Domturm (Rottenburg)

Datenbank Bauforschung/Restaurierung

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Wohn- und Ökonomiegebäude, ehem. Schwestern-/Mesnerhaus

ID: 154391975018  /  Datum: 02.07.2019
Datenbestand: Bauforschung und Restaurierung
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Objektdaten

Straße: Kirchberg
Hausnummer: 17
Postleitzahl: 88348
Stadt-Teilort: Bad Saulgau-Friedberg

Regierungsbezirk: Tübingen
Kreis: Sigmaringen (Landkreis)
Gemeinde: Bad Saulgau
Wohnplatz: Friedberg
Wohnplatzschlüssel: 8437100013
Flurstücknummer: keine
Historischer Straßenname: keiner
Historische Gebäudenummer: keine
Lage des Wohnplatzes: Lage des Wohnplatzes

Kartenansicht (OpenStreetMaps)

Objektbeziehungen

keine

Umbauzuordnung

keine

Weitere Objekte an diesem Wohnplatz

Kirche Mariä Himmelfahrt, Am Kirchberg 15 (88348 Bad Saulgau-Friedberg)

Bauphasen

Kurzbeschreibung der Bau-/Objektgeschichte bzw. Baugestaltungs- und Restaurierungsphasen:

Die Auswertung der das Gebäude betreffenden Archivalien hat ergeben, dass das dem Baubefund zufolge aus dem 16. Jahrhundert stammende Gebäude, bei dem es sich seiner Bauform nach nicht um ein Bauernhaus handelt und dass den Konstruktionsdetails zufolge eine zweitverwendete Fachwerkkonstruktion besitzt, im Kern das alte, ursprünglich an anderer Stelle stehende Pfarrhaus von Friedberg ist. Dieses wurde 1735 abgebaut und in den Jahren von 1735-37 am heutigen Platz neu aufgerichtet. In ihm wohnte damals der Friedberger Mesner.


1. Bauphase:
(1500 - 1599)
Im 16. Jahrhundert errichtet.
Betroffene Gebäudeteile:
keine
Bauwerkstyp:
  • Wohnbauten
    • Pfarrhaus

2. Bauphase:
(1735 - 1737)
Abgebaut und an anderer Stelle wiederaufgestellt
Betroffene Gebäudeteile:
keine

Besitzer

keine Angaben

Zugeordnetes Objekt

keines

Fotos

keine

Zugeordnete Dokumentationen

  • Archivalienrecherche
  • Bauhistorische Kurzuntersuchung

Beschreibung

Umgebung, Lage:
Das Gebäude befindet sich unmittelbar nördlich von Kirche und Friedhof.
Lagedetail:
  • Siedlung
    • Stadt
Bauwerkstyp:
  • Wohnbauten
    • Wohnhaus
Baukörper/Objektform (Kurzbeschreibung):
Zweigeschossiges Gebäude, Erdgeschoss weitgehend massiv, Obergeschoss Fachwerk, von außen weitestgehend geschlossen flächig verputzt. Oberer Abschluss durch ein steiles Satteldach.
Innerer Aufbau/Grundriss/
Zonierung:
Im Inneren gegen Süden Wohnteil mitunter Kellerraum, gegen Norden hin ehemaliger Stall und Henne.
Vorgefundener Zustand (z.B. Schäden, Vorzustand):
keine Angaben
Bestand/Ausstattung:
keine Angaben

Konstruktionen

Konstruktionsdetail:
  • Mischbau
    • Obergeschoss(e) aus Holz
    • Steinbau mit Gebäudeteilen aus Holz
  • Dachform
    • Satteldach
  • Verwendete Materialien
    • Putz
  • Steinbau Mauerwerk
    • Bruchstein
    • Wacken/Kiesel
  • Dachgerüst, verstärkende Einbauten
    • Kehlbalken, Kreuzbänder, Sparrenstreben etc.
Konstruktion/Material:
Kellergeschoss
Im Kellergeschoss, dass eine teilweise Unterkellerung des Wohnteiles zeigt, wurden keine weiterführenden Untersuchungen durchgeführt.

