Objekt(10658): Wohnsiedlung "Rauher Kapf" Wohnsiedlung "Rauher Kapf"

ID: 193011886118
Datum: 10.03.2016
Datenbestand: Bauforschung und RestaurierungBauforschung und Restaurierung
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Information(10658): Wohnsiedlung "Rauher Kapf" Objektdaten

Straße: Taunusstraße
Hausnummer: 50-72
Postleitzahl: 71032
Stadt: Böblingen
Regierungsbezirk: Stuttgart
Kreis: Böblingen (Landkreis)
Gemeinde: Böblingen
Wohnplatz: Rauher Kapf
Wohnplatzschlüssel: 8115003003
Flurstücknummer: keinekeine
Historischer Straßenname: keinerkeiner
Historische Gebäudenummer: keinekeine
Lage des Wohnplatzes
BW
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Objektverknüpfungen(10658): Wohnsiedlung "Rauher Kapf" Objektbeziehungen

keinekeine
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Objekt(10658): Wohnsiedlung "Rauher Kapf" Umbauzuordnung

keinekeine
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Objekt(10658): Wohnsiedlung "Rauher Kapf" Weitere Objekte an diesem Wohnplatz

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Bauphasen(10658): Wohnsiedlung "Rauher Kapf" Bauphasen

Kurzbeschreibung der Bau-/Objektgeschichte bzw. Baugestaltungs- und Restaurierungsphasen:

Die Siedlung "Rauher Kapf" wurde zwischen 1963 und 1966 erbaut (a). Als Partnerarchitekt wird Philipp Plötz, Stuttgart gelistet, die Projektleitung lag bei Peter-Fritz Hoffmeyer-Zlotnik und die Bauleitung bei Kurt Storm, Stuttgart.


1. Bauphase:
(1963 - 1966)
Die Siedlung "Rauher Kapf" wurde zwischen 1963 und 1966 erbaut (a). Als Partnerarchitekt wird Philipp Plötz, Stuttgart gelistet, die Projektleitung lag bei Peter-Fritz Hoffmeyer-Zlotnik und die Bauleitung bei Kurt Storm, Stuttgart.
Betroffene Gebäudeteile: Betroffene Gebäudeteile
  • Erdgeschoss
  • Obergeschoss(e)
  • Dachgeschoss(e)
  • Untergeschoss(e)
  • Ausstattung
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Besitzer(10658): Wohnsiedlung "Rauher Kapf" Besitzer

keine Angabenkeine Angaben
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Objekt(10658): Wohnsiedlung "Rauher Kapf" Zugeordnetes Objekt

keineskeines
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Fotos

Gebäude A Außen Nord / Wohnsiedlung "Rauher Kapf" in 71032 Böblingen, Rauher Kapf (11.12.2015 - strebewerk.)
Gebäude A Außen Süd / Wohnsiedlung "Rauher Kapf" in 71032 Böblingen, Rauher Kapf (11.12.2015 - strebewerk.)

