Schiefes Haus (Großbottwar)

Datenbank Bauforschung/Restaurierung

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Bauernhaus

ID: 202138424117  /  Datum: 30.09.2019
Datenbestand: Bauforschung und Restaurierung
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Objektdaten

Straße: Neustraße
Hausnummer: 5
Postleitzahl: 88518
Stadt-Teilort: Herbertingen

Regierungsbezirk: Tübingen
Kreis: Sigmaringen (Landkreis)
Gemeinde: Herbertingen
Wohnplatz: Herbertingen
Wohnplatzschlüssel: 8437044003
Flurstücknummer: keine
Historischer Straßenname: keiner
Historische Gebäudenummer: keine
Lage des Wohnplatzes: Lage des Wohnplatzes

Kartenansicht (OpenStreetMaps)

Objektbeziehungen

keine

Umbauzuordnung

keine

Weitere Objekte an diesem Wohnplatz

Bauphasen

Kurzbeschreibung der Bau-/Objektgeschichte bzw. Baugestaltungs- und Restaurierungsphasen:

Der Gründungsbau des Bauernhauses stammt aus dem 17. Jahrhundert. (gk)


1. Bauphase:
(1600 - 1699)
Gründungsbau Bauernhaus
Betroffene Gebäudeteile:
keine
Lagedetail:
  • Siedlung
    • Dorf
Bauwerkstyp:
  • Ländl./ landwirtschaftl. Bauten/ städtische Nebengeb.
    • Bauernhaus

Besitzer

keine Angaben

Zugeordnetes Objekt

keines

Fotos

keine

Zugeordnete Dokumentationen

  • Bauhistorische Dokumentation

Beschreibung

Umgebung, Lage:
Das Gebäude liegt an einem flach geneigten Hang quer zur Falllinie. Durch leichte Terrassierungen des Geländes wirkt sich die Hangneigung nicht auf den Baukörper aus.
Lagedetail:
  • Siedlung
    • Stadt
Bauwerkstyp:
keine Angaben
Baukörper/Objektform (Kurzbeschreibung):
Das Gebäude besitzt einen länglich rechteckigen Grundriss und 2 Vollgeschosse. Mit dem First in Längsrichtung ist darüber ein Satteldach mit beiderseitigem Steilgiebel aufgeschlagen. Das Äußere des Hauses ist ringsum verputzt, durch Fehlstellen wird jedoch an der südlichen Giebelseite und an der östlichen Traufseite über große Bereiche das unter dem Putz liegende Fachwerk sichtbar. Am nördlichen Ende der westlichen Traufseite befindet sich ein großes, 2 geschossiges Tennentor, während an der Osttraufe vor allem ein etwa mittig gelegenes Türportal mit vorgeblendeten Pilastern und Facettenbesatz Erwähnung verdient. Auch die beiden Giebel zeigen Verputz. Das Fachwerk liegt an der Südseite wiederum großflächig frei. Giebel und Obergeschoss kragen nicht aus, sondern sind mit den darunterliegenden Bauteilen bündig. Die nördliche Giebelseite verzichtet gänzlich auf Wandöffnungen. Das mit Betonpfannen gedeckte Dach kragt an den Giebelseiten nur wenig vor und entbehrt jeglicher Aufbauten.
Innerer Aufbau/Grundriss/
Zonierung:
Das Erdgeschoss zeigt im wesentlichen eine strenge Querteilung bei einer durchgehenden Mittelachse. In der Südwestecke kommt ein großer Raum zu liegen, der durch Wandständer, Täferdecke und reichere Türen als Stube ausgewiesen ist. Seine 2 Außenwände sind im Gegensatz zu den sonstigen Fachwerkkonstruktionen massiv in Backstein aufgemauert. An die Stube schließt sich nach Norden hin ein schmaler Treppenflur mit dem Hauseingang an, nach Norden hin eine kleine Kammer, die wiederum einfaches Täferwerk aufweist. Hinter dem an der Westseite gelegenen Flur befindet sich ein kleiner Nebenraum, in dem wir die Reste eines flachen Kaminverzuges und den heutigen Kamin finden. Daran schließt sich nach Osten hin ein kleiner Küchenflur an, der durch das genannte Portal der Ostseite erschlossen wird. An seiner Nordwand befindet sich eine steile Treppe, die in das Obergeschoss emporführte, heute jedoch abgedeckt ist. Beide Flure, der westliche wie der östliche, besaßen kleine Kellerräume jeweils unter dem Treppenbereich, von denen heute nur noch der im westlichen Flur erhalten ist.
An diese südliche Haushälfte schließt sich im Erdgeschoss eine Stallzone an, aus der an der Ostseite eine kleine Kammer herausgetrennt ist. Die Westwand des Stalles ist wiederum massiv gemauert, ansonsten wird er von offen zutage liegenden Fachwerkwänden begrenzt. Hier wie auch im südlichen Hausteil ist ein Deckengebälk vorhanden, das in Längsrichtung gespannt ist. Auf den Stallteil folgt nach Norden hin die zweigeschosshohe Tenne. Ihr östlicher Teil ist im Untergeschoss wiederum durch einen Kammereinbau verbaut, ansonsten liegt auch hier die Fachwerkkonstruktion offen zutage.
Das Obergeschoss wiederholt im wesentlichen die Grundrissgliederung des Erdgeschosses. Die noch zum Untersuchungszeitpunkt als Wohnräume genutzten Zimmer geben kaum Wand- Einblicke frei. An der Südwestecke finden wir als größten Raum das heutige Schlafzimmer, an das nach Norden hin eine kleine Küche anschließt, die aus einem einstigen Treppenflur hervorgegangen ist. Einst führte von hier aus noch die Treppe ins Dachgeschoss weiter. An die Küche ist als weiterer Raum nach Norden hin eine Kammer angefügt. In der Südostecke liegt ein kleines Wohnzimmer, an das sich nach Norden hin der Flur mit dem zum Dach führenden Treppeneinbau und ein weiteres kleines Zimmer anschließen. Ihnen folgt über der Stallzone ein weiteres und im Tennenbereich ein letztes Zimmer an der Osttraufe. Der freibleibende Bereich der Stallzone verzichtet auf ein Deckengebäck, während ein solches über der Tennenzone vorhanden ist.
Der Dachraum ist durch eine Fachwerk- Querwand in 2 Teile gegliedert. Der verrußte südliche ist vom Flur des Obergeschosses aus zu erreichen, besitzt am Südgiebel 2 kleine Fenster und nimmt auch den stark verzogenen Kamin auf. Der nicht verrußte nördliche Teil ist zum Tennenbereich hin offen und besitzt keine Außenöffnungen.
Vorgefundener Zustand (z.B. Schäden, Vorzustand):
keine Angaben
Bestand/Ausstattung:
keine Angaben

