Objekt(12147): Wohnhaus mit Schmiede Wohnhaus mit Schmiede

ID: 141649762821
Datum: 20.08.2018
Datenbestand: Bauforschung und RestaurierungBauforschung und Restaurierung
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Information(12147): Wohnhaus mit Schmiede Objektdaten

Straße: Kasernengasse
Hausnummer: 1
Postleitzahl: 89584
Stadt: Ehingen (Donau)
Regierungsbezirk: Tübingen
Kreis: Alb-Donau-Kreis (Landkreis)
Gemeinde: Ehingen (Donau)
Wohnplatz: Ehingen (Donau)
Wohnplatzschlüssel: 8425033012
Flurstücknummer: keinekeine
Historischer Straßenname: keinerkeiner
Historische Gebäudenummer: keinekeine
Lage des Wohnplatzes
BW
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Objektverknüpfungen(12147): Wohnhaus mit Schmiede Objektbeziehungen

keinekeine
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Objekt(12147): Wohnhaus mit Schmiede Umbauzuordnung

keinekeine
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Bauphasen(12147): Wohnhaus mit Schmiede Bauphasen

Kurzbeschreibung der Bau-/Objektgeschichte bzw. Baugestaltungs- und Restaurierungsphasen:

Das heutige Erscheinungsbild des Gebäudes ist geprägt von zwei wesentlichen Umbauphasen des 16. und des 17. Jahrhunderts, wohingegen die Bauteile des erhaltenen Kernbaus dendrochronologisch ins Jahr 1353 datieren.
Zu einem späteren Zeitpunkt erfolgte eine partielle besitzrechtliche Teilung des Gebäudes. So befinden sich heute Teile des südlichen Schiffs als Stockwerkseigentum im Besitz des südlich angrenzenden Nachbarn.


1. Bauphase:
(1353)
Das älteste, erhaltene Fachwerkgerüst des Gebäudes datiert ins Jahr 1353 (d).
Betroffene Gebäudeteile: keinekeine
Lagedetail:
  • Siedlung
    • Stadt
Bauwerkstyp:
  • Gewerbe- und Industriebauten
    • Schmiede
  • Wohnbauten
    • Wohnhaus

2. Bauphase:
(1556)
Der Umbau von 1556 brachte eine Neugestaltung des östlichen Hauptgiebels und der nördlichen Traufe, sowie eine veränderte Grundrissgliederung im 2. Oberstock einschließlich einer neuen Stube mit sich. Außerdem bekam das Gebäude zu diesem Zeitpunkt ein neues Dachwerk. Der Ostgiebel besaß nachweislich einen Krüppelwalm.
Betroffene Gebäudeteile: Betroffene Gebäudeteile
  • Obergeschoss(e)
  • Dachgeschoss(e)
Konstruktionsdetail:
  • Dachform
    • Schopfwalm (Krüppelwalm)

3. Bauphase:
(1673)
Eine weitere Baumaßnahme von 1673 betraf vor allem die westliche Gebäudehälfte sowie die gesamte Ausstattung. Die massiven Umfassungswände stammen ebenfalls aus dieser Zeit.
Betroffene Gebäudeteile: keinekeine
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Besitzer(12147): Wohnhaus mit Schmiede Besitzer

keine Angabenkeine Angaben
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Objekt(12147): Wohnhaus mit Schmiede Zugeordnetes Objekt

keineskeines
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Fotos

keinekeine
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Zugeordnete Dokumentationen

  • Bauhistorische Kurzuntersuchung
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Beschreibung(12147): Wohnhaus mit Schmiede Beschreibung

Umgebung, Lage: Das untersuchte Gebäude befindet sich in der sogenannten Unterstadt von Ehingen.
In unmittelbarer Nachbarschaft des Gebäudes liegt das ehemalige "Heilig-Geist-Spital". Mit der Spitalkirche im Norden und dem ehemaligen Spital-Stadel im Westen grenzen diese Gebäude des Spitals zum Teil unmittelbar an das untersuchte Gebäude an. Die Nord- und Ostseite wird vom Straßenraum der ehemaligen Spitalgasse, heute Kasernengasse, umschlossen.
Lagedetail:
  • Siedlung
    • Stadt
Bauwerkstyp:
  • Gewerbe- und Industriebauten
    • Schmiede
  • Wohnbauten
    • Wohnhaus
Baukörper/Objektform (Kurzbeschreibung): Der ehemalige Fachwerkbau aus dem 14.Jahrhundert war im Unterstock und dem 1.Oberstock als zweigeschossiger Ständerbau abgezimmert, auf dem noch ein 2.Oberstock aufgesetzt war.
Innerer Aufbau/Grundriss/
Zonierung:
Die lichte Raumhöhe des Unterstocks wie auch des 1.Oberstocks fallen mit ca. 2,1 m auffällig niedrig aus. Dagegen besaß der 2.Oberstock eine großzügige lichte Stockwerkshöhe von ca. 2,8 m.
Vorgefundener Zustand (z.B. Schäden, Vorzustand): keine Angabenkeine Angaben
Bestand/Ausstattung: keine Angabenkeine Angaben
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Konstruktionen(12147): Wohnhaus mit Schmiede Konstruktionen

