Objekt(9558): Fachwerkbau Fachwerkbau

ID: 193538124513
Datum: 12.03.2014
Datenbestand: BauforschungBauforschung
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Information(9558): Fachwerkbau Objektdaten

Straße: Marktplatz
Hausnummer: 7
Postleitzahl: 88400
Stadt: Biberach
Regierungsbezirk: Tübingen
Kreis: Biberach (Landkreis)
Gemeinde: Biberach an der Riß
Wohnplatz: Biberach an der Riß
Wohnplatzschlüssel: 8426021004
Flurstücknummer: keinekeine
Historischer Straßenname: keinerkeiner
Historische Gebäudenummer: keinekeine
Lage des Wohnplatzes
BW
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Objektverknüpfungen(9558): Fachwerkbau Objektbeziehungen

keinekeine
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Objekt(9558): Fachwerkbau Umbauzuordnung

keinekeine
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Objekt(9558): Fachwerkbau Weitere Objekte an diesem Wohnplatz

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Bauforschung und RestaurierungWohnhaus, Ehinger-Tor-Straße 16 (88515 Biberach)
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BauforschungWohnhaus, Karpfengasse 20 (88400 Biberach)
BauforschungWohnhaus, Grabengasse 6 (88515 Biberach)
BauforschungWohnhaus (Neuer Bau) (88400 Biberach, Sennhofgasse 9)
12
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Bauphasen(9558): Fachwerkbau Bauphasen

1. Bauphase:
(1292 - 1293)
Der Fachwerkbau wurde um das Jahr 1293 (d) im Rahmen einer bestehenden Nachbarbebauung und wohl als vergrößerter Ersatzbau in zentraler Lage des Kernstadtbereiches errichtet.
Betroffene Gebäudeteile: keinekeine

2. Bauphase:
(1444 - 1445)
Um das Jahr 1445 (d) erfährt das Gebäude einen gravierenden Umbau. In Verbindung mit einer vollständigen Erneuerung des Dachwerkes wird das Gebäude umfangreich modernisiert, ohne jedoch die alte Nutzungsstruktur zu verlieren.
Betroffene Gebäudeteile: Betroffene Gebäudeteile
  • Dachgeschoss(e)
  • Ausstattung

3. Bauphase:
(1600 - 1999)
In der Zeit zwischen dem 17. und 18. Jh. erfolgen zahlreiche Hausteilungen, gefolgt von einer Vielzahl von Umbau- und Modernisierungsmaßnahmen im 20. Jh.
Betroffene Gebäudeteile: keinekeine
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Besitzer(9558): Fachwerkbau Besitzer

keine Angabenkeine Angaben
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Fotos

Marktplatz 7, Südwestansicht  / Fachwerkbau in 88400 Biberach, Biberach an der Riß (Christin Aghegian-Rampf)
Südostansicht  / Fachwerkbau in 88400 Biberach, Biberach an der Riß (24.06.2018 - Christin Aghegian-Rampf)

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Zugeordnete Dokumentationen

  • Bauhistorische Dokumentation
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Beschreibung(9558): Fachwerkbau Beschreibung