Konstruktionen

Konstruktionsdetail:
  • Dachform
    • Satteldach
  • Verwendete Materialien
    • Putz
  • Holzgerüstbau
    • allgemein
  • Wandfüllung/-verschalung/-verkleidung
    • Flechtwerk
Konstruktion/Material:
Der ursprüngliche Baukörper
Die am heutigen Bestand wichtigste Bauphase ist mit Sicherheit die des Gründungsbaus, von dem noch eine ausgesprochen umfangreiche, qualitätsvolle Substanz erhalten ist. Auch wenn vor allem im Obergeschossbereich bei der Untersuchung auf Wandöffnungen an den Innenwänden verzichtet werden musste, so lassen sich doch die Grundzüge dieses Ursprungsbaues noch gut und gesichert nachvollziehen.

Gerüst:
Die gesamte Fachwerkkonstruktion des ursprünglichen Gebäudes ist in Nadelholzfachwerk aufgeschlagen. 15 zweigeschossige Bundständer legen einen zweischiffigen und vierzonigen Grundriss fest. Die Mittellängsachse liegt dabei etwa in der Mittellinie des Gebäudes. Von der von Süden her 2. Zone ist dagegen der westliche Teil zu Gunsten des südlich anschließenden Raumes stark verengt, sodass der von Süden her 2. Querbund an der Mittellängsachse deutlich verspringt. Die Bundständer stehen auf einem ausgesprochen kräftigen Schwellenkranz mit äußeren und inneren Längs- und Querschwellen auf. Auf die Ständer sind Längsrähme aufgezapft, auf denen wiederum das quergerichtete Dachgebälk aufgekämmt ist. Über der von Süden her 3. Zone ist dabei keine Dachbalkenlage ausgebildet. Etwas unter der halben Ständerhöhe sind zwischen den Ständern jeweils Geschossriegel eingezapft, die in den 3 südlichen Zonen ein längsgerichtetes Geschossdeckengebälk tragen.
Das ursprüngliche Gerüst ist am heutigen Bestand noch weitgehend erhalten. Lediglich im Bereich der Südwestecke ist durch den späteren massiven Ersatz der Außenwand eine größere Lücke entstanden.