Konstruktionsdetail:
  • Holzgerüstbau
    • allgemein
  • Mischbau
    • Holzbau mit Gebäudeteil aus Stein
Konstruktion/Material: Unterstock und Keller
Der Unterstock (EG) sowie der 1. Oberstock wurden zur Erbauungszeit als zweigeschossiger Ständerbau abgezimmert. Seine ursprüngliche Grundrissgliederung lässt sich noch auf Grund der vorhandenen Befundlage rekonstruieren. Sie war dreischiffig und vierzonig. Diese ursprüngliche Gliederung spiegelt sich im heutigen Grundriss nicht mehr wieder. Vom ehemaligen Fachwerkgerüst sind aber im Unterstock noch drei Ständer sowie Teile des Deckengebälks erhalten. Nachweisbar ist in der Decke über dem Unterstock ein sog. LängsgebäIk. Es ist auf Querriegeln gelagert, welche wiederum in die Ständer eingezapft sind. Die ursprüngliche Höhe (Lange) dieser Ständer Iässt sich noch am westlichen Giebel nachweisen. Sie belegt wiederum die spätere Veränderung der Fußbodenhöhe auf sein heutiges Niveau.
Die Erschließung zur Erbauungszeit lässt sich nicht mehr eindeutig bestimmen. Sie wird aber an der nördlichen Traufe bzw. dem östlichen Giebel angenommen, wo sie sich auch heute noch
befindet.
Die Umbauphase des 16. Jh. lässt sich im Unterstock derzeit nicht nachweisen. Er besitzt inzwischen massive Umfassungswände, welche aber überwiegend der barocken Umbauphase von 1673 zuggeordnet werden. In diese Zeitstellung dürfte auch der halb eingetiefte Gewölbekeller in der östlichen Gebäudehälfte datieren.
Wegen des hohen Grundwasserspiegels waren die Häuser im tiefer gelegenen Teil der Unterstadt ursprünglich nicht mit Kellern ausgestattet.
Weitere Umbau- und Modernisierungsmaßnahmen räumten in diesem Jahrhundert die Erdgeschoss-Zone vollends aus. Sie besteht heute nur noch aus einer Halle im westlichen Gebäudeteil sowie einem Laden in der östlichen Gebäudehälfte. Das Fußboden-Niveau liegt im Bereich des ehemaligen Ladens (darunter der Gewölbekeller) um ca. 1,5 cm höher als in der Halle. Für die massiven Wände und den Gewölbekeller wurde als Bruchstein der anstehende Weiße Jura verwendet.

1. Oberstock
Aufgrund der durchgehenden Geschossständer weisen die beiden unteren Geschosse zwangsläufig jeweils dieselbe Grundrissgliederung auf. Entsprechend verhält es sich auch im 1. Oberstock. Nachdem hier ein größerer Baubestand von 1353 als im Unterstock erhalten ist, lassen sich sowohl die Grundrissgliederung wie auch die Nutzung eindeutiger zuordnen. Der Grundriss gliedert sich somit in zwei breite Außenschiffe sowie ein schmales Mittelschiff, welches den Mittelflur in den Zonen 2 bis 4 aufnimmt. Die Zone 1 fällt mit ca. 5,50 m am breitesten aus. Sie war ursprünglich verbohlt und beherbergte die Stube und eventuell eine weitere Kammer. Ihre genaue Größe lässt sich nicht mehr eindeutig bestimmen. Möglicherweise nahm sie das nördliche und das mittlere Schiff ein.

