Kloster Bebenhausen (ehem. Holz- und Chaisenremise)

Datenbank Bauforschung/Restaurierung

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Doppelscheune

ID: 141871242318  /  Datum: 08.04.2021
Datenbestand: Bauforschung
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Objektdaten

Straße: Oberdorfstraße
Hausnummer: 38
Postleitzahl: 70794
Stadt-Teilort: Filderstadt

Regierungsbezirk: Stuttgart
Kreis: Esslingen (Landkreis)
Wohnplatzschlüssel: 8116077005
Flurstücknummer: keine
Historischer Straßenname: keiner
Historische Gebäudenummer: keine
Lage des Wohnplatzes: Lage des Wohnplatzes
Geo-Koordinaten: 48,6508° nördliche Breite, 9,2185° östliche Länge

Kartenansicht (OpenStreetMaps)

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Objektbeziehungen

keine

Umbauzuordnung

keine

Weitere Objekte an diesem Wohnplatz

Wohnhaus mit Scheune (70794 Filderstadt, Bonländer Hauptstraße 27)
Georgskirche Bonlanden (70794 Filderstadt, Georgstraße 14)

Bauphasen

Kurzbeschreibung der Bau-/Objektgeschichte bzw. Baugestaltungs- und Restaurierungsphasen:

Die Doppelscheune des Gasthofs Rössle (1684 d), gehörte zu den ersten Scheunen, die nach dem Dreißigjährigen Krieg neu errichtet wurden. Trotz einiger baulicher Eingriffe war das Gefüge mit großen Teilen der ursprünglichen Ausfachung original überliefert. Das Holzgerüst erstreckte sich über vier Querzonen und zwei breite Längszonen. Das bemerkenswert vollständig überlieferte Sparrendachwerk war im ersten DG durch eine Kombination aus zweifach liegendem und einfach (in der Firstachse) stehendem Stuhl in den inneren Querbünden und dreifach stehendem Stuhl in den Giebelbünden verstärkt. Im zweiten DG beinhaltete der Bau ein einfach stehendes Stuhlgerüst, das in der Tradition der Hochunterfirstgerüstbauten wurzelt.


1. Bauphase:
(1684)
Errichtung des Gebäudes (1684 d).
Betroffene Gebäudeteile:
Betroffene Gebäudeteile
  • Erdgeschoss
  • Dachgeschoss(e)
Lagedetail:
  • Siedlung
    • Dorf
Bauwerkstyp:
  • Ländl./ landwirtschaftl. Bauten/ städtische Nebengeb.
    • Scheune
Konstruktionsdetail:
  • Dachgerüst Grundsystem
    • Sparrendach, q. geb. mit liegendem Stuhl
    • Sparrendach, q. geb. mit stehendem Stuhl
  • Detail (Ausstattung)
    • bemerkenswerte Wand-/Deckengestaltung

2. Bauphase:
(1890 - 1910)
Anlage eines Viehstalls mit massiven Umfassungswänden (Backstein) im Barn des südlichen Scheunenteils zu Beginn des 20. Jhdt. Zeitgleich wurden zwischen Gasthaus Rössle und der Scheune weitere Nebengebäude errichtet.
Betroffene Gebäudeteile:
Betroffene Gebäudeteile
  • Erdgeschoss
Lagedetail:
  • Siedlung
    • Dorf
Bauwerkstyp:
  • Ländl./ landwirtschaftl. Bauten/ städtische Nebengeb.
    • Scheune

Besitzer

keine Angaben

Fotos

Abbildungsnachweis
Sichtfachwerk der südlichen Giebelseite der Scheune von 1684 nach Abbruch der im 19. Jahrhundert angefügten Nebengebäude.   / Doppelscheune in 70794 Filderstadt, Bonlanden (11.01.2015  - Foto: Tilmann Marstaller)
Abbildungsnachweis
Blick in die innere Konstruktion der Scheune mit Unterfirstgerüst im 2. DG / Doppelscheune in 70794 Filderstadt, Bonlanden (Foto: Tilmann Marstaller)