Gefüge:
Die Aussteifung des beschriebenen Gerüstes erfolgte in Längsrichtung und Querrichtung. An der östlichen (rückwärtigen) Traufe sind dabei vor allem zweigeschosshohe Streben nachzuweisen, die den Geschossriegel überblatten. Lediglich im Bereich der 2. Zone setzt die Strebe direkt auf dem Geschossriegel an. An den beiden Giebelseiten sind jeweils geschosshohe Streben vorhanden, die von den Ständern abgerückt sind und in Schwellen und Rähme eingezapft sind. Zur Ausschweifung der westlichen Traufseite liegen keine Hinweise vor.
An Ausssteifungselementen im Inneren ist uns eine Blattstrebe am von Süden her 4. Querbund erhalten. Der freiliegende nördliche Teil des Mittellängsbundes zeigt in beiden Geschossen keine Ausssteifungselemente. Im Erdgeschoss des 3. Längsbundes haben sich wiederum geschosshohe, von den Ständern abgerückte Streben erhalten. Analog zu vergleichbaren Bauten werden wir für den restlichen Wohnteil (d. h. die südliche Haushälfte) von der Verwendung von geschosshohen Streben auszugehen haben.

Wand- und Deckensaufbauten:
Soweit erkennbar, kann für alle Wandfüllungen eine Ausriegelung mit Lehmflechtwerkausfachung angenommen werden, wie sie noch über weite Strecken, vor allem am nördlichen Giebel und der östlichen Traufe, erhalten geblieben ist. Im Erdgeschossbereich ist dabei nur ein einzelner, auffallend kräftiger Riegel vorhanden, im Obergeschoss sind es 2 dünnere. Das Vorhandensein einer Bohlenwand im ursprünglichen Stubenbereich (Südwestecke) kann ausgeschlossen werden.
Bei den vorhandenen originalen Deckenaufbauten handelt es sich um Lehmwickeldecken in den beiden südlichen Zonen, deren Stakungshölzer in Nuten in den Deckenbalken eingelassen sind. Der südwestliche Eckraum besitzt zudem eine einfache, aber sorgfältig gearbeitete Täferdecke und ein raumhohes Wandtäfer, dass in die Erbauungszeit zurückreicht. Originale Fußbodenbeläge sind im südlichen Haushalt nicht mehr vorhanden.

Türen und Fenster:
Zur Originaldisposition gehört das große Scheunentor an der westlichen Traufe. Von ihm ist noch ursprünglich der südliche, vor den Bundständer gestellte Torpfosten, der etwa auf halber Höhe das Zapfenloch für eine durch gezapft Mittelangel zeigt. Üblicherweise gehört auch das aufwändige Türportal der Ostseite noch zum Originalbestand, wobei nicht auszuschließen ist, dass es hier nur sekundär verwendet ist. Die Türen des Gebäudeinneren können in ihrer Originalität in der Regel nicht einzeln nachgewiesen werden.

Dachkonstruktion:
Noch weitestgehend vollständig und ungestört ist die Dachkonstruktion des ursprünglichen Gebäudes erhalten geblieben. Es handelt sich um ein kehlbalkenloses Sparrendach, dessen Sparren in die Dachbalken eingezapft sind. Die Dachbalken selber stehen nur an der Westseite etwas vor die Außenflucht vor. Lediglich in der Achse der Querbünde ist in den Sparrenpaaren ein Kehlbalken eingezogen, der mit den Sparren verzapft ist. Im Bereich des verspringenden 2. Querbundes besitzen die beiden entsprechenden Sparrenpaare einen solchen Kehlbalken.
Die Sparrenpaare werden in der Achse der Querbünde durch einen doppelten stehenden Stuhl unterstützt. Der zur Gänze mit Lehmflechtwerkausfachungen gefüllte, südliche und der nördliche Giebel besitzen dabei im unteren Teil 2 Riegel, von denen der untere mit den Sparren verzapft, der obere jedoch mit diesen verblattet ist. In den Feldern liegen hier neben einem kräftigen Mittelständer wandhohe, vom Ständer abgerückte Streben. Im oberen Teil des Giebels finden wir einen weiteren angezapften Kehlbalken mit 2 untergestellten Ständern, einem Riegel, der mit den Sparren wieder verblattet ist und 2 symmetrisch angeordnete Streben. Der Giebelspitz wird von einem verdoppelten Andreaskreuz geschlossen. Im mittleren Querbund wiederholt sich diese Anordnung, wobei hier jedoch die Riegel konsequent mit den Sparren verblattet sind. Der stehende Stuhl im 2. und 4. Querbund zeigt keinerlei Wandfüllungen. Hier sind dagegen als Aussteifungselemente unter etwa 45° aufsteigende, kopfzonige Blattstreben angeordnet, wie sie auch entlang der gesamten Längspfetten die Aussteifung des Dachstuhles übernehmen.
Während der heutige Kamin auf einen späteren Einbau zurückgeht, scheint der ursprüngliche einst in etwa in dem selben Bereich gelegen zu haben. Er begann offensichtlich mit einem großen Kaminhut im Erdgeschoss im östlichen, verbreiterten Teil der 2. Zone und war im weiteren Verlauf an den Mittellängsbund herangezogen. Zumindest der Kaminhut und der Verzug waren aus Lehmflechtwerk hergestellt.

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