Gebäude A Außen West / Wohnsiedlung "Rauher Kapf" in 71032 Böblingen, Rauher Kapf (11.12.2015 - strebewerk.)
Gebäude B Außen Nord / Wohnsiedlung "Rauher Kapf" in 71032 Böblingen, Rauher Kapf (11.12.2015 - strebewerk.)
Gebäude B Außen Ost / Wohnsiedlung "Rauher Kapf" in 71032 Böblingen, Rauher Kapf (11.12.2015 - strebewerk.)
Gebäude B Außen Süd Fensterdetail / Wohnsiedlung "Rauher Kapf" in 71032 Böblingen, Rauher Kapf (11.12.2015 - strebewerk.)
Gebäude B Außen Süd Balkondetail / Wohnsiedlung "Rauher Kapf" in 71032 Böblingen, Rauher Kapf (11.12.2015 - strebewerk.)
Gebäude B Außen Süd / Wohnsiedlung "Rauher Kapf" in 71032 Böblingen, Rauher Kapf (11.12.2015 - strebewerk.)
Gebäude B unc C Außen Südwest / Wohnsiedlung "Rauher Kapf" in 71032 Böblingen, Rauher Kapf (11.12.2015)
Gebäude C Außen Nord / Wohnsiedlung "Rauher Kapf" in 71032 Böblingen, Rauher Kapf (11.12.2015 - strebewerk.)
Gebäude C Außen Ost / Wohnsiedlung "Rauher Kapf" in 71032 Böblingen, Rauher Kapf (11.12.2015 - strebewerk.)
Gebäude C Außen Süd / Wohnsiedlung "Rauher Kapf" in 71032 Böblingen, Rauher Kapf (11.12.2015 - strebewerk.)
Gebäude C Außen West / Wohnsiedlung "Rauher Kapf" in 71032 Böblingen, Rauher Kapf (11.12.2015 - strebewerk.)
Gebäude D Außen Nord / Wohnsiedlung "Rauher Kapf" in 71032 Böblingen, Rauher Kapf (11.12.2015 - strebewerk.)
Gebäude D Außen Ost / Wohnsiedlung "Rauher Kapf" in 71032 Böblingen, Rauher Kapf (11.12.2015 - strebewerk.)
Gebäude D Außen Süd / Wohnsiedlung "Rauher Kapf" in 71032 Böblingen, Rauher Kapf (11.12.2015 - strebewerk.)
Gebäude D Außen West / Wohnsiedlung "Rauher Kapf" in 71032 Böblingen, Rauher Kapf (11.12.2015 - strebewerk.)
Gebäude E Außen Nord / Wohnsiedlung "Rauher Kapf" in 71032 Böblingen, Rauher Kapf (11.12.2015 - strebewerk.)
Gebäude E Außen Ost / Wohnsiedlung "Rauher Kapf" in 71032 Böblingen, Rauher Kapf (11.12.2015 - strebewerk.)
Gebäude E Außen Süd / Wohnsiedlung "Rauher Kapf" in 71032 Böblingen, Rauher Kapf (11.12.2015 - strebewerk.)
Gebäude F Außen Nord / Wohnsiedlung "Rauher Kapf" in 71032 Böblingen, Rauher Kapf (11.12.2015 - strebewerk.)
Gebäude F Außen Ost / Wohnsiedlung "Rauher Kapf" in 71032 Böblingen, Rauher Kapf (11.12.2015 - strebewerk.)
Gebäude F Außen Süd / Wohnsiedlung "Rauher Kapf" in 71032 Böblingen, Rauher Kapf (11.12.2015 - strebewerk.)
Gebäude F Außen West Detail / Wohnsiedlung "Rauher Kapf" in 71032 Böblingen, Rauher Kapf (11.12.2015 - strebewerk.)
Gelände / Wohnsiedlung "Rauher Kapf" in 71032 Böblingen, Rauher Kapf (11.12.2015 - strebewerk.)
Gelände / Wohnsiedlung "Rauher Kapf" in 71032 Böblingen, Rauher Kapf (11.12.2015 - strebewerk.)
Gelände mit ursprünglichem Teich / Wohnsiedlung "Rauher Kapf" in 71032 Böblingen, Rauher Kapf (11.12.2015 - strebewerk.)
Laden Nordost / Wohnsiedlung "Rauher Kapf" in 71032 Böblingen, Rauher Kapf (11.12.2015 - strebewerk.)
Laden Nordwest / Wohnsiedlung "Rauher Kapf" in 71032 Böblingen, Rauher Kapf (11.12.2015 - strebewerk.)
Laden Süd / Wohnsiedlung "Rauher Kapf" in 71032 Böblingen, Rauher Kapf (11.12.2015 - strebewerk.)

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Zugeordnete Dokumentationen

  • Bestandserhebung und bauhistorische Einordnung
  • Bericht und Kartierung zur Erfassung und Bestandserhebung der Wohnanlage Einordnung in das Werk und Materialverständnis des Architekten Hans Scharoun
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Beschreibung(10658): Wohnsiedlung "Rauher Kapf" Beschreibung