Zugeordnete Dokumentationen

  • Bauhistorische Untersuchung

Beschreibung

Umgebung, Lage:
Das Gebäude liegt im Oberdorf des Ortes, südöstlich der Ortsmitte und wurde traufständig an der Westseite der Oberdorfstraße errichtet. Die Scheune bildete gemeinsam mit dem Gasthaus Rössle das von der Grundfläche her größte mehrteilige Gehöft (Winkelhakenhof) des Ortes.
Lagedetail:
  • Siedlung
    • Dorf
Bauwerkstyp:
  • Ländl./ landwirtschaftl. Bauten/ städtische Nebengeb.
    • Scheune
Baukörper/Objektform (Kurzbeschreibung):
Langgestreckte einstockig-eingeschossige Doppelscheuer mit innen liegenden Tennen und äußeren Barnbereichen. Das Gebäude war gedeckt von einem dreigeschossigen Satteldach.
Innerer Aufbau/Grundriss/
Zonierung:
Das Holzgerüst erstreckte sich über vier Querzonen und zwei breite Längszonen. Das bemerkenswert vollständig überlieferte Sparrendachwerk war im ersten DG durch eine Kombination aus zweifach liegendem und einfach (in der Firstachse) stehendem Stuhl in den inneren Querbünden und dreifach stehendem Stuhl in den Giebelbünden verstärkt. Im zweiten DG beinhaltete der Bau ein einfach stehendes Stuhlgerüst, das in der Tradition der Hochunterfirstgerüstbauten wurzelt.
Vorgefundener Zustand (z.B. Schäden, Vorzustand):
Das hervorragend erhaltene Gebäude wurde im Februar 2014 abgebrochen.
Bestand/Ausstattung:
Hervorzuheben sind aufwändige Kratzputzverzierungen an den Außen- und Innenwänden der Scheune.

Konstruktionen

Konstruktionsdetail:
keine Angaben
Konstruktion/Material:
Die Doppelscheune Oberdorfstraße 38 von 1684

Zu den eindrucksvollsten Bauwerken im Bonländer Ortskern gehörte sicher die im Februar 2014 abgebrochene Doppelscheune des Gasthauses Rössle in der Oberdorfstraße 38. Da nur das Gasthaus als Kulturdenkmal ausgewiesen wurde war seitens der Denkmalpflege keine Dokumentation vorgesehen und wurde deshalb durch das Stadtarchiv Filderstadt beauftragt.
Die Scheune konnte dendrochronologisch in das Jahr 1684 (1684 d) datiert werden, gehörte also zu den ersten Scheunen, die nach dem Dreißigjährigen Krieg neu errichtet wurden.
Was für ein großartiges Beispiel für die damalige Zimmermannskunst hier verloren ging, wurde im Grunde erst beim Abbruch des langgestreckten Gebäudes sichtbar. Trotz einigen baulichen Eingriffen, wie beispielsweise die Anlage eines Viehstalls im Barn des südlichen Scheunenteils zu Beginn des 20. Jahrhunderts war das bauzeitliche Gefüge mit großen Teilen der ursprünglichen Ausfachung original überliefert. Das auch substanziell gut erhaltene Holzgerüst des Scheunenbaus erstreckte sich über vier Querzonen und war in zwei Längszonen von stattlicher Breite unterteilt. Das in seltener Vollständigkeit überlieferte Sparrendachwerk war im ersten Dachgeschoss durch eine Kombination aus zweifach liegendem und einfach (in der Firstachse) stehendem Stuhl in den inneren Querbünden und dreifach stehenden Stühlen in den Giebelbünden verstärkt. Im zweiten Dachgeschoss beinhaltete der Bau ein einfach stehendes Stuhlgerüst, welches in der Tradition der Hochunterfirstgerüstbauten wurzelt. Sein Stuhlrähm trug in allen Gespärren kurze Hahnenbalken, die an die Sparren geblattet wurden – mit Ausnahme der Hahnenbalken in den Querbünden, die verzapft ausgeführt wurden. Zeittypisch waren die markanten Kopfverdickungen der mittigen Stuhlständer im ersten Dachgeschoss, in welche die Druckriegel der liegenden Stuhlquerbünde eingezapft waren. Je zwei wandhohe Andreaskreuze an den beiden Giebelseiten belegen, dass die Scheune weit mehr war als ein reiner Zweckbau, sondern vielmehr ein wirkungsvolles, auf Sicht angelegtes Fachwerk präsentierte.
Ganz ungewöhnlich für die Bauzeit der Scheune ist die Längsaussteifung der Stuhlständer der inneren Längsbünde im ersten und zweiten Dachgeschoss, denn hier finden sich noch mittelalterlich anmutende Kopfbänder. Sie werfen ein bezeichnendes Licht auf das vermeintliche Verbot der Verblattung in der Bauordnung Herzog Christophs im Jahr 1568, das nicht viel mehr war, als eine Empfehlung an die Zimmerleute.
Einen Befund von besonders hoher Bedeutung wiesen die erhaltenen Gefache an allen erhaltenen Wänden der Scheune auf. Wie schon im Schafhof zeigten auch sie (innen wie außen) gut erhaltene, phantasievolle Kratzputzverzierungen. Hier aber konnte ein weiteres, bei dieser Gestaltungsart bislang nur hier dokumentiertes Verzierungselement erkannt werden. An einigen Gefachen wurde entlang der Fachwerkhölzer der Putz geglättet und durch eine dünne Ritzlinie vom inneren, beinahe floral mit Kratzputz gestalteten Gefachfeld abgesetzt. Damit stellt sich der Kratzputz von Oberdorfstraße 38a an die Seite der zeitgenössischen Farbgebungen im Fachwerkbau. Dort fanden regelhaft sogenannte „Balkenverbreiterungen“ Anwendung, die durch einen Begleitstrich vom übrigen Gefachfeld abgesetzt wurden.

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