Umgebung, Lage: keine Angabenkeine Angaben
Lagedetail:
  • Siedlung
    • Stadt
Bauwerkstyp:
  • Wohnbauten
    • Wohnhaus
Baukörper/Objektform (Kurzbeschreibung): Viergeschossiger Satteldachbau, verputzt, mit mehrstöckigem Unterbaugerüst; das niedere EG verfügte über Lager- und Wirtschaftsflächen, die Wohnnutzung erfolgte im hohen OG; der Oberstock kragte im Süden und Osten aus und diente wohl ebenfalls als Lager.
Innerer Aufbau/Grundriss/
Zonierung:
Für den Unterbau des Kernbaus lässt sich ein Raster von 5 auf 5 Gerüstständern annehmen. Entsprechend dem ehemals von Nord nach Süd verlaufenden Dachfirst entspricht dies einer Grundrissgliederung von jeweils vier Schiffen und vier Zonen, wobei das westliche Schiff die größte Breite aufweist. Die Bohlenstube wird im rückwärtigen (südwestlichen) Bereich nebst der Küche vermutet, die sich ehem. wohl bis zum Giebel erstreckte.
Vorgefundener Zustand (z.B. Schäden, Vorzustand): keine Angabenkeine Angaben
Bestand/Ausstattung: Der Holzbau weist einige zimmermannstechnische Besonderheiten auf: Zum einen die Verbindungen von Ständer und aufgelegtem Rähmholz. Die Rähmhölzer lagern in sogenannten Ständerschalen und besitzen keine Zapfenverbindungen. Auffällig ist ebenfalls die ausgeprägte Anordnung des kopfzonigen Gefüges. Hierin spiegelt sich eine für das ausgehende 13. Jh. hochmoderne Aussteifungsart wider. Sowohl in der Gefügeausbildung wie auch in der vorgestellten Gerüstvariation lässt sich damit, die für Biberach so markante Konstruktionstechnik bis in das 13. Jh. zurück verfolgen. Von hausgeschichtlicher Relevanz ist die Art des Wandaufbaus. Zwar sind die ehemals verbretterten Wände nur lückenhaft belegt, doch erhöht sich damit im Zusammenhang mit den lokalen Vergleichsbelegen des frühen 14. Jh. die Zahl der als Ständer-Bohlen-Bauten einzustufenden Holzkonstruktionen.
Zum anderen der äußerst seltene Wechsel von Bundseiten innerhalb einer Gerüstscheibe. Die daraus ableitbare "Unbefangenheit" des Zimmermanns bei der Bundseitenwahl steht in Zusammenhang mit den kopfzonigen, nicht als "Kapitell" ausgeführten Ständerschalen sowie den an allen vier Ständerseiten angebrachten Bretternuten. In allen Fällen spiegelt sich darin eine gewisse "Unterentwicklung" der konstruktiven Aussteifungsausbildung wider.
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Konstruktionen(9558): Fachwerkbau Konstruktionen