Umgebung, Lage: Südöstlich der Stadt Böblingen entstand die Waldsiedlung 'Rauher Kapf' als Trabantenstadt im Grünen. Nukleus der Siedlung ist das von Scharoun beplante, eiförmige Grundstück mit den sechs Punkthäusern und einem niedrigen Ladengebäude. Die Taunusstraße umschließt das tropfenförmige Grundstück wodurch eine Wendeschleife als Endpunkt der Erschließungsstraße entsteht. Wohl weitgehend zeitgleich entwickelten sich das nördlich angrenzende Wohngebiet mit Zeilenhäusern und das im Süden anschließende Einfamilienhausviertel. Entlang dem Grundstücksrand weitet sich die Erschließungsstraße fünf Mal zu Parkplatzbuchten auf.
Drei unterschiedliche Gebäudetypen treten in der Siedlung auf: Ganz im Westen steht das Gemeinschaftshaus / Ladenzentrum mit der anschließenden Tiefgarage, die Nordflanke wird von drei sechsgeschossigen Wohnhäusern mit drei Wohnungen pro Geschoss (EG 2 Wohnungen, Fahrradkeller, Gemeinschaftsraum, 1.-5. OG je 3 Wohnungen, 6. OG 1 Atelierwohnung -> 18 Wohneinheiten pro Block, insgesamt 54 Wohneinheiten; Block B mit drei Wohnungen mehr, da sich auf vier Geschossen 4 Wohnungen, aber in einem Geschoss nur 2 Wohnungen befinden) eingenommen, die Südseite von drei viergeschossigen Wohnhäusern mit drei Wohnungen pro Geschoss (insgesamt 36 Wohneinheiten).
Die Siedlung 'Rauher Kapf' liegt inmitten eines ausgedehnten Waldgebiets zwischen dem Siedlungsgebiet der Stadt Böblingen und der angrenzenden Gemeinde Schönaich. Markenzeichen der leicht hügeligen Landschaft ist der dichte Laubbaumbestand des Schönbuchs. Innerhalb des tropfenförmigen Grundstücks greift Scharoun einige natürliche Charakteristika auf und ergänzt sie mit einzelnen Besonderheiten zu einer Wohn-Landschaft.
Lagedetail:
  • Siedlung
    • Wohnsiedlung
Bauwerkstyp:
  • Wohnbauten
    • Wohnhaus
Baukörper/Objektform (Kurzbeschreibung): Insgesamt finden sich drei Farben (gelb, hellorange, mauve) an den Wohnhäusern und ein kräftiges Terracotta-Rot am Ladenbau in Kontrast zu weiß und grau. Die Blöcke bestehen aus mehreren kombinierten Volumina, die jeweils in einem Farbton gestrichen sind. Übergänge sind in Weiß und Grau gehalten, ebenso wie Balkone, Deckenuntersichten, Attika und Sockelzone.
Innerer Aufbau/Grundriss/
Zonierung:
Die Grundrisse der Regelgeschosse sind nur in den grundlegenden Bestandteilen festgelegt. Die Architekten bestimmten die Lager der tragenden Mauern und den Grobzuschnitt der Wohneinheiten, die für jeweils 3 bzw. 4 Zimmer disponiert waren. Je drei, nur in Block B teils vier Wohnungen gruppieren sich radial um das Treppenhaus.
Die Erschließung der Wohneinheiten von beiden Treppenpodesten mit halbgeschossigem Versprung erweist sich als äußerst platzsparend.48 Die Wohnungen auf der Südseite liegen ein Halbgeschoss höher (Blöcke A-C) oder tiefer (Blöcke D-F) als die Wohnung auf der Nordseite. Die Treppenhäuser liegen im Zentrum des Gesamtgrundrisses.
Die genaue Raumaufteilung und auch Details wie die Optik und Lage von Innentüren wurden in Absprache mit den zukünftigen Bewohnern bestimmt.
In der Siedlung `Rauher Kapf´ ergeben sich in allen Wohnungen leicht unterschiedliche Raumzuschnitte.
In jedem Fall wird eine großzügige Diele betreten, die als Kernstück und Verteiler der Wohnung fungiert. Zu drei Seiten lagern sich die Räume an, wobei sich alle Wohnzimmer nach Süden orientieren, die Schlafzimmer nach Osten oder Westen. Bei offenen Zimmertüren ergeben sich vielfältige Ausblicke von der Diele, zumeist in mehrere Himmelsrichtungen. Jeder Raum hat eine apodiktische Orientierung, Fenster oder Balkontüren gibt es ausschließlich auf einer Seite des Raums, teils leicht um die Ecke gezogen oder als verglaster Einschnitt ausgeführt.
Hier offenbaren sich gleich zwei entwerferische Finessen von Scharoun: Zum einen die Entwicklung der Baugestaltung von innen heraus, da Scharoun, um die Südausrichtung aller Wohnzimmer konsequent umzusetzen, eine Auffächerung der Volumina als Entwurfsprinzip einsetzte. Mit der gängigen kubischen Form eines punktförmigen Wohnblocks hätten maximal zwei der drei Wohnungen einer Etage eine optimale Raumorientierung erhalten können. Zum anderen hätte eine schmalere Zeilenbauweise den fließenden Park zwischen den Bauten, die für den Architekten so wichtige Einbettung in das Umfeld, nicht erlaubt.
Alle Küchen haben ein Außenfenster zur natürlichen Belichtung und Belüftung.
Während bei den kleineren Blöcken ein rechtwinkliger Raum vollständig mit den Treppenläufen ausgefüllt wird, ergibt sich in den höheren Blöcken durch die trapezförmige Raumgestalt ein schmaler Luftraum neben den Treppenläufen, der dem Treppenhaus subtil einen leichteren Raumeindruck verleiht. Auch die Erschließung unterschiedet sich etwas: Bei den viergeschossigen Häusern sind zwei Wohnungen vom oberen und eine vom unteren Podest zugänglich. In den sechsgeschossigen Wohnblöcken wird i. d. R. je eine Einheit von jedem Podest und eine
Wohnung über einen Laubengang erschlossen.
Küche und Bad / WC sind in ihrer Fläche minimiert und letztere in den dunklen, innenliegenden Bereichen angeordnet. In Einzelfällen konnten auch zwei Wohneinheiten einer Ebene zu einer Wohnung zusammengefasst werden.
Im Dachgeschoss der höheren Blöcke ist auf der Südseite eine Atelierwohnung untergebracht, die zwar nur über 3 ½ Zimmer verfügt, aber durch eine äußerst großzügige, teils überdeckte Dachterrasse maßgeblich erweitert wird.