2. Oberstock
Über dem zweigeschossigen Unterbau besitzt der Kernbau von 1353 im 2. Oberstock ein separates abgezimmertes Stockwerk (sog. Mischgerüst), welches mit großer Wahrscheinlichkeit an der nördlichen Traufe und am Ostgiebel deutlich auskragte. Von diesem Gerüst ist in der Zone 3 ein Bundständer mit Aussteifungsband in Längsrichtung sowie dem dazugehörigen Längsunterzug erhalten. Auf diesem Längsunterzug von 1353 ist ein zweiter Längsunterzug aufgedoppelt. Er datiert bereits ins 15. Jh. und nimmt die Deckenbalkenlage sowie das Dachwerk von 1556 auf. Der gesamte 2. Oberstock erfuhr im 15. Jh. eine neue Nutzung und Grundrissgliederung. In dem breiten nördlichen Schiff wurde in Zone 1 eine großzügige Stube angelegt. Sie besaß einen repräsentativen Fenstererker über Eck. Teile dieses Fenstererkers sind noch erhalten.

1. Dachstock und Dachwerk
Im Verlauf des Jahres 1556 wurde über die gesamte Länge des Gebäudes Kasernengasse 1 ein neues Dachwerk aufgeschlagen. Es war zweischiffig und fünfzonig gegliedert. Hiervon sind noch die Zonen 1 bis 3 erhalten. Die Zonen 4 und 5 datieren die Umbauphase von 1673. In der Zone 1 sind zwei Kammern angelegt. Der übrige Dachraum war offen. In der Achse 4 zwischen den Zonen 3 und 4 erfolgte zu einem späteren Zeitpunkt eine räumliche Abtrennung. Sie wurde inzwischen zum größten Teil wieder entfernt. Erhalten sind noch die Reste einer Fachwerkwand sowie eine Türöffnung. Diese Bauteile wurden aus wiederverwendeten Hölzern abgezimmert und konnten deshalb nicht mit Hilfe der Dendrochronologie zeitlich eingeordnet werden.
Der Dachraum wurde bis auf die beiden Kammern am Ostgiebel als Speicherraum genutzt. Dies trifft auch für den 2. Dachstock zu, der über die gesamte Hauslänge keine Unterteilung aufweist.
Im gesamten Dachraum ist keine Verrußung nachweisbar. Dies lässt darauf schließen, dass für die Rauchführung zu diesem Zeitpunkt bereits Kamine im Gebrauch waren. Bis auf die Längspfetten, Teile der Kehlbalkenlage und Sparren sind die übrigen Bauhölzer sowie das gesamte östliche Giebeldreieck aus Eichenholz abgezimmert.
Das Dachwerk des 16. Jh. ist zweistöckig mit Spitzboden abgezimmert. Es besitzt im 1. Dachstock einen dreifach stehenden Stuhl. Im 2.Dachtock werden die Kehlbalken nicht mit einer Pfette unterstützt. Sie überblatten nur mit den Sparren. Der Ostgiebel war 1556 mit einem Krüppelwalm ausgebildet.
Die Queraussteifung erfolgt in Achse 2 mit einer Fachwerkwand. In den übrigen Bundachsen erfolgt sie mit Kopfstreben, welche in die Ständer einzapfen und mit den Kehlbalken überblatten. In der Längsaussteifung wird nach dem gleichen Prinzip vorgegangen. Hier überblatten die Kopfstreben mit den Pfetten. Die Kehlbalken überblatten mit den Sparren. Dagegen zapfen die Sparren in die Dachbalken ein. Am vorhandenen Dachstuhl zeigt sich bereits deutlich, wie um die Mitte des 16. Jh. die mittelalterliche Verblattungstechnik zu Gunsten der neuzeitlichen Verzapfungsweise langsam aufgegeben wird. Beide Holzverbindungstechniken vermischen sich hier, wobei die Verzapfung der Bauhölzer schon dominiert. Bei der gefügekundlichen Untersuchung des Dachwerks wurden außerdem einige wiederverwendete Sparren von 1353 erkannt. In den Zonen 3 und 4 richtet sich die Dachkonstruktion von 1673 in seiner Abzimmerung weitgehend nach dem Dachwerk von 1556 in den Zonen 1 bis 3 aus. So steifen die Kopfstreben hier auf die gleiche Weise die Dachkonstruktion in Quer- und Längsrichtung aus. Sie zapfen in die Ständer und überblatten mit dem Kehlgebälk bzw. den Pfetten. Diese Abzimmerungsweise ist im Barock im Allgemeinen nicht mehr üblich. Sie kann nur damit erklärt werden, dass der Zimmermann bewusst eine Druck-Zug-Verbindung mit der Schwalbenschwanz-Ausblattung erreichen wollte, um dem Dachwerk eine höhere Aussteifung zu geben. Die Pfetten des 17. Jh. besitzen in Achse 4 (zwischen Zone 1 und 4) keine eigenen Ständer zur Unterstützung. Sie sind nur auf den überstehenden Pfettenköpfen des Dachwerks von 1556 aufgelagert.