Konstruktionsdetail:
  • Dachform
    • Satteldach
  • Dachgerüst, verstärkende Einbauten
    • Kehlbalken, Kreuzbänder, Sparrenstreben etc.
    • Unter-, Überzüge, Pfetten
  • Holzgerüstbau
    • Unterbaugerüst, mehrstöckig
  • Wandfüllung/-verschalung/-verkleidung
    • Flechtwerk
Konstruktion/Material: Kernbau:
Bei dem Gebäude handelt es sich um einen Holzbau, dessen älteste Konstruktionsteile um 1293 (d) datieren.
Nach den vorliegenden Befunden wurde dieser Kernbau als sog. Mischkonstruktion mit giebelseitiger Stellung nach Süden abgezimmert. Die tragenden Gerüstständer reichen in einer Länge über die Höhe von zwei Geschossen. Dieser zweigeschossige Unterbau ist als eigenständige Konstruktion errichtet. Darauf steht, konstruktiv unabhängig vom Unterbau, ein einstöckiges Stockwerk. Den Abschluss bildete ein mittlerweile ersetztes Dachwerk.
Hinsichtlich der Gründung des eichenen Traggerüstes ist die Aufstellung der Ständer auf Schwellen belegt. Eine Verzapfung von Ständer und Schwelle konnte nicht erkannt werden. Die einzige erhaltene Schwelle lag auf einer niedrigen Schwellmauer auf. Im Erdgeschoss und Obergeschoss sind insgesamt sieben Gerüstständer erhalten.
Ca. 1,30 m über der erhaltenen Schwellenoberkante besitzen die Ständer ein ca. 9-10 cm breites und 22-23 cm hohes Zapfenloch. Alle Zapfenlöcher reichen über die gesamte Ständerstärke. Diese Vertiefungen dienten zur Aufnahme von Geschossriegeln. Sie verliefen in West-Ost-Richtung, waren in die Ständer eingezapft und mit diesen durch kräftige Holznägel vernagelt.
Unmittelbar über diesen Verbindungstellen waren weiter Zapfenlöcher angeordnet. Sie besaßen die gleichen Abmessungen, waren jedoch in Nord-Süd-Richtung angelegt. Auch hier waren die eingezapften Hölzer durch kräftige Holznägel gesichert. Dieser Befund belegt den ehemaligen Einbau eines in Nord-Süd-Richtung verlegten Deckengebälks über dem Erdgeschoss. Das Gebälk wurde durch die in den Gerüstquerachsen eingebauten Geschossriegel unterstützt. Eine 30 cm hohe Schwellmauer angenommen, hätte die lichte Höhe des Erdgeschosses ca. 2,08 m betragen. Allerdings sind weder die Geschossriegel noch Teile des Deckengebälkes erhalten.
Das das Deckengebälk tragende EG-Gerüst war unterschiedlich ausgesteift. So besitzen die im Gebäudeinneren erhaltenen Ständer jeweils vier leere Blattsassen für ein kopfzoniges Gefüge. Die beiden im EG erhaltenen Innenständer waren demnach sowohl in den Quer- wie auch im Bereich der Längsachse nur durch Kopfbänder ausgesteift. Sie reichten in den Querachsen lediglich bis zu den Geschossriegeln, in der Längsachse bis zu dem in der Achse eingebauten Deckenbalken. Die erhaltenen Ständer im Bereich der nördlichen Giebelachse besaßen offensichtlich nur ein Kopfband in Längsrichtung.
Hinweise für Wandfüllungen im Gebäudeinneren liegen nicht vor. Da im EG jedoch nur zwei Ständer erhalten sind, ist eine Übertragung dieser Aussage auf den gesamten Grundriss nicht gesichert. Gesichert scheint, dass die nördliche Giebelwand durch den Einbau von Bretterwänden geschlossen war.
Keiner der erhaltenen Gerüstständer ist über die ehemalige Höhe von zwei Geschossen erhalten. Sie sind entweder über oder unter den erwähnten Zapfenlöchern abgeteilt bzw. abgesägt. Diese wechselseitige Überlappung dieser Knotenpunkte ermöglicht jedoch die Rekonstruktion der Gesamtlänge. Denmach besaßen die Gerüstständer eine konstruktive Höhe von ca. 5,50 m. Dieses Maß erhöhte sich noch um die jeweilige Schalenhöhe.
Alle im Kopfbereich erhaltenen Ständer besitzen hier eine Schale. In diesen Schalen lagern die in Nord-Süd-Richtung verlaufenden Längsrähme. Soweit erkennbar, sind die Ständer nicht mit den Längsrähmen verzapft.
Auf diesen Längsrähmen ist bzw. war das Gebälk über dem Obergeschoss aufgekämmt. Das Deckengebälk ist heute stark fragmentiert. Bedingt durch die enorme Gebäudebreite wurde es über der zweiten Innenlängsache (von West) gestoßen. Im Bereich des ostwärtigen Hausteiles fehlt das Gebälk insgesamt.
Nach den vorliegenden Ergebnissen beträgt die lichte Höhe des Obergeschosses ca. 3,90 m. Damit weicht diese Geschosshöhe gravierend von der Höhe der unteren Etage ab.