Ladengebäude
Im Ladengebäude befanden sich im Erdgeschoss auf der Nordseite der Lebensmittelladen und auf der Südseite Jugendräume und Spielzimmer. Im ersten Obergeschoss im Norden zwei Wohnungen, im Süden der Friseursalon und eine kleine Wohnung. Im zweiten Obergeschoss waren eine Wohnung und ein Einzimmer-Apartment vorgesehen.
Eine der Einheiten wurde den Angaben der Bewohner zu Folge zwischenzeitlich als Arztpraxis genutzt. Mittlerweile sind alle Einheiten zu Wohnungen umgebaut worden.
Außentreppen erschließen die insgesamt drei Ebenen. Zusätzlich gibt es innenliegende Treppenhäuser in der Nordost- und Südostecke.

Spannend ist die Situierung der Balkone, die großzügige Ausblicke nach Süden zulassen, durch geschickte Positionierung, halbgeschossigen Versatz in der Höhe und Sichtschutzpaneele aber kaum Interaktion zulassen, sodass zu jeder Wohneinheit ein geschützter Freiraum gehört. Vorrichtungen für die Balkonbepflanzung ergänzen das Konzept der `gestapelten Einfamilienhäuser´ um den privaten Freibereich, sozusagen eine Gartenreminiszenz.
Vorgefundener Zustand (z.B. Schäden, Vorzustand): Die Fassadenfarben der Siedlung 'Rauher Kapf' wurden in den 1990er Jahren neu aufgetragen.
Im Innenbereich wurden ebenfalls neue Anstriche aufgetragen. Im Vergleich mit den wenigen Farbresten zeigen sich zumindest an den Wohnungseingangstüren in hellgrün deutliche Farbunterschiede zwischen Original und Neuanstrich, gleiches gilt für die Rottöne der roten Wohnungseingangstüren. Somit ist eine Einschätzung, wie nah die heutigen Farben allgemein am Original sind, ohne restauratorische Untersuchung nicht zu treffen.
Fliesen aus der Bauzeit finden sich nur noch in wenigen, frei zugänglichen Bereichen wie z. B. den Toiletten im Untergeschoss des Ladengebäudes. Hier wurden als Bodenbelag kleinformatige Fliesen mit grau-weiß-melierter Oberfläche (10 cm x 10 cm) als Boden- und Wandfliesen verwendet. Als Wandfliesen wurden creme-weiße quadratische Fliesen (15 cm x 15 cm) verbaut.
Als Bodenbeläge der Wohnungen waren zeittypisch Teppichböden vorgesehen, die sich die Bewohner selbst aussuchen konnten. Lediglich in den Küchen und in den Gemeinschaftsräumen finden sich PVC-Plattenbeläge, die noch aus der Bauzeit stammen. Die Platten mit grau-weißer Maserierung wurden mit alternierender Laufrichtung verlegt, sodass eine ungerichtete Bodenfläche entsteht.
In den Treppenhäusern findet sich ein Kunststein-Plattenbelag mit Terrazzo-artiger grau-weißer Melierung (30 cm x 30 cm). Die gleiche Oberflächengestaltung weisen die jeweils durchgehenden Platten der Trittstufen auf.
Die Oberfläche ist glatt geschliffen. Das Fugenbild zwischen den Platten ist sehr fein und regelhaft.
Kunststeinplatten (50 cm x50 cm) mit rauer, körniger Oberfläche finden sich im Außenbereich als Belag der Fußwege.
Expressive Kantungen und abgerundete Ecken als Übergänge zum Dachrand zeichnen die Dachüberstände aus.
Hier setzt Scharoun die vorteilhaftesten Eigenschaften des modernen Baumaterials Beton in Szene, indem er einzelne Bereiche des Dachrandes nach vorne zieht und diese flugdachartig auskragen lässt. Gleiches gilt für die stützenfrei auskragenden Vordächer des Ladengebäudes.