Erdgeschoss
Im Erdgeschossbereich wurden unter anderem Sondagen zur Klärung der Fundamentierung des Gebäudes angelegt. Am nördlichen Ende der westlichen Traufwand wurde dabei festgestellt, dass dort die ursprüngliche Fundamentierung durch nachträgliches Unterfangen und Reparaturen stark gestört bzw. über weite Strecken verloren gegangen ist. Innerhalb der in der nördlichsten Gebäudezone liegenden Tenne wurde ein Stück vor deren südlicher Wandachse ein Mauerfundament freigelegt, dass allem Anschein nach über die ganze Hausbreite durchläuft. Auf diese Querachse nimmt auch der nordseitige Abschluss des ursprünglichen Dachwerks Bezug. Demnach dürfte es sich hierbei um die Fundamentierung der ursprünglichen nördlichen Außenwand handeln. Erhalten hat sich hier ein nur flach gegründeter, wenig sorgfältig gesetzter Mauerstreifen aus Wacken- und Bruchsteinmauerwerk.
Reste der ursprünglichen Fachwerkkonstruktion des Gebäudes ließen sich im Erdgeschoss nur noch im ehemaligen nördlichen inneren Querbund erkennen. Hier treffen wir auf einen Binderdeckenbalken sowie auf den Ansatz eines Bundständers in der Mittellängsachse. Nicht mehr eindeutig zu klären war, ob die westliche Traufwand, in die der Binder Deckenbalken heute einbinden, ursprünglich als Fachwerkwandscheibe ausgebildet war oder nicht. Weitere Hinweise zur ursprünglichen Gliederung und zum ursprünglichen Aufbau des Erdgeschosses konnten nicht gewonnen werden.

