik des Burkard von Hall außergewöhnlich gut überliefert. So berichtet der Dekan des Stiftes davon, dass sein Vorgänger Richard den vom Einsturz bedrohten Vorgängerbau abbrechen ließ und für den Neubau einen in der Baukunst sehr erfahrenen Steinmetzen aus Paris berief. Mit der Forderung nach einem „opus francigenum“ wird die Rezeption „französischer“ Formen durch die deutsche Architektur erstmals aktenkundig. Der im Reichsgebiet erst mit erheblicher Zeitverzögerung einsetzende Import gotischer Formen findet einen viel zitierten schriftlichen Niederschlag.
1269 wurde der Grundstein gelegt. Die bereits neun Jahre später erfolgte Beisetzung Richards vor dem Hochaltar kann als terminus ante quem für eine weitgehende Vollendung des Chores gelten. Schon bald trat jedoch eine Verzögerung des Baufortgangs ein. Noch 1299 wird am Lettner und am Langhaus gebaut. Nach Abschluss des Rohbaus versiegten wohl endgültig die finanziellen Quellen. Die westlichen Joche blieben bis zum Einzug der Gewölbe in den Jahren 1460 bis 1487 flach gedeckt. Auf einen Neubau der Fassade wurde gänzlich verzichtet, so dass der wehrhaft geschlossene Westbau und das in fragile Glieder aufgelöste Langhaus unvermittelt aneinander stoßen.
Die Verwahrlosung des 1803 säkularisierten Ritterstifts konnte erst mit den Restaurierungsmaßnahmen des späten 19. Jahrhunderts gestoppt werden. 1947 erfolgte mit der Übersiedlung der aus dem schlesischen Grüssau vertriebenen Benediktinermönche eine Revitalisierung des Stifts.

Architektur
Der frühromanische Westbau präsentiert sich als rechteckiger, abweisender geschlossener Mauerblock, der erst an den Obergeschossen der beiden Achtecktürme eine einfache Gliederung durch Ecklisenen und Rundbogenfriese erfährt. Das mittlere Drittel des Fassadenkörpers nimmt eine etwa zwei Drittel der Fläche beanspruchende Nische ein, in deren Mitte sich das rundbogige Stufenportal befindet. Über der quadratischen Vorhalle öffneten sich zwei Kapellenräume zu dem nur in seinen Fundamenten ergrabenen Zentralraum.
An dessen Stele erhebt sich heute der 1269 begonnenen hochgotische Neubau. An eine dreischiffige Basilika von vier Jochen schließt sich ein einschiffiges Querhaus an, dessen Vierung sich zu einem polygonal abgeschlossenen Chor öffnet. Ihn flankieren zwei unvollendete Türme. Den äußeren Jochen der Querhausarme sind östliche polygonale Seitenkapellen angefügt. Die so entstehende Dreiapsidenanlage war zur Zeit ihrer Errichtung als Chortypus bereits so veraltet, dass sie wohl nur als Reminiszenz an den niedergelegten Vorgängerbau verstanden werden kann.
Die Pfeiler des Langhauses sind durch jeweils acht vorgelegte Dienste in ihrer statischen Funktion ausdifferenziert. Jedem Bogen, jeder Rippe ist eine dieser fragilen Vorlagen zugeordnet. Der Querschnitt der so entstehenden Bündelpfeiler entspricht exakt dem Vorbild des Straßburger Münsters. Dessen dreigeschossiger Aufriss erfährt in Wimpfen jedoch eine den Raumeindruck entscheidend prägende Reduktion. Anstelle des hinterglasten Triforiums erscheint nun ein breiter Streifen ungegliederter Wand. Dem Vertikalzug der Dienste wird somit ein deutlicher Horizontalakzent entgegengesetzt. Einflüsse aus Straßburg zeigen auch die Detailformen des Maßwerks und der Kapitellplastik.
Langhaus und Chor weichen in ihrer Achse erheblich voneinander ab. Hatte man beim Bau der Ostteile noch mit einem kompletten Neubau gerechnet, bezog man sich bei der Ausrichtung des Langhauses bereits auf die inzwischen zur Erhaltung bestimmte Westfassade des Vorgängerbaus.
Während die Nordseite wegen der angrenzenden Klostergebäude weitgehend schmucklos blieb, wurde die Fassade des südlichen Querhausarms als repräsentative Schauseite ausgestaltet. Das Motiv des von Blendarkaturen flankierten Portals wiederholt sich in vergrößerter und komplexerer Form an dem sechsbahnigen Maßwerkfenster darüber. Auch hier treten die Wimperge zu einer Gruppe hierarchisch gestufter Dreiecksgiebel zusammen. Die abschließende Balustrade und ihre Fialen entstanden erst im Zuge der historistisch „ergänzenden“ Restaurierungen des 19. Jahrhunderts. Dies gilt auch für die Strebepfeilern und –bögen der drei westlichen Langhausjoche.