Bestand/Ausstattung: Die auftretenden Fenstertypen sind sehr variantenreich: drei verschiedene einteilige, leicht hochrechteckige Drehkippfenster, drei einteilige, leicht queroblonge Drehkippfenster, zwei zweiteilige Fenster mit einem quadratischen Drehkippflügel und einem schmalen, hochrechteckigen Festverglasungsfeld (links oder rechts), zwei Varianten des dreiteiligen Fensters mit einem Drehflügel, einem Drehkippflügel und einem schmalen festverglasten Randfeld sowie ein quergeteiltes zweiteiliges Fenster mit festverglasten Unterlichtstreifen und quadratischen
Schwingflügel. Ebenso viele Variationen gibt es bei den Balkontüren. Eigenständige Fensterformate wurden für die Atelierwohnungen entworfen. Besonders auffällig ist jeweils das Wechselspiel zwischen öffenbaren und festverglasten Bereichen. Die Rahmendicke und somit die Fläche der Verglasung wechselt zwischen den sehr schmalen Rahmen für die festverglasten Bereiche (seitlich, unter oder über einem Öffnungsflügel) und der aufgedoppelten Rahmendicke durch den Öffnungsflügel.
Die Stöcke und Öffnungsflügel der Wohnungsfenster bzw. Balkontüren sind aus Holz mit einer doppelten Profilierung gefertigt. Alle Teile wurden weiß lackiert. Eingekittet findet sich eine Doppelverglasung. Einfache Fitschenbänder dienen der Aufhängung und einfache silberfarbene Griffe der Bedienung. Die Balkontüren weisen zierliche Griffoliven auf. Innenseitig wurde eine Fensterbank aus Solnhofener Schiefer eingebaut, außenseitig eine schlanke, nur wenig über die Putzfläche herausragende Verblechung angebracht.
Im Treppenhaus der niedrigeren Blöcke dient ein klappbares Fenster als Ausstieg und Lüftung. Die Glasbausteine zu Belichtung der Treppenhäuser werden in einem der nachfolgenden Absätze genauer beschrieben.
Ein Heizkörperelement mit Holzeinhausung wurde jedem Fenster beigeordnet und gehört somit zum ursprünglichen Einheitsbauteil dazu. Ein einfacher, sehr niedriger Lamellenradiator wurde in einem Gehäuse aus Holz versteckt.
Ursprünglich waren die Einhausungen holzsichtig lackiert, später wurden einzelne mit einer weißen Lackierung versehen. Ebenso zu jedem Fensterelement gehört ein Holzrolladen mit einer weiß lackierten Einhausung und Textilgurt. Häufig wurden die Holzrollläden durch Kunststoff-Rollläden ersetzt.
Alle Wohnungseingangstüren wurden aus Brandschutzgründen ersetzt. Im Original erhalten sind lediglich Zimmertüren innerhalb der Wohnungen. Die Innentüren werden als Beispiel für die individuelle Mitbestimmung der Erstbezieher herangezogen. In den beiden besichtigten Wohnungen fanden sich unterschiedliche Türtypen und Klinkendesigns. Nach Angaben der heutigen Bewohner wurden diese Ausstattungsteile nach den Wünschen zukünftigen Bewohner für jede Wohnung angepasst. In einer Wohnung fanden sich Türblätter mit breiten, mahagonifarbenen Holzrahmen und einem leicht grünlich gefärbten Strukturglasfeld und goldfarbenen Zierklinken, in der anderen Klarglasfelder in Holrahmen oder vollflächig furnierte Türblätter im Farbton von hellem Eichenholz
mit silberfarbenen Klinken.
Beim Ladenbau treten als Besonderheit Stahl-Glas-Tür- bzw. Fenster-Elemente auf, die zugleich als Zugänge zu den öffentlich genutzten Einheiten von den Dachterrassen dienen.