Obergeschoss
Das Obergeschoss des Gebäudes war ursprünglich zur Gänze in Fachwerk ausgeführt. Die nördliche Außenflucht lag im südlichen Tennenbereich in der Querachse, die durch die freigelegte Fundamentierung im Erdgeschoss sowie durch die nordseitige Endigung des ursprünglichen Dachwerks fixiert ist. Die südliche Giebelscheibe ist zu einem späteren Zeitpunkt als Mauerwerkscheibe ersetzt worden.
Von der ursprünglichen Fachwerkkonstruktion haben sich noch größere Reste erhalten. Sie legen einen zweischiffigen Grundriss mit teilweise verspringenden Querbundachsen fest. Die heutige Grundrissgliederung weicht dabei leicht von der ursprünglichen Grundrissgliederung ab. Die Fachwerkkonstruktion besitzt kräftige, eigene Bundständer, die in der Regel durch Wand und Streben ausgesteift sind. Auf den Bundständern sind Längsrähme bzw. Unterzüge aufgezapft, auf denen wiederum das querlaufende Dachgebälk aufgekämmt ist. Die Wandbildung erfolgte in der Regel durch eine zweifache Verriegelung und Flechtwerkausfachung.
In der Südostecke des Obergeschossgrundrisses kam als größter Raum eine Bohlenstube zu liegen. Von ihr haben sich noch der nordöstliche Extender und ein Zwischenständer in der Westwand erhalten. Hier befindliche Bohlennuten belegen einstige Bohlenwände als Wandfüllung. Während für die Nordwand eine Bohlenwandung über die ganze Wandlänge angenommen und (so wie heute) eine mittige Türöffnung vermutet werden kann, scheint die Westwand nur im mittleren und südlichen Teil als Bohlenwand ausgeführt gewesen zu sein. Der hier erhaltene Zwischenständer zeigt nämlich nur an seiner Südseite eine entsprechende Bohlennut. An seiner Nordseite fehlen eine Bohlennut und Riegel-Zapfenlöcher, sodass hier ein ausgemauertes Wandfeld angenommen werden muss. Dieses kann als einstige Feuerungswand für einen von Westen her beheizten Stubenofen gedeutet werden. An Süd- und Ostwand ließen sich keine Reste der einstigen Bohlenwände mehr erkennen. Auch im Deckenbereich war keiner der Bretterbalken, wie sie als Bestandteil einer Bohlenstube zu vermuten wäre, mehr zu finden. Aufgrund der Bohlenwandungen der Stube waren die Bundständer der Stube einst über Kopf- und Fußbänder ausgesteift. Deren Blattsassen konnten an den Ständern, Rähmen und Bindern der Deckenbalken noch freigelegt werden.
In der Südwestecke des Obergeschosses befand sich einst eine schmale Kammer. Sie war gegen Norden von einer Flechtwerkwand mit zweifacher Verriegelung und einer Ausschweifung mit wandhohen Streben abgeschlossen. Von der ursprünglichen Südwand sowie der ursprünglichen Westwand scheinen keine Reste mehr vorhanden zu sein. Die Deckenbalken der Kammer zeigen Reste einer roten Farbfassung. Sie müssen demzufolge ursprünglich sichtig gewesen sein.
Nördlich der Stube lag im ursprünglichen Zustand im Bereich des östlichen Schiffes ein breiter Flurbereich. Er reichte etwa 1 m weiter nach Norden, als dies beim heutigen Flur der Fall ist. An der Ostseite hat sich noch die ursprüngliche Außenwandkonstruktion mit kräftigen Bundständern, zweifacher Verriegelung, einer Ausschweifung mit wandhohen Streben und Flechtwerkausfachungen erhalten. Seitlich eines hier befindlichen Zwischenständers befindet sich ein kleines Fensterchen, das einst durch einen innenseitigen Schiebeladen verschlossen werden konnte. Die ursprüngliche Nordwand des Flures ist heute gänzlich abgängig. An den Bundständern in der östlichen Außenwand sowie im Mittellängsbund befindliche Zapfenlöcher weisen jedoch auf eine einstige zweifache Verriegelung hin.
Nördlich an der Kammer der Südwestecke schloss sich einst eine geräumige Küche an. Sie reichte nach Norden hin bis in die Flurzone hinein und umfasst damit jenen Bereich, den jetzt die heutige Küche und der nördlich davon gelegene Stichflur einnehmen. An West- und Ostseite sind die ursprünglichen Wandaufbauten verlorengegangen. An der Nordseite ist von der ursprünglichen Wandbildung noch der Binderdeckenbalken erhalten. Er zeigt unterseitig Stakungslöcher für eine Flechtwerkausfachung sowie am westlichen Wandende ein Zapfenloch für eine wandhohe Strebe. Gleichfalls erhalten sind die beiden Bundständer in der Nordwest- und der Nordostecke der einstigen Küche. Der Ständer in der Nordwestecke zeigt an seiner Südseite Zapfenlöcher für Brust- und Kopfriegel. Demzufolge ist für die Westwand eine einstige zweifache Verriegelung zu erschließen. Ein Durchgang, wie er auch heute zu dem der Westseite vorgelegten Abortvorbau führt, war hier ursprünglich nicht vorhanden.
Unmittelbar nördlich der Küche war im Bereich des westlichen Schiffes im ursprünglichen Zustand ein schmaler Stichflur ausgebildet. Er war im Osten gegen den dortigen Hauptflur hin zur Gänze offen. Gegen Westen war er durch eine noch heute gut erhaltene, zweifach verriegelte Fachwerkwand abgeschlossen. Diese zeigt keine Ausschweifung, dafür aber in der Wandmitte ein kleines, zwischen den Riegeln eingespanntes Fenster, das durch einen innenliegenden Schiebeladen zu verschließen war. Nach Norden hin war der Stichflur einst durch eine Fachwerkwand begrenzt, von der sich nur noch die beiden Bundständer sowie der Binderdeckenbalken erhalten haben. An seiner Unterseite treffen wir auf Stakungslöcher, die eine einstige Flechtwerkausfachung belegen, sowie an den beiden Enden auf Zapfenlöcher für wandhohe Streben. Zapfenlöcher an den begrenzenden Bundständern belegen eine zweifache Verriegelung, die heute jedoch ebenfalls nicht mehr vorhanden ist.
In der nördlichen Zone des Obergeschosses lagen 2 größere Einzelräume, die durch eine Fachwerkwand in der Mittellängsachse voneinander getrennt waren. Von dieser Fachwerkwand hat sich als Originalbestand nur noch der Mittellängsunterzug erhalten. Er besitzt an seiner Unterseite Stakungslöcher für eine Flechtwerkausfachung sowie im nördlichen Bereich ein Zapfenloch für eine wandhohe Strebe. Zapfenlöcher am südlichen Bundständer belegen eine einstige zweifache Verriegelung. Während beim östlichen der beiden nordseitigen Räume die Nordwand und die Ostwand als ursprüngliche Außenwände vollständig abgängig sind, ist beim westlichen Raum nur die Nordwand nicht mehr vorhanden. Bei der Westwand hingegen treffen wir auf ein großes Wandstück mit zweifach verriegeltem, durch wandhohe Streben ausgesteiftes und mit Lehmflechtwerk geschlossenes Fachwerk. Auch hier ist in der Wandmitte ein kleines Fensterchen angeordnet, dass durch einen innenliegenden Schiebeladen verschlossen werden konnte.