Bauplastik
An der Fassade des Südquerhauses verdichtet sich auch die zahlreich erhaltene hochgotische Bauplastk. So ist alleine das schmale Portal am Trumeaupfeiler (Muttergottes mit Kind), in den Gewänden (links: Kilian (?), Katharina; rechts: Königin von Saba, Elisabeth) und an den seitlichen Fialenpfeilern (Petrus und Paulus) mit sieben leicht unterlebensgroßen Statuen besetzt. Das Tympanonrelief zeigt die Kreuzigung zwischen Synagoge und Ecclesia. Auf den drei Wimpergen erscheint Christus zwischen Engeln. Ein im Inneren aufbewahrter tubablasender Engel lässt auf eine ursprünglich noch umfangreicher geplante Darstellung der Weltgerichtsthematik schließen. In den Arkaturen zu Seiten des großen Fensters gelangten u.a. Statuen eines der heiligen Drei Könige sowie des heiligen Martin. Obgleich die Statuen nicht die Qualität ihrer französischen Vorbilder erreichen, sind sie als, nach Straßburg und Freiburg, früheste Rezeptionen der kronländischen Bauplastik von hohem kunsthistorischem Interesse.
Dies gilt auch für die Figuren des Chores, die als ein im Inneren zur Aufstellung gelangter Zyklus einer genuin deutschen Tradition (Magdeburg, Naumburg, Meißen, Köln) folgen. Nicht auszuschließen ist, dass die Figuren (u.a. Muttergottes mit Kind, Benedikt, Franziskus, Dominikus, Thomas, Stephan) zumindest teilweise für das Portal der nicht zur Ausführung gelangten Westfassade konzipiert worden waren.
Der hochgotischen Ausstattung gehören auch die als ein von Blendmaßwerk gegliederter Block geschaffene Altarmensa sowie der Dreisitz und das Gestühl des Chores an. Letzteres erhielt jedoch erst 1498 seine Rückwand. Aus spätgotischer Zeit stammen auch das hoch aufragende Sakramentshaus (um 1430), die drei Figuren des nördlichen Seitenaltars (frühes 16. Jahrhundert), eine aus Terrakotta gearbeitete Pietà (um 1430) und die qualitätvolle Darstellung der Anna Selbdritt (1504) in der südlichen Sakramentskapelle.
Bei den Glasfenstern handelt es sich meist um 1898 bis 1900 durch Fritz Geiges geschaffene Nachbildungen der unter anderem im Hessischen Landesmuseum in Darmstadt und im Wormser Dom aufbewahrten Originale.

Klausurbauten
Im Norden schließen sich die Klosterbauten des ehemaligen Ritterstifts an. Ältester Teil des Kreuzgangs ist der gleichzeitig mit dem angrenzenden Querhaus entstandene Ostflügel. Seine wohl durch die Nutzung als Kapitelsaal bedingte größere Breite könnte die Ursache für den Verzicht auf Wölbung sein. Die gewölbten Flügel im Norden und Osten entstanden im frühen 14. bzw. 15. Jahrhundert. Der östlich der Kirche gelegene Stiftskeller ist im Kern noch spätromanisch. Die erst 1763 errichtete Stiftsdechanei stellt mit ihren beschwingten Rokokoformen den denkbar größten Kontakt zur wehrhaft-abweisenden Fassade der Kirche dar. Aus der Spätzeit des Stifts stammt auch die oktogonale Kustorei.
Markus Golser

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Besitzer(741): St. Peter und Paul Besitzer

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Fotos

ALK (Vorlage LV-BW und LAD) / St. Peter und Paul in 74206 Bad Wimpfen - Wimpfen im Tal
Ansicht von Südwest, 1890 (H. Schuler) / St. Peter und Paul in 74206 Bad Wimpfen - Wimpfen im Tal

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Zugeordnete Dokumentationen

  • Photogrammetrische Aufnahmen innen und außen (insg. 156)
  • Bericht über eine archäologische Befundaufnahme
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Beschreibung(741): St. Peter und Paul Beschreibung

Umgebung, Lage: keine Angabenkeine Angaben
Lagedetail:
  • Klosteranlage
    • allgemein
Bauwerkstyp:
  • Sakralbauten
    • Klosterkirche
Baukörper/Objektform (Kurzbeschreibung): keine Angabenkeine Angaben
Innerer Aufbau/Grundriss/
Zonierung:
keine Angabenkeine Angaben
Vorgefundener Zustand (z.B. Schäden, Vorzustand): keine Angabenkeine Angaben
Bestand/Ausstattung: keine Angabenkeine Angaben
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Konstruktionen(741): St. Peter und Paul Konstruktionen

Konstruktionsdetail: keine Angabenkeine Angaben
Konstruktion/Material: keine Angabenkeine Angaben