Elektroinstallation, integrierte Deckenlampen und Fernwärme
Die Elektroinstallation ist in weiten Teilen im Original erhalten: Ein Steigstrang verläuft vertikal in jedem Treppenhaus.
Im Bereich des jeweiligen oberen Treppenpodests befindet sich ein öffenbarer Holzkasten mit Wohnungsanschlüssen und Zählern an der Wand. Innerhalb jeder Wohnung ist neben der Tür ein Sicherungskasten in die Wand eingelassen. Ursprünglich waren nur drei Sicherungen für jede Wohneinheit vorgesehen.
Im Keller finden sich teils noch historische Bakelit-Schalter und in den Wohnungen sind teils die Kunststoff-Schalter aus der Bauzeit erhalten.
Bemerkenswert sind die in den Deckenputz der Treppenhäuser integrierten Lampen. Sie bestechen durch ihre simple Konstruktion aus fünf Kunststoffringen.
Geradezu zukunftsorientiert mutet die Fernwärmeversorgung der gesamten Siedlung durch eine Gemeinschaftsheizanlage an, die zur Bauzeit außergewöhnlich – und außergewöhnlich luxuriös – war. Die unterirdische Heizzentrale befindet sich neben und in Block A, ein Rohrsystem bedient die jeweiligen Hauseinheiten durch einen Hausanschlussraum im Untergeschoss.

Sanitärausstattung
Sanitäreinrichtung und –möblierung wurden in Absprache mit den Ersteigentümern eingebaut. Im Original erhalten sind noch zahlreiche Waschbecken, Badewannen mit integrierten Heizkörpern und Toiletten. Auch die Fliesen wurden mit den zukünftigen Eigentümern abgesprochen. Im Ladengebäude findet sich noch das WC des
Hausmeisters mit originaler Fliesen- und Sanitärausstattung. Für eine Wohnung in Block B existieren Zeichnungen
der Architekten für die Badausstattung.

Einbaumöbel
In beiden besichtigten Wohneinheiten befanden sich bauzeitliche Einbauschränke. Bemerkenswert war ein Schuhschrank mit Lüftungslamellen in den Türen und ein `Bühnenersatz´ in Form eines Zwischenbodens im Flur. Für eine Wohnung in Block B fanden sich im Planarchiv vor Ort Detailpläne für einzelne Möbel und Ausstattungsstücke, wie einen Schreibtisch oder eine Durchreiche.