Im Gegensatz zum Erdgeschoss ist durch das teilweise erhaltene Deckengebälk und die Rähmhölzer eine nähere Eingrenzung des ursprünglichen Gerüstrasters möglich. Die folgenden Aussagen beruhen daher hauptsächlich auf den an diesen Hölzern aufgenommenen Befunden.
Im Bereich der nördlichen Giebelwand sind drei Innenständer erhalten. Die Abstände betragen 2,96 m, bzw. 3,10 m. der fehlende Giebelständer im Osten ist durch eine Blattsasse am Gieblrähm belegt. Diese Sasse gehörte zu einem vom Giebelständer aufsteigenden Kopfband. Die Lage des Eckständers dürfte damit mit der heutigen Gebäudeecke übereinstimmen. Im Gegensatz dazu war der ehemalige Eckständer im Westen in einem weit größeren Abstand aufgestellt, wobei seine ursprüngliche Lage auch hier innerhalb der heute bestehenden Gebäudeflucht belegbar ist. Ein zusätzlicher Zwischenständer kann infolge der fehlenden Kammvertiefung an dem in diesem Bereich vorhandenen Deckengebälk ausgeschlossen werden.
Diese Kammervertiefung resultieren aus den in den Ständerschalen der Giebelständer eingebetteten Längsunterzügen. Sie verlaufen in Nord-Süd-Richtung und ergeben somit die Lage der Nord-Süd-Achsen des Ständergerüstes. Die Ausdehnung des Ständergerüstes in dieser Ausrichtung lässt sich hauptsächlich durch die zweite Innenlängsachse von West fixieren. Erhalten sind drei Ständer. Der südliche Hausabschluss wird durch eine Blattsasse am Längsrähm angezeigt. Eine weitere Blattsasse befindet sich nördlich davon. Sie gehört zu einem ehemaligen Kopfband, dessen Gegenende am erhaltenen Gerüstständer angeblattet war. Wird vorausgesetzt, dass die Kopfbänder in annähernd gleichen Neigungen verbaut waren, so ergibt sich für den südlichen Giebelständer eine Lage innerhalb des heutigen Hausgrundrisses. Da das vorhandene Rähm jedoch weiter nach Süden reicht, wäre diese Annahme nur unter der Voraussetzung einer giebelseitigen Auskragung möglich. Leider ist das Rähmholz hinsichtlich dieser Fragestellung nicht weiter auswertbar.
Zwischen den rekonstruierten Giebelständer und dem nächsten Innenständer lässt sich ein weiterer Zwischenständer erschließen. So bildet sich am ansonsten rauchgeschwärzten Rähm ein heller Abdruck einer Ständerschale ab. Der daraus ableitbare Ständer war konstruktiv nicht eingebunden.
Diese für die Längsache erschlossene Gerüststellung lässt sich auch an der benachbarten Längsachse belegen. Hier unterstreichen vor allem die Befunde aus dem Überbau die oben rekonstruierte Ständerstellung.
Werden diese Überlegungen zusammengefasst, so lässt sich für den Unterbau des Kernbaus ein Ständerraster von 5 x 5 Gerüstständern annehmen. Entsprechend dem ehemals von Nord nach Süd verlaufenden Dachfirst entspricht dies einer Grundrissgliederung von jeweils 4 Schiffen und 4 Zonen. Auffällig ist hierbei, dass das westliche Schiff die größte Breite besitzt.
Dieses Ständergerüst war bis auf den Nordgiebel im Prinzip kopfzonig ausgesteift. Lediglich der rekonstruierte Zwischenständer besaß im Obergschoss keine winkelsichernden Gefügehölzer. Am Nordgiebel hingegen liegen Hinweise für eine fußzonige Aussteifung vor. Diese Ausbildung ist nicht mehr gesichert ergänzbar. Auffällig ist der Befund, dass die fußzonige Aussteifung innen angelegt war. Gleichzeitig besitzt diese Gerüstscheibe aber auch eine äußere "Bundseite".
Hinsichtlich den ursprünglichen Wandfüllungen sind nur in wenigen Fällen gesicherte Aussagen möglich. So gilt als sicher, dass die nördliche Giebelscheibe durch den Einbau von Bretterfüllungen geschlossen war. Diese waren in senkrecht verlaufenden Ständernuten eingelassen. Riegeleinbauten waren nicht vorhanden.
Diese Aussage gilt auch für weite Teile des restlichen Hausgrundrisses. Leider sind die Befunde zu verwirrend, um sich näher festzulegen. Oft sind die Nuten sehr grob herausgearbeitet, zum Teil deutlich als nachträgliche Veränderungen erkennbar, in der Regel setzen sie sich auf unterschiedlichen Höhen an, ständig verändern sich die Querschnitte der Nuten oder schneiden in die Sassen der Gefügehölzer ein.
Darüber hinaus lassen sich auch Flechtwerkwände nachweisen. Die für die Flechtwerkfüllungen notwendigen Stackungslöcher besitzen jedoch unterschiedliche Abstände und Bohrdurchmesser. All diese Befunde sind das Ergebnis unzähliger Umbauten, ohne dass für die damit nachweisbaren Wandfüllungen eine zeitliche Abfolge fixiert werden kann.