Dachwerk
Das ursprüngliche Dachwerk des Gebäudes hat sich noch in großen Resten erhalten. Es ist weitgehend in Eichenholz abgezimmert. Es handelt sich um ein Sparrendach, bei dem die Sparren in die Dachbalken eingezapft sind. Etwas unter halber Höhe ist in die Gespärre eine Kehlbalkenlage eingeblattet, während knapp unter dem First eine Hahnenbalkenlage eingeblattet war. Die Kehlbalkenlage des 1. Dachgeschosses wird von einem seitlichen liegenden und einem mittigen stehenden Stuhl unterstützt. Der mittige stehende Stuhl besitzt schlanke Ständer mit Schalenköpfen und zeigt keine eigene Längs- oder Queraussteifung. Der seitliche Stuhl besitzt kräftige liegende Stuhlsäulen und eine Queraussteifung über verblatteten Stuhlstreben. Die Stuhlstreben überplatten jeweils Sparren und Stuhlsäule einerseits, Kehlbalken und Spannriegel andererseits. Der Längsaussteifung dient ein Windverband aus schlanken Bändern, die von den Stuhlsäulen aus zu den aufrecht stehenden Zwischenpfetten aufsteigen. In der mittleren Zone des 3-zonigen Dachwerks überkreuzen sich diese Bänder, während in den Endzonen nur jeweils ein Band angeordnet ist. Im 2. Dachgeschoss sind weder Stuhlkonstruktion noch Ausschweifung vorhanden.
Die südliche Giebelscheibe ist zu einem späteren Zeitpunkt vollständig durch eine massive Wandscheibe ersetzt worden. Blattsassen an den Enden der Zwischenpfetten des liegenden Stuhles weisen auf 2 heute abgängige Giebelständer hin, die ein Stück weiter südlich außerhalb der heutigen Giebelflucht gelegen haben müssen. Dies bedeutet, dass die Giebelscheibe ursprünglich wohl ein Stück über den Hausunterbau vorkragte und bei der Erneuerung der Südwand auf die heutige Achse zurückgenommen wurde. Ein 3. Giebelständer muss in der Mittellängsachse gestanden haben. Ansonsten liegen keine weiterführenden Hinweise zur einstigen Giebelausbildung vor. An der Nordseite ist die einstige Lage des Giebels noch über den Mittellängsunterzug belegt, der an seiner Unterseite das Zapfenloch für einen Mittelständler aufweist. Ansonsten sind auch hier weitere Hinweise auf die einstige Giebelausbildung verloren gegangen. Hinweise auf einen einstigen Krüppelwalm im 2. Dachgeschoss liegen nicht vor.
Eine Fachwerktrennwand des südlichen inneren Stuhlquerbundes trennt heute den Dachraum über dem Wohnteil von jenem über dem Wirtschaftsteil ab. Sie ist zweifach verriegelt und besitzt eine Flechtwerkausfachung (jüngere Reparaturstellen mit Backsteinmauerung). Diese Trennwand sitzt außerhalb der Bundachsen des Dachstuhles und gehört damit nicht zum ursprünglichen Dachgerüst.

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