Balkone und Dachterrassen
Wie so häufig dienten auch bei der Siedlung 'Rauher Kapf' Balkone als wichtigstes Ausdrucksmittel. Bodenplatte, Geländer und Windschutz verstand Scharoun als kompositorische Elemente, die ihrem Material gemäß inszeniert werden mussten.
Alle Balkone sind nach Süden ausgerichtet. Je nach Situierung stehen sie risalitartig vor der Fassade oder betonen die Gebäudeecken durch ihre expressionistische Form. Jeder Balkon setzt sich aus der Bodenplatte aus Beton, einem Sockelwandbereich aus Beton, einem Geländer aus Stahlrohr und geriffeltem Aluminiumblech, als 'Waffel-Aluminium' im Plan bezeichnet, sowie den integrierten Aufhängungen für die Blumenkästen zusammen. Als Bodenbelag dienen quadratische Kunststeinplatten. Der Balkon zog somit den Garten in die Wohnung. Die Balkone sind weitgehend in ihrer Originalsubstanz erhalten. Einzig die gebogenen Sicht- und Windschutzelemente aus gewelltem Kunststoff wurden in rezenter Zeit aus Brandschutzgründen erneuert. Im Originalplan findet sich Well-Skobalith als Materialangabe.
Dachterrassen sind den Atelierwohnungen auf den sechsgeschossigen Blöcken zugeordnet. In variierender Breite laufen sie an drei Seiten um die Wohnung herum. Ein ehemals niedriges Geländer aus Stahlrohr, teils mit Glasplatten als Windschutz, teils mit senkrechten Gitterstäben, wurde nachträglich aus Sicherheitsgründen erhöht.
Ein besonderes Detail ist auch die Außendusche für die komfortable Abkühlung an heißen Sommertagen.
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Konstruktionen(10658): Wohnsiedlung "Rauher Kapf" Konstruktionen

Konstruktionsdetail:
  • Dachform
    • Flachdach
Konstruktion/Material: Sichtbeton findet sich in der Siedlung ausschließlich im Bereich des Ladenbaus und der Tiefgarage, gestrichene Betonflächen nur an wenigen Stellen wie z. B. der Untersicht der Betonplatten und der Oberfläche der Rundstützen in den Eingangsbereichen der viergeschossigen Blöcke D-F. Die Sockelbereiche der Betonbrüstungen waren laut Originalplan als Sichtbetonflächen konzipiert, sind jedoch heute weiß bzw. grau gestrichen.
Körnung und Struktur der Putze orientieren sich an den spezifischen Anforderungen: Rauputze finden sich an den Fassade mit wenigen kontrastierenden Glattputzbereichen wie an den Stoßfugen der Volumina und den Sockelzonen.
Im Inneren findet sich nur sehr glatter Putz, um eine möglichst neutrale Raumschale zu erzeugen. Die meisten Glattputzflächen sind mit Raufasertapete überzogen und weiß getüncht.
Metall findet Verwendung in Form von Stahlrohren, zumeist quadratischen oder runden Querschnitts für Geländer, Rundstäben oder Gitterfelder als Geländerfüllung und Alublechen an Balkonen und Attika. Die Wirkung des Materials auf die Wahrnehmung der Architektur ist nicht zu unterschätzen. Scharoun kalkulierte im 'Rauhen Kapf' und in den Referenzbeispielen offensichtlich die Farbänderung durch unterschiedliche Lichtreflexionen ein. Die Strukturierung der Oberfläche und die Wellenform der Bleche erhöhen den futuristischen Charakter der Bauten. Scharoun wechselt je nach Balkonseite zwischen geriffelter Oberfläche, im Plan als 'Waffel-Aluminium' bezeichnet und glattem Alublech ab. Die Spiegelung des Lichts, die Reflexion von Farben bewirkt eine scheinbare Durchsichtigkeit der Windschutzelemente und Balkonbrüstungen. Der Betrachter von außen
wird in seiner Wahrnehmung zugunsten der Privatsphäre der Bewohner getäuscht. In der Siedlung 'Rauher Kapf' wurden aus Brandschutzgründen neue Sichtschutz-Elemente angebracht.
Die Stahl-Glas-Türelemente der Hauseingänge repräsentieren ein zeittypisches Merkmal der Fortschrittsgläubigkeit und der Wirtschaftsaufschwungs. Ihre Eleganz und Durchsichtigkeit passt zu Scharouns Absicht der sich nach außen öffnenden Wohnhäuser. Die Öffnung darf nicht als extrovertiert missverstanden werden, da sie sich ausschließlich den Bewohnern innerhalb der Wohneinheiten zu erkennen gibt. Ausblicke sind Programm, Einblicke werden weitgehend verhindert.
Die Metalltüren und Fenstereinheiten des Ladengebäudes wurden zwischenzeitlich wohl mehrheitlich ausgetauscht.