Lediglich ein Befund kann mit hoher Wahrscheinlichkeit der Nutzungsstruktur des Kernbaus zugeordnet werden. So besitzt der obere Restbestand des südwestlichen Innenständers eine nach Westen und Süden ausgerichtete Bohlennut. Beide Nuten haben eine Breite von 11 bzw. 10 cm. Ihre Tiefe beträgt ca. 12 cm. Dieser Befund deutet auf eine ehemalige Bohlenstube innerhalb der Süd-West-Ecke hin. Diese Aussage wird unterstützt durch die große Schiffbreite, sowie durch die Höhe des Obergeschosses.
Noch im 20. Jh. befand sich hier der aufwendigste Raum, zumal das Gebäude hier weit vor das Nachbargebäude springt und somit den freien Blick auf den angrenzenden Marktplatz ermöglicht. Die Zuordnung der Stube in diesen Hausbereich wird lediglich durch die Ausrichtung der Bundseitenlage eingeschränkt. So liegen bei bislang allen mittelalterlichen Wohnhäusern in Fachwerkbauweise die Bundseiten an den Außenseiten der Stubenwände. Am untersuchten Objekt läge daher die Bundseite der inneren Längsachse an der "falschen" Ständerkante. Eine Erklärung für diese Unstimmigkeit könnte sein, dass dieser zimmerungstechnischen Lösung keine besondere Aufmerksamkeit gewidmet wurde, da ja innerhalb des Nordgiebels die "Bundseitenlage" sogar innerhalb einer einheitlichen Gerüstachse gewechselt wurde.
Nach Abwägung aller Befunde ist mit hoher Sicherheit davon auszugehen, dass das Gebäude eine Bohlenstube besaß. Dieser Stube war im rückwärtigen Bereich eine Küche zugeordnet, die sich wohl bis zum Giebel erstreckte. Weitere Aussagen zur Grundriss- und Nutzungsstruktur des restl. Grundrisses sind bis auf die Annahme eines Mittelflures und daran angrenzenden Kammern nicht möglich.
Auf diesem zweigeschossigen Unterbau stand ein selbständig abgezimmertes Stockwerk. Analog zum Unterbau war dieses Ständergerüst auf Schwellen gegründet. Eine Längsschwelle ist nahezu vollständig, einer Querschwelle zu zwei Dritteln erhalten. Vom ursprünglichen Ständergerüst sind lediglich zwei Hölzer innerhalb des Nordgiebels erhalten. Diese beiden Ständer fixieren mit den abgesägten Rähmhölzern und den Schwellen die Lage der inneren Längsachsen. Diese können durch die Westachse (in vertikaler Abstimmung mit dem Unterbau) und die Ostachse ergänzt werden. Die Lage der Ostachse (Osttraufe) ist nicht exakt fixiert. Ein etwaiger Anhaltspunkt in Hinblick auf die Lage dieser Achse ist durch einen Dachabdruck am angrenzenden Nachbargiebel gegeben.
Dieser Dachabdruck belegt, dass zumindest die Dachtraufe weit über die heutige Gebäudeflucht hinausreichte. Mit hoher Wahrscheinlichkeit spiegelt sich hier eine ehemalige Auskragung des Oberstocks wider.
Das Ständergerüst ist im Bereich der Längsachse durch die erhaltene Schwelle fixierbar. Am südlichen Ende besitzt diese eine Sasse für ein nach oben ansteigendes Fußband. Das Fußband fixierte den Giebelständer im Bereich der südlichen Auskragung.
Im weiteren Verlauf nach Norden besitzt die Schwelle zwei ausgeprägte Zapfenlöcher. Weiter nach Norden ist die Schwellenoberseite stark abgeteilt. Im Zusammenhang mit dem Ständergerüst des Unterbaus und der weiten Spannweite des ehemaligen Rähmholzes über dem Oberstock wird bis zum Nordgiebel ein weiterer Ständer rekonstruiert.
Damit lässt sich für den Oberstock ein Gerüstraster von 4 auf 5 Eichenständern festlegen. Während die Querachsen weitgehend die vertikale Abstimmung mit den Achsen des Unterbaus aufnehmen, ist das mit einer Längsachse weniger ausgestattete Traggerüst des Oberstocks so angeordnet, dass das untere Stubenschiff weitgehend lastfrei bleibt.
Das Ständergerüst des Oberstocks scheint bis auf die Gerüstständer im Auskragungsbereich nur kopfzonig ausgesteift worden zu sein.
Hinsichtlich den Wandfüllungen gelten die gleichen Aussagen wie für das Obergeschoss.
Bemerkenswert ist die geringe Höhe dieses Stockwerkes von ca. 2,40 m zwischen Oberkante Fußbodengebälk und Unterkante Deckengebälk. Im Vergleich zum Obergeschoss ist daraus keine Wohnnutzung ableitbar. Im Zusammenhang mit dem nahezu gleichmäßigen Ständerraster und Analogbefunden an Biberacher Hausbauten des 14. Jh. ist für diese Etage am ehesten eine Lagerbene anzunehmen. Ob diese Ebene schon ursprünglich in einzelne Kammern unterteilt wurde ist ungewiss.
Das ursprüngliche Deckengebälk (Dachgebälk) und das Dachwerk sind nicht mehr